
von Bl00dyButterfly
„Leider können wir nicht mit dem Ministerium rechnen“, seufzte Mr Weasley, „da unser guter Herr Minister deine Anwesenheit lieber meidet, lieber Harry. Deshalb werden wir wohl auf üblichere Weise nach King’s Cross reisen müssen.“, worauf er Hermine erfreut ansah, welche sofort verstand.
„Aber natürlich werden wir nicht allein fahren, ich habe eine Truppe aus dem Orden zusammengetrommelt, die patrouillieren werden, eine merkwürdige Bewegung und du bist umzingelt von Beschützern!“, erklärte er mehr in Harrys Richtung als seiner Familie, woraufhin Fred und George Grimassen schnitten, als wären sie bittere Hauselfen, auf die keiner achten müsste, was zum Glück weder Arthur noch Molly Weasley bemerkten, wohl aber alle anderen, die sich herzlich darüber amüsierten. Abgesehen von Harry. Harry war mit seinen Gedanken ganz woanders.
Was hatte Voldemort geplant? Und wieso hatte er bisher noch nicht versucht Harry zu schaden? Und wieso hatte ihm niemand gesagt, dass Sirius ihm all sein Hab und Gut vererbt hatte?
Zorn wich der Trauer. Zorn über alle, die ihn in letzter Zeit so enttäuscht hatten, ihn fast gefühllos nach seinem Befinden gefragt hatten, obwohl er doch nur seine Ruhe wollte.
Zorn, der Freundschaften entzweien kann, Zorn der dem dunkelsten Zauberer aller Zeiten zur Waffe werden kann.
Früh am Morgen des ersten Septembers wurden früh beschäftigte Muggel Zeugen eines außergewöhnlichen Trupps, wohl hauptsächlich durch Mr Weasleys Kombination von Caprihose und Jackett, welcher zum Teil mühelos die Bahn nach King’s Cross erreichte (Arthur Weasley musste nun ein Mal mehr über den Fahrkartenautomaten schmunzeln, wie dieser seine Fahrkarte schluckte).
Alle sich gegenĂĽber sitzend sahen nun sehr merkwĂĽrdig aus, wie sie da mit ihren Koffern samt Hogwartsemblem und Haustieren zusammengequetscht saĂźen, weshalb auch wohl viele der noch teilweise verschlafenen Muggel zwei FuĂź von ihnen entfernt zu stehen bevorzugten.
„Und vergiss nicht Ginny“, nervte Mrs Weasley ihre jüngste und einzige Tochter, „bleib in Rons Nähe, wer weiß was da auf uns zu kommt….“
Harry verfolgte die vorbeirasende Landschaft und sinnte über seine nächsten Schritte, die er tun würde um Voldemort endlich zu Strecke zu bringen, aber wusste er nun mal nicht, wo er beginnen sollte…
Obwohl es ihm so kurz erschien, ertönte plötzlich die Ansage „Endstation „King’s Cross““ und kaum hatte die Bahn gehalten wurde Harry auch schon hinausgedrängt, umzingelt von allen Weasleys, während er zwischen ihnen durch kleine Augenblicke hier und da Bekannte wie Kingsley Shacklebolt oder Tonks sah, die sich nervös umsahen und Mr Weasley mit Blicken den Weg zuzusichern zu schienen.
Wie aus dem Nichts ergriff eine sanfte, kleine Hand seine eigene Rechte und als er verwundert zur Seite sah, trafen seine Blicke Ginny, die ganz unruhig und auch etwas verängstigt neben ihm herlief. Aus irgendeinem Grund scheute Harry diesen Kontakt nicht, entgegen seiner Vorsätze die Einsamkeit für die nächste Zeit vorzuziehen.
Endlose Anspannung fĂĽhrte die kleine Truppe durch riesige Menschenmengen, hie und da auch wenige Magier unter ihnen, bis endlich der Bogen zwischen Gleis neun und Gleis zehn vor ihnen lag. Erleichtert blickte Arthur Weasley zu seinen SchĂĽtzlingen um sicher zu sein, dass sie alle noch da waren und schritt schlieĂźlich durch den Bogen.
