
von Lorelai-Stevens
‚24 days to conquer a heart'
o1. Dezember 1993
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A.N. So, das ist das erste Kapitel von '24 days to conquer a heart'! Ich hab sehr, sehr lang dafür gebraucht – aber jetzt, wo das Konzept fortgeschritten ist, sollte das nicht mehr so lange dauern. Die nächsten Kapitel sind bereits in Arbeit!
Die Geschichte wird 24 oder 25 Kapitel haben – die Länge der Kapitel wird sich zwischen 9 und 13 Wordseiten finden.
Hauptcharakter dieser Fanfic ist selbstverständlich Katie Bell in ihrem vierten Schuljahr. Sie ist demnach (dank späterer Einschulung) 15 Jahre alt.
Was gibt es noch Wichtiges zur Story zu sagen… Ach ja! Sie beginnt am 1. Dezember 1993 morgens. Gewidmet ist sie TanjaKon auf Animexx, für die vielen lieben Kommentare, die mich immer wieder zum Weiterschreiben ermuntern. Ich habe unter die Nebencharaktere viele von Katies (frei erfundenen) Klassenkameraden gemischt – jeder mit seiner eigenen Würze – und hoffe damit eure Geschmacksnerven getroffen zu haben. Wer der anonyme Briefchenautor ist, der um Katie wirbt – das werde ich nicht verraten.
Ich bin mir zwar sicher, dass ihr bald darauf kommen werdet, aber ich hoffe, euch im Laufe der Story zu verwirren, indem ich viele männliche Charaktere in die Auswahl packe ;)
So, sollte ich noch was vergessen haben – bis auf den
Disclaimer: Mir gehört weder das Harry Potter Universum, noch Katie Bell und so weiter und so weiter und ich verdiene auch kein Geld hiermit!
- dann denke ich, werde ich es am Ende oder zwischen den Kapiteln noch einflechten. Vorerst hör ich jetzt auf, euch vom Lesen abzuhalten –
Viel SpaĂź euch allen :)
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Seltsamer Dunst und Nebelschwaden waberten über dem Gelände von Hogwarts. Graue Wolkenschleier verhüllten die Türme des Schlosses und kalter, scharfer Wind verlieh dem ersten Dezember-Tag einen unangenehmen Nachgeschmack, an dem eigentlich vorweihnachtliche Stimmung aufkommen sollte. Die Schüler jedoch maulten nur über das ‚Mistwetter', hatten sie doch alle den ersten Schnee gehofft und zogen es nun vor es sich zwischen den Unterrichtsstunden in den Sesseln am Kamin gemütlich zu machen und faul zu sein, anstatt nach draußen zu gehen.
Alle, bis auf zwei.
Unten auf nassen Rasen in der Nähe des Quidditchstadions schlang sich ein Junge fröstelnd seinen Schal enger um den Hals, hauchte in die Hände und rieb diese aneinander, während er seinem Freund lauschte. Die Beiden hatten sich zu einem Spaziergang aufgemacht und stapften über das vom Tau feuchte Gras, während sie leise miteinander redeten.
„…, weißt du? Es ist- Ich weiß auch nicht- Kompliziert! Ich- Sie- Ach, bei Merlins Boxershorts, ich mag sie eben, aber-''
„Ich will verdammt noch mal kein ‚aber' von dir hören! Du magst sie, sie dich wahrscheinlich auch, also wo ist das Problem?", fragte der kleinere der beiden Jungen fröhlich und steckte die Hände in die Taschen seiner Jacke.
Der andere Schüler zog die Augenbrauen zusammen: „Das Problem hat eine Stimme wie Belinda Hancock zu ihren guten Zeiten!"
„Das, mein Freund, ist ein Problem – aber kein Hindernis. Weiß Katie Bell denn, dass du sie magst?"
„Natürlich nicht! Woher sollte sie denn auch wissen, dass ich sie für das witzigste, charmanteste, sportlichste und hübscheste Mädchen von ganz Hogwarts halte? Nein, sie weiß nichts davon und vorerst sollte es auch so bleiben. Zumindest bis – na ja. Bis ich mein ‚Problem' gelöst habe."
