
von ruckiundtille
Tilyas erste Nacht in Hogwarts war im wahrsten Sinne des Wortes grauenhaft.
Zwar hatte ihr Mc Gonagall ein gemütliches Zimmer im Erdgeschoss, nahe der großen Halle zugewiesen, und die Hauselfen hatten es in Windeseile für sie hergerichtet, und ihr sogar einen herrlich weichen Pyjama auf die Kissen gelegt , aber kaum hatte sich die Alverliekin in die Laken gekuschelt, musste sie leider Bekanntschaft mit einem bisher unbekannten Wesen namens Peeves machen.
Auch als sich nach einigen Stunden die Angst vor dem Poltergeist langsam gelegt hatte, so schaffte Peeves es dennoch, Tilya die halbe Nacht über wach zu halten, indem er sie schlicht und ergreifend nervte.
Als die junge Frau am nächsten Morgen in aller Frühe ihr Nachtlager verließ, und sich im angrenzenden Badezimmer frisch machen wollte, erschrak sie vor ihrem eigenen Spiegelbild.
Ihre Federn standen dank der nächtlichen Kissenschlacht, die sie gegen Peeves führen musste, zu allen Seiten ab, ihre Haut sah noch bleicher aus als sonst, und unter ihren geröteten Augen zeichnete, sich dunkle Ringe ab.
„Guten Morgen, Schönheit!“ frotzelte Peeves hämisch aus ihrem Bett, und verschwand dann schadenfroh kichernd durch die Zimmerdecke.
Der Poltergeist hatte ganze Arbeit geleistet.
So sollte sie also gleich dem gesamten Schulrat gegenübertreten.
Zumindest würde sie so einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Nur leider keinen guten.
Wenn Tilya wenigstens ihren Kamm mitgenommen hätte! Aber der lag entweder in der Nokturngasse, oder befand sich mittlerweile schon in Hagrids Gewahrsam. Und damit immer noch außerhalb ihrer Reichweite.
Glücklicherweise hatte jemand umsichtig daran gedacht, das Bad zumindest mit frischen Handtüchern, Seife und neuen Zahnbürsten auszustatten.
Tilya fragte sich während des Zähneputzens, ob der Halbriese die Angelegenheit mit Burke bereits geregelt hatte.
Sie war Hagrid sehr dankbar für alles, was er für sie getan hatte, und sie würde es ihm niemals vergessen.
Dennoch grollte sie ihm ein wenig dafür, dass er sie gestern Abend so einfach sich selbst überlassen hatte.
Sie hoffte jedenfalls trotzdem inständig, dass er keinen Ärger mehr mit seiner Feuerkrabbe bekommen hatte. Ihr Freund schuldete ihr aber noch eine Erklärung dafür, warum niemand von der Existenz des Krustentieres erfahren durfte.
Tilya wusch sich hastig, denn sie fürchtete, in einem plötzlichen Anfall von Paranoia, Peeves könne sich unbemerkt an sie heranschleichen. Und nur weil es sich bei Peeves um einen Geist handelte, hätte sich Tilya nicht minder in Grund und Boden geschämt, wenn er sie splitterfasernackt zu sehen bekommen sollte.
Vor allem die dunklen Echsenhaut-flecken an ihren Gliedmaßen, die anmuteten, wie eine Mischung aus Bluterguss und allergischem Ausschlag, waren ihr peinlich.
Verwundert stellte die Alverliekin fest, dass ihre Klamotten über Nacht gewaschen und gebügelt worden waren, und nun ordentlich gefaltet auf einem Hocker lagen.
Sogar ihr schäbiger Kittel leuchtete in einem strahlenden Weiß, kein einziger Fleck zeugte mehr von ihrem chaotischen Treiben im Labor der Apotheke.
Das konnte man sicher nur mit einer ordentlichen Portion Magie bewerkstelligt haben. Oder mit sehr, sehr viel Geduld und Kraft.
Oder mit einer Schere.
Tilya fragte sich, ob sie den sauberen Kittel den fleißigen Hauselfen von Hogwarts zu verdanken hatte.
Sie schlüpfte in ihre bequeme graue Hose, schnürte ihre Stiefel zu, und knöpfte ihr Hemd aus blauer Spinnenseide zu. Das ungekämmte gefiederte, widerspenstige Haar wurde, so gut es eben ging, mit einer ledernen Schnur gebändigt.
