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Fanfiction

Eis und Schnee - Schmerz

von Lilienblüte

Re-Kommis:

@Candra Lovegood: Ich mag Sirius durch diese FF auch immer mehr ^^ Und nach diesem Kapitel hoffe ich dass du ihn noch mehr magst.
Warum ausgerechnet Sirius Emmeline besuchen darf? Nunja, er ist immerhin ein reinblütiger Freund aus einer nicht gefallenen Familie. Muggelstämmige wie Lily, Halbblüter wie Remus und Peter oder Blutsverräter wie Alice und James hätten keinen Zutritt im Haus. Sirius ist zwar ähnlich wie Emmeline "auf den falschen Wegen" unterwegs, aber im Grunde gehört er noch zur Familie, ist zwar im falschen Haus gelandet, aber trotzem gehen alle davon aus, dass sie nach Hogwarts wieder den reinblütigen Weg gehen. Noch ahnen ihre Familien lange nicht, dass sie eines Tages auf verschiedenen Seiten stehen werden.

@klothilde: Ohne Sirius hätte Emmeline die Sommer immer nur schwer überlebt ^^
XD Kann es sein, dass du da Vermutungen hast, was Sirius und Caradoc angeht?


@iriS:Ja, also ich glaub wenn ich Emmelines Leben ohne Zeitsprünge beschreiben würde, würde die Qualität dieser FF doch sehr leiden. Schließlich beschreibe ich nicht nur ihre Schulzeit, sondern auch ihr Leben danach, ihre Zeit im Orden während des ersten und zweiten Krieges bis hin zu ihrem Tod.
XD Ja, ich denke die meisten reinblütigen Familien sind sich in diesem Punkten sehr ähnlich. Dass die Eltern einfach nur idiotisch und in ihre Ideale vernarrt sind und die Kinder noch net so verdorben sind.
Ob zwischen Caradoc und seiner gefühlten "kleinen Schwester" mal was laufen wird ... hhmmm, ich glaub da müssen wir noch ein bisschen Zeit vergehen lassen, bis wir herausfinden, ob dieses Bauchgefühl stimmt.


Kapitel 8 - Schmerz

Nur noch verschwommen sind meine Erinnerungen an jene Zeit, die dieser Nacht folgten, der mein Leben für immer verändert hatte. Bis zum heutigen Tage sind nicht alle Erinnerungen zurückgekehrt.
Manches jedoch werde ich niemals vergessen. Mein verzweifelter Kampf, Daphnes Flüche zu durchbrechen und nach unten zu gelangen, Daphnes Kraft und wie sie sich mir entgegen stellte, um mich genau daran zu hindern. Die lange Nacht, die der Explosion folgte, in der mich Daphne nicht aus dem Zimmer ließ und in der ich irgendwann schluchzend in ihrem Arm einschlief.
Der nächste Morgen, an dem ich hoffte, dass alles nur ein schrecklicher Albtraum gewesen sei. Das Bild, das sich mir bot, als ich – noch in Nachthemd und von dem Wunsch beherrscht, das alles sei nur ein schlimmer Traum gewesen – ins untere Stockwerk gelangte, hat sich auch in mein Gedächtnis festgesetzt. Unser Wohnzimmer war nach der Explosion das reinste Chaos, die Möbel waren zerstört, die Fensterscheiben zerbrochen, die hintere Wand halb eingestürzt. Die Porzellanfigurensammlung, auf die meine Mutter so stolz gewesen ist, war in tausend Stücke zersprungen, die Porträts längst verstorbener, wichtiger Vance-Mitglieder waren aus ihren Rahmen gefallen. Und ganz hinten in der Ecke zwischen Mauersteinen und Fensterglas lag er. Sie hatten ein Tuch über seine Leiche ausgebreitet, aber auch so schockte mich der Anblick genug. Regungslos starrte ich auf die Stelle, an dersein viel zu kurzes Leben geendet hatte. Daphne streichelte meine Hand.