„Dann wird es Zeit endlich in die Pötte zu kommen. Wenn du nicht bald etwas unternimmst, schnappt sie sich ein anderer vor dir und du bleibst auf deinen Gefühlen sitzen wie ein Bäcker auf dem Gebäck vom Vortag.", meinte der kleinere der beiden Jungen, dessen Nase und Ohren schon rot vom kalten Wind waren, ernst.
„Netter Vergleich, Kumpel. Meine Gefühle sind also angekaute Schokohörnchen?"
Die Mundwinkel des anderen Jungen zuckten kurz nach oben, während er die Hände in die Hosentaschen schob und seinen Freund mit gerunzelter Stirn musterte.
„Hm. Eher angelaufene Doughnuts, bei denen die Streusel drauf fehlen. Aber egal – was ich sagen will ist, dass du keine Zeit zu verlieren hast, wenn du ernsthafte Absichten bei ihr hast, wie ich fest vermute. Du bist nicht der Einzige in Hogwarts der es auf unsre liebe Katie abgesehen hat. Genau genommen ist sie bei den Jungs ab der fünften Klasse das Zweitbeliebteste Mädchen, was bedeutet dass du jeden zweiten Kerl gegen dich haben wirst."
Der Blick des anderen Jungen verfinsterte sich augenblicklich: „Ich weiß. Dieser blöde Idiot, seit er das Vorfliegen bei Puddlemere United hatte, hält er sich für den Nachfolger von Scott Perry persönlich. Als würde Katie auf dieses Getue rein fallen."
„Wenn du nicht willst, dass sie es tut, dann, Schatz, solltest du direkter werden."
Der andere Junge hob eine Augenbraue und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Erstens: Nenn mich nie wieder Schatz. („Tschuldige, Schatz.") Und Zweitens: Wie bitte soll ich das denn anstellen, eh? Soll ich hinter einer Ecke vorspringen und sie zu Boden knutschen, oder was?"
Sein Freund zuckte nur gleichgültig mit den Schultern und grinste verschlagen: „Wenn's nötig ist, warum nicht? Nein, jetzt mal ernsthaft. Als Erstes solltest du dich um dein ‚kleines Problemchen' kümmern und endlich rein Tisch machen. Nägel mit Köpfen. Klar Schiff. Die Sache klären. Kapische?"
„Ich hatte es schon bei rein Tisch verstanden.", maulte der Junge mit dem Schal und zog eine Schnute, während er einen Stein vor sich her kickte und mit zusammengekniffenen Augen gen Himmel sah. Es sah nach Regen aus.
„Außerdem kann ich nicht einfach mir nichts dir nichts Nägel mit Köpfen machen, wie steh ich denn dann da?"
„Das, Schatz, hättest du dir vorher überlegen sollen. Jetzt musst du sehen wie du damit fertig wirst."
Ein Knurren war zu hören. „Und dann?"
„Dann versuchst du Katie Bell zu sagen, was du für sie empfindest."
„Das versuche ich schon seit einem Jahr."
„Und warum weiß sie es dann immer noch nicht?"
„Weil einfach immer etwas dazwischen kommt! Immer wenn ich mit ihr allein bin, kommt irgendwer oder sie muss dringend weg oder ich bring kein Wort heraus."
Der kleinere der beiden Schüler murmelte etwas, das wie „unfähiger Trottel" klang.
„Was?"
„Ach, nichts." Er winkte hastig ab und schob seinen Ärmel zurück, um auf seine Armbanduhr zu sehen: „Wir müssen los, das Frühstück dauert nur noch eine Stunde."
„Gut, dann lass uns gehen.", meinte sein Freund seufzend, während er sich wieder in Bewegung setzte und die Arme vor der Brust verschränkte.
„Aber was ich wegen Katie tun soll, weiß ich immer noch nicht."
Energisch packte der kleinere Junge ihn bei der Schulter und zog ihn weiter Richtung Schloss.
„Als Erstes kümmerst du dich einmal um dein ‚Problem'. Und für alles weitere hab ich auch schon eine Idee. Pass auf, du wirst Folgendes tun…"
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Katie verschlang gerade ihre zweite Schüssel Röhrchen-Schoko-Knusper-Cornflakes, als sich auf beiden Seiten neben ihr zwei Gestalten nieder ließen und ihr nacheinander Löffel und Schüssel vor der Nase weg schnappten.
