
von Nitsrek
Der Satz „Gut Ding will Weile haben“ war ursprünglich ein Werbeslogan in Großbritannien für eine bestimmte Sorte Bier. Allerdings hat solch ein Satz natürlich eine universelle Bedeutung. Er besagt, dass wenn eine Sache etwas wert ist - wenn sie ihr Gewicht in Gold wert ist - dann muss man darauf warten. Draco Malfoy saß in der Lobby des St. Mungo Krankenhauses, umgeben von Hermine Grangers Freunden, Familienmitgliedern und Bekanntschaften (wie er Michael „den Wichser“ Corner bezeichnen würde) und erkannte die Schwere dieser Aussage. Hermine Granger war es wert, auf sie zu warten. Der eine Moment, der ihn zu dieser Schlussfolgerung gebracht hat, würde in seiner Erinnerung immer als der tollste und gleichzeitig der schlimmste Moment des vergangenen Jahres hervorstechen.
Es war einer der schlimmsten, weil sie Schmerzen erlitt und er nicht die Macht hatte, etwas daran zu ändern. Wenn es eine Sache gab, die Draco Malfoy hasste, war es das Gefühl von Hilflosigkeit. Er fühlte sich nicht oft hilflos, und sich ihretwegen so zu fühlen, machte es noch schlimmer.
Es war einer der wichtigsten Momente seines Lebens, weil sie ihn immer noch liebte und er ihr endlich gesagt hatte, dass er sie auch liebte.
Mike Patterson lief in dem kleinen, nackten Wartezimmer auf Draco zu, setzte sich neben ihn, klopfte ihm auf die Schulter und sagte einfach nur, „Sie hat Glück, einen Freund wie dich zu haben.“ Draco lächelte. Er war nicht sicher, ob Glück wirklich etwas damit zu tun hatte, auch nicht, ob er nur ihr Freund war, aber Mikes Aussage war trotzdem rührend.
„Ich glaube, ich bin der, der Glück hat“, sagte Draco.
Mike wandte sich Draco zu. „Das denke ich auch. Denk einfach dran: Hab Geduld. Gut Ding will Weile haben.“ Mike stand auf, lief zu Lavender und nahm ihre Hand.
Draco blieb sitzen und staunte über die Tatsache, dass sein Freunde gerade genau das laut gesagt hatte, was er nur Momente zuvor gedacht hatte. Entweder konnte Mike hellsehen, oder Draco Malfoy war ein kluger Mann. Vermutlich war er ein kluger Mann.
Als er Hermine heute Abend das erste Mal die Stufen nach unten kommen gesehen hatte, hatte er sich geschämt, dass sie ihn mit dieser Frau erwischt hat. Er wusste, dass sie wissen würde, dass er mit ihr geschlafen hatte. Er bedauerte es, wirklich, aber es war nur Wasser unter der Brücke. Er konnte es nicht mehr rückgängig machen, also sah er Hermine nur an und kehrte dann in seine Wohnung zurück. Als er sich jedoch noch einmal zu ihr umdrehte, wusste er, dass etwas nicht stimmte.
Er sah, dass sie Schmerzen hatte und dass sie geweint hatte, und hielt ihren Arm fast, als sie gerade die Treppen herunter kam. „Was ist mit dir, Hermine?“
„Nichts“, sagte sie.
„Ich frage noch einmal - nur einmal: Was ist los, Hermine?“
„Bringst du mich ins Krankenhaus?“, fragte sie schwach.
„Kann ich mich erst umziehen? Ich beeile mich.“
Sie nickte und setzte sich auf die Stufen. Er war in Sekunden wieder bei ihr. Er nahm ihre Hand und half ihr auf. Als sie stand, schrie sie auf und krümmte sich wieder vor Schmerzen. Er wusste nicht, was los war, aber er fühlte etwas, was er noch nie zuvor gespürt hatte. Ein Gefühl, das er weder beschreiben, noch in Worte fassen konnte. Würde er versuchen, es zu interpretieren, würde er sagen, dass es Angst war, aber das traf es nicht genau. Sorge war nicht stark genug. Er hob sie hoch, kämpfte mit der Tür und apparierte sie dann draußen in die Lobby des Zaubererkrankenhauses.
