
von Elflein
Ankunft in einem Neuen Zuhause
Das Andra sich so verrückt machte, konnte Ted gar nicht verstehen. Den ganzen Tag schon rannte sie im Haus herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, hin und her und hin und her.
Dabei erwarteten sie nur einen jungen Mann als Gast und nicht den Kaiser von China, oder für Zauberer: den Zaubereiminister persönlich.
Kein Grund zu Aufregung also.
So wie Ted sich auf der Couch lümmelte käme auch niemand auf die Idee, er wäre in irgendeiner Weise von dem Besuch eines Werwolfs betroffen.
Der Hund flälzte sich genau so lustlos auf dem Leder wie sein Herrchen, einzig mit dem Ziel gekrault zu werden.
„Na, Socke, alter Kumpel?“ Ted tat ihm den Gefallen hielt jedoch inne, als auf dem Flimmerkasten ein Stürmer der gegnerischen Mannschaft auf dem Weg zum Tor gefoult wurde.
„Was pfeift der denn da?“, regte sich Ted auf, als der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigte. „Der hat sich fallen lassen, du blinder...“
„Kannst du nicht endlich mal die Kiste ausmachen?“, herrschte Andra ihn regelrecht an, als sie ins Zimmer gerauscht kam. Der Fernseher machte sie immer nervös. Nicht die sich bewegenden Bilder, aber der Gedanke, dass das ganze ohne Magie funktionierte.
Ted der sich sowieso nur über dieses Spiel aufregte, bei dem beide Mannschaften so grottenschlecht spielten, schaltete das Muggelgerät aus.
„Komm mal her, mein Schatz“, sagte Ted liebevoll, schubste den Hund weg und zog Andra sanft neben sich. „Warum bist du so nervös, Liebling?“
Und verspannt war sie. Seine Hände begannen sanft und weich ihr Schultern zu kneten, während er ihr Ohr und ihren Hals mit Küssen bedeckte.
„Warum ich nervös bin? Weil...mh, nicht aufhören.“, seufzte sie und lehnte sich gegen ihren Mann.
„Weil wir gleich einen Werwolf unter einem Dach mit unserer Tochter haben werden“, murmelte sie, widerstandsunfähig gegen seine Zärtlichkeit.
Ted lachte sorglos in ihr Ohr.
„Ja, aber du kennst ihn und du hast gesagt, dass er nett ist. Und Dumbledore kennt ihn und hat gesagt, dass er vollkommen ungefährlich ist.“ Andra schnaubte auf. „Außerdem war er sieben Jahre in Hogwarts und es ist rein gar nichts passiert.“
Sie drehte sich halb zu ihm um. „Ja, aber....“
Er verschloss ihre Mund mit seinem, als es an der Tür schellte.
Andra sprang auf. „Das ist er.“ Der nervöse Ausdruck trat wieder auf ihr Gesicht.
Ted lachte über Andras Reaktion und drückte sie wieder zurück aufs Sofa.
„Beruhige dich“, flüsterte er ihr zu und ging zur Tür, nicht ohne beinahe über den Hund zu stolpern.
Er öffnete die Tür und sah sich einem jungen Mann gegenüber, der müde und erschöpft und unglaublich mager aussah. Obwohl er erst Anfang 20 war konnte Ted schon einzelne graue Strähnen in seinem Haar ausmachen und die Augen wirkten unnatürlich stumpf und glanzlos.
Auch wenn sich Ted größte Mühe gab konnte er nicht verhindern, dass seine Augen über die Narben wanderten, die Gesicht und Hals bedeckten.
Er lächelte entschuldigend und streckte die Hand zur Begrüßung aus.
„Hi, ich bin Ted, du musst Remus sein. Komm doch rein.“
Nervös betrat der Werwolf die Wohnung und sah sich etwas verloren um. Um das Eis zu brechen plapperte Ted einfach drauf los.
„Wir haben dich schon erwartet. Andra ist die ganze Zeit schon unglaublich aufgeregt und Dora wollte gar nicht in den Kindergarten aus Angst dich zu verpassen. Ups, Verzeihung, eigentlich heißt sie Nymphadora.“, setze sie hinzu, während er Remus einen geflickten Umhang und eine ebenso geflickte Reisetasche abnahm.
Er geleitete den Gast in Richtung Wohnzimmer, wo Andromeda saß, als ihnen ein aufgeregt kläffender Socke entgegen kam. Die Ohren angelegt, den Schwanz eingezogen hörte er gar nicht mehr auf. Remus erstarrte.
„Aus, Socke, sei ruhig, dämlicher Kläffer. So reagiert er immer auf Fremde“, versicherte er Remus, was aber nicht ganz stimmte. Er bellte normalerweise ein wenig, sprang hoch, schnupperte und lief wie wild hin und her, aber so was hatte er noch nie gemacht. Es schien gerade so, als hätte er....Angst, als könne er den Wolf riechen.
„Ignorier ihn einfach“, riet er dem Gast, führte ihn ins Wohnzimmer und schloss die Tür um den Hund auszusperren.
Remus schien verunsichert und noch nervöser nach diesem Zwischenfall, sodass er erst auf dem zweiten Blick die Frau des Hauses auf dem Sofa sitzen sah.
„Guten Tag.“
Seine Stimme war leise, richtig schüchtern, fand Ted, aber na gut, was solls. Vielleicht war er ja schüchtern, außerdem sagte Dumbledore, dass er eine schwierige Zeit durchmacht.
Von Andras Aufregung war nun gar nichts mehr zu sehen, als der junge Mann vor ihr stand und ehrlich gesagt einen erbärmlichen Eindruck machte. Dieser Gedanke war von Ted überhaupt nicht böse gemeint, es entsprach einfach der Wahrheit.
„Hallo Remus, schön das du da bist.“
Andra stand auf und umarmte ihn kurz.
„Setz dich doch...oder sollen wir dir erst mal das Haus zeigen?“, fragte sie, als die Wohnzimmertür geöffnet wurde.
Ein kleines von goldenen Locken umrahmtes Gesicht blickte kurz durch den Spalt und lächelte breit, als es Remus sah. Gleich darauf wurde die Tür von einem immer noch nervtötend kläffendem Hund aufgestoßen. Doch ganz so weit kam der Beagel nicht, denn das kleine Mädchen, das jetzt zum Vorschein gekommen war packte ihn herzhaft am Schwanz und hielt ihn fest.
„Aus, Hund, aus.“, rief sie mit einer glockenhellen Stimme. Socke jaulte auf und versuchte sich loszureißen, doch Dora hielt erbarmungslos den Schwanz fest.
Ted lachte leise, hockte sich neben sie und löste ihre verkrampften Fingerchen. Der Hund wandte sich endlich davon ab den Werwolf anzubellen und leckte dem Mädchen über das Gesicht. Die lachte und schob ihn weg.
„Dora, das ist Remus“, stellte Ted seiner Tochter den Fremden vor und ignorierte den Blick seiner Frau. Die Kleine winkte begeistert. „Remus, das ist unsere Tochter Dora. Sie ist 5 und ein unglaubliches Energiebündel.“
Der Braunhaarige lächelte leicht und winkte zögernd zurück. Dora freute sich unglaublich darüber und lachte wieder.
„Und genauer gesagt heißt sie Nymphadora“, korrigierte Nadra, 2Doch Ted ist zu stur um sich diesen Namen einzuprägen.“
Remus lächelte leicht.
„Ich würde sagen, erst die Führung, wenn das okay ist.“ es war das erste Mal, das Remus einen vollständigen Satz sagte, und Ted war angenehm überrascht von dessen Stimme. Wie man halt ein Stimme angenehm finden kann.
„Natürlich ist das okay“, freute sich Andra und ging voraus um im Keller anzufangen.
Ted nahm Dora an der Hand und führte sie hinaus. An der Tür blieb er stehe und drehte sich zu dem Beagel um. „Bleib“, sagte er ernst und hob wie warnend den Zeigefinger.
Dora lachte vergnügt.
Die Führung durchs Haus war schnell getan. Es war nicht groß, dafür aber gemütlich. Das einzige Gästezimmer war zu Remus Schlafstätte geworden und lag am Ende des Flurs im oberen Stockwerk, hinter dem Kinderzimmer.
Als sie daran vorbeigekommen waren hatte Remus nicht schlecht gestaunt. Komplett bonbonrosa waren die Wände, ein Prinzessinnen-Hochbett stand neben dem Fenster, rosarote Vorhänge verhinderten die Sicht nach draußen, oder von draußen herein.
Als hätte sie seinen neugierigen Blick bemerkt griff Nymphadora oder Dora, er hatte keine Ahnung wie er sie nennen sollte, nach seiner Hand und zog ihn in de Raum.
Etwas hilflos wandte sich Remus zu den Eltern um, doch Ted lachte nur und hatte seinen Arm um Andromedas Hüfte geschlungen, die etwas missmutig den Kopf schüttelte, jedoch nicht ohne eine Spur der Belustigung.
Aufmerksamkeit fordernd stieß das kleine Mädchen ihn an und er wandte sich wieder ihr zu.
Sie hielt ihm eine blond haarige Puppe hin, die eine unmöglich dünne Taille und ebenso dünne Arme und Beine hatte.
“Du bist Barbie“, erklärte sie den jungen Mann.
„Aha, und du bist...?“, fragte er, als sie eine Brünette zur Hand nahm.
„Theresa“, erklärte sie freudestrahlend. „Die mag ich lieber als Barbie. Barbie ist immer so zickig.“
Remus machte ein ungläubiges Gesicht und drehte sich zu Ted und Andra um mit der Bitte in den Augen, ihn doch bitte davon zu erlösen. Doch Ted lachte nur weiter und schüttelte den Kopf.
„Guck mal“, rief Dora und stieß ihn wieder mit einer Puppe an. Er blickte zu ihr, doch entdeckte nichts. „Und?“ fragte sie mit strahlendem Gesicht, doch Remus verstand nicht. Er zuckte nur hilflos die Schultern. „Guck doch.“ Es lies sich regelrecht erkennen wie sich das Gesicht langsam aber sicher zu einem Schmollmund verzog.
„Was soll ich gucken?“, fragte er hilflos und das Mädchen schaute ihn böse an. Dann stand sie auf und ging stampfend an ihm vorbei.
„Oh, oh, deine Haare.“, fiel es ihm plötzlich auf. „Das rosa ist wirklich sehr schön...warte doch.“
Er hörte ihr Stampfen auf dem Parkett des Flurs und schließlich eine Tür knallen.
Hilflos sah er zu Ted, während Andra ihrer Tochter nachging und sanft an die Badezimmertür klopfte, wie Remus sehen konnte, als er aus dem Zimmer trat.
„Tut mir Leid, ich wollte nicht...“ begann Remus schuldbewusst, doch Ted unterbrach ihn.
„Mach dir darüber keine Sorgen, morgen ist alles wieder gut. Sie wollte die ihre metamorphmagischen Fähigkeiten präsentieren, und ist halt ein wenig beleidigt, weil du es nicht sofort gesehen hast. Aber sie hat dich viel zu sehr ins Herz geschlossen um lange sauer auf dich zu sein.“, versicherte der Blonde und führte Remus die Wendeltreppe hinunter.
„Und jetzt nehmen wir uns Socke vor.“
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