„HEY!", entrüstete sich die blonde Gryffindor und sah Angelina und Alicia vorwurfsvoll an, während sie vergeblich versuchte, sich ihr Essen und Besteck zurück zu holen.
„Das wirst du jetzt nicht brauchen, Kates.", erklärte Angelina in sachlichem Tonfall und stellte das Müsli vor Ron Weasleys Nase ab, der sofort drauf los spachtelte.
„Wir haben dir nämlich etwas Wichtiges zu erzählen und wir gehen davon aus, dass dir danach der Mund offen stehen wird. Sieht nicht gut aus, wenn dann Röhrchen-Flakes raushängen."
Katie rollte mit den Augen und verschränkte widerwillig die Arme vor der Brust.
„Ich hoffe für euch, dass es was Gutes ist. Zumindest sollte es das sein, wenn ihr euer Leben behalten wollt.", knurrte die blonde Gryffindor und lehnte sich abwartend zurück.
„Glaub mir, Katie, das ist es. Schon das Neueste gehört?"
Katie runzelte die Stirn: „Ich vermute, wenn ihr das Neueste schon wisst, dann ist es gerade mal 2 Sekunden alt. Also schließe ich daraus: Nein, habe ich nicht. Aber wenn ich mich nicht sehr irre, werdet ihr mir es sowieso erzählen, ob ich will oder nicht, also raus damit, bevor ihr platzt."
„Wood ist Single!"
„…"
„Wood ist Single!", wiederholte Alicia mit noch mehr Nachdruck und warf Angelina einen fragenden Blick zu, die daraufhin nur mit den Schultern zuckte und selbst die Stirn in Falten legte.
„Katie?"
„Hm?"
„Wood ist Single.", echote Angelina und fing allmählich an, an Katies Geisteskraft zu zweifeln, während die umsitzenden Mädchen über diese Nachricht begeistert zu tuscheln begannen.
„Ich hatte es auch beim ersten Mal schon geschnallt, danke. Wood ist also Single. Ja… Und?"
„Was sagst du dazu?"
Katie setzte eine angestrengt nachdenkliche Miene auf, während sie sich einen neuen Teller nahm und zu Essen auf tat: „Pech für Wood?"
Angelina rollte mit den Augen. „Entschuldige, falsch formuliert. Was denkst du tief in deinem teuflischen, zynischen Inneren dazu?"
„Glück für Lorelai?" Katie begann zu grinsen und butterte ein Brötchen.
Angelina grinste ebenfalls. „Und was fühlst du dabei?"
„Kopfschmerzen, wenn du nicht bald aufhörst, dauernd nach zu bohren."
„Falsch! Du fühlst: Glück für Katie!"
Katie rollte mit den Augen und nahm Alicia ihren Löffel aus der Hand, bevor sie anfing, Marmelade aufs Brot zu schmieren: „Mädels, ich will nichts von Wood. Das versuche ich euch schon seit der zweiten Klasse klar zu machen!"
Alicia schüttelte entschieden den Kopf: „Und du hast es immer noch nicht geschnallt, dass es sowieso nichts bringt. Ehrlich Katie, das ist bedenklich – eigentlich solltest du uns inzwischen gut genug kennen."
„Leesh hat Recht, Kates." Angelina zuckte mit den Schultern.
„Wir wissen ja auch, dass du – egal, wie sehr du es leugnest – schon seit der ersten Klasse auf Olly stehst. Du kannst also ruhig aufhören mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und eine Beichte über unseren heiß geliebten Käpt'n ablegen."
Katie riss übertrieben die Augen auf und klammerte sich an Alicias Arm fest, während sie den eben durch die Eingangstür der Großen Halle getretenen Gryffindorhüter im Auge behielt.
„Ihr habt so Recht! Da ist Oliver, ich sollte hingehen, mich ihm vor die Füße werfen, den Boden knutschen auf dem er geht und ihm meine grenzenlose, unsterbliche Liebe gestehen!"
Angelina hob misstrauisch und etwas hoffnungsvoll eine Augenbraue: „Ehrlich?"
„Nein."
Sie fluchte und schlug mit der Faust auf den Tisch; während Katie leise kicherte und noch einen Schluck von ihrem Kaffee nahm. Um sie herum hatte sich ein leises Summen erhoben und es wurde eifrig getuschelt.