Er setzte sie auf einen harten, orangen Stuhl, der aussah, als wäre er aus einem anderen Jahrzehnt, und trat an die Rezeption. Sie sah, wie er lebhaft mit dem jungen Zauberer hinter dem Tresen sprach. Sie sah, wie er auf sie zeigte. Sie sah, wie er auf die Theke schlug. Sie sah, wie er dem Mann eine Handvoll Galleonen vor die Nase warf, was wahrscheinlich wehtat. Er kam zu ihr zurück, nahm eine Hand, setzte sich neben sie und sagte, „Die lassen sich hier anscheinend nicht bestechen. Sie sagen, wir müssen wie jeder Andere auch hier warten. Geht das bei dir?“
Sie konnte nur wimmern. Sie versuchte, zu nicken, aber selbst das war nur undeutlich. Draco beschloss, mit der Situation so gut es ging umzugehen. Er rannte zurück zum Tresen und beschimpfte den Mann dahinter. Der Mann schob Draco ein Klemmbrett mit Formularen zu.
Draco kam mit Klemmbrett und Feder zu ihr zurück und begann, das Formular für sie auszufüllen, wobei er permanent jammerte. „Anscheinend war der Zauberer, dessen Auge aus der Höhle hängt, vor dir da und ist angeblich wichtiger.“ Er kritzelte weiter vor sich hin. „Ich meine, meine Familie hat Millionen“, er stand auf, blickte den Mann hinter dem Tresen an und wiederholte, „MILLIONEN von Galleonen“, - er setzte sich wieder -, „im Jahr an dieses verdammte Drecksloch gegeben und die denken trotzdem, du sollst warten, weil bei irgendeinem dummen Zauberer der Augapfel im Gesicht hängt.“ Der Mann mit der Augenverletzung blickte Draco mit seinem guten Auge an und Draco sagte, „Ganz genau; Ich spreche über dich, Glubschi!“
Draco füllte weiter das Formular aus. „Warum ist dein Zweitname hier wichtig?“ Hermine blickte auf das Formular. Er füllte die Zeile aus.
„Mein Zweitname ist Jean.“
„Ich dachte immer, es wäre Jane.“
„Das denken viele, aber es ist Jean.“
„Bist du sicher?“
Sie zuckte zusammen. Er strich Jane durch und schrieb Jean darüber. „Wir sind Zauberer! Wir sollten nicht die gleichen Gesundheitsprobleme haben wie Muggel!“, sagte er. Er beantwortete noch mehr Fragen. „Um Merlins Willen, was hat der Mädchenname ihrer Mutter hiermit zu tun?“ Er erfand einen Namen und machte weiter.
„Wie viel wiegt sie? Warum zur Hölle wollen die das wissen? Berechnen sie pro Kilo?“ Schreib. Schreib. Kritzel. Kritzel.
„Um Himmels Willen, ich bezweifle, dass ihre Anamnese relevant ist!“ Er strich das Pergament durch.
„MERLIN! Als Nächstes wollen sie noch deine Lieblingsfarbe wissen!“ Er warf das Klemmbrett auf den Boden und lief zurück zum Tresen. Es spielte keine Rolle, denn in dem Augenblick kam ein sehr netter Mann mit einem Rollstuhl in die Lobby, sammelte Hermine ein (während der Augapfel-Typ immer noch zusah) und brachte sie in einen kleinen Raum.
Draco war ihnen dich auf den Fersen.
Er musste auf dem Gang warten, während sie einen Krankenhauskittel anzog. Ein Heiler kam herein und Draco folgte. Niemand hatte ihn aufgefordert, zu gehen, also blieb er.
Der Heiler fuhr mit dem Zauberstab an Hermines Körper auf und ab. „Wann gingen die Schmerzen los?“
„Früher am Abend“, antwortete sie.