Harry verlor ihn aus dem Blick als gerade eine groĂźe Wandertruppe von Muggeln an ihnen vorbeilief und schon war Mr. Weasley verschwunden, so wie jedes Mal war er nun wohl gerade auf der anderen Seite am Gleis neundreiviertel angekommen. Doch diesmal schien etwas anders, Harry spĂĽrte es und ein Kribbeln in der Narbe begleitete seine Sorge.
„Nun denn, Ron, du gehst hinterher und dann –„, doch Mrs. Weasley konnte ihren Satz nicht beenden, denn ein großer nebliger Wolf schoss aus der Luft auf die Gruppe zu, die Zähne gefletscht, die Augen schienen zu brennen.
Mitten in der Luft blieb er urplötzlich stehen und Tonks’ Stimme drang aus deiner Kehle, furchterfüllt:“ Sie kommen Molly, flieht!“.
Geschrei und Tumult brach aus, denn freilich hatte kaum ein Muggel jemals einen sprechenden Geisterwolf gesehen und im Gedrängel verlor Harry Ron, Hermine und Mrs Weasley aus den Augen, nur Ginny klammerte sich immer noch an ihm fest.
Harry versuchte aus der Masse herauszukommen und schleifte Ginny mit sich in Richtung der Gleise, um dort vielleicht einen besseren Überblick zu bekommen, dass wohlmöglich Gefahr auf ihn zukam verschwand unter all seinen anderen Gedanken das kleine rothaarige Mädchen an seiner Hand aus der zerquetschenden Muggelmasse zu bringen.
Doch noch bevor Harry auch nur annähernd einen Meter vorankam stieß ihn jemand in der Hast hart gegen die Schulter, er stolperte und riss Ginny mit sich in eine, wie es ihm vorkam, unendliche Tiefe.
Eigentlich hätte er zum Gleis neundreiviertel kommen müssen, denn die Wand, gegen die er eigentlich geprallt wäre war dessen Zugang, doch stattdessen fand Harry sich auf einem dunklen Feld wieder. Dunkle Wolken schienen allen Sonnenschein abzuschirmen und so war es ihm nicht möglich zu sehen, wo er nun gelandet war. Ginny lag regungslos neben ihm, das Gesicht im nassen Gras, das Haar verwirbelt und Harry drehte sie um, aus Angst sie könnte sich stark verletzt haben.
Doch noch bevor er die ohnmächtige Ginny näher betrachten konnte, erregte etwas anderen ganz in der Nähe seine Aufmerksamkeit: kaum drei Fuß entfernt lag ein Körper, eine zerbrochene Brille nicht weit entfernt und soweit Harry erkennen konnte, war es ein Mann und sein erste Gedanke wanderte zu seiner Sorge um Arthur Weasley.
In der Absicht sich Sicherheit zu verschaffen legte Harry Ginny behutsam auf dem RĂĽcken ins hohe, dunkle Gras und erhob sich, fiel aber mit einem Schmerzensschrei sofort wieder, seine Narbe in wildem Feuer pochend und nun war es ihm klar: Voldemort hatte sie in eine Falle gelockt!
„Wie schön dich wieder zu sehen, Potter!“, kreischte eine irre, weibliche Stimme, die Harry grauenhaft bekannt war: Bellatrix Lestrange musste in seiner Nähe gelauert haben, in der Hoffnung er würde sich erheben und damit zu einem leichten Ziel werden.
Warum war er nur so unvorsichtig gewesen, es hätte ihm doch gleich in den Sinn kommen müssen, dachte Harry sich ärgerlich und versuchte sich so unaufmerksam wie möglich zu drehen, um das Grauen zu bestätigen.
