
von Chatterbox
„Waren das eben deine Freunde?“, fragte Sally Sirius, als sie beide im Krankenpflügel auf zwei Betten sich gegenüber saßen und durchbrach damit die Stille, die sich seit dem Vorfall über sie gelegt hatte.
Sirius war ein wenig überrascht ihre zarte Stimme zu hören – er hatte geglaubt, sie wäre so etwas wie stumm. Für ein Mädchen redete sie auf jeden Fall sehr wenig.
Auch vermied sie es ihn anzusehen und fand allem Anschein nach entweder den Boden und die Decke oder ihre kleinen, zarten Hände interessanter, denn sie betrachtete sie immerzu genauestens.
Sirius dagegen zog es vor das Mädchen im gegenüber zu betrachteten. Er nahm jede ihrer kleinsten Bewegungen war und wusste daher auch, dass sie sich unwohl fühlte.
Er wĂĽrde seinen Stolz darauf verwetten, dass es an ihm lag.
„Ja“, antwortete er nachdem er seine Überraschung überwunden hatte, „obwohl wir zurzeit Meinungsverschiedenheiten haben.“
Sie sah ihn kurz aus ihren rehbraunen Augen an.
Es war ein unbeschreibliches GefĂĽhl ihr in die Augen zu sehen.
„Meinungsverschiedenheiten?“
Sally war keineswegs zu schĂĽchtern um zu sprechen, wie er feststellte, nur allen Anschein nach war sie keine Person der vielen Worte.
„Das geht dich nichts an.“, wand er eine Spur zu hart ab.
Es tat ihm danach sofort leid, aber Sally schien seine harte Bemerkung nicht weiter zu stören.
Sie zuckte zwar einmal kurz zusammen, nickte dann aber verständnisvoll.
„Legst du dich eigentlich öfters mit den Slytherins an?“, fragte Sirius das Mädchen als er die erneute Stille satt war.
Mit einer ihrer zarten, bleichen Hände strich sie sich die braunen Haare aus dem Gesicht und hinter ihr Ohr.
„Sie mögen mich anscheinend nicht.“, erwiderte sie traurig – als würde sie Wert auf die Meinung der Slytherins legen. Sirius tat das selbstverständlich nicht.
Fragend hob er eine Augenbraue an.
„Wen mögen Slytherins schon? Mich jedenfalls ebenso nicht.“
Mit dieser Bemerkung entlockte er ihr ein kleines Lächeln.
„Das stimmt, aber du spielst ihnen auch andauernd Streiche.“
In ihrer Stimme lag nichts Tadelndes oder Missbilligendes wie in Lilys Stimme - und das gefiel ihm sehr.
„Das ist meine Art, ihnen zu zeigen wie sehr ich sie und ihr Tun verabscheue.“
„- und dass du nicht zu ihnen gehörst.“, fügte Sally still hinzu.
Überrascht sah Sirius sie an. Unter seinem Blick wand sich das Mädchen peinlich berührt. Eine Weile sagte sie nichts, doch schließlich kam leise von ihr:
„Nun, es ist ein offenes Geheimnis, dass du der einzige Black bist, der nicht in Slytherin ist.“
Er grinste sie schief an.
„Schon, aber nicht, dass ich ihnen den Rücken gekehrt habe.“
FĂĽr einen Moment fand Sally erneut den FuĂźboden interessanter als Sirius.
Sie betrachtete eingehend die FlieĂźen um seinem Blick auszuweichen.
„Das ist doch offensichtlich.“, nuschelte sie.
„Möglich“, erwiderte der Black grinsend, „wieso haben dich die Schlangen eigentlich „feiger Löwe“ genannt?“
Nun, wenn sie zuvor noch nicht hatte im Erdboden versinken wollen, dann nun ganz bestimmt. Sie schien sich in ihrer Haut alles andere als wohl zu fĂĽhlen.
„Weil ich keine richtige Gryffindor bin“, murmelte sie und mied erneut seinen Blick,
„ich bin nicht einmal annähernd mutig.“
Er konnte an ihrer Betonung hören, dass sie gerne mutig gewesen wäre und sich selbst dafür verabscheute feige zu sein.
