110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 1. Zwischen den Welten
von jujube58
Zwischen den Welten
Hier stand sie nun. Ein letztes Mal. Bahnhof King’s Cross. Genau vor der Absperrung zwischen den Gleisen 9 und 10.
Hier stand sie nun. Ein letztes Mal. Voller Aufregung. Ihr letztes Jahr in Hogwarts würde heute beginnen. Ein Jahr, dem sie voller Sehnsucht entgegengefiebert hatte und das sie doch nicht hatte kommen sehen wollen.
Hier stand sie nun. Ein letztes Mal. Wieder verabschiedete sie sich von ihren Eltern. Sie wünschten ihr viel Spaß und viel Erfolg. Einiges hatte sich geändert, seit sie das erste Mal gefahren war. Und doch war so vieles gleich geblieben.
Seit sie am 28. Juli 1971 einen mit grün adressierten Brief aus schwerem Pergament erhalten hatte, wusste Lily Evans offiziell, dass sie eine Hexe ist. Schon vorher hatte sie es von einem Jungen aus ihrer Nachbarschaft gehört, Severus Snape, dem sie die Geschichte von der magischen Welt allerdings zuerst nicht so richtig abkaufen wollte.
Doch der Brief hatte Klarheit gebracht. Sie war eine Hexe, eine recht talentierte, wie sie im Laufe ihrer Schulzeit herausgefunden hatte. Ihre ZAGs hatte sie mit Bestnoten abgeschlossen, auf ihre UTZ-Prüfungen ging sie ähnlich zuversichtlich zu.
Lily Evans liebte die Zaubererwelt. Jeden Tag aufs Neue entdeckte sie irgendwelche Kuriositäten. Immer wieder bewunderte sie, dass es die Zauberer seit Jahrtausenden geschafft hatten, ihre Existenz vor den nichtmagischen Menschen geheim zu halten.
Lily Evans liebte aber auch die Muggelwelt. Dort war ihre Familie, die ihr wichtiger war als kaum etwas anderes. Außerdem gab es die schönsten Bücher und Autos, mit denen man sich umkompliziert fortbewegen konnte. Von den magischen Reisemöglichkeiten hielt sie nämlich nicht besonders viel, außer vielleicht vom Fliegen auf Besen, was für längere Strecken jedoch höchst ungeeignet war.
Seit sieben Jahren fühlte Lily Evans sich hin- und hergerissen zwischen zwei Welten. Hogwarts war ihr über das Jahr ein Zuhause. Hier waren ihre Freundinnen, hier lernte sie, hier spielte sich ihr Leben ab. Und doch freute sie sich jedes Jahr wieder auf die Sommerferien. Auf ihr Zimmer, in dem all ihre Sachen waren; auf ihre Familie; auf die Welt ganz ohne Magie.
Aber dann war ihre Schwester auch immer da. Früher hatten sie zusammen gespielt. Früher waren sie die besten Freundinnen. Früher waren sie unzertrennlich. Heute konnten sie keine zwei Worte mehr miteinander wechseln. Heute gab es nur noch Streit. Heute lebten sie in unterschiedlichen Welten. Es war der Wermutstropfen, der Lilys Freude jedes Mal aufs Neue trübte, wenn sie nach Hause kam. Es machte sie traurig.
Also müsste sie eigentlich die Zaubererwelt vorziehen, weit weg von nervenden Schwestern und familiären Pflichten. Eine Vermutung, die Lily immer nur spöttisch auflachen ließ. In der magischen Welt war sie auch nicht wirklich willkommen. Zumindest von ein paar Leuten nicht. Die kämpften für die Reinheit des Blutes. Die hielten sie für unwürdig, da sie von Muggeln abstammte. Schlammblut.
Hier stand sie. Ein letztes Mal. Den Kopf voller Erinnerungen. Erinnerungen an ihre Kindheit. Lachen. Leben. Unbeschwertheit. Spiele im Park, Spaziergänge mit der Familie. Eine sorgenfreie Zeit.
Hier stand sie. Ein letztes Mal. Den Kopf voller Träume. Träume von einer Zukunft. Erfolg. Liebe. Glück. Eine Familie gründen, einen Beruf erlernen, der Spaß machte und forderte. Eine Zeit voller Möglichkeiten und Angebote.
Hier stand sie. Ein letztes Mal. Den Kopf voller Gedanken. Gedanken an ihre Zeit in Hogwarts. Tränen. Worte. Unverständnis. Laut geschriene Beschimpfungen, der Wunsch sich zu versöhnen. Eine Zeit der Abneigung.
Hier stand sie. Ein letztes Mal. Den Kopf voller Bilder. Bilder von ihrer Zeit nach Hogwarts. Verstecken. Angst. Tod. Voldemorts Schreckensherrschaft, der Versuch zu überleben. Eine Zeit ohne Perspektiven.
Doch war es wirklich so? Würde sie sich entscheiden müssen? Würde sie sich entscheiden können? Lily Evans wusste es nicht. Seit sie 11 Jahre alt war, stand sie zwischen den Welten, führte zwei Leben. Nirgends hatte sie das Gefühl wirklich dazuzugehören. Jahr für Jahr war sie mehr in die magische Welt eingetaucht. Jahr für Jahr war sie in die nichtmagische Welt zurückgekehrt.
Hier stand sie nun. Ein letztes Mal. Bahnhof King’s Cross. Genau vor der Absperrung zwischen den Gleisen 9 und 10.
Ein letztes Mal drehte sie sich zu ihren Eltern um. Dann atmete sie tief durch und schob ihren Gepäckkarren zielstrebig auf die Absperrung zu. Anstatt dagegen zu stoßen, lief sie hindurch und fand sich auf einem belebten Bahngleis wieder. Ein braunhaariges Mädchen kam auf sie zugerannt, umarmte sie heftig, wobei sie über das ganze Gesicht grinste.
Lily Evans blickte sich um. Da war sie wieder. In der magischen Welt. Für den Moment war es einfach nur richtig.
Und irgendwann würde sie es schon wissen, wo sie hingehörte. Und wenn nicht, dann wechselte sie eben weiterhin. Das hatte ja auch seine Vorteile, dachte sie, als sie von weitem James Potter sah, der ihr zuwinkte.
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Es ist wunderbar, wie furchtlos und entschlossen Dan sich jeder Aufgabe stellt. Manchmal drehten wir eine Szenenwiederholung nach der anderen, und jedes Mal spürte ich seine Entschlossenheit, es bei der nächsten Wiederholung des Takes noch besser zu machen. Das schätze ich so sehr an ihm: Er setzt wirklich alles daran, um seine beste Leistung zu zeigen.
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