
von Bl00dyButterfly
Schneeflocken zierten die groĂźen Fenster des Schlosses und erhellten das Innere mit kĂĽhlem Licht.
Noch immer mied Harry die Gegenwart seiner Freunde und vor allem die Hagrids, denn er konnte sich wirklich nicht entschuldigen; was sollte er ihnen denn sagen?
Tut mir Leid, ich war besessen von irgendwelchen Mächten, die mich dazu bringen es mit kleinen Mädchen und Malfoy zu treiben, meine Freunde anzuschreien und alles um mich herum im Stich zu lassen.
Ja sicher, das wäre echt eine super Erklärung die alles besser machen würde, dachte er.
Die Essenszeiten beachtete der junge Zauberer nicht mehr und wanderte in den nun verschneiten Ländereien umher; hatte er wirklichen Hunger schlich er sich einfach in die Küche und ließ sich von den Hauselfen verwöhnen.
Hedwig war seit geraumer Zeit kaum noch im Eulenturm anzutreffen, auch sie schien sich gegen Harry verschworen zu haben.
„Hey, Potter, mach dass du ins Schloss kommst“, dröhnte Hagrids Stimme aus dem Schneegestöber und seine Umrisse waren schwer zu erkennen.
Die Gestalt wurde größer und langsam konnte Harry seinen eisigen Blick erkennen und er wandte sich schnell dem Schloss zu um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.
„Wenn ich dich hier noch mal erwische melde ich es dem Schulleiter!“, fuhr der Halbriese fort, „mit Monstern solltest du dich nicht abgeben!“
Harry blieb stehen, umgeben von kalten gefrorenen Flocken, seine Kleidung war nass und lieĂź ihn zittern.
Er konnte es nicht ertragen wie Hagrid mit ihm sprach, wollte seine eigenen Fehler einfach nicht weiter wachsen sehen.
„Hagrid, es tut mir leid“, schrie er durch die eisigen Winde in Richtung des schwarzen Berges.
Keine Antwort kam und er war sich sicher, dass der Wildhüter es genau gehört hatte und einfach beleidigt war.
So wandte der Junge sich wieder um und stapfte auf den Schatten zu, der einfach nur da stand und weder sprach noch einen Schritt tat.
„Hagrid, es war wirklich nicht so gemeint,“ fuhr Harry fort als er vor dem großen Mann stand, der finster zu ihm herab blickte, „du hast mir einfach einen riesigen Schrecken eingejagt als du von meinem Tod sprachst, ich hatte einfach Angst dir zu begegnen“. Sich das einzugestehen wäre ihm eigentlich nicht mal im Traum eingefallen, aber nun sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus und eine Leichtigkeit breitete sich aus.
„Komm mit, Potter! Der Schulleiter verhext mich, wenn er erfährt, dass du wegen mir krank wirst“ und Hagrid ging zu seiner Hütte, Harry folgte ihm durch seinen Schneegraben.
Die ĂĽbergroĂźe Tasse zerbrach fast, als Hagrid sie auf dem Tisch abstellte, der Tee schwappte leicht ĂĽber.
„So, Angst hast du vor mir, eh?“, nuschelte er, „als hätte ich nicht immer versucht dich vor allem zu retten, so dankt man es mir also.“
Harrys Gesicht rötete sich bei dem Gedanken wie oft Hagrid ihm tatsächlich geholfen hatte, wie oft er für ihn und seine… Freunde … da gewesen war.
„Es tut mir wirklich Leid, Hagrid, ich weiß nicht was mit mir los ist… alle sind im Moment so merkwürdig.“, der Boden polterte als sich der Riese zu ihm umwandte.
„So, und das ist der Grund warum du mich bei McGonagall ankreidest für irgendwelche Hirngespinste? Ich und Harry Potter ermorden, pah“, seine Stimme donnerte und vibrierte vor Entrüstung.
„Aber… das hast du… erinnerst du dich nicht an den Abend wo du mir sagtest…“, er versuchte sich genau an Hagrids Worte zu erinnern, „für mich sei hier kein Platz mehr und… wenn ich bliebe wäre ich meinem Tod sehr nahe…“.
Hagrids Blick spiegelte blankes Entsetzen wieder: „Das habe ich nie gesagt, Potter! Was bildest du dir eigentlich ein?“
Da war es wieder, dieses unausweichliche Problem, dass Leute sich nicht daran erinnern ob und warum sie etwas gesagt haben.
Aber wie sollte er dem WildhĂĽter klar machen, dass er nicht log?
Es klopfte an der Tür und Kira trat unsicher ein: „Professor Dumbledore schickt mich, er sagte, er müsse Sie dringend sprechen, Hagrid.“, ihr Blick wanderte unsicher zu Harry, der sein Gesicht in den Händen verborgen hatte und keine Minute an dieses Mädchen denken wollte; ihre Stimme allein versetzte ihm einen Stich in die Magengrube.
„Sag ihm, ich muss Potter noch ins Schloss bringen, dann komme ich“, brummelte Hagrid und Kira verschwand in die Kälte.
„Ich warne dich, treib dich bei diesem Wetter nicht mehr draußen herum, Harry, nach allem was passiert ist…“, Harry stutzte, hatte Hagrid gerade seinen scharfen Potter-Ton abgelegt? Nun war es mehr Sorge, die seine Stimme beherrschte und der Zauberer sah zu ihm auf.