Doch als Harry die Silhouette der jungen Frau erblickte war es nicht Angst sondern unermesslicher Zorn, der durch seine Adern schoss, ein Zorn wie er ihn selbst nach Sirius’ Tod nicht gespürt hatte, ein Zorn bei dem er sich sicher war, dass Voldemort ihn deutlich spüren konnte
„Lass uns spielen Potter, der liebe Arthur hat ja leider schon aufgegeben - von wegen guter Zauberer, ha, einen größeren Versage habe ich noch nie gesehen. Oder doch, warte mal, hatte Sirius nicht zwei Minuten schneller aufgegeben?“, ein hysterisches Lachen ließ sich durch den Wind hart in Harrys Ohren treiben, „Ehrlich, ihr seid Versager und dumm! Der alte Sack Dumbledore und seine Meute hat nie etwas gegen den prächtigen, dunklen Lord auszurichten! Niemals werdet ihr seine Macht stürzen, nicht mal mehr du hast eine Chance, Potter!“
Ein ununterdrückbares Verlangen aufzuspringen und diese Frau mit den eigenen Händen zu würden, zu zerfetzen, zu zerreißen kochte in Harry auf, ein Drang seine gesamte Wut auf die ganze Welt an dieser einen Hexe auszulassen, jene die seinem einzigen geliebten Verwandten das Leben raubte, jene die nun wohl auch einen weiteren geliebten Menschen ermordete, jenen Menschen, welcher sieben Kinder und eine Frau so sehr liebte, dass er alles für sie täte, jener Mann, der sogar ihn, Harry, wie sein eigenes Kind geliebt hatte.
Der Gedanke daran, dass der tote Körper von Arthur Weasley auf diesem Feld verweilte, geopfert, um Harry und seine eigene Familie zu schützen, rief ein so bestialisches Verlangen nach spritzendem Blut in Harry hervor, dass er in blindem Hass aufsprang, auf die im Moment meist gehasste Person auf dieser Welt zuzurennen und sie, in völliger Überraschung, zu würgen.
Diese Reaktion war so unwahrscheinlich gewesen, dass Lestrange ihren Zauberstab fallen lies, Harrys würgende Hände ergriff um sich zu befreien und in ihrer Verzweiflung laut nach ihrem verehrten Lord rief.
Doch egal wie laut sie rief, nichts außer der wütend wirbelnde Wind antwortete ihr, Blut rann von ihren Lippen und auch ihr Druck auf Harrys angespannte Hände ließ nach und genau in diesem Moment ließ auch Harry in Schock von ihr ab, aller Hass wich plötzlicher Angst.
In dem Moment, in dem Harrys Hände den geschwächten Körper der Schwarzhaarigen nicht mehr stützten, fiel dieser hart auf den Boden, kein Lebenszeichen erleichterte Harrys Anspannung.
Hatte er sie wirklich getötet? War er dann nicht genauso grausam wie sie selbst?
Wie in Trance und ohne Gedanken glitt Harry neben Ginny auf den Boden, einzelne Regentropfen trafen seine Schulter, Ginnys Nase, sein Haar. Er betrachtete ihr flammend rotes Haar, ihre so friedlich geschlossenen Augen, ihre rosaroten Wangen und ihre roten, perfekt geformten Lippen. Wie in Verzweiflung und vielleicht auch aus Angst sie selbst würde nie wieder aufwachen hob er Ginny in seine Arme, drückte sie an sich, Regentropfen fielen von ihm auf ihr Gesicht. Nein, es waren keine Regentropfen sondern Tränen. Tränen aus Angst um Ginny, aus Verzweiflung über die Tode die er nicht hatte verhindern können, aus Hass über sich selbst zu einem Monster mutiert zu sein, welches man fast mit Voldemort selbst vergleichen könnte.
Auch wenn es ihm selbst nicht exakt in den Sinn kam, senkte er den Kopf und berührte Ginnys Lippen mit den seinen, ganz sanft, zärtlich und langsam. Und wie ein Wunder spürte er, wie sich die zarten Lippen des Mädchens von allein fester gegen die seinen pressten, sehnsüchtig nach ihnen tasteten: Ginny erwiderte seinen Kuss der Verzweiflung mit einer Berührung aus Liebe.
Ihre Blicke trafen auf seine tränenerfüllten, hellgrünen Augen, doch nicht mit Trauer oder Angst, sondern mit einem brennenden Verlangen sah sie ihn an.