Draco trat neben das Bett und unterbracht mit, „Warum bist du nicht eher zu mir gekommen?“
Sie sah ihn nur flehend an, dann blickte sie zurück zum Heiler.
„Andere Symptome?“
„Brechreiz und Übelkeit“, sagte sie.
„Du hättest mich holen sollen“, wiederholte Draco. Sie versuchte, ihn zu ignorieren, während der Heiler weitere Fragen stellte.
„Sind die Schmerzen hauptsächlich rechts?“, fragte er.
„Ja.“
„Du weißt, dass ich dich auch schon früher hierher gebracht hätte“, warf Draco ein.
„Können Sie Ihre Beine ausstrecken?“, fragte der Heiler und blickte Draco mahnend an.
Ihre Knie waren angezogen, als sie sich auf den Rücken legte, und als sie sie ausstrecken wollte, war schon allein das zu schmerzhaft. „Nicht wirklich.“
Draco beugte sich über sie, legte eine Hand an ihren Kopf und streichelte sie. „Auch wenn wir nicht sagen können, wie die Dinge zwischen uns stehen, sind wir doch mindestens Freunde. Du solltest wissen, dass du auf mich zählen kannst. Du hättest es mir sagen sollen.“
Hermine blickte ihn flehend an, dann zurück zum Heiler, damit er fortfahren konnte.
„Ich muss noch ein paar Tests machen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es eine Blinddarmentzündung ist. Wir müssen vermutlich den Blinddarm rausnehmen, dann fühlen Sie sich besser. Es ist ein simpler Eingriff, und da Sie eine Hexe sind, Miss Granger, wird es auch eher schonend verlaufen. Sie werden morgen schon wieder nach Hause gehen können.“ Er tätschelte ihre Hand. „Ich bin gleich wieder da und bringe Ihnen einen Trank gegen den Schmerz.“
Draco legte eine unterstützende Hand auf ihre Schulter, beugte sich vor, und küsste sie ohne Hintergedanken oder Grund auf die Stirn. „Im Ernst, warum hast du mich nicht geholt?“
„OH MEIN GOTT, DRACO MALFOY!“, schrie sie fast. „Du bist verrückt! Nicht alles dreht sich um dich, und abgesehen davon hast du mir ziemlich deutlich klargemacht, dass du heute ein Date hattest, und ich wollte dich nicht stören. Ich wollte niemanden stören, also wollte ich eigentlich selbst hierher kommen.“
„Naja, aber das ist dumm“, sagte Draco.
„War aber doch nicht schlecht, was?“, sagte sie mit einer Grimasse. „Ich denke, ich hätte einiges mehr gestört als nur ein Date. Deine Trockenperiode ist jetzt also offiziell vorbei, was?“
Er hatte keine Ahnung, was er darauf sagen sollte. Er wusste, dass sie schon richtig vermutete, dass er mit der anderen Hexe geschlafen hatte, aber er wollte es nicht laut zugeben müssen, auch wenn er den Grund dafür nicht wusste. Immerhin waren sie ja nur noch Freunde, also warum sollte es Hermine interessieren, mit wem er schlief? Wobei er wusste, dass es ihn stören würde, wenn sie mit Corner schliefe. Er wäre verletzt, wütend und eifersüchtig. Also durfte sie auch so reagieren. Der einzige Unterschied war, dass ihm die Frau von heute Abend egal war. Er konnte sich ehrlich gesagt nicht einmal an ihren Namen erinnern, also hatte er sie die ganze Zeit ‚Liebes’ genannt. Hermine hatte Gefühle für Corner, also wäre das etwas anderes.
Aber das konnte Draco ihr nicht sagen, vor allem nicht, wenn sie solche Schmerzen hatte.
Er beantwortete ihre Frage über die Trockenperiode nicht – die war sowieso bloß rhetorisch – und er hatte keine Zeit mehr, weil der Heiler mit der Medi-Hexe zurück in den Behandlungsraum kam, ihr ein paar Tränke gab und dann Draco sagte, er solle ihre Familie informieren.
