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Fanfiction

Liebeserklärung wider Willen - Eine verhinderte Anstandsdame

von Sayuchan

Die folgende Woche brachte einen Termin für das nächste Hogsmeade-Wochenende. Es würde das Wochenende vor dem Valentinstag sein und viele Schüler aus Ginnys Klasse nahmen das mit einem deprimierten Kopfschütteln hin. Eigentlich hatten sie dieses Wochenende nutzen wollen, um ihre bis dahin noch vollkommen unberührte Muggelkundehausaufgabe abzugeben. Colin und Ginny beglückwünschten sich zu ihrem früh ausgebrochenen Arbeitseifer und konnten sich auf den Ausflug ins Dorf freuen. Für Ginny war es eine willkommene Ablenkung, denn sie dachte äußerst ungern an den Valentinstag, an dem Professor Festra ihre Gedichte vorlesen wollte. Alec würde ihres sicher erkennen und vielleicht würde er auch erraten können, dass eine gewisse Wahrheit in ihren Zeilen steckte. Andererseits unterstellten ihr nicht einmal ihre besten Freunde ernste Absichten mit Blaise, obwohl sie das Gedicht durchaus gelungen fanden.


Mit den drei Slytherins traf Ginny sich nicht regelmäßig, doch vor allem Blaise begegnete ihr oft in den Gängen, und mit Kathryn und Alec redete sie ab und an ein paar Worte vor dem Unterricht, den sie gemeinsam hatten. Das freundschaftliche Geplänkel interessierte die meisten anderen Schüler gar nicht, auch wenn der ein oder andere Gryffindor die Stirn runzelte und die Slytherins ihre Hauskameraden grimmig beobachteten. Nur ein Schüler sprach Ginny immer und immer wieder auf ihre neuen Bekanntschaften an und das war ihr Bruder. Er hatte sich von Blaise' kleiner Ansprache schnell wieder erholt, achtete nun aber darauf, Ginny nur auf die Slytherins anzusprechen, wenn die gerade nicht in der Nähe waren.

„Nein, Ron, sie fragen mich nicht über Harrys Schwächen aus oder wollen wissen, wie sie in unseren Gemeinschaftsraum kommen, und jetzt lass mich endlich in Frieden!“, fauchte Ginny ihren Bruder in der Woche vor dem Hogsmeade-Wochenende an.

Der Gryffindor verschränkte störrisch die Arme vor der Brust. „Tja, sie wissen halt, dass ich auf dich aufpasse, aber warte es nur ab, irgendwann ...“

„... wirst du hoffentlich erwachsen und lernst, dich aus dem Leben deiner Schwester rauszuhalten“, unterbrach Hermine ihn. Sie saß Ginny gegenüber im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und klappte nun entschlossen ihr Verwandlungsbuch zu. „Vielleicht solltest du dich mehr um deine Probleme kümmern, Ron. Es ist Februar, in ein paar Monaten schreiben wir unsere Abschlussprüfungen!“

„Das ist doch noch ewig hin!“, jammerte Ron. „Wozu soll ich jetzt dafür lernen? Das habe ich bis dahin sowieso wieder vergessen.“


Als hätte sie nur auf dieses Stichwort gewartet, holte Hermine ein Blatt Pergament aus ihrer Tasche und hielt es ihrem Freund strahlend entgegen. „Wenn du den bereits gelernten Stoff regelmäßig wiederholst, wird das nicht passieren. Ich habe dir und Harry dafür einen Lernplan geschrieben. Ihr werdet sogar noch genug Zeit für das Quidditchtraining haben und deine Pflichten als Vertrauensschüler sind natürlich auch berücksichtigt. Wie du allerdings sehen wirst, musst du bald mit dem Lernen anfangen, sonst schaffst du den Stoff nicht mehr.“

Nach dieser Eröffnung war Ron sprachlos und konnte nur noch entsetzt das Pergament anschauen, dass Hermine ihm in die Hand gedrückt hatte. Ginny nutzte diesen Moment und verabschiedete sich von den beiden.