„Was ist passiert Harry, warum schaust du so traurig? Wo sind wir hier?“
Harry musste ihrem Blick ausweichen, wollte nicht mit ihr darüber reden war passiert war, was er getan hatte. Er ließ von ihr ab, stand auf und entfernte sich rückwärts wie hypnotisiert, versunken in seiner Verzweiflung von der völlig perplexen Ginny. „Harry! HARRY! Was ist denn-„, ein gellender Schrei aus Entsetzen erfüllte die feuchte Luft als Ginny sich umblickte und Arthur Weasley regungslos dort liegen sah. Sie musste ihn sofort erkannt haben, wie es von einer liebenden Tochter zu erwarten war und Hysterie erfüllte ihren ganzen Körper, sie schrie, schrie sich das Entsetzen, die Trauer aus dem Leib, Harry in ihrer Nähe jedoch bemerkte nichts, vertieft in sich selbst, herausgerissen aus der realen Welt.
„CRUCIO“, ein roter Lichtblitz erfasste Harry, doch nicht einmal ein laut Drang aus seiner Kehle, er schien es kaum wahrzunehmen, dass ein verbotener Fluch ihn mitten im Kreuz getroffen hatte, gesprochen von keiner anderen als Narzissa Malfoy.
„DU MONSTER! ICH HABE GEGLAUBT DU WÄREST EHRENHAFT, Potter… Du – bist – ein – verdammter – Mörder!“, schrie sie und feuerte mit jedem Wort einen weiteren Schmerzensfluch auf Harry ab, dieser jedoch hatte nicht die Absicht sich zu wehren, wollte lieber sterben als dies Leid weiter zu ertragen. Der Tod war sicherlich leichter und vor allem könnte er Sirius wieder sehen. Er könnte James und Lilly endlich kennen lernen, er wäre zu Haus, wo er hingehört. In seiner Familie…
„HARRY, BITTE HARRY, NEIN!“, erreichten Schreie seinen Verstand. Es war Ginny die aufgesprungen war und Narzissa mit allen Flüchen beschoss, die ihr in den Sinn kamen. Ginny, drang es Harry in den Sinn, ich muss Ginny retten! Und mit einem Mal wandte Harry sich um und entgegnete der Mutter seines größten Schulfeindes eben den Fluch, mit dem sie ihm schaden wollte, Schreie des Schmerzes drangen aus ihrer Kehle, Schreie einer Frau, die ihm sonst nie etwas getan hatte. „TÖTE MICH WENN ES DIR DANACH VERLANGT! TÖTE MICH, ABER VERSCHONE MEINEN SOHN DAFÜR!“, schrie sie ihn an. „TÖTE MICH, ABER VERSCHONE HARRY!“, dröhnte es in Harrys Ohren. Die Stimme seiner Mutter, wie sie um sein eigenes Leben flehte schien aus dem Munde der Fremden zu dringen, die Stimme einer Mutter.
Sofort löste Harry den Fluch von ihr, taumelte in seiner Verzweiflung. Narzissa atmete schwer, sah ihn in Trauer und Hass zugleich an, flüsterte ihm zu: „Warum tötest du meine Familie aber lässt mich am Leben? Warum zerstörst du mein Leben?“ Doch Harry wollte ihr Leben gar nicht zerstören, er wollte einem anderen Jungen nicht auch das nehmen, wonach er selbst sich seit fünfzehn Jahren sehnte, selbst wenn er diesen Jungen nicht leiden mochte.
„Es tut mir Leid“, drang es aus seinem Munde, „Ich wollte niemals jemanden schaden…“
Ungläubigkeit tränkte Narzissas Augen, doch blitzte mütterliche Sorge durch, vielleicht im Bewusstsein, dass sie selbst und auch ihre Schwester dazu beigetragen hatten das Leben dieses Jungen zu zerstören, wo sie im Gegenzug jedoch um ihren eigenen Wohlstand bettelte.
Langsam, erhob sie sich, ihr schwarzes Spitzenkleid hing nass getränkt über ihren hängenden Schultern und mit unsicheren aber großen Schritten näherte sie sich dem fremden, völlig zerstörten Jungen, entgegen ihren Befehlen erhob sie ihre Hand und strich Harry Potter, ihrem destinierten Feind, über die nassen, schwarzen Haare, sinnte über ihre eigene Schuld am Tod zweier liebevoller Menschen.