Kritisch beäugte sich Tilya im Spiegel. Nicht viel besser als vorher. Sie sah aus wie ein verkaterter, frustrierter Teenager, nicht wie eine vierundzwanzigjährige, selbstbewusste und kompetente junge Dame. Kein Wunder, dass niemand sie für voll nahm.
Sie streckte ihrem Spiegelbild die Zunge raus.
Dann schielte sie auf den Wecker auf dem Nachttischchen. Halb sieben war es nun, an diesem jungen Samstagmorgen.
Sie fragte sich, ob schon jemand außer ihr und diesem unsäglichen Peeves wach war. Die Schüler schlummerten sicher noch selig in ihren Betten, denn am Wochenende fand kein Unterricht statt.
Ob Tilya sich aus dem Zimmer stehlen und sich etwas im Schloss umsehen sollte?
Besser nicht,- die unvorbereitete Begegnung mit Filch und Snape gestern Abend hatte ihr gereicht!
Lieber wartete sie ab, bis die Bewohner dieses Gemäuers über ihre Anwesenheit aufgeklärt waren, bevor sie es auf eine Konfrontation ankommen ließ.
Die Alverliekin versuchte sich vorzustellen, wie die Schüler wohl auf sie reagieren würden.
Tilya war scheu, und bei dem Gedanken an die vielen jungen, fremden Menschen, denen sie vielleicht schon bald gegenübergestellt werden würde, wurde dem Mädchen übel.
Außerdem wurde es ihr mit der Zeit langweilig, in dem kleinen Zimmer herumzustreunen, und aus dem winzigen, vergitterten Fensterchen zu glotzen und Bäume zu zählen.
Bald hätte sie sich sogar über die Gesellschaft von Peeves gefreut.
Tilya lauschte in die Stille hinein. Sie vernahm mit ihren Alwenohren das Geschrei von Eulen, ansonsten hörte sie nur gelegentlich das Knarren von Holzdielen.
Wie unsagbar öde.
Außerdem hatte sie schon wieder Hunger.
Plötzlich erklang das Geräusch weicher Pantoffeln, die über harten Steinboden schlurften. Dann klopfte es ganz leise an der Tür.
Tilya sprang aufgeregt von ihrem Bett und beeilte sich, zu öffnen.
Ein alter, weißbärtiger Mann stand lächelnd vor ihr, und er hatte die strahlendsten blauen Augen, die man sich nur vorstellen konnte. Er war groß, und dünn und trug eine beeindruckend bestickte Robe mit passendem Spitzhut.
„Guten Morgen, Fräulein Tilya.“ begrüßte er die Alverliekin und zwinkerte dem Mädchen vergnügt zu. „Was für ein Glück, dass Sie zu den Frühaufstehern gehören. Nun bekomme ich endlich die Gelegenheit, einer Alverliekin die Hand zu schütteln!“
„Guten Morgen.“ flüsterte Tilya, und war hingerissen von dem sternengleichen Funkeln der erstaunlich jungen Augen ihres greisen Gegenübers, als sie ihm die Hand reichte.
„Oh, verzeihen Sie bitte. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Albus Dumbledore und Schulleiter von Hogwarts. Und ich freue mich ganz außerordentlich, Sie hier als Gast auf diesem Schloss begrüßen zu dürfen.“ Er drückte Tilyas Hand mit einer warmen Herzlichkeit.
Dumbledore hatte dem Morgen mit Neugier und freudiger Erwartung entgegengefiebert. Er wusste um die Existenz der Alwen und Verlieken, als Jugendlicher hatte er viele Bücher über dieser beiden Völker gelesen, und er war fasziniert von der Lebensweise, der Kultur, der Tradition und dem Wesen der alverliekischen Lebensgemeinschaft. Auch wenn es dort nichts gab, außer primitiver Elementarmagie und einem Kult um sogenannte Totemtiere und Dämonen, die man Malare nannte, so gab es doch so viel, was man voneinander lernen konnte!
„Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, in meinem Leben noch einmal einem Alwen oder einem Verlieken zu begegnen, und dann berichtet mir Mrs Mc Gonagall doch bei meiner Ankunft, spät in der Nacht, dass eine kleine Alverliekin in einem unserer Gästezimmer schlummert.“ Dumbledore schmunzelte. „Sie musste ihre ganze Überredungskunst aufbieten, damit ich Sie schlafen lasse, und nicht zur späten Stunde mit einem Haufen Fragen quäle. Doch dazu haben wir jetzt noch genügend Zeit. Darf ich Sie auf ein Tässchen Tee in mein Büro einladen?“
„Da sag ich nicht nein.“ freute sich die hungrige Tilya, die hoffte, dass Kekse zum Tee gereicht werden würden. Vergnügt hakte sich der alte Mann bei der jungen Alverliekin unter und führte sie in die oberen Stockwerke.
