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Fanfiction

110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 6. Eden

von jujube58

Eden



Ein lautes Klingeln reißt mich aus meinem Halbschlaf. Hm, irgendwie konnte ich mich heute nicht auf Geschichte der Zauberei konzentrieren, nicht, nach dem, was passiert war. Ich kann nur hoffen, dass Rose Professor Binns' Ausführungen gelauscht und mitgeschrieben hat. Ein kleiner Blick auf ihr Pergament sagt mir, dass sie eher damit beschäftigt gewesen war, unsere mehr oder weniger aufmerksamen Mitschüler zu skizzieren. Ich seufze leise, als ich mich einmal strecke, um wenigstens wieder ein bisschen wach zu werden. Dann würde ich es eben heute Abend in der Bibliothek nachlesen müssen. Was für eine spannende Beschäftigung das zu werden versprach.
Aber jetzt muss ich erst mal Rosie hinterher rennen, weil die schon wieder auf halben Weg zum Mittagessen ist. Es ist wirklich ein großer Nachteil, dass die Geschichtsstunde direkt vor dem Mittagessen liegt. Der Hunger fördert die ohnehin kaum vorhandene Konzentration nämlich nicht gerade. Manchmal habe ich schon überlegt, ob ich nicht einfach die Stunde schwänzen sollte, um dann mal endlich als Erste in der Großen Halle zu sein und auch mal mehr als zwei winzige Kartoffelchen abzubekommen. Ich glaube, Potter und Black haben das sogar schon mal gemacht. Hm, ich sollte das für nächste Woche wirklich mal ins Auge fassen. Großartig was verpassen würde ich sowieso nichts und Professor Binns fällt es normalerweise auch nicht auf, wenn Schüler fehlen.
Trotzdem, jetzt muss ich erst mal zu Rose. Verdammt, wieso ist die immer so schnell, wenn sie Hunger hat? Aber ich muss ihr unbedingt erzählen, was vorhin passiert war!

„Nicht jetzt, Lily! Ich möchte erst irgendwo sitzen und mein Essen auf dem Teller haben. Und zwar, bevor Sirius Black sich alles Essbare aus dem gesamten Umkreis auf seinen geladen hat. Also komm jetzt einfach.“ Na super, da rennt man keuchend seiner besten Freundin hinterher, um ihr das monumentale Ereignis seines Lebens zu schildern, und dann denkt die nur ans Essen. Wunderbar.
Doch lieb wie ich bin, folge ich dem braunen Pferdeschwanz vor mir durch die Schülermassen. Es ist jedes Mal aufs Neue wieder erstaunlich, wie viele Menschen in Hogwarts leben.

Als Rose endlich ihre Steak- und Nierenpastete auf dem Teller und einige Bissen davon bereits im Magen hat, erinnert sie sich dann endlich auch wieder daran, dass ich ihr eigentlich etwas erzählen wollte.
Gespannt schaut sie mich an, während ich erst einmal gemächlich kaue, dann einen Schluck Kürbissaft trinke und mir den Mund mit einer Serviette abtupfe. Jetzt kann sie auch noch ein bisschen warten. Strafe muss sein.
„Okay, also, du wirst nicht glauben, was mir vorhin passiert ist! Ich war nach Alte Runen noch mal schnell auf dem Klo, ich glaub, ich hab heute Morgen zu viel Tee getrunken. Jedenfalls lauf ich da so lang, im Kopf bin ich noch mal schnell durchgegangen, ob ich auch alles erledigt habe, was ich sollte - heute Abend ist ja noch Vertrauensschülertreffen - und hab an die Verwandlungshausaufgaben gedacht. Die werden bestimmt wieder mal Stunden dauern!“
„Lily, komm zum Punkt, ja? Ich meine, ich hör dir wirklich gerne zu, aber ich weiß, dass du zwischen den Unterrichtsstunden nicht einfach wie jeder normale Mensch einfach glücklich bist, Pause zu haben, sondern trotzdem nur an die Schule denkst. Das kann ja wohl kaum das unglaubliche Erlebnis sein, das du heute hattest, Süße. Das ist nämlich jeden Tag so.“ Mit hochgezogenen Brauen sieht sie mich an, die vollbeladene Gabel auf halben Weg zum Mund. Ich muss grinsen, sie hat ja Recht. Aber wenn schon, denn schon.
„In Ordnung, Rosie-Schatz.“ Sie verdreht nur die Augen, den Mund zu voll, um zu antworten. „Naja, zumindest lauf ich da so lang, auf dem Weg zu Geschichte und weil ich irgendwie schon ein bisschen spät dran war, wollte ich eben diese Abkürzung nehmen, von der uns deine Schwester Sarah im zweiten Jahr erzählt hat.“
„Du meinst die hinter dem Wandteppich mit Gregor dem Griesgram?“
„Ja, genau die. Normalerweise kommt man da ja durch, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Ich reiße also nichts ahnend den Teppich zur Seite und -“