Daran hatte er überhaupt noch nicht gedacht.
Sie schien endlich zu ruhen, und der Schmerztrank musste wirken, denn zum ersten Mal seit es losgegangen war, zog sie keine Grimasse mehr. Sie hatte die Augen geschlossen.
Er beugte sich zu ihr und flüsterte, „Ich werde Potter informieren, und der soll deinen Eltern Bescheid sagen, und dann werde ich Mike, Lavender und Joe benachrichtigen. Soll ich sonst noch jemanden informieren?“ Er dachte, ‚Bitte sag nicht Michael ‚der Idiot’ Corner.’
Das tat sie nicht. Sie sagte gar nichts. Zur Hölle, Draco konnte fair spielen. Er würde Michael ‚den Schnösel’ Corner informieren. Was soll’s?
Er ging, und als er ins Zimmer zurückkehrte, sagte der Heiler zu ihm, „Sie haben noch ein paar Minuten mit ihr, dann müssen Sie sich vorerst verabschieden, weil wir sie in ein anderes Zimmer bringen, um den Operationszauber zu sprechen.“
Draco lief zu ihr und hielt ihre Hand, während sie im Bett lag. Sie öffnete die Augen. „Du bist noch da.“
„Natürlich. Dazu sind Freunde doch da, oder?“, fragte er.
„Vermutlich schon.“
„Wann ist alles aus dem Ruder gelaufen?“, fragte er. „Es lief gut, und dann plötzlich war alles chaotisch und ich wusste nicht einmal, woher die Verwirrung kam.“ Er sollte sie nicht damit nerven, wo sie doch so klein und krank aussah, aber er musste es wissen. „Wir wollten beide mehr sein als nur Freunde, aber nicht gleichzeitig, und jetzt hoffe ich, dass es nicht zu spät ist.“
Sie schloss wieder die Augen. Die Medikamente machten sie schläfrig. „Es ist nicht zu spät. Es ist nie zu spät. Eines Tages werden wir auf der gleichen Seite stehen. Ich hoffe nur, dass es bald ist.“
Sein Herz hüpfte. Sie liebte ihn immer noch. Sie hatte es vielleicht nicht so gesagt, aber das Gefühl war noch da. Er hatte nie wirklich daran gezweifelt, aber es war trotzdem schön, es zu hören. Nun war es für ihn an der Zeit, ihr zu sagen, was er fühlte. Er rieb mit seinem Daumen über ihre Hand und sagte, „Genau das ist es, Hermine. Ich wollte dir etwas am Hochzeitsempfang sagen, aber ich habe wieder gekniffen, und du hast mich wütend gemacht, und ich habe mich wie ein Idiot aufgeführt. Jetzt sind Wochen vergangen und wir tun so, als würden wir uns kaum kennen, und manchmal habe ich Angst, dass meine Chance vertan ist, aber jetzt, wo du sagst, es ist noch nicht zu spät, habe ich den Mut, dir zu sagen, was ich sagen wollte.“
„Bevor du das machst“, sagte Hermine mit noch geschlossenen Augen. „Hast du mit dieser Frau heute Abend geschlafen?“
„Ja.“ Was sollte er sonst sagen?
„Hast du Gefühle für sie?“, fragte sie. Sie schaffte es, ihre Augen zu öffnen, auch wenn sie noch nie in ihrem Leben so müde war.
„Ich erinnere mich nicht einmal an ihren Namen, also, nein, ich habe keine Gefühle für sie“, erklärte Draco.
