
von DarkJanna
Der letzte Tanz
Sicher stellt ihr euch jetzt die berechtigte Frage: Wo ist denn nur das Brautpaar? Und wie geht es Bella? Wie geht es ihr als frischgetraute Bellatrix Black? Nun, schauen wir es uns doch an.
Das Brautpaar saß gemeinsam an einem der vielen kleinen Tische die im ganzen Raum verteilt waren. Etwas abseits vom Geschehen. Bella sah gar nicht gut aus. Sie wirkte blass und kränklich. Fast so als würde sie gleich umkippen.
Rodolphus beugte sich über sie und verdeckte sie so mit seinem Körper, damit es niemanden der Gäste auffallen konnte.
„Bella, bitte. Wir müssen gleich gemeinsam den Ball eröffnen. Es ist doch nur heute. Du schaffst das schon … Liebling.“ Es war das erste Mal, dass er Bella „Liebling“ nannte. Und er schaute sie zögerlich an, fast als erwartete er einen Tadel. Doch er kam nicht. Bellatrix bekam ein schwaches Lächeln zustande und erhob sie, etwas schwankend von ihrem Stuhl.
Rodolphus reichte ihr seine Hand, die sie ohne zu zögern ergriff. Gemeinsam schritten sie in die Mitte des Raumes und mit einem Schwenker von Rodolphus Zauberstab ordneten die Tische sich neu an, sodass in der Mitte eine breite, freie Fläche entstand. Eine Tanzfläche.
Bella und Rodolphus nahmen die Tanzpositionen ein, er lächelte ihr ermunternd zu, und wie auf Kommando setzte die Musik ein. Unter den wohlwollenden Blicken ihrer Eltern, selbst Sofia lächelte ein wenig, und der übrigen Gäste, begannen sie den Traditionellen Hochzeitstanz zu tanzen. Und mit jedem Schritt, jeder Drehung, gewann Bellas Gesicht wieder an Farbe. Sie liebte es zu tanzen. Zu Hause, mit dem Tanzlehrer, hatte sie es nie gemocht, aber mit Rodolphus war es leichter.
Sie liebte die Musik, liebte die Bewegungen, und Rodolphus Lächeln. Wenn sie tanzte spürte sie die Blicke nicht, spürte nicht das Lachen und die Verachtung, den Neid. Sie konnte alles um sich herum vergessen.
Und so bemerkte sie auch nicht, dass nun auch andere Paare die Tanzfläche betraten und ebenfalls begannen zu tanzen. Sie war glücklich. Es fühlte sich gut an mit Rodolphus zu tanzen.
Als ein dunkel gekleideter Fremder den Raum betrat, lächelte sie ihm Gedanken versunken zu. Er erinnerte sie an irgendjemanden, doch bevor sie darüber nachdenken konnte, wirbelte Rodolphus sie erneut umher. Und sie lächelte ihm selig zu.
Sie bemerkte nicht, dass das Lied wechselte, erst als jemand ihr von hinten eine Hand auf die Schulter legte wurde sie ihrer Umgebung wieder gewahr. „Darf ich nun übernehmen, wenn sie nichts dagegen haben, Mr. Lestrange … Sir“ Die Stimme hatte etwas sanftes, hypnotisches, dass Bella faszinierte und zugleich abschreckte, da ein lauernder Ton mitschwang, wie von einer Raubkatze, die allzeit bereit zum Sprung ist. Wie konnte er es wagen?
Doch obwohl Rodolphus Augen etwas anderes sagten, und obwohl sie ihn flehend ansah, nickte er wie unter Zwang und der Fremde, dem sie noch immer nicht ins Gesicht gesehen hatte, führte sie fort. Fort von Rodolphus an eine andere freie Stelle und reichte ihr seine Hand.
