
von ruckiundtille
@dragongirl: XD nein, nein, keine Sorge! Es gibt kein Pairing mit Hagrid! Tilya hat aber einfach ne Schwäche für große, wuchtige Geschöpfe,- und für Personen, die das Herz eines Kindes haben ^^
Und doch: Tilya hat als Alverliekin ein einzelnes, elementares Talent,-aber wegen eines "spirituellen Zwischenfalls" ist es blockiert, bzw unkontrollierbar. Und auch nicht besonders spektakulär. Zu einer richtigen Magie wird sie keinesfalls fähig sein...
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Mit gesenktem Kopf und schlotternden Knien folgte Tilya ihrem ungeliebten Hauslehrer, der mit großen Schritten und wehendem Umhang das Schloss verließ und direkt auf den verbotenen Wald zusteuerte.
Die Alverliekin bedauerte es sehr bald, keinen Mantel mitgenommen zu haben, denn die Sonne war schon längst untergegangen und der Nachtwind ließ sie frösteln.
Aber noch viel schlimmer als die Kälte war es für sie, allein mit dieser gruseligen, düsteren, wortkargen Gestalt in der Dunkelheit herumzuirren.
Zwar waren alle Alverlieken nachtsichtig, aber Tilya, mit ihrem nicht vorhandenen Orientierungsvermögen, behagte es gar nicht, sich von Snape in einem ihr unbekannten Waldstück herumführen lassen zu müssen.
Sicherlich wusste niemand, wohin der Professor mit ihr verschwunden war, und keiner würde hier nach ihr suchen, wenn er sie dort aussetzen und dann einfach verschwinden würde.
Oder wenn er sie umbrachte…
Bei dem Gedanken an diese Möglicchkeit standen Tilya die Federn zu Berge.
Da draußen würde sie niemand schreien hören…
„Wohin gehen wir jetzt eigentlich?“ fragte sie mit kieksender Stimme, als sie den Waldrand erreichten, und Snape einen schmalen Pfad einschlug, der ins Nichts zu führen schien.
„In den Wald.“ kam die äußerst aufschlussreiche Antwort.
Tilya schnaufte entnervt.
Plötzlich hielt der Slytherin inne.
Mit wachsender Beunruhigung beobachtete Tilya, wie er seinen Zauberstab zückte.
Langsam drehte Snape sich zu ihr um. „Lumos!“
„Nein!Bitte nicht!“ jaulte Tilya auf, sank auf die Knie und hob schützend die Hände vor ihr Gesicht.
„Was soll das Theater, Sie törichtes Ding?“
Unsanft packte der Professor für Zaubertränke seine Schutzbefohlene am Arm und riss sie empor, so dass sie wieder auf die Füße kam.
Seine schwarzen Augen funkelten bedrohlich im Mondschein. Im Mondschein? Nein, Augenblick mal! Dieses Leuchten kam nicht vom Himmel,- denn der ließ sich durch die dichten Kronen der Bäume kaum sehen.
Überrascht entdeckte Tilya das Licht, das am Ende des Zauberstabes ihres Lehrers glühte.
Snape hatte nur einen Leuchtzauber gesprochen.
Und sie hatte gedacht, er wolle ihr den Garaus machen. Wie peinlich!
Für welch einen jämmerlichen Feigling musste der Professor sie jetzt wohl halten?
„Miss Draug! Wenn Sie diesen Wald lebend verlassen wollen, dann reißen Sie sich jetzt zusammen und hören Sie damit auf, so einen Lärm zu veranstalten.“ zischte er wütend.
„Oder wollen Sie mit Gewalt die Wesen anlocken, die Ihnen tatsächlich nach dem Leben trachten? Eine Acromantula vielleicht? Oder gar einen Dementor?“
Mit diesen Worten und einem missfälligen Blick stieß der Lehrer seine Schülerin von sich und stapfte kopfschüttelnd weiter.
Gegen eine Begegnung mit einer Acromantula hatte Tilya eigentlich nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Und unter einem Dementor konnte sie sich zwar nichts vorstellen, aber sie war sich sicher, dass ihr kein Wesen in diesem Wald mehr Angst einjagen konnte, als ihr Hauslehrer höchstpersönlich.
„Was genau suchen wir denn nun eigentlich hier?“ wagte Tilya einige Minuten später endlich zu fragen.
„Zutaten für Zaubertränke.“ raunte Snape. „In erster Linie Wolfswurz und Einhornhaar. Machen Sie sich Ihre Nachtsicht zunutze, Draug. Aber sehen Sie sich vor. Der Wald steckt voller Gefahren.“
Das hörte sich in Tilyas Ohren fast wie eine Drohung an.
Und was sollte sie tun, wenn sie tatsächlich irgendeiner anderen potentiell gefährlichen Kreatur außer einem Snape begegnen würde? Ihren Hauslehrer zu Hilfe rufen?
Snape rauschte Tilya voraus, den finsteren Pfad entlang, ohne sich zwischendurch umzusehen, um sich zu vergewissern, dass ihm seine Schülerin auch folgen konnte.