Obwohl das Summen…
„George!", fauchte die blonde Gryffindorjägerin und verpasste einem der Rotschöpfe (welcher es war, war Katie piepe) einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Was ist los, Kates? Hummeln im Hintern?" Sie streckte ihm nur die Zunge entgegen und setzte einen hochnäsigen Gesichtsausdruck auf.
„Ist die Post schon da?", fragte Fred und stibitzte Angelinas Butterbrot, bevor er ihre einen Kuss auf die Wange drückte und sich mit einem ‚Pflonk' auf die Bank neben sie fallen ließ.
Katie rollte mit den Augen und antwortete zwischen einem Schluck Kaffee und Kirschbrötchen:
„Siehst du hier irgendwelches Federvieh oder Eulenmist?"
„Momentan nicht, aber da war irgendwas auf deinem Brot…"
„Butter, du Erbsenhirn."
„Das ist das, wofür du es hältst, Liebes.", meinte George ernst und wackelte viel sagend mit den Augenbrauen, woraufhin Katie mit mulmigem Gefühl im Magen ihr Teller von sich schob und Angelina herrisch mit der Hand wedelte: „Anderes Thema bitte, bevor uns allen der Appetit vergeht! („Zu spät", maulte Katie)".
„Hier, Kates." Fred reichte ihr einen Umschlag, den sie mit verwirrtem Gesichtsausdruck entgegennahm. "Was ist das?"
"Ein Brief."
"Ich dachte, nachdem ich George in der dritten Klasse vermöbelt habe, hätte er verstanden, dass seine gefaketen Liebesbriefe ihre Wirkung verfehlen und mich nicht hinter's Licht führen, sondern aggressiv machen!"
Sie ließ eben diesem einen finsteren Blick zu kommen und ihre Knöchel knacken, woraufhin dieser sofort abwehrend die Hände hob, um sich zu rechtfertigen.
„Sorry, Kates, aber der ist nicht von mir. Aber danke, dass du mich auf die Idee gebracht hast, die Sache mit den gefaketen Liebesbriefen hab ich schon viel zu lang nicht mehr gemacht. Und mit dem richtigen Opfer…" Er grinste Alicia zu, die genervt den Kopf zur Seite drehte.
"Nicht? Aber von wem ist er dann?"
Perplex strich Katie sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, öffnete mit konzentriertem Gesichtsausdruck den Umschlag des Briefes und holte einen kleinen Bogen Pergament daraus hervor.
Sie konnte sich nicht vorstellen, wer ihr aus Hogwarts sonst eine Nachricht zukommen ließ. Entweder handelte es sich hier tatsächlich um einen blöden Scherz, für den Katie jetzt schon sämtliche Vergeltungsakte einfielen, oder jemand war schlicht und einfach zu doof um ihr zu sagen was er wollte.
In diesem Moment gesellte sich Oliver zu ihnen und lieĂź sich gegenĂĽber von Katie neben Lee auf die Bank fallen. "Morgen, Leute."
"Was steht drin?", fragte Alicia nervös auf ihrer Lippe kauend und sah gespannt zu, wie ihre Freundin den Brief auseinander faltete.
"Was ist los?", fragte Oliver in die Runde, erntete jedoch keine Beachtung - alle warteten neugierig darauf, dass Katie vorlesen wĂĽrde.
Diese ĂĽberflog die Zeilen, runzelte die Stirn und warf den Brief dann auf den Tisch:
"Teeren und Federn! Das gibt Vergeltung! Was soll denn der Mist bedeuten?"
Im selben Moment, in dem das Blatt Pergament das Holz berĂĽhrte, stĂĽrzten sich fĂĽnf Gryffindors darauf, um beiĂźend und kratzend darum zu streiten.
"Ich hatte es zuerst!"
"Fred, nimm deine Griffel da weg, sonst beiĂź ich dir die Nase ab!"
"Alles leere Drohungen, her damit!"
