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Fanfiction

Augenblicke - 9.

von jujube58

Für alle, die so lange darauf gewartet haben.
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„Es erscheint mir seltsam, etwas anderes zu tun, während Voldemort irgendwo da draußen frei rumläuft und Leute tötet, die es nicht verdient haben. Andererseits können wir ja nicht unser Leben lang nicht arbeiten, irgendwann werden wir schon noch mal Geld brauchen.“ Lily hatte sich lange über diese Frage den Kopf zerbrochen. Von James kam ein zustimmendes Kopfnicken. „Am liebsten würde ich alles versuchen, damit Voldemort endlich geschnappt wird. Die Prewetts, Edgar, Dorcas, meine Eltern… Es ist einfach nicht zu begreifen, warum so etwas überhaupt passieren muss.“

Nur kurze Zeit nach der Beerdigung Dorcas’ trafen Lily und James wieder auf den kleinen Zauberer, der die Trauerrede gehalten und sie wenige Wochen zuvor getraut hatte. Es war an der Zeit, das Testament von James’ Eltern zu öffnen. Auch Sirius war anwesend, da er für die Potters gleich einem zweiten Sohn gewesen war, seit er eines Tages ganz unvermittelt vor ihrer Tür aufgetaucht war, weshalb er nun auch von ihnen bedacht worden war.
Während der kleine Zauberer die Worte von einem Blatt Pergament vorlas, drückte James Lilys Hand ganz fest. Es war, als bräuchte er Halt, als müsse sie ihn davor bewahren, nicht zu fallen. Sirius war ebenfalls blass, der Tod seiner Adoptiveltern, wie er es gerne nannte, hatte ihn sehr mitgenommen. Doch als er erfuhr, dass er Mr Potters Sammlung von Büchern über Muggelfahrzeuge und fliegende Zauberertransportmittel geerbt hatte, schlich sich ein kleines Strahlen in seine dunklen Augen.
James erbte neben dem Haus auch das Vermögen der Familie. Mit bleichem Gesicht, als ob er noch einmal die Nachricht vom Tod seiner Eltern erhalten hätte, verließ er das Ministerium.
Doch zurück in Godric’s Hollow setzte er ein schiefes Lächeln auf. „Weißt du Lily, die Frage, was wir tun sollen, hat sich erledigt. Ich zumindest werde kämpfen, ich werde alles versuchen, damit nicht noch mehr Grauen unsere Welt erschüttert und noch mehr unschuldige Menschen zu Tode kommen. Ich habe genug geerbt, um mich ganz dem Kampf zu widmen.“ In seinen Augen war eine Härte und Unnachgiebigkeit, die Lily so noch nie gesehen hatte. Es war, als würde ein ganz anderer Mensch vor ihr stehen, als der lebensfrohe, immer zu einem Scherz aufgelegte Rumtreiber. Verbitterung, Trauer und ein unbeschreiblicher Kampfgeist sprachen aus seiner Haltung, der Wunsch, Gerechtigkeit in die magische Welt zurückzubringen. Leise machte sie einen Schritt auf ihn zu und legt ihre Arme um seinen Hals. „Ich werde mit dir kämpfen und wir werden siegen.“

Ein silberner Phönix erschien mitten im Wohnzimmer, gerade als Lily und James es sich dort gemütlich machen wollten. Ein kalter Schauer durchfuhr Lily. Ein weiterer Angriff, weitere Opfer, vielleicht sogar schon weitere Tote. Dabei war Dorcas gerade erst ums Leben gekommen. „Lily, komm.“ James fasste nach ihrer Hand. Es war gut, dass er bei ihr war. Mit ihm an ihrer Seite würde es nicht so schlimm werden. Sie atmete noch einmal tief durch und apparierte dann mit James zusammen zu einem kleinen Dorf in Wales, in dem Todesser ihr Unwesen trieben.
Über einigen Häusern prangte das Dunkle Mal. Menschen schrien, Kinder weinten. Einige hatten entkommen können, einige waren tot. In einer dunklen Ecke stand ein kleines Mädchen mit schreckensweiten Augen. Es zitterte und schien sich nicht regen zu können, als ein großer, maskierter Mann auf sie zukam. Lily rannte los, stellte sich vor das kleinen Mädchen und brachte den Todesser mit mehreren Flüchen zu Fall.

