110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 14. Emotionslos
von jujube58
Vielen Dank für eure vielen positiven Kommentare zum letzten Kapitel. Auch dieses hier ist auf seine Weise einzigartig, da die erste Songfic. Für das 14. Schlagwort, "Emotionslos", habe ich das Lied "Du erkennst mich nicht wieder" von Wir sind Helden verarbeitet.
Ich wünsche euch hoffentlich viel Freude beim Lesen und bin gespannt auf eure Meinung!
Liebe Grüße, jujube
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Emotionslos
Du erkennst mich nicht wieder
Allein
Mein Gesicht sei noch gleich
Und du weißt nicht ob das reicht
Um nicht alleine zu sein
„Warum Tuney? Warum kann nicht einfach alles so sein wie früher? Warum musste es jetzt so weit kommen, dass wir uns nicht mal mehr richtig ansehen können? Ich bin doch immer noch deine Schwester. Im Grunde hat sich nichts geändert. Ich bin immer noch die Gleiche, nur weiß ich jetzt endlich, warum ich all die Jahre stets ein bisschen anders war. Warum ich Blumen bewegen konnte und mich beim Springen von der Schaukel nicht verletzt habe, obwohl jedes Kind sich dabei mindestens den Knöcheln verknackst hätte. Ich bins, Lily. Deine Schwester. Immer noch. Genau wie früher.“
„Nein. Es ist anders. Du siehst zwar immer noch aus wie meine Schwester, redest wie sie, gehst wie sie und trägst die gleiche Kleidung wie sie, aber du bist anders. Du bist eine Hexe, ein Freak. Irgendwie warst du das immer schon, aber jetzt weiß ich es ganz genau. Jetzt kann es nicht mehr so sein wie früher. Ich kann das nicht mehr. Ich sehe in deinem Gesicht meine kleine Schwester, doch du bist es nicht. Es kann einfach nicht reichen, dass du aussiehst wie sie. Du müsstest sein wie sie, in deinem Innersten. Das ist nicht so. Und solange das nicht so ist, wird nichts wieder so sein wie früher.“
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
bin ich die halbe Nacht
noch um die Häuser gerannt
Leise ziehe ich die Tür hinter mir zu. Es ist eine sternenklare Nacht. Nicht mal die Stimme hast du erhoben. Du hast es mir gesagt, ganz kalt und sachlich, als ob du mir eine logische mathematische Gleichung erklären wolltest. Keine Gefühle waren in deinen Augen zu sehen, die denen Daddys doch so gleichen. Nichts. Keine Anerkennung, keine Liebe, natürlich nicht. Nicht einmal Wut oder Abscheu. Gar nichts. Sie waren einfach blank, während in mir jeder Herzschlag mehr Schmerz durch meinen Körper pumpte. Es immer noch tut.
Ein leiser Luftzug umspielt meine Beine und ich erschauere. Kommt es von der Brise? Oder von der Kälte in mir drin? Wer wird es jemals wissen?
Die Straßen sind wie ausgestorben. Alleine die Laternen werfen ihre kleinen Lichtkegel auf die Wege. Nicht einmal streunende Katzen sind zu sehen. Hinter dem mit bunten Neonröhren beleuchteten Kiosk kommt ein betrunkenes Pärchen hervor. Sie bemerken nicht einmal, dass ich ihnen lange hinterherschaue, zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt. Es ist schon spät, sie sind bestimmt auf dem Heimweg von einem gemeinsamen Abend mit Freunden. Einem Abend voller Lachen und kleiner Witze.
Ich erkenn hier nichts wieder
Alles müde und alt
und ich male uns beide
als Umriss aus Kreide
auf den Asphalt
Es ist furchtbar. Auf einmal erscheint mir alles trostlos. Nicht einmal der perfekte Sternenhimmel kann mich ablenken. Dabei ist eine solche Sicht eine wahre Seltenheit. Heute Nacht wäre perfekt, um selbst die entferntesten Planeten und Sterne zu beobachten und auf den Sternkarten einzutragen. Doch ist so etwas im Moment nicht wichtig. Zu viele Bilder schwirren durch meinen Kopf. Bilder von dir und mir.
Zwei kleine Mädchen mit geflochtenen Haaren, beide in bunten Sommerkleidchen, die grinsend an einer riesigen tropfenden Eistüte lecken. Sie sind glücklich, man sieht es an ihren Augen. Sie sind genauso, wenn nicht sogar tausendmal glücklicher als die beiden Betrunkenen, die schon lange hinter einer Ecke verschwunden sind.
Wieso bin ich überhaupt hier? Alles ist voller Erinnerungen. Nicht ein Baum, auf den wir nicht geklettert sind. Keine Straßenecke, an der wir nicht Verstecken gespielt haben. Kein Laden, in dem wir nicht Bonbons gekauft haben. Du die roten und gelben, die nach Erdbeere und Zitrone schmecken, ich die lilafarbenen, weil ich Waldbeeren so liebe, und die roten. Weil sie immer deine Lieblingssorte waren und ich so sein wollte wie du.
Jetzt ist alles irgendwie fremd. Es sieht grau aus. Vor allem die Stellen, die wir noch vor ein paar Jahren mit lauten Kinderlachen so bunt gemacht haben, als wäre jemandem der Tuschkasten umgekippt, sodass sich alle seine Farben über die Welt ergießen konnten. Jetzt sieht es anders aus. Die Seele der Dinge fehlt.
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
hab ich dann drüben im Park
meine Kleider verbrannt
Ich wandere weiter. Immer weiter durch die Straßen, die mir so vertraut und doch so fremd sind. Warum? Immer wieder nur die gleiche Frage. Warum? Warum konnte es nicht so bleiben? Warum musste sich alles ändern? Warum kann eine heile Welt nicht auf der Dauer heil bleiben, ohne Risse oder Sprünge, die alles durcheinander bringen Warum musste gerade meine Welt so in Scherben gehen?
Meine Füße haben mich zu unserem Lieblingsspielplatz getragen. Ganz unbewusst wissen sie nach so langer Zeit immer noch den Weg. Ich gehe zur Schaukel. Deine war immer die rechte, ich saß immer auf der linken. Warum? Weil es einfach so war. Du warst meine große Schwester und ich habe es akzeptiert. Nach einem Grund habe ich nie gefragt. Doch vielleicht tue ich es jetzt.
Sanft streiche ich über die Ketten der Schaukel, lasse mich sacht auf ihr nieder. Du sagst, es ist nichts mehr wie es früher war, weil ich nicht mehr die Alte sei. Weil ich zwar noch aussehe wie ich, aber trotzdem anders sei. Wenn sich schon alles ändern muss, warum dann nicht auch das? Ich wiege mich sanft vor und zurück, stoße mich dann mit den Füßen vom Boden ab. Genau wie früher.
Ich erkenn mich nicht wieder
Nur mein Herz das noch schlägt
Und ich hebe die Arme
um zu sehen ob die warme
Nachtluft mich trägt
Hier sitze ich auf der rechten Schaukel. Auf der Schaukel, die immer die deine war. Noch nie habe ich das gemacht, noch nie habe ich den Wunsch danach verspürt. Doch jetzt ist es genau das, was ich tun muss. Du sagst, nichts sei mehr wie früher für dich. Vielleicht muss auch ich meine Träume und Erinnerungen an dieses ‚früher’ aufgeben. Vielleicht ist einfach zu viel passiert, als dass alles beim Alten hätte bleiben können.
Stumme Tränen rinnen über meine Wangen. Der sanfte Hauch des Nachtwindes trocknet sie. Jede einzelne von ihnen, jede einzelne des stetig nachquellenden Stroms.
Ich bin kein kleines Mädchen mehr, langsam werde ich erwachsen. Und noch immer hänge ich so sehr an dir. An dir, meiner großen Schwester, meinem großen Vorbild, meiner Verbündeten und Freundin. Doch es darf nicht mehr sein. Offenbar kann es nicht mehr so sein wie es mal war. Ich erkenne mich selbst manchmal nicht mehr wieder. Genauso, wie du es nicht kannst. Ich habe mich verändert, bin älter geworden. So viele kleine Dinge, die ich positiv sehe, sind für dich so negativ. Aber so ist es.
So vieles hat sich gewandelt, doch manche Dinge müssen bleiben, wie sie immer waren.
Freundschaften zerbrechen, doch bei dieser einen bestimmten Filmszene muss man auch alleine immer noch lachen. So wie man es früher zusammen getan hat.
Wege trennen sich, doch beim Anblick des Bildes, das man vom anderen bekommen hat, muss man immer noch an ihn denken. So, wie man es früher auch getan hat.
Menschen werden älter, doch wenn man das selbst geknüpfte Freundschaftsbändchen in einer Kiste wieder findet, muss man sich an den Freundschaftsschwur erinnern. So, wie man es früher bei jedem Treffen getan hat.
Petunia, ich liebe dich immer noch so, wie ich es vor zehn Jahren geliebt habe, als wir noch Hand in Hand zu diesem Spielplatz gehüpft sind. Und auch wenn es dir nicht mehr so geht und auch wenn ich alle stummen, einvernehmlichen Regeln über Bord geworfen habe und auf deiner Schaukel sitze, muss ich es tun.
Langsam lasse ich die Ketten der Schaukel durch meine Finger gleiten, öffne die Hände und breite die Arme aus. Ein letztes Mal hole ich Schwung mit den Beinen und dann, am höchsten Punkt, springe ich.
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkann
flieg ich ans Ende der Stadt
ans Ende der Welt
und über den Rand
Der Wind hat alle Tränen getrocknet. Der schlimmste Schmerz ist vorüber. Du weist mich ab. Kalt und gefühllos. Ich kann nichts dagegen tun, außer weiter versuchen dir zu zeigen, dass sich für mich nichts geändert hat. Als du mich so angesehen hast, habe ich in jedem Bisschen meines Körpers Trauer verspürt, die mich von Innen aufzufressen schien. Sie wird immer da bleiben, zumindest ein wenig.
Doch im Moment bin ich frei. Ich bin hier und fliege wieder. Ich fliege in weite Ferne. In eine Zeit, in der alles noch gut war. In eine Zeit, in der wir uns noch ansehen und wortlos verstehen konnten. In eine Zeit, in der du mich nicht abgelehnt hast, wie du es jetzt tust. Ich fliege. Durch die Nacht und zu den Sternen. Es ist der Augenblick, in dem ich allen Kummer vergessen kann und die heile Weilt wieder heil ist.
Du musst wissen. Das was am meisten schmerzt, ist nicht, dass du mich abweist. Das, was am meisten schmerzt, ist dass es dir egal ist.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Beziehungskomödien aufzubauen und die entsprechenden Dialoge zu schreiben kann Joanne K. Rowling so gut wie Woody Allen. Im vierten und fünften Band ist das schön zu beobachten, wenn es die ersten Eifersüchteleien zwischen den Freunden gibt.
Klaus Fritz