Doch die Alverliekin stolperte ihm brav, wenn auch widerwillig, hinterher.
Sie fragte sich langsam, wozu er sie überhaupt mitgschleift hatte.
Wolfswurz als Synonym für den ihr bekannten Eisenhut war ihr ein Begriff. Jedoch wusste sie nicht, was Einhornhaar für eine Pflanze sein sollte, - nur, dass sie zu teuer war, um sie in der Apotheke in der Winkelgasse vorrätig zu halten.
„Sir? Verzeihen Sie bitte die Frage, aber wo wächst dieses Einhornhaar überhaupt?“
Schweigen.
„Auf Einhörnern.“ schnarrte es dann gedehnt.
„Oh.“
Wieder Schweigen.
„Was ist Einhorn?“
Snape wirbelte auf dem Absatz herum und packte sie unwirsch am Kragen. „Ich warne Sie, Fräulein! Wenn Sie mich veralbern wollen, dann-…“
Ein heller, kristallklarer Klang durchschnitt Snapes dunkle, raue Stimme.
Der Professor verstummte und legte einen Finger an seine schmalen Lippen.
„Wenn Sie jetzt endlich ihren vorlauten Schnabel halten, Draug, dann werden Sie vielleicht gleich noch sehen, was ein Einhorn ist, bevor ich Sie in der Luft zerfetze! Und jetzt folgen Sie mir. Leise!“
Eingeschüchtert schlich die Alverliekin dem Professor nach, darauf bedacht, ihm keine dummen Fragen mehr zu stellen oder anderweitig zu provozieren.
Er wirkte äußerst gereizt, und der aggressive Unterton in seiner Stimme ließ Tilya keinen Zweifel daran hegen, dass er seine Worte in die Tat umsetzen würde, wenn sie ihn weiter nerven würde.
Immer tiefer bewegten sie sich in den verbotenen Wald hinein, bis Snape ihr schließlich mit einer Handbewegung bedeutete, stehen zu bleiben und das Licht seines Zauberstabes mit einem „Nox“ löschte.
Ungeduldig zerrte er seine Schülerin zu sich und schob sie vor sich her. „Ich will jetzt keinen Mucks von Ihnen hören, damit Sie mich verstanden haben. Sehen Sie, da vorne auf der Lichtung…“
Und da stand es.
Ein weißes Pferd.
Mit einem Horn auf der Stirn.
Und so wurde Tilya klar, dass Einhornhaar keine Pflanzenfaser sein konnte, sondern ein Körperanhangsgebilde eines Tierwesens mit mäßig fantasievollem Namen sein musste.
„Ein prächtiges Exemplar.“ murmelte Snape.
„Hm. Na, ja…“ Tilya konnte ihm beim besten Willen nicht zustimmen. Sie hatte in der Winkelgasse zum ersten Mal ein Pferd gesehen, und wie vor allen Tieren, die ein Fell besaßen, fürchtete sich die Alverliekin auch vor diesen Einhufern.
Die einzigen pelzigen Lebewesen, die Tilya nicht in Angst und Schrecken versetzten, waren Riesenspinnen und Hagrids.
„Sie können sich dem Einhorn jetzt langsam nähern, Miss Draug. Wenn es Sie in seine Nähe lassen sollte, dann versuchen Sie, ihm vorsichtig über die Mähne zu streichen. Vielleicht erwischen Sie einige lose Haare, aber reißen Sie sie keinesfalls aus! Nun los, machen Sie schon!“ drängte Snape.
Tilya zögerte.
Warum schickte Snape Sie voraus, anstatt die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen? Da war doch irgendetwas faul an der Sache! Trug sich der Professor vielleicht mit dem Hintergedanken herum, seine verhasste neue Schülerin diesem gehörnten Vieh zum Fraße vorzuwerfen?
Außerdem ekelte sich Tilya vor der bloßen Vorstellung, dieser langbeinigen, glupschäugigen Bestie in die weißen Zotteln zu greifen.
„Sir, ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann. Was ist, wenn ich irgendetwas falsch mache? Sie wissen sicherlich viel besser, wie man mit diesen Biestern-…äh…sicherlich äußerst scheuen Geschöpfen umzugehen hat!“ versuchte Tilya diplomatisch einzulenken.
„Reden Sie nicht so einen Müll, Draug! Jedes Kind weiß, dass Einhörner die Gegenwart von Männern nicht dulden. Nur junge Mädchen dürfen sich ihnen nähern. Also, worauf warten Sie?“
Bestimmt nicht darauf, dass Snape ihr vor lauter Ungeduld eine Ohrfeige verpasste.
Mit einem resignierten Seufzer begann Tilya also, sich zu dem Einhorn vorzutasten, das scheinbar arglos und unschuldig auf der Lichtung graste.
Doch ihre Knie waren so weich wie Wackelpudding, und so dauerte es nicht lange, bis die nervöse Alverliekin auf einen knorrigen Ast trat, der unter ihren Schuhen mit einem verdächtigen Krachen brach.
