
von Zelda-Angel
Kapitel 4
Als Leandra am Weihnachtsmorgen erwachte, lag ein Berg Geschenke an ihrem Fußende. Während sie auspackte, dachte sie, wie seltsam es war, an Weihnachten alleine zu sein. Sie freute sich sehr über ihre Geschenke, dann stand sie auf, zog sich etwas hübsches an, es war ja schließlich Weihnachten, und ging runter zum Frühstück.
Die Große Halle war prächtig geschmückt, aber Leandra staunte, als sie herein kam: Die vier Haustische waren weg, dafür stand ein einziger Tisch in der Großen Halle. Dort saßen unter anderem die Professoren Dippet, Dumbledore, Slughorn, Aubrey und Merrythought.
„Guten Morgen und Fröhliche Weihnachten“, wünschte Leandra, als sie am Tisch ankam und die Lehrer grüßten zurück.
Dumbledore erläuterte auch gleich, wieso nur ein Tisch in der Halle stand: „Es sind kaum Schüler hier und da Weihnachten ist, fanden wir es überflüssig, die Haustische zu nehmen. Setzen Sie sich.“
Kurz darauf kamen noch drei Siebtklässer, noch zwei weitere Fünftklässler und natürlich Tom Riddle. Er begrüßte höflich wie immer die Lehrer und setzte sich neben Leandra.
„Frohe Weihnachten“, sagte sie und strahlte ihn an. Tom sah sich einen Moment lang verwundert an und murmelte dann: „Frohe Weihnachten.“
Es gab ein herrliches Frühstück und es wurde fast eine Stunde lang genüsslich gegessen. Danach rollten alle mehr oder weniger aus der Großen Halle.
„Und, was machst du heute so?“, fragte Leandra Tom in der Eingangshalle. Er zuckte mit den Schultern.
„Lernen.“
„Lernen?“, wiederholte Leandra erstaunt.
„Was sonst?“, antwortete Tom.
Leandra schüttelte den Kopf. „Es ist Weihnachten!“
„Und?“
„Das glaub ich jetzt nicht. Komm mit!“
Etwas verblüfft folgte ihr Tom bis in den Korridor mit dem Porträt der Fetten Dame.
„Du wartest hier, bin in zwei Minuten wieder da! Und rühr dich nicht vom Fleck!“
Anscheinend war Tom neugierig geworden, denn er lehnte sich an die Wand und nickte kaum merklich. Leandra düste in ihren Schlafsaal, zog sich Stiefel, Schal, Mantel, Mütze und Handschuhe an und düste wieder aus dem Gemeinschaftsraum.
„Wir gehen ein bisschen raus! Keine Widerrede!“ Tom sagte nichts, ging aber mit.
„Was ist denn los mit dir? Hallo, es ist Weihnachten!“ Leandra konnte seine Gleichgültigkeit kaum fassen.
„Für mich ist das ein Tag wie jeder andere“, sagte Tom.
„Was? Wieso denn?“
„Ich hab keine Familie, schon vergessen?“
Auf einmal tat er Leandra schrecklich leid. Daran hatte sie nicht mehr gedacht.
„Tut mir leid. Aber du kriegst doch wenigstens Geschenke von deinen Freunden, oder?“
„Schon, aber das bedeutet nichts. Das machen die ja nur, weil man das eben so macht, weil es alle machen.“
„Ich wette, du hast einen Haufen Liebesbriefe gekriegt, stimmt’s?“ Leandra zwinkerte und grinste ihn an.
„Hab sie schon verbrannt.“
„Das ist aber nicht nett.“
„Komm schon, die meisten, die mir schreiben, haben noch nie ein Wort mit mir gesprochen, kennen mich gar nicht, behaupten aber, in mich verliebt zu sein, das geht doch gar nicht.“
„Ja, da hast du eigentlich recht. Das ist mehr Schwärmerei, würde ich sagen.“
„Eben. Und das nervt.“
„Kann ich verstehen.“
Sie schwiegen kurz, dann sprang Leandra plötzlich zur Seite.
„Was ist denn?“, fragte Tom irritiert.
„Das!“
Leandra zeigte auf etwas auf dem Boden vor ihnen. Eine ganze Gruppe Spinnen krabbelte über den Flur hinüber zu den Fenstern, wo sie durch einen schmalen Spalt ins Freie gelangten.
„Bah, ist das eklig!“ Leandra schüttelte sich.