„Ach, ihr kennt also den Geheimgang hinter dem Wandteppich von Gregor dem Griesgram?“ Wieso, um Himmels Willen, muss Sirius Black eigentlich immer mit dem Essen fertig sein, bevor ich meine Geschichten zu Ende erzählt habe? Bitte, kann mir das jemand erklären? Dann labert er nämlich immer unqualifizierten Schwachsinn dazwischen, egal, worum es geht. Und wenn wir über Menstruationsbeschwerden geredet hätten, er hätte trotzdem irgendeine Möglichkeit gefunden, uns zu berichten, wie es ihm da mal ergangen ist. Ja, wirklich!
„Ja, stell dir vor, selbst wir kennen ein paar der Geheimgänge im Schloss. Bist du jetzt traurig?“ Rose hat diesen fiesen Hundeblick aufgesetzt, den sie immer nur für Black übrig hat, wenn er uns mal wieder unterbricht. Also öfter. Dann wendet sie sich wieder mir zu. „Los, red weiter. Diesen Vollidioten dürfen wir gar nicht beachten. Wenn der zu viel Aufmerksamkeit kriegt, nervt er nur noch mehr. Das war mit Sarahs Freund auch so.“
„Okay, also: Ich schieb den Teppich zur Seite und will gerade in den Gang gehen, da sehe ich, dass der schon besetzt ist. Und du wirst nicht glauben, wer da stand!“ „Erzähl es schon, Lily! Machs nicht so spannend.“ Auch Sirius Black sieht mich ganz interessiert an. Der Kerl ist unglaublich.
„Thomas Eden! Zusammen mit Isabelle Griffin!“ Ich sehe zwei Kinnladen ungläubig herunterfallen, zwei Paar Augen sich zur Größe von Untertassen weiten, bevor ihre Blicke hektisch suchend durch die Halle schweifen.

Thomas Eden ist der kleine Bruder von Marcus Eden, in den ich peinlicherweise mal verknallt war. Im Gegensatz zu Marcus sieht Thomas aber nicht gut aus. Er ist irgendwie total seltsam proportioniert und der Bauch kann auch nicht mehr als Babyspeck durchgehen. Und er riecht immer ganz seltsam, nach Suppe oder so.
Isabelle Griffin ist die Eisprinzessin. Sie ist wirklich hübsch - als Model könnte sie es sicherlich weit bringen - und jeder Junge möchte mit ihr ausgehen. Doch sie sagt immer, sie warte auf ihren Traumprinzen und der sei in Hogwarts ganz bestimmt nicht zu finden. Tja, scheinbar ja doch.

„Lily, heute ist doch nicht zufällig der erste April oder? Du verarschst mich doch! Tommy Eden und Isa ?La Bella' Griffin?“ Rose starrt mich immer noch ungläubig an, aber ich kann nur nicken. „Doch! So etwas könnte ich mir gar nicht ausdenken, dafür ist es nun wirklich zu absurd. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.“
Auch Black meldet sich mal wieder zu Wort: „Das wäre ja fast so, als ob du mit James oder Schniefelus mit Miller oder ich mit der Maulenden Myrte ausgehen würde. Das verdient doch eine offenen Würdigung.“ Seine Augen glitzern verdächtig. „Hey, Black, wage es nicht, die beiden bloßzustellen! Es ist doch schön, wenn sie sich gefunden haben. Außerdem solltest du von der ganzen Geschichte sowieso nicht wissen, immerhin habe ich Rose davon erzählt und nicht dir! Also wag es nicht!“

Wieso hätte ich mir denken können, dass ihm meine Warnung zum einen Ohr rein- und zum anderen Ohr wieder rausgeht? Wieso hätte ich mir denken können, dass man einen Sirius Black nicht von einer Idee abbringen kann, wenn ihm mal wieder irgendein Floh im Ohr herumtanzt? Genau, weil ich ihn kenne. Oder zumindest seinen Hang zu peinlichen Aktionen. Peinlich natürlich für andere, nicht für sich.
Als ich mit Rose zum Abendessen gehe, erwartet uns ein großer Menschenauflauf in der Eingangshalle. Alle blicken zu einem Podium, auf dem Black steht, Potter hinter ihm. „Rose, sie haben das Podium wieder aufgebaut. Das kann nichts Gutes bedeuten.“ „Ich fürchte, Lily, das wird gleich ganz arg peinlich werden. Ich frage mich nur, für wen alles.“

„Liebe Schülerinnen und Schüler der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei, willkommen. Wie ihr seht, ist das Podium wieder aufgebaut, es gibt also zur Abwechslung mal wieder wirklich interessante Neuigkeiten in den Gemäuern des Schlosses. Heute Vormittag, vor der dritten Stunde, machte Lily Evans, Gryffindor, sechste Klasse -“ Ein magischer Scheinwerfer erfasst mich so schnell, dass ich es gar nicht schaffen kann, hinter Roses Rücken in Deckung zu gehen. Diese Idioten! „- eine erstaunliche Entdeckung. Hinter einem Wandvorhang im vierten Stock überraschte sie die Siebtklässler Thomas Eden und Isabelle Griffin, wie sie innige Zärtlichkeiten austauschten. Das neue Traumpaar von Hogwarts versuchte Miss Evans zu bestechen, damit sie die Nachricht für sich behalten würde, aber natürlich ist sie trotzdem zur Redaktion von Pupil's Delight durchgedrungen. Irgendwer muss gewollt haben, dass diese Geschichte nicht verschwiegen, sondern in aller Öffentlichkeit ausgelebt wird!“
Mit einer Verbeugung und einem finalen Grinsen steigt Black von dem Podest. Ich will schon auf ihn zulaufen, um ihm zu sagen, was für ein bescheuerter Idiot er ist, da tippt mir Rose ganz aufgeregt auf die Schulter. „Lily, ich glaube, du solltest besser verschwinden. Da kommt Tommy Eden direkt auf uns zu und er sieht, sagen wir mal, alles andere als glücklich verliebt aus.“ Erschrocken schaue ich hoch und sehe, wie der nach Suppe riechende kleine Bruder von meinem früheren Schwarm durch die Menge auf mich zugewalzt kommt, den Kopf feuerrot. Ich wundere mich noch, dass er keinen Dampf durch die Nase ausstößt, dann laufe ich los. Wenn der mich erwischt, habe ich ein Problem, obwohl ich doch nichts dafür kann. Denn was ihm an Schönheit fehlt, füllt er durch Intelligenz und Zauberkraft wieder auf.
Und ehrlich gesagt, habe ich noch keine Lust, den in Gottes Garten Eden den ganzen Tag Wolkenhüpfen zu spielen. Also sollte ich jetzt vielleicht besser erst mal in meinen Gemeinschaftsraum verschwinden.

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So, das war "Eden", mein ganz persönlicher kleiner Horror. Ich war einfach mal so frei die Familie Eden zu erfinden, wer aufgepasst hat, hat sie auch schon im letzten OS entdeckt ;)
Ich habe mich schrecklich doll über eure Rückmeldung gefreut, vor allem, weil sie so positiv war *freu* Schön auch, dass es ein bisschen geteilte Meinungen darüber gibt, welcher 'Art' zu schreiben besser ist. Ich möchte versuchen bei diesem Projekt möglichst viel auszuprobieren und freue mich natürlich, wenn das auch bei den Lesern ankommt :)
Ganz viele liebe Grüße, ihr seid echt die Besten!
jujube -xxx-


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