„Ich habe nicht mit Michael geschlafen. Das sollst du wissen. Also, was wolltest du sagen?“, fragte sie und konnte kaum die Augen offen halten. Bevor er antworten konnte, sagte sie, „Ich bin so müde.“
Der Heiler kam ins Zimmer. „Allerdings, Miss Granger. Schlafen Sie einfach und wenn Sie wieder aufwachen, wird es Ihnen besser gehen und alles wird gut sein.“ Er lächelte Draco an. „Sie können in der Lobby auf sie warten.“
Draco ließ ihre Hand los, trat zur Seite und beobachtete, wie der Mann sie in einen anderen Raum schweben ließ, weg von ihm. Aber er wollte nicht, dass es vorbei war, also lief er soweit wie möglich mit ihnen mit, und auch wenn sie ihn nicht hörte, musste er ihr sagen, was er fühlte. „Ich wollte dir sagen, dass ich dich liebe.“ Dann verschwand sie durch eine Doppeltür und er lehnte sich gegen die Wand.
Zu dumm, dass sie schlief und seine Liebeserklärung nicht hören konnte. Er sah auf und entdeckte Potter mit zwei älteren Personen, die ihre Eltern sein mussten. Er fuhr mit einer Hand durch die Haare, frustriert, müde, beunruhigt. Hauptsächlich jedoch hatte er das Gefühl, dass es zu spät war, egal was sie sagte.
Er drehte sich um und sah Michael ‚das Arschloch‘ Corner mit offenem Mund hinter sich stehen. „Du liebst sie?“, fragte Michael.
„Ja“, sagte Draco und es klang wie eine Herausforderung.
„Ich auch.“ Er lief an Draco vorbei in die Lobby.
Dort saßen sie alle zusammen, wortlos. Es war Sonnenaufgang und Draco war sehr müde. Er streckte seine langen Beine von sich und hob die Arme hinter den Kopf. Ihm fielen gerade die Augen zu, als der Heiler zu ihnen kam.
Alle standen sofort auf. Der Heiler lachte und hob beide Hände vor sich. „Es geht ihr gut. Ihr Blinddarm ist geplatzt, also werden wir sie heute hier behalten, bis morgen Früh. Sie ist sehr müde, aber sie will ihre Eltern sehen und außerdem ihren Vermieter“, lachte er, „Ist er hier?“
„Das bin ich“, sagte Draco und hob die Hand. Er war verwirrt. War er abgestiegen von ‚Zukünftiger Ehemann‘ über ‚möglicher Freund‘ und ‚Kumpel‘ zu ‚Vermieter‘? Wann ist das passiert? Immerhin wollte sie ihn sehen.
Ihre Eltern folgten dem Heiler und Draco setzte sich wieder. Das Schweigen in der kleinen Gruppe im Wartezimmer war erdrückend. Als eine Medi-Hexe Draco holte, stand auch Michael auf. „Sag ihr, dass der Rest von uns ihr gute Besserung wünscht.“
Draco bemerkte die aufrichtige Sorge im Gesicht des Mannes, also nickte er. Er folgte der Hexe einen langen Flur entlang und starrte auf den grün-braun gefliesten Boden. Als sie eine braune Tür erreichten, sagte die Hexe, „Nur ein paar Minuten, okay?“
Draco öffnete langsam die Tür und spitzte hinein. Sie schlief scheinbar. Er lief zu ihr und griff nach ihrer Hand, zog sich dann aber zurück. Er strich ihre Decke glatt, dann fuhr er mit seinen Fingerspitzen von ihren Haaren zu ihrem Kiefer. Er beugte sich runter und küsste ihre Wange. „Hermine, ich sage es nur ungern“, sagte er, „aber die Miete ist fällig.“
Sie öffnete die Augen und entdeckte einen lächelnden Draco Malfoy. „Hi, Draco Malfoy.“
„Du wolltest deinen Vermieter sehen, also, hier bin ich.“ Er lächelte.
Sie lächelte auch, ein trauriges, erbärmliches Lächeln in seinen Augen, aber er verzieh ihr, da sie gerade eine Operation hinter sich hatte. Sie sagte, „Ich war noch durcheinander, als ich nach meinem Vermieter gefragt habe. Ich habe wohl deinen Namen vergessen, tut mir leid.“
„Hast du deine Miete hier, ich bin nämlich gerade knapp bei Kasse?“, fragte er und brachte sein Gesicht ganz nah an ihres. „Soll ich dich durchsuchen? Soll ich deine Hosentaschen leeren?“
„Dieses Nachthemd hat keine Hosentasche“, sagte sie ziemlich ernst.
