Hermine lag in ihrem Bett und wälzte sich von einer Seite zur anderen. Sie war bereits vor vier Stunden nach hause gekommen, aber ihr Geist war durch das Treffen mit Bafello noch so aufgewühlt, dass sie nicht schlafen konnte.
Krummbein war auch noch nicht erschienen.
Bafello hatte ihr gesagt, dass er ihr den Täter nenne würde, wenn er es wüsste.
Verlassen konnte sie sich darauf nicht, aber es war ein Anfang.
Hoffentlich würde Juri schnell den Fahrer des Unfallfahrzeugs ausfindig machen...
Und dann war das ja noch die Sache mit ihrer Waffe.
Ja, es stimmte, dass Bafello ihr die Blody – Rose vermacht hatte. Damals kurz nach Marcus Tod. Hatte er gewollt, dass sie Ischara tötete? War das sein Ziel gewesen?
Wenn ja, warum überhaupt?
Er war ein Uralter; älter als Ischara selbst. Er hätte sie einfach selbst vernichten können.
Aber die Gesellschaft der Vampire war ein gefährliches Pflaster.
Vermutlich war es doch nicht so einfach, als Vampir einen anderen zu töten. Jedenfalls nicht dann, wenn man Bafello hieß.
Ein nerviges Klingeln riss sie aus ihren Gedanken.
Wer rief denn bitte um zwei Uhr morgens auf ihr Handy an?
Hatte es sich Draco vielleicht anders überlegt?
Aber sie wurde enttäuscht.
Es war nicht Draco.
„Hallo?“
„Hermine, du musst sofort ins Büro kommen“, ertönte die überschlagenen Stimme von Seamus aus dem kleinen Gerät.
„Um Himmelswillen, was ist passiert?“, fragte sie, geschockt über seinen entsetzten Ton.
„Frag nicht, komm einfach her“, erwiderte er und legte auf.
Verdutzt starrte Hermine das Handy an.
Dann sprang sie aus dem Bett und lief ins Bad.
Einen Moment betrachtete sie ihre verknoteten Haaren und entschied sich dann dafür, einfach nur einen noch größeren Knoten daraus zu machen.
Seamus hatte sich ziemlich aufgewühlt angehört. Sie sollte sich beeilen.
Also schlüpfte sie schnell in die nächstbesten Kleidungsstücke, die auf einem Stuhl lagen und griff nach Autoschlüssel und Handtasche.
Sie spürte, wie sie immer unruhiger wurde, um so näher sie dem Büro kam.
Ihr Herz hämmerte bereits wie verrückt gegen ihre Brust, als sie schließlich in der Empfangshalle stand.
„Da bist du ja endlich! Du kannst dir nicht vorstellen, was hier los ist“, begrüßte erstaunlicherweise Rouge die Aurorin.
„Was ist denn passiert?“, fragte Hermine beunruhigt.
„Wir haben eben eine Nachricht bekommen. Viel zu spät leider, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern“, sagte Rouge kryptisch.
„Rouge, bitte. Sag mir was passiert ist, um so eher kann ich mich darum kümmern“, meinte sie ungeduldig.
Die Archivarin holte einmal tief Luft. Dann begann sie zu erzählen.
Es hatte einen erneuten Angriff gegeben. Und diesmal war es wirklich eine Katastrophe.
Eine junge Frau, die seit Tagen vermisst gemeldet gewesen war, war auf einem Kinderspielplatz in der Dämmerung aufgetaucht. Da er sich direkt in einer Wohnsiedlung befand, hatten sich noch viele Mütter mit ihren Kindern dort aufgehalten. Und die Frau hatte die Kinder angegriffen. Zehn Kinder, vier Mütter, ein Vater und ein Hund waren getötet worden. Und viele andere waren traumatisiert.
Hermine spürte wir ihr Herz stehen blieb.
„Und jetzt ist hier die Hölle los. Das Ministerium ist bereits eingeschritten und hat Vergissmichteams an den Tatort geschickt. Die Leichen sind hier in die Pathologie transportiert worden“, erklärte Rouge.
„Ich will sie mir kurz ansehen“, sagte Hermine leise.
Die Archivarin nickte.
„Ich nehme einmal an, dass das ganze mit unserem Fall zu tun hat“, riet Hermine.
Rouge nickte.
„Allerdings. Eines unserer Teams war zufällig gerade in der Gegend. Wären sie nicht eingeschritten, hätte es sicherlich noch mehr Tote gegeben. Nur ist unsere einzige Zeugin, die uns vielleicht etwas über den Täter hätte sagen können, vernichtet worden. Urban hat sie erschossen“, berichtete Rouge.
Hermine erwiderte nichts.
Man konnte ihm keinen Vorwurf machen. Durch seinen Schuss hatte er vermutlich schlimmeres verhindert.
Als sie dann aber in der pathologischen Abteilung stand, musste sie schnell den Raum verlassen.
Dieses Bild würde sie noch Ewigkeiten verfolgen. Zehn winzige Gestalten, die mit einer Plane abgedeckt auf den Tischen lagen. Und sie war Schuld! Hätte sie den Täter schon erwischt, wäre das sicherlich nicht passiert.
Hermine hatte schon viel gesehen während ihrer Zeit bei der VKS, aber das war auch für ihre Nerven zu viel.
Rouge sah sie verstehend an und führte sie in ihr Büro zurück.
Dann ließ sie sie alleine.
Hermine zündete sich eine Zigarette an und versuchte die Tränen zu unterdrücken.
Sie musste jetzt mit Draco sprechen, oder sie würde durchdrehen.
Eine Weile nahm niemand ab.
Nach dem zehnten Klingeln wollte Hermine bereits auflegen, als sich ihr Freund schließlich doch meldete.
„Hast du mal auf die Uhr geguckt?“, fragte er wütend und verschlafen.
Hermine schluckte.
Und dann begann sie zu weinen.
„Kinder sind getötet worden. Der Täter hat wieder zu geschlagen und eine Vampirin auf einen Kinderspielplatz losgelassen“, schluchzte sie verzweifelt.
Einen Moment herrschte geschocktes Schweigen.
„Jetzt beruhige dich erst einmal. Erzähl mir ganz von vorne, was passiert ist“, forderte er sie auf.
Wieder durch schnitt ein Schniefen ihr gemeinsames Büro.
Und dann begann Hermine zu erzählen.
Draco hörte sich die ganze Sache an, ohne ein Kommentar abzugeben.
Als Hermine dann zu dem Punkt kam, an dem sie ihm von ihren Vorwürfen erzählte, unterbrach er sie schließlich.
„Stopp! Hermine, du kannst da nichts für. Das ist nun mal so in unserem Job. Wenn die Beweise und Verdächtigungen nicht ausreichen, um den Täter zu finden, dann wird es früher oder später zu neuen Opfern kommen. Das muss dir klar sein“, sagte er ruhig.
„Und Mannhauser sitzt mir auch noch im Nacken. Er hat damit angefangen, alle nacheinander in sein Büro zu bestellen und nach allen Regeln der Kunst fertig zu machen. Ich war auch schon dran“, sagte sie schluchzend.
Es brach alles aus ihr heraus.
„Was erwartet er denn von mir? Er hat mir vorgeworfen, dass ich meine angeblichen Qualitäten und Fähigkeiten bis jetzt noch nicht bewiesen hätte. Es hat nicht mehr viel gefehlt und er hätte mir wohl möglich meine Abstammung vorgeworfen. Ich kam mir vor wie im fünften Schuljahr!“, heulte sie verzweifelt.
„Das ist doch vollkommener Schwachsinn, Hermine, und das weißt du auch. Du bist die fähigste Hexe, die ich kenne. Um Mannhauser ist ein Drecksack. Ich weiß ein paar Dinge über ihn, von denen er bestimmt nicht will, dass sie in Umlauf kommen“, erklärte er ihr.
Hermine schluckte.
Wenigstens hörte er sich wieder normal an.
Aber sie traute sich nicht, Draco auf die Sache mit Mannhausers Verbindungen zu Voldemort anzusprechen. Vermutlich wusste Draco da viel mehr, als sie und Seamus.
„Und jetzt hör auf zu weinen, Schatz. Tut mir Leid, dass ich jetzt nicht kommen und dich trösten kann, aber ich habe hier eine heiße Spur. Wir haben den Mistkerl bald“, versprach er ihr.
Sie nickte und zog an ihrer Zigarette.
„Ich liebe dich“, sagte sie leise.
„Ich liebe dich auch. Ich bin bald wieder da“, versicherte er ihr und legte auf.
Sie ließ sich auf den Stuhl zurück sinken und holte tief Luft.
Schade, dass erst so etwas passieren musste, damit sie wieder vernünftig mit einander reden konnten.
„Hermine?“, ertönte plötzlich eine bekannte Stimme in der Tür und Juri betrat das Zimmer.
Rasch wischte sie sich die Tränen weg und hob den Kopf.
„Was gibt`s?“, fragte sie und war bestürzt, wie brüchig ihre Stimme klang.
„Hast du geweint?“, fragte Juri alarmiert und schloss schnell die Tür.
„Ja, aber ist schon wieder vorbei. Was ist los? Hast du den Fahrer gefunden?“, fragte sie.
Juri schien erst etwas anderes sagen zu wollen, entschied sich dann aber um.
„Ja, habe ich. Und du glaubst nicht, was dabei herum gekommen ist“, meinte er.
Hermien stand auf und schmiss die Kaffeemaschine an.
Das würde eine lange Nacht werden.
Sie würde erst einmal die Berichte über den Angriff durcharbeiten dürfen, mit den anderen vergleichen und dann käme sie vielleicht auf eine Spur, die sie zu dem Täter führen würde.
„Der Kerl ist erstens der Cousin unserer Täterin und zweitens hat er sich gestern erhängt. Anscheinend wegen dem Unfall. Das glaube ich aber nicht“, erklärte Juri.
„Er hat sich erhängt?“, fragte Hermine verdattert und starrte ihn an.
Juri zog einen Brief aus seiner Tasche.
„Und den hier hat man am Tatort gefunden“, berichtete er.
Hermine hielt die Hand auf und der Slawe reichte ihn ihr.
Ich kann mit meiner Schuld nicht mehr leben. Aber ich weiß, dass ich mit meiner Tat einem größeren Ziel gedient habe.
„Was für eine Tat? Der Unfall?“, fragte Hermine verwirrt.
Die nächste Zigarette glimmte schon wieder.
Inzwischen war ihr Nikotinverbrauch wirklich ins Unendliche gestiegen...
„Wäre gut wenn wir das wüssten. Aber ich habe bereits die Verwandten des Fahrers vernommen. Das Einzige, was sich in den letzten Wochen bei ihm verändert hat, ist die Tatsache, dass er sich mit einem Kerl namens William Peter getroffen hat. Vielleicht sollten wir uns den einmal vorknöpfen“, sagte Juri leise.
„Vermutlich ist das eine kalte Spur, oder er kommt auf andere Art und Weise um, bevor wir ihn vernehmen können“, meinte Hermine frustriert.
„Wenn ich das Mal so sagen darf, du siehst beschissen aus“, meinte er leise.
„Vielen, vielen Danke! Ich wusste schon immer, dass du ein Talent dafür hast, Menschen aufzubauen“, knurrte sie und stand auf.
„Hey, besser, als würde ich dir jetzt vor lügen, wie umwerfend du aussiehst“, meinte er abwehrend.
„Vor vier Stunden hättest du mich noch vom Fleck weg geheiratet“, erwiderte sie bissig.
Juri sah sie neugierig an.
„Ach, ja?“, meinte er und legte den Kopf schief. „Warum?“
„Weil ich mit Bafello essen war“, erklärte sie steif.
„DU WARST WAS!?!“, brüllte Juri los und Hermine ließ vor Schreck ihre Zigarette fallen.
Mit dieser Reaktion hatte sie jetzt wirklich nicht gerechnet. Naja, es war klar, dass die meisten Leute sie als durchgeknallt bezeichnen würden, weil sie sich mit einem Uralten traf, aber dass er nun anfing so zu brüllen, hatte sie auch nicht gedacht.
„Reg dich ab, ich habe gewusst, was ich tue“, verteidigte sich Hermine und schüttelte abwehrend den Kopf.
„Bist du jetzt vollkommen durchgedreht? Du kannst dich doch nicht mit ihm treffen, wenn niemand weißt, wo du bist“, fauchte er heftig.
Hermine schnaubte.
Wie war das noch vor drei Monaten gewesen?
Da hatte Draco sie auf ähnliche Weise dumm angemacht. Gut... damals hatte sie auch einen Drohbrief von Ischara bekommen. Aber jetzt hatte sie genau gewusst, was sie getan hatte. Glaubte sie, jedenfalls...
„Mach mir hier keine Szene. Kümmere dich lieber darum, etwas über diesen William Peter herauszufinden“, meinte sie und stand auf.
„Aber Hermine, ich -“, begann er, aber Hermine hob die Hand.
Sie sah ihn mit festen Blick an und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.
„Ich weiß, worauf ich mich da eingelassen habe und damit ist das Thema für mich beendet“, erklärte sie brüsk und griff nach den Berichten.
Juri schien noch etwas sagen zu wollen, aber Hermine ignorierte ihn.
„Wenn du nichts anderes zu tun hast, dann kümmere dich bitte um diesen William Peter. Besorge mir Adresse und Lebensdaten. Ich will selbst mit ihm sprechen“, sagte sie noch.
Der Slawe seufzte Schicksalsergeben und verließ dann den Raum.
Hermine überflog kurz den Bericht.
Etwas, das ihr hätte weiterhelfen können, war nicht dabei.
Also nahm sie sich den Unfallbericht noch einmal zur Hand.
Gab es irgendeinen Zusammenhang, den sie bis jetzt übersehen hatte? Es musste doch einen Hinweis auf den Täter geben.
Wenn das so weiterging, würden sie bald eine allgemeine Warnung herausgeben müssen.
Ihre Gedanken gingen wieder zu dem Unfall zurück. Storms war über die Straße gelaufen. Über den Zebrastreifen und dann war plötzlich dieser Wagen um die Ecke gekommen und hatte sie einfach überfahren. Der Fahrer hatte ausgesagt, dass er sich nicht hatte bewegen können. Schock? Oder hat da etwas übernatürliches seine Finger im Spiel gehabt?
Für Hermine stand es fest.
Der Unfall musste inszeniert worden sein.
Dadurch war in Storms die Vampirin erwacht. Ihr Körper war gestorben und das Vampirblut war aktiviert worden.
Was war mit dem jungen Mädchen?
Sie war schwanger von ihrem Freund gewesen. Bei der Geburt hatte es Komplikationen gegeben und sie war gestorben. Entweder war sie unmittelbar vor ihrem Tod gebissen worden, oder ebenfalls vorher.
Hermine stand auf und lief zum Empfangsschalter.
„Seamus, ich brauche deine Hilfe. Haben Mike und Juri bereits den Bericht über den Tod des Mädchens im Krankenhaus abgegeben?“, fragte sie ihn atemlos.
Er sah sie einen Moment an und schien etwas sagen zu wollen, aber dann schüttelte er den Kopf und durchsuchte seine Unterlagen.
Hermines Blick glitt durch die Halle.
Einige Ministeriumsbeamten standen zusammen und redeten auf Urban und seinen Kollegen ein. Die Tür zu Mannhausers Büro stand offen und Hermine konnte erkennen, dass dort ein Vergissmich mit ihrem Chef sprach.
So viel war hier noch nie los gewesen.
Und sie wusste, dass alle auf sie zählten. Sie war die Beste. Theoretisch jedenfalls. Momentan kam sie sich wie eine Anfängerin vor. Allerdings hätte sich keine Anfängerin mit Bafello getroffen...
„Hier“, sagte Seamus und reichte ihr eine Mappe. „Übrigens will Terri noch mit dir sprechen.“
Hermine bekam eine Gänsehaut.
Die Pathologin war zwar nett, aber irgendwie ziemlich Furcht einflößend.
Sie war sechzig Jahre alt, hatte kurz geschnittene, weiße Haare und stechende, violette Augen. Sie schien immer auf Distanz zu gehen und niemanden an sich heran zu lassen. Vielleicht musste man das tun, wenn man immer in Gesellschaft von Toten waren.
Sie nickte und griff sich die Mappe.
Zurück in ihrem Büro zündete sie sich eine neue Zigarette an und setzte sich an ihren Schreibtisch.
Das Mädchen, Gina Turner, war am Blutverlust gestorben. Und das Kind war tot gewesen. Die Ärzte hatten -
Moment!
Eine Totgeburt?
Hermine sprang auf und lief zu einem der Aktenschränke hinüber.
In Windeseile holte sie eine ziemlich mitgenommenen Ordner heraus und blätterte ein paar Seiten weiter.
Vampire können sich nicht fortpflanzen. Sie vermehren sich, in dem sie ihre Opfer beißen und deren Tod herbei führen, oder ihrem Opfer ihr eigenes Blut zu trinken geben. Die zweite Variante kann nur von sehr alten Vampiren ausgeführt werden, da sich der tote Körper langsam an seine neuen Kräfte gewöhnen muss. Die Fähigkeiten variieren von Vampir zu Vampir. Meisten erwacht zu erst die Fähigkeit sein Opfer zu bannen.
Den nächsten Abschnitt übersprang Hermine und fand dann endlich, was sie gesucht hatte.
Wenn das Vampirgift in den Körper des Opfer gelangt ist, verliert auch dieses die Fähigkeit zur natürlichen Fortpflanzung. Die Opfer werden unfruchtbar. Eine schwangere Frau wird ein totes Kind gebären.
Das war es.
Wenn Turner ein totes Kind geboren hatte, musste sie vorher gebissen worden sein. Oder es war ein unglaublicher Zufall...
Aber wo verdammt noch mal, war der Zusammenhang?
Das machte alles keinen Sinn.
Zwischen Storms und Turner gab es keine Verbindung. Und nun dieses neue Opfer, dass den Spielplatz überfallen hatte. Ach, ja, die Opernsängerin musste auch noch irgendwie in dieses Puzzle eingebaut werden.
Ein Klopfen holte sie aus ihren Gedanken.
„Mannhauser will dich sehen“, sagte Seamus mit einem sorgenvollen Gesichtsausdruck.
Das konnte nichts Gutes bedeuten.
„Wenn du nachher jemanden zum reden brauchst, kannst du mit zu mir kommen. Wir machen hier um vier Uhr Schluss“, erklärte er leise.
Hermine nickte.
„Danke, aber ich werde das schon schaffen“, sagte sie ruhig.
Sie würde sich von diesem Mistkerl nicht zur Sau machen lassen. Wie Draco es gesagt hatte, manchmal reichten die Indizien eben nicht, um den Täter schnell zu finden.
„Da sind Sie endlich! Warum hat das so lange gedauert?“, schnaubte Mannhauser und funkelte Hermine böse an.
Sie sagte nichts.
Stattdessen ließ sie sich einfach nur auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch sinken. Viel interessanter war für sie der müde und entnervt wirkende Mann, der ebenfalls vor dem Schreibtisch saß.
Nach seiner Kleidung zu beurteilen, gehörte er wohl zum Zaubereiministerium der USA.
Das konnte ja heiter werden.
„Nun, Mister Love, das ist Hermine Granger, die momentan mit diesem Fall betraut ist. Mister Malfoy befindet sich in Chicago, um einen ähnlichen Fall zu untersuchen, der anscheinend mit unserer Situation zusammenhängt“, erklärte der Deutsche erstaunlich höflich.
Mister Love nickte nur.
Er wandte sich an Hermine.