Im runden Schulleiterbüro, hoch oben, in einem der Türme Hogwarts kam Tilya tatsächlich in den Genuss von heißem Melissentee und köstlichen Schokoladenkeksen.
Sehr beeindruckt zeigte sie sich von Fawkes, getraute sich aber nicht recht, dem Phönix über die Federn zu streichen, als Dumbledore ihr erklärte, auf welche Art diese Wesen starben und wiedergeboren wurden. Vor allem, was irgendwie mit Feuer zu tun hatte, hatte die Alverliekin großen Respekt.
Dumbledore löcherte die schüchterne Tilya mit vielen Fragen über ihr Leben auf der alverliekischen Insel, ihre Zukunftspläne und Interessen, und darüber, wie ihr das Schicksal in der Welt der Menschen mitgespielt hatte.
Tilya tunkte einen Schokokeks in ihren Tee. „Eigentlich kann ich ja von Glück reden, dass ich so schnell einen Weg in die magische Welt gefunden habe.“ stellte sie nachträglich fest. „Es war Burke, der mich zufällig an der Küste aufgesammelt, und in die Winkelgasse gebracht hat. Ich hatte ja gar keinen Plan, wie ich mir Zugang zum magischen Teil der Menschenwelt verschaffen sollte. Die wenigen Stunden, die ich unter dem Teil der Bevölkerung verbringen musste, die ihr Muggel nennt, waren entsetzlich. Es war dumm, einfach hierher zu kommen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, wie man mir hier begegnen würde. Aber in der Zauberwelt hat man mich aufgenommen. Mehr oder weniger. Diese Welt mit ihren vielen Geheimnissen und dieser fantastischen Magie, und den zauberhaften Geschöpfen und Pflanzen hat so viel mehr zu bieten, als die Muggelwelt mit ihren ganzen Maschinen und dieser Bürokratie!“
„Oh, meine Liebe, Bürokratie hat auch in der magischen Welt ihren Platz. Nicht nur zu meinem Leidwesen. Ich hoffe, dass wir Sie vom Ministerium fern halten können, Tilya.“ widersprach Dumbledore schmunzelnd, dann erstarb sein Lächeln langsam. Das Ministerium mit seinen pingeligen Angestellten war doch noch das geringste Übel. Er dachte an die Dementoren. Die Todesser. Voldemort. „Und auch unter uns gibt es Hass, Angst und Misstrauen. Ich fürchte, der Zeitpunkt ihres Besuchs ist nicht der glücklichste, mein Kind. Es wird ein Sturm kommen.“
Tilya blickte aus dem Fenster, auf eine friedliche Morgenröte, und zuckte fragend die Schultern. Dumbledore nippte an seinem Tee, und blieb Tilya eine Erklärung schuldig.
Dann wechselte er das Thema.
„Wie auch immer,- Hagrid klärt just in diesen Augenblicken die leidige Angelegenheit mit Ihrem Vermieter und wird Ihre Siebensachen nach Hogwarts bringen, damit Sie sich heimisch in einem unserer Häuser einrichten können!“
„Das ist wirklich eine sehr großzügige Geste, von Ihnen, Sir. Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken kann…“ stammelte die Alverliekin. „Aber was ist, wenn der Schulrat gegen meine Anwesenheit entscheidet?“ Siedend heiß fiel ihr ein, mit welcher Abscheu Snape sie gestern angesehen hatte.
Dumbledore schüttelte sein Haupt. Er kannte seine warmherzige und neugierige Belegschaft. Bis vielleicht auf einen einzelnen Lehrer würde niemand dem Antrag der kleinen Fremden ablehnen. „Machen Sie sich keine Gedanken darüber, Tilya. Ich denke, dass kein einziger meiner Kollegen gegen ihren Aufenthalt stimmen wird. Also, lassen Sie uns doch schon einmal herausfinden, in welches Haus wir Sie stecken!“
Vergnügt erhob sich der alte Zauberer und beförderte aus einem staubigen Wandregal einen noch viel staubigeren, schäbigen Filzhut.
Tilya ekelte sich ein wenig, als Dumbledore ihr die hässliche Kopfbedeckung auf das gefiederte Haupt setzte. War dies Teil einer seltsamen Zeremonie, oder…?
