
von Black Tear
Hiermit präsentiere ich stolz das erste Chap und bedanke mich für 202 Aufrufe und zwei Kommis :)
Ich hoffe, es gefällt euch :)
Ich saß noch immer am Küchentisch. Außer mir war nur die alte Mrs. Longbottom da, natürlich, es war ja ihr Haus. Sie hatte sich entschieden, nicht mit in die Schlacht zu ziehen, weil sie Neville das nicht antun wollte. Er hatte ja nur sie. Wenn sie nun auch gefallen wäre – wer weiß, ob er das ausgehalten hätte. Die Überlegung war in der Theorie sehr gut, überlegte ich, es war nur – wenn Neville nicht zurückkam, war es egal, ob Augusta noch hier war.
Und ich – ich war nicht freiwillig hier geblieben. Doch der Orden hatte so entschieden und ich fügte mich. Ich konnte sie ja fast verstehen. Der offizielle Grund war meine Heilerausbildung gewesen. Wenn jemand verletzt worden wäre, so war es ausgemacht, sollte er sofort hierher apparieren, damit ich mich um ihn kümmern konnte.
Der inoffizielle Grund war – das wusste ich, obwohl niemand es je laut ausgesprochen hatte -, dass sie mir nicht trauten. Immer noch nicht.
Vor zwei Monaten war ich, Hailey DuMat, zum Orden gestoßen. Sie hatten mich aus einer mehr als brenzligen Lage gerettet: Ich hatte an meinem Arbeitsplatz, dem St. Mungo, wohl etwas zu laut über den Unnennbaren gelästert. Daraufhin hatten mir auf dem Nachhauseweg zwei Todesser aufgelauert. Schließlich, in einer Sackgasse, hatten wir uns duelliert und als ich schon fast erledigt war, waren drei Ordensmitglieder gekommen, hatten mich gerettet, die Todesser mit Gedächtnis – und Schockzaubern belegt – und ich hatte mich ihnen angeschlossen. Natürlich waren sie misstrauisch, etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet. Aber dass sie so misstrauisch waren – das überraschte mich dann doch.
Ausgerechnet Harry Potter war es gewesen, der die anderen daran erinnerte, dass es nur ein Scheinduell hätte sein können. Während ich noch wütend „Du Schwachkopf!“ dachte, erläuterte er seinen Gedankengang: Die Todesser hätten absichtlich danebengezielt, bis der Orden auftauchte, damit sie einen Spion einschleusen konnten.
Eine unangenehme Legilimentik-Stunde später wussten sie zwar, dass es so nicht gewesen war, aber sie vertrauten mir immer noch nicht uneingeschränkt. Und Harry hatte sich meine Abneigung sicher.
Ich hatte noch nie vorher mit Harry Potter geredet, obwohl wir gleichzeitig in Hogwarts gewesen waren. Allerdings war es mein sechstes Jahr, als er gerade in die erste Klasse kam und da ich in Ravenclaw gewesen war, hatte ich ihn immer nur aus der Ferne gesehen.
Doch da er nach dem Tod von Albus Dumbledore zusammen mit Minerva McGonagall die Leitung des Phönixordens übernommen hatte, hatte ich ihn natürlich schnell kennen gelernt. Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, er mochte mich nicht. Und er fragte sehr genau. Wo ich denn wohnte (London), was ich beruflich tat (Ausbildung zum Heiler), warum ich mich dem Orden erst jetzt anschloss (die Pfeife – hätte ich von der Existenz eines solchen Ordens gewusst, wäre ich früher da gewesen), wo meine Eltern waren (was geht’s eigentlich dich an?).
Aber scheinbar hatte ich irgendwas richtig gemacht, denn man hatte mich in den Orden aufgenommen. Mich mit zur Schlacht zu nehmen – so groß war die Liebe dann aber doch nicht. Immerhin wäre es für mich ein leichtes, sagten sie, mich während dem Kampf meinen „Kumpanen“ anzuschließen und auf der Seite der Todesser weiterzukämpfen.