Nie, niemals werde ich vergessen, wie sie den Sarg aus dem Zimmer trugen und wenn ich hundert Jahre alt werde. Der Sarg beherbergte die einzige Person aus meiner Familie, die mich wirklich liebte und immer zu mir gehalten hatte. Ich wollte und konnte nicht begreifen, dass es diesen Menschen nicht mehr gab.
„Unser Sohn hat sich meinem Mann widersetzt und wollte ihm dann einen Fluch aufhalsen. Dass dieser nach hinten losging, weil unser Sohn zu ungeschickt im Zaubern ist, dafür kann mein Mann ja nichts. Es war ein bedauerlicher Unfall. Eine schreckliche Tragödie, die unsere Familie zutiefst erschüttert. Das Unglück verfolgt diese Familie. Erst die Entgleisung unserer Jüngsten und nun der so frühe Tod unseres einzigen Sohnes.“ Meine Mutter schüttelte bedauerlich den Kopf und presste ihr Gesicht in ein Taschentuch. Der Heiler, der vom St. Mungo’s hergekommen war, um den Todesfall zu untersuchen, schaute sie mitleidig an.
„Schau Sie nicht meine Mutter so an. Sie leidet nicht! Ich bin die Einzige, die ihn wirklich geliebt hat! Meine Eltern haben ihn immer dafür gehasst, dass er nicht so war, wie sie es gerne hätten! Sie haben ihn umgebracht! Er wollte sich ihrem Willen widersetzen, wollte kämpfen für sein Leben, so wie ich es ihm gesagt habe! Sie haben ihn getötet!“, schrie ich den Heiler an.

Meine Mutter schüttelte traurig den Kopf: „Unsere Kleine hat den Verstand verloren. Sie und ihr Bruder standen sich sehr nahe, ihr müsst ihr Verhalten entschuldigen.“
„Es ist schwer für Sie alle.“
„Glauben Sie ihr kein Wort! Sie lügt! Sie spielt Trauer, dabei hat sie Ethan nie geliebt! Fliehen Sie aus diesem Haus und erstatten Sie Anzeige. Verständigen Sie das Ministerium! Hier leben Mörder! Meine Eltern sind Mörder!“
Mit einem trostlosen Blick, den sogar ich ihr abgenommen hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie uns Kinder nie geliebt hatte, sah meine Mutter den Heiler an: „Geben Sie ihr etwas zu Beruhigung. Das Einzige, das meiner Kleinen nun hilft, den Tod ihres geliebten Bruders zu verkraften, ist ein tiefer, traumloser Schlaf.“
Verschwommen erinnere ich mich an die vielen Stunden, die ich in den nächsten Tagen im Bett verbrachte. Auch wenn ich wach war, war es, als schliefe ich. Ich nahm alles um mich herum wie durch einen Schleier wahr. Dunkel erinnere ich mich an Hände, dir durch mein Haar streichelten, an eine sanfte Stimme, dir mir tröstende Worte zuflüsterte, aber ich erinnere mich an niemanden, der bei mir saß.

Bis zum heutigen Tag ist die Erinnerung nicht zurückgekehrt, wie ich vom Haus meiner schrecklichen Eltern in das Haus der Dearborns gekommen bin.
Als ich das nächste Mal aus meinem Zustand dieser eigenartigen Trance, die sich meiner ermächtigt hatte, erwachte, befand ich mich in Alice‘ kleinem Dachbodenzimmer.
„Süße, endlich bist du wach!“ Die besorgten Gesichter meiner Freundinnen Lily und Alice schauten mich von der anderen Seite des Zimmers an und mit einem Satz waren sie neben mir.
„Ethan ist tot“, schluchzte ich und die schreckliche Wahrheit drohte mich zu überwältigen.
Ich aß wenig, schlief viel und weinte noch mehr und niemand vermochte mich zu trösten.
„Lasst sie weinen. Seid für sie da, wenn sie euren Trost braucht und lasst sie in Frieden, wenn sie Zeit für sich braucht. Sie wird noch lange brauchen, um damit umgehen zu können“, hörte ich Evanna Dearborn zu meinen Freundinnen sagen.
Und das versuchten Alice und Lily wohl auch, doch ich interessierte mich nicht im Geringsten dafür. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass es nicht fair war, dass sie sich wirklich Mühe gaben, mich aufzumuntern. Lily war für mich aus dem Urlaub in Italien zurückgekehrt und Alice arbeitete nicht im Laden, sondern verbrachte Tag und Nacht an meinem Bett. Aber ich konnte ihre Fürsorge nicht würdigen, ich war in eine trostlose Starre gefallen, aus der mich niemand aufzuwecken vermochte.