„Nanu, was haben wir denn da? Auf so einem Kopf habe ich noch nie zuvor gesessen!“ dröhnte es plötzlich in Tilyas spitzen Alwenohren, und sie zuckte vor Schreck heftig zusammen. Der Hut konnte sprechen? Aber,- durfte man sich in dieser Welt überhaupt noch über irgendetwas wundern?
„Du sitzt auf einem alverliekischen Köpfchen, mein Guter!“ klärte Dumbledore das Stück Filzstoff auf. „Ich wollte von dir erfahren, in welchem Haus wir unseren Gast einquartieren sollen.“
Der Hut brummte nachdenklich. „Hmmm… Ich sitze auf Federn, schillernd wie die eines antipodischen Opalauges. Sehr nett. Ich sehe ein Wesen, dass in deinem Verstand umherschwirrt, Mädchen. Was ist das? Etwa eine Occamy?“
„Äh…“ Tilya wusste nicht, was eine Occamy sein sollte.
Der Hut grübelte weiter. „Eine Hexe bist du nicht. Nein, alles andere als das. Aber ich sehe ein Talent, ich sehe… ein Donnerwetter!! Hahaharrr! Nun gut, junge Dame.“ rumorte es auf Tilyas Kopf. „Ich würde dich am Ehesten dem Hause Ravenclaw zuordnen – aber ich schicke dich nach… Slytherin!!!“
Dumbledore lupfte überrascht die weißen Brauen. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hätte auf Hufflepuff getippt. Nachdenklich stellte er den Hut wieder ins Regal. Nun ja, warum nicht? Er warf einen Blick auf das verwirrte Mädchen, das mit dieser Information anscheinend nicht viel anzufangen wusste, und mit einem entschuldigenden Lächeln den Kopf schief legte. Sicher hatte Minerva gestern Nacht nicht mehr die Zeit dazu gefunden, der Kleinen noch viel über Hogwarts zu erzählen. Aber die momentane Situation forderte den Lehrkräften einfach zu viel ab, um sich angemessen um den Neuzugang zu kümmern.
Nun, sicher würden seine Schüler dem Gast die Eigenheiten der Schule noch nahebringen…
Eins seiner vielen rotierenden Messgeräte begann plötzlich zu pfeifen, wie ein Teekesselchen. „Ach du liebe Zeit, da verplappert man sich und vergisst dabei die Zeit! Kommen Sie, Tilya! Um neun Uhr findet die Konferenz im Lehrerzimmer statt.“
Tilyas Herz machte einen Satz und ihr wurde übel.
Die vielen, mobilen Treppeneinheiten bis hinunter ins Erdgeschoss, vorbei an einigen pöbelnden Portraits legte sie zurück, wie in Trance. „Lassen Sie mich nur für Sie vorsprechen, Tilya. Hagrid und auch Mrs Mc Gonagall werden mich unterstützen. Wenn man Sie etwas fragt, dann antworten Sie einfach ehrlich. Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen, meine Liebe.“ beruhigte der alte Zauberer seinen Gast zuversichtlich.
Tilya betrat hinter ihm das Zimmer, welches, im Gegensatz zu gestern Abend, erfüllt war von vielen Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.
Da war die riesenhafte, massige Gestalt von Hagrid, und Tilya strahlte, als sie in seine lieben schwarzen Knopfaugen blickte, die ihr verschwörerisch zuzwinkerten. Sie erblickte die hochgewachsene, elegante Mrs Mc Gonagall, die sie mit einem freundlichen Nicken empfing. Tilya erkannte den aschblonden, schnauzbärtigen Mann, der sich als Professor Lupin vorstellte, und dann rutschte Tilya das Herz in die Hosentasche, als sie Snape erblickte, dessen Blick so finster war wie die Farbe seiner Robe.
Des weiteren wurde sie bekannt gemacht mit einem winzigen, bebrillten Lehrer Namens Flitwick, der ihr charmant die Hand küsste, und mit Professor Sprout, einer kleinen, untersetzten Dame, die sich außerordentlich über Tilyas Anwesenheit zu freuen schien.
Etwas verhaltener stellten sich Madame Hooch, Die Professorinnen Mrs Burbage, Mrs Vector, Mrs Babbling und Mrs Sinistra, sowie der Geist Professor Binns vor, welcher plötzlich durch die Wand den Raum betrat.