Tom sah sie einen Moment verblüfft an, dann fing er lauthals an zu lachen. Leandra guckte ihn mit großen Augen an. Sie hatte ihn noch nie so lachen sehen. Tom kriegte sich gar nicht mehr ein. Leandra stemmte die Hände in die Hüften.
„Lachst du mich etwa aus?“
„Offensichtlich tu ich das“, stieß er hervor und fing schon wieder an.
„Haha, unheimlich witzig“, meinte sie trocken, worauf Tom sich an die Wand lehnte und noch mehr lachte.
„Tom!“
Doch je mehr Leandra sich aufregte, desto mehr musste Tom lachen.
„Meld dich einfach, wenn du dich wieder beruhigt hast”, meinte Leandra schnippisch, holte aus und machte einen Riesenschritt über die Spinnenkarawane.
Dass das dämlich ausgesehen haben musste, war ihr klar, trotzdem regte es sie furchtbar auf, als Tom nur noch weiter lachte. Sie drehte sich um und sah ihn wütend an, aber irgendwann steckte er sie an und sie lachte mit. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigten. Irgendwann trat Tom elegant über die Spinnen.
Leandra fiel plötzlich etwas auf.
„Seltsam, oder? Hast du so was bei Spinnen schon mal gesehen? Es ist saukalt draußen und trotzdem scheinen sie panische Angst vor irgendwas zu haben und wollen so schnell wie möglich raus.“
„Ja, stimmt. Das ist wirklich merkwürdig. Aber dass du Angst vor Spinnen hast...!“
„Jaja, sehr witzig.“
Sie zankten sich noch bis in die Eingangshalle, dort wartete Leandra auf Tom, der runter in den Gemeinschaftsraum ging und sich warme Sachen anzog.
Kurz darauf kam er wieder hoch und die beiden gingen hinaus.
„Oh, schau mal!“
Die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne schien auf die schneebedeckten Ländereien. Der Schnee glitzerte wie Tausende von Diamanten.
„Lass uns doch eine Runde um den See gehen“, schlug Tom vor.
„Gute Idee.“
Sie unterhielten sich über alles mögliche, nur die Kammer des Schreckens erwähnten beide nicht. Auf der gegenüber liegenden Seite des Sees setzten sie sich auf eine Bank.
„Kann ich dich mal was fragen?“, fragte Leandra.
„Kommt drauf an, was.“
„Naja... also... du hast vorhin gesagt, dass du keine Familie hast. Was ist denn passiert?“
Tom seufzte. Er schien zu überlegen, ob er antworten wollte oder nicht. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er dann doch antwortete.
„Meine Mutter ist kurz nach meiner Geburt gestorben. Mein Vater hat sie verlassen, als sie schwanger war.“
„Das tut mir leid.“
Tom schwieg.
„Fragst du dich manchmal, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn deine Mum nicht gestorben wäre?“
„Jeden Tag.“
„Bist du trotzdem glücklich?“
„Glücklich?“
„Oder sagen wir mal, zufrieden mit deinem Leben, so wie es ist?“
„Ich denke schon. Hogwarts ist das Beste, was mir passieren konnte. Und du?“
„Also im Moment bin ich glücklich. Glaub ich.“
Leandra stand auf und trat ans Seeufer. „Meinst du, das Eis ist dick genug?“
„Der See ist seit Mitte November zugefroren. Natürlich!“
Leandra trat vorsichtig aufs Eis. „Mit den Schuhen ist es ein bisschen doof, aber es wird gehen. Hoff ich jedenfalls.“
Sie holte Schwung und schlitterte übers Eis. Aber kurz darauf kam sie schon wieder ans Ufer.
„Schon fertig?“, fragte Tom.
„Geht nicht gut mit Schuhen“, meinte Leandra und bückte sich.
Sie tat, als wollte sie den Reißverschluss ihrer Stiefel nachziehen, häufte sich aber stattdessen einen Schneeball zusammen und warf ihn nach Tom.
„Hey!“, rief er empört. Leandra lachte und warf gleich den Nächsten.
„Na warte!“
Tom begann jetzt auch zu werfen und im Nu war eine Schneeballschlacht im Gange. Irgendwann erwischte Leandra Tom im Gesicht. Daraufhin stürzte Tom mit einer Handvoll Schnee auf sie zu und seifte sie ein. Leandra kreischte, als der Schnee in ihre Jacke und unter ihren Pulli geriet. „Iiih, ist das kalt!“
Tom schnappte sich die nächste Ladung und verrieb den Schnee in ihren kastanienbraunen Haaren.
