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Fanfiction

Das philosophische Café - Über die Gerechtigkeit

von CathyWheeler

Über die Gerechtigkeit

Es war Sonntagabend, ich kam gerade vom üblichen Familientreffen im Fuchsbau wieder und wollte mich nun mit einem guten Buch entspannen. Nun ja, eher ablenken.
Doch ich las die Zeilen ohne von ihrem Inhalt auch nur zu ahnen. Ich fühlte mich niedergeschlagen, matt.

Was mich so stark beschäftigte, war nicht die Tatsache, dass Dad mich beiseite genommen hatte und mir begeistert mitteilte, dass er es bis Samstag schaffen würde, den Wieselkopf in einen würdigen Ort für einen Heiratsantrag zu verwandeln, sondern etwas anderes...
Etwas, was mich wieder in den Strudel von Depressionen und Selbstvorwürfen warf.

George hatte Angelina zum Abendessen mitgebracht.
Er war überhaupt zum ersten Mal anwesend.
George war da!
Natürlich sollte ich mich für die beiden freuen. Es war meine Pflicht. Aber bei mir kamen Erinnerungen hoch.
Von Angelina und Fred, die beim Weihnachtsball die Tanzfläche unsicher machten.
Hätte Fred gewollt, dass sie sich finden?
Wahrscheinlich schon.
Aber Fred ist gestorben. Ist das gerecht?
Nein.

Diese Gedanken weckten schlimme Erinnerungen, sehr schlimme, die ich sonst tapfer verdränge.

Ich merkte, dass sich alles nur noch um Fred kreiste, dass ich mich von den quälenden Bildern nicht verstecken konnte. Dass ich mich wieder so wertlos fühlte.
Dass ich wieder diesen Schmerz, der wie ein Messerstich in meinem Herzen bohrt, fühlte.

Dass ich allein war.
Alleine in einer Großfamilie. So war es schon immer gewesen. Bill und Charlie hatten sich, sie sind ja auch viel älter als ich.
Um Ron und Ginnys Aufmerksamkeit habe ich immer gekämpft, kaum etwas mehr als Hohn zurückbekommen...
Und die Zwillinge brauchten mich nicht, sie waren ja zu zweit.
Waren zu zweit...

Manchmal war ich froh darüber, dass ich mich wenigstens noch bei Fred, der ganzen Familie, entschuldigen konnte.

Manchmal hatte ich aber auch so intensive Schuldgefühle, dass ich nicht fassen kann, dass ich noch lebe und er nicht.

Ich hatte schon so lange ihn aus meinem Kopf verbannt, dass ich mich schämte.

War es wirklich richtig gewesen, dass ich mich mit Arbeit überhäuft hatte? Ich liebe schließlich meinen Job.

Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte mit jemandem darüber geredet. Aber jetzt ist es schon so lange her, tatsächlich mehr als zwei Jahre. Jetzt ist es zu spät.
Ob ich überhaupt hätte reden können?

Nur zu meiner Mutter habe ich den richtigen Draht, aber mit ihr darüber sprechen?
Wohl kaum.

Vor kurzem erst, mit Victoires Geburt vor ein paar Monaten, wurde eigentlich alles besser, denn Ron und George fingen an, das Geschäft wieder zu eröffnen und das mit großem Erfolg.

Eigentlich, denn mir geht es dennoch schlecht. Wenn auch nur im Unterbewusstsein mir das voll und ganz klar ist.

In Gedanken versunken blätterte ich weiter.

Ich konnte es nicht wagen, mit Philosopha darüber zu sprechen, oder? Welches Recht habe ich, sie mit diesen schrecklichen Bildern zu konfrontieren?
Ob sie mich verstehen würde?

In dieser Nacht wagte ich nicht zu schlafen.



Die ganze Woche über war ich wie gelähmt, war lustlos bei der Arbeit. War hin- und hergerissen zwischen alles zur Sprache bringen oder für immer zu schweigen.

Im Grunde war ich mir ziemlich sicher, dass ich Philosopha vertrauen konnte, andererseits war die Grundlage dafür nur mein Gefühl, denn ein wirkliches Kennenlernen konnte ich die Stunden mit ihr nicht nennen.

Konnte jemand, von dem ich noch nicht mal den Namen kannte, nachvollziehen wie wichtig das alles für mich war? Würde ich sie nicht eher verschrecken?

Und wenn es auch selbstsüchtig klingt, ich wollte Philosopha nicht verlieren. Ich würde nichts beenden, was noch nicht einmal angefangen hatte.

