
von Bl00dyButterfly
„DU BIST MEIN!“, schreit Harry, sein kaltes Lachen schallt durch den ganzen Turm, in den weißen Händen hält er eine Kugel, neblig und rot.
„Mein Lord“, flüstert eine kleine Gestalt in der Nähe, „mein Lord, wir haben es sicher eingeschleust, jetzt kann nichts mehr schief gehen!“. Harrys hohes, erschauderndes Lachen erfüllt den Raum, hysterisch, voller Freude und mit einem beißenden Schmerz auf seiner Stirn.
„Harry Potter?“, Harry schreckte auf, sein Zauberstab bereit und direkt auf die Brust der Schwarzhaarigen gerichtet.
„Ich wollte dich nicht erschrecken, es tut mir Leid“, stammelte sie, fiel rückwärts aus der Hocke auf den Boden und betrachtete den Phönixstab mit Ehrfurcht.
„Was tust du hier“, fragte Harry, ohne sich wirklich dafür zu interessieren.
„Du warst so lange weg und das rothaarige Mädchen… Ginny… sie hat so doll geweint und immer wieder nach dir gerufen, selbst schlafen wollte sie nicht… da hab ich gedacht, ich schau’ nach dir… tut mir Leid!“, fügte sie hinzu als Harrys giftgrüne Augen die ihren trafen.
Jetzt bemerkte Harry, dass ihre Augenfarbe etwas Merkwürdiges an sich hatte. Das Rechte war smaragdgrün, das Linke aber hellblau. Kira bemerkte, dass Harry sie beobachtete, dass er wohlmöglich ihre Abnormalität entdeckt hatte und wand ihren Blick sofort ab, selbst bei der anschwellenden Dunkelheit konnte Harry erkennen, dass die blasse Haut auf ihren Wangen sich leicht rot verfärbte.
Er stand auf und ging an ihr vorbei, ohne auch nur ein Wort zu sagen, um wieder ins Schloss zu gelangen. Seine Narbe brannte so unendlich, dass er am liebsten in den kalten See gesprungen wäre, an dem er gerade vorbei kam, aber Dumbledore zählte auf ihn, vertraute darauf, dass er Dumbledores Armee stärkte und betreute. Sonst hätte Harry sein Vorhaben wohl in die Tat umgesetzt, mit dem Unterschied, dass er nie wieder hätte auftauchen wollen… wer brauchte ihn denn schon.
„Harry, endlich, wo warst du denn?“, empfing ihn Neville Longbottom mit einem besorgten Blick, der ihm gar nicht gut stand. „Dumbledore ist verrückt geworden, als er hörte, dass du in den Wald verschwunden bist. Doch er schickte lediglich Hagrid los, um die Grenzen zu bewachen… keine Ahnung was das sollte“, ergänzte er mit rätselhaftem Blick. „Dann ist diese Kira Lavellis losgegangen, murmelte etwas von wegen sie müsste Ginny trösten. Wo ist sie eigentlich?“, doch Harry hörte nicht mehr zu. Das Einzige was ihn noch interessierte war sein Bett, weit oben im Gryffindorturm.
Aber selbst dahin konnte er nicht mehr. Sicherlich war Ron schon oben und er war nun der Letzte den Harry sehen wollte.
Selbst sein Zuhause, seine besten Freunde waren kein Trost mehr für ihn…
„Harry? Harry komm schon, du kommst noch zu spät!“, Harry schreckte auf und erblickte den besorgten Blick Hermines über sich. Die zerknautschte rote Couch im Gemeinschaftsraum war in der Nacht seine Zuflucht gewesen und das war wohl auch der Grund warum er so schlecht geschlafen hatte. Quirrel, Snape und letztendlich Voldemort hatten ihn gequält, angeklagt für seine Unfähigkeit, hatten ihn ausgelacht.
„Harry nun komm schon, Flitwick wird schon auf uns warten!“, flehte Hermine ihn an, die Sonne schien in ihr Gesicht und ihre braunen Augen leuchteten unheimlich in diesem Schein. Mit wenig Elan erhob sich der Schwarzhaarige, ohne auf Bücher oder Feder zu achten schritt er hinaus, sein Zauberstab war heute sein einziger Begleiter.
Weder Flitwick noch Snape konnten ihn heute außer Ruhe bringen, die Ruhe war ab nun sein bester Freund, nicht mehr Ron oder Hermine.
Ron mit seiner neuerlichen Überheblichkeit und Hermine, die sowieso alles besser konnte… halt, war da etwa Eifersucht im Spiel? Wollte Harry vielleicht doch wirklich lieber der Beste sein? Nein, eigentlich war es ihm doch immer egal gewesen!
Oder doch, da war etwas gewesen… damals als die Vertrauensschüler zu Beginn seines fünften Schuljahres erkoren wurden. Harry wäre, wenn er vorher drüber nachgedacht hätte, der festen Überzeugung gewesen er hätte das Abzeichen verdient, doch Ron war es, der letztendlich mit Hermine den Posten für Gryffindor besetzte. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr, heute war es unwichtig, ob jemand besser war als er. Es war schon immer so gewesen und daran hatte er sich gewöhnt.
Die Sonne an diesem Tag schien ungewöhnlich und bedrohlich, ein roter Schimmer begleitete sie sogar am Mittag, erhitzte die Ländereien, seltsam kräftig für einen Herbsttag.
„Harry Potter?“, Professor Lestupido schien Harry eine Zeit lang beobachtet zu haben, ihr Blick war voller Wärme und mütterlicher Sorge, doch Harry war nicht interessiert an einer zweiten Molly Weasley.
Festen Schrittes flüchtete er den Korridor entlang, doch nur ein paar Meter weiter seines Weges wurde ihm wiederum dieser versperrt. Diese neue Professorin schien wie viele andere hier eine besondere Fähigkeit zu haben, wie Filch überall auftauchen zu können.
„Harry Potter?“, wiederholte sie, „ ich habe ein dringendes Anliegen mit dir zu reden! Folge mir bitte!“. Harry tat misswillig wie geheißen und folgte der schlanken Frau in die Kerker. Snape hatte hier immer sein Büro gehabt, sicherlich bevorzugter er es immer noch, doch als Professor Lestupido die Tür zu ihren Gefilden öffnete, strömte eine Wärme, eine willkommen heißende Aura in Harrys Gesicht, seine Ängste, seine Depression, seine Trauer verschwand und es schien ihm, als wenn niemals mehr etwas Böses an ihn herankäme.
„Tritt ein und setzt dich!“, Harry tat wie ihm geheißen und ließ sich in einen weichen, roten Lehnensessel fallen.
„Harry, ich weiß, dass du nun sehr überrascht sein wirst, warum ich dich das frage aber… was weißt du über den Orden des Phönix?“. Harry blickte argwöhnisch vom Boden auf. Ihre Augen waren so strahlend grün… so unendlich… schön… „Harry?“, Harry befreite sich aus dem fesselnden Blick und besann sich auf die Frage. „Eh… warum fragen sie nicht Professor Dumbledore oder Professor McGonagall, die können ihnen bestimmt mehr sagen…“, erwiderte er, aus Angst er würde zu viel verraten, schließlich war ihm diese Frau unbekannt und könnte genauso gut eine Spionin Voldemords sein.
„Ich möchte es aber von dir wissen… Harry“, sein Name aus diesem Mund, von diesen wunderschönen Lippen klang in Harrys Ohren wie verführerische Musik, unendlich und nur für ihn. Harry spürte, dass sein Mund offen stand, er hatte seine Lehrerin geradewegs angestarrt, welche nun mit hochgezogener Augenbraue immer noch auf eine Antwort wartete. „Der Orden des Phönix ist die größte Organisation gegen Lord Voldemort und seine Anhänger“, betete Harry unter diesem hypnotischen Blick herunter, „der Vorstand besteht aus den Professoren Dumbledore, McGonagall und Snape. Ihre größte Aufgabe ist es beide Welten, die der Magier und der Muggel, vor den dunklen Mächten zu beschützen.“
„Das hast du schön formuliert, das muss ich zugeben“, flötete Professor Lestupido in Harrys Ohren. Nein, eigentlich sprach sie nicht minder ernst als Dumbledore, was bildete er sich da nur ein. „Bist du auch in dieser Vereinigung?“, Harry blickte auf und sah zwei große, grüne, besorgte Augen sein eigenes Antlitz zu betrachten. „Nein“, antwortete er monoton, „ich darf nicht weil die Professoren es als zu gefährlich erachten, dass ich mich dafür einsetze“. „Dumbledore weiß genau, was er von dir erwarten kann und trotzdem traut er es dir nicht zu in den sicheren Orden einzutreten?“, „Warum wollen Sie das eigentlich wissen“, erwachte Harry aus der Trance „was interessiert es sie so ob ich in dem bescheuerten Orden bin oder nicht? Gehen sie doch zu Dumbledore, der weiß alles!“, er sprang auf und sprintete zu Tür, doch bevor er diese öffnen konnte hörte er sie Engelsstimme hastig zu ihm sprechen: „Harry ich weiß, dass du im Moment sehr verwirrt bist und das nehme ich dir auch nicht übel! Ich will dir wirklich nur helfen. Ich – „ doch Harry hatte die Tür schon hinter sich zugeschlagen und machte sich auf den Weg in die Ländereien. Wenigstens Hagrid würde ihn verstehen, er würde ihn nie solche sinnlosen Dinge fragen.
