
von einstein90
So an diesem Kapitel habe ich jetzt lange gesessen...ich hoffe es gefällt euch. Und bitte schreibt fleißig Kommis.
Besonderen Dank gilt Cute_Lily. Aber auch den anderen Kommischreibern^^
Na dann. Viel Spaß
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Ein lauter Knall holte Harry zurück in die Realität. Ihm war schwindelig. Ein paar Schritte legte er taumelnd zurück, bevor er sich sicher sein konnte, dass er sein Gleichgewicht halten konnte. Ein kurzer Applaus drang an seine Ohren.
„Bravo, Mr. Potter. Ich bin mit der gezeigten Leistung überaus zufrieden. Mit großer Freude erlaube ich ihnen im Namen des Ministeriums für Zauberei von nun an zu apparieren.“
Harry lächelte glücklich, als er dem in die Tage gekommenen Ministeriumsmitarbeiter die Hand schüttelte. Auch Professor McGonagall nickte ihm anerkennend zu. Etwas Abseits von den Prüfungsleitern standen Hermine und Ron, die darauf warteten, ihm zu gratulieren. Sein Rothaariger Freund klopfte ihm kräftig auf die Schulter. Hermine hingegen hielt sich mit den Zärtlichkeiten etwas zurück.
„Ron, du bist als nächster dran.“ Er zeigte mit seinem Daumen über seine Schulter in Richtung der Prüfenden. „Viel Glück.“ Ron löste sich von ihnen und stapfte nun seinerseits hinüber. Harry und Hermine beobachten ihn, wie er von Dustin Hawk eingewiesen wurde. Ron, der immer nickte, wenn er etwas verstanden hatte, bemerkte nicht, wie sich die Finger seiner Freunde in einander verschränkten. Sie drückte leicht seine Hand, woraufhin Harry ihr ein Lächeln schenkte. Ihre Knie wurden weich unter seinem Blick, doch sie konnte es sich jetzt nicht erlauben, neben ihm zu Boden zu sinken. Nur mit Mühe hielt sie sich aufrecht.
Als sie sahen, wie sich Ron bereit machte zu disapparieren, rückten Beide etwas zusammen, damit sie ihre vereinten Hände hinter ihren Rücken verstecken konnten. Hermine winkte ihm zu und Harry hob zuversichtlich den Daumen. Der Rotschopf nickte kurz, konzentrierte sich und verschwand mit einem lauten Knall.
Auf diesen Moment hatten sie gewartet. Hermine drehte sich zu ihm und schloss ihn in eine liebevolle Umarmung. Eine Umarmung, die weit über das Verständnis einer Freundschaft hinausging. Harry schloss die Augen. Sofort spürte er wie seine anderen Sinne schärfer wurden. Er hörte, wie sie leise atmete. Gleichmäßig und ruhig. Seine Nase, die er zusammen mit seinem Gesicht in ihren Haaren verbarg, sog ihren frischen Duft nach Vanille in sich auf. Der Geruch benebelte seinen Verstand und machte ihn Willenlos.
Er fühlte, wie jedes einzelne weiche Haar seine Gesichtshaut kitzelte. Wie ihre Hand ihm durch seine Frisur fuhr. Wie ihr warmer Atem an seinem Hals vorüber strömte. Wie sich ihr attraktiver Körper an seinen schmiegte.
Kurz: Er fühlte sie.
Sie hörte, wie sein Herz in seinem Innersten schlug. Im Rhythmus mit ihrem. Gleichmäßig, wie eine Einheit und sie vollkommen hypnotisierend. Sie fühlte seine Hand, wie sie ihr sanft durch die Haare strich. Wie sich sein Brustkorb unter jedem tiefen Atemzug hob und wieder senkte. Sie spürte die ungeheure Hitze, die er ausstrahlte und in ihr die Bedürfnisse nach Zuneigung, Sicherheit, Geborgenheit und Liebe gleichermaßen befriedigte.
'Bitte küsse mich. Das erste Mal. Hier und jetzt. Ich will nicht länger warten. Ich kann nicht. Nicht mehr. Die Sehnsucht nach dir brennt in mir wie eine Sonne, und nur du kannst das Feuer löschen. Bitte küsse mich.' schoss es ihr durch den Kopf ohne zu wissen, dass er in diesem Moment genau das selbe dachte.
Die Stunden vergingen, bevor sie sich zwingen mussten, sich voneinander zu lösen und erkannten, dass ihre Umarmung nur Sekunden dauerte. Ein lauter Knall, gefolgt von einem Schmerzensschrei störte ihre erreichte Glückseligkeit.
Ron hockte auf dem Boden, wo er kurz zuvor disapparierte und hielt sich die linke Seite seines Kopfes. Seine beiden Freunde eilten zu ihm und Professor McGonagall, die ihn ebenfalls begutachtete. Unter seiner Hand trat frisches Blut hervor. Es lief in einem breiten Streifen über seinen Hals abwärts und verschwand unter seiner Kleidung. Der Prüfer vom Ministerium gluckste vergnügt über Rons Versagen, wurde aber sofort still, als er böse von Hermine an gefunkelt wurde. Vorsichtig zog die alte Lehrerin seine Hand weg und es offenbarte sich, was passiert war. Ron befand sich zwar am Rande des Hogwartsgeländes, aber sein Ohr schwebte noch auf der Hauptstraße von Hogsmeade, was einige der dortigen Auroren amüsierte. Er hatte sich beim disapparieren nicht voll und ganz darauf konzentriert und zersplinterte.
„Miss Granger. Mister Potter. Wären sie so freundlich und begleiten Mister Weasley in den Krankenflügel.“ Harry griff ihm unter die Arme und half ihm auf. Hermine trat an seine andere Seite. Gemeinsam überquerten sie die saftigen Wiesen auf dem Weg zum großen Eingangsportal, als plötzlich ein helles Licht aus dem Tor und die Treppen hinunter kam, direkt auf sie zu. Harry erkannte einen Falken, Neville sein Patronus, der ihnen eine Botschaft überbrachte: „Sie ist aufgewacht.“ Sofort wussten die Drei wer gemeint war und beschleunigten ihre Schritte.
„Lasst ihr uns kurz alleine?“ Ginny's Stimme war leise und ruhig, als ihre Augen Harry fixierten. Hermine, Neville und Luna nickten mit einem sanften Lächeln und gingen hinüber zu Ron, der gerade von Madame Pomfrey behandelt wurde.
„Mister Weasley, nun haben sie sich nicht so. Reißen sie sich gefälligst zusammen!“ tönte es gehässig durch den Krankenflügel, als Ron vor Schmerzen wimmerte und damit von Harry und Ginny ablenkte.
