
von Bl00dyButterfly
Der Angriff auf Kira sprach sich schnell herum und ebenso schnell kam der Verdacht auf, dass Harry etwas damit zu tun haben musste.
„War sie dir nicht gut genug?“, fragte Ron eines Abends höhnisch, als sie sich zufällig im Gemeinschaftsraum trafen.
Harry ignorierte diese Bemerkung und schwang sich auf einen alten Sessel, der am Fenster stand.
Der aufwirbelnde Staub aus dem Gewebe vernebelte ihm für kurze Zeit den Blick und durch das gebrochene Licht wirkte Rons Blick in seine Richtung wie ein Fluch des Teufels.
Anscheinend waren die beiden sich immer noch sehr nahe, sonst hätte es ihm ja wohl egal sein können, dachte Harry und wandte seinen Blick nach draußen in die Dunkelheit.
Durch das Glas spiegelte sich Hermines Antlitz, wie sie da im Raum stand, die Brüste so herausfordernd, die Beine so weiblich, ihr gebeugter Körper in Richtung des Sofas so erwartend...
Harry kniff die Augen zusammen und versuchte sich auf Normalität zu besinnen: Hermine wollte ihn sicherlich nicht anmachen, sie unterhielt sich nur mit Neville der auf dem Sofa saß, es war Zufall, dass ihre Haltung so falsch interpretiert werden konnte.
Und doch wollte ihn der Gedanke an eine Nacht mit der schönen Hexe nicht loslassen...
So sehr Weihnachten Harry früher so erfreut hatte, heute wollte er einfach nur in seinem warmen Betten liegen bleiben und den ganzen Festtagsrummel vorbeiziehen lassen.
Doch was wäre Hogwarts ohne eine übliche Störung: Neville sprang gut gelaunt in den Raum und rief „Fröhliche Weihnachten“, als wären die Zeiten so schön und unbeschwert wie in seiner Kindheit.
Harry stöhnte, drehte sich auf den Rücken und blieb kurz reglos liegen: „Komm Harry, mach deine Geschenke auf!“.
„Neville ich bekomme sicherlich keine -“, doch als Harry sich aufsetzte ragte ein riesiger Berg bunter Päckchen zu seinem Bett auf.
Das Grinsen seines Freundes wurde nur noch größer, als er einige davon auf Harrys Bett warf und sich selbst auf dessen Kante setzte.
Nur zögerlich löste Harry die Schleife eines grün gepunkteten Pakets und lüftete den Deckel, in der Befürchtung einen Spritzer Bubotubbler Eiter daraus zu erhalten.
Entgegen seiner Erwartungen befand sich darin ein Amulett – rund und mit dem Relief eines Drachens verziert, mit einem Anflug eines Grinsens erkannte er einen norwegischen Stachelbuckel darin.
„Na los, du hast viel zu tun bevor das Frühstück beginnt“, sagte Neville vergnügt und häufte die restlichen Pakete auf das Bett.
Erstaunt betrachtete Harry seine Präsente, während sich Neville auf den Weg in die Große Halle machte, um zu frühstücken.
Schamesröte schlich sich in sein Gesicht, als ihm bewusst wurde, dass selbst Ron ihm etwas geschenkt hatte – neue Politur für seinen Feuerblitz.
Er selbst hatte dieses Jahr kein einziges Geschenk gemacht, er hatte es schlicht für überflüssig gehalten anderen Menschen etwas zu schenken.
Ginnys Geschenk, eine immerwährende Lilie, trieb ihm Tränen in die Augen und als er sich zum Fenster wandte, um sie genau zu betrachten, knarrte die Tür hinter ihm.
Ron war eingetreten und sah herausfordernd zu Harry, dem die Kehle zugeschnürt war und dessen Versuch die Tränen zu unterdrücken einfach nicht glücken wollte.
„Willst du wissen was sie mir geschenkt hat?“, flüsterte Ron; es schien ihm wichtig zu sein es irgendwem mitzuteilen.
Ohne auf Harrys Antwort zu warten ging er auf ihn zu und hielt ihm eine Armbanduhr hin.
„Es war Dads Lieblingsuhr“, schluchzte Ron und sah wartend in das Gesicht seines ehemals besten Freundes: er hatte es die ganze Zeit über unterdrücken müssen über den Tod seines Vaters zu reden, sie beide waren viel zu beschäftigt gewesen sich gegenseitig die Köpfe abzureißen.
„Ron“, begann Harry mit heisener Stimme, „es tut mir leid, dass ich ihn nicht... ich hätte ihn niemals vorgehen lassen dürfen“, doch Ron schüttelte den Kopf, sein Blick war zu Boden gerichtet.
„Er wusste wie gefährlich es ist sich mit dir rumzutreiben“, flüsterte er, „er wusste was passieren konnte falls er dich findet. Lange war mir das auch nicht klar... ich habe dir die Schuld für alles gegeben, deshalb war ich so hässlich zu dir; aber ich weiß nun dass du nichts dafür kannst.“
Dieses Geständnis ließ Harry ein Stein vom Herzen fallen und er machte einen Schritt auf Ron zu, doch dieser wandte sich ab und lief aus dem Raum.
Der Schnee kribbelte auf Harrys Haut, als er vom Himmel der Großen Halle auf seine Nase fiel; nach Essen war ihm trotzdem nicht.
Umringt von einigen Gryffindors saß er da und betrachtete das Geschenk, dessen Absender es nicht für nötig gehalten hatte sich zu bekennen, doch Harry war sich sicher, dass Malfoy es geschickt hatte.