"Könnte mich mal jemand aufklären?", fragte Wood in jämmerlichem Tonfall und sah mit gehobener Augenbraue und dem Teelöffel in der Hand zu Katie hinüber, die belustigt und etwas verstört zugleich das Schauspiel mit angesehen hatte. Nur ungern riss sie sich von dem Anblick (Alicia war dabei Georges Gesicht mit Pastete einzucremen, um an das Pergament zu kommen) los und wandte ihre Aufmerksamkeit Wood zu. Anscheinend hatte auch Angelina inzwischen aufgegeben und lehnte sich zu ihnen herüber, während sie damit beschäftigt war, Streusel aus ihren Haaren zu fischen.
"Also pass auf, Wood", fing Katie mit zuckenden Mundwinkeln an und legte die Hände auf den Tisch um erklärende Gesten zu machen: "Das mit den Bienchen und den Blümchen ist eigentlich ganz einfach..."
"HALT!", rief Wood und verschluckte sich an seinem Kaffee. "Verdammt - autsch - ist das heiĂź."
Er fächerte sich mit der Hand Luft zu, während Katie stumm lachte und dann vergnügt weiter plapperte:
"Ja, heiß könnte man es sicherlich auch nennen, Keeper-Boy."
Sie wackelte demonstrativ mit den Augenbrauen, woraufhin sich Wood, der gerade dabei war, sich einen neuen Schluck von der schwarzen Flüssigkeit zu genehmigen, erneut verschluckte und zu husten begann. Ärgerlich tupfte er sich mit der Serviette den Kaffee vom Kinn und warf der blonden Jägerin einen viel sagenden Blick zu:
"Danke Kates, aber ich bin durchaus darĂĽber informiert, dass Babys nicht vom Storch gebracht werden, klar?"
"Und das aus dem Mund desjenigen Kerls, der bis vor drei Jahren noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat."
"Hey! Das ist nicht wahr!"
Oliver hielt der frech grinsenden Katie den Zeigefinger vor die Nase.
"Das war vor vier Jahren und ich hab nicht an den Weihnachtsmann geglaubt... Ich... Ich habe lediglich vermutet dass es ihn eventuell und nur vielleicht ja doch geben könnte."
"Ganz wie du meinst, Wood." Katie zuckte gleichgĂĽltig mit den Schultern und wandte sich ihrem Essen zu.
Oliver legte misstrauisch den Kopf schief. "Du glaubst mir doch, oder?"
"Ja sicher. Du hast nie geglaubt, dass es den Weihnachtsmann gibt. Und deswegen hast du ihm auch einen Brief geschrieben in der dritten Klasse, damit er den Nimbus 88 in ein 89er Modell umtauscht.", erklärte Katie mit vor Schalk blitzenden Augen todernst und schlürfte an ihrem Kürbissaft, während sich die Wangen des Schotten hauchrosa färbten.
"Ha! Ich hab's!", lachte Alicia in diesem Moment und lieĂź sich neben Angelina zurĂĽck auf die Bank fallen, das inzwischen schmuddelige Blatt Pergament triumphierend in der Hand. Auch ihre Haare waren ĂĽber und ĂĽber voller Streusel und ihre Nase zierte ein Sahneklecks. Kurzerhand wischte George - der ebenfalls nicht viel besser aussah mit der Pastete im Gesicht - mit dem Finger darĂĽber und leckte die Sahne davon ab.
"Hmm.", meinte er und legte den Kopf schief. "Nicht schlecht, aber da fehlt noch was."
Er sah sich suchend auf dem Tisch um, schnappte sich eine Kirsche und steckte sie sich in den Mund.
"Jah", schmatzte er. "Dasch war esch."
Die anderen sahen sich viel sagend an, bevor sie sich hastig ihren Tellern zuwandten.
Ungeduldig klopfte Angelina mit ihrem Löffel auf den Tisch, den durchdringenden Blick auf Katie und Alicia gerichtet: „Ist ja wunderschön, dass ihr beide jetzt wisst, was da drin steht und es spricht ja auch überhaupt nichts dagegen, aber uns andere würde es auch interessieren. Wenn du also so freundlich wärst, Leesh…"
Alle Köpfe in der nächsten Umgebung wandten sich Alicia zu, nur Katie stützte gelangweilt den Kopf auf der Hand ab. Sie kannte den Inhalt bereits – auch wenn sie es immer noch für einen blöden Scherz hielt, den sich wahrscheinlich ein Slytherin aus der Schlangenbrut ausgedacht hatte, um ihr das Frühstück zu verderben. Sie warf einen finsteren Blick in Richtung eben dieses Tisches, was Miles Bletchley mit einem spöttischen Augenbrauen-Hochziehen beantwortete und nickte ihrer Team-Kollegin zu: „Lies vor, Leesh."