„Hören Sie, Miss Granger, wir alle sind uns bewusst, dass Sie eine hervorragende Hexe sind, mit den besten Qualifizierungen“, begann der Ministeriumsbeamte.
An dieser Stelle unterdrückte Mannhauser ein Husten.
Erstaunlicherweise hörte es sich nach „Mist“ an.
Mister Love ignorierte ihn einfach.
„Wir haben jedoch momentan das Gefühl, dass Sie mit dem Fall überfordert sind“, redete er weiter.
Hermine schnappte bestürzt nach Luft.
„Aber -“, setzte sie an.
„Miss Granger, Sie brauchen nicht zu widersprechen. Ich habe das Ministerium über ihre bisherigen Ergebnisse informiert und das war nicht viel“, unterbrach Mannhauser sie gehässig.
Mister Love nickte bestätigend.
„Wir werden Ihnen aus diesem Grund jemanden zu Hilfe geben, der Ihnen vielleicht einen entscheidenden Hinweis geben kann. Ab morgen wird eine meiner Kolleginnen mit Ihnen zusammenarbeiten“, sagte Mister Love.
„Darf ich erfahren, zu welcher Abteilung Sie gehören?“, fragte Hermine um Beherrschung bemüht.
„Abteilung für magische Strafverfolgung. Miss Bergmann ist auf Psychoanalyse spezialisiert“, erwiderte Love.
Oh, Klasse! Eine Psychotante, genau das was Hermine jetzt brauchen konnte...
„War das alles?“, fragte sie bissig und stand auf.
Die beiden Männer nickten und Hermine stürmte aus dem Büro.
„Hermine, kann ich kurz mit Ihnen sprechen?“, fragte Terri, die am Empfangsschalter stand.
Wenn jetzt noch irgendeine Hiobsbotschaft käme, würde sie den ganzen Kram hinschmeißen und nach Tansania auswandern!
„Natürlich. In meinem Büro?“, fragte sie leise.
„Nein, kommen Sie mit“, erklärte die Pathologin und marschierte in Richtung Pathologie.
Hermine folgte ihr unruhig.
Zu den Toten wollte sie eigentlich nicht zurück.
„Ich muss Ihnen unbedingt etwas zeigen. Ich habe das gerade erst entdeckt, sonst hätte ich Ihnen bereits vorher Bescheid gegeben“, sagte Terri und hielt Hermine die Tür auf.
Sie schloss für einen Moment die Augen, als die andere Frau resolut eine der Planen zur Seite riss und ein entstelltes Kind zum Vorschein kam.
„Sehen Sie hier die Bisswunden? Die Haut ist vollkommen aufgerissen. Das ist bei den Anderen ebenso. Die Vampirin muss wenige Minuten vor dem Vorfall verwandelt worden sein. Ihre Zähne hatten kaum die Wandlung hinter sich. Normalerweise sind es nur kleine Stiche, die auf einen Vampir schließen lassen. Aber etwas anderes ist mir ebenso aufgefallen. Jedes der Opfer hat über der Brust ein „I“ geritzt“, berichtete die Pathologin und deutete auf die Opfer.
Hermine musste sich beherrschen, um nicht schreiend hinaus zu laufen.
„Was glauben Sie, was das zu bedeuten hat?“, fragte Hermine.
„Leider haben wir nicht die anderen Vampire gefunden. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das ein Hinweis auf den Täter ist“, erklärte sie.
Oder es war ein Zufall und die Schnittwunden hatten überhaupt keine Bedeutung.
Die Braunhaarige nickte.
„Vielen Dank“, sagte sie leise und beeilte sich aus dem Raum zu kommen.
Sie würde jetzt nach hause fahren, sich eine von Dracos Feuerwiskeyflaschen nehmen und sich betrinken. Auch wenn sie morgen einen furchtbaren Kater haben würde.
Es war einfach zu viel...
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Daniel ist total nett. Er ist klasse. Er spielte mir gute Musik vor. Ich hatte immer noch Beatles gehört bis ich hierher kam. Er ist sehr leidenschaftlich. Für sein Alter hat er einen guten Geschmack.