
von Bl00dyButterfly
„Was hast du eben gesagt?“, Hermine sah das Mädchen ungläubig an.
„Wenn der dunkle Lord sich seiner bemächtigt wird die ganze Welt sich vor dieser Macht verneigen!“, flüsterte Kira und es schien als sähe sie direkt durch Hermines Körper hindurch in die schneeverwehte Nacht.
„Harry wird nicht gegen ihn verlieren!“, zischte Hermine, „Er wird Voldemort besiegen, wenn er das muss!“
'Accio' war tatsächlich ein sehr nützlicher Zauber, bemerkte Harry als er seinen Feuerblitz in Empfang nahm, schneebefleckt, aber immer noch so glänzend, wie er ihn sorgfältig poliert hatte.
Er hatte keine Ahnung, wie er ihn finden sollte, aber während der Schneesturm gewaltige Ausmaße annahm folgte Harry seinem Instinkt und dem Willen seiner schmerzenden Narbe. Seine Hände waren nach wenigen Minuten taub, seine Nase fühlte sich an als wäre sie gar nicht mehr da und seine Augen waren geschlossen – er würde eh nichts sehen können... und müssen.
Die Nacht war ihres schwarzen Gewandes beraubt worden, als die eisigen Flocken umherwirbelten und jedes kleinste Lichtteilchen zu tausend neuen reflektierte und alles erhellte, das es in den Augen schmerzte.
Hermine öffnete die Tür zum Jungenschlafsaal und betrachtete Ron mit einem sorgenvollen Blick, ging jedoch hinüber zu Neville und berührte sanft seine Schulter.
Der Blonde schrak auf, die Fäuste geballt und sah sich verwirrt um. Als sein Blick auf Hermines traf herrschte eine plötzliche, eiskalte Spannung.
Ohne ein Wort wusste Neville, dass etwas nicht stimmte und er sprang aus dem Bett und begann seine Kleidung zu wechseln, während Hermine aus dem Zimmer verschwand, um im Gemeinschaftsraum zu warten.
Das Feuer im Kamin schien leiser zu prasseln als sonst, als hätte es Furcht vor der herrschenden Spannung. Kira schlich aus einem Schatten in Hermines Blickwinkel und starrte in die Flammen.
„Was auch immer du vorhast, es wird dir nicht gelingen.“, flüsterte sie. Hermine presste ihre Lippen zusammen: Auf wessen Seite war dieses dumme Mädchen eigentlich?!
„Gib es auf und wehre dich nicht gegen das Schicksal aller, die in diesem Schloss wohnen. Wahrscheinlich wird er es sehr bald aufsuchen...“
„HALT DEINEN DUMMEN MUND!“, schrie Hermine als Neville die letzte Stufe herunterstieg und die Szene mit Skepsis beobachtete.
Der Turm ragte stumm in die Luft und schien ihn schon zu erwarten. Harry warf seinen Besen in den Schnee und durchquerte die hüfthohen Eiskristalle mit langsamen Schritten.
Er hätte das Hindernis mit Sicherheit mit einem Schwung seines Stabes aus dem Weg räumen können, aber Harry wollte sich seiner Sache bewusst werden – er wollte seine Überzeugung spüren.
Das hölzerne Tor schwang auf, als hätte es ihn schon lang erwartet und Harry trat ein, schneebefleckt. Der dunkle Gang ließ nur erahnen wie weit sich dieser Raum erstreckte, doch Harry trat ohne einen weiteren Gedanken ein und die Dunkelheit umschloss ihn mit einem Knarren des Tores, als das hölzerne Geräusch widerhallte.
„Was is'n los?“, lallte Ron, der verschlafen die Treppe hinabstieg und Hermine funkelnd am Kamin vorfand. Neville saß in einem der weichen Sessel, der ihm nun unwirklich kühl und hart erschien, obwohl der Stoff lange der Wärme des Feuer ausgesetzt gewesen war.
Keiner sagte ein Wort, bis Ron realisierte, dass eine Person fehlte – eine Person, die ihm egal war und doch wieder unvergesslich in seine Erinnerungen gebrannt. „Wo ist er?“, seine Stimme zitterte und seine Befürchtung wurde flugs bestätigt: „Weg... irgendwo da draußen auf der Suche nach IHM“, murmelte Neville.
Hermines Augen glitzerten im Flammenschein merkwürdig und Ron legte seine Arme um sie. Ihr Kinn zitterte, doch entgegen ihres Vorhabens kühlen Kopf zu bewahren, schwang sie sich in seine Arme und schluchzte. „Wie sollen wir ihn je da draußen finden, wenn sich keiner dafür interessiert, dass er weg ist?“, Neville stöhnte auf, sprang aus dem Sessel und eilte durch das Portrait hinaus, noch bevor Ron reagieren konnte.
Neville schritt schnellen Schrittes durch die dunklen Gänge, die schwere Münze zwischen den Fingern drehend. In wenigen Minuten hatte er die Eingangshalle erreicht, in der einige Sechtsklässler aufgeregt warteten.
„Wenn Filch uns hier erwischt, dann-“, Neville erhob die Hand und der Ravenclaw verstummte. „Wir haben eine Aufgabe zu erledigen!“ und Luna sah ihn mit ihren großen Augen gespannt an. Der Gryffindor stieß seinen Stab in die Luft und rief mit durchdringender Stimme: „Dumbledores Armee – für Harry Potter!“ und die anderen Mitglieder der geheimen Gruppe folgten seinem Beispiel.
Die Stimmen hallten durch das Schloss, drangen in die kleinsten Kammern und erweckten das Schloss zum Leben.
Seine Schritte hallten von den Wänden wider, als Harry die kalten Steinstufen hinaufstieg. Sein Atem stieg vor seinen Augen auf, doch die Kälte war ihm egal – er hatte seinen Bestimmungsort fast erreicht. Seine Haut widerstrebte, seine Muskeln kontraktierten unaufhaltsam, seine Glieder waren steif, doch er widerstand dem Gedanken sich auszuruhen.
Leise glitt er dahin, einer Schlange gleich, den letzten Gang an der Spitze des gewaltigen Turms entlang auf eine dunkle Eichentür zu. Mit einem leichten Schwung seines hölzernen Werkzeugs knarrte die Tür und bot ihm den Einblick in einen spärlich beleuchteten Raum.
Ohne Furcht, ohne weiteren Gedanken trat er ein und die Tür flog hinter ihm zu. Die wenigen blutroten Kerzen flackerten leicht im Luftzug und tanzten einen melancholischen Totentanz. Ihre Flammen waren hell, lebendig, stumm und doch so kalt, starr und laut schreiend. Diese Feuer spiegelten das Innere des Jungen wider, der sein Schicksal gefunden hatte.
„Guten Abend, Harry Potter. Ich hatte dich schon erwartet!“
Das halbe Schloss hatte sich versammelt, die Lehrer versuchten vergebens den Grund der nächtlichen Versammlung auszumachen und diesen scharfen Regelbruch einzudämmen.
Neville schwang sich auf ein Podest und räusperte sich vernehmlich, woraufhin das Summen in der Halle verstummte. Die Fackeln an den Wänden warfen ihren goldenen Schein auf den Gryffindor, der nun in die Menge sah und zu seiner Zufriedenheit feststellte, dass fast alle aus drei Häusern der höheren Jahrgänge erschienen waren. Einige wenige Erst- und Zweitklässler trieben sich auf den Treppen herum und wurden von Filch in die Gänge gejagt.
Kein Slytherin war erschienen, wie es zu warten war. Keiner, bis auf ein einziger: Draco Malfoy, der zweifelnd und herablassend auf die anderen Schüler schaute und trotzdem den Eindruck machte nicht aus Schadenfreude gekommen zu sein.
„Harry Potter“, begann Neville und ein Zischen ging durch die Menge, „ist heute Nacht in die Kälte hinausgezogen um jemanden zu finden. Ihr wisst wen ich meine und ich brauche nicht mehr dazu zu sagen, als: Lasst uns mit ihm kämpfen! Lasst und Harry, dem größten Zauberer unserer Generation, helfen das Grauen endlich zu besiegen!“
Die Menge jubelte, die Luft erhitzte sich, die Lehrer stöhnten auf. Knallkörper zischten bis an die Decke, Zauber der Erwachsenen gingen in Kampfesgeschrei unter und das große Eingangstor wurde aufgestoßen und eine bunte Menge mit erhobenen Stäben rauschte in die verschneite Nacht hinaus.
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