Er sah ihr tief in die Augen, doch erkannte er in ihnen nicht mehr den Glanz früherer Tage. Sie wirkten matt, wie nach einem monatelangen, kräftezehrendem Kampf ohne Pause. Ihre Haut war blass, als wenn sie über Wochen kein Tageslicht mehr gesehen hätte. Und das hatte sie auch nicht. Viereinhalb Wochen lag sie in diesem Bett. Stumm und bewegungslos. Und er war dafür verantwortlich. Die Sekunden der Stille zwischen ihnen beengte Harry.
„Es tut mir Leid.“ gab er schuldbewusst zu.
„Das sollte es auch.“ In Ginny's Stimme lag keinerlei Abscheu oder Wut. Sie sprach ruhig und monoton. Harry meinte sogar eine Spur von Verständnis heraus gehört zu haben, was ihn aber verwirrte. Wieder trat Stille ein. Sie sah, wie er unter ihrem Schweigen litt.
„Ich wollte dich nicht hintergehen.“ versuchte er sich weiterhin zu entschuldigen.
„Du hast mich nicht hintergangen.“ Ihre Stimme blieb unverändert. Sie sah ihm die Verwirrung an.
„Vor lauter Liebe zu dir bin ich blind für die Realität geworden.“ Er ahnte nicht wo dieses Gespräch hinführen würde. „Ich hoffte, dass ich dich glücklich machen könnte und ich verleugnete, dass ich das nicht kann.“ Harry war nur noch mehr durcheinander. Sie blickte ihm tief in seine Augen.
„Wir beide wissen, dass es nur einen Menschen gibt, der dich glücklich machen kann.“ Harry blickte kurz zu Hermine und sah dann wieder eine sanft nickende Ginny. „Wer euch nur eine Minute zusammen beobachtet, der spürt eine Aura, die euch umgibt.“ Ein leichtes Lächeln drängte sich auf ihre Lippen. „Ich akzeptiere das Schicksal, welches euch beide zusammen geführt hat.“ Harry erkannte in diesen Worten Zugeständnisse, dennoch spürte er den Schmerz hinter ihren glänzend braunen Augen, den diese Worte ihr bereiteten. Sie schloss die Augen und eine einzelne Träne rannte ihre Wange hinab und verschwand in ihrem roten Haar.
„Was ist mit dir?“ erkundigte sich Harry sanft. „Mach dir um mich keine Sorgen. Mir wurde klar, dass ich mich in der Liebe zu dir verrannt habe. Ich bin schon darüber hinweg. Kümmere dich um Hermine. Sie hat es verdient.“ Er beugte sich zu ihr hinab, sein Mund ganz nah an ihr Ohr und flüsterte ihr zu während er ihre Hand drückte: „Danke. Ich will, dass du weißt, dass ich immer für dich da bin.“
Die Freunde, die sie zuvor alleine ließen, kehrten zurück an ihr Krankenbett. In ihrer Mitte stand Ron, dem ein dicker Verband um den Kopf gewickelt wurde. Alle freuten sich über ihr erwachen und begannen sofort auf sie einzureden. Harry drehte sich erleichtert von ihnen ab, als er Ginny seit langem wieder richtig lächeln sah. Still und leise ließ er sie am Bett zurück und verschwand aus dem Krankenflügel.
Die Tage vergingen. Es wurde zunehmend kälter. Die ersten Schneeflocken fielen vom Himmel und ließen die grünen Wiesen unter einer weißen Decke verschwinden. Eine dicke Schicht aus Eis bedeckte den großen See und lud viele Schüler zum Schlittschuhlaufen ein. Auch Harry hatte zusammen mit seinen Freunden eine Menge Spaß. Ginny, die sich sichtlich erholt hatte, tat es gut Zeit mit ihnen zu verbringen. Ihr Strahlen kehrte wieder zurück.
Er gesellte sich gerade zu seinen Freunden, die sich am Ufer unterhielten und witzelten. Ron weigerte sich strikt auf das Eis zu gehen, da er Angst hatte sich zu blamieren. Hermine, die anfangs auch nicht wollte, ließ sich schließlich von Harry doch noch überreden und drehte mit ihm ein paar Runden. Hermine fand es toll, obwohl ihre Knie und ihr Hintern schon ganz blau war. Eigentlich versuchte sie sich an ihm fest zuhalten, in der Hoffnung nicht hin zufallen. Dass das nicht gut ging zeigte sich im Anschluss. So hatte sie ihn ein paar Mal mit zu Boden gerissen, was ihn aber mehr amüsierte, als das es ihm weh tat. Auch Neville versuchte sich beim Eis laufen und wie bei Hermine war es für ihn das erste Mal. Aber im Gegensatz zu ihr ließ er sich von den Stürzen nicht entmutigen. Luna saß neben Ron und träumte vor sich hin, so wie sie es immer tat.
„Wow. Sie läuft wie eine richtige Eisprinzessin.“ Die Freunde folgten Luna's Blick auf die Eisfläche, bis sie Rons Schwester fixierten. Ginny schoss förmlich über das gefrorene Wasser und vollführte dabei allerlei Drehungen und kleine Sprünge. Ihr rotes Haar wehte unter ihrer Geschwindigkeit, wie ein Schweif. Feuer auf Eis. Die Kufen kratzten über die glatte Fläche und schabten bei jeder Kurve eine dünne Schicht ab, die einen dichten Eisnebel bildete. Dynamisch, wendig und leichtfüßig bewegte sich ihr ganzer Körper bei jeder Figur, die sie vollführte. Sie verlor nie die Kontrolle, denn sie kannte ihre Grenzen. Nach ein paar Momenten spürte sie die Blicke der Fünf auf sich ruhen. Sie lief zu ihnen und bremste unmittelbar vor ihren Freunden, sodass ein leichter Eisregen über sie kam. Harry klopfte sich seine Sachen ab, während Hermine und Luna begeistert applaudierten. Ron schnaubte nur. Neville schaute betrübt zu Boden: „Man das war echt gut. Das werde ich nie können.“ brummte er, woraufhin Ginny sich näherte und ihm ihre zarte Hand reichte. Er war etwas überrascht von der Geste und blickte in ihre liebevollen Augen. „Komm. So schwer ist das gar nicht. Ich zeige es dir.“ lächelte sie ihn warmherzig an. Er folgte ihr langsam und vorsichtig zurück auf das Eis. Im Gegensatz zu ihren Beinen, die sich ruhig und gleichmäßig bewegten, zuckten seine krampfhaft um das Gleichgewicht zu halten. Ginny war bereits 20 Meter weiter, als sie sich umdrehte und ihn beobachtete. Harry sah aus der Ferne ihr Grinsen, was auch ihn zum Lächeln brachte. Elegant lief sie zurück zu Neville, bremste neben ihm ab und bot wieder ihre Hand an. Neville hatte gerade eine stabile Haltung erreicht, da nahm er ihre warme Hand in seine. Langsam begann sie ihn zu ziehen und redete ihm dabei beruhigend und zugleich anerkennend zu. Immer besser setzte er ihre Ratschläge um und immer besser lief er neben ihr her. Er war so sehr begeistert, dass er die Arme hoch riss und jubelnd brüllte: „Ich kann es.“ Doch alle konnten sich denken, was dann passierte. Neville verlor das Gleichgewicht, fiel hin und rutschte einige Meter über das Eis. Ginny, die neben ihm herlief riss er ebenfalls zu Boden. Er wollte sich schnell entschuldigen, hielt aber inne, als sie begann vor lauter Freude zu lachen. In diesem Moment war sie glücklich. Beide lagen noch einige Sekunden lachend auf dem Eis bevor sie sich aufrichteten und wieder Hände haltend zu laufen anfingen.
