
von Zelda-Angel
Danke fĂĽr die Kommis!
Kapitel 9
Als Leandras magischer Wecker mitten in der Nacht losging, hätte sie ihn am liebsten gegen die Wand geschmissen. Müde rappelte sie sich hoch, duschte und zog sich an, dann nahm sie ihren Rucksack, den sie gestern Abend noch gepackt hatte. Unten traf sie auf ihren Dad, der ebenfalls ziemlich müde aussah.
„Morgen.“
„Morgen.” Mrs. Fawcett bereite gerade das Frühstück zu.
„Tom noch nicht da?“, fragte Leandra verwundert, denn Tom war immer pünktlich.
„Hab ihn noch nicht gesehen.“
„Ich seh besser nach, ob er schon wach ist“, meinte Leandra und ging wieder nach oben. Dort klopfte sie an Toms Tür. Nichts war zu hören. Sie klopfte lauter.
„Tom? Bist du wach?“
Keine Antwort. Leise öffnete Leandra die Tür und betrat Toms Zimmer. Ein paar Kerzen brannten, mehr konnte sie nicht feststellen, denn die Badtür knarrte und dann stand auf einmal Tom da, nur mit einem Handtuch um die Hüften und nassen Haaren. Beide bekamen einen Riesenschreck und Leandra wurde feuerrot. Hastig drehte sie sich weg.
„Tut mir leid, ich... ich wollte nur sehen, ob du schon wach bist. Ja, ähm, du bist ja wach, also... ähm... ich geh dann mal... Frühstück ist fertig.“
Leandra flüchtete auf den Flur. Merlin, wie peinlich war das denn?! Oh mein Gott! Scheiße, scheiße, scheiße! Sie schlug ihre Stirn mehrmals gegen die Wand. Aber er sieht schon ziemlich gut aus. Leandra! Beherrsch dich! Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Wie peinlich!,dachte sie und musste sich erst einmal beruhigen, bevor sie wieder in die Küche ging. Tom kam etwa fünf Minuten später runter und Leandra vermied es, ihn anzusehen, das Ganze war ihr einfach total peinlich.
Der Weg zum Portschlüssel dauerte etwa eine Stunde. Leandras Dad war derjenige, der Konversation betrieb. Leandra konnte Tom immer noch nicht anschauen. Am Portschlüssel, einem kaputten Eimer, trafen sie noch auf Familie Stebbins, die ebenfalls zur WM wollte. Alle legten einen Finger an den Eimer. „Fünf, vier, drei, zwei, eins.“ Dann wurden sie alle weggerissen und flogen durch bunte Farben, bis Mr. Fawcett „Loslassen!“ rief. Tom und Leandra landeten wie die anderen mit beiden Füßen auf der Erde.
Dann setzte sich die Karawane in Bewegung.
„Was ist eigentlich los mit dir?“, fragte Tom.
„Ähm, nichts.“
„Hör mal, das von vorhin war doch nicht schlimm.“
„Es war total peinlich.“
Tom lachte. „Sagen wir, etwas unvorhergesehen. Redest du jetzt wieder mit mir?“
„Wenn du unbedingt willst.“
„Ja, will ich.“
„Na gut.“
Bald kamen sie im Zeltlager an.
„Wahnsinn“, sagte Leandra aufgrund der Zelte und deren Funktionen. Auch Tom staunte.
„Da hinten sind die Fidschis und dort drüben die Spanier.“
Die meisten schliefen noch.
„Wir sind da“, sagte Mr. Fawcett plötzlich und blieb vor einem kleinen Zelt stehen. Leandra ging zuerst rein.
Tom folgte ihr. „Toll!“
Das Zelt sah von innen aus wie eine Wohnung. Es gab ein Wohnzimmer, eine Küche, ein Bad und zwei Schlafzimmer mit je zwei Etagenbetten. „Fantastisch“, sagte Tom.
„Ich schlage vor, ihr teilt euch eins der Schlafzimmer.“
Da es Etagenbetten übereinander waren, schien Mr. Fawcett keine Bedenken zu haben, seine Tochter mit einem Jungen in einem Zimmer schlafen zu lassen. Tom und Leandra brachten ihre Taschen in das größere Schlafzimmer.
„Wer schläft wo?“, fragte Leandra.
