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Fanfiction

110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 16. Blut

von jujube58

Das hier habe ich soeben auf meinem PC wiedergefunden. Es ist schon fast ein Jahr alt. Wahrscheinlich hätte ich jetzt twas anderes geschrieben, aber irgendwie finde ich es trotzdem interessant zu sehen, wie sich sowas entwickelt.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bitte tausend Mal um Entschuldigung, dass die Update schon mehr als ein bisschen länger auf sich warten lassen.
Über Rückmeldung jeglicher Art würde ich mich wie immer freuen wie ein Honigkuchenpferd :)
Liebe Grüße, jujube
_________________________________________________

Blut




„Miss Evans, können Sie bitte beschreiben, was sie gesehen haben? Es ist wichtig, dass wir das Geschehen in allen Einzelheiten nachvollziehen können, um dann eine passende Strafe für die Missetäter zu überlegen.“
Vor dem Schulleiter der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei saß ein etwa 16-jähriges Mädchen mit langem, dunkelrotem Haar. Sie knetete ihre Finger, sah nur ab und zu auf in die Augen des langsam ergrauenden Professors. Vor ihrem inneren Auge folgte ein Bild auf das nächste, Bilder von einem schreienden Mädchen, von lachenden älteren Jungen, geschockten Zuschauern. Bilder, die sich in ihr Gehirn gebrannt hatten, die sie so schnell nicht wieder würde vergessen können. Bilder von etwas Schrecklichem.
Bebend holte sie tief Luft, schloss die Augen für einen Moment und blickte, nachdem sie sie wieder geöffnet hatte, offen in das Gesicht ihres Schulleiters. Leise begann sie zu sprechen, die Worte waren kaum verständlich. Manchmal schauderte sie bei der Erinnerung an das, was sie gesehen hatte.