„Mit wem geht sie eigentlich zum Ball?“ fragte Ron, dabei streiften seine Augen Harry. Hermine ergriff das Wort: „Mit ihm.“ Sie nickte in Richtung von Neville. „Sie sind ein hübsches Paar, meint ihr nicht?“ sprach Luna mit verträumter Stimme. Harry und Hermine stimmten ihr zu. Nur Ron schnaubte wieder.
„Ronald Weasley, was ist dein Problem? Mit wem gehst du überhaupt auf den Ball?“ stocherte Hermine und bemerkte, dass sie damit einen wunden Punkt getroffen hatte. „Aha. Habe ich es mir doch gedacht.“ Ihre Stimme klang triumphierend. Sein frustriertes Gemurmel bekam sie nicht mehr mit, denn sie wurde von Harry noch einmal auf das Eis gezogen. Wütend stand er auf und verschwand im Schloss. Auch Luna verabschiedete sich von ihnen, denn ihr wurde langsam kalt.
Es vergingen ein paar Stunden. Die vier Freunde hatten viel Spaß zusammen. Harry und Ginny gaben sich alle Mühe den beiden das Eislaufen beizubringen und in Hermine und Neville fanden sie zwei fähige Lehrlinge. Sie schafften es sogar einige Runden ohne Hilfestellung zu drehen, bevor sie doch wieder das Gleichgewicht verloren und lachend über das Eis rutschten. Auch wechselten sie ab und zu die Partner. So liefen zeitweise Neville und Hermine gemeinsam, was manchmal in einer Katastrophe endete, sowie Harry und Ginny. Sie spürten, wie sie von dem Druck ihre früheren Beziehung befreit waren. Nun bestand zwischen ihnen eine enge Freundschaft, vergleichbar mit seinem Verhältnis zu Hermine, bevor sie sich ineinander verliebten. Vertrauen und Verständnis waren von nun an ihre ständigen Begleiter. Beide waren sie glücklich darüber, sich für ihre Zukunft neu orientieren zu können.
Die Dämmerung setzte ein und die Freunde entschieden sich, den restlichen Abend vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum zu verbringen. Sie eilten die Stufen hinauf als Harry sich von ihnen trennte, aber ihnen versicherte, sofort nach zukommen. Neville setzte sich auf das gemütliche Sofa, Ginny kuschelte sich an ihn. Hermine setzte sich davor auf den Boden und beobachtete die Beiden, wie sie sich gegenseitig einfache Zärtlichkeiten schenkten. Es amüsierte sie. Harry trat leise durch das Porträtloch in der Absicht, niemanden zu stören. Die Szenerie, die er vorfand, brachte ihn zum schmunzeln. Er ließ sich auf einen bequemen Sessel nieder, der dem Kamin und dem Sofa zu gewandt war. Hermine erhob sich von den harten Steinen und schritt hinüber. Sie setzte sich in seinen Schoß und kuschelte sich an seinen Körper. Er umfasste ihre Taille und spendete Wärme und Geborgenheit. Beide Mädchen genossen die Nähe zu ihren Freunden. Selbst ein leises Plopp ließ sie nicht von ihnen zurück weichen. Ein kleiner, grauer Hauself trat in ihre Mitte. Neben ihm schwebte ein reich gefülltes Tablett.
„Harry Potter bat mich um einen Gefallen. Dobby hat euch Abendessen gebracht.“ Alle lächelten sie den kleinen grauen Kerl mit den großen schwarzen Augen an, begrüßten und bedankten sich bei ihm, bevor er sich tief verbeugte und wieder verschwand.
„Freut ihr euch schon auf den morgigen Weihnachtsball?“ fragte Hermine und leitete damit eine Unterhaltung ein, die noch bis Mitternacht andauerte.
Der Tag war bereits zur Hälfte vorüber. Alle waren mit den Vorbereitungen für den Ball beschäftigt. Die Mädchen zwängten sich jetzt bereits in ihre Abendkleider und versuchten ihre Haare zu bändigen. Die Jungs halfen bei der Dekoration der Gänge und der Großen Halle. Zumindest die meisten. Manch einer zog es doch vor, mit anderen eine Schneeballschlacht auf dem Schlosshof zu veranstalten. Einmal wollten sie noch die Sau raus lassen, bevor sie sich in Schale werfen und sich neben den Mädchen benehmen mussten. Sie mochten solche Art Bälle einfach nicht. Es widerstrebte vielen von ihnen, einen ganzen Abend mit den Mädchen zu tanzen. Nur ein paar wenige freuten sich darauf. Die hatten aber auch allen Grund dazu, denn schließlich gingen sie mit den hübschesten Mädchen dahin. Dementsprechend war die Freude bei Neville und Harry ungeheuer groß. Ron, der doch noch jemanden als Begleitung fand, freute sich weniger. Das lag nicht an seiner Begleitung, denn Luna war durchaus attraktiv, sondern eher an seinem Festumhang. Dieser erinnerte ihn stark an das Kleid von Tante Muriel aus dem vierten Jahr. Die beiden anderen Jungs hingegen trugen klassische schwarze Anzüge mit weißen Hemden und schwarzer Fliege.
Es waren nur noch zwei Stunden bis zum Beginn. Die Vorbereitungen waren fast vollständig abgeschlossen. Nur noch die Decke der großen Halle musste verzaubert werden. Die Direktorin entschloss sich, eine sternenklare Nacht mit einer Vielzahl von Sternenschnuppen zu zaubern. Außerdem sollte feiner weißer Schnee herab rieseln, der sich aber auflöste, bevor er den Boden berührte.
18 Uhr sollte er beginnen. Neben Tonks und Remus sowie Slughorn und McGonagall erklärten sich lediglich die vier Gryffindors bereit, zur Eröffnung des Balls zu tanzen.
