
Hermine und Ron konnten in der Nacht kaum ein Auge zu machen. Beide schliefen im Gemeinschaftsraum, sie wollten einfach Harry nicht verpassen, falls er zurück kommt. Ron hoffte ja inständig, dass Harry zu Hagrid gegangen ist und einfach die Zeit vergessen hat und nicht mehr ins Schloss zurück konnte. Auf jeden Fall war das ein bessere Gedanke, als die Vorstellung, Harry könnte was passiert sein. Gegen halb vier schlief Hermine, mit dem Kopf auf seinen Schoss liegend, ein. Ein paar Minuten später verliesen auch Ron die Kräfte. Beide wurden erst wieder wach, als die ersten Schüler, die zum Frühstück hinunter gingen, unüberhörbar waren. Sofort sprang Hermine hoch. "Harry!! Ist er hier?" "Nein, Hermine... leider nicht." Beide wollte sofort runter, zu Hagrid. Sie rannten so schnell sie konnten den ihnen bekannten Weg entlang. Dort angekommen klopfte Ron lautstark an der Tür: "Hagrid, mach auf!". Hagrid öffnete ihnen die Türe, er wirkte noch sehr verschlafen. "Was ist denn los? Ach Hermine, Ron ihr seits. Was macht ihr zwei den so früh schon hier, und wo habt ihr Harry gelassen. Kommt doch erst mal rein." "Wie Harry ist nicht bei dir?", fragte Ron mit ängstlicher Stimme. "Harry bei mir? Nein. Wieso sollte er?", entgegnete ihm Hagrid verwundert, der gerade Tee für sich drei kochen wollte. "Harry ist seit gestern Abend verschwunden. Wir haben gehofft das er vielleicht bei dir über Nacht geblieben ist!?", fragte Hermine. Hagrid drehte sich um, "wie Harry ist verschwunden?" "Naja also es war so. Hermine und ich waren in Hogsmead, Harry wollte nicht mit, da er so müde war. Er wollte sich im Gemeinschaftsraum bisschen ausruhen. Danach wollten wir drei uns in der Großen Halle wieder treffen. Doch Harry kam einfach nicht. Auch im Gemeinschaftsraum und so war er nicht zu finden. Seitdem haben wir Harry nicht wieder gesehen...", erzählte Ron traurig. "Ja aber das kann doch nicht sein, dass Harry einfach so von hier verschwindet. Er ist vielleicht in der Bücherei eingeschlafen oder sonst wo. Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen, sicher kommt er gleich zum Frühstück oder so.", meinte Hagrid, sah aber nicht wirklich überzeugend aus. "McGonagall hat gestern Nacht noch angeordnet, dass Mr Filch und Professor Snape nach Harry suchen sollen. Aber anscheinend blieb die Suche erfolglos... Oder Harry muss irgendwo eine Strafe absitzen..." "Ja, genau, Ron, dass muss es sein. Komm lass uns nochmal zu McGonagall gehn", meinte Hermine und zerrte Ron auch schon die Tür hinaus. "Gebt mir aber ja bescheid, hört ihr!", konnte Hagrid den beiden noch zurufen ehe sie auch schon außer Sichtweite waren. Keuchend kamen Hermine und Ron an McGonagalls Büro an. Diesmal klopfte Ron. Sie öffnete die Tür. "Mister Weasley, Miss Granger. Sie sind bestimmt wegen Mister Potter hier. Es tut mir leid, bis jetzt haben wir ihn noch nicht gefunden. War er inzwischen bei ihnen?", fragte McGonagall die beiden Hoffnungsvoll. Ron und Hermine schüttelten nur bestürzt den Kopf. Es gab mittlerweile seit mehr als 14 Stunden kein Lebenszeichen mehr von Harry.