Professorin Trelawny hingegen wandelte mit wehendem Seidenschal auf Tilya zu, umfasste ihr Gesicht mit ihren feingliedrigen Händen und beäugte sie bedeutungsschwanger durch ihre dicken Brillengläser. „Willkommen, Fremde.“ hauchte sie pathetisch, dann wich sie auf einmal vor der Alverliekin zurück, griff sich theatralisch an den Kopf. „Doch ich sehe Chaos, das uns wie ein Wirbelsturm ereilen wird!“
Snape zischte höhnisch durch die Zähne. „Zur Abwechslung glaube ich Ihnen das aufs Wort, Professor Trelawny.“
Dumbledore überging diese Szene geflissentlich und stellte seinen Kollegen Tilya vor und informierte sie über deren Herkunft, augenblickliche Situation und die Möglichkeiten, die sich aus einem längeren Gastaufenthalt der Alverliekin auf Hogwarts erschließen würde.
Er betonte, dass er jemandem, der aus den Reihen der friedlichen Völker der Alwen und Verlieken entspringt, auch in einer Zeit wie dieser, immer mit vollstem Vertrauen begegnen, und ihn bedenkenlos Unterkunft in diesen Wänden gewähren wollen würde.
Seine warmen Worte berührten Tilya sehr.
Ihr Volk und auch sie selbst pflegten alle Menschen in eine Schublade zu stecken.
Sie erinnerten sich nur an die menschliche Ignoranz, ihre Angst vor dem Fremden, ihre Gier nach Profit ohne dabei Rücksicht auf andere Lebewesen zu nehmen.
Gütige und tolerante Personen wie Dumbledore und Hagrid entkräfteten alle Vorurteile, die sich seit der Vertreibung der Alwen und Verlieken ins Exil über die Menschen gebildet hatten.
Nun gut, Hagrid war ein Halbriese und Dumbledore ein Zauberer, aber es ging ums Prinzip. Snape holte Tilya aber mit einem Schlag wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und bestätigte mit seinem misstrauischen Einwand das allgemeine Bild, das die alverliekische Bevölkerung von den Menschen hatte.
„Woher wissen wir, ob sie tatsächlich eine Alverliekin ist?“ tönte der schwarzhaarige Mann wenig wohlwollend und warf einen abschätzigen Blick auf Tilya. „Ich erinnere mich schwach an alte Kindermärchen, die von Alwen und Verlieken handelten. Aber nicht daran, dass Vogelnester auf den Köpfen dieser Figuren zu wachsen pflegten.“ Er verzog den linken Mundwinkel zu einem höhnischen Lächeln. Es ärgerte ihn maßlos, dass Dumbledore und einige andere seiner Kollegen diesem Geschöpf so vorbehaltlos zu vertrauen schienen, welches gestern noch heimlich in den Gängen Slytherins herumgeschlichen war. Wer wusste schon, was sie war, und was sie tatsächlich im Schilde führte? Vielleicht holten sie sich den Feind nach Hogwarts. Er hatte die Nacht in der Bibliothek verbracht, um über die Völker der Alwen und Verlieken zu recherchieren. Nur, wenn man möglichst viel über seinen Gegenspieler wusste, konnte man ihn zur Strecke bringen.
Tilya schossen die Tränen in die Augen, und sie biss sich auf die verdächtig bebende Unterlippe. Diese hämische Bemerkung über ihr ungewöhnliches Äußeres hatte sie verletzt, mehr noch, als Snapes Anspielung darauf, dass nur noch Auftritte in Kinderbüchern von der Existenz ihrer Völker zu zeugen schienen.
Schmerzhaft wurde sie an ihre eigene Unzulänglichkeit erinnert.
„Ich hatte einen… spirituellen Unfall.“ erklärte sie mit zitternder Stimme und senkte den Blick gen Boden. „Als mein Dämon, der Malar, mein Totemtier tötete, passierte etwas mit meinem Körper. Vielleicht hat es mir die Federn und die… die Schuppenmale…als Andenken hinterlassen.“
Snape schnaubte verächtlich. „Chaos, Unfälle, Dämonen… ich denke, wir haben genug gehört.“ lautete sein vernichtendes Urteil.
„Das denke ich auch.“ sprach Dumbledore und nahm Tilya sanft bei der Schulter. „Kommen Sie, meine Liebe. Lassen Sie sich von Crampy ein Frühstück auf ihr Zimmer bringen, solange sich die Lehrkräfte beraten.“
Und damit wurde Tilya aus dem Lehrerzimmer geleitet, und von einem kleinen Hauself empfangen, der das Mädchen in ihren Schlafraum führte, und sie dort wenige Minuten später mit leckeren Käsebroten und frischendem Kürbissaft versorgte
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