Ein Ring mit eingefasstem strahlenden Rubin glitzerte ihm entgegen, doch er scheute sich ihn anzulegen – vielleicht war er mit einem Fluch belegt und Malfoy wollte ihm so die Ablehnung heimzahlen.
Doch bei einem Blick auf seinen Erzfeind schien dies sehr unwahrscheinlich: Dracos Blick war neugierig, aber bei weitem nicht feindlich.
Mit einem Seufzen schob Harry den schweren Klunker auf seinen linken Zeigefinger und hob den Handrücken in Malfoys Richtung, sodass er den Ring gut sehen konnte.
Malfoy grinste und widmete sich wieder seinem Frühstück, Harry hingegen stand auf und schlenderte aus der Halle in Richtung Freiheit.
Die süße, kalte Luft erfüllte seine Lungen und der weiche Schnee knarrte unter seinen Schritten, sein Kopf wurde so leicht und leer und Harry setzte sich an das kalte Ufer des gefrorenen Sees.
So wie der Kraken dort unten in der Tiefe eingesperrt war fühlte Harry sich schon lang: eingesperrt in diesem Leben, umgeben von feindlichen Seelen und keine Chance ihnen zu entkommen.
In der diesigen Ferne sah er Hagrid, wie dieser große Holzklötze in seine Hütte brachte, würde er ihn hier so allein finden, was würde er tun?
Ohne wirklich darüber nachzudenken rief er laut den Namen des Wildhüters, der sich zu ihm umwandte und schnellen, donnernden Schrittes auf den jungen Zauberer zuging.
„WAS FÄLLT DIR EIN HIER DRAUßEN HERUMZULUNGERN!?“, schrie er Harry an, doch nicht mit dem zornigen Ton, den er ihm in letzter Zeit entgegen geworfen hatte, sondern mit viel Sorge überschwemmt.
„Setz dich doch zu mir“, sagte Harry ruhig und sah hinauf in das Gesicht des Riesen, der sich irritiert auf den Boden fallen ließ; von der großen Eiche nahe des Sees fiel eine kleine Lawine hinab und bildete einen Schneehügel, der einem verschneiten Grab ähnelte.
„Du solltes' nich' hier draußen sein, wenn keiner aufpasst“, nuschelte Hagrid in sich hinein, doch Harry ignorierte den fordernden Ton und erwiderte: „Ich bin nicht allein, du bist hier, Hagrid.“
Der Halbriese schmunzelte und klopfte Harry mit seiner Pranke auf den Rücken, dass der junge Mann glaubte sein Rücken müsse jeden Moment brechen.
„Nachts schleicht hier 'was rum weißt...“, Hagrids Blick wurde hart und richtete sich ins Nichts, „Dumbledore hat seine Sprüche auf die Grenzen gelegt aber es wirkt nich', irgendwas kommt immer her und schleicht auf'm Gelände 'rum“.
Wenn dort draußen etwas auf Harry lauerte, so konnte es ruhig kommen, es war ihm egal was genau ihn erledigte, Hauptsache er musste es nicht selbst tun.
„Willst du dich nicht zu uns setzen?“, ertönte Hermines zittrige Stimme als Harry in Richtung der Schlafsäle verschwinden wollte, „Das Feuer ist wirklich angenehm“.
Er ließ einen Blick an der Couch entlang schweifen, auf der sich all seine ehemaligen Freunde tummelten und ging die dunkle Treppe hinauf.
Mit einem Seufzen sah Hermine in die Runde und wollte gerade etwas sagen, als Ginny aufsprang und ebenfalls die Treppe hinauf stürmte.
Harry zog seinen durchnässten Umhang und sein dünnes Hemd aus als die Tür sich öffnete und Licht in den Raum auf den jungen Mann warf.
Ginny stand zuerst unsicher im Rahmen, trat dann ein und schloss die hölzerne Tür langsam, als wollte sie auch jeder Seele, die sich hier versteckt haben könnte, die Möglichkeit geben aus dem Raum zu fliehen.
Sie sah ihn furchtsam an, aber Harry griff nur nach seinem grauen Pullover, als wäre ihm ihre Anwesenheit egal.
Entschlossenen Schrittes ging sie auf ihn zu, nahm ihm das Kleidungsstück aus der Hand und schlang ihre Arme um seinen Hals, dem ein sehnsüchtiger Kuss folgte.
Harry war so überrumpelt, dass er nicht einmal versuchte sich von ihr loszumachen und ließ sie gewähren.
Ihre Hände strichen an seinem Nacken entlang, auf seine Brust, zu seinen Bauchmuskeln, die sich bei der Berührung zusammenzogen.
Er stöhnte leise auf und Ginnys Küsse wurden verlangender, seine Hände gruben sich in ihr feuerrotes Haar – so seidig und sinnlich.
Wie in Zeitlupe fielen sie eng umschlungen auf das scharlachrote Bett.
Ihre Küsse brannten wie Feuer auf seinen Lippen - so gefährlich und doch hätte er sich ihnen nicht verwehrt.
Auch wenn er sich so vielen nicht sicher gewesen war, nun wusste er, dass er nur dieses Mädchen an seiner Seite wollte.
Er strich durch ihr zerzaustes Haar, als sie neben ihm lag und in den Schlaf der Verliebten hinüberglitt – nein, ihre Brüste waren viel schöner als Kiras.
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