„Ich brauche noch ein Buch aus der Bibliothek, die Hausaufgabe von Professor McGonagall ist ziemlich knifflig.“

Hermine nickte verständnisvoll, während Ron nur ein Wimmern herausbrachte, das sich sicher nicht auf die Hausaufgaben seiner Schwester bezog.


Ginnys Hausaufgaben lagen fertig in ihrem Schlafsaal, also wanderte sie in der Bibliothek etwas ziellos durch die Regale und nahm sich schließlich ein Buch, das die verschiedenen Zauberschulen und ihre Geschichte beschrieb. Sie überblätterte Hogwarts, denn als eine von Hermines engsten Freunden hatte sie die Geschichte Hogwarts', ohne sie je gelesen zu haben, bestens im Kopf. Stattdessen blieb sie an dem Kapitel hängen, das sich mit Beauxbatons beschäftigte. Sie hatte auch über diese Zauberschule viel gehört, immerhin war ihre Schwägerin Fleur dort Schülerin gewesen und sie hatte während ihres dritten Schuljahres durch das Trimagische Turnier auch vieles über die Akademie erfahren. Jetzt fiel ihr jedoch ein, dass auch Blaise eigentlich nach Beauxbatons gehörte. Er war Franzose. Warum hatte er sich dann für Hogwarts entschieden? Neugierig begann Ginny zu lesen, doch sie hatte kaum den ersten Absatz geschafft, als der Stuhl ihr gegenüber über den Boden scharrte und sie erschrocken hochfahren ließ. Sie begegnete Kathryns entschuldigendem Blick.

„Ich wollte dich nicht erschrecken, Ginny. Hast du einen Moment Zeit für mich?“

Schnell klappte die Gryffindor ihr Buch zu und legte es auf den Stuhl neben sich. „Klar, was gibt es denn?“


Kathryn setzte sich langsam, legte ihre Hände auf der Tischplatte ab und begann an ihrer Unterlippe zu knabbern. Verblüfft stellte Ginny fest, dass sie die Slytherin noch nie unsicher erlebt hatte. Doch sie fing sich recht schnell und schaute ihr Gegenüber mit neutraler Miene an. „Alec hat mich gefragt, ob wir gemeinsam nach Hogsmeade gehen könnten.“

„Das ist doch toll“, erwiderte Ginny lächelnd. Kathryn nickte, erwiderte das Lächeln aber nicht. „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob ich mir das zutraue.“

„Du weißt nicht, ob du dir zutraust, mit Alec nach Hogsmeade zu gehen?“, echote Ginny. „Ihr kennt euch doch schon ewig; geht ihr wirklich zum ersten Mal gemeinsam ins Dorf?“

Kathryn schüttelte den Kopf. „Nein, aber wir sind sonst als Freunde gegangen und nie allein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das nicht unheimlich peinlich wird. Wir werden uns sicher nichts zu sagen haben.“

Ginny unterdrückte ein Grinsen. Irgendwie war der Gedanke ja schon beruhigend, dass selbst die Slytherins ihrem ersten richtigen Date mit Nervosität entgegensahen.

„Deswegen wollte ich dich um Hilfe bitten“, fuhr Kathryn fort. „Könntest du mit uns nach Hogsmeade gehen? Wenn alles klappt, gebe ich dir ein Zeichen und du kannst dir Blaise schnappen und gehen.“

„Blaise schnappen?“, hakte Ginny nach.

Kathryn nickte. „Ja, ich kann dich ja schlecht allein stehen lassen, wenn alles gut läuft. Also nehmen wir auch Blaise mit, dann könnt ihr beide euch im Dorf noch einen schönen Nachmittag machen.“


Ginny betrachtete ihre Freundin misstrauisch. Ging es hier wirklich nur um sie und Alec oder steckte da mehr dahinter?

„Wenn es dir unangenehm ist, mit Blaise allein zu sein, kannst du natürlich auch einfach gehen und Anschluss bei deinem Haus suchen. Vielleicht läuft es auch nicht gut und du kommst gar nicht von uns weg.“ Kathryn versuchte zu lächeln, versagte jedoch kläglich. Sie schien sich wirklich Sorgen wegen Hogsmeade zu machen.

„Nein, das mit Blaise ist kein Problem“, erwiderte Ginny deshalb mit einem aufmunternden Lächeln. „Und ich bin mir sicher, dass du und Alec uns schon nach zehn Minuten nicht mehr brauchen werdet. Wahrscheinlich wollt ihr uns noch auf dem Weg ins Dorf loswerden.“

„Ich hoffe es“, antwortete Kathryn. „Danke für deine Unterstützung!“


Am Abend verzog sich Ginny mit Colin in eine ruhige Ecke des Gemeinschaftsraumes, die möglichst weit von ihrem Bruder entfernt war. Sie konnte nicht riskieren, dass er jetzt zuhörte. „Was gibt’s denn?“, fragte Colin neugierig, als er Ginnys wachsamen Blick bemerkte.

„Es geht um Hogsmeade“, erwiderte Ginny, immer noch damit beschäftigt, misstrauisch ihre Umgebung zu beobachten. „Ich weiß, wir hatten geplant gemeinsam hinzugehen, aber ich fürchte, mir ist etwas dazwischen gekommen.“

„Bleibst du etwa hier?!“

Ginny schüttelte den Kopf und sah endlich ihren besten Freund an. „Nein, ich gehe schon, aber Kathryn … Sie braucht meine Hilfe. Ich gehe mit ihr, Alec und Blaise hin.“

Colins Gesichtsausdruck wechselte von ungläubig zu enttäuscht. „Du gehst also lieber mit drei Slytherins als mit mir da hin?“

„Du verstehst das falsch!“, sagte Ginny hastig. „Kathryn traut sich nicht, allein mit Alec zu gehen. Frag mich nicht warum, aber es ist so. Sie hat mich gebeten, Anstandsdame zu spielen.“

„Anstandsdame?“, echote Colin. „Und was ist Blaise?“


„Meine Möglichkeit abzuhauen, wenn sie die Anstandsdame nicht mehr braucht“, antwortete Ginny trocken. „Wahrscheinlich hat er aber eh keine Lust, dann noch lang mit mir herumzulaufen, also werde ich dich dann sicher einfach suchen und wir können den restlichen Tag trotzdem gemeinsam verbringen.“

Colin nickte. „Also schön. Aber du versetzt mich besser nicht zu oft, sonst komme ich noch auf falsche Gedanken.“ Der Gryffindor zwinkerte ihr zu und ging dann zurück an den Kamin, wo seine Hausaufgaben noch lagen.

„Falsche Gedanken?“ Ginny runzelte die Stirn und sah ihrem besten Freund nach.


Am Hogsmeade-Wochenende zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite, sodass die Schüler sofort nach dem Frühstück begeistert nach draußen stürmten und dabei fast Filch umrannten, der wie üblich am Portal stand, um sicherzustellen, dass niemand das Schloss verließ, der keine Erlaubnis hatte. Ginny stellte erleichtert fest, dass Ron und Harry zu den Ersten gehörten, die an Filch vorbeirannten. Wahrscheinlich wollten sie einige Stunden Freiheit genießen, nachdem Hermine sie nun kaum noch aus der Bibliothek ließ. Auch heute saß die Gryffindor dort und wälzte Bücher, doch sie hatte ihre beiden Freunde auch in langen, erbitterten Diskussionen nicht davon abhalten können, sich diese Auszeit zu nehmen.

