
von Nathania
Kapitel 1
Lily Evans stand am Gleis 9 Âľ und verabschiedete sich gerade von ihren Eltern, als die knallrote Lock hinter ihr das Signal gab, dass nun die letzte Chance zum Einsteigen war.
„ Jetzt beeil dich aber sonst fährt der noch ohne dich ab.“ , meinte Mr. Evans grinsend.
Lily rollte mit den Augen „ Ja, ja Dad. Bin ja schon weg.“
Sie umarmte ihre Eltern noch ein letztes Mal und hechtete dann, mit ihrem schweren Schulkoffer im Schlepptau, Richtung Hogwartsexpress.
Im Zug angekommen machte sie sich erstmal auf die Suche nach dem Abteil in dem ihre beiden besten Freundinnen, Selene Jones und Alice Baker schon sitzen mussten.
Nach einer Weile fand sie das gesuchte Abteil und schob die SchiebetĂĽr auf.
„Hi Mädels!“, begrüßte Lily ihre Freundinnen fröhlich.
Als Antwort bekam sie ein synchrones „Hi Lils!“ von den Beiden.
Lily ließ sich auf den Platz neben Alice fallen und wurde sofort von Selene, in einem unglaublichem Tempo, mit Fragen bombardiert: „Wo warst du so lange? Wie geht’s dir? Wie waren deine Ferien? Hast du uns vermisst?“
Lily grinste sie an.
Das war einfach typisch Selene.
„Immer eine Frage nach der andern, Sel. Du überforderst unsre arme Lily.“, lachte Alice.
Selene sah sie an und rollte mit den Augen „Ach quatsch. Unsre Lils ist ein kluges Mädchen, die schafft das schon.“
„Schon, aber selbst das klügste Mädchen kommt bei dem Tempo manchmal nicht mit“, schmunzelte Alice.
Lily sah, noch immer mit einem breitem Grinsen im Gesicht, zwischen den Beiden hin und her und merkte plötzlich wie sehr ihr ihre Freundinnen gefehlt hatten.
„Schon gut Alice. Diesmal bin ich mitgekommen.“, meinte sie lachend und Selene sah Alice triumphierend an.
„Also“, fuhr Lily fort “Ich war ein wenig spät dran und hab mich ein wenig zu lang von meinen Eltern verabschiedet. Mir geht’s gut. Meine Ferien waren eigentlich wie immer. Und ich hab euch ganz doll vermisst. Sind damit alle Fragen beantwortet?“
Selene grinste „Fürs erste schon.“
„Und bist du froh Pferdegesicht wieder los zu sein? “, fragte Alice.
Lily rollte mit den Augen „Ja und wie. Petunia war mal wieder unausstehlich…. Ihr wisst ja wie sie manchmal sein kann.“
Oh ja das wussten sie.
Mit Pferdegesicht meine Alice Lilys ältere Schwester Petunia, die wirklich ein Gesicht wie ein Pferd hatte. Seit Selene und Alice vor vier Jahren zum ersten mal bei Lily zuhause waren und dort Petunia kennen lernte, waren die Beiden fest davon überzeugt das Petunia bei ihrer Geburt im Krankenhaus vertauscht worden sein muss, denn sie ähnelte Lily nicht im geringsten und hatte eine Art an sich, die man nicht gerade liebenswert nennen konnte.
„ Zum Glück ist und bleibt Hogwarts eine Pferdegesicht freie Zone.“, seufzte Selene und die drei Freundinnen fingen herzhaft an zu lachen.
Lily wusste selbst irgendwie nicht wie es dazu gekommen ist, dass sie, Selene und Alice so gute Freundinnen geworden sind, denn unterschiedlicher hätten die drei nicht sein können.
Selene hatte hell blonde, lange Haare, die ihr in leichten Wellen ĂĽber die Schulter fielen und graue Augen. Sie war immer top gestylt und interessierte sich fĂĽr alles was mit Mode zu tun hatte. Manchmal brachte sie ihre Freundinnen damit an den Rand der Verzweiflung, denn sie konnte stundenlang ĂĽber dieses Thema reden.
Jetzt denkt man vielleicht, sie wäre eins dieser strohdummen, eingebildeten Modepüppchen, doch das ist sie wirklich nicht. Sie konnte zwar manchmal etwas zickig sein, aber eigentlich war sie immer hilfsbereit, freundlich und erst recht nicht dumm.
Alice war das genaue Gegenteil von ihr. Sie hatte kurze braune Haare, braune Augen und interessierte sich mehr fĂĽr Quidditch als fĂĽr Mode.
Sie spielte in der Hausmannschaft von Gryffindor als Jägerin und war jemand mit dem man über jeden Mist lachen und auch jeden Mist veranstalten konnte.
Mit Lily hingegen konnte man nicht jeden Mist veranstalten. Zwar verstand sie auch sehr viel Spaß, jedoch hörte der auf wenn es um die Verletzung der Schulregeln ging, denn ihr waren Schule und Noten sehr wichtig.
Sie hatte rote, lange Haare, die sich wie die von Selene, ebenfalls in leichten Wellen ĂĽber ihre Schultern fielen, und strahlend grĂĽne Augen.
Lily war ein herzensguter Mensch und half immer wo sie konnte, doch sie war auch sehr temperamentvoll und dieses Temperament bekam jeder zu spĂĽren, der es zu weit mit ihr trieb.
„ Und freut ihr euch auch so sehr wie ich auf unser sechstes Schuljahr in Hogwarts?“, fragte Alice, nachdem sich die drei wieder beruhigt hatten.
Selene lächelte „ Ja klar, dieses Jahr wird bestimmt klasse!“
Fragend sahen sie nun Lily an.
Die schaute etwas missmutig drein.
„ Für mich wird dieses Jahr nur gut werden, wenn Potter endlich mal aufhört würde mich nach einem Date zu fragen.“
Alice grinste „ Er mag dich halt. Gib ihm doch mal ne Chance. Er hat sich wirklich gebessert.“
„ Niemals. Noch nicht mal über meine Leiche.“
Lily konnte James Potter schon seit der ersten Klasse nicht ausstehen. Und seit einem Jahr fragte er sie ständig nach einem Date.
Er hielt sich für den geilsten Typen von Hogwarts und hatte ein Mädchen nach dem anderem, genauso wie sein bester Freund Sirius Black, den Lily ebenso wenig leiden konnte. Zusammen mit Remus Lupin, den sie eigentlich ganz gern mochte, da er wenigstens noch einen Sinn für Anstand besaß, und Peter Pettigrew, einem kleinem unauffälligem Jungen, nannten sie sich die Rumtreiber und stellten einen Haufen Mist in Hogwarts an.
„ Ach Lily, dann versuch doch dieses Jahr wenigstens nicht immer so auszurasten und den armen kleinen Jamsie so fertig zu machen, wenn er dich nach einem Date fragt“, lachte Selene.
„ Ich raste doch nicht wegen Potter aus. Das wäre er gar nicht wert. Und fertig mach ich ihn auch nicht.“, meinte Lily trotzig „ Und selbst wenn, bekommt dieser arrogante, selbstverliebte Arsch nur das was er verdient! Der spielt doch nur mit den Mädchen! Glaubt er kann jede haben und hält er sich für den al- “
„Du tust es schon wieder.“, unterbrach Alice sie grinsend.
„Was?“, fragte Lily und sah verwirrt zwischen ihr und Selene hin und her.
„Du rastest schon wieder wegen Potter aus.“, antworteten die beiden synchron, sahen sich an und brachen in schallendes Gelächter aus.
Lily sah die beiden mit ihrem Todesblick an und ihr lachen verstummte.
Nach einer viertel Stunde, in der sich die drei Mädchen ausführlich über ihre Ferien ausgetauscht hatten, öffnete sich plötzlich die Tür ihres Abteiles und herein kamen zwei schwarzhaarige Jungs. Es waren Sirius Black und James Potter.
„ Was wollt ihr den hier?“, fauchte Lily.
„ Hey Evans, nicht gleich so unfreundlich. Wir wollten euch nur mal Hallo sagen.“, erwiderte Sirius, lehnte sich dabei lässig an den Türrahmen und sah dann Selene mit einem Blick an, der wohl verführerisch wirkend sollte „Hey Jones, na wie geht’s?“
„Gut. Danke Black.“, erwiderte Selene freundlich.
Selene mochte Sirius zwar irgendwie und er sah auch unbestreitbar gut aus, aber trotzdem war sie nicht annähernd in Versuchung was mit ihm anzufangen. Er war einfach nicht ihr Typ und wusste das auch, doch manchmal konnte er es eben immer noch nicht lassen.
„Und wie waren eure Ferien?“, fragte James, der die ganze zeit neben Sirius stand und unentwegt den Blick auf Lily gerichtet hatte.
„Ich wüsste nicht was dich das angehen sollte, Potter.“ Allein die Tatsache, dass die Beiden in der Nähe waren, brachte Lily schon auf die Palme und deshalb fiel ihre Antwort auch etwas unfreundlich aus.
Alice und Selene sahen Lily mit *zĂĽgle-dich-er-hat-dir-doch-noch-gar-nichts-getan* Blicken an, doch die wollten bei ihr nicht so recht ankommen.
Und weil Alice nicht wollte, dass Lily vor wüt auf Potter mal wieder den ganzen Zug zusammen schrie, versuchte sie die Situation ein wenig zu entschärfen „ James weißt du eigentlich wer dieses Jahr Kapitän von unserer Quidditchmanschaft ist?“
Und es klappte, denn nun wendeten sich James von Lily ab und sah zu Alice.
„ Dreimal darfst du raten.“ grinste er.
„Du?“
Sein grinsen wurde noch breiter “Der Kandidat hat hundert Punkte!“
„Oh ja wir sind alle so stolz auf unseren kleinen Krone.“, seufzte Sirius theatralisch und wuschelte James durchs Haar.
Selene und Alice lachten und auch Lily sah nicht mehr ganz so gereizt aus.
Plötzlich fiel Lily etwas ein „ Oh! Ich hätte schon vor fünf Minuten im Vertrauensschülerabteil sein sollen! “
Als VertrauensschĂĽlerin von Gryffindor, musste sie dort, wie schon im letzten Jahr, zu einer kurzen Besprechung erscheinen.
„Wow Evans ist mal zu spät zu einem Termin. Das ich das noch erleben darf.“, lachte James und fing sich gleich darauf einen Todesblick von Lily ein.
„ Halt den Mund Potter! Das ist nicht lustig! “, fauchte sie ihn an.
Selene sah ihre Freundin an und meinte: „ Dann solltest du dich jetzt besser mal auf den weg machen. Sonst machen die sich dort bestimmt gleich sorgen um dich und lassen den ganzen Zug nach dir absuchen. Oder holen noch die Auroren, weil sie denken du wurdest entführt.“ Die Jungs lachten, Alice konnte sich ihr Grinsen gerade noch so verkneifen und Lily tat einfach mal so, als hätte sie den Sarkasmus in Selenes Stimme überhört, nickte und machte sich, Potter und Black ignorierend, auf den Weg zum Vertrauensschülerabteil.
Als sie das Abteil betrat, saĂźen dort Jeremy Adams, der einer der Schulsprecher von Hogwarts war, und Remus Lupin, der zusammen mit Lily VertrauensschĂĽler in Gryffindor war, und warteten offensichtlich auf sie.
„Miss Evans da sind sie ja endlich!“, sagte Jeremy und betrachtete sie mit einem genervten Blick.
„Entschuldigung, dass ich so spät dran bin. Ich hab die Zeit vergessen.“, erwiderte Lily und ließ sich auf den Platz eben Remus fallen.
„Hi Remus.“, begrüßte sie ihn lächelnd.
„Hi Lily.“, erwiderte er ebenso lächelnd.
Er war zwar einer der Rumtreiber, doch er war Lily trotzdem sympathisch.
„Gut. Nun sind sie ja da Miss Evans.“, meldete sich Jeremy wieder zu Wort „ Also, das Passwort für den Gryffindorturm lautet `quietschender Zauberstab´.“
Lily wüsste gern welches Genie sich immer diese genialen Passwörter ausdenkt. `quietschender Zauberstab´….wirklich sehr einfallsreich.
Sie sah zu Remus, der wohl ungefähr das gleiche wie sie gedacht haben muss, da er vor sich hin grinste.
Jeremy ließ sich nicht beirren und fuhr fort „ Diese Jahr gibt es etwas was wir schon seit Jahren nicht mehr hatten. Eine neue Schülerin wechselt nach Hogwarts in die sechste Jahrgangsstufe.“
Dass jemand von einer anderen Schule nach Hogwarts wechselt ist in Lilys und Remus gesamter Schulzeit nicht vorgekommen, deshalb war das für sie schon etwas Außergewöhnliches.
„Auf welcher Schule war sie denn vorher?“, fragte Remus interessiert nach.
„Soweit ich weiß war sie auf einer Privatschule. Ihr Name ist Jane Darla Grey und ich möchte, dass ihr euch, falls sie nach Gryffindor kommen sollte, gut um sie kümmert, denn sie ist keine öffentliche Schule gewöhnt und erst recht kein Internat.“
Lily und Remus nickten. Lily konnte sich vorstellen wie schlimm es sein muss plötzlich auf ein Internat gehen zu müssen, wenn man so etwas nicht gewöhnt war und nahm sich vor dem Mädchen so gut sie konnte zu helfen. Nur hoffte sie, dass sie nicht eine dieser eingebildeten, reichen Schnepfen war, die meistens auf solchen Privatschulen zu finden sind.
Jeremy sah zufrieden aus „ Gut. Dann wäre alles soweit geklärt. Ihr könnt jetzt wieder in euer Abtei gehen.“
Das lieĂź sich Lily nicht zwei Mal sagen, verabschiedete sich von Remus und Jeremy und machte sich, in der Hoffnung, dass Potter und Black dort wieder verschwunden waren, auf den Weg zu ihrem Abteil.
Auch Remus machte sich auf den Weg zurĂĽck in sein Abteil und als er die TĂĽr aufschob sah er in das Gesichter eines niedergeschlagen wirkenden James. Peter und Sirius saĂźen daneben und spielten Zauber schnipp - schnapp.
„Wer hat dir denn den Zauberstab verknotet?“, fragte Remus James, während er sich ihm gegenübersetzte.
„Was meinst du?“, murrte James.
Remus seufzte „ Na ja ich frage mich nur warum du so aussieht als hätte dich gerade ein Troll im Quidditch besiegt.“
James gab ein undefinierbares Brummen von sich.
„Evans war mal wieder grob zu ihm.“, meinte Sirius, der nun dabei war Peter zu besiegen.
„Ach Krone, ich hab dir doch gesagt, dass du etwas feinfühliger werden solltest, wenn du jemals mit Lily ausgehen willst.“, meinte Remus.
James sah Remus entmutigt an „ Ich hab es ja versucht. Ehrlich. Ich hab sie ganz freundlich gefragt wie ihre Ferien waren und schon keift Lily mich an.“
„ Sie ist eben zurzeit nicht so gut auf dich zu sprechen. Aber keine sorge das wird schon noch.“, versuchte Remus seinen Freund aufzumuntern.
Er wusste, dass James Lily wirklich gern hatte.
„ Nein. Sie hasst mich.“, murmelte James traurig.
„JA!“, rief Sirius plötzlich.
James schaute entsetzt zu seinem besten Freund „ Vielen dank, Sirius. Das muntert mich wirklich auf.“
„Was?“, fragte Sirius verwirrt „Ich hab Peter grad beim Zauber schnipp - schnapp geschlagen.“
Remus schĂĽttelte amĂĽsiert mit dem Kopf.
Ja das waren seine besten Freunde und er war unglaublich froh sie zu haben.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel