
von Bl00dyButterfly
„Fünf Punkte Abzug für Gryffindor, und wehe so etwas geschieht noch einmal in meinen Kerkern“, zischte Snape, als Neville es wieder einmal geschafft hatte die Zutaten für den Aufheiterungtrank in falscher Reihenfolge in den Kessel zu werfen, sodass die Suppe darin aufschäumte und giftgrün über den Rand sickerte. Professor Lestupido schien sich an diesem Tag frei genommen zu haben, denn Snape war es der zu Beginn der stunde durch die Tür schritt,
„Harry, hilf mir, bitte, ich hab Angst dass ich es wieder falsch mache“, flüsterte Neville der mit Harry zusammen arbeiten sollte, es aber nur sehr halbherzig beobachtete wie Neville alles versaute.
Der Tag schien sich wie Kaugummi dahin zu ziehen, ohne Rücksicht auf den leidenden Schwarzhaarigen, der nur noch eines im Sinn hatte – das Leben so wenig wie möglich zu nutzen. Es war ihm egal geworden wie er die Schule abschließen würde, oder was passieren würde wenn er sich einfach in den schwarzen See fallen lassen würde ohne die Absicht zu schwimmen.
„Harry Potter?“, erklang es hauchend neben Harrys Ohr als er gerade planlos einen Gang entlanglief und Kira hinter ihm erschienen war. Fast, dachte Harry, könnte man sie zu Loony Lovegood umbenennen, denn dieser war sie in ihrer verträumten und gar zu unheimlichen Art zum verwechseln ähnlich.
„Harry Potter?“, flüsterte sie noch einmal und sah ihn unverwandt aber seelenruhig an. „Ich muss mit dir reden! Jetzt, sofort!“, und ohne auf eine Antwort abzuwarten zog sie ihn in ein leeres Klassenzimmer ganz in der Nähe. Auch wenn es Harry eigentlich ganz egal war, konnte er von Glück reden, dass er gerade eine Freistunde hatte, sonst würde diese Aktion nur noch Strafen mit sich ziehen.
„Du hast Miss Lestupido sicherlich schon kennen gelernt oder?“, flüsterte Kira während sie noch durch die Tür auf den Gang spähte, als erwarte sie, dass eben jene urplötzlich auftauchen könnte.
„Und?“, erwiderte Harry ungeduldig, „was ist an ihr so besonders, ausser dass sie der erste Zaubertranklehrer ist, der mich leiden kann.“ Nun wandte sie sich um und sah ihm direkt in die Augen und wieder bemerkte Harry wie merkwürdig es wirkte, dass sie zwei unterschiedliche Augenfarben hatte.
„Es ist so, dass… dass die Professorin anders ist als die anderen. Sie… naja, sie hat mich vorhin in ihr Büro gerufen –„, das ist nichts ungewöhnliches, das macht jeder Lehrer doch irgendwann mal.“, zischte ihr Harry dazwischen. Kira wirkte nun verwirrt und schien in einen Tagtraum verfallen. Harry räusperte sich gereizt und Kira zuckte zusammen. „Jedenfalls“, fuhr sie fort als wäre nichts gewesen, „hat sie mich ausgefragt, über… dunkle Künste und… und irgend einen komischen Orden und sie hat mich die ganze Zeit so merkwürdig angeblickt“ und auch ihr Blick schweifte in die Ferne, „als wollte sie mich hypnotisieren…“
Harry wurde es allmählich zu bunt und er überlies Kira ihren Träumen und verschwand zurück in den Gemeinschaftsraum.
Doch das schien ebenso eine Fehlentscheidung gewesen zu sein, denn hier fand er Hermine, Ron und Ginny mit sehr schlechter Laune vor.
Wütend blickten sie ihn an, wie sie da im Kreis um das Kaminfeuer saßen und keiner sagte ein Wort.
„Was ist? Habt ihr Krämpfe oder was ist los?“, blaffte Harry, sodass alle zusammenzuckten. Hermine hielt einen Brief in die Höhe, der schwer nach einer schlechten Nachricht aussah. „Ich hab ihn einfach aufgerissen, weil Creevey mir ihn in die Hand gedrückt hat“, murmelte Ron, als wäre dieser Gedanke abscheulich. Harry entriss Hermine den Brief, entfaltete ihn und war der Ohnmacht nahe.
Harry Potter,
komme heute Abend um neun zum Slytherin Kerker, Goyle wird dort auf dich warten.
Ich habe etwas mit dir zu besprechen was mir sehr wichtig ist, aber wehe du erzählst jemanden davon!
Draco Malfoy
Der Gedanke allein, dass Draco ihm einen Brief schrieb war schon zum kotzen, doch dass er jetzt auch noch mit Harry allein reden wollte war zuviel des Guten, obwohl sich diese Nachricht nicht danach anhörte, als wolle Malfoy ihm eine Falle stellen, schließlich war sogar die beschriebene Uhrzeit von neun Uhr nicht gegen die Hausregeln, insofern es sich nicht eine Stunde lang hinzog.
„Harry, geh da nicht hin, das kann nichts gutes bedeuten“, flüsterte Ginny ihm zu. Ihre haselnussbraunen Augen waren so voller Sorge, dass Harry fast auf die Idee gekommen wäre sie in den Arm zu nehmen und zu küssen. Doch das widersprach seinen jetzigen Vorsätzen, grad in der Blütezeit von Voldemorts Rückkehr, obwohl dies auch gut zu Malfoys Intentionen passen könnte. Dennoch entschied Harry sich für den Slytherin und wanderte ohne ein weiteres Wort aus dem Gemeinschaftsraum und schlenderte durch die Korridore, bis seine nächste Unterrichtsstunde beginnen würde.
Die Tatsache, dass er Zaubertränke doch hatte belegen können, da Snape jetzt sein Lieblingsfach unterrichtete, stimmte ihn etwas milder, da die Aussicht auf eine Stelle als Auror für ihn realer geworden war. Zwar lag ihm kaum etwas daran irgendwelche Ziele zu verwirklichen, jedoch war sein einziger Lichtblick die Fantasie an seine Karriere als Jäger von Schwarzmagiern, vor allem als Fänger von Bellatrix Lestrange, die er eigenhändig quälen wollte; hätte er sie doch umgebracht als er die Möglichkeit dazu hatte…doch er war tatsächlich ein Feigling gewesen. Sie war doch eh nichts wert und so hätte er seinen letzten ´Verwandten´ rächen können, egal wie abgründig dieser Mord gewesen wäre, er hätte ja nicht einmal seinen Zauberstab benutzen müssen… sie stand ja so nahe vor dem Tode…
Die Zeit ließ Harry an diesem Tage im Stich und so war es schon kurz vor neun und er kam jetzt einfach nicht mehr drum herum sich zu entscheiden: Ginny oder Malfoy. All die Zeit bis zu diesem Moment hatte Hermine ihm zugeredet, dass es unklug wäre Malfoy zu vertrauen und dass er sie und Ron zumindest mitgehen lassen sollte, nur um sicher zu sein, dass ihm nichts passiert. Aber Harry hatte ihr nie geantwortet und so mussten seine ehemals besten Freunde, von welchem Begriff sich Ron mit Genugtuung entsagt hatte, zusehen wie der Retter der Zaubererwelt stumm dasaß und auf den Moment wartete in dem er die Möglichkeit hatte in die Kerker zu verschwinden oder sich zu besinnen und in den Schlafraum hinauf zu gehen.
Doch Malfoy schien Harry an diesem Abend mehr zu interessieren als jemals in der letzten Zeit es irgendetwas nur ansatzweise getan hatte.
Als er nun langsam aus dem weichen Sessel in der Dunkelheit des Gemeinschaftsraumes aufstand und Richtung Porträtloch ging, wand Ginny sich um und blickte über die Sofalehne zu ihm hin, etwas Trauriges huschte über ihr Gesicht, verschwand aber sofort wieder, als wenn es aussichtslos wäre ihm nachzutrauern.
Wie in Zeitlupe erschien es Harry als er die Gänge entlangging, hie und da einem Geist begegnend. Schließlich erblickte er Goyle, der unruhig vor einer blanken Wand stand und sich dumpf umsah. Bei Harrys Erscheinen wandte er sich für seine Körperfülle recht schnell um und lief in die entgegen gesetzte Richtung aus der Harry kam, welcher nun schnellen Schrittes folgte.
An einem Kerkerraum angelangt, zeigte Goyle auf die Tür und verschwand, wie es schien, sehr erleichtert.
Harry betrat den Raum, welcher nur von zwei Kerzen auf dem Lehrerpult erhellt war. Und eben dort stand Malfoy, mit dem Rücken zu Harry gewandt.
Dieser blieb einen Meter vom Tisch entfernt stehen und räusperte sich. Draco zuckte zusammen und drehte sich mit einem Schwung um, sodass sein Umhang um seine Beine spielte, sein Gesichtsausdruck schien darauf schließen zu lassen, dass er über die Anwesenheit seines Erbfeindes erleichtert war und ein leichtes Lächeln umspielte seinen Mund.
„Ich bin froh, dass du doch noch gekommen bist. Granger hat angedeutet, dass du lieber mit einem Basilisken kämpfen würdest als dich allein mit mir zu treffen.“, ein belustigtes Zittern lag in seiner Stimme.
Harry blickte ihn an und wartete auf eine Begründung dieses Treffens, doch Malfoy blickte sich nur nervös im Raum um. Noch nie hatte er den Blondschopf so ruhig und unsicher erlebt, jedenfalls nicht wenn es um das Triezen von Harry selbst ging.
„Jetzt mach’s Maul auf Malfoy oder ich gehe wieder!“, fauchte Harry genervt und sein Gegenüber schreckte auf, trat aber mit einem Satz näher und fesselte Harrys Blick an sich. Ihm war noch nie aufgefallen wie klar Malfoys Augen waren. Kalt aber unheimlich anziehend. Fast fürchtete Harrys, dass ihm das Selbe wie bei Hermine passieren würde, dich ohne eine Sekunde darüber nachdenken zu können spürte er Dracos Lippen auf den seinen. Warm und feucht aber nicht zwingend unangenehm. Geschockt von der Reaktion seines Feindes aber schob Harry Draco von sich, welcher ihn nur verwirrt anblickte. „Habe ich was falsch gemacht? War es dir nicht gut genug?“, begann der Blondschopf und sein Gesicht verzerrte sich zu einer wütenden Grimasse und er schrie, dass es an den Wänden widerhallte: „IST DIR DIESE GRANGER DENN SO VIEL LIEBER ALS ICH? ICH HABE ALL DIE JAHRE GELITTEN, VERSUCHT ES ZU VERBERGEN, MICH SELBST DAZU GEBRACHT DICH ZU HASSEN WEIL MEIN VATER ES AUCH TUT! Aber ich kann es nicht, Potter…“, fügte er leise hinzu. Seine Wangen waren gerötet vor Anstrengung und Scham und er blickte frustriert zu Boden. An seiner Schläfe pochte eine Ader, so als wolle sie zerspringen, ihn in einem roten Fluss ertränken für diese Erniedrigung, für all diesen Schmerz den er dem Slytherin zufügte.
„Malfoy,“ begann Harry, ohne wirklich zu wissen was er eigentlich sagen wollte. „Hör zu ich… ich bin nun mal nicht schwul!“, sprach er laut und sah Draco direkt und fest an. Er verstand überhaupt nicht warum er sich entschuldigen sollte, es war doch nicht sein Problem wenn dieser Idiot Hormonstörungen hatte. Er hatte ihn zu lange genervt als dass Harry ihm nun verzeihen könnte.
Draco hingegen betrachtete weiterhin beschämt den kalten Kerkerboden, versuchte den Tränenschwall zu unterdrückten, der sich bei diesen Worten anbahnte. Und unter all dem Druck musste er nachgeben. „Gut… also… dann bitte, sag niemanden etwas davon! Wenn mein Vater das erfährt wird er mich umbringen lassen“, flüsterte er noch immer nach unten starrend und Harry, ganz perplex über diesen abermaligen Sinneswandel sah sich eingeschüchtert um, nur um etwas zu tun zu haben. „Bitte, erzähle es niemandem!“, bat Draco abermals, diesmal den Schwarzhaarigen anblickend. Harry konnte nicht anders als dieses Häufchen Elend anzusehen. Ein ehemals so stolzer junger Mann, voller „reinem“ Blut, voller „edler“ Moral, voller Hass gegenüber denen die besser waren als er. Immer hatte Harry geglaubt Draco würde ihn piesacken weil Harry ein Gryffindor war, sich gegen Dracos Freundschaftsangebote entschieden hatte, weil Dracos Vater ein Todesser war und er selbst dessen Gebieter mehrmals besiegt hatte.
Harry drehte sich auf dem Absatz um und verließ raschen Schrittes die Kerker, den Sohn seines Widersachers im Unwissen zurücklassend.
Er war ihm nichts schuldig, warum also sollte er nicht als Gegenzug jedem das kleine Geheimnis erzählen?
Sollte er dem Slytherin nicht endlich das geben, was er verdiente? Seinen eigenen sozialen Tod?
„Wie konntest du nur zu ihm gehen? Ganz allein, oh Harry du bist doch verrückt!“, keuchte Hermine als Harry den Gemeinschaftsraum betrat. Wie es schien hatten sie allesamt auf seine Rückkehr gewartet, wobei Ron in einem abgewetzten Sessel eingeschlafen war, den schnurrenden Krummbein im Schoß.
Doch Harry störte es nicht was Hermine dachte, es war ihm auch egal, ob sie sich überhaupt wirklich um ihn scherten.
„Was wollte er von dir?“, hauchte ihm auf halbem Wege zum Schlafraum eine Stimme ins Ohr, dass es ihm kalt den Rücken hinunterlief. Noch immer schien allein Ginnys Stimme ihn verrückt zu machen und sein Herz pochte so heftig, als wolle es aus seiner Brust springen. Wie gern wäre er jetzt mit ihr allein… in einem dunklen Raum, ohne Sorgen, ohne Ängste… allein mit ihren Berührungen, mit ihren zärtlichen Lippen, ihrer geschmeidigen Hüfte… „Harry?“, drängte Ginnys Stimme.
„Er… er wollte Hausaufgaben, hat sich nur nicht getraut jemanden von seinen Leuten so offen zu fragen“, antwortete er, im Bewusstsein dass das sie dümmste Ausrede war die ihm je eingefallen war. Doch schien sich Ginny damit abgefunden zu haben, denn sie wandte sich an ihm vorbei zu ihrem Schlafsaal, ihr feuerrotes Haar hinter sich schwingend, sie Arme um sich geschlungen, den unglaublich sanften Blick gesenkt. Warum konnte er ihr nicht folgen, mit ihr allein sein? Warum …
„Hey Alter, schön dass du dich an uns erinnert hast!“, murrte Rons Stimme hinter ihm und zog Harry am Arm in Richtung der Schlafsäle. „Was wollte Malfoy wirklich?“, hakte der ex beste Freund indem er sich auf sein eigenes Bett schmiss und Harry unwillkürlich misstrauisch anstarrte. „Er…“, Harry war sich unschlüssig ob er Draco wirklich verraten wollte, „er hat mich einfach verarscht, das war alles, hat seine Nacharbeit bei Lestupido auf mich abgeschoben… Froschlaich konservieren…“, sagte er leise. Ron schien das zufrieden zu stellen und er glotzte empört. „Was für ein Arschloch“, murmelte er und war eingeschlafen.
Harry lag noch lange wach und starrte an seinen Baldachin ohne ihn wirklich zu beachten. Er dachte an Ginny. War er letztendlich genau so wie Malfoy? Hatte er sie geliebt und es nur nie wahrhaben wollten? Und jetzt, da alles zu spät war wünschte er sich die Nähe zu ihr. Hatten Draco und er wohl doch mehr gemeinsam als sie gedacht hätten? Draco liebte Harry, doch Harry verlangte es nach Ginny. Und was war mit ihr? Wen wollte Ginevra?
Glitzernde Sterne spiegelten sich in ihren haselnussbraunen Augen, die sich so sehr nach Nähe sehnten. Warum wollte er sie nicht? Waren es nur Neugier und sexuelles verlangen, die ihn dazu getrieben hatten? Vielleicht war sie auch nicht wertvoll genug für ihn. Ginny zog ihre Beine nah an ihren schlanken Körper, presste die Knie an ihre wohlgeformten Brüste, ihr seidenglattes Haar glitt über ihr Gesicht, eine einzelne Träne fiel auf den Fenstersims.
Schon damals auf dem Bahnsteig hatte sie gewusst, dass dieser schwarzhaarige, schüchterne Junge etwas Besonderes war. Seine geheimnisvoll glitzernden grünen Augen hinter der zerkratzen Brille hatten sie schon damals, wenn auch nur flüchtig, so verheißungsvoll angeblitzt. Und was war in ihrem ersten Schuljahr gewesen? Hatte er sie da nicht vor Tom Riddle gerettet? Der Junge, dem sie beinahe alles anvertraut hatte? Riddle hatte sie damals so schamlos ausgenutzt; auch er wollte Harry. In dieser fast aussichtslosen Situation in der sie so schwach gewesen war, war ihr Held gekommen, mit Engelszungen zischend hatte er sich den Weg zu ihr gebahnt, hatte den Basilisken, das Biest der Kammer bezwungen, nur um sie zu retten.
Und was waren seine Worte? Ginny erinnerte sich an sein schmerzverzerrtes Gesicht, doch seine Augen waren so verlangend gewesen. „Keine Angst Ginny, es ist vorbei, jetzt bin ich ja bei dir!“, hatte er ihr zugeflüstert. Und sein Gesicht war dem ihren so furchtbar nahe gewesen, warum hatte er sie nicht einfach geküsst? Warum hatte er seine Hände, die schon damals so zärtlich ihre Wange berührt hatte nicht tiefer gleiten lassen? Sie hätte ihm alles gegeben… alles…
Neben ihr regte sich eine ihrer Klassenkameradinnen und seufzte im Schlaf.
Wenn liebe greifbar wäre, dann hätte sich mich mit ihrer Sehnsucht schon lange getötet, dachte Ginny. Wenn Liebe greifbar wäre, hätte sie meine Seele schon lange zerissen…
Ron wachte auf, mit Schmerzen die ihn fast ohnmächtig werden ließen.
Wenn Hunger jemals tödlich wäre, dann wäre ich jetzt schon dran gestorben, dachte er sich…
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