Nun endlich sah sie ihm ins Gesicht und obwohl sie hätte erschrecken müssen, fühlte sie auf einmal eine innere Ruhe, die sie erfüllte. Es war der geheimnisvolle Mann, der sie rettete, es war, Tom Riddle. Der Mann über den ganz London sprach und der hinter der Hand „Der dunkle Lord“ genannt wurde. Mächtiger als Rodolphus, den Gerüchten nach. Sie hatte es geahnt.
Und trotz allem hatte sie keine Angst und reichte ihrem geheimnisvollen Retter die Hand zum Tanze. Sie begannen sich langsam zu drehen und im Takt der Melodie fühlte Bella sich davon schweben.
Doch mit ihm war es anders als mit Rodolphus. Ihre innere Ruhe wich einem aufgewühlten Gefühl, dass sich nicht beiseiteschieben ließ. So tanzten sie einige Sekunden, die Bella wie Stunden vorkamen, bis der Fremde anfing zu reden.
„Es ist ein altes Thema, doch neu für mich.
Zwei, die dieselbe lieben, nämlich: Dich.“
Du hast dich entschieden, ich hab dich verpasst.
Bin auf deiner Hochzeit, nur der Gast.“
Bellatrix stockte der Atem. Mitten im Tanz blieb sie stehen. Sie musste sich verhört haben. Nicht nur, dass Tom Riddle sich ganz nah an ihrem Gesicht befunden hatte, nein, er hatte ihr auch noch eine Liebeserklärung gemacht. Sie musste es sich eingebildet haben. Es konnte nicht wahr sein und es sollte nicht wahr sein. Zum ersten Mal in ihrem neuen Leben würde sie Haltung bewahren, schwor sie sich, und sah sich nach Rodolphus um, der am Rand der immer noch herumwirbelnden Paare stand. Doch anders als sie erwartet hatte, beobachtete er sie nicht. Er unterhielt sich angeregt mit einem Geschäftspartner und lachte gerade laut auf.
Stolz erhob sie den Kopf, raffte ihr weißes Kleid und schritt mit gestrafften Schultern auf Rodolphus zu. Er wandte den Kopf und in der Sekunde in der sich ihre Augen trafen, fiel die ganze Szenerie in sich zusammen. Die Tänzer um sie herum sackten einfach zusammen, die Menschen, die an den Tischen saßen oder am Rand standen sanken auf den Boden oder über die Tischplatten. Nur Rodolphus stand noch, doch auch er war erstarrt. Eine namenlose Angst ergriff Bellatrix und sie rannte, rannte auf ihren Mann zu, der das Gesicht zu einem halben Lächeln verzogen hatte und doch nicht richtig lächelte. Als sie ihn erreicht hatte und die Arme um seine Brust schlang, wirkte es fast, als würde er über sie hinwegsehen. Da hörte sie wieder die Stimme Riddles.
„Du hast dich abgewendet, doch nur zum Schein.“
Du willst ihm treu sein, doch du lädst mich ein.
Noch in seinen Armen, lächelst du mir zu,
Und wohin das führn wird, weißt auch du.“
Vorsichtig wandte Bellatrix Lestrange sich um. Der dunkle Lord stand noch immer an der gleichen Stelle wie zuvor. Doch nun blickte er sie stolz und fast zornig an. Sie hatte sich getäuscht, nicht alle im Raum waren zusammen gesunken. Einige, ebenfalls schwarz gekleidet, so wie er, standen noch und beobachteten ihn. Todesser. Bellatrix wusste es, ohne genau zu wissen woher.
Die Anhänger des dunklen Lords.
Sie klammerte sich an Rodolphus, unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen.
Einige Sekunden später stand Riddle auf einmal vor ihr. Sie hatte nur kurz geblinzelt und er war vom anderen Ende des Raumes auf sie zugekommen, ohne dafür auch nur einen Fuß zu bewegen. Spöttisch verbeugte er sich vor ihr, etwas, dass er bei ihrem ersten Tanz versäumt hatte. Und griff ihre Hand, sie wollte sich wehren, doch er ließ ihr keine Chance.