Und so saß ich jetzt eben hier rum, zusammen mit Augusta Longbottom, während die Schlacht woanders in vollem Gange war. Ich hatte ein bisschen gezwungene Konversation mit der alten Dame geführt, doch die machte sich zu viele Sorgen um ihren Enkel und alle anderen, um richtig bei der Sache zu sein. Sie hatte mir einen Kaffee gekocht, um sich selbst abzulenken, dabei aber Zucker und Kaffeepulver verwechselt, ohne es auch nur zu merken. Nur aus Höflichkeit hatte ich einen Schluck von dem heißen Zuckerwasser genommen.
Gerade als ich anfangen wollte, mich so richtig zu langweilen, ploppte es. Mrs. Weasley und Hermine Granger erschienen vor mir. Ich stand auf, um sie zu begrüßen, doch als ich nur einen Schritt getan hatte, ploppte es neben mir wieder. Remus Lupin und Nymphadora Tonks. Ein weiteres Ploppen. Neville Longbottom, Luna Lovegood. Na ganz wunderbar, dachte ich bei mir. Die große Rückkehr der Helden.
Dann versuchte ich, ein ungezwungenes Lächeln aufzusetzen, alle zu begrüßen und zu fragen, ob jemand verletzt sei. Die Frage stellte sich als töricht heraus: Alle waren verletzt.
Doch es war ein anderer Schmerz, die sie zu quälen schien und schon stellte Mrs. Longbottom die richtige Frage: „Was ist passiert?“ Mrs. Weasley brach in Tränen aus.
Einige Stunden später saßen wir alle um den großen Küchentisch herum, diesmal hatten wir sogar kaffeepulverhaltigen Kaffee vor uns. Und so sah’s also aus: Der große Harry Potter war tot. Eigentlich wusste ich, dass das die Untergangsnachricht war, doch so sehr ich es auch versuchte: Ich konnte einfach nicht in die Tränen der anderen einstimmen. Viel mehr bedrückte mich der Verlust von Minerva McGonagall, die mich schon zu Hogwartszeiten gekannt hatte und die ich gemocht hatte. Ron Weasley, den ich lustig fand. Cho Chang, die in meinem Haus gewesen war und der ich beim Quidditch schon zugejubelt hatte.
Besonders schlimm war es natürlich für Mrs. Weasley, die ihr Nesthäkchen Ginny und ihren Sohn verloren hatte. Und, wenn man bedachte, dass Harry für sie auch fast ein Sohn gewesen war… Konnte ich es ihr verübeln, wenn sie in Tränen zerfloss? Ich hatte ihr etwas zur Beruhigung gegeben und wollte sie eigentlich ins Bett schicken, aber sie weigerte sich. Sie war fest entschlossen, an der Ordenssitzung, die nach dem ersten Kummer schnell anstand, teilzunehmen. Und so saß sie links neben mir, während ihr immer noch stumme Tränen übers Gesicht liefen. Die Einzige, bei der ich wirklich sehr, sehr froh war, dass sie noch lebte, war Hermine Granger. Sie war immer nett zu mir gewesen, sie war offen und unheimlich intelligent. Sie saß zu meiner Rechten, ich hatte immer noch meinen Arm um sie gelegt. Immerhin hatte sie ihre große Liebe Ron verloren.
Doch wir alle mussten unseren Kummer jetzt beiseite schieben. Denn der Dunkle Lord war nun endgültig an der Macht, alle Hoffnung schien verloren. Remus Lupin, der anscheinend Harrys Nachfolge als Oberhaupt des Ordens angetreten hatte, räusperte sich erst und sah sich dann um, wie um noch einmal zu prüfen, wer noch lebte. „So, dann lasst uns…“, wollte er anfangen, doch er kam nicht weit.
„Wo ist Snape?“, fragte Neville aufgebracht. Mir war ebenfalls aufgefallen, dass mein ehemaliger Hass-Lehrer nicht zurückgekehrt war, doch ich hatte ihn für tot gehalten. Alle, die nicht zurückgekommen waren, hatte ich für tot gehalten. War Snape etwa noch am Leben?
