
von Arphelia
Die Weihnachtsferien zogen in Windeseile vorbei und der Januar kam schneller als erwartet. Bald stand also das Spiel Gryffindor gegen Ravenclaw an. Aisling war, mehr als früher, gespannt wie es ausgehen würde. Auch wenn sie sich bisher nie besonders für die Spiele interessiert hatte, war sie doch bei jedem anwesend gewesen, um ihr Haus anzufeuern. An diesem Nachmittag durfte sie dem letzten Training vor dem wichtigen Quidditchspiel bewohnen. Sie freute sich sehr darüber, besonders, da sie dann Oliver zuschauen konnte, wie er als Kapitän die Spieler anleitete.
Aufgeregt und mit klopfendem Herzen machte sich Aisling auf den Weg zu dem Quidditchfeld. Sie wollte etwas später kommen, damit keiner sie bemerkte. Auch wenn Oliver ihr die Erlaubnis gegeben hatte, war es ihr peinlich vor dem Rest des Teams. Die anderen Spieler fragten sich sicher, warum sie plötzlich beim Training auftauchte.
Der Weg zu dem Feld war nicht besonders angenehm. Überall auf den Ländereien standen Dementoren aus Askaban, da die Gefahr von dem Massenmörder Sirius Black immer noch bestand. Aisling hasste die Dementoren, auch wenn sie schützen sollten, wünschte sie nicht mal dem schlimmsten Mörder den Kuss eines Dementors. Deswegen war sie der Meinung, dass solche Kreaturen erst recht nichts an einer Schule zu suchen hatten. Auch wenn die Dementoren nicht nahe waren, so fühlte sie sich in ihrem Inneren kalt und die Freude auf das Training flachte ab. Um sich von der unglücklichen Stimmung nicht verzehren zu lassen, ging das braunhaarige Mädchen mit schnellen Schritten weiter in Richtung des Feldes.
Aisling stieg eine der Tribünen empor und setzte sich dort hin. Das Wetter war gut und so saß sie im Schatten fast unerkannt. Die Spieler waren mehr damit beschäftigt sich auf das Training zu konzentrieren, als sie zu bemerken. Ihre Augen wanderten über die schnell umherhuschenden roten Schüler, die völlig auf das Spiel konzentriert waren.
Als erstes fiel ihr natürlich Oliver auf, der auf Höhe der Torstangen schwebte. Dieser sah jedoch nicht zu ihr zurück, was sie etwas traurig stimmte, doch sie ging davon aus, dass es daran lag, dass er zu beschäftigt war. Danach stach ihr Harry Potter ins Auge, der ebenfalls im Team war. Natürlich kannte sie Harry Potter. Wer auf Hogwarts kannte ihn nicht? Doch sie hatte nicht viel mit ihm zu tun. Warum auch? Er war vier Schuljahre unter ihr und auch noch in einem anderen Haus. Von weitem erkannte sie, wie die zwei Freunde von Harry, Hermine und Ron, ebenfalls auf einer Tribüne saßen und ihrem Team beim Trainieren zusahen.
Die Ravenclaw bemerkte wie ihre Wangen erneut zu Glühen begannen, als sie ihren Blick wieder auf Oliver richtete. Dieser brüllte immer mal wieder ihr unverständliche Worte zu seinem Team. Während der ganzen Zeit als das Training statt fand, ließ sie ihren Schwarm nicht aus den Augen. Ab und zu kam sie sich ziemlich dumm vor, wie sie hier saß nur wegen Oliver. Andere hätte sie sicher für verrückt gehalten. Wer kam schon auf die Idee sich nur deswegen in das Training zu setzen? Aisling beobachtete die Weasley Zwillinge, die ebenfalls im Team spielten. Sie waren Treiber und stellten sich in dieser Position gar nicht schlecht an, soweit sie es beurteilen konnte. Die Zwillinge waren zwei Jahre unter ihr. Jeder an der Schule kannte sie. Es gab nicht wenige Mädchen, die für sie schwärmten, denn sie hatten einen unschlagbaren Charme, das musste man ihnen lassen, dachte sie und schmunzelte über diesen Gedanken.
Das Training verlief weiter gut und Oliver schien zufrieden mit seinem Team zu sein. Kurz nachdem er noch mal mit allen geredet hatte, beendet er das Training und sie zogen sich in die Tribünen zurück. Aisling hoffte ihn noch abpassen zu können, bevor er wieder zurück ins Schloss ging. Nur wusste sie nicht mal wo die Umkleidekabinen waren. Sich selbst Mut zusprechend, dass sie die Kabinen finden würde, stand sie auf und verließ die Tribünen. Innerhalb des Gebäudes war es ein ziemliches Labyrinth aus Gängen und Treppen. Das Mädchen kam an einigen Kabinen vorbei, die aber kenntlich zu den anderen Häusern gehörten und nicht zu Gryffindor. Also fasste sie jedes Mal wieder neuen Mut und ging weiter um die Kabine der Jungs aus Gryffindor noch rechtzeitig zu finden. Sie folgte den Stimmen, die sie nun von weitem vernahm und kam tatsächlich bei den richtigen Kabinen an. Da stand sie nun also, in der Tür bei den Jungs. Sie unterhielten sich zu Beginn noch, aber einer nach dem anderen bemerkte dann ihre Anwesenheiten, verstummte und starrte zu ihr zurück. Einige hatten ein Grinsen auf dem Gesicht, andere sahen sie nur ausdruckslos oder verwirrt an. Oliver war der letzte, der sie bemerkte und sah sie ebenfalls überrascht an. Aisling bemerkte wie Röte in ihr hochstieg, als nun alle sie ansahen. Sie versuchte sich zu Räuspern, doch der Kloß in ihrem Hals wollte nicht weggehen. Da sie den Blicken nicht mehr stand halten konnte sah sie weg und versuchte dann all ihren Mut zusammen zu nehmen, den sie noch hatte, um Oliver, der sie nun fragend ansah, anzusprechen.