„Wo bewahrst du dann deinen Schlüssel auf?“, witzelte er. Er zog einen Stuhl an ihr Bett, damit er sich setzen konnte, sein Arm lag an ihrem Körper.
„In meine Hosentasche“, sagte sie.
Er lachte, weil das keinen Sinn ergab, also fragte er wieder, „Hat das Nachthemd denn Hosentaschen?“
„Es hatte noch welche, als ich die Miete rein hab. Wenn jetzt keine mehr da sind, hast du Pech“, antwortete sie und schloss wieder die Augen.
Er lachte. „Ich frage nochmal: Soll ich mal suchen?“
„Vielleicht, wenn ich mich wieder besser fühle.“
„Das ist ein Date“, sagte er. Er legte seinen linken Arm auf ihren, seine Hand auf ihre Schulter, und seine Wange an seinen Arm. Er schloss die Augen und atmete tief ein. Sie strich ihm mit der rechten Hand – nachdem die andere ja unter ihm gefangen war – durch die Haare.
„Ich hätte gerne noch ein Date mit dir“, sagte sie ernsthaft, „auch wenn du nur meine Hosentaschen nach Geld absuchst.“
Er liebte die Art, wie ihre Hand sich in seinen Haaren anfühlte. Er fragte sich, ob er ihr gleich sagen sollte, dass er sie liebte. Würde sie sich daran erinnern? Ihre Hand hielt inne. Er griff danach und zog sie von seinem Kopf weg. Er legte die Hand auf ihre Brust, die sich gleichmäßig hob und senkte, und ihre Augen fielen zu. Sie schlief. Er stand auf, beugte sich runter, und küsste sie diesmal auf den Mund. Er legte seine warme Wange an ihre kalte und sagte, „Ich kümmere mich um deinen Kater.“
Nicht ganz ‚Ich liebe dich‘, oder?
Hermine öffnete ihre Augen und lächelte. „Danke. Wenn du eine Katze hättest, würde ich mich auch um sie kümmern.“
Er lachte. „Ich werde mich wirklich um Iggy kümmern, aber das wollte ich eigentlich gar nicht sagen.“ Er hielt ihre Wange, und obwohl ihre Augen wieder geschlossen waren, sagte er, „Ich liebe dich, Hermine. Wirklich.“
Sie war wieder in den Schlaf abgedriftet, also hatte er keine Ahnung, ob sie ihn gehört hatte oder nicht. Er wollte sie an den Schultern packen und schütteln, sie aufwecken und fragen, was sie von seiner Aussage hielt. Er überlegte wirklich, ob er es nicht einfach tun sollte, aber in dem Moment kehrte die Medi-Hexe zurück und sagte ihm, er müsse gehen.
Er nahm ihre Hand, küsste sie und legte sie zurück aufs Bett. „Ich kann warten,“ sagte er laut.
Er wollte gerade gehen, da sagte sie, „Draco?“
Er drehte sich zurück.
Sie schloss wieder die Augen. Er stellte sich vor, sie würde so etwas sagen wie, „Ich liebe dich auch.“ Das wäre nett. Stattdessen hat sie nur seinen Namen gesagt.
Er lächelte und lief aus dem Zimmer. Natürlich liebte sie ihn immer noch. Er war Draco Malfoy, und gute Dinge brauchten Zeit um sich zu entwickeln.
Michael Corner saß stundenlang allein im Wartezimmer. Ihre Freunde waren alle fort. Er hatte endlich beschlossen, dass er sie sehen wollte. Er würde ihr Glück wünschen und sich dann verabschieden. Sie hatte nicht einmal nach ihm gefragt. Anscheinend liebte sie immer noch Draco. Er würde aufgeben. Er wollte nicht und er fand auch nicht, dass Draco gut genug für sie war, genauso wenig, wie er für sie gut sein würde, aber ihr Glück war das Wichtigste. Wenn sie Draco liebte, sollte sie ihn haben.