Meine anderen Freunde schauten auch vorbei. Sturgis war der Erste. Sturgis, mein Freund, in den ich vor den Ferien so unheimlich verliebt gewesen war, dass ich am liebsten jede freie Minute mit ihm verbracht hätte. Als er in der Tür stand, war es mir, als stünde da ein Fremder. Was verband mich mit diesem Jungen, der Ethan nicht mal gekannt hatte? Sturgis war die erste Liebe eines Mädchens gewesen, das mit Ethan gestorben war. Des lustigen, willensstarken Mädchens, das ich einst gewesen war. Denn dieses Mädchen gab es wirklich nicht mehr. Ich existierte nur noch um zu weinen und zu trauern.
„Emmy, meine Süße“, begrüßte er mich.
„Nie wieder will ich diesen Spitznamen hören“, hatte ich ihn angefahren. „So hat er mich immer genannt und mit ihm geht alles dahin.“
Sturgis, verblüfft von dieser Abfuhr, schaute hilfesuchend zu Alice, die im Zimmer geblieben war. Ich hatte nicht mit Sturgis allein sein wollen. Als er da plötzlich wie ein Fremder in Alice’ Zimmer aufgetaucht war, hatte ich ihr einen flehenden Blick zugeworfen und sie hatte ihn verstanden. Alice verstand meistens, was ich wollte, auch wenn ich kaum noch mit ihr sprach.
Aber Alice zuckte auf Sturgis‘ fragenden Blick nur die Achseln. Was hätte sie auch sagen sollen? Sie wusste genauso wenig wie sie an mich herankommen sollte wie Sturgis.
„Ich … ich bin froh, dass sie dich da heile rausholen konnten“, versuchte er ein Gespräch in Gang zu bekommen.
„Wenn ich dageblieben wäre, hätten sie mich vielleicht auch getötet“, sagte ich tonlos und konnte nicht sagen, ob mir meine Eltern damit nicht sogar einen Gefallen getan hätten. Vielleicht wäre dann alles leichter gewesen. Wenn ich tot war, gab es keine Trauer mehr, keinen unerträglichen Schmerz in meinem Herzen, der mich jede Minute daran erinnerte, dass mein geliebter Bruder gestorben war. Wenn sie mich auch getötet hätten, wäre ich wenigstens wieder bei Ethan gewesen.
„Es wäre besser tot zu sein“, murmelte ich und drehte mich zur Wand. Ich sprach kein Wort mehr während seines Besuches.

Sirius war der erste Mensch, der mich ein wenig aufmuntern konnte. Beklommen blieb er an der Tür stehen, als er mich zum ersten Mal seit dem Tod meines Bruders besuchte.
„Kleine?“, fragte er leise.
„Hallo!“ Auch ihn schaute ich nicht an. Ich wollte keinen Besuch. Abweisend drehte ich mich zur Wand um. Aber Sirius war nicht Sturgis und er ließ sich dadurch nicht abhalten, mit mir zu reden.
„Kleine, ich habe gerade ungefähr fünfzig Vorschriften meiner Eltern gebrochen und wenn ich nach Hause komme, werde ich Hausarrest für den Rest des Sommers haben. Ich fände es sehr nett, wenn du das wenigstens dadurch würdigst, dass du mich ansiehst!“ Entschlossen setzte er sich auf mein Bett und drehte mich zu sich herum.
„Ich weiß, dass es dir gerade ziemlich mies geht und wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie ich dir helfen soll. Vom Trösten verstehe ich sehr viel weniger als Alice und Lily und scheinbar haben es nicht einmal die beiden geschafft. Aber eines weiß ich ganz sicher, Emmeline! Ich habe dich nicht aus dem Haus deiner Eltern gerettet, damit du nun den langsamen Hungertod stirbst!“
„Du – hast mich …?“ Ich war zu müde, um Sätze ganz auszusprechen, aber Sirius verstand meine Frage auch so.
„Glaubst du, ich hätte dich bei den Mördern gelassen, Kleine? Nachdem mir meine Mutter von der schrecklichen Tragödie im Hause Vance erzählt habe, bin ich sofort zu James gegangen. Mir war schon klar, dass Ethan nicht so dumm ist,einen Todesfluch gegen sich selbst zu sprechen, sondern dass etwas anderes dahinter steckt. Mr. Potter hat einige Kollegen aus dem Ministerium zusammengerufen und dann sind wir bei euch eingedrungen und haben dich mitgenommen. Mr. Potter hat außerdem klargestellt, dass das Ministerium einen erneuten Untersuchungsbericht anfordern wird und er nicht ruhen wird, bis sie deinen Eltern die Schuld am Tod ihres Sohnes bewiesen haben. Du wirst nie wieder zu ihnen zurück müssen und sie werden ihre gerechte Bestrafung bekommen.“
Ich weiß nicht, was es war. Vielleicht war es Sirius‘ positive Ausstrahlung, vielleicht der Umstand, dass ich es nur ihm zu verdanken hatte, dass ich nicht mehr bei den Mördern meines Bruders lebte und vielleicht auch einfach die Tatsache, dass Sirius nun der Mensch war, dem ich am nächsten stand, ich fühlte mich durch seinen Besuch schon viel besser.
„Du bist mitgekommen, mich zu retten, obwohl du wusstest, dass sie Mörder sind? Hattest du keine Angst?“
„Emmeline, für dich wäre ich alleine mitten durch Askaban marschiert!“
„Du bist ins Haus von Mördern gegangen und Sturgis teilt mir mit, wie froh er ist, dass ihr mich retten konntet … . Dabei ist er mein Freund. Eigentlich hätte das anders herum sein müssen.“
Über Sirius‘ bis dahin so ernstes Gesicht glitt ein Lächeln: „Heißt das, du schickst den Loser nun endgültig in den Wind?“
Sein Lächeln war ansteckend. Eine Woche nach dem Tod meines Bruders schaffte er es auch mich damit wieder zum Lächeln zu bringen. Danach wurden wir beide schlagartig ernst.
„Danke für alles, Sirius!“, sagte ich. Sirius ergriff meine Hände und sah mir dann eindringlich in die Augen: „Für dich würde ich alles tun. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben, ich hoffe, du vergisst das niemals!“
Einen Moment lang saßen wir so da. Sirius und ich waren immer enge Freunde gewesen, aber in diesem Moment schlossen wir einen Freundschaftsbund für unser ganzes Leben.
„Und jetzt genug der Gefühlsduselei, da sind wir beide nicht so besonders gut drin. Tu mir einen Gefallen und iss etwas, bevor du vollkommen verschwindest. Ich wette du hast in der letzten Woche die Hälfte deines Körpergewichtes verloren.“