Ungeduldig warteten Harry und Neville im Gemeinschaftsraum auf Hermine und Ginny. Ron war bereits weg um Luna abzuholen, als plötzlich Schritte von der Wendeltreppe zu hören waren, die zum Mädchenschlafsaal hinauf führte. Die Jungs standen vom Sofa auf und richteten ihre Anzüge. Als erstes trat Ginny durch den Rundbogen. Neville war von ihrem Anblick überwältigt. Vollkommen verblüfft musterte er sie mit offenem Mund.
Unter weichen Schritten trat sie in den Gemeinschaftsraum. Ihre Bewegungen waren sanft und die feuerroten Haare, die über ihre hellen, nackten Schultern fielen, wiegten gleichmäßig unter ihrem majestätischen Gang. Ihre attraktiver Körper wurde von einem schwarzen, matt schimmernden Cocktailkleid verhüllt. Die trägerlose, geraffte Corsage war aufwendig mit Pailletten und Ziersteinen verziert, die sich in Form einer silbernen Blütenranke über das Oberteil erstreckte. Daran schloss sich der knielange Rock an, der hinten etwas länger war, sodass er ihre Kniekehlen verbarg. Mit seinen Augen tastete er jeden Millimeter ihrer seidig glatten Beine ab. Immer tiefer und tiefer. Auch die Tanzschuhe, die sie trug, waren farblich auf das Kleid abgestimmt. Sein Blick glitt zurück zu ihrem Gesicht. Über die roten Ohrringe, die unzähligen Sommersprossen und ihren sanft lächelnden Lippen zu ihren braunen Augen. Allein ihre Erscheinung ließ sein Herz höher schlagen. Aufreizend und Verführerisch. Am liebsten wollte er sie in den Arm nehmen und sie küssen. Doch sie blieb stehen.
Elegant machte sie einen Schritt zur Seite um den Weg frei zu geben für Hermine, die nun ebenfalls in den Gemeinschaftsraum trat. Nun war es Harry, der vollkommen sprachlos da stand und sie mit offenem Mund anstarrte. Er sah sich einer wunderschönen, engelsgleichen Dame gegenüber, die ihm den Verstand raubte. Alles um ihn herum schien still zu stehen. Alles um ihn herum war unwichtig. Für diesen einen Moment. Einen Moment, der nur ihnen gehörte. Innerlich wuchs der Wunsch, dass dieser Augenblick nie vergehen sollte. Ihr warmherziges Lächeln ließ ihn dahin schmelzen, doch er zwang sich dazu, jetzt keine Schwäche zu zeigen. Seine Blicke verfingen sich in ihrem hoch gesteckten Haaren. Einzelne gold-braune Locken fielen ihr sanft ins Gesicht, andere streichelten ihren Nacken.
Harry's Blut geriet Wallung.
Auch sie trug ein trägerloses Ballkleid. Der weinrot schimmernde Stoff war so geschnitten, dass es aus sah, als wäre er um ihren attraktiven Körper gewickelt worden.
Er spürte, wie sein Blutdruck in die Höhe schoss.
Das Oberteil war mit unzähligen silbernen Perlen versehen, die unter dem feurigen Schein des Kamins glitzerten. Das Wissen, das sich darunter ihr weiblicher Busen befand, erregte ihn. Es wuchs die Sehnsucht nach ihrer Nähe und Zärtlichkeit. Seine Atmung beschleunigte sich.
Der Rock legte sich in gleichmäßigen Wellen um ihre Beine, die vollständig darunter verschwanden. Sein Blick wanderte wieder nach oben. Über ihren Busen, ihr nacktes Dekolleté, ihren Hals und über ihre roten Lippen, bis er ihre Augen streifte.
Seine Halsschlagader presste im rasenden Tempo immer wieder gegen die Muskelstränge in seinem Hals.
Beide Mädchen waren gerührt von ihren Reaktionen. Liebevoll grinsten sie die Jungs an, wie sie immer noch mit offenen Mündern da standen. Kurz tauschten sie viel sagende Blicke miteinander, bevor sie auf sie zu schritten und kurz vor ihnen stehen blieben. Wie auf Kommando hoben sie gleichzeitig ihre rechte Hand und schlossen die Münder ihrer Liebsten. Dabei sahen sie ihnen tief in die Augen.
Haselnussbraun traf smaragdgrün.
Harry war noch immer sprachlos. Seine Gedanken überschlugen sich. Neville konnte sich unterdessen schon wieder fangen. Nach einer liebevollen und festen Umarmung bot er Ginny seinen Arm an, die sich daraufhin bei ihm einhakte. Gemeinsam warteten sie darauf, dass Harry wieder zu sich kam. Hermine genoss die wenigen Sekunden, die sie es schaffte ihn zu verwirren. Auch wenn es nur wenige Augenblicke waren, denn irgendwie schaffte er es, wieder etwas Ordnung in seinem Gehirn zu kriegen. Er schüttelte seinen Kopf symbolisch. Er lächelte. Hermine wollte gerade zum Portraitloch aufbrechen, als Harry nach ihrer Hand griff und sie noch einmal zu sich herum wirbelte. Das andere Pärchen beobachtete sie. Gefühlvoll strich er ihr eine Locke aus dem Gesicht hinters Ohr. Seine Augen folgten dem Verlauf der Strähne. Sanft bewegte er seine Hand und streifte ihre Wange. Seine warme Haut auf der ihren trieb ihr einen wohligen Schauer über den Rücken. Er war der Erste, der sie so berührte. So zärtlich, liebevoll und vorsichtig. So intim. Und er sollte der Einzige sein, der sie so berührte. Nie wieder wollte sie auf seine Nähe verzichten. Doch er zog seine Hand zurück. Ein stummer Seufzer kam über ihre Lippen.
„Einen Augenblick noch.“ sprach er ruhig.
Lächelnd holte er etwas aus seinem Umhang. Er griff nach ihrem rechten Arm. Ihr Blick wanderte nach unten. In seiner Hand hielt er eine Blumen Corsage, die er ihr ans Handgelenk band. Eine Rose, aus kristallklarem Eis. Es war eine so bedeutsame Geste. Und sie wehrte sich auch nicht gegen den Gedanken, der in ihr aufkam. Warum sollte sie auch? War es doch genau das, was sie sich wünschte. Wonach sie sich sehnte. Wie er ihr tief in die Augen sah. Liebevoll. Begehrend. Wie er nach ihrer Hand griff und ihn ihr ansteckte. Den Ring. Der Ausdruck ihrer tiefen Liebe.