„Scheiße!“
Das Einhorn hob den Kopf und erblickte scheinbar erst jetzt das verunsicherte Mädchen, das in diesem Augenblick so viel lieber Tarantella mit Aragog getanzt hätte, anstatt hier auf dieser Lichtung zu stehen.
Doch anstelle die Alverliekin mit seinem spitzen Horn aufzuspießen, fuhr das Tier herum und preschte durch das Unterholz davon.
Tilya atmete erleichtert auf.
Sie hatte die Begegnung mit diesem Monster überlebt!
Aber hatte Snape nicht behauptet, dass Einhörner die Nähe von jungen Frauen duldeten? Warum hatte das Einhorn dann die Flucht ergriffen?
Etwas beleidig blickte Tilya an sich herab.
War sie dem Einhorn vielleicht nicht jung genug vorgekommen?
Das wohl eher nicht. Sah sie demnach etwa also aus wie ein Kerl, oder was?
Snape gesellte sich zu ihr und betrachtete das Mädchen mit einem abschätzigen Blick.
Sie erwiderte diesen jedoch erhobenen Hauptes.
Nun gut, sie hatte es zwar verbockt, aber sie hatte es zumindest versucht!
„Schade.“ schnarrte Snape. „Ich hätte schwören können, dass das Einhorn Sie an sich heranlässt. Kaum zu glauben…“
„Was ist kaum zu glauben?“
Snape grinste hämisch. „Nun, da Einhörner nur Jungfrauen in ihre Nähe lassen, muss es folglich tatsächlich ein männliches Wesen gegeben haben, das so blind und taub,- oder wahlweise so geschmacksverirrt war, um sich mit Ihnen einzulassen, Miss Draug.“
Das schlug doch dem Fass den Boden aus!
Tilya spürte das Blut in ihren Ohren rauschen und in ihren Schläfen pochen. Was erlaubte sich dieser Mann eigentlich? Diese Kränkung ging nun eindeutig unter die Gürtellinie! Für wen hielt der sich eigentlich? So konnte er doch nicht mit ihr umspringen, ob er nun ihr Hauslehrer war oder nicht! Und er selbst war ja nun wirklich auch keine Schönheit!
Bevor sie sich entscheiden konnte, ob sie als Reaktion auf seine Bemerkung lieber anfangen sollte, loszuheulen oder Snape anzubrüllen, hatte dieser sich bereits von Tilya abgewandt und betrachtete die Sträucher, hinter denen das Einhorn noch vor wenigen Augenblicken verschwunden war.
„Wenigstens hat es sich dennoch gelohnt, Sie mitgenommen zu haben, Draug.“ stellte Snape fest, während er etwas aus den Ästen pflückte, was silbrigen Spinnfäden glich. „Durch den Schrecken, den Sie der bedauernswerten Kreatur eingejagt haben, ist sie derart überstürzt vor Ihnen geflohen, dass sie dabei gar nicht mehr auf ihre Umgebung geachtet hat, und uns dies hier hinterlassen hat.“ Triumphierend hob der Professor seine Hand, in der einige Einhornhaare funkelten, die sich bei der Flucht des Tieres im Unterholz verfangen hatten.
Tilya hatte inzwischen den Beschluss gefasst, die Sticheleien ihres Professors zu ignorieren, so gut es ging.
Die Blöße, seiner verletzenden Worte wegen in Tränen auszubrechen wollte sie sich ebenso wenig geben, wie ihm den Grund, sie wegen ihres unschicklichen Verhaltens ihm gegenüber von der Schule verweisen zu können.
Schweigend drückte sie ihrem Professor die Eisenhüte in die Hand, die sie auf dem Rückweg fand.
Kühl, und ohne ein Wort des Dankes nahm der Mann die Pflanzen entgegen.
Snape war wohl bewusst, wie sehr er das Selbstwertgefühl der jungen Frau angegriffen hatte. Und er genoss den scheuen, gekränkten Blick in ihren leuchtenden Augen, die das spärliche Licht der Nacht reflektierten, wie zwei kleine türkisfarbene Monde.
Er hatte sie verletzt, er hatte sie beschämt, und das verschaffte ihm eine außerordentliche Genugtuung.
Aber er wollte mehr. Es ärgerte ihn, dass die Kleine ihre Fassung nicht verloren hatte.
Er wollte sie aus ihrer Reserve locken, wollte erleben, wie die Alverliekin die Sanftmut und Zurückhaltung verlor, mit der ihr Volk sich von den Menschen abzuheben glaubte.
Er nahm sich vor, einige seiner Schüler gegen sie zu mobilisieren. Und er würde sie mit den undankbarsten, widerlichsten und nervenaufreibendsten Aufgaben beauftragen, die man sich auf Hogwarts einfallen lassen konnte.
Vielleicht gelang es ihm auf diese Weise doch noch, sich von ihrer unerwünschten Anwesenheit zu befreien.
Zumindest würde er sie spüren lassen, wie lästig sie ihm war.
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