„Tom, hör auf!“, rief sie lachend, dann nahm sie eine handvoll Schnee und klatschte ihm den Schnee ins Genick. Danach schmierte sie ihm auch noch eine weitere Ladung in die Haare. Tauender Schnee lief ihm übers Gesicht und Leandra konnte sich inzwischen vor lauter Lachen kaum noch auf den Beinen halten. Sie griff nach Toms Arm, um sich festzuhalten und verlor das Gleichgewicht, worauf sie mit der anderen Hand Toms Schal erwischte. Im nächsten Moment lagen beide im Schnee und schütteten sich aus vor Lachen. Es dauerte lange, bis sie sich beruhigten.
„Ist doch viel besser als Lernen, oder?“, fragte Leandra irgendwann atemlos.
„Stimmt.“
„Du solltest öfters lachen, das steht dir gut.“
„Ach ja?“
„Sonst würde ich es ja nicht sagen.“
Tom drehte den Kopf nach links und sah sie an.
„Du bist irgendwie... seltsam.“
„Findest du?“
„Jaah, irgendwie schon.“
Sie schwiegen kurz, dann begann Tom zu grinsen.
„Machst du dich etwa schon wieder über mich lustig?“
„Ja. Das macht Spaß.“
Leandra haute ihm auf den Arm. „Pff.“
Sie starrte wieder in den blauen Himmel, an dem Wolken vorbeizogen.
„Die Wolke da sieht aus wie ein Drache“, fand sie.
„Ich finde, sie sieht aus wie ein geflügeltes Pferd.“
„Hm. Und die dort?“
„Schwierig. Ein Knuddelmuff?“
„Könnte hinkommen.“
Sie schwiegen eine Weile. „Manchmal wünsche ich mir, ich könnte fliegen. Aber ohne Besen, wie ein Vogel. Das muss ein unglaubliches Gefühl sein“, sagte Leandra leise.
„Ja, das muss fantastisch sein.“
„Ich versuch’s einfach.“
Leandra stand auf und ging rüber zur Sitzbank. Tom setzte sich auf und sah zu, wie Leandra auf die Bank stieg.
„Pass auf“, rief sie und war schon wieder kurz davor, einen Lachanfall zu kriegen. Dann sprang sie von der Bank und landete ein paar Meter weiter im Schnee.
„Na ja. Es war einen Versuch wert, oder?“
„Hätte ja sein können“, stimmte Tom zu. Leandra kam zu ihm und streckte ihm ihre Hand entgegen. Tom ergriff sie und sie zog ihn hoch.
„Also, ich weiß ja nicht, wie’s dir geht, aber ich fange gerade an zu frieren“, sagte sie.
„Dann gehen wir am besten zurück. Es ist sowieso Zeit fürs Mittagessen.“
Die beiden redeten auf dem Rückweg noch über alles mögliche. Kurz vorm Schloss trafen sie auf Mr. Ogg, den Wildhüter, der zwei tote Hähne in der Hand hielt.
„Was ist passiert?“, fragte Leandra sofort.
„Das wüsste ich auch gern. Das waren meine beiden letzten. Alle meine Hähne sind in den letzten acht Wochen gestorben. Keine Ahnung warum. Ich werde mal bei der Lehrerschaft um Rat fragen.“
„Komisch, oder?“, meinte Leandra zu Tom, während sie dem Wildhüter nachblickten.
„Ja, stimmt. Ich glaube nicht, dass es an der Kälte liegt.“
„Ich auch nicht. Aber apropos Kälte: Lass uns reingehen, ich frier gleich fest.“
In der Eingangshalle blieben sie stehen.
„Treffen wir uns in einer Viertelstunde wieder hier?“, fragte Tom.
„Okay. Dann bis gleich.“
„Bis gleich.“
Leandra war total verwirrt, während sie die Treppen hochstieg. Der Vormittag mit Tom war so... normal gewesen, witzig und locker. Sie spürte, dass sie heute eine Seite von Tom gesehen hatte, die er vermutlich noch niemandem gezeigt hatte.