Alicia räusperte sich, strich sich eine krümelige Strähne ihres rotbraunen Haares aus dem Gesicht und wollte gerade dazu ansetzen, die erste Zeile zu lesen, als sie stockte und nach einem Messer griff. Sie kratzte etwas Streusel vom Pergament und nahm es dann zufrieden noch einmal zur Hand um es vorzulesen.
„'Der erste Schritt ist der Beginn einer langen Reise.' Wag auch du es endlich, den ersten Schritt in deine Zukunft zu machen, Katie. Einen schönen ersten Dezember, dein XXX."
„Was für'n Schmalz.", war Lees erster Kommentar und die anderen drei Jungs nickten zustimmend, Angelina und Alicia jedoch verdrehten verzückt die Augen und seufzten. Katie rührte in ihrem inzwischen kalt gewordenen Kaffee und piekte nachdenklich ihre Serviette an.
Während sie es noch betrachtete, ertönte lautes Stühle-Rücken: Das Frühstück ging zu Ende und die Schüler machten sich allmählich auf den Weg zum Unterricht.
„Was hast du in der ersten Stunde, Alicia?", fragte George möglichst beiläufig und linste auf ihren Stundenplan, Katie und Angelina grinsten sich wissend zu.
Angesprochene runzelte die Stirn, zog das Blatt Papier zu Rate und hob dann den Kopf: „Wahrsagen, mit Fred und Lee, danach eine Doppelstunde Kräuterkunde und vor dem Mittagessen noch Verwandlung und Geschichte der Zauberei."
Fred stöhnte und ließ den Kopf auf die Tischplatte knallen.
„Wahrsagen, na das passt doch.", flüsterte Angelina Katie verschwörerisch zu und zwinkerte, ehe sie sich mit George in ihre Freistunde aufmachte. Wood würgte hastig noch ein Stück Vollkornbrot hinunter, packte mit Müh und Not seine Pergamente zusammen und eilte aus der Halle.
„Komm schon, Lee, wir kommen zu spät!", drängte Alicia und hängte sich ihre Tasche um, während sie ungeduldig mit dem Fuß tippte und Lee strafend ansah, der ebenso wenig Elan zeigte, sofort zum Unterricht zu kommen, wie Katie. Er warf ihr einen viel sagenden Blick zu und rollte genervt mit den Augen, bevor er hastig hinter Alicia her in Richtung Nordturm stürzte.
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Rooooll. Klack. Rooooll. Klack. Roooooll. Klack. Rooooll. Klack.
Katie rieb sich müde mit dem Handrücken über die Augen und legte ihre magische Anti-Langeweile-im-Unterricht-Murmel beiseite, um die Kritzelei auf ihrem Notizen-Blatt fortzuführen. Es gab nichts Uninteressanteres als Koboldaufstände. Nach Katies Meinung hätten die Kobolde den Schülern von Hogwarts so einige langweilige Stunden in dem stickigen Klassenzimmer mit Professor Binns leiernder Stimme erspart, wenn sie einfach die Klappe gehalten hätten und ausgewandert wären. Die blonde Gryffindor hob den Kopf und sah sich im Raum um: Drei Viertel der Klasse hingen aphatisch mit offenen Mündern und starren Blicken auf ihren Stühlen, der Rest hatte die Köpfe auf die Tischplatten gelegt und schlief. Sehr vernünftig, dachte Katie, bevor ihr Blick auf das Pergament vor ihr fiel. Es war der mysteriöse Brief vom Morgen.
Gedanken verloren faltete sie ihn auseinander und las ihn durch, ohne ihn wirklich zu verstehen.
Wer schrieb ihr solche Nachrichten? Und warum hatte derjenige seinen Namen nicht darunter geschrieben? Wenn man es schon für nötig hielt, ihr blöde Tipps zu geben, die keinen Sinn enthielten, konnte man doch wenigstens dafür gerade stehen. Gut, Katie würde ihn wahrscheinlich verhexen, aber das tat nun nichts zur Sache. Tatsache war, dass sie einen anonymen, unbrauchbaren Ratschlag erhalten hatte, der sie ablenkte und verwirrte.