Lachend fielen Lily und Alice über Rose her. Zu lange war es her, dass sie sich gesehen hatten. Es fehlte Lily, Rose einfach besuchen zu können, um zu quatschen und ein bisschen ihre Sorgen zu vergessen, so wie sie es mit Alice tun konnte. Aber Salem war zu weit weg, zu weit entfern.
„Ich möchte euch gerne meinen Freund vorstellen“, grinste Rose. „Das ist Michael, ich habe ihn im Frühjahr kennen gelernt!“ Sie begrüßten den Mann mit den braunen Haaren und den lebhaften blauen Augen, der ihnen die Hand entgegenstreckte. „Hi, schön euch endlich mal in Persona zu sehen. Rosie hat ja schon so viel von euch erzählt!“ Er sprach mit deutlichem amerikanischen Akzent und schmunzelte bei seinen Worten.

Sie saßen zusammen in Roses Wohnzimmer. Vor dem Fenster herrschte tiefschwarze Nacht, nur der volle Mond tauchte die Welt in ein milchigweißes Licht. Abwesend starrte Lily hinaus, mit ihren Gedanken ganz woanders.
„Lily? Lily, bist du noch bei uns?“ Mit einem kleinen Lächeln drehte sie den Kopf ihren beiden Freundinnen zu. „Ja, ja, entschuldigt. Ich musste nur gerade an Remus denken, es ist Vollmond. Heute wollten sie alle zusammen rausgehen. Ich hoffe nur, dass ihnen nichts passiert. Wenn James…“ Sie brach ab. „Es wird nichts passieren, Lily. Mach dir keine Sorgen“, versuchte Alice sie zu beruhigen. Lily seufzte. „Ich weiß. Es ist total dämlich. Ich höre mich schon an, wie eine dieser überbesorgten, anhänglichen Klammertussis, die ihrem Mann am liebsten auf Schritt und Tritt folgen wollen, weil sie ihm nicht vertrauen können. Aber darum geht es mir gar nicht. Es ist nur… Voldemort… was, wenn er heute Abend?“ Eine eigenartige Stille legte sich über den Raum.
Lily sah, wie auch die Gedanken ihrer Freundinnen abschweiften. Sie hasste es, dieses Thema anzusprechen, aber es beschäftigte sie, war immer präsent in ihrem Hinterkopf. Bei allem was sie tat, wohin sie auch ging, der Schatten Voldemorts verfolgte sie.

Der erste Schnee fiel früh in diesem Jahr, sodass ihr kleines Haus bereits Anfang November vollkommen in Weiß getaucht war. Im Kamin brannte ein flackerndes Feuer, das seine Wärme im ganzen Raum verbreitete.
In Decken gekuschelt und mit einer heißen Tasse Tee in der Hand saß Lily in einem Sessel und las. James war mit Sirius und dessen fliegendem Motorrad unterwegs, worüber Lily nur den Kopf schütteln konnte. Wahrscheinlich würde sie die beiden hinterher von den Flugungetüm loseisen müssen.
Sie war völlig versunken in ihre Lektüre und genoss die Stille um sich herum, die nur durch das Knistern des Kaminfeuers bestimmt war. Ein lautes Poltern vor der Haustür ließ sie aufschrecken. Sie hörte Stimmen, einen unterdrückten Fluch von James und heiteres Lachen, das sich ganz nach Sirius anhörte. Offensichtlich waren die beiden Männer wiedergekommen. Mit einem Grinsen öffnete sie die Tür, sie wollte unbedingt wissen, wieso ihr Mann am Fluchen war. Doch konnte sie ihn gar nicht sehen, als erstes fiel ihr Blick auf eine riesige grüne Tanne, deren Äste mit weißen Schneekristallen überzogen waren.
„Oh Gott, was ist denn das? Dieses Teil kommt mir aber nicht in meinen Garten! Dann sehe ich ja von der ganzen Umgebung nichts mehr!“ Mit in die Hüften gestemmten Händen machte sie einen vorsichtigen Schritt in den vereisten Vorgarten.
Zwischen den Ästen der Tanne tauchte Sirius’ grinsendes Gesicht auf. „Ich wusste, dass du das sagen würdest! Aber keine Sorge, das ‚Teil’, wie du es nennst, soll nicht deinen wunderschönen Garten verschandeln, sondern nur dein Wohnzimmer.“ Sprachlos starrte sie den freudestrahlenden besten Freund ihres Mannes an, der auf seinen schwarzen Haaren eine rote Pudelmütze trug.