Später rannte sie die Treppen hinunter. Sie hatte zu lange überlegt, was sie anziehen sollte und war nun spät dran. Sie rannte die letzte Treppe zur Eingangshalle hinunter. Tom war nirgends zu sehen. Sie war fast unten, als er plötzlich hinter einer Säule hervor kam. „Vorsicht!“, rief sie, aber zu spät. Sie hatte soviel Schwung vom Rennen, dass sie weder bremsen noch ausweichen konnte, und rauschte voll in Tom rein. Der hielt sie geistesgegenwärtig fest und taumelte ein paar Schritte zurück, konnte sich aber auf den Beinen halten.
„Tschuldigung. Tut mir echt leid!“ Leandra war knallrot angelaufen.
„Nichts passiert.“ Er hielt sie immer noch fest und machte keine Anstalten, sie loszulassen. Sie sah ihn verlegen an. „Tom? Du kannst mich jetzt loslassen.“
Tom ließ sie los und trat einen Schritt zurück. Sie sahen sich kurz schweigend an. „Gehen wir?“, fragte Leandra. „Ja.“
Das Mittagessen verlief verkrampft, weil die Lehrer dabei waren. Die beiden waren richtig froh, als der Nachtisch verspeist war und sie endlich abhauen konnten. Draußen mussten sie erst mal lachen.
„Hast du gesehen, wie die geguckt haben?“
„Der Knaller“, stimmte Leandra zu und musste sich gegen die Wand lehnen.
„Sollen sie denken, was sie wollen. Ist mir egal.“
Leandra sah ihn verblüfft an, sagte aber: „Und was machen wir jetzt?“
„Komm mit. Ich zeig dir was.“
Er führte Leandra über sämtliche Geheimgänge in den siebten Stock. Einige davon hatte sie gekannt. Sie kamen in einem verlassenen Korridor heraus.
„Warte hier“, sagte Tom und ging dann dreimal hin und her. Leandra wollte gerade fragen, was das sollte, als sich eine Tür in der Wand bildete.
„Was ist das?“
„Der Raum der Wünsche.“
„Raum der Wünsche?“
„Du gehst dreimal an dieser Wand vorbei und wünschst dir dabei, wie der Raum aussehen soll. Wenn du dich zum Beispiel vor Pringle verstecken willst, kommt meistens nur eine Besenkammer dabei raus. Wenn du einfach einen Raum brauchst, wo du deine Ruhe haben willst, kommt meistens ein Zimmer mit einem Kamin, einem Pult und einem Sofa.“
„Und was haben wir heute?“, fragte Leandra.
„Nach dir“, sagte Tom und öffnete die Tür.
Leandra trat ein und staunte. „Wow.“ Sie stand in einem hellen Zimmer mit Kamin, einem weißen Sofa, einem Tisch und vielen Regalen. Darin standen so ziemlich alle Zaubererspiele, Scherzartikel, und alles andere, mit dem man sich die Zeit vertreiben konnte.
„Irre. Wie wär’s mit Zauberschach?“
„Du kannst das?“, fragte Tom.
„Ja. Wieso erstaunt dich das?“
„Keine Ahnung. Hab dich nie spielen sehen.“
„Ja, wie auch? Mein Dad hat’s mir beigebracht. Er ist ein Ass in Zauberschach.“
„Aha. Schwarz oder weiß?“
„Schwarz.“
Tom hob eine Braue.
„Mit Schwarz gewinne ich öfters als mit Weiß, habe ich irgendwann gemerkt, und deswegen nehme ich immer Schwarz.“
„Na gut.“
Sie setzten sich an den Tisch, wo das Schachbrett schon spielbereit aufgebaut war.
Die Partie dauerte ziemlich lange, aber am Ende gewann Tom. „Du bist wirklich gut“, sagte er anerkennend. „Danke.“
Die beiden verbrachten einen lustigen Nachmittag und kamen deswegen zu spät zum Abendessen. Leandra und Tom setzten sich dieses Mal so weit wie möglich von den Lehrern weg. Die Hauselfen in der Küche hatten sich mit dem Weihnachtsessen selbst übertroffen. Es war köstlich und es gab Sachen, die es sonst nie gab. Der Nachtisch war genauso gut. Cremetörtchen mit allen möglichen Füllungen, Crepes, Kuchen, Schnitten, Pudding und so weiter. Leandra war irgendwann so voll, dass sie befürchtete, nicht mehr aufstehen zu können. Tom dagegen futterte immer noch.
Leandra glotzte ihn mit offenem Mund an.
„Was? Noch nie jemand beim Essen gesehen?“, fragte er zwischen zwei Bissen, worauf Leandra einen Lachkrampf bekam.