„Er ist – in meinem Auftrag – gleich an die Seite des Dunklen Lords zurückgekehrt.“, sagte Lupin und stützte den Kopf auf die Hände. Tonks, die neben ihm saß, legte eine Hand auf seinen Arm.
„Wir brauchen noch einen weiteren Spion!“, hörte ich eine Stimme neben mir. Hermine sah Lupin fest an und hatte endlich aufgehört zu weinen. Kurz freute ich mich, dass sie sich zusammenriss, doch dann realisierte ich, was sie gesagt hatte. „Jah, der Meinung bin ich auch.“, seufzte Lupin.
Moment, hatte ich da irgendwas nicht mitbekommen? Was sprach denn gegen Snape?
Jah, er war scheiße, aber als Spion doch ganz brauchbar…, dachte ich zumindest. Hatte sich irgendwas geändert?
„Wieso? Was ist denn mit Snape?“, fragte ich, um mal ein bisschen weiterzukommen.
Ich sah, wie Lupin und Tonks einen Blick austauschten. Was auch immer das jetzt sollte? – So dumm war meine Frage nicht!
„Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf hat leider mitbekommen, wie Snape Tonks vor einem Avada Kedavra gerettet hat. Er hatte einen Protego vor sie gelegt… Der Unnennbare war gar nicht begeistert. Ich wette, er bestraft Snape in diesem Moment hart. Und sein Vertrauen wird auch gelitten haben.“
Na, ganz geil.
Und jetzt brauchten wir also noch einen, den wir dem fast sicheren Tod überantworteten.
Stille setzte ein.
Ich überlegte, wer wohl geeignet wäre. Tonks? Sicher nicht – Bellatrix kannte sie ganz genau und hasste sie bis aufs Blut. Wobei, wenn man danach ging – die Todesser kannten jeden von uns. Jeden bis auf…
Mir wurde eiskalt. Jeden bis auf mich.
Und an dem Blick, den Hermine mir zuwarf, erkannte ich, dass nicht nur ich das gemerkt hatte.
„Hailey.“
Es war nicht Hermine, die das gesagt hatte, und das fand ich wirklich nett von ihr. Ich ahnte nur, dass auch sie mich nicht gehen sehen wollte, und ich war ihr dankbar dafür, aber es würde nichts ändern.
Ich musste gehen, das war am vernünftigsten, am sichersten. Meine Meinung dazu war gar nicht gefragt.
Lupin sah mich an: „Hailey?“
„Jah, ich… ich weiß, dass würde Sinn machen, wenn ich gehe.“
„Danach könnten wir dich ganz in den Orden aufnehmen, dir uneingeschränkt vertrauen!“, sagte Lupin. Jah, super – wenn ich dann noch am Leben war, konnten wir das gerne tun.
Mrs. Weasley blickte auf und sagte: „Du würdest es gut machen, da bin ich mir ganz sicher.“
Zuerst freute ich mich, dass sie mir das zutraute. Dann, als mein Blick an ihren Tränen hängen blieb, wurde mir noch etwas klar. Sie alle hier kannten sich schon eine verdammte Ewigkeit. Und mochten sich.
Ich war erst seit zwei Wochen hier, außer Hermine hatte ich keinen richtig kennen gelernt.
Und um mich würde es nicht schade sein.
Wenn ich dabei draufging, würde ich mich nicht in die Liste der verlorenen Söhne und Töchter einreihen. Keiner würde in Tränen zerfließen, wenn ich nicht wiederkam. Nachdem sie Harry und Ron, Ginny und Cho, Professor Dumbledore und Professor McGonagall verloren hatten, war es normal, verständlich, logisch, dass sie niemanden mehr gehen ließen. Niemanden, der ihnen irgendwie am Herzen lag.
In mir zerbrach etwas.
Das war der Moment, in dem ich beschloss, zu gehen.
„Okay. Dann… dann gehe ich.“
Niemand konnte mir in die Augen sehen. Feiglinge.
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