Aber hatte sie nicht gesagt, dass ich ihr vertrauen soll?

Sonst verflüchtigten sich meine depressiven Schübe immer, wenn ich dann ein paar Wochen lang nur noch arbeitete, so gut wie nichts mehr aß und dunkle Augenringe von zu wenig Schlaf bekam.
Doch ich wollte das nicht mehr, konnte nicht mehr.
Wie viele Phasen konnte ich noch durchmachen, bis es nicht mehr ging?


Doch letztendlich hatte ich diese Woche überstanden. Diese jedenfalls.

Wie immer ging ich ins Café, setzte mich, als ob nichts wäre, nichts geschehen war. Ich war zwar totmüde, aber ich zwang meinen Körper zu arbeiten. Angetrieben von dem Wunsch sie zu sehen. Einen guten Menschen. Ein Mensch, der es wert war zu leben. War nicht jeder in diesem Café ein besserer Mensch als ich?

War ich nicht auch wegen Fred überhaupt auf dieses Café gestoßen?
Nur wegen meiner Sorge um George besuchte ich den Scherzartikelladen vor Wochen. Doch war ich feige gewesen und hatte nur kurz mit Ron gesprochen.

Trotzdem musste ich mich danach ablenken, mit diesem Café. Natürlich, arrogant wie ich war, schob ich das auf den Lärm und das Gedränge in Weasleys zauberhafte Zauberscherze. Aber nur zu gern verleugnete ich mich selber.

Die halbe Stunde verging zäh.
Diesmal hatte ich mir schwarzen Kaffee genommen. Nun zitterte ich noch mehr als so schon.

Ich verlangte danach, Philosopha zu sehen und gleichzeitig fürchtete ich mich davor.

Mein Körper sagte mir, ich sollte weinen und danach endlich schlafen.
Mein Verstand sagte mir, ich sollte gehen, zuhause ein paar Akten nach dem Alphabet sortieren.
Mein Herz sagte mir, ich sollte warten. Warten auf eine der liebenswürdigsten Hexen die ich kannte.

Mir war gleichzeitig heiß und kalt. Zitterte, schaute ins Leere. Lauschte meinen rasenden Herzen.

Aber blieb sitzen.


Ich bekam eine Gänsehaut als ich sie sah. Sie sah so... glücklich aus. Auf ihrer Stirn war nicht eine Sorgenfalte zu erkennen. Sie strahlte. Mit Elan schritt sie zu unseren hintersten Tisch. Mit Schwung setzte sie sich mir gegenüber, dass ihr Umhang flatterte.
Vergnügt sagte Philosopha: „Sie hat ja gesagt!“

„Wer?“, fragte ich mit gekünsteltem schwachem Interesse.

„Meine Mutter will endlich heiraten!“ Sie schaute dankbar nach oben. „Endlich!“

„Hm“, bekam ich mit zusammengepressten Zähnen raus.

Philosopha schaute mich mit forschend an. „Interessiert dich wohl nicht so... ?“, fragte sie unsicher.

„Ich...“ Mit besserer Stimmung hätte ich mich entschuldigt, aber so ließ ich es unter den Tisch fallen. „Ich darf mir heute ein Thema aussuchen?“, sagte ich mit ernster Stimme und fixierte ihre Augen.

Philosopha konnte meinen Blick nicht standhalten, schaute weg und zupfte nervös an ihrem Umhang um.
„Oh, ja natürlich, aber ich gebe keine Garantie, dass ich mich damit schon auseinandergesetzt habe...“

„Gerechtigkeit, was denkst du darüber?“, fragte ich atemlos.

Ihre Mundwinkel gingen merklich nach oben und sie rutschte hibbelig auf den Stuhl hin und her. „Das ist mein Lieblingsthema!“ Philosophas Wangen glühten vor Begeisterung. „Für mich ist Gerechtigkeit ein Ziel, welches man zwar nicht vollständig erreichen kann, aber immer erstreben sollte. Und es gibt ja so viele unterschiedliche Arten! Gerechtigkeit nach Leistung, Gerechtigkeit nach Bedürfnissen, Gerechtigkeit nach Einsatz...“
Sie machte eine Pause, überlegte wohl, ob sie eine Art vergessen hatte.