„Manchmal sieht der Sprechende Hut auch verborgene Fähigkeiten, die wir selbst noch nicht sehen oder fühlen.“, sagte er, während sein Blick aus dem Fenster glitt.
Er war sich damals sicher gewesen, dass er nach Gryffindor wollte und er die notwendigen Fähigkeiten dafür besaß, und dass Syltherin für ihn nie in Frage gekommen wäre.
Der sprechende Hut hatte das genauso gesehen, obwohl seine Familie reinblĂĽtig war und kein Black zuvor in einem anderen Haus als Slytherin war.
Nun, Sirius Black war gerne eine Ausnahme.
Es störte ihn auch nicht, dass seine Mutter ihn dafür aus dem Familienbaum gebrannt hatte und seine Entscheidung zu einer vollständigen Trennung zu seiner Familie geführt hatte, die auf Hass basierte.
Nein, es war ihm recht so gewesen – er war noch nie mit den Einstellungen seiner Familie bezüglich reinen Blutes zu Recht gekommen und hatte dies immer offen dargelegt.
Er spürte, wie Sally nun ihn ansah, während er es vorzog sie nicht anzusehen.
Er hatte noch nie in seinem Leben so offen mit einem Mädchen geredet und er hatte das Gefühl zuviel von sich preis zu geben.
Das waren Dinge, die er mit James, Remus und Peter besprach, nicht aber mit einem Mädchen.
Mädchen waren für ihn bisher immer nur für seine Launen gut gewesen und gesprochen wurde dabei nur soviel wie notwendig.
„Wolltest du denn nach Gryffindor?“, fragte er und sah sie nun wieder an.
Er hatte damit gerechnet, dass sie seinem Blick wieder auswich, aber dieses Mal sah sie ihm eine längere Zeit in die Augen.
„Ja, weil ich immer ein richtiger Gryffindor sein wollte. Ich bewundere Menschen, die mutig genug sind anderen zu helfen.“
Nun sah sie doch wieder auf den Boden um ihre roten Wangen zu verdecken.
Doch es half nichts, Sirius sah sie trotzdem.
Er wusste, dass sie indirekt zugegeben hatte ihn zu bewundern, aber das war keine Neuigkeit fĂĽr ihn.
Viele bewunderten ihn fĂĽr seine Streiche und den offenen Hass gegen die Slytherins.
„Der Sprechende Hut hätte dich nie nach Gryffindor gesteckt, wenn du nicht ein richtiger Gryffindor wärest.“, erwiderte Sirius.
„Ach ja? Eine richtige Gryffindor hätte nicht tatenlos zugesehen, sondern geholfen.“
Er wusste sofort, was sie meinte, und musste lächeln.
„Du standest unter Schock“, verteidigte er sie.
Außerdem fand er ihre Tatenlosigkeit nicht annähernd so schlimm wie sie selbst.
Er hätte es mehr als peinlich empfunden von einem Mädchen gerettet zu werden, wo er sie doch hatte retten wollen.
„Das ist keine Ausrede.“
Sirius grinste sie schief an.
„Nein, aber eine Erklärung. Wenn du magst, helfe ich dir dabei vom feigen Löwen zum mutigen zu werden.“
Bevor er seine Worte noch einmal ĂĽberdenken konnte, hatte er sie auch schon ausgesprochen.
Er hätte sie noch zurücknehmen können, aber als sie ihn mit hoffnungsvollem Blick ansah, konnte er das beim besten Willen nicht tun.
„Das würdest du tun?“, fragte sie ihn ungläubig.
Nun, es blieb ihm keine Wahl mehr. Darum nickte er und grinste sie erneut schief an.
Ihre nette Konservation wurde von Madam Nacey unterbrochen, die den KrankenpflĂĽgel leitete und Medikamente fĂĽr Sally geholt hatte.
Sirius war sich sicher, dass sie sich bewusst soviel Zeit genommen hatte, denn sie zwinkerte ihm heimlich zu, als sie Sally das Medikament verabreichte, das gegen ihre Schmerzen helfen sollte.