Mit einer Falte auf der Stirn faltete Katie das Pergament grob wieder zusammen und schob es ärgerlich zur Seite. So ein Blödsinn. Reine Zeitverschwendung.
Die Gryffindor begann wieder, ihre Murmel ĂĽber die Tischkante rollen zu lassen und aufzufangen (Rooooll, Klack, Rooooll, Klack), weshalb sie nicht bemerkte, wie Leanne lautlos den Brief vom Tisch nahm, auffaltete und las.
Erst, als ihr ein weiteres Pergament neben dem vom Morgen zugeschoben wurde, sah sie verdattert auf.
‚Was ist das?', fragte sie stumm und Leanne antwortete ebenso lautlos: ‚Lies!'
Du bekommst also anonyme Liebesbriefchen und erzählst mir nichts davon, Katie? Ich bin schwer beleidigt. Das wirst du nur durch viele Informationen wieder gut machen können.
Katie schnappte sich Federkiel und Tinte, bevor sie ansetzte, eine Antwort zu kritzeln.
Erstens, liebe Leanne, ist das kein Liebesbriefchen sondern der dumme Einfall eines Idioten, dem wohl gerade besonders langweilig war, 2. habe ich es dir noch nicht erzählt, weil es gerade mal eine Stunde her ist und 3. hätte ich genauso viel Grund dir beleidigt zu sein, schließlich wirst du beim nächsten Hogsmeade-Wochenende mit Tony Jenkins ausgehen, was ich offiziell noch gar nicht weiß. Also, ich bin schwer beleidigt und das wirst du nur durch viele Informationen wieder gut machen können! :P
Mit einem versteckten Grinsen schob sie das Pergament zurück zur Absenderin, die sogleich hellrot anlief und auf ihrer Unterlippe herumkaute, während sie schrieb.
Ich… äh… Ja. Ich gestehe, ich gehe mit ihm aus, aber zu meiner Verteidigung – er ist sechzehn, sexy und charmant! Außerdem spielt er Quidditch und ist in Ravenclaw, das heißt es ist absolut gerechtfertigt, dass ich vor lauter Schwärmen vergessen habe, es dir zu erzählen. Und jetzt hör auf vom Thema abzulenken!
Tu ich doch gar nicht! Was hat dein Tony denn fĂĽr eine Augenfarbe?
GrĂĽn. Du tust es doch!
Katie prustete in ihren Ärmel und sah kurz hoch, um zu sehen, ob Professor Binns etwas von ihrer fortschrittlichen Kommunikationsweise mitbekommen hatte – Fehlanzeige. Er leierte nach wie vor seinen Stoff herunter und das in einem monotonen Singsang, wie Katie befand.
Schnell beugte sie sich wieder ĂĽber das Blatt Pergament:
Also gut. Was möchtest du wissen?
Von wem ist der Brief?
Woher soll ich denn das wissen?
Ok, vergiss diese Frage. Was denkst du, was meint er mit ‚wag auch du es, den ersten Schritt in deine Zukunft zu machen'?
Keine Ahnung, aber das hört sich doch irgendwie nach Seelenklempner an, wenn du mich fragst. Ich glaube, ich will gar nicht wissen, wer das war.
Also ich für meinen Teil finde das höchst romantisch. Denk doch mal nach! Ein geheimnisvoller Verehrer schickt dir ein Briefchen mit einem Rat, wie dein Leben noch schöner werden kann.
Allein bei dem Wort ‚Briefchen' kommt mir das Frühstück wieder hoch.
Katie hörte Leanne resignierend seufzen, bevor ihr das Pergament wieder zugeschoben wurde und ihre Freundin sie mit anklagender Miene musterte.
Du bist viel zu pessimistisch! Wenn du mal ein bisschen positiver und mehr wie ein Mädchen denken würdest, Katie, dann würdest du diese Geste auch verstehen. Jemand gibt sich Mühe um dich, dafür solltest du echt dankbar sein. Sieh mich an! Wann passiert mir denn schon mal so was Tolles?
Gerade? Du gehst doch mit Tony aus, oder nicht? Jetzt sag mir nicht, dass du das nicht toll findest, denn dann, liebste Leanne, muss ich dich einweisen lassen.