Sicher hatte Narzissa Lilly und James gekannt, schließlich erzählte Severus immerzu von den Gemeinheiten des schwarzhaarigen und die elegante Art der begabten Hexe.
Harry schien kaum zu bemerken, dass Narzissa ihn zu trösten versuchte, vielmehr versank er in wiederkehrende Trauer… Trauer über seine verlorene Familie, Trauer über seine fehlende Kindheit, sein Glück.
„HARRY! OH GOTT!“, schrie Ginny mit einem Mal auf. Bellatrix Lestrange hatte sich erhoben, dem Tode wohl nicht die Hand gereicht. Auch Narzissa seufzte auf, wohl mehr aus Erleichterung als Schock, eilte zu ihrer Schwester, alle Gefühle der letzten Minuten völlig vergessen.
Harry erblickte verschwommen hinter seiner nassen Brille die zwei Gestalten der Frauen, konnte jedoch immer noch nicht klar denken, machte sich nicht bewusst, dass Bellatrix nicht durch seine Hand gestorben war, wohl weil Harry zu frĂĽh den Griff gelockert hatte.
Nur entfernt nahm er wahr, dass Ginny nun neben ihm stand, sich gegen seinen Arm drückte, zitternd, völlig entkräftet.
„TÖTE IHN SISSI! TÖTE DIESEN BASTARD!“, schrie Bellatrix mit heiserer Stimme, als wäre es ihr sehnlichster Wunsch. Doch ihre Schwester reagierte nicht. Narzissa Malfoy betrachtete aus der nebligen Ferne die Gestalt eines durchnässten, kaputten jungen Mannes, Harrys Gesicht verschwamm, sein Haar wurde hellblond, die Haut bleich, die Brille verschwand. Nun stand dort nicht mehr Harry Potter, sondern Draco. Draco Malfoy, ihr eigener Sohn den sie so über alles liebte. „TÖTE IHN!“, doch Narzissa wollte nicht. Es könnte ihr eigener Sohn sein, was wäre wenn sie und ihre Familie anstatt der Potters wären?
„Nein Bellatrix. Gehen wir nach Hause!“, flüsterte Sissi, dem entgegen blickte ihre Schwester irritiert, das Blut an ihrem Mund färbte den Boden rot, nasses, graues Gras erblühte unheilvoll, die neblige Luft war so kalt, so beißend, als wolle sie selbst die junge Frau zerfetzen.
Aus wilder Wut gellte ein Schrei aus Bellatrix Kehle, ein grüner Lichtstrahl erfüllte Harrys Umgebung, doch er wollte nicht ausweichen, wollte sterben, endlich seine Mutter umarmen können. Doch, da war doch was. Allein Ginnys entsetzter Schrei erweckte ihm zu neuem Leben und wie als hätte Harry unermessliche Kräfte entwickelt stieß er Ginevra aus dem Weg, das grüne Licht umhüllte seinen Körper, wärmte seine Eingeweide, verführte seine Sinne.
„NEIN, NICHT HARRY!“, erklang es aus zwei Frauenmündern, Narzissa aus mütterlichem Instinkt, Ginny aus unendlichem Schrecken, aber das störte Harry nun nicht mehr.
Wärme, helles Licht bargen ihn, gaben Harry ein Gefühl der Erleichterung. Ein Gesicht erschien vor seinen Augen, grüne Augen, seine Mutter! Harry lief auf die Gestalt zu, die ihm so bekannt erschien, doch je mehr er sich anstrengte dorthin zu gelangen, desto mehr entfernte er sich von seinem Ziel.
„Harry!“, erklangt eine vertraute Männerstimme und Harry blieb stehen, wandte sich zu seinem geliebten Paten um. „Sirius! Bist du’s wirklich?“, hörte Harry sich selbst mit einer merkwürdig entfernten Stimme sagen.