„Es tut mir Leid Hagrid“, wiederholte er und kam sich dabei reichlich dumm vor nichts anderes sagen zu können, „im Moment läuft alles irgendwie schief… ich kann mich nirgends im Schloss aufhalten.“ Und der Halbriese sah ihm mit einem undefinierbaren Blick an.
„Mir ist egal wo du dich hier drin befindest, Hauptsache is’ du bleibs’ im Schloss!“ und damit ließ Hagrid Harry in der Eingangshalle stehen, umgeben von schnatternden Schülern.
„Potter“, hauchte jemand in sein Ohr und Harry lief ein Schauer über den Rücken als er Malfoys Stimme erkannte, „ich finde du solltest mal nach der Granger sehen, sie sucht dich überall“.
„Und du lässt dich dazu herab mir das zu sagen, Malfoy“, raunzte Harry ihn an und sah im selben Moment diesen hingebungsvollen Blick des Blonden.
Der zuckte nur mit der linken Schulter und stolzierte davon.
Tatsächlich fand Harry Hermine in der Bibliothek mit einem ungeduldigen, nachdenklichen Blick.
Als sie ihn erblickte sprang sie auf, schritt auf ihn zu und zerrte ihn an seinem Kragen hinaus und in den Gemeinschaftsraum.
Sein Hals fühlte sich an wie mit einer glühenden Schlinge erfasst und er rieb sich die roten Stellen während Hermine unschlüssig im Raum herumwanderte; zum Glück war er an diesem Samstag leer, denn es war ein Hogsmeadebesuch angesetzt.
Endlich stand sie direkt vor ihm und begann langsam zu sprechen: „Da du… diese Kira ja besser zu kennen scheinst als ich, denke ich wirst du mir sagen können ob das ihr gehört“ und sie legte ihm einen Totenkopfanhänger in die Hand.
„Ich weiß, dass sie ein Bettelarmand trägt, aber natürlich kann das ja auch wo anders her stammen“, fuhr sie erklärend fort und Harry sah sie überrascht an.
„Woher hast du das?“, fragte er nervös und sie starrte ihn skeptisch an: „Also ist es von ihr?“
„Ja, aber wo hast du das gefunden?“, sprach Harry und sah das silberne Schmuckstück in seiner Hand an. Und mit einem Mal kam ihn ein irres Bild in den Kopf: Voldemorts Zeichen; aber es war unmöglich, dass Kira ein Armband von dunklen Zauberern besaß, sie war ein Gryffindor.
„Das Ding“, sprach Hermine plötzlich mit zitternder Stimme von Harry abgewandt, „habe ich in Krummbeins Bauch gefunden, es muss ihr abgerissen sein als sie den Kater gequält hat…“ und Harrys Herz machte ironischerweise einen Hüpfer, „Und ich habe geglaubt ich hätte Krummbein getötet…“, fuhr es ihm unwillkürlich heraus.
Hermine wirbelte herum und blickte ihn fassungslos an: „Hast du es etwa mit ihr zusammen getan?“, Harry suchte verzweifelt nach Worten um sich seine Erleichterung nicht zu zerstören: „Nein, nein ich … hatte nur einen… sehr merkwürdigen Traum… zumindest hoffe ich, dass es ein Traum war“ und er setzte sich in einen Sessel, Hermine ihm gegenüber und sie hörte geduldig zu als er ihr berichtete, was geschehen war.
Sie war alles andere als zornig, jedoch sehr besorgt und es schien als wären die Differenzen der letzten Zeit verschwunden.
Nachdem Harry geendet hatte blickte sie nur stumm ins warme, lodernde Feuer, das knisterte als würden Stimmen flüstern; ihre Augen glänzten im Licht und kleine Flämmchen tanzten darin.
Wieder einmal fiel ihm auf wie hübsch diese Hexe eigentlich war, jedoch schien die Zeit nicht spurlos an ihr vorbeigegangen; ihr Haar war stumpf und ihr Gesicht vom Stress geprägt.
„Ich denke“, begann sie plötzlich und riss Harry aus seiner Trance, „hier versucht jemand wirklich uns alle gegeneinander aufzuhetzen, wenigstens bekommt diese Kira nun was sie verdient… aber wer weiß ob sie nicht auch unter einem Bann stand wie wir alle.“
Es tat gut wieder mit Hermine zu reden, wenngleich Ron ziemlich mies gelaunt neben ihnen herlief und zwischendurch abfällige Bemerkungen machte, sobald Harry etwas sagte.
Ginny hatte sich bisher selten blicken lassen, jedoch beschlich Harry die unangenehme Vermutung, dass sie sich des Öfteren mit Neville in leeren Klassenzimmern aufhielt. Doch Hagrid trat ihm gegenüber recht neutral auf, das alte Verhältnis schien sich zwar nicht mehr herstellen zu lassen, aber wenigstens bedachte der Wildhüter ihn nicht mehr mit diesem Potter-Ton oder bösen Blicken.
Den Anhänger trug Harry in seiner Hosentasche und eigentlich wollte er ihn Kira zurückgeben sobald er sie sah, aber dazu schien es nicht mehr zu kommen; sie betrat die Klassenräume als letzte und war als erstes wieder hinaus sobald der Unterricht geendet hatte.
Vielleicht wĂĽrde er sie in den bald beginnenden Weihnachtsferien erwischen, aber dann wĂĽrde auch Hermine es tun und das endete mit Sicherheit wieder in einem Desaster.
Die Tage wurden kälter und die Mauern waren bedeckt von immerwährenden Schneeflocken, die der Zauberkunstlehrer zwischen den Stunden herzauberte.
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