Harrys erster Tag in Gefangenschaft war bis auf das morgens, mittags, abends fünf Scheiben Brot und fünf Gläser Wasser ihnen hereingestellt wurden grausam still und erdrückend. Die anderen vier Mitgefangenen vegetierten einfach nur so vor sich hin, als hätten sie schon all ihre Hoffnung, je wieder hier raus zu kommen, aufgegeben. Harry konnte sich mit diesem Gedanken nicht abfinden, es musste einfach einen Ausweg geben. Doch auch so viele Stunden er darüber nachdachte, er fand keinen Ausweg. Wenn Schichtwechsel der Todesser war, so konnte Harry ein wenig ihren Unterhaltungen lauschen, was neues so passier war. Kein Wort über Hermine oder Ron. Harry war kurz davor zu verzweifeln, wenn er sich ausmalte, dass Ron und Hermine vielleicht ebenfalls festgehalten werden, vielleicht sogar quallen ausstehen müssen. Stunde um Stunde verging, und Harry wurde immer ratloser, ja fast genauso Hoffnungslos wie die Anderen hier.
Für Hermine war nun endgültig klar, dass mit Harry etwas nicht stimmen konnte. Oben im Gemeinschaftsraum erklärte sie Fred, George, Ginny, Dean, Neville und ein paar anderen Schülern, dass Harry verschwunden sei. Sie teilte die Freiwilligen in ein paar kleine Gruppen ein, um im ganzen Schloss nach Harry zu suchen. "Harry, wo bist du?" "HARRY" hörte man überall rufen. Ron und Hermine suchten mit Hagrid außen nach Harry, fast jeden Stein drehten sie um, in der Hoffnung wenigstens einen Hinweis auf Harrys verbleiben zu finden. Nichts. Niemand der Suchenden fand auch nur eine Spur eines Hinweises. Sie suchten den ganzen Tag nach Harry und beendeten erst die Suche, als sie nichts mehr sehen konnten. "Dann suchen wir eben mit erleuchteten Zauberstäben weiter", wollte Hermine durchsetzten. "Hermine, das macht doch keinen Sinn. Wir suchen morgen sobald es hell wird wieder nach Harry. Vielleicht kommt er ja auch wieder von selbst zurück.", meinte einer der Schüler. "Nichts da, notfalls suchen Hermine und ich eben selbst weiter", entgegnete ihm Ron schroff. Hagrid, Ginny und Rons Brüder schlossen sich an, auch in der Dunkelheit weiter nach Harry zu suchen.
Doch auch der nächste Tag, und der Tag darauf blieben erfolglos.
Auch bei Harry war der eine Tag wie der andere. Je länger er festgehalten wurde, je mehr verliesen ihn seine Kräfte. Er merkte gar nicht, wie er verwahrlost aussah - aber das war jetzt auch egal. Eigentlich war alles egal, Harry gab immer mehr die Hoffnung auf, hier je wieder lebend raus zu kommen, geschweige denn, dass Ron und Hermine noch am Leben waren. Jetzt wäre er eh zu spät, um ihnen noch helfen zu können. Er hatte seine beiden besten Freunde nicht schützen können. Harry machte sich schlimme Vorwürfe, fühlte sich schuldig: "Wären sie mit mir nicht befreundet gewesen, so hätte Voldemort sie in Ruhe gelassen, dann wären Ron und Hermine jetzt noch am Leben... alles meine Schuld..." dachte Harry traurig. Im Raum herrschte eine so totenstille, die einen fast verrückt werden lies. Nur hin und wieder summte Gary ein Liedchen vor sich hin - er wirkte so weit weg von allen. Gesprochen wurde kaum, alle wirkte zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Jeder saß in seiner Ecke, nur die beiden Schwestern hockten dicht nebeneinander gekuschelt. Harry war ratlos, was er tun sollte. Sobald er einschlief sah er immer wieder die schrecklichen Bilder seiner beiden toten Freunde vor sich, wenn er wach war das grauen das sich hier unten abspielte - Harry wollte aufwachen, wollte das dieser schreckliche Alptraum ein Ende nimmt. Doch die Gefangenschaft, sie war kein böser Traum, sie war bittere Realität. Harry beschloss ab sofort sein Essen zu verweigern, er fragte sich sowieso warum sie nicht alle Hungern mussten. Bis jetzt hatte Harry das Essen nur vor quälenden Hunger runter gewürgt, aber je länger er hier unten saß, desto mehr verließ ihn auch sein Überlebenswillen und spürte keinen Hunger mehr. Wieso sollte er nur noch länger diesen Alptraum hier aushalten müssen? Für was? Es war nun eh alles zu spät, alles egal...
Ps: So viel spaß beim lesen, bis in einer Woche dann^^
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel