
von Nathania
Kapitel 8
Remus
Heute war eindeutig nicht mein Tag.
Erst nervten mich James und Sirius heute morgen mit ihrer unerträglich schlechten Laune, die davon herrührte, dass sie beide eine – wie ich finde doch recht amüsante - Abfuhr bekommen hatten, und jetzt saß ich nun schon gefühlte zehn Stunden in der Bibliothek, um meinen Aufsatz für Zaubertränke zu ende zu schreiben und kam dabei irgendwie nicht vorwärts.
Und um das ganze noch abzurunden: In drei Tagen war Vollmond.
Gut, das wäre jetzt normalerweise nichts schlimmes, wenn da nicht diese winzige Tatsache wäre, dass ich ein Werwolf bin und wenn der Vollmond schon so nah ist, werde ich irgendwie immer unruhig und ein bisschen aggressiver als sonst.
Je näher der Vollmond, desto mehr kann ich von dem Werwolf, der in mir schlummert, spüren.
Leise seufzend schlug ich das Zaubertränkebuch, das vor mir auf dem Tisch lag, zu. Dort stand auch nichts drin, was mir bei meinem Aufsatz helfen könnte.
Ich beschloss mir ein anderes Buch aus dem Regal zu hohlen und stand auf, als mein Blick auf ein dunkelhaariges Mädchen fiel, das ein paar Meter entfernt an einem Tisch saß, auf dem sich die Bücher schon türmten.
Es war Jane, die dort saß, und ich konnte erkennen, dass sie nicht besonders glücklich aussah. Ich entschloss zu ihr rüber zu gehen. Vielleicht kam sie ja auch bei einem Aufsatz nicht weiter und vielleicht könnte ich ihr helfen.
Als ich an ihrem Tisch ankam, fragte ich also: „Hey, Jane. Kommst du auch bei irgendwas nicht weite?“
Erst schien es so als hätte sie mich gar nicht gehört, doch dann sah sie von ihrem Buch zu mir auf und als ich ihr in die Augen sah, erschrak ich.
In den letzten Wochen hatte ich Jane als starkes Mädchen wahrgenommen. Sie wirkte auf mich wie jemand, der sich niemals in irgendeiner Weise unterkriegen lassen würde und vor nichts Angst hatte.
Doch das Mädchen, das jetzt vor mir saß, war alles andere als stark.
Sie wirkte plötzlich zart und zerbrechlich und sie zitterte sogar leicht. In ihren Augen konnte ich Angst und so etwas wie Fassungslosigkeit erkennen.
„Jane, was ist los?“, fragte ich besorgt nach.
Irgendwas Schlimmes musste passiert sein, um dieses Mädchen so zu erschüttern und plötzlich fiel mir ein, dass ich sie heute auch gar nicht im Unterricht gesehen hatte.
„Ich…“, fing sie an „Ich w… weiß es nicht.“ Ihre Stimme zitterte als sie sprach.
„Wie meinst du das?“ Sie musste doch wissen was passiert war.
„Ich…“, fing sie wieder an, brach jedoch ab und schüttelte den Kopf.
„ Komm schon, Jane. Was ist passiert? Du kannst es mir erzählen.“ Langsam machte ich mir wirklich ernsthaft Sorgen um sie. Was war den nur los?
Sie atmete einmal tief durch und nickte langsam „Okay.“ Ihre Stimme klang nun um einiges fester als eben.
Sie unterbrach den Blickkontakt und schaute auf ihre Hände „Ich…“, brach sie ab, schluckte und blickte mir dann wieder in die Augen. „ Ich glaube, dass die Grenzen zwischen Traum und Realität langsam verschwinden.“ Während sie sprach konnte ich plötzlich noch etwas in ihren Augen erkennen: Verzweiflung.
„ Was… was meinst du damit?“, fragte ich. Die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwinden langsam? Was sollte das bedeuten? Glaubte sie etwa wahnsinnig zu werden, oder so was?
„Ich…“, brach sie wieder ab und plötzlich weiteten sich ihre Augen, wie vor Entsetzen „Ich muss weg.“ Und bevor ich etwas erwidern konnte, war sie schon aufgestanden und floh regelrecht aus der Bibliothek.
Was war nur mit ihr los?
Mein Blick fiel auf die Bücher, die sie gelesen hatte und jetzt musste auch ich schlucken.
In all diesen Büchern, ging es um die Gestaltwandlung zwischen Tier und Mensch und als ich den Titel des Buches las, in dem sie zuletzt geblättert hatte, lief es mir kalt den Rücken runter, denn es hieß: ` Die Geheimnisse der Werwölfe ´
Hatte sie etwa herausgefunden, dass ich ein Werwolf war?
Das würde alles erklären… ihre Angst… und vielleicht hatte sie erst gar nicht gemerkt mit wem sie redete und als sie es dann gemerkt hatte, war sie vor mir geflohen.
Aber… nein… nein, dass war unmöglich.
Wie hätte sie es herausfinden sollen? In drei Tagen war erst meine erste Verwandlung, seitdem die Schule wieder angefangen hatte.
Woher sollte sie es wissen? Peter, Sirius und James waren die einzigen hier, die von meinem `pelzigen Problem´, wie sie es immer nannten, wussten und sie würden niemals etwas ausplaudern.
Niemals.
Es musste also etwas anderes sein.
Aber, was?
Was jagte ihr nur eine solche Angst ein?
~*°*~
„Nein, da ist doch dann gar kein Überraschungseffekt.“, flüsterte Sirius.
„Na klar“, erwiderte James, ein wenig trotzig.
„Nein, Krone. Damit rechnen doch alle.“
James schnaubte, dann richtete er sich plötzlich an mich: „Was hältst du von meinem Plan, Moony?“
„Ich bin der Meinung, dass ihr noch genug Zeit habt, um den Halloween Streich zu planen und euch deshalb jetzt nicht streiten müsst.“, antwortete ich ihm.
Nachdem ich es aufgegeben hatte weiter an meinem Aufsatz zu schreiben, war ich in den Gemeinschaftsraum gegangen und wurde dort von James und Sirius empfangen, die darüber diskutierten was für einen Streich sie an Halloween spielen wollen.
Wo Peter war wussten wir mal wieder nicht. Das kam in letzter Zeit irgendwie immer öfter vor, dass er einfach verschwand, keiner wusste wo er hin ist und nach paar Stunden taucht er wieder auf und zwar immer mit solch originellen Ausreden wie: `Ich war kurz auf dem Klo´ oder `Ich war nur ein bisschen joggen´.
Naaatüüürlich, um aufs Klo zu gehen braucht man ja auch schließlich so lang und Peter liebt ja Sport so sehr…. Uns war völlig klar, dass er uns belog, aber wir beschlossen, dass er selbst entscheiden sollte wann er uns in sein „kleines Geheimnis“, oder was immer es auch war, einweihen wollte.
James rollte auf meine Antwort hin mit den Augen „ Ach man, warum musste immer so scheiße diplomatisch sein.“ -„Weißt du überhaupt was diplomatisch heißt?“, schaltete sich auf einmal Sirius wieder ein.
„Natürlich weiß ich das!“, verteidigte sich James. „Aber vielleicht weißt du ja nicht...“-Und ab da an blendete ich die Beiden einfach aus, denn sie fingen schon wieder an zu streiten und ich keine Lust hatte zuzuhören.
Ich las also weiter in meinem Buch, das vor mir lag, doch irgendwie konnte ich mich nicht auf das was ich da las konzentrieren. Meine Gedanken schweiften immer wieder zu einem bestimmten Mädchen mit rabenschwarzem Haar ab. Immer wieder sah ich ihre blauen Augen, in denen die Angst stand, vor mir. Vielleicht sollte ich noch mal mit ihr reden? Möglicher weiße könnte ich ihr ja helfen.
Doch bevor ich irgendeinen Entschluss fassen konnte, hörte ich wie jemand meinen Namen rief. Ich sah mich im Gemeinschaftsraum um und sah Lily, die mich zu sich winkte.
Ich stand auf und ging zu ihr rüber.
„Hey, Remus.“, begrüßte mich Lily „ Sag mal, kommst du bei dem Zaubertränkeaufsatz weiter? Ich verzweifele an der Stelle mit dem Diptam schon.“
Ich seufzte „ Ich komm da auch nicht wirklich weiter.“ „Mist.“, fluchte sie leise und wandte sich dann mit einem leicht verzweifelten Blick ihrem Buch zu.
„Lily, wo sind eigentlich deine Mädels hin?“, versuchte ich unauffällig das Thema zu wechseln.
„Oh, Alice ist mal wieder bei Frank, Selene wollte einen Brief verschicken und ist deshalb in der Eulerei und Jane ist schon seit dem Frühstück im Krankenflügel.“, antwortete sie.
Jane schon seit dem Frühstück im Krankenflügel? Also entweder hatte sie Lily und die anderen belogen oder ich werde wahnsinnig und halluziniere in letzter Zeit.
„Was hat sie denn?“, fragte ich nach.
„Ihr ging es gar nicht gut.“, meine die Rothaarige „Sie hat heute morgen regelrecht fluchtartig die große Halle verlassen.“ „Oh, okay.“, sagte ich daraufhin nur.
Das fluchartige verlassen eines Raumes kam mir schon mal bekannt vor. Vielleicht hatte sie beim Frühstück irgendwas erfahren, was sie so erschüttert hatte, denn krank war sie auf jeden fall nicht.
„Hey, ich hab’s!“, riss mich Lily plötzlich aus meinen Gedanken.
Verwirrt sah ich sie an „Was?“ „Na die Stelle mit dem Diptam.“, sagte sie. Ich wusste immer noch nicht was sie damit meinte.
„Remus, also wirklich. Wo bist du nur mit deinen Gedanken?“, aus Lilys Stimme hörte ich, dass sie sich darüber amüsierte. „Ich rede über den Zaubertrankaufsatz.“
Und da fiel bei mir endlich der Groschen „Ach so, warum sagst du das nicht gleich?“
Lily schüttelte grinsend den Kopf „Soll ich dir jetzt bei deinem Aufsatz helfen?“, fragte sie dann.
Ich nickte „ Ja, das wäre toll Lily. Danke.“
Den restlichen Tag lang schrieb ich mithilfe von Lily meinem Aufsatz, musste mir zwischendurch eine weitere lächerliche Ausrede von Peter anhören („Ich musste noch meine Eule baden“), und versuchte danach weiterhin Sirius und James Gestreite auszublenden.
Jane bekam ich an diesem Tag nicht mehr zu Gesicht, was sie aber nicht davon abhielt ständig in meinen Gedanken rumzuschwirren.
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