
von Bl00dyButterfly
„Was machst du denn hier, weißt du nicht mehr, dass Hagrid uns sehen wollte?“, ertönte Hermines Stimme und Harry sprang vom Bett, einzelne Fotos mit grinsenden Sirius’ oder lachenden Lupins flatterten auf den Boden hinab.
Tatsächlich hatte Hagrid den Dreien an diesem Morgen per Eule einen hastig gekritzelten Brief zukommen lassen, in dem er sie bat noch heute Nachmittag zu ihm zu kommen.
„Ich… es gibt wichtigeres als dem zuzuhören“ sprach Harry und starrte weiterhin auf die Fotos am Boden.
Hagrid nicht mehr beim Namen zu nennen hatte er sich nach dem schockenden Vorfall vor wenigen Wochen angeeignet; er wollte dem Halbriesen eigentlich so gut es ging aus dem Weg gehen.
„Harry, bitte hör auf dich wie ein Kind zu benehmen, vielleicht braucht er Hilfe und das ist nun wirklich erst einmal wichtiger als irgendwelche kleinen Fotos“ und Harry wandte sich zu ihr um, eine Wut wie er sie schon seit langem in sich trug brach auf einmal aus ihm heraus: „NICHTS IST WICHTIGER ALS MEINE FAMILIE! GEH ZU DEINEM MONSTERFREUND UND SAGE IHM, DASS ES MIR SCHEISSEGAL IST WENN ER IRGENDEINEM VIEH HINTERHERHEULT!“.
Hermines Augen wurden von Wort zu Wort größer und zeigten blankes Entsetzen.
Einen Moment lang, nachdem Harry geendet hatte und schwer atmend mit geballten Fäusten vor ihr stand, stand sie dort und starrte ihn nur an, Tränen glitzerten in ihren Augenwinkeln.
Es waren aber keine typischen naives-Mädchen Tränen, sondern salzige Tröpfchen aus Angst und Enttäuschung über diese Anwandlungen ihres besten Freundes.
Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, verschwand aber dann mit wehendem Umhang aus dem Schlafsaal und hinterließ einen verwirrten jungen Mann.
Was war nur in ihn gefahren? Hermine konnte nichts dafür, dass Hagrid in ihm solch ein Unbehagen auslöste, noch weniger konnte sie dafür, dass seine fehlende Familie ihn so frustrierte.
Erschöpft warf er sich auf sein Bett, ein kleines Seidentüchlein hüpfte auf dem Laken als sein Körper dieses berührte.
Der hölzerne Stab darin lugte ein wenig hervor und Harry nahm ihn in die Hand, drehte ihn und betrachtete jede Kontur in diesem wunderbaren Werkzeug der Magie. Man brauchte ihm nicht zu sagen was er damit sollte – es war Lily Zauberstab gewesen, da war er sich ganz sicher. Doch wie war Sirius da dran gekommen? Und wo war der seines Vaters?
Harrys Augen wurden schwerer je länger er das Holz betrachtete und er sank in einen unruhigen Schlaf.
Eckstein, Eckstein, Harry finde mich…
Sein Kopf dröhnte und ein heftiger Schmerz pochte an seinem Hinterkopf.
Irgendetwas Hartes hatte ihn getroffen und unsanft geweckt, die Dunkelheit hatte das Zimmer schon vollkommen eingenommen.
„Au, was…“, er drehte sich auf den Rücken und sah in den Raum hinein und nahe der Tür funkelten ihn zwei grausame, rot glühende Augen an.
Als die Gestalt näher kam und ins Mondlicht trat, das durch ein Fenster fiel erkannte Harry Ron, das Gesicht zu einer wütenden Grimasse verzogen, die Hände geballt, der Zorn schwoll in heißen Wellen aus ihm heraus.
„Ron, was soll das, hast du nicht mehr alle“, er sprang vom Bett, nach seinem Zauberstab in seiner linken Hosentasche greifend, doch er war nicht schnell genug.
„Expelliarmus“, flüsterte Ron und Harrys Stab landete in einer dunklen Ecke. Er richtete seinen eigenen Stab direkt auf Harrys Kehle und begann zu zischen: „Was denkst du wer du bist Hermine so anzuschreien und Hagrid als Monster zu bezeichnen?“, seine Augen schienen wirklich Feuer gefangen zu haben, „was fällt dir ein deine belanglosen Interessen über Probleme zu stellen, die uns alle in Gefahr bringen?“
Harry wusste nicht was er antworten sollte, doch das war nicht mehr nötig als Neville die Tür öffnete und ein Lichtstrahl auf die beiden warf.
„Hey, was geht denn hier ab? Ron leg den Zauberstab weg, du wirst Harry noch verletzen“, doch Ron interessierte sich nicht für dessen Worte und wandte seinen Blick wieder Harry zu, zornig, mordlustig und finster.
Neville zögerte nur Sekunden und schwang sich wieder die Treppe hinab während Harry langsam nach dem Stück Holz griff, das seinen Adamsapfel piekste.
„Hör zu, du verstehst nicht –„, „Ich verstehe nicht? Ich verstehe sehr wohl Mister Superpromi“, unterbrach ihn der Rothaarige.
„Ich hatte gehofft meine Wut auf dich käme von irgendeinem fehlgeleiteten Zauber, aber jetzt sehe ich, dass ich sehr wohl Recht hatte. Du bist und bleibst ein rücksichtsloses, selbstsüchtiges Arschloch, das allen Ruhm für sich will und seine Freunde dafür sogar im Stich lässt, obwohl sie es sind die ihm oft genug den Arsch retten.“
Harrys Gesicht wurde heiĂź, Ron wusste genau, dass das nicht stimmte, Harry hatte im Moment einfach keine Nerven fĂĽr Probleme anderer.
„Ronald, weg mit dem Stab, sofort!“, erklang eine glockenhelle Stimme, durch Wut jedoch unschön verzerrt.
Ginny stand mit den Händen in die Hüften gestemmt in der Tür, dicht hinter ihr Neville in den Raum starrend.
Ron ließ den Zauberstab langsam sinken und Harry atmete tief ein, jedoch sank sein Herz tiefer als er Ginnys Blick plötzlich auf sich gerichtet sah.
„Und du…“, sie ging langsam auf ihn zu, „du solltest dich wirklich schämen so mit Hermine und Hagrid umzugehen! Was ist eigentlich mit dir los?“
Sie war ihm nun so nahe, dass er ihr blumiges Parfum riechen, ihre seidige Anwesenheit auf seiner Haut prickeln fĂĽhlen konnte.
Einen Moment lang war er versucht sich zu ihr zu beugen und sie zu kĂĽssen, aber das war nun wirklich nicht der richtige Zeitpunkt dafĂĽr.
„Ginny ich… es war keine Absicht, ich weiß nicht warum –„, „egal welchen Grund es hatte, du solltest dich bei beiden entschuldigen!“, unterbrach sie ihn, schwang herum und verschwand mit rot schimmerndem Haar aus den Gemächern.
Die drei Jungen waren nun wieder allein und zu Harrys Erleichterung warf Ron sich schweigend auf sein Bett und zog die Vorhänge zu. Neville hingegen blieb weiterhin in der Tür stehen, unschlüssig darüber ob es klug war im Raum zu bleiben.
Doch auch Harry legte sich auf sein von Fotos übersätes Bett und sagte kein Wort mehr.
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