Die Gänge waren verlassen. Nur das Knistern der Feuerschalen entlang des Flures war zu hören. Der Vollmond schickte sein Licht auf das Hogwartsgelände. Die vielen Bögen und Säulen, die die Flure säumten, warfen Schatten auf den Boden, auf denen sonst die Bewohner von Hogwarts auf und ab gingen. Der Schnee glitzerte. Es war ein märchenhafter Anblick. Wie in einem Traum, aus dem man nur ungern erwachen wollte. Die beiden Paare gingen weiter, jeweils Hand in Hand. Leise Stimmen drangen an ihre Ohren. Jeden Meter, den sie der Großen Halle näher kamen, wurden sie lauter. Die Vier bogen um eine Ecke und fanden sich am oberen Ende einer breiten Treppe wieder. Vor ihnen standen einige heraus geputzte Schüler, die sich in kleinen Gruppen unterhielten und gemeinsam lachten. Ein Ravenclaw-Mädchen sah die vier Gryffindors die Treppe hinunter kommen, woraufhin sie verstummte und starrte. Ihre Freunde folgten ihrem Blick. Die Gespräche erstarben. Ungläubig erkannten die Schüler, dass es sich bei diesen Schönheiten um die temperamentvolle Ginny Weasley und die streberische Hermine Granger handelte, die vom tollpatschigen Neville Longbottem und Harry Potter, Der-Junge-der-überlebte, begleitet wurden. Sie spürten deren Blicke auf sich ruhen, was ihnen schmeichelte. Leises Gemurmel brach unter den Anwesenden aus. Harry schnappte ein paar Wortfetzen auf: „Traumhaft.“ „Schön.“ „Unglaublich.“ Die Vier beachteten sie nicht weiter. Sie schritten an ihnen vorbei und betraten die Große Halle. Auch hier gingen die Gespräche in ein leises Tuscheln über. Wieder ruhten alle Augen auf den zwei Paaren. Doch nun wurde es ihnen zunehmend unangenehm. Neville blickte durch die Menge. Er sah Bewunderung, Anerkennung, aber auch Neid, Eifersucht und Frust.
„Schön das wir jetzt vollständig sind. Dann können wir anfangen.“ begann Professor McGonagall und klatschte einmal mit den Händen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sie trug ein antik elegantes Abendkleid. Natürlich in schwarz und mit einer Vielzahl von Rüschen und Verzierungen. Die Schüler räumten die Mitte des Saals und gaben so eine Tanzfläche frei. Die alte Lehrerin trat mit Professor Slughorn, der einen schlichten schwarzen Anzug trug, in den entstandenen Kreis. Ihnen folgte Lupin und Tonks. Er mit einem feinen, seidig glänzenden Anzug mit passender Fliege und weißer Veste unter dem Sakko. Sie mit einem schneeweißen Corsagekleid, dessen Rockteil in vier Stufen gerafft war. Einziger Farbtupfer war ihr leuchtend blaues Haar. Harry trat, ebenso wie Neville vor seine Begleitung, verbeugte sich tief und bot seine Hand zum Tanz an. Hermine und Ginny ließen sie nicht warten, machten einen leichten Knicks und gesellten sich mit ihnen zusammen zu den Professoren auf die Tanzfläche. Die vier Paare stellten sich auf. Die Musik setzte ein. Der Tanz begann.
*Im Verbotenen Wald*
Langsam bekam er wieder etwas Gefühl. Es war kein angenehmes Gefühl. Es war kalt und es war feucht. Vor ihm war alles dunkel. Aber wie sollte es auch anders sein? Er lag mit dem Gesicht im Schnee. In ihm drehte sich alles, ihm war übel. Am liebsten wollte er sich übergeben, doch er konnte sich beherrschen. Unter Schmerzen drehte er sich auf den Rücken. Sein Schädel dröhnte, als wäre ihm gerade ein Zug darüber gefahren. Eines aber konnte er sich sicher sein: er war nicht tot.
Verschwommene Schemen tauchten vor ihm auf. Er blinzelte ein paar Mal. Aus den vielen wurde eins. Es sah so aus, als wenn dieses auch etwas durcheinander und verwirrt wäre. Wieder blinzelte er. Langsam schärfte sich seine Wahrnehmung. Vor sich sah er nun die deutlichen Umrisse einer Person, die sich langsam zu ihm umdrehte. Sein Blick viel auf den Stab, den der Unbekannte aus seinem Umhang zog und auf ihn richtete. In einem Bruchteil einer Sekunde reagierte sein Körper, schneller als sein Geist die Situation realisieren konnte. So wie er es tausendmal trainiert hatte. Er zog die Pistole aus dem Beinholster und richtete sie auf den Verhüllten. Er brauchte nicht zielen. Auf den fünf Metern konnte er nicht daneben schießen. Außerdem würde er nicht mehr die Zeit haben zu zielen. Vier Lichtblitze erhellten die Bäume um ihn herum. Viermal knallte es laut, gefolgt von einem dumpfen Aufprall.
Er sah, wie sein Gegenüber zusammen brach. Jonathans Hand viel zu Boden, die Waffe landete im Schnee, ebenso wie sein Kopf. Er blickte hinauf in die Baumkronen. Alles drehte sich. Er versuchte auf zustehen, aber ohne Erfolg. Also blieb er noch einen Moment liegen und bemühte sich, seinen Körper und Geist wieder unter Kontrolle zu bringen. Für einen Moment verlor er die Beherrschung, doch das reichte aus, damit es in ihm hoch kam und er sich übergeben musste. Es war ekelhaft, wie sich der Druck in der Speiseröhre aufbaute und der warme, halb verdaute Mageninhalt wie eine Fontäne aus seinem Mund kam.
Aber danach ging es ihm besser, auch wenn er nun starken Mundgeruch hatte. Er griff nach der Pistole, stand auf und ging etwas torkelnd zu dem Toten hinüber, um zu überprüfen, ob er wirklich das zeitliche gesegnet hatte. Frisches Blut trat aus den vier Wunden. Der Schnee unter dem Unbekannten färbte sich rot. Dessen krampfhafter Versuch zu atmen endete in einem Husten und Gluckern. Er spuckte wertvollen Lebenssaft. Jonathan kniete sich zu ihm und schob die Maske vom Gesicht der Person. Er konnte nicht glauben was er da sah. Vor ihm lag eine junge Frau mit brünetten Haaren und schneeweißer Haut. Er sah in ihre ängstlich flehenden Augen. Qualvoll rang sie nach Luft, um dann doch in seinen Armen zu verbluten. Ein letztes Mal zuckte ihr ganzer Körper, bevor sie leblos in sich zusammen sackte. Das Blut floss in schmalen Streifen über ihre weißen Wangen. Die Augen waren weit aufgerissen. Er konnte ihren Anblick nicht lange ertragen. Mit Daumen und Zeigefinger schloss er ihre Lider. Er hatte tatsächlich eine junge Frau getötet. Das würde ihn noch lange verfolgen. 'Hey. Du oder sie.' meldete sich sein Gewissen. Und es hatte recht. Diese durchaus attraktive Frau wollte ihn töten. Zumindest glaubte er das. Es war egal. Es war passiert.