Meine rechte Hand, die auf dem Tisch lag, verkrampfte sich, als ich die Gunst des Augenblicks ausnutzte und niedergeschlagen fragte: „Ist es gerecht, dass es sinnlose Kriege gibt, wo unschuldige Menschen sterben?“

Philosopha wurde bleich, ihr Lächeln erstarb. So ernst hatte ich sie noch nie gesehen. Ich hielt den Atem an. Würde sie jetzt... gehen?

Dann schaute sie mich eindringlich an und ein Schauer rieselte über meinen Rücken.
„Du willst eigentlich nicht über Gerechtigkeit sprechen, oder?“, sagte sie mit verletzlicher Stimme.

„Nicht auf so abstrakter Ebene, nein“, antwortete ich zögerlich.

Darauf machte sie etwas, was völlig unerwartet war.
Wie aus dem Nichts umfassten ihre warmen, weichen Hände meine verkrampfte Rechte. Ich hielt den Atem an, konnte den Blick nicht von dem Knäuel aus drei Händen abwenden.

„Es ist wegen Fred, nicht war Percy?“ Sie sagte es so sanft und mit so viel Gefühl.

Ich nickte nur. Aber in meinem Inneren zerbrach irgendetwas. Ich hatte immer die Vorstellung gehabt, dass wir beide uns nicht kennen. Und nun das.
Aber natürlich, sie war auch in Hogwarts gewesen...

„Wollen wir nicht lieber woanders hingehen?“, flüsterte sie.

„Jetzt?!“, keuchte ich.

„Natürlich jetzt! Es liegt dir schließlich jetzt auf dem Herzen!“
Sie ließ meine Hand los, nahm dafür ihre Tasse und trank den Inhalt aus.

Wie automatisch machte ich es ihr gleich.
Ging mit ihr nach draußen und hörte das Lärmen der Winkelgasse nur wie aus weiter Ferne.

„Fällt dir ein Ort ein, wo wir ungestört reden können?“

Es war ein Auftrag. Und ich erledige meine Aufträge immer geflissentlich. Ohne richtig überlegt zu haben, sagte ich zu ihr: „Halt dich an meinem Arm fest.“

Sie tat es ohne zu zögern, ich konzentrierte mich und wir waren weg.



Auch wenn ich nicht völlig mit meinen Gefühlen beschäftigt gewesen wäre, hätte es mir nichts genützt. Der Boden war uneben und es half nichts, ich fiel hin und riss Philosopha gleich mit.
Während ich aufgrund ihres Gewichts und dem harten Aufprall vor Schmerz aufstöhnte, rappelte sie sich schnell auf und setzte sich neben mich.

Während ich ihr „Ist... das... unglaublich... schön!“ hörte, machte ich es mir auf der Erde bequemer und schaute mich um.

Auf dem Berghügel gab es nur noch eine Wiese, voller magisch glitzernden violetten Glockenblumen, gelben Löwenzahn, weißen Gänseblümchen und roten Klatschmohn.

Durch die Luft schwebten rosa herzförmige Luftballons, weiße Tauben und ein Muggelspielzeugflugzeug surrte um unsere Köpfe.

„Das ist der Wieselkopf und wenn du rechts guckst, da ist das Haus meiner Eltern“, hörte ich mich selber sagen.

Sie seufzte tief und sagte nach ein paar Minuten: „Erzähl mir alles, was dich bewegt, Percy.“

Es war ungewohnt nebeneinander zu sitzen statt gegenüber. Ich betrachtete ihr schönes Profil. Aber konnte noch nicht anfangen zu reden. War nicht bereit dafür.

Schließlich fing sie zu sprechen an. Ruhig und bedächtig, den Blick nach oben zu den Dingen die schwebten, surrten und flogen.
„Weißt du, ich kann mir das alles nicht vorstellen. Ich war nicht bei der Schlacht dabei. Ich habe nie realisiert was ich im Tagespropheten gelesen, im Radio gehört habe.
Ich glaube nicht, dass ich mir vorstellen kann, was wirklich passiert ist.
Wenn Fred und George plötzlich vor mir auftauchen würden, würde ich mich nicht wundern...
Verstehst du, ich habe es nicht realisiert, nicht verstanden.“