Leise öffnete er ihre Zimmertür. Sie schlief in ihrem Bett und Sonnenstrahlen drangen durch den teilweise geschlossenen Vorhang, badeten ihren Körper in Lichtstreifen. Er schlich zum Fenster und versuchte, die Vorhänge zu schließen, damit die Sonne sie nicht weckte.
„Hi, Michael.“
Er drehte sich zu ihr um. „Willst du die Vorhänge offen oder lieber geschlossen?“
„Offen, bitte. Wie spät ist es?“, fragte sie. Er öffnete die Vorhänge und drehte sich zu ihr.
Er wollte sagen, „Zeit, dass ich gehe“, dachte aber insgeheim, „Zeit, in den Kampf zu ziehen“. Warum sollte er Hermine aufgeben? Sie hatte Draco auch nie aufgegeben. Sie liebte ihn und gab nicht auf. Er liebte sie mindestens genauso wie sie Draco liebte. Warum sollte er wegen einem Mann aufgeben, der Hermine nicht einmal aufrichtig sagen konnte, dass er sie liebte?
Er setzte sich auf den Bettrand und nahm ihre Hand. Er hob sie an seinen Mund und sagte, „Hermine, ich weiß, das hier ist weder die richtige Zeit, noch der richtige Ort, aber ich muss dir etwas sagen. Ich liebe dich. Wirklich. Ich weiß, dass du Draco liebst, oder zumindest glaubst, dass du das tust, aber du kennst ihn nicht einmal richtig. Ihr ward nicht einmal zusammen aus. Du weißt nicht, wie er wirklich ist. Du weißt nicht, was er vorhat. Ich finde, wir beide kennen uns inzwischen ziemlich gut, und ich weiß, dass ich dich glücklich machen kann. Ich weiß, dass wir ein tolles Paar wären und uns wirklich lieben könnten, wenn du mir nur dein Herz und deine Seele öffnen würdest.“ Er streichelte ihr Gesicht.
„Oh, Michael“, sagte sie, und dann nichts mehr. Sie wusste von seiner Qual und seinem Leid, denn die unerwiderte Liebe, die er für sie verspürte war genau dieselbe, die sie schon so lange für Draco fühlte. Niemand verstand seinen Schmerz besser als sie, aber das war kein guter Grund, jemanden zu lieben.
„Hör mir zu, nur einen Moment“, sagte er und beugte sich zu ihr. „Ich denke, dass Draco auf seine Art Gefühle für dich hat. Ich habe sogar gehört, wie er zu dir gesagt hat, dass er dich liebt, aber da warst du bewusstlos. Er kann es dir nicht ins Gesicht sagen. Ich bin hier, bei/vor dir, lege die Karten auf den Tisch, entblöße meine Seele und meine Würde, ohne dass ich mir Gedanken mache, ob du meine Liebe erwiderst, und ich sage dir am helllichten Tag, während du wach bist, dass ich dich liebe.“
Keiner von beiden sah, dass die Tür zu ihrem Zimmer aufgegangen war. Trotzdem blickten Hermine und Michael zur Tür, als Draco Malfoy sich räusperte. Er stand im Türrahmen, ein Strauß Rosen in der Hand, und runzelte die Stirn.
Michael sah wieder Hermine an und ignorierte Draco. „Ich würde dir niemals wehtun. Ich würde dich nie als selbstverständlich ansehen. Ich liebe dich, Hermine. Ich möchte dich heiraten.“
Sie blickte von Draco zu Michael und fing an zu weinen, verbarg ihr Gesicht in den Händen.
„Raus hier, Corner“, sagte Draco. „Du regst sie nur auf.“
Michael stand auf. „Ich sage ihr die Wahrheit. Ich sage ihr, dass es im Leben Besseres gibt, als jemanden zu lieben, der nicht einmal den Mut hat, ihr seine Liebe zu gestehen. Ich sage ihr, sie solle die Chance zu etwas Wirklichem ergreifen, und sich nicht an etwas Falsches und Weit hergeholtes klammern. Es gibt im Leben und in der Liebe mehr für sie, als du zu bieten hast, Malfoy.“
Hermine weinte noch mehr.