Ginny wäre das lieber gewesen, denn dann hätte sie nicht damit rechnen müssen, ihrem Bruder im Dorf zu begegnen, während sie mit drei Slytherins durch die Straßen schlenderte. Colin und sie trennten sich in der Eingangshalle und der Gryffindor verließ mit Luna und einigen anderen Sechstklässlern das Schloss. Ginny stellte sich an die Marmortreppe und behielt den Eingang zu den Kerkern im Auge. Kathryn hatte sich bewusst erst nach 9 Uhr mit ihr verabredet, weil die meisten Schüler dann schon weg wären.

Tatsächlich hatte sich die Halle schon beträchtlich geleert, als Kathryn sie betrat und mit einem nervösen Lächeln auf Ginny zuging.


„Guten Morgen, Ginny. Ich hoffe, du wartest noch nicht zu lang. Alec ist mal wieder nicht aus den Federn gekommen, aber Blaise hat mir versprochen, dass sie beide in fünf Minuten hier sein werden.“

„Hoffentlich nicht die Art von fünf Minuten, die meine Mitbewohnerinnen immer noch im Bad brauchen“, erwiderte Ginny trocken.


Blaise schien glücklicherweise durchsetzungsfähig zu sein. Er schleppte Alec keine fünf Minuten später aus den Kerkern. Amüsiert stellte Ginny fest, dass Alec wirklich sehr nervös wirkte, sich dauernd mit der Hand durch die Haare fuhr und kaum einen vollständigen Satz herausbrachte. Und das von dieser Quasselstrippe!

Blaise ignorierte das seltsame Verhalten seines Freundes und schien die Gelassenheit in Person zu sein. Er begrüßte Ginny und Kathryn höflich und schlug dann vor, nach draußen zu gehen.

„Ja, wird Zeit, dass wir ins Dorf kommen“, erwiderte Alec schnell und ließ seine drei Begleiter im nächsten Moment stehen, um hastig an Filch vorbeizurennen.

Kathryn warf Ginny einen „Habe-ich-es-dir-nicht-gesagt“ Blick zu und die Gryffindor zuckte hilflos mit den Schultern.


Außerhalb des Schlosses entspannte sich die Situation allerdings ziemlich schnell und Alec hatte sich gefangen, kaum dass sie das Schlosstor hinter sich gelassen hatten. Kathryn schien erleichtert zu sein und die beiden begannen, sich angeregt zu unterhalten. Blaise gesellte sich zu Ginny und die beiden liefen hinter Kathryn und Alec her.

„Das klappt doch ganz gut“, stellte Blaise fest.

„Zum Glück, ich will nicht den ganzen Tag Anstandsdame spielen.“

„Anstandsdame?“, fragte Blaise amüsiert. „So habe ich das gar nicht gesehen. Was meinst du, können wir die beiden bald allein lassen?“

„Kathryn wollte mir ein Zeichen geben, wenn ich gehen kann“, erklärte Ginny.

Blaise schaute spöttisch zu seinen Freunden. „Ich glaube, darauf können wir lange warten. Wir sollten auf jeden Fall bald verschwinden. Nicht alle haben den Mut der Gryffindors, also müssen wir sie ein wenig zu ihrem Glück zwingen.“

Ginny nickte, dachte jedoch betrübt daran, dass auch sie nicht gerade Gryffindormut zeigte. Sonst hätte sie Blaise von ihren Gefühlen erzählt oder ihn zumindest ihr Gedicht lesen lassen.


Im Dorf angekommen ließ Blaise sich langsam etwas mehr zurückfallen und Ginny tat es ihm nach. Ihr Herz setzte fast einen Schlag aus und schlug dann doppelt so schnell weiter, als der Slytherin plötzlich ihre Hand nahm und sie in den Honigtopf zog, an dem Kathryn und Alec vorbeigegangen waren. „Zeit für uns, die beiden allein zu lassen“, grinste Blaise. „Möchtest du etwas Süßes?“

Ginny schaute sich unsicher um. Sie erkannte ein paar Gryffindors, aber einen Rotschopf entdeckte sie nicht und auch niemanden aus ihrem Jahrgang.

„Wir können uns ja ein bisschen umsehen.“ Da sie keine Schuluniformen trugen, fielen Blaise und Ginny auf den ersten Blick kaum auf. Nach ein paar Minuten entspannte sich die Gryffindor und suchte sich einige Federn aus Schokolade aus. Blaise bestand darauf, für sie zu bezahlen, und nach einigen Widersprüchen, die der Slytherin einfach ignorierte, stimmte Ginny mürrisch zu. Sie wollte jetzt keine Aufmerksamkeit erregen, aber sie würde es ihm später zurückgeben.


„Willst du jetzt wieder hoch ins Schloss gehen?“, fragte Ginny zögernd, als sie den Honigtopf verließen. Blaise schüttelte den Kopf. „Ich werde sicher nicht eines meiner letzten Hogsmeade-Wochenenden in Hogwarts verbringen. Aber wir sollten raus aus dem Dorf, sonst begegnen wir entweder Alec und Kathryn oder deinem Bruder, und ich weiß nicht, was mir weniger angenehm wäre.“

„Mein Bruder, definitiv“, erwiderte Ginny. „Also, wo gehst du jetzt hin?“

Blaise hob fragend eine Augenbraue. „Eigentlich dachte ich, wir würden gehen. Oder willst du lieber allein etwas unternehmen?“

Ginny bemühte sich, nicht zu grinsen wie Lockhart, wenn er nach einem Autogramm gefragt wurde. „Nein, ich dachte nur, du willst vielleicht lieber etwas für deine Prüfungen machen. Also, wo gehen wir hin?“

Blaise sah sich nachdenklich um. „Warst du schon mal an der Heulenden Hütte?“

„Ja, wir haben in der dritten Klasse eine Mutprobe daraus gemacht. Wer traut sich, die Hütte zu berühren. Die meisten Schüler sind ein paar Meter vorher wieder umgekehrt.“

„Ich wette, du hast sie schon beim ersten Versuch berührt“, sagte der Slytherin mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.

„Beim zweiten Mal“, korrigierte Ginny widerstrebend. „Beim ersten Mal hat sich Colin an mich rangeschlichen und mich erschreckt. Danach habe ich den Rest des Ausfluges damit verbracht, ihm nachzujagen, um ihm den Beinklammerfluch auf den Hals zu hetzen.“


Blaise' Mundwinkel zuckten noch etwas weiter nach oben, doch dann blieb sein Blick an einer Seitengasse hängen und plötzlich spürte Ginny, wie er ihre Hand in seine nahm. Überrascht sah sie ihn an.

„Alec und Kathryn!“, sagte er leise und deutete auf die Gasse. Tatsächlich liefen die beiden gerade gemächlich auf sie zu, doch sie waren zu sehr in ihr Gespräch vertieft, um ihre Freunde zu bemerken. Blaise löste sich aus seiner Starre und zog Ginny hinter sich her. Die Gryffindor folgte ihm stolpernd und sie verschwanden schnellstmöglich aus der Sichtweite der Slytherins.

„Also, die Heulende Hütte?“, fragte Blaise, während er sein Tempo wieder verlangsamte. Sie waren in eine Gegend des Dorfes geflüchtet, in der nur noch einzelne Häuser standen und keines davon enthielt Geschäfte. Hierher kamen kaum Schüler.

Ginny stimmte zu und die beiden liefen stumm den Hang hinauf, der zu ihrem Ziel führte. Ginnys Herz raste, doch das lag nicht am steilen Aufstieg. Blaise hatte ihre Hand immer noch nicht losgelassen.


Erst als sie an der Heulenden Hütte ankamen, ließ der Slytherin sie los, um seinen Umhang abzulegen und auf der Wiese, die die Hütte umgab, auszubreiten. Dankbar setzte sich Ginny auf ihre improvisierte Decke, während Blaise sich auf den Rücken legte, die Augen schloss und die Arme hinter dem Kopf verschränkte. Ginny beschloss, es ihm gleich zu tun, und kurz darauf sonnten sich beide Schüler ungestört. Die Gryffindor war dankbar dafür, dass keine anderen Schüler hier waren und ihnen seltsame Blicke zuwarfen.

„Wird Alec sehr wütend auf dich sein?“, fragte sie schließlich.

„Das kommt ganz darauf an, ob das Treffen ein Reinfall wird oder nicht. So wie die beiden vorhin aussahen, mache ich mir aber keine Sorgen“, erwiderte Blaise.


Ginny öffnete ihre Augen wieder, drehte ihren Kopf leicht und sah direkt in Blaise' graue Augen. „Machst du dir Sorgen um Kathryn?“

„Ich bin eine Gryffindor und mit sechs großen Brüdern aufgewachsen. Ich werde schon mit ihr fertig.“

Auf Blaise' Gesicht erschien ein Lächeln. „Daran habe ich keinen Zweifel.“

„Was machen wir mit den beiden, wenn sie nicht zusammenkommen?“

„Ich tippe darauf, dass du dir in den Kopf gesetzt hast, dass sie das ideale Paar sind“, sagte Blaise amüsiert.

„Ja“, bestätigte Ginny.

„Dann wirst du dir sicher etwas einfallen lassen. Ob sie wollen oder nicht, sie werden zueinander finden müssen, sonst könnte ein gewisses Kätzchen bissig werden.“

Ginny verzog das Gesicht. „Hör bloß auf damit, mir reicht es, dass ich Alec nicht dazu bekomme, mich nicht so zu nennen.“

„Es passt du dir“, erklärte Blaise schlicht. „Du bist unabhängig, stur, stolz, kämpferisch und du bekommst immer, was du willst.“

Nein, nicht immer, dachte Ginny betrübt. Sie würde Blaise wohl nie bekommen.

Der Slytherin deutete ihren Gesichtsausdruck falsch. „Eigentlich war das positiv gemeint.“

„Ach wirklich?“ Ginny zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. „Ich weiß nicht, ob stur und stolz unbedingt gute Eigenschaften sind.“

Blaise sah sie einen Moment nachdenklich an. „Ich mag es.“


Die Gryffindor spürte, wie sich ungewollt ein Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete.

„Das beruhigt mich.“ Du hast ja keine Ahnung, wie sehr.

„Also – wo gehen du, Malfoy und die anderen Slytherins denn normalerweise hin, wenn ihr hier im Dorf seid?“

„Ich bin nicht oft mit ihnen unterwegs. Aber eigentlich unternehmen wir die gleichen Sachen wie die anderen Schüler auch. Oder glaubst du, es gibt hier eine verborgene, zweite Nokturngasse, die wir regelmäßig aufsuchen?“, zog er sie auf.

„Wie enttäuschend“, erwiderte die Gryffindor spöttisch. „Da tut ihr immer so böse und dann macht ihr den gleichen langweiligen Kram wie alle anderen.“

Blaise nickte grinsend. „Ich weiß, wir sind furchtbar langweilig, wenn man uns mal kennt. Deshalb tun wir immer so geheimnisvoll, wir haben ja einen Ruf zu verlieren.“

Die beiden alberten noch eine Weile und Ginny genoss es, Blaise wieder ein paar Stunden für sich zu haben. Sie konnten inzwischen noch ungezwungener miteinander umgehen als damals am See und das freute die Gryffindor.


Die Schatten der Heulenden Hütte und des Waldes wurden bereits lang, doch die beiden Schüler ließen sich nicht stören. Sie lagen immer noch nebeneinander und Ginny erzählte gerade von Rons Stofftier, das Fred und George in eine Spinne verwandelt hatten.

„Wo wir gerade bei kleinem Getier sind“, sagte Blaise grinsend, „da ist etwas auf deiner Wange.“

Ginny spürte nichts, hob aber ihre Hand, um über ihre Wange zu streichen, doch ehe sie das tun konnte, lag Blaise' Hand bereits auf ihrem Gesicht und strich vorsichtig über ihre Haut. Ginny sah kurz schwarze Flügel aufblitzen, dann war das Insekt verschwunden, doch es interessierte die Gryffindor eigentlich herzlich wenig. Sie fühlte glühende Hitze in ihre Wangen steigen und sah Blaise mit pochendem Herzen an. Der Slytherin schien in Gedanken versunken: Sein Blick war auf seine Hand gerichtet, die immer noch auf ihrer Wange lag. Ginny wagte es nicht, sich zu rühren.

Nach ein paar Sekunden schien Blaise ihren Blick schließlich zu bemerken und sah sie einen Moment lang an.


Dann zog er schnell seine Hand zurück und drehte sich auf den Rücken. Erst jetzt bemerkte Ginny, dass sie die Luft angehalten hatte. Hastig atmete sie die abkühlende Abendluft ein und ließ ihren Blick hilflos durch die Gegend wandern. Wie sollte sie sich jetzt verhalten? War Blaise überhaupt bewusst, was er mit seiner Berührung angestellt hatte? Hatte die Berührung etwas bei ihm bewirkt?

„Es ist schon ziemlich spät. Wir sollten zum Schloss gehen.“ Blaise sah sie bei diesen Worten nicht an und seine Stimme klang unsicher. Ginny nickte ein wenig traurig und erhob sich von seinem Umhang. Sie wartete mit gesenktem Blick, bis Blaise seinen Umhang abgeklopft und wieder umgelegt hatte.


Gerade, als sie sich umdrehen wollte, um den Weg zurück ins Dorf zu nehmen, spürte sie, wie Blaise ihre Hand in seine nahm und sie dann mit sich zog. „Nehmen wir die Abkürzung und laufen den Hügel hier lang runter.“ Er deutete auf das Wiesenstück, das sie am Dorf vorbei und direkt auf den Weg führen würde, der sie nach Hogwarts brachte. Ginny war egal, wo sie lang gingen, solange er dabei ihre Hand hielt, und sie folgte ihm, nun wieder mit einem Lächeln auf den Lippen, zur Wiese.

Sie redeten kein Wort auf dem Weg zum Schloss, doch von Minute zu Minute schien sich die Atmosphäre zu entspannen und schließlich fand Ginny das Schweigen nicht mehr unangenehm. In der Nähe des Schlosses begegneten sie einigen anderen Schülern, die auch auf dem Rückweg waren. Die Gryffindor kannte allerdings niemanden und ihre Freizeitkleidung verhinderte, dass die Schüler bemerkten, was für eine seltsame Häuserkombination da Händchen haltend an ihnen vorbeilief.


In der Eingangshalle war einiges los. In wenigen Minuten würde das Abendessen beginnen und die ersten hungrigen Schüler warteten bereits vor der Tür. Ginny fragte sich, ob ihr Bruder sich auch in dieser Gruppe befand. Viele andere Schüler kamen gerade erst aus dem Dorf und verabschiedeten sich nun von Freunden aus anderen Häusern.

Blaise drückte ihre Hand fest und ließ sie dann los. Mit einem möglichst neutralen Gesichtsausdruck schaute Ginny zu ihm auf.


Er lächelte sie fast liebevoll an. „Das war ein schöner Tag, Ginny. Ich wünsche dir am Dienstag viel Erfolg mit deinem Gedicht.“

„Danke“, hauchte sie zurück. Während sie zusah, wie der Slytherin auf die Tür zuging, die in die Kerker führte, hämmerte die immer gleiche Frage durch ihren Kopf. Und nun?

Was hatte dieser Nachmittag zu bedeuten? Bedeutete er überhaupt irgendetwas? Vielleicht war Händchen halten für Blaise nichts Besonderes. Er war ein Slytherin und er war Franzose; was wusste sie schon über diese beiden Arten von Mensch?

Verwirrt und ein klein wenig hoffnungsvoll machte Ginny sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum und ergänzte nachdenklich ihre Liste.


umwerfend, zärtlich, einfühlsam, schüchtern …


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