Jonathan steckte die Waffe weg und versuchte sich zu orientieren. Er musste sich selbst eingestehen: Er wusste nicht wo er war. Nur eines war er sich sicher. Er war nicht dort, wo er eigentlich sein sollte.
„Papa Bär, hier Alpha. Kommen. Over.“
Das Funkgerät rauschte.
„Papa Bär, hier Alpha. Kommen. Over.“ sagte er nun etwas lauter in der Hoffnung, dass ihn jetzt jemand hören konnte, aber wieder nur rauschen. 'Verdammt' fluchte er innerlich, 'Hey du lebst. Steh hier nicht so faul herum, sondern bewege dich'. Er warf noch einen Blick auf den Leichnam der Frau bevor er sich abwendete und noch einmal zu der Stelle ging, wo er kurz zuvor lag. Ein Blick nach links und nach rechts, bis er das sah, was er zu finden erhofft hatte. Jonathan hob sein Gewehr auf, welches er bei der harten Landung verloren hatte. Er klopfte den Schnee von der Waffe, kontrollierte die verbliebene Munition im Magazin und hängte sie sich über die Schulter. Sein Blick viel auf seine Uhr, aber die Zeit interessierte ihn jetzt nicht. Stattdessen sah er auf das Ziffernblatt. Bei genauerem hinsehen, erkannte man, dass es nicht die gewöhnliche 12 Stunden Einteilung hatte, sondern eine 360 Grad Skala. Bei 90 stand ein großes W, bei 180 ein S, bei 270 ein E und bei 360 ein N. Die Uhr war eine Spezialanfertigung. Neben dem Zeitmesser war auch ein Kompass integriert.
Er atmete noch einmal tief durch, bevor er in Richtung Norden aufbrach, in der Hoffnung auf Zivilisation zu treffen.
Er stapfte durch den tiefen Schnee. Immer wieder versuchte er mit seinem Funkgerät Kontakt auf zunehmen, doch vergebens.
Eisiger Wind pfiff durch den Wald. Er begann zu frieren. Das Geäst der Bäume bog sich hin und her. Ein Geräusch ließ ihn hoch schrecken. Schnell nahm er seine Waffe zu Hand und richtete sie in die Richtung aus der es kam. Der Vollmond strahlte durch die kahlen Baumkronen und erleuchtete den Schnee um ihn herum. So konnte er zumindest einige Meter weit blicken. Doch er sah nicht, was das Geräusch verursacht haben könnte. Vorsichtig ging er weiter, ohne aber sein Blick abzuwenden. Dann hörte er wieder etwas, aber aus der entgegen gesetzten Richtung. Schnell drehte er sich auf der Stelle um 180 Grad. Sein Herz schlug kräftig. Sein Puls beschleunigte sich. Ebenso seine Atmung. Da war wieder eins. Es klang wie Hufe, wie die eines Pferdes, aber aus einer ganz anderen Richtung. Langsam bewegte er sich zu einem Baum. Er hockte sich davor, den Rücken zum Stamm gewandt und beobachtete die Umgebung. Leise Stimmen drangen an sein Ohr. Auch hörte es sich so an, als wenn dort eine ganze Herde von Pferden durch den Wald trappelte.
Dann vernahm er schließlich eine Bewegung zwischen den Stämmen. Und noch eine. Drei. Vier. Immer mehr. Als er die Schemen immer näher kommen sah, traute er seinen Augen nicht mehr. Noch nie hatte er so etwas zuvor gesehen. Zumindest nicht in der Realität. Die Wesen haben ihn anscheinend noch nicht bemerkt, sodass er schnell um den Baum herum eilte und diesen als Sichtschutz nutzte. Seine Gedanken überschlugen sich. Eine Kreuzung aus Mensch und Pferd. Das konnte unmöglich wahr sein. Er spie noch einmal kurz aus seinem Versteck. Doch, es war wahr. 'Was zur Hölle ist hier los?'
Er analysierte kurz seine taktischen Möglichkeiten. Es war zu hell. Er konnte sich nicht ungesehen aus seiner Deckung entfernen. Dafür waren sie schon zu nah. Und eine offene Konfrontation? Das war auch nicht wirklich eine gute Option. Sie waren ihm in der Anzahl deutlich überlegen. Außerdem befand er sich in keiner guten strategischen Position. Er war alleine und von drei Seiten aus angreifbar. Also standen ihm nur zwei Dinge zur Auswahl. Hier sitzen bleiben und hoffen, nicht entdeckt zu werden. Oder rennen. Rennen und sich nicht umdrehen. In Bruchteilen einer Sekunde fasste er seine Entscheidung. Er atmete tief durch. Kalte, frische Luft strömte in seine Lungen. Ohne weiter nach zu denken sprang er auf und rannte. Sofort hörte er Rufe. Hufe stampften im Galopp durch den Schnee. Die Strecke, die er lief, wurde länger und länger. Sein Herz pumpte. Die kühle Luft kratzte in seinem Hals. Die Beine wurden schwer. Doch er zwang sich, weiter zu laufen. Adrenalin schoss durch seinen Körper. Alles um ihn herum wurde schneller. Die Bäume schossen an ihm vorbei.
Seine Verfolger holten auf. Meter um Meter. Etwas surrte an seinem Ohr vorbei. Ein Pfeil. Und noch einer. Und dann traf ihn einer im Rücken. Er torkelte. Doch der Schmerz blieb aus. Das Adrenalin betäubte ihn. Unbeirrt rannte er weiter durch den tiefen Schnee. Seine Augen sahen das Ende. Direkt vor ihm lag die Waldkante. Er ließ die Bäume hinter sich. Vor ihm eröffnete sich eine Lichtung. Doch mehr konnte er nicht erkennen, denn ein weiterer dumpfer Schlag im Rücken riss ihn zu Boden.
Der Hormoncocktail verlor seine Wirkung. Schmerzen überfluteten seinen Körper. Sein erhitztes Gesicht ließ den Schnee schmelzen. Mühsam rang er nach Luft. Seine Verfolger hielten an. Sie blieben an der Waldkante stehen. Worauf warteten sie? Doch sie kehrten um. Sie verschwanden im Wald und ließen ihn auf dem offenen Gelände liegen.