„Harry Potter, wohin willst du?“, flüsterte eine bekannte Stimme. Kira stand hinter einem Baum nahe Hagrids Hütte und schien nur auf ihn gewartet zu haben, doch bevor Harry auch nur antworten konnte wandte das dürre Mädchen ihren Kopf Richtung Schloss und Harry ahnte schon, dass sie nicht lange allein bleiben würden. „Harry, ich habe dich schon überall gesucht!“, erkannte er Hermines Stimme, halb erzürnt, halb entsetzt. „Was treibst du hier? Und warum stehst du hinter einem Baum?“, blaffte sie Kira an. Harry sah Hermine an. Noch nie hatte er erkannt welche erstaunlich klaren braunen Augen seine alte Freundin hatte. Ihr braunes Haar war nun viel glatter und hüftlang, ganz anders als er sie kennen gelernt hatte. Da waren sie buschig und schulterlang. Ihre Hüfte hatte sie zur Seite gedreht und ihre feinen Hexenhände in dieselbige gestützt. Noch nie hatte Harry bemerkt, dass Hermine eigentlich eine wunderschöne Frau war, eine Frau die all die Zeit immer an seiner Seite war. Auch jetzt war sie bei ihm, entgegen ihrem natürlichen Impuls Ron wegen stand sie zu Harry. Hermine war schon immer so loyal gewesen, klug, hübsch und dazu noch seine beste Freundin. „Hermine“, platzte es aus ihm heraus, bevor er überhaupt wusste, was er sagen wollte. Die Hexe drehte sich zu ihm und hob die Augenbrauen. „Hermine du… siehst heute echt wunderschön aus.“ Hermines Blick war niemals so überrascht, noch nie hatte es so eine Situation gegeben, in der sie keine Antwort wusste. Kira schlich langsam Richtung Schloss und murmelte etwas von wegen „Ich lass euch dann mal allein“ und Harry war Hermine hilflos ausgeliefert. „Harry, was… wie kommt es, dass du… ist wirklich alles in Ordnung?“, stammelte diese.
Doch kein Wort trat über seine Lippen, vielmehr spürte er ein Verlangen nach dieser wunderschönen Hexe, nach ihren Lippen, ihren Hüften. „Harry! Was… wohin starrst du!?“, flüsterte Hermine entsetzt über den immer tiefer wandernden Blick ihres alten Gefährten. Wobei Gefährte für sie kein passendes Wort war, vielmehr würde Hermine den Gezeichneten als einen Bruder bezeichnen, fühlte sie schließlich nur eine freundschaftliche Liebe ihm gegenüber.
Doch anstatt einer Antwort erhielt Hermine eine zärtliche Berührung an der Wange – Harry hatte es nicht wirklich gewollt, doch flossen seine Finger sanft über die Haut seines Gegenüber, sein Blick wanderte zurück zu ihren roséfarbenen Lippen, die nur sehnsuchtsvoll auf ihn warteten.
„Warte, ich glaube nicht, dass du das wirklich tun willst, Harry bitte!“, flüsterte Hermine entsetzt, als sie den verlangenden Blick Harrys erblickte, hatte sie sich unbewusst herausfordernd bewegt, sodass er glaubte, sie würde ihn Küssen wollen?
„Nimm mich, Harry Potter“, klang es in Harrys Ohren wie Engelsgesang und er zog Hermine nah an sich heran.
Eine Art Trance musste ihn dazu getrieben haben, versuchte die hübsche Frau ihn doch eigentlich die ganze Zeit davon abzubringen eine solche Dummheit zu begehen.
Doch entgegen ihres eigenen Willens trafen sich die Lippen der jungen Magischen, innig und zärtlich. Wollte Hermine nicht letztendlich auch seine Hände an ihren Hüften spüren? Sie bemerkte eine plötzliche Sehnsucht nach seiner Nähe und erwiderte diese intimen Gesten.
Die Zeit schien still zu stehen, der langsam anbrechende Sonnenuntergang in seinem glühenden Rot hüllte diesen Moment in ein Farbenspiel von größter Leidenschaft, ganz still, heimlich, ungesehen.
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