Tom verdrehte die Augen. „Du bist wirklich komisch.“
„Danke, gleichfalls.“
Jetzt mussten beide lachen, aber nur, bis Tom sich verschluckte. Leandra schlug ihm kräftig auf den Rücken.
„Kommt davon, wenn man den Mund zu voll nimmt.“
Tom hustete ein paar Mal und meinte zu ihrem Klopfen: „Nicht schlecht für ein Mädchen.“
„Was soll das denn heißen?“
„Gar nichts.“
Leandra verschränkte die Arme und blies empört die Backen auf.
„Komm, wir gehen“, sagte Tom dann plötzlich, nahm sich die letzte Schnitte kurzerhand mit, wünschte den Lehrern eine gute Nacht und zog Leandra aus der Großen Halle.
In der Eingangshalle mampfte Tom erst mal seine Schnitte.
„Ich wusste gar nicht, dass du so auf Süßigkeiten abfährst.“
„Schmeckt eben.“
„Oja. Und es macht fett.“
„Tja, dann musst du wohl die nächsten Tage hungern.“
„Hehe, von wegen. Wozu bin ich eine Hexe?“
„Mit dieser Art Zauber kenn ich mich nicht aus. Das ist Weiberkram.“
„Merlin sei Dank gibt es auch Sachen, die Mädchen besser können.“
Die beiden verfielen in Schweigen.
„Und was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend?“, fragte Leandra.
„Hm...“
Beide überlegten.
„Was machst du denn sonst mit deiner Familie nach dem Weihnachtsessen?“, fragte Tom.
„Entweder spielen meine kleine Schwester Lovisa und ich mit den Sachen, die wir geschenkt bekommen haben – also wenn was zum Spielen dabei ist – oder wir sitzen einfach mit Mum und Dad im Wohnzimmer. Jeder macht dann was anderes, Mum strickt, Dad bastelt wieder an irgendwas, Lovisa spielt meistens und ich lese. Aber wir sind trotzdem zusammen, auch wenn jeder mit etwas anderem beschäftigt ist.“
„Lass uns doch nochmal nach oben gehen“, schlug Tom vor.
Oben spielten sie noch die angefangene Partie Zauberschach zu Ende (diesmal gewann Leandra), dann gingen beide zu den Regalen mit den verschiedensten Büchern. Leandra schnappte sich eine Kurzgeschichte, Tom ein Buch über Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Sie fläzten sich aufs Sofa und lasen. Obwohl sie kein Wort redeten und jeder was anderes las, fühlte Leandra eine Art von Zusammenhalt, fast wie zu Hause.
Kurz vor der Sperrstunde verließen die beiden den Raum der Wünsche. Tom brachte Leandra noch rüber zum Porträt der Fetten Dame.
„War ein schöner Tag. Danke, Tom.“ Sie lächelte ihn an.
„Ich muss dir danken, dass du so hartnäckig warst“, entgegnete Tom.
„Ja. Wir sehen uns dann morgen beim Frühstück nehme ich an?“
„Ich denke schon. Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Tom.“
Tom drehte sich um und verschwand den Flur hinunter, dann sagte sie das Passwort und kletterte durchs Porträtloch.
Im Bett grübelte sie über den Tag nach. Sie hatte richtig Spaß gehabt. Aber er ist der Erbe Slytherins!, schimpfte ihre innere Stimme. Tom schien einige Seiten zu haben, nicht nur die des Musterschülers und die des Erben. Welche Seite hatte er ihr heute gezeigt? Etwas dazwischen? Oder war das echt?
In dieser Nacht hatte Leandra im Traum wieder eine Vision: Ein großes Fest, Megan und Gaya in Abendkleidern, Lovisa, älter als heute, die kichernd aus einem Gebüsch kam.
Am nächsten Morgen grübelte Leandra, was für ein Fest das wohl war. Vielleicht war es aber auch nur ein Traum, dachte sie dann.
Tom und Leandra verbrachten die restlichen Ferien mit Lernen und verstanden sich prima. Sie stritten sich zwar leidenschaftlich gerne, aber am Ende ging der ganze Streit meistens in einem Lachanfall unter.
Dann waren die Ferien zu Ende, die anderen Schüler kamen zurück und der Unterricht fing wieder an, sodass Leandra und Tom sich eigentlich nur noch im Unterricht sahen, was für die beiden aber auch genug war.
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