Nach dem Besuch von Sirius ging es mit mir wieder aufwärts. Ich aß und trank, ich verließ mein Bett und ich redete – besonders mit Lily und Alice. Sirius hatte, wie er es schon geahnt hatte, Hausarrest für die ganzen Sommerferien bekommen, aber an den Tagen, an denen seine Eltern auf Gesellschaften waren und er es schaffte zu flüchten, führte sein erster Weg auch immer zu mir. Meine Freunde machten sich alle Sorgen um mich und kümmerten sich rührend um mich. Am Ende der Ferien hatte ich begriffen: Mit Ethans Tod endete nicht alles. Es gab Menschen, für die es wert war, weiter zu leben und mein Wunsch, Ethan besser heute als morgen in den Tod zu folgen, verblasste mit jedem Tag und verschwand eines Tages ganz.
Die Menschen, die in dieser schwierigen Zeit zu mir hielten waren meine Freunde, ich konnte mich voll und ganz auf sie verlassen. Die Dearborns, die meine neue Familie waren: Evanna, die mich wie eine Mummy umsorgte, Joe, der mich die ganze Zeit wie eine Tochter neckte und versuchte zum Lachen zu bringen, Caradoc, der mich nur ärgerte, aber dem man ansehen konnte, welche Sorgen er sich um mich gemacht hatte, der kleine Ryan, der mir abends seine Kuscheltiere vorbei brachte „damit du dich nicht alleine fühlst und nicht weinen musst“ und natürlich Alice, die Tag und Nacht für mich da war, die mir mein undankbares Verhalten am Anfang der Ferien nicht mit einem Wort vorwarf, sondern froh war, dass es mit mir wieder bergauf ging.
Lily war eine sehr gute Freundin, die wegen mir auf ihre Familie verzichtete, die sie ohnehin so selten sah und das nur, damit sie in der schlimmsten Zeit meines Lebens für mich da sein konnte. Remus und James, die auch immer mal wieder vorbei schauten und mich zum Lachen brachten.
Und allen voran natürlich Sirius, mein bester Freund, der mich nach Ethans Tod aus meiner Starre geweckt hatte und nun der wichtigste Mensch meines Lebens war.
Mit diesen Menschen an meiner Seite hatte ich neuen Lebensmut gefasst und würde eines Tages diesen schlimmen Verlust verkraften können. Aber der Tag, an dem ich mit einem Lächeln von Ethan erzählen konnte, lag noch in weiter Ferne.


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