Michael ließ ihre Hand los und ging zu Draco. „Sie ist wach, Malfoy. Sag ihr, dass du sie liebst, am helllichten Tag!“
„Ich sage gar nichts, solange du hier bist.“
„Warum? Ich schäme mich nicht, es vor dir zu sagen!“, schrie Michael.
Hermine sah Draco an. „Draco?“
Er holte tief Luft. „Ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen, Corner.“ Er schaute zu Hermine und flehte sie mit einem Blick an, ihn zu verstehen.
„Draco, ich weiß, dass es hart für dich ist, von Freundschaft zu mehr zu wechseln, auch wenn du in deinem Herzen weißt, dass es das Richtige ist. Ich weiß, dass es hart ist, weil Freundschaften Sicherheit geben und echt sind, aber Draco, du musst eine Entscheidung treffen und die Chance nutzen. Wenn du mich liebst, musst du es mich wissen lassen, denn ich sterbe innerlich. Ich weiß, dass du Angst hast, dass unsere Freundschaft kaputt gehen könnte, aber du machst dir Sorgen über ein Ende, bevor die Sache überhaupt angefangen hat. Sag mir nur, liebst du mich? Lass mich nicht betteln.“
Er lief an Corner vorbei, warf die Blumen auf das Bett und nahm ihre Hand. „Ich weiß, was ich für dich fühle, Hermine, aber ich muss es nicht in die Welt schreien, wirklich nicht. Meine Gefühle gehen nur uns beide etwas an.“
Michael schritt zur Tür. „Das ist der Unterschied, Hermine. Denk daran. Einer von uns liebt dich und würde es von den Dächern schreien, und einer von uns liebt dich vielleicht, vielleicht aber auch nicht, weil er Angst hat, die Worte in einem Raum mit drei Leuten auszusprechen, von denen einer er selbst ist und eine die Person, die er angeblich liebt. Ja, denk darüber nach, Hermine. Ich lasse dich jetzt in Ruhe.“ Er verließ das Zimmer, zufrieden, dass Draco Malfoy sie vermutlich gerade überzeugt hat, wer der Richtige für sie war, und es war nicht Draco.
Draco stand immer noch am Bett. Hermine starrte die Wand an. Er traf eine Entscheidung. Wenn gut Ding Weile hatte, hatte Hermine dann nicht schon genug gewartet?
Er rannte aus dem Zimmer und packte Michaels Arm. Der Mann wirkte schockiert. Draco zerrte ihn praktisch zurück in den Raum. Hermine sah sie an, als sie wieder eintraten.
„Ich liebe dich, Hermine“, sagte Draco.
Sie lächelte. Michael runzelte die Stirn und Draco Malfoy hatte doch das letzte Wort, während sich ein zufriedene Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. Er liebte sie. Genug gesagt.
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Vorschau
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„Warum lächelst du?“, fragte sie leise.
Er beugte sich zu ihrem Gesicht, küsste sie wieder und sagte, „Weil wir gleich Liebe machen werden, und das habe ich noch nie zuvor getan.“
„Du bist keine Jungfrau“, sagte sie und musste trotzdem lächeln.
„Glaub mir, ich bin keine Jungfrau, aber ich habe noch nie Liebe mit einer Frau gemacht, Hermine, also ist das hier ein monumentales Ereignis, also lass mich lächeln, okay?“
Anmerkung der Autorin:
Hermine kleine Ansprache an Draco über die Freundschaftsgrenze wurde mir von einer Leserin namens villainvalkyrie geschrieben: „Es ist hart, diese Grenze zu überschreiten, auch wenn die Gefühle deutlich sind. Es ist eine schwere Entscheidung, ob man weiter gehen oder nur befreundet bleiben will, denn Beziehungen gehen vorbei, aber Freundschaften halten ein Leben lang.“ Vielen Dank an sie.
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