Sie hatten sich alle um den Weihnachtsbaum der Potters versammelt. Sirius, James und Lily feierten gemeinsam. Peter und Remus waren bei ihren Eltern, Alice und Frank feierten mit Franks Mutter und Rose verbrachte die Feiertage mit Michael in Salem.
Beim Anblick der brennenden Kerzen am Baum stiegen in Lily Erinnerungen an das letzte Weihnachtsfest auf. Sie hatten bei Mr und Mrs Potter ausgelassen in großer Runde gefeiert. Jetzt waren sie zu dritt. Offenbar dachte James das Selbe wie sie, in seinen Augen war ein Schimmer Traurigkeit auszumachen. Schweigend drückte sie seine Hand und kuschelte sich an seine Seite. James strich ihr durch die roten Haare und küsste sie sanft, wie um ihr zu sagen, dass alles in Ordnung war.
Es wurde ein lustiger Abend für die drei Freunde. Gemeinsam aßen sie solche Unmengen an Plätzchen und Weihnachtspasteten, dass sie irgendwann kaum noch aufstehen konnten. Sie lachten und unterhielten sich ausgelassen und konnten dabei die ständige Bedrohung durch Voldemort zumindest für einige Zeit vergessen.

„Jaaaaaaaames!“ Erschrocken flatterte ein kleiner Vogel aus der großen Linde hinter dem Haus der Potters. Lily stand in dem kleinen Gartenhäuschen, in dem sie ihre Gießkanne suchen wollte und war über den Zustand des Raumes gar nicht glücklich.
Mit schnellen Schritten kam James über den Rasen gelaufen, einen besorgten Ausdruck auf seinem Gesicht. „Ist was passiert Lily? Alles in Ordnung?“ „Oh nein, mein Freund. Hier ist gar nichts in Ordnung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Wolltest du nicht schon vor zwei Wochen das Gartenhäuschen aufräumen? Und jetzt stapeln sich hier noch die leeren Butterbierflaschen und der Feuerwhiskey von eurem letzten Männerabend!“
Verlegen fuhr er sich durch die Haare. „Ähm, ja, stimmt. Jetzt wo du’s sagst…“ Doch beim Anblick ihrer zusammengezogenen Brauen fügte er schnell hinzu: „Ich habs vergessen, Liebling. Es tut mir Leid! Ich mach das sofort, wenn ich mit Peter die neue Ordensstrategie besprochen habe. Das müssen wir bis heute Abend zum Treffen klar haben. Bitte, bitte sei nicht böse.“ Er sah sie so unverschämt flehend an, dass Lily nicht anders konnte, als zu lachen. „Das will ich für dich hoffen, dass du es machst.“ Und mit einem Kuss entließ sie ihn wieder zur Besprechung mit seinem Freund.

Wieder einmal saßen sie im Hinterzimmer des Eberkopf. Wieder einmal betrauerten sie den Tod eines der Mitglieder des Phönixordens. Mitsamt ihrer ganzen Familie hatten die Todesser Marlene McKinnon in der Nacht zuvor ausgelöscht.
„Für die gute Sache gekämpft und gestorben. Wann immer wir an sie denken, wollen wir uns in Erinnerung rufen, dass Marlene mit ganzem Herzen auf unserer Seite stand und ein unvorstellbares Opfer gebracht hat. Auf Marlene McKinnon und ihre Familie!“ Leise murmelten sie „Auf die McKinnons“ als sie ihre Gläser hoben. Lilys Herz krampfte sich zusammen. Marlene war nicht viel älter gewesen als sie selbst und hatte doch schon sterben müssen.

Lily beobachtete, wie ihre Freundin langsam den kurzen Gang entlang schritt. Sie strahlte über das ganze Gesicht und das Lächeln, das sie zeigte galt nur einem. Frank stand vor dem kleinen Zauberer, der sie trauen sollte und lächelte ebenfalls.
Während der Zeremonie kuschelte sie sich an James’ Seite, der ihr einen Kuss aufs Haar drückte. „Letztes Jahr war ich mindestens so glücklich wie Frank jetzt aussieht, als du durch den Gang auf mich zugekommen bist.“