Ich konnte sie nur beneiden. In mir verkrampfte sich alles, als ich Freds Namen aus ihrem Mund hörte.
Doch schließlich fing ich mit bebender Stimme an zu reden.
„Für so eine Vorstellung würde ich fast alles tun.
Du musst wissen, es ist schon so lange her, aber ich habe mit niemanden darüber ausführlich geredet. Nie habe ich mein Herz ausgeschüttet.“
Ich war ihr so dankbar, dass sie da war, aber mich nicht anstarrte. Einfach nur da war.
Verkrampft sprach ich weiter:
„Ich habe meine Gefühle unterdrückt, mir so viel Arbeit aufgehalst, dass ich gar keine Zeit zum Nachdenken hatte. Ich habe mich selber belogen, habe nur verdrängt. Ich war dabei... es ist alles meine Schuld... habe ihn abgelenkt.“
Ich sah es vor mir, Fred, leblos im Schutt liegend ohne Glanz in den Augen, aber sein letztes Lächeln im Gesicht.
Ich schaute zum Boden, die Finger rupften wie von selbst das Gras aus.
„Die Todesser stürmten Hogwarts, es gab eine Riesenexplosion...
Im Duell mit dem Minister, Pius Thicknesse...
Es ist alles meine Schuld.“
Ich verdeckte mein Gesicht mit meinen Händen.

„Es ist nicht deine Schuld. Niemals.“ Hörte ich sie, ein liebes Mädchen. Ein dummes Mädchen, was wusste sie schon?

„Verstehst du nicht? Ich habe ihn abgelenkt! Er... hat über meinen Witz gelacht. Über das, was ich zum Minister gesagt hatte.
Wenn ich gewusst hätte...“
Ich schüttelte Fred. Ron neben mir, weinte helle Spuren in seinem verschmutzten Gesicht.

„Percy, das ist doch Wahnsinn! Es war Krieg! Wenn irgendwer schuld hätte, wären es diese wahnsinnigen Folterer!“

Doch ihre Worte kamen nicht bei mir an.
Ich sah nur Bilder.
Fred, der mit George lachte...
Lachen kann er nicht mehr.
Fred, der mit Angelina tanzte...
Tanzen wird er nicht mehr.
Fred, der mich beschimpft, der mir die Hand reichen will.
Mit mir reden, ist für immer vorbei.
Fred, der im Duell mit Begeisterung kämpft.
Kämpfen ist für ihn nicht mehr möglich.
Fred, der mit George mich zwingt den Weasley-Pulli anzuziehen.
Fred...

Fred, der mich lächerlich macht, aber doch eigentlich nur wollte, dass ich lache...
dass ich richtig zur Familie gehöre.

Fred und George, die mein Abzeichen verstecken.
Freds Sarg. Freds Leichnam. Freds letztes Lächeln.
Fred ist nicht mehr.
Fred ist nicht mehr!

Plötzlich spürte ich Locken. Ihre nasse Haut. Oder waren es meine Tränen?
Ich fühlte mich geborgen.

Und endlich hörte ich, was sie mit brechender Stimme sagte.

„Percy, er hat dich geliebt. Immer. Genauso wie du ihn liebst. Daran wird sich nichts ändern.“

Wir zuckten zusammen, als die Luftballons platzten und uns mit Konfetti bestreuten.

„Vergiss ihn nie, denke an ihn...
Aber gib dir nicht die Schuld!
Das hätte er nie gewollt.
Er wollte dich nicht gebrochen sehen.
Er will dich dort sehen, wohin du gehörst.
Zu deiner Familie. Lachend, lebenslustig, mutig und nicht am Boden. Zu deiner Familie, die dich genauso liebt, wie sie Fred liebt.“

Ich spürte, wie wir disapparierten.

Dieses Gefühl, eingezwängt zu werden, gab mir, mit dem Nerven am Ende und absolut übermüdet, den Rest und mir wurde schwarz vor Augen. Das Letzte was ich sah, war das Muggel-Spielzeugflugzeug, das eine Spruchrolle ausrollte, auf der stand: Sag ja!








Ich mag dieses Kapitel. Und ich bin so froh, dass ich euch vorgewarnt habe.

Und keine Sorge, ihm geht's im nächstem Kapitel schon viel besser. Percy war nur extrem übermüdet, das hat alles aufgebauscht.


Nächstes Kapitel wird es wieder romantisch. Mit dem Sinn des Lebens.
Philosophas Vorname...
Wird noch ein paar Kapitel Percys Rätsel sein. Ich lasse ihn noch zappeln.
Aber Philosopha hat noch ein paar andere Geheimnisse, die Percy überraschen werden. Negativ überraschen werden.

Arthur wird wohl erfahren, dass es keine Hochzeit gibt. Der Arme, da hat er sich doch solche Mühe gegeben. Aber er wird nicht aufhören die beiden zu verkuppeln. ^^

Liebe Grüße

Eure CathyWheeler


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