„Mir ist es egal“, antwortete Tom.
„Okay. Dann schlaf ich oben.“
„Tu das.“
Die beiden gingen in die Küche, wo Leandra ein zweites Frühstück herrichtete, denn vorhin hatten sich alle nur hastig ein Toast reingestopft. Dieses Frühstück fiel um einiges üppiger aus und die drei aßen gemütlich. Es war ja auch noch sehr früh, sodass man draußen ohnehin noch nichts unternehmen konnte. Leandra und Tom spielten später ein paar Runden Zauberschnippschnapp und gegen neun erwachte der Zeltplatz dann zum Leben.
„Wir gehen uns umsehen, Dad“, rief Leandra und zog Tom hinaus. Leandra sah Toms staunende Blicke über die vielen Kleinkinder, die vor den Zelten herumkrabbelten. Er hatte wohl noch nie so kleine Zauberer gesehen. Ein kleines Mädchen zwei blonden Zöpfen, vielleicht drei Jahre alt, mit saß vor dem Zelt ihrer Eltern und stocherte mit einem Zauberstab nach Ameisen, die langsam anschwollen.
„Süß, die Kleine“, sagte Leandra, dann kam der Vater des Kindes aus dem Zelt.
„Schätzchen, wie oft hab ich dir gesagt, dass du Mummys oder Daddys Zauberstab nicht anfassen sollst?!“ Er packte seine Tochter, die vergnügt quietschte, und hob sie hoch.
Leandra und Tom gingen weiter. Die Zeltstadt war ein bunter Haufen, Hexen und Zauberer aus allen Herren Ländern waren da. Sie sahen indische Zauberer mit Turbanen, arabische Zauberer in ihren weißen Gewändern, Japanerinnen in hübschen Kimonos, Norweger mit ihren typischen gestrickten Pullis und Mützen, und, und, und.
„Sowas hätte ich auch gern“, sagte Leandra mit Blick auf die schönen Kimonos der japanischen Geishas.
„Die Schuhe auch?“, fragte Tom skeptisch, denn die Schuhe waren brutal. Eigentlich waren das zwei zwanzig Zentimeter dicke Holzklötze, die nur mit zwei Riemchen am Fuß gehalten wurden, wie FlipFlops.
„Naja, nee, die nicht.“
Kurz darauf überwog bei den Zelten plötzlich die Farbe hellblau.
„Ich glaub, wir sind bei den Fidschi-Fans“, sagte Tom mit Blick auf eine hellblaue Flagge. Oben links in der Ecke war die Flagge des Vereinigten Königreiches eingearbeitet und in der rechten Hälfte befand sich das rot-weiße Wappen der Fidschi-Inseln. Die Fidschianer hatten alle hübsch gebräunte Haut und dunkelbraune bis schwarze Haare. Ein paar Mädchen, vielleicht Anfang zwanzig, kamen aus ihrem Zelt und trugen ihre traditionellen Rocke aus Stroh oder Palmenblättern und sehr, sehr knappe, bauchfreie Oberteile aus bunten Blumen, dazu noch Blumenkränze auf den Köpfen.
„Wie kann man bei den Temperaturen nur so rumlaufen? Es ist saukalt“, sagte Leandra.
Tom sagte nichts und glotzte den Mädchen mit halb offenem Mund nach.
Leandra verdrehte die Augen. „Männer!“
Tom schien aus seiner Trance zu erwachen. „Lass uns doch mal sehen, was die Spanier an ihren Zelten haben“, schlug er hastig vor und die beiden machten sich auf den Weg.
Der spanische Teil des Zeltplatzes war in rot-gelb gehalten wie die spanische Flagge. Überall wurden Stiermaskottchen angeboten, die brüllten und mit den Hufen scharrten. Gitarrenklänge waren zu hören und irgendwo sang jemand auf Spanisch.
Auf dem Rückweg zum Zelt kamen sie an allen möglichen Verkaufsständen vorbei.
„Und, für wen bist du nun?“
„Fidschi“, sagte Leandra. „Aber ich glaube, dass Spanien gewinnt.”
Es gab Flaggen der Länder, Hüte in den Farben der Mannschaften, Anstecker, die die Namen der Spieler kreischten, Schals, kleine Figuren der Spieler und viel mehr. Leandra kaufte zwei Fähnchen, zwei Anstecker und einen Hut für ihren Dad. Sie drückte Tom ein Fähnchen, ein Anstecker und einen Schal in die Hand.
„Ich will nichts hören“, sagte sie, als er schon protestierend den Mund öffnete. Tom schloss ihn wieder, dann sagte er: „Danke.“
„Gern geschehen. So, ich würde sagen, jetzt sind wir fit für’s Finale.“
Das Spiel war das beste, was Tom und Leandra je gesehen hatten. Die Jäger warfen sich den Quaffel so schnell zu, dass der Kommentartor nur die Namen der Spieler brüllen konnte.
„Die sind wirklich verdammt gut!“, sagte Leandra. „Verstehst du jetzt, dass es für mich nie zum Profi reichen würde?“
„Die stellst dich selbst unter den Scheffel, Leandra. Das hier sind die Besten der Besten, damit musst du dich wirklich nicht vergleichen. Ich bin mir sicher, dass es für die britische Liga auf alle Fälle reicht. Du bist wirklich gut. Und wenn du in so einer Mannschaft spielst, wirst du auch immer besser“, sagte Tom.
„Meinst du das ehrlich?“, fragte sie.
„Natürlich.“
Leandra lächelte ihn an, wurde aber abgelenkt, weil die Fidschis ein Tor schossen. Nach einer guten halben Stunde stand es 90:70 für die Fidschi-Inseln.
„Alvarez dreht immer noch seine Runden da oben. Keine Spur vom Schnatz“, sagte Mr. Fawcett.
„Gut für Fidschi“, sagte Leandra und jubelte, als das Team in Hellblau ein weiteres Tor machte.
Weitere zwanzig Minuten später führten die Fidschi-Inseln mit 160:90. Die heißblütigen Spanier wurden allmählich sauer. Ihre Treiber schlugen die Klatscher in den Magen des fidschianischen Hüters, der daraufhin fast ohnmächtig wurde. Ihre Jägerin hatte daraufhin freie Bahn und machte ein Tor. Fidschi konterte und schoss innerhalb von fünf Minuten drei weitere Tore. 190:100. Gerade war Fidschi wieder auf dem Weg zum Tor der Spanier, als es ein hässliches Geräusch gab und das ganze Stadion „Foul!“ brüllte.
„Ramos hat Bainimarama einen Schlag mit dem Treiberholz versetzt, genau ins Gesicht, dass müsste ein Freiwurf geben – genau so ist es, Freiwurf für die Fidschi-Inseln.“
Die gefoulte Jägerin der Fidschis, Bainimarama, führte den Freiwurf selbst aus.
„200:100 für die Fidschi-Inseln!“, rief der Kommentartor. Das Tor schien Fidschi neuen Mut zu geben, denn sie erhöhten rasch auf 230:100.
„Da!“, schrie Tom plötzlich, denn Alvarez und der Sucher der Fidschis, Nailatikau, stürzten sich in die Tiefe. Kurz, bevor sie unten waren, rief Leandra: „Der blufft!“
Genauso war es. Nailatikau hatte den Schnatz gar nicht gesehen, sondern nur so getan. In letzter Sekunde riss der seinen Besen aus dem Sturzflug, genau wie Alvarez, aber der streifte den Boden und fiel vom Besen. Es dauerte ungefähr eine Minute, bis Alvarez sich wieder berappelt hatte. Sein Team war durch den Sturz abgelenkt und Fidschis Jäger hatten ein weiteres Tor geschossen.
„Wenn sie noch zwei schießen, könnte Spanien den Schnatz fangen und Fidschi gewinnt trotzdem“, rechnete Leandra.
Im nächsten Moment ging ein empörter Aufschrei durchs Stadion und der Kommentartor rief: „Das war Absicht!“
Die ganze spanische Mannschaft, auch der Hüter, waren auf Bainimarama zugeflogen, die mit dem Quaffel auf dem Weg zum Tor war. Alle sieben flogen auf sie zu und blockten sie ab; die beiden Treiber versetzten ihr noch Schläge mit ihren Treiberhölzern. Der Schiedsrichter schimpfte mit den Spaniern und sprach den Fidschis einen weiteren Freiwurf zu. „Tor! 250:100!“ Im allgemeinen Jubel entging den meisten, dass sich der spanische Sucher Alvarez wieder in die Tiefe gestürzt hatte.
„Aha!“, rief der Kommentartor, während Alvarez losjagte. Er war dieses Mal tatsächlich hinter dem Schnatz her.
„Nailatikau kommt da nie ran!“, rief Leandra.
„Klatscher!“; rief Tom und schon wurde Alvarez, der nur auf den Schnatz fixiert war, von einem Klatscher am ausgestreckten Arm getroffen. Er trudelte zur Seite und der Schnatz war weg.
„Da hat Fidschi sehr gut mit dem Klatscher gearbeitet. Sieht aus, als hätte Alvarez sich den Arm gebrochen. Die Medimagier bitte aufs Feld.“ Alvarez’ Arm wurde geheilt und kurz darauf flog er wieder. In den nächsten Minuten passierte außer vereitelten Torchancen nicht viel.
„Los, Fidschi“, murmelte Leandra, dann hielt sie plötzlich inne.
„Was ist denn mit dem Besen von Ramos los?“ Ramos’ Besen ruckte und bockte, sodass er beinahe herunter fiel. Die Fidschis nutzten die Verwirrung im spanischen Team und schossen noch ein Tor. „260:100!!“ Sofort hörte Ramos’ Besen auf zu bocken.
„Irgendjemand hat den Besen verhext“, sagte Leandra.
„Sieht so aus. Aber wird schwer sein, denjenigen zu finden. Wieviele Leute sind nochmal da, 80.000?“, fragte Tom.
„Ja. Wird schwer. Aber trotzdem – da! Nailatikau schießt los! Er hat den Schnatz gesehen.“
„Ja, aber Alvarez ist dicht dran!“
Die beiden Sucher flogen Arm an Arm dicht über dem Boden hinter dem Schnatz her, beide streckten ihre Hände aus – dann stürzten beide aufs Feld.
„Hat einer den Schnatz?“, rief Tom.
„Keine Ahnung, ich seh nichts!“ Leandra und Tom lehnten sich über die Brüstung, um mehr zu sehen.
„Da! Nailatikau hat ihn!“, schrie Leandra und umarmte Tom begeistert. Dann kam es auch schon vom Kommentartor.
„Nailatikau hat den Schnatz gefangen! Die Fidschi-Inseln sind damit zum ersten Mal in der Geschichte Quidditch-Weltmeister!“
Das Stadion tobte und der neue Weltmeister lieĂź sich ausgiebig feiern.
Im Zelt wurde noch lange über das Spiel diskutiert, während die Fidschianer lautstark feierten.
Am nächsten Morgen kletterten alle müde aus den Betten und machten sich auf den Weg zum Portschlüssel. Am frühen Nachmittag kamen sie wieder bei den Fawcetts an.
„Na, wie war’s?“, fragte Mrs. Fawcett und Tom begann zu erzählen, was Leandra ganz recht war, denn sie war total fertig. Halb schlafend saß sie neben Tom am Küchentisch, der redete wie ein Wasserfall. Das kannte sie gar nicht von ihm. Irgendwann duselte sie ein und ihr Kopf sank auf Toms Schulter. Mrs. Fawcett lächelte.
„Wärst du so lieb und bringst Leandra nach oben?“
„Natürlich.“
Als Tom aufstand, wäre Leandra beinahe seitlich vom Stuhl gekippt, wenn er sie nicht rechtzeitig aufgefangen hätte. Tom hob sie hoch und trug sie nach oben.
Als Leandra später aufwachte, sah sie Tom auf ihrem Sofa sitzen und ihr neues Buch über Galopper-Legenden lesen, das sie von Hyperions Trainer nachträglich zum letzten Geburtstag geschenkt bekommen hatte.
„Na, wohl doch nicht so übel, die Muggellektüre“, meinte sie.
„Ach, war das eine Ruhe, als du geschlafen hast“, neckte Tom sie und bekam eine Sekunde später Leandras Kissen an den Kopf. Er lachte nur und warf das Kissen auf den Boden.
Dann hielt er das Buch hoch.
„Also ehrlich gesagt, ich bin begeistert. Diese Geschichten sind echt spannend.“
„Vor allem sind es wahre Geschichten. Wie weit bist du denn?“
„Fast durch.“
„Und, welche hat dir am besten gefallen?“
„Zu Eclipse muss ich ja nichts sagen. Aber Kincsem hat mich schwer beeindruckt. 54 Rennen – 54 Siege.“
„Kein anderes Pferd hat das je ansatzweise geschafft. Eine tolle Stute. Wusstest du, dass das ungarische Wort Kincsem Schatz bedeutet?“
„Schatz? Das war sie wohl wirklich. Aber die Geschichte von The Tetrarch hat mir auch sehr gut gefallen.“
„Ja, mir auch. Typisch für die Leute, jemanden nur wegen seinem Aussehen zu verurteilen. Und er hat es allen gezeigt!“, sagte Leandra begeistert.
„Ja, genau wie Exterminator. Wie haben sie über den gelästert, weil er so knochig war und keine Muskeln hatte und rumms! Das Kentucky Derby abgeräumt. Gainsborough war auch ein sehr gutes Pferd. Hat die Triple Crown geholt.“
„Oh ja. Er ist der Vater von Hyperion. Und der Opa von unserem Casanova. Aber St. Simon war auch ein begnadetes Rennpferd, wahrscheinlich das beste des 19. Jahrhunderts. Sein Trainer trainierte sechs Derby-Sieger und trotzdem sagte er, er habe nur ein gutes Pferd trainiert und das war St. Simon. Er ist der Stammvater der jetzigen Vollblüter, fast alle gehen auf ihn zurück.“
„Und über ihn weiter bis zu Eclipse“, fügte Tom hinzu.
„Genau.“
„Man O’ War und Seabiscuit haben mir auch gut gefallen, genauso wie Schwarzgold und Oleander.“
„Ja, für deutsche Pferde waren die beiden nicht übel. Das liegt daran, dass sie Dark Ronald-Blut in sich haben.“
„Nicht übel? Sie waren die besten in der deutschen Galoppsport-Geschichte. Oleander war der einzige, der wie Kincsem dreimal den Großen Preis von Baden gewonnen hat.“
„Und das mit kaputten Hüften. Ja, das war schon toll. Er tat mir total leid, dass sein Jockey ihm im im Preis des Arc de Triomphe so schlecht geritten hat. Sonst hätte er locker gewonnen. Er war mit Abstand das beste Pferd, aber sein Reiter hat ihm den Sieg vermasselt.“
„Ja, tragische Geschichte. Aber er ist trotzdem in die Geschichtsbücher eingegangen, siehst du?“ Tom hielt grinsend das Buch hoch.
„Aber wie Seabiscuit, das kleine Pony aus Kalifornien, den großen War Admiral geschlagen hat, war genial!“, sagte Leanadra.
„In dem Buch steht, dass sein Jockey, Red Pollard, gesagt hat, dass man Rennen nicht mit dem Kopf gewinnt...“
„... sondern mit dem Herzen. Genau. Und Seabiscuit hatte wohl das größte Kämpferherz, das ich je gesehen habe.“
„Und, glaubst du, dass ihr auch so eine Galopper-Legende hervor bringt?“
„Hm, ich weiß nicht. Casanova ist nicht schlecht, aber gut genug, um eine Legende zu bringen...“
„Hey, wovon hatten wir es denn gerade? Die besten Legenden sind doch die Pferde, denen aufgrund der Abstammung keiner was zugetraut hat.“
„Du hast recht. Vielleicht klappt’s ja. Ich werde später jedenfalls, wenn ich mit der Schule fertig bin, auch weiter Vollblüter züchten wie Dad. Es macht mir einfach Spaß und wer weiß – vielleicht steht eins unsere Pferde dann ebenfalls in einem Buch über Galopper-Legenden.“
Sie schwiegen und sahen sich an. Dann kicherte Leandra.
„Was ist?”, fragte er.
„Wenn mir mal jemand erzählt hätte, dass du eines Tages bei mir im Zimmer sitzt und mit mir über Galopper-Legenden diskutierst, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
„Ich auch.“
Sie lachten.
Dann rief Mrs. Fawcett die beiden zum Abendessen.
A/N: Wenn jemand die Galopper-Legenden nachlesen will:
www.kincsem.de
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