„Falls du trotzdem Schmerzen haben solltest, komm einfach noch mal her.“, sagte Madam Nacey, die im Übrigen sehr jung und hübsch war – und dessen Körper Sirius dank eines Krankenbesuchs kennen lernen durfte -, bevor sie sich wieder mit schnellen Schritten entfernte.
„Bis zum nächsten Mal“, sagte sie noch lächelnd zu Sirius.
Nun, einen nächsten Krankenbesuch würde es sicherlich sehr bald wieder geben, allerdings würde er sich nicht noch einem mit ihr vergnügen. Er zog es vor, es bei einem Mal zu belassen.
Sally, die auf dem Bett lag – sie sollte noch eine Weile liegen bleiben, denn zu rasches Aufstehen könnte ihren Kreislauf zu sehr belasten -, sah ihn fragend an.
Anscheinend war sie sehr aufmerksam und hatte die Andeutungen von Madam Nacey durchaus verstanden.
„Frag lieber nicht“, riet Sirius ihr schnell – es war nie ratsam Mädchen von den „Beziehungen“ zu anderen Mädchen zu erzählen.
Sie fragte tatsächlich nicht, was der Black sehr zu schätzen wusste.
Dieses schweigsame Mädchen gefiel ihm immer mehr.
„Was für einen Kurs hast du jetzt?“, fragte Sirius nach einer Weile.
„Wahrsagen.“
Er betrachtete sie mit einem skeptischen Blick.
Wie kam sie dazu dieses schwachsinnige Fach zu wählen?
Die wenigsten wählten Wahrsagen – zu Recht, wie er fand.
„Schau mich nicht so an.“, sagte sie lächelnd, „es ist eigentlich ganz interessant.“
Nun, da wĂĽrde er nicht weiter nachfragen. FĂĽr ihn war Wahrsagen alles andere als interessant.
„Ich finde Muggelkunde viel interessanter.“, erwiderte er grinsend.
Sally zuckte mit den Schultern. „Meine Eltern sind Muggel.“, war ihre schlichte Antwort.
„Kennst du dich mit Motorrädern aus? So eins möchte ich unbedingt haben!“
Auf einmal lachte Sally – es war das erste Mal, dass er sie Lachen hörte.
Es klang wie helle Glocken, die ihm ein unglaubliches GlĂĽcksgefĂĽhl beschwerten und das war gewiss noch untertrieben.
Seine Gedanken waren ihm nur eine Sekunde später unglaublich peinlich.
Wie gut, dass außer ihm das niemand gehört hatte. James hätte ihn dafür ausgelacht.
Er, Sirius Black, war nun wirklich kein sensibler, romantischer Typ.
Dieser Gedanke hätte laut ausgesprochen seinen wohl behüteten Ruf zerstört.
„Nein, nicht wirklich. Aber mein Vater hat ein Motorrad.“
Sirius Augen glitzerten vor Aufregung, nachdem Sally das gesagt hatte.
„Wie wäre es? Ich mache dich zum mutigen Löwen und dafür darf ich einmal mit dem Mottorad deines Vaters fahren?“, schlug er vor.
Bei dem Gedanken einmal in seinem Leben Motorrad zu fahren schlug sein Herz vor Aufregung schneller. Das war eines seiner größten Wünsche.
„Abgemacht.“, stimmte Sally lächelnd zu.
„Nun, da du ohnehin schon die Hälfte von Wahrsagen verpasst hast und ich von Muggelkunde, was hältst du davon, wenn wir unser verpasstes Mittagessen nachholen?“
Es kam keine stürmische, begeisterte Antwort wie er es von jedem anderen Mädchen gewohnt war. Sally überlegte zunächst eine Weile bis sie schließlich vorsichtig nickte.
Man könnte denken, sie würde sich in die Höhle des Löwen begeben so prüfend sah sie ihn an.
Er versuchte es mit einem aufmunternden Lächelnd und das half auch ein wenig.
Es entlockte ihr zu mindestens ein kleines Lächeln und vertrieb ihre Skepsis zu mindestens ein wenig.
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