„Ja und nein“, antwortete der junge Mann ihm. „Harry, du darfst nicht nachgeben! Du bist zu stark dafür um jetzt alles aufzugeben!“, „Aber ich habe keinen Grund dort zu bleiben, ich will zu dir, Sirius! Ich habe doch schon versagt…“
Sirius blickte ihn traurig an. „Denkst du“, flüsterte er, „du hättest wirklich versagt? Arthur hätte alles für euch getan und auch sein Leben war ihm kein zu großes Opfer um seine Familie zu schützen, früher oder später wäre es eh passiert, Harry! Du kannst uns nicht alle beschützen, wir sind erwachsen und wissen was wir tun, aber du trägst keine Verantwortung für uns!“, „Aber ich bin der Grund warum meine Eltern sterben mussten“, erwiderte Harry erbost.
Ein Stich in der Magengegend machte ihm das jetzt erst bewusst. Wirklicht verantwortlicht für Tode war er nur bei seinen Eltern. Wäre er nicht gewesen, hätte Voldemort sie nicht töten müssen… ohne ihn hätten sie unter seiner Herrschaft trotzdem überlebt!
„Harry!“, erklang Sirius’ Stimme, „Du darfst nicht aufgeben! Kämpfe! Für mich, für deine Eltern, für Arthur und vor allem: kämpfe für die, die du wirklich liebst!“
Als Harry sich nun umdrehte erblickte er wieder diese grünen Augen, doch je mehr das Licht um ihn herum abebbte erkannte er einen Spiegel. Ein Spiegel in dem er sich sah. Nass, verzweifelt, voller Blut, aber lebendig, seine Augen voller Drang für das Gute zu kämpfen. Bereit jene zu retten, die noch übrig waren, bereit für Ginny sein Leben zu geben.
„DAS NÄCHSTE MAL ERLEDIGE ICH DICH SELBST, HARRY POTTER!“
„HARRY, NEIN, BITTE WACH AUF!“, hörte Harry Ginny vom weit her schluchzen. Als er seine Augen leicht öffnete benetzten große Tropfen seinen Augapfel, doch es war nicht der Regen, sondern Ginnys Tränen die dort brannten.
Im plötzlichen Bewusstsein wo er war schnellte Harry, zum Entsetzen von Ginny, hoch erblickte aber weder Bellatrix Lestrange noch Narzissa Malfoy, nur Arthur Weasleys lebloser Körper war noch da. Und Ginny, das Mädchen welches der Anlass für seine Mühe war. Das Mädchen, das er niemals wieder verlieren wollte.
„Ginny was-„, begann Harry verstummte jedoch bei Ginnys hektischen Kuss.
„Es wird alles gut“, schluchzte sie. „Gehen wir Heim… bitte.“
Harry hievte Mr Weasley hoch, doch wusste nun nicht recht wohin. Der Regen und der dichte Nebel machten es unmöglich einen Weg zurück zu finden, wie waren sie überhaupt hier her gelangt?
Auf der Suche nach einem Pfad blieb sein Blick bei einer schnell auf sie zu eilenden Person hängen.
Kaum zwei Meter von ihnen entfernt erkannte Harry die Person als Professor Minerva McGonagall, stellvertretende Schulleiterin seines Zuhauses, der Zaubereischule Hogwarts.
„Gott sei dank!“, rief sie und eilte noch schneller auf sie zu, „Harry, ist alles in Ordnung, Miss Weasley, ist ihnen – „, doch weiter kam sie nicht, als sie Arthurs toten Körper an Harrys Schulter bemerkte.
Nach einer kurzen Stille nahm sie die beiden jungen Magier an der Hand und sie disapparierte mit ihnen, Arthur Weasleys Leib drĂĽckte hart gegen Harrys Rippen und so war er froh als sie endlich mitten in Hogsmeade, dem einzigen Dorf nur besiedelt von Zauberern und Hexen, ankamen.
McGonagall erschuf eine Trage worauf sie Mr Weasley hinter sich herschwebend zur Schule transportierte.
Harry sah Ginny wie sie neben ihm lief, aufgelöst, schwach und so legte er seinen rechten Arm um ihre Schulter, in der Hoffnung ihr wenigstens etwas Halt geben zu können.
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