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als sie frühstückten. In der Nacht zuvor waren sie bei einer wichtigen Besprechung des Ordens gewesen, die sich lange hingezogen hatte.
Es klopfte an der Tür, gähnend stand James auf und kehrte einige Augenblicke später mit Remus an seiner Seite zurück. Lily war noch immer nicht ganz wach, doch als sie den Ausdruck im Gesicht ihres Freundes sah, änderte sich dies schlagartig. „Guten Morgen, Remus! Was ist passiert?“ James bot ihm einen Stuhl an und erst nachdem er sich hingesetzt hatte, sprach Remus.
„Regulus ist tot aufgefunden worden. Sirius hat es heute Morgen erfahren. Er wollte wohl aussteigen und von den anderen Todessern getötet worden.“ Er sah blass aus und grau im Gesicht. Lily drückte James’ Hand ganz fest und spürte in ihrem Augenwinkel Tränen aufsteigen. Zwar hatte Sirius im verächtlich über seinen jüngeren Bruder gesprochen, doch würde sein Tod ihn trotzdem hart getroffen haben. Immerhin waren sie Brüder. Würde Petunia sterben, würde für sie genauso eine Welt zusammenbrechen.

Etwas kitzelte sie an der Nase, strich sanft über ihre Stirn, ihre Wange, berührte dann federleicht ihre Lippen. Lily lächelte und wartete darauf, dass James sie küssen würde. Diesen Wunsch erfüllte er ihr nur allzu gerne. Als sie sich wieder voneinander lösten, blickte sie ihm tief in die haselnussbraunen Augen. „Einen wunderschönen ersten Hochzeitstag wünsche ich dir, liebste Lily.“
Bei diesen Worten funkelten seine Augen auf eine Art, die in ihr den Drang auslöste ihn in die Arme zu nehmen und für die nächsten Jahre nicht mehr loszulassen. Sie küssten sich und unendliches Glück füllte ihre Gedanken, ihr Herz, jedes Bisschen ihres Körpers.

Der Wind pfiff durch Godric’s Hollow und riss die noch nicht ganz bunten Blätter gewaltsam von den Bäumen, die sich unter dem wilden Pfeifen duckten. Regen trommelte hart auf die Häuser und die Straßen. Ein Wetter, das die Stimmung des Tages widerspiegelte wie kein anderes es gekonnt hätte. Noch vor Morgengrauen hatte sie die Nachricht erreicht, dass der bereits vor Wochen verschwundene Benjy Fenwick in Stücke gerissen in Schottland aufgefunden worden war. Langsam hatte Lily nicht einmal mehr Tränen für all die Menschen, mit denen sie Seite an Seite gekämpft hatte und die jetzt gewaltsam aus dem Leben gerissen worden waren. Wegen Fanatismus. Wegen einer Person.

Lichtblitze. Schreie. Kämpfende Menschen. Neben ihr fiel jemand mit einem dumpfen Aufschlag zu Boden. Kalte, starrende rote Augen bohrten sich in ihre. „Crucio!“ Schmerz. Unendlicher Schmerz in ihrem ganzen Körper. Sie schrie. Schrie in die Nacht hinaus. Ein höhnisches Lachen und dann war es vorbei. Jeder Atemzug wie ein Messerstich in ihrer Brust.
„Das war schon zu viel für dich? Willst du wissen, was richtiger Schmerz ist? Willst du, dass ich dich erlöse?“ Kalt und grausam, ein Schnarren, das sie mit Grauen erfüllte. Als hätten die Worte irgendetwas in ihr aufgerüttelt, stand sie auf, mit immer noch zitternden Knien und dem Nachklang des Schmerzes in ihrem ganzen Körper. Doch sie stand aufrecht, funkelte in mit ihren grünen Augen an und hielt ihren Zauberstab bereit.
Sie würde nicht aufgeben, ihn nicht triumphieren lassen. Er konnte sie foltern, ihr Schmerzen zufügen, doch würde sie nicht aufgeben. Seine schmalen Lippen verzogen sich zu einem höhnischen Grinsen. Lichtblitze zuckten um sie herum. Kämpfende Menschen bewegten sich und schrien Flüche. Ihr Gegenüber schnippte mit seinem Zauberstab durch die Luft, doch sie war vorbereitet. Ein unsichtbarer Schild entstand direkt vor ihr, an dem der Zauber abprallte. Sie selbst feuerte einen Fluch auf den großen, weißgesichtigen Mann vor sich. Sie duellierten sich, sie fluchten und blockten die Zauber des Anderen.
Lily fühlte langsam Müdigkeit in sich aufsteigen und Adrenalin durch ihre Adern pumpen. Sie konnte nicht aufhören, sie durfte nicht aufhören. Sie musste kämpfen. Ein gelblicher Lichtstrahl traf sie in die Brust. Unendlicher Schmerz machte sich in ihr breit. Schlimmer als alles was sie je zuvor hatte erdulden müssen. Schlimmer als der Cruciatusfluch.
Sie schrie. Vor ihren Augen wurde es schwarze Nacht. Nebel stieg in ihrem Kopf auf. Und doch hörte sie noch jemanden laut schreien. Hörte Füße, die sich schnell bewegten, bevor alles Denken aus ihrem Kopf verschwand.

Steifer Stoff unter ihren Händen. Ein dumpfes Pochen in ihrem Kopf. Ein leises Piepen neben ihrem Ohr. Grelles Licht blendete sie, als sie ihre Augen mit großer Anstrengung einen winzigen Spalt weit öffnete. Alles drehte sich um sie herum und sie hatte das Gefühl, als würden die Wände auf sie zustürzen. Stöhnend senkten sich ihre Lider wieder und sie driftete davon in eine andere Welt.

Besorgte Stimmen wie aus weiter Ferne. Eine warme Hand auf ihrer eigenen. Stechender Schmerz in jedem einzelnen ihrer Glieder. Die Geräusche drangen zu ihr wie durch Watte. Sie versuchte sich zu konzentrieren, versuchte einzelne Stimmen auszumachen. Eine kam ihr bekannt vor, ein tiefes Flüstern, heiser vor Sorge, schwer von nicht geweinten Tränen. „Wenn sie nicht bald aufwacht, meinten die Heiler, dann müssen wir uns wirklich Sorgen machen. Eine Woche ist es jetzt schon her. Sie wissen auch nicht, was sie noch machen sollen, dieser Fluch scheint irgendetwas Unbekanntes gewesen zu sein.“
James. James war hier. Aber er sollte sich nicht so anhören; sie wollte sein Lachen hören, seine Stimme, wenn er scherzte und sie aufzog. Aus einer anderen Richtung erklang ein leises Schluchzen. Wer war das?
Die Hand, die ihre eigene hielt, strich mit zitternden Fingern über ihren Handrücken. Mit unendlicher Willensanstrengung schaffte sie es, ihre eigenen Finger um diese Hand zu schließen und leicht zuzudrücken. Ihre schweren Lider hoben sich fast wie von selbst ein wenig und wieder konnte sie das grelle weiße Licht ausmachen, das über ihr zu schweben schien.
„Lily?“ Ein atemloses Flüstern neben ihrem Ohr. „J-james?“ Ihre eigene Stimme schien eingerostet, ihr Hals trocken und von Innen wie aufgeraut.

Jeden Tag nahm sie sieben verschiedene Tränke, um die Auswirkungen des Fluches, mit dem Voldemort sie belegt hatte, einzudämmen. Regelmäßig wurde ihr schlecht und nur langsam erholte sie sich soweit, dass sie zumindest nicht den ganzen Tag im Bett verbringen musste, sondern auch mal einen kleinen Ausflug in die Cafeteria des St.-Mungo-Hospitals unternehmen konnte.
James verbrachte Tag und Nacht bei ihr, verließ ihre Seite nur wenn es nicht anders möglich war. Sorgenvoll beobachtete er einen jeden ihrer Schritte, fing sie auf, wenn ihr mal wieder die Beine beim Gehen einfach wegknickten, nahm sie wortlos in den Arm, wenn die Erinnerungen an jene schreckliche Nacht sie überwältigten und ihr stumme Tränen über das Gesicht liefen.
Tag für Tag realisierte sie ein bisschen mehr, wie knapp sie entkommen war. Und kein anderer der zahlreichen Besucher vermochte es, sie zu beruhigen, außer James. Sie war ihm unendlich dankbar für seine Anwesenheit. Er zwang sie nicht zu sprechen, wenn sie lieber schweigen wollte. Er ließ sich mitten in der Nacht wecken, wenn sie das Bedürfnis hatte zu reden und war einfach da, was ihr mehr bedeutete jede bestimmt nett gemeinte Karte mit Genesungswünschen von alten Schulkameraden.


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