„Ich... ähm...“, fing sie an und sah in Olivers dunkle Augen. Sie machte eine kurze Pause und wollte nun sprechen ohne herum zu stottern. „Oliver, hast du gleich noch etwas Zeit?“, fragte sie ihn schüchtern und lächelte dabei. Die durchdringenden Blicke der anderen bemerkte sie gar nicht, auch nicht, wie sich die anderen Jungs ein Lachen verkneifen mussten.
„Ähm... tut mir leid... aber ich muss noch Hausaufgaben erledigen.“, antwortete Oliver und sah sie entschuldigend an.
All die Wärme aus ihrem Gesicht verschwand mit einem Mal. Die Absage war für sie wie ein Schlag ins Gesicht und ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um ging hinaus auf das Feld. Sie wollte so schnell wie möglich weg von hier, sich dieser Schmach nicht mehr hingeben. Hatte sie sich doch tatsächlich vor dem gesamten Gryffindorteam lächerlich gemacht. Beim Rausgehen hatte sie nämlich bemerkt, wie einige der Mädchen auch aus ihren Kabinen gekommen waren um zu lauschen. Wie konnte sie nur so blind vor Liebe gewesen sein um soetwas nicht zu bemerkten? Warum sollte er sich auch mit einem Mädchen wie ihr treffen wollen? Enttäuscht lief sie immer schneller über die Ländereien in Richtung des Gemeinschaftsraumes der Ravenclaws. In diesem Moment war sie froh nicht in Gryffindor zu sein, sonst wäre sie den anderen ständig über den Weg gelaufen, sogar im Gemeinschaftsraum.
Der Nachmittag wurde zum Abend und Aisling hatte den Gemeinschaftsraum seither nicht mehr verlassen. All ihre Freundinnen waren immer noch in den Ferien und an diesem Abend vermisste sie diese besonders. Sie wollte mit ihnen darüber reden, sie brauchte jemand bei dem sie sich ausheulen konnte. Frustriert saß sie mit ein paar Pergamentblättern auf dem Schoß da und kritzelte etwas mit ihrem Bleistift darauf. Ab und zu zeichnete sie, besonders wenn sie sich ablenken wollte, was in diesem Moment eindeutig der Fall war. Es war nicht mehr lange bis zum Spiel von Gryffindor gegen Ravenclaw. Trotz der letzten Abfuhr von Oliver würde sie sicher noch nicht aufgeben. Den Mädchen aus dem Gryffindorteam würde sie nicht so einfach den Vortritt lassen.
Da kamen zwei Mädchen aus der 6. Klasse in den Gemeinschaftsraum und kicherten unüberhörbar. Aisling sah zu den beiden auf, da sie es nervig fand wie sich die Mädchen verhielten. Sie wollte schon ihre Stimme erheben und etwas sagen, doch dann bekam sie mit über was sich die beiden unterhielten.
„Hast du das gesehen mit Oliver Wood?“, meinte die größere der beiden und begann erneut lautstark zu kichern. Die andere nickte.
„Natürlich, das war ja kaum zu übersehen, wie eng umschlungen sich die beiden umarmt hatten.“ Nun lachten beide. Man sah ihnen an, dass sie darauf brannten, diese Neuigkeiten zu verbreiten.
„Und wen hat er umarmt?“, fragte Aisling nun mit fester Stimme. Sie bemerkte, wie ihr Herz in ihrem Inneren wütend pochte. Die zwei Mädchen schienen überrascht, dass gerade sie danach fragte, da sie bekannt dafür war, sich nicht viel aus dem normalen Tratsch zu machen. Doch sie schienen Gefallen daran zu finden, dass Aisling mehr darüber wissen wollte, also kamen sie näher.
„Na Oliver Wood und Alicia Spinnet.”, erzählte das blonde Mädchen mit verschwörerischer Stimme. „Das war mehr als eindeutig, da läuft sicher mehr.“
Die Ravenclaw konnte kaum glauben, was sie da hörte. Wie konnte Oliver für Alicia Zeit haben, aber ihr absagen? Ihr wütend schlagendes Herz wollte nicht mehr aufhören schnell zu schlagen.
„Bist du etwa eifersüchtig?“, fragte das andere Mädchen und warf ihrer Freundin einen vielsagenden Blick zu.
„Das geht euch gar nichts an.“ Aisling sah die beiden wütend an, nahm ihren Block, den Bleistift, stand auf und ging die Treppe zum Schlafsaal hinauf. Dieser war leer, zum Glück. Immer noch wütend pfefferte sie Block und Bleistift auf ihr Bett und legte sich wütend daneben. Wer wusste schon, ob es stimmte, was die zwei behauptet hatten? Es waren doch nur zwei Tratschtanten. Warum sollte er nicht welche aus dem Team umarmen, immerhin spielten sie zusammen in einem Team. Aisling wischte die Gedanken wieder weg und zeichnete bäuchlings auf dem Bett liegend weiter.
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