Seine Hand glitt auf den Rücken. Dorthin, wo es weh tat. Zwei Pfeile steckten darin. Vorsichtig berührte er sie. Dann zog er kräftig. Er zog sie hinaus. Hinaus aus seiner kugelsicheren Weste. Denn die hinderte die beiden Pfeile am Eindringen in seinen Körper. Dennoch war sein Rücken geprellt. In ein paar Minuten würden sich zwei faustgroße Blutergüsse bilden. Er richtete sich auf und blickte zurück in den Wald. Warum sind sie abgehauen? Und was waren das überhaupt für Wesen?
Er sah sich um. Vor ihm erhob sich eine steile Klippe, auf dessen Spitze eine alte Schlossruine thronte. Er beschloss, die Nacht dort zu verbringen. Er stand auf und legte wenige Meter zurück, bevor eine Stimme in seinem Kopf zu ihm sprach.
'Du musst nach Hause. Deine Tochter ist krank.'
Doch sein Verstand widersprach.
'Madi ist kerngesund. Ich habe vorhin noch mit ihr telefoniert.'
Er machte einen weiteren Schritt. Er spürte einen Widerstand.
'Jennifer will sich von dir scheiden lassen.'
'Nein, das würde sie nie tun. Sie weiß, dass ich bald nach Hause kehre.'
Das Laufen fiel ihm immer schwerer, der Widerstand wurde immer größer. In seinem Gedächtnis tauchten Bilder auf. Bilder toter Soldaten, die er kannte.
'Geh und trauere um deine gefallenen Kameraden.'
'Damit habe ich bereits abgeschlossen.'
'Du bist ein Mörder. Du tötest Frauen. Deine Familie hat Angst vor dir. Deine Frau wird sich schon bald ihr Leben nehmen. Und das deiner Tochter. Doch noch kannst du das verhindern. Kehre sofort zu ihnen zurück.'
'Sie wissen, was ich tue und was ich bereits getan habe. Ich töte nicht. Ich beschütze. Und das wissen die Beiden.'
Der Druck wurde größer. Es fühlte sich an, als wenn er gegen eine Wand antrat. Mit aller Kraft und letztem Willen kämpfte er dagegen an, als plötzlich der Widerstand verschwand. Vollkommen überrascht landete er wieder mit dem Gesicht im Schnee, was ihn frustrierte. Er richtete sich wieder auf, klopfte sich den Schnee aus der Kleidung und schüttelte verärgert den Kopf. Was war da eben geschehen? Keine Ahnung.
Vor ihm begann eine alte Steintreppe, die hinauf zu der Ruine führte. Jonathan machte große Augen, als sein Blick die Klippe hinauf wanderte. Licht. Aus vereinzelten Fenstern drang Licht nach draußen. Auch war das da oben keine Ruine mehr. Auf dem Plateau stand ein komplett intaktes Schloss. Keine kaputten Mauern oder zusammen gestürzten Türme. 'Was zur Hölle.' Er wollte sich das genauer ansehen, also stieg er die Treppe hinauf. Nach der 300ten Stufe hörte er auf zu zählen, aber er musste mindestens noch einmal die zurück gelegte Strecke überwinden.
Vollkommen außer Atem stand er vor einer massiven Holztür. Langsam öffnete er den Eingang und trat vorsichtig mit der Waffe in der Hand über die Schwelle.
*Auf Hogwarts*
Der Ball dauerte bereits mehrere Stunden. Wie lange genau, dass wusste Harry nicht, denn er hatte nur Augen für Hermine. Er konnte sich nicht daran erinnern, sie an diesem Abend einmal nicht angesehen zu haben. Beide standen sie eng umschlungen auf der Tanzfläche und bewegten sich langsam zur Musik. Er liebte es, wie sich ihr Gesicht an seinen Hals schmiegte und die Haut sanft mit ihrer Nase berührte.
Auch Neville und Ginny tanzten noch. Tief vergrub er sein Gesicht in ihren, nach Erdbeeren duftenden Haaren. Er war wie im Rausch. Sein Geist war vollkommen vernebelt.
Die Reihen der Schüler hatten sich schon gelichtet. Auch von den Lehrern hatten sich schon ein paar in ihre Gemächer zurück gezogen. Nur McGonagall, Tonks und Lupin saßen noch an einem Tisch und unterhielten sich. Das es dabei unter anderem um Harry und Hermine ging, bewiesen die vielen Blicke, die sie ihnen zuwarfen.
Das Lied endete. Harry und Neville verbeugten sich vor ihren Tanzpartnerinnen, was von Ginny und Hermine mit einem eleganten Knicks quittiert wurde.
„Ich möchte noch mal kurz mit Remus reden, okay?“ sprach er sanft. Sie nickte, sah ihm noch einmal tief in seine Augen und ging mit leichtem Schritt zur Getränketheke hinüber. Er wandte sich dem Tisch mit den Professoren zu und ging lächelnd zu ihnen hinüber. Sie empfingen ihn freundlich und baten ihn, Platz zu nehmen. Tonks zwinkerte anerkennend zu und nickte dabei in Richtung Hermine. Harry grinste. Sie unterhielten sich über das glückliche Paar.
Sie blickte zu ihm hinüber. Er saß da, mit seinem elegantem Anzug und seinen zerzausten schwarzen Haaren. Sie war glücklich, weil er es war. Sie ließ noch einmal die gemeinsamen Tänze vor ihrem geistigen Auge erscheinen. Sie musste sich eingestehen, dass er, anders als erwartet, sehr gut war. Er beherrschte viele verschiedene Tänze. Samba, Tango, Walzer und noch andere. Gemeinsam wirbelten sie über das Parkett. Es war einfach traumhaft. Dieser Abend sollte nie enden. Sie nahm einen kleinen Schluck aus ihrem Glas.
„Das ist also deine Wahl. Er.“ Ron trat an sie heran.
„Oh Ron. Was meinst du?“
„Tu nicht so, als wenn du nicht wüsstest, was ich meine.“ Seine Stimme klang wütend. „Er bekommt also dich. Wieder kriegt er das, was ich haben wollte. Ihr Beide habt mich hintergangen.“
Hermine empörte sich: „Was fällt dir ein. Ich bin kein Ding, das man besitzen kann. Und genau deswegen liebe ich Harry und nicht dich.“
Harry beobachtete kurz, wie sich Hermine mit Ron unterhielt, bevor er wieder zu Lupin blickte.