„Es war nach dem Abendessen, mit Rose und einem Mädchen aus Ravenclaw, Mirabelle Fawcett, bin ich noch in die Bibliothek gegangen, um etwas für die Zauberkunsthausaufgaben nachzuschlagen. So gegen acht Uhr wollten wir dann in unsere Gemeinschaftsräume und haben uns verabschiedet. Rose und ich sind zu dem Porträt von Hogan dem Henker gegangen, weil da hinter eine Abkürzung liegt -“ Bei der Erwähnung des Bildes funkelten die Augen des Schulleiters und er lächelte dem Mädchen, das ihm gegenüber saß, über die zusammengelegten Spitzen seiner Finger schmunzelnd zu. Sie wirkte ein wenig irritiert, offenbar fand Professor Dumbledore es nur amüsant, dass sie diesen Geheimgang erwähnte, doch sie ließ sich nicht beirren und sprach weiter.
„Naja, zumindest sind wir dann im sechsten Stock rausgekommen und wollten dann über die Marmortreppe weiter in den Gryffindorturm. Aber vor den Klassenzimmern für Verteidigung gegen die Dunklen Künste stand eine große Menschengruppe und man konnte jemanden schreien hören. Also sind wir darauf zugegangen und haben versucht etwas zu sehen. Eine Erstklässlerin aus Hufflepuff, ich weiß nicht genau wie sie heißt – Linda Stine oder Stern glaube ich – sie lag auf dem Boden und hat geschrien.“ Wieder blickte sie auf ihre Hände, unfähig weiter zu sprechen. Erneut sah sie die Bilder in ihrem Kopf, erneut hörte sie die Schreie Lindas, die immer noch in ihren Ohren nachhallten.
„Miss Stine hat also geschrien, das hat Sie überhaupt erst zum Tatort gebracht, richtig, Miss Evans?“ Sie nickte nur mit dem Kopf, immer noch nicht in der Lage zu sprechen. „Haben Sie gesehen, warum Miss Stine schrie, was sie überhaupt in diese Lage gebracht hat?“
„Ja, Professor. Einige Schüler aus Slytherin, auch aus der sechsten Klasse, sie haben Linda bedroht. Sie meinten, sie verdienen es nicht, nach Hogwarts zu gehen, weil sie muggelstämmig ist. Sie haben ihr einige Flüche auf den Hals gehetzt, haben sie geschockt, sie dann wieder tanzen lassen, sie mit dem Furunculusfluch geschlagen. Als Erstklässlerin konnte sie sich gegen die anderen natürlich nicht verteidigen, sie war ganz allein.“
„Können Sie mir die Namen der Angreifer nennen?“ Sie schluckte hart. Diese Frage hatte sie befürchtet, sie wollte nicht, wollte es nicht wahrhaben. „Miss Evans?“ Professor Dumbledore blickte sie an, immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Sie wagte es nicht ihn anzuschauen, sie sprach zu ihren Händen, als sie es endlich schaffte, ihm zu antworten. „Avery und Mulciber, Evan Rosier und … u-und-,“ ihre Stimme zitterte, versagte ihr fast, es war nur ein leises Wispern, das aus ihrem Mund kam, „und Severus Snape, Sir.“ Wieso er? Wie konnte er so etwas nur tun?
Der Schulleiter sah sie so verständnisvoll an, als wisse er genau, wie schwer es ihr war sich einzugestehen, dass ihr ehemalig bester Freund sich auf die Seite der Dunklen Künste schlug, dass auch er sich gegen muggelstämmige Hexen und Zauberer wandte, obwohl er doch jahrelang selbst mit einer von ihnen befreundet gewesen war. Obwohl er doch selbst jahrelang um diese Freundschaft gekämpft hatte. Sie driftete in ihren Gedanken immer weiter ab. Sie dachte an andere Zeiten zurück, als sie beide noch glücklich zusammen durchs Schloss gezogen waren. Es war noch gar nicht allzu lange her, vor einem Jahr noch war alles gut gewesen.
Doch Professor Dumbledore überließ sie nicht ihren Gedanken. „Dankeschön, Miss Evans. Allerdings muss ich Sie jetzt noch bitten, mir zu erzählen, inwiefern Sie selbst in das Geschehen involviert waren. Immerhin mussten auch Sie mit einigen Verletzungen in den Krankenflügel gebracht werden.“
„I-ich konnte es nicht mit ansehen, deshalb bin ich nach vorne gestürzt, durch die Menge hindurch und habe versucht, einen Schildzauber um Linda zu errichten. Ich habe ihnen gesagt, dass sie sie in Ruhe lassen sollen, dass es feige sei, zu viert eine Erstklässlerin anzugreifen, die sich nicht einmal richtig wehren kann. Ich habe ihnen gesagt, dass sie ihre Fähigkeiten missbrauchen und aufhören sollen, so einen Schwachsinn zu verbreiten. Da… da hat Avery gesagt, ich solle mich da raushalten und lieber versuchen, mich zu verstecken, denn der Dunkle Lord werde uns alle vernichten und so die Zaubererwelt reinigen von allen Schlammblütern und allem anderen Abschaum.“ Tränen standen ihr in den Augen, es waren Worte, verletzende Worte, die sie nie vergessen würde. „Dann muss bei mir irgendeine Sicherung durchgebrannt sein, ich weiß auch nicht, was genau passiert ist. Auf jeden Fall habe ich Avery entwaffnet und versucht, die anderen anzugreifen. Aber sie waren ja immer noch zu dritt, da musste ich eher versuchen, ihre Zauber abzuwehren. Dabei habe ich aber auch einiges abgekriegt, bis dann Professor McGonagall gekommen ist und dem Ganzen ein Ende bereitet hat. Rose und noch jemand sind zu ihr gelaufen, um Hilfe zu holen.“
Wieder blickt sie in die blauen Augen des Schulleiters, die Lippen fest zusammengepresst. „Danke sehr, Miss Evans, dass Sie mir das alles so genau geschildert haben. Ich kann mir vorstellen, dass es Ihnen nicht leicht gefallen ist. Solche Bemerkungen, wie die Mr Averys, kann ich natürlich nicht dulden, besonders, da wir uns in Hogwarts seit Jahren verstärkt dafür eingesetzt haben, dass auch Schüler aus nicht-magischen Familien die besten Vorraussetzungen für ihre Ausbildung erhalten. Zusammen mit Professor Slughorn, als ihr Hauslehrer, werde ich über eine angemessene Bestrafung der vier Herren sprechen. Haben Sie sonst noch etwas zu sagen?“ Fragend sah er sie an. Sollte sie ihm von Snape erzählen, dessen Flüche immer ein bisschen danebengegangen waren? Sollte sie ihm davon erzählen, dass in seinen Augen nicht der gleiche fanatische Glanz gestanden hatte, wie bei den anderen? Viel mehr etwas wie Mitleid? Warum war das so gewesen? Absicht oder doch nur Zufall? Immerhin hatte es sich doch entschieden. Hatte sie selbst vor der versammelten Schülerschaft als Schlammblut bezeichnet und somit seinen Weg gewählt, den Weg auf die dunkle Seite. Dorthin, wo nicht Charakter und Art einer Person zählten, sondern Abstammung und Blut darüber entschieden, wie viel ein Mensch wert war. Für ihn war sie es nicht mehr wert, seine Freundin zu sein, weil sie nicht reinblütig war. Wieso hätte er sich jetzt auf einmal anders entscheiden sollen?
Sie schüttelte den Kopf und erhob sich. „Nein, Professor, ich glaube, das war alles, was ich Ihnen sagen konnte.“ Dumbledore musterte sie nur mit einem durchdringenden Blick aus seinen blauen Augen, der ihr das Gefühl gab, dass er alles durchschaute, alles wusste, was in ihr vorging. Doch er beharrte nicht auf einer Antwort und entließ sie mit einem Kopfnicken.


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