„Der letzte Tanz, der letzte Tanz,
gehört allein nur mir!
Den letzten Tanz, den letzten Tanz,
tanz ich allein mit dir.“
Er riss sie an sich. Es hätte eine leidenschaftliche Bewegung seien können, wenn nicht sein Gesichtsausdruck gewesen wäre. Hart und kalt. Anders konnte man ihn nun nicht mehr beschreiben. Wie aus Stein gemeißelt und ohne die geringste Regung.
Die Todesser zogen sich zurück. Bella konnte es mehr spüren, als dass sie es sah. Sie war so von dem Mann, der sie festhielt gefesselt, dass sie sich auf nichts anderes konzentrieren konnte. Er zerrte sie zurück auf die Tanzfläche und, ohne ihre Hände auch nur für eine Sekunde los zu lassen, oder den Blick von ihrem Gesicht zu nehmen, begann er zu tanzen. Es war ein seltsamer Tanz, den Bella noch nie getanzt hatte, aber das war auch nicht nötig. Der dunkle Lord hatte die Führung. Ganz und gar. Er schubste sie mehr herum, als dass sie tanzte. Doch trotzdem konnte man es als Tanz bezeichnen. Irgendwie.
„Die Zeit wird alt und müde, der Wein wird schal.
Die Luft ist schwül und stickig im Spiegelsaal.
Unsichtbare Augen sehen uns beiden zu.
Alle warten auf das Rendezvous.“
Es stimmte. Obwohl sie zu protestieren versuchte, bemerkte sie die Blicke der Todesser. Lauernd und bedrohlich. Die Musik, die beim Tanz eingesetzt hatte, erreichte nun ihren Höhepunkt und mit einem Mal fand Bella sich auf dem Boden wieder. Der dunkle Lord hatte sie zurück gestoßen wie eine Marionette, ihr war, als wären ihre Fäden gerissen. Er blickte nun von oben auf sie herab und lächelte höhnisch. Wütend sprang Bella auf die Füße. Das würde und musste sie sich nicht gefallen lassen. Mochte sie sich auch in einer Trance befinden, egal wer er war und wie groß seine Macht war, niemand hatte das Recht sie so zu behandeln.
„Wer glauben Sie eigentlich, dass sie sind, sie verdammter arroganter Mistkerl. Machen sie, dass das hier aufhört. Es ist meine Hochzeit. Ich will nicht mit ihnen tanzen, und dass ist auch kein Rendezvous. Was erlauben sie sich?“ Mit jedem Satz kam sie näher auf ihn zu. Sie hatte die Hand mit dem Zauberstab schon erhoben, als er ihr Handgelenk erneut umfasste und sie von sich weg schob.
Er lachte laut. „Ich bin Lord Voldemort, Kleines.“
Der letzte Tanz, der letzte Tanz
Gehört allein nur mir!
Den letzten Tanz, den letzten Tanz
Tanz ich allein mit dir!
Wieder bewegte er sich schneller als sie schauen konnte. Er hatte nun seinen Zauberstab gezückt und stieß Bella von sich weg, mit einer ruckartigen Bewegung, sodass sie sofort auf den Boden fiel. Er stand über ihr und richtete seinen Zauberstab auf sie und zuckte nicht mal mit der Wimper. Das Gewicht ihres Kleides und ihres Diadems drückte zentnerschwer auf ihren Kopf und ihren Körper. Sie konnte sich nicht mehr von alleine aufrichten, nur zu ihm hochschauen, wie ein verängstigtes Tier. Und doch empfand sie keine Angst. Es war etwas anderes, etwas dass sie nicht zu deuten wusste und es nicht konnte. Sie bewunderte diesen Mann. Er war so mächtig. Er hatte mit nur einem Zauber den ganzen Raum erstarren lassen.
< Rodolphus könnte so etwas nie > schoss es ihr durch den Kopf. Und zuckte zusammen. Wieso dachte sie so etwas. Sie schaute wieder zum dunklen Lord auf, der grinste, als wüsste er genau, was sie gerade dachte. Das wiederum war ihr unheimlich, aber nicht unangenehm. Wenn er wusste was sie empfand, gab es ja keinen Grund mehr sie am Boden zu halten. Sie funkelte ihn an. Er neigte den Kopf und der Druck ließ nach, doch sein Zauberstab blieb auf sie gerichtet, während ihrer nutzlos an ihrer Seite lag.
Und so wart ich im Dunkeln und schau zu dir hin
Als der große Verlierer, doch ich weiß, ich gewinn!
Er lachte. Es war ein wahnsinniges Lachen, ohne Freude. Als er nach unten griff um ihr aufzuhelfen und sie sich weigerte seine Hand zu ergreifen, verwandelte sich dieses Lachen in ein grimmiges Lächeln und das kalte Funkeln in den dunkeln Augen verstärkte sich. Er griff grob nach ihrem Arm und zerrte sie hoch, verbeugte sich erneut, um sie dann wieder von sich weg zu schieben.
Der letzte Tanz, der letzte Tanz
Gehört allein nur mir!
Den letzten Tanz, den letzten Tanz
Tanz ich nur mit dir!
Dann wandte er sich um und ging zur Tür, ohne sie noch einmal anzusehen.
Sie stand noch immer an derselben Stelle, an der er sie verlassen hatte. Bellatrix konnte nicht anders, als ihm hinterher zu sehen. Und eine unbestimmte Sehnsucht ergriff sie, als ihre Augen dem großen, schlanken Mann folgten.
Als er die Tür erreichte drehte Tom sich ein letztes Mal um. Mit einem Lächeln, das so kalt wie Eis war, schwang er seinen Zauberstab. Und als wäre das ganze Schloss aus einer Trance erwacht, setze die normale Musik wieder ein und die Gäste erhoben sich. Aber ohne sich zu regen, oder darüber zu wundern, dass sie am Boden lagen. Es schien das normalste der Welt zu sein. Ein paar Stimmen setzen ein. Hier und da.
Bella hörte nur Wortfetzen. Doch was sie hörte machte ihr Angst.
„Wir sind am Ende“
„[…] Zeitwende […] Alle Fragen sind gestellt.“
Was hatte das zu bedeuten? Wer hatte es gesagt? Sie wollte sich suchend umsehen. Doch noch immer war es, als könne sie sich nicht bewegen. Toms Blick ruhte auf ihr, wie auf einem unwilligen Hund. Sein Gesicht spöttisch verzogen.
Sie spürte eine Hand auf ihrer Schulter und zuckte zusammen. Jetzt endlich konnte sie sich wieder bewegen und als sie sich umdrehte, konnte sie in das besorgte Gesicht von Rodolphus sehen. Sie fiel ihm in die Arme. Sie erwartete, dass er irgendetwas sagen würde. Irgendetwas, das die Situation entschärfen könnte. Doch nichts geschah. Er hielt sie einfach nur fest.
Er müsste wütend sein. Auf diesen wahnsinnigen Fremden, der es einfach wagt ihre Hochzeit zu stören. Rodolphus müsste ihn zum Duell fordern, weil er es gewagt hatte sie so zu behandeln. Er müsste irgendetwas tun. Doch er tat es nicht. Und so kam es, dass Bellatrix Black zum ersten Mal von Rodolphus enttäuscht wurde.
Sie hörte noch Toms Ruf, doch als sie sich aus Rodolphu‘s Armen wandte, war er bereits verschwunden. Mit ihm seine Anhänger. Und nur der Nachruf seiner Worte klang ihr noch in den Ohren.
„Der letzte Tanz gehört alleine mir!“
Das Kapitel ist Yatsukino gewidmet. Und ich hoffe, dass es ihr gefällt.
Genauso wie ich hoffe, dass es nun vielleicht auch ein paar mehr Leute lesen.
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