„Remus, ich habe da ein Buch. Vielleicht kannst du mir da weiter helfen.“ Sein Herz zwang ihn, wieder zu Hermine zu sehen. „Äh, natürlich...“ Er hörte nicht weiter zu. Er war geschockt davon, was passierte. Ron brüllte lautstark, bevor er sein volles Glas mit Punsch über Hermine's Kleid goss. Sie erschrak. Als sie realisierte, was er getan hatte, gab sie ihm eine deftige Ohrfeige. Der Knall hallte durch die große Halle. Harry sprang wütend auf und rannte zu ihnen hinüber. Aber bevor er sie erreichte, stürmte Hermine mit Tränen in den Augen davon. Innerlich kochte er. Er begann Ron an zu brüllen. Doch der zeigte sich unbeeindruckt. Seine Arroganz fachte Harry's Zorn nur noch mehr an. Er zog seinen Zauberstab aus der Innentasche seines Jacketts und zielte damit auf den Rotschopf, der nun doch etwas zusammen zuckte. Doch bevor Harry einen Fluch aussprechen konnte, griff Neville ein. Ginny blickte ihren Bruder verachtend an.
„Ich gehe mal nach ihr sehen.“ sagte sie an Neville und Harry gerichtet. Neville versuchte die Situation zu entschärfen: „Vielleicht ist es besser, wenn du mit gehst.“ Jeder im Saal spürte die Wut, die Harry in diesem Moment in sich trug. Die Atmosphäre war zum zerreißen gespannt. Er befreite sich aus Neville's Umklammerung und wollte gerade Ginny begleiten, als er noch einmal kehrt machte und Ron mit finsterem Blick ansah: „Das wirst du bereuen.“ Zusammen brach er mit Ginny auf, als ein lauter Schrei durch die Gänge des Schlosses schallte.
„Hermine...“ schrie Harry und stürmte aus der großen Halle.
*Irgendwo auf Hogwarts*
Ein Schrei fuhr Jonathan durch Mark und Bein. Eindeutig eine Frauenstimme. Aber wo kam es her. Hier, in diesem alten Gemäuer, gleicht das einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch diese Person brauchte Hilfe. Er beschleunigte seinen Schritt. Nahm bei den Treppen gleich drei Stufen auf einmal. Er rannte die Gänge entlang, bis er ein tiefes Atmen vernahm. Es kam aus dem Flur hinter der nächsten Ecke. Er bremste ab, nahm die Waffe in Anschlag, sodass er durch das Visier hindurch schaute und bog langsam um die Ecke. Auf dem Boden lag ein lebloser Körper. Darüber beugte sich ein großes, kräftiges und stark behaartes Wesen. Jonathan sah, wie es auf das junge Mädchen sabberte.
„Hey.“ brüllte er das Wesen an. Dieses sah auf und fixierte ihn mit seinen leuchtend gelben Augen. Es richtete sich zu voller Größe auf, was hieß, es war gut drei Köpfe größer als Jonathan. Doch jetzt war es zu spät für einen Rückzieher. Er ging zum Angriff über.
Er löste die Sicherung seiner Waffe und stellte sie auf Automatik. Ständig darauf bedacht, den roten Punkt auf dem Ziel zu halten, krümmte sich sein Finger. Der Gang blitzte auf. Adrenalin schoss durch seinen Körper. Langsam ging er dabei vorwärts. Ein Geschoss nach dem anderen verließ den Lauf seine Waffe.Dreißig Mal spürte er den Rückstoß in seiner Schulter, bevor sie verstummte. Er war sich sicher, dass alle Projektile trafen, dennoch stand das Ungetüm immer noch aufrecht. Wieder machte sich sein jahrelanges Training bezahlt. Mit eine schnellen Handbewegung holte er ein anderes Magazin aus einer der Taschen und führte es zur Waffe. Mit dem Daumen löste er das leere Magazin aus seiner Halterung und ließ es zu Boden fallen. Das volle Magazin rastete mit einem Klick ein. Er zog am Verschluss und ließ ihn nach vorne schnellen. Wieder legte er an. Wieder betätigte er den Abzug. Wieder blitzte der Gang auf. Zwei Meter trennten das Wesen von ihm, bevor es mit einem Satz aus der Ampore sprang und über die Dächer verschwand. Jonathan hörte, wie die letzte Messinghülse zu Boden fiel. Wieder wechselte er das leer geschossene Magazin.
Vorsichtig näherte er sich dem Mädchen. Es war wunderschön, aber ohnmächtig. Er beschloss sie weg zu bringen. Weg von diesem merkwürdigen Ort. Er hängte sich seine Waffe um und nahm die Schönheit auf den Arm. Er trug sie weg, den Gang hinunter und um die Ecke, wo sich ihm eine Gruppe aus drei Erwachsenen und mehreren Jugendlichen in den Weg stellte. Die Älteren richteten ihre Zauberstäbe auf den für sie Fremden.
Der Mann unter den drei fing an zu sprechen: „Legen sie das Mädchen auf den Boden!“
Jonathan legte sie auf die kalten Steinplatten.
„Harry, Ginny, Neville. Bringt Hermine sofort in den Krankenflügel!“
Zwei Jungs mit dunklem und ein Mädchen mit feuerrotem Haar traten hervor und nahmen sich ihrer an.
„Hermine? Ist das ihr Name?“ wollte Jonathan wissen, doch Lupin trat stürmisch auf ihn zu und machte ihm klar, dass er schweigen soll.
Stille trat ein. Bis er hörte, wie sich hinter ihm etwas bewegte. Er vernahm das gleiche tiefe Atmen wie kurz zuvor. Ein bestialischer Gestank stieg ihm in die Nase. Es roch nach Schweiß und Blut. Die drei Professoren änderten die Richtung, in der ihre Zauberstäbe zeigten. Sie zielten auf etwas hinter Jonathan. Langsam wollte er sich umdrehen und dieses Wesen aus der Nähe sehen, doch dazu kam er nicht.
„Aua. Das hat weh getan.“ sprach das Wesen mit rauer Stimme. Es holte mit seinen großen Pranken aus. Jonathan spürte die Wucht, mit dem der Unbekannte zu langte. Er hörte wie das Kevlar seiner Weste riss. Er spürte, wie lange Krallen sich in das Fleisch seines Rückens bohrten. Der Schlag kam überraschend und mit solch einer Kraft, dass es Jonathan in die Knie zwang. Ein zweiter Hieb riss auch noch die andere Hälfte seines Rückens auf. Gleichzeitig wurde er quer durch den Gang geschleudert und knallte wuchtig gegen eine Wand. Benommen und mit unerträglichen Schmerzen lag er auf den Boden. Er spürte, wie warmes Blut über seinen aufgerissenen Rücken floss. Seine Augenlider schlossen und öffneten sich wie in Zeitlupe. Ein farbenfrohes Spektakel ging von den drei Schemen aus. Er lag hilflos auf dem Boden und wusste, dass er diesmal nicht einfach wieder aufstehen konnte. Ihm wurde schwarz vor Augen. Der letzte Gedanke galt seiner Frau, seiner Tochter und dem unbekannten Mädchen, zu dessen Hilfe er geeilt war.
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