Hmm. Stimmt, sieh es als rein theoretisches Exempel.
Exempel.
Katie zog fragend eine Augenbraue hoch.
Sag nichts, ich bin ein Klugscheißer. Aber du, jetzt fällt mir was ein. ‚Wag auch du es, den ersten Schritt in deine Zukunft zu machen'… Heute ist doch das Berufseignungsgespräch mit der McGonagall. Vielleicht meint dein geheimnisvoller Verehrer damit, dass du die richtige Entscheidung bezüglich deiner Berufswahl treffen sollst. Du hast mir doch erzählt, dass du nicht – wie deine Mum es gerne hätte – in einer Menagerie arbeiten willst, sondern Profispielern sein möchtest. Dieser geheimnisvolle Jemand scheint dich mit seinem Rat haargenau getroffen zu haben. Sei es zufällig oder absichtlich, ich finde, er hat Recht, Katie. Du solltest mit der McGonagall darüber reden. Vielleicht findet sie es gut und organisiert ein Probetraining für dich…? Man weiß nie. Jedenfalls wäre es einen Versuch wert.
Du solltest nicht so viel fernsehen, das hab ich dir schon hundertmal gesagt. Das Leben ist kein Wunschkonzert, wie meine Mum immer so schön sagt und dieser Jemand kennt mich kaum gut genug, um zu wissen, was ich will oder nicht. Außerdem glaube ich, du hast zu viel Zeit, wenn du es schaffst in einer Zaubereigeschichte-Stunde so einen Roman zu verfassen. Befass dich lieber mal mit deinem Leben, Leanne. Apropos Berufsberatung, hast du je daran gedacht, Psychotherapeutin zu werden?
Wie kommst du denn darauf?
Ja, wie komm ich nur darauf…
Nein, ich glaube das liegt mir nicht. Ständig neugierige Fragen stellen und das Leben anderer Leute zu diskutieren… Fände ich glaube ich irgendwie befremdlich.
Katie musste sich die Hand vor den Mund halten, um nicht lauthals los zu lachen und da sie nicht mehr in der Lage war, zu schreiben faltete sie das Pergament zusammen und steckte es zusammen mit dem Brief vom Morgen und ihren Notizblättern in ihre Schultasche. Als es läutete, machte sie sich zusammen mit Leanne auf den Weg in den Gemeinschaftsraum, um ihre Freistunde sinnvoll mit faulenzen zu nutzen und danach gemächlich zum Mittagessen zu gehen. Doch trotzdem ließ sie das ‚Gespräch' mit ihrer Freundin nicht los – irgendetwas sagte ihr, dass Leanne gar nicht so Unrecht hatte.
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„Babble, Monica!"
Katie sah zu, wie Babble Monica – ein schüchternes, großes Mädchen aus Hufflepuff – zu Professor Sprout ins Büro schritt und mit einem zaghaften Schubs die Tür des Raums schloss.
„Ich bin mir sicher, Professor McGonagall wird begeistert sein, wenn sie hört, was ich vorhabe.", erklärte Cormac McLaggen ihr gegenüber mit angeschwellter Brust. Er, Katie und die anderen Gryffindors aus dem vierten Jahrgang saßen im Schneidersitz zu einem kleinen Kreis geformt auf dem Boden vor dem Büro ihrer Hauslehrerin und warteten.
„Was hast du denn so Tolles vor, wenn man fragen darf?", fragte Lindsay Hall mit skeptisch hochgezogener Augenbraue und rollte mit den Augen, als Cormac nicht hinsah, woraufhin der Rest von ihnen leise loskicherte. Cormac war ein unmöglicher Besserwisser, der dem gesamten Jahrgang der Löwen auf die Nerven ging.
„Ich werde Profispieler bei den Catapults."
Katie, die gerade gelangweilt zur Seite gesehen und leise mit Leanne geflüstert hatte, fiel aus allen Wolken: „Wa-as?"
„Ja", meinte Cormac und zuckte mit den Schultern, den Kopf hochnäsig angehoben, „da die Teas sich sowieso um mich reißen werden, kann ich mir das Beste aussuchen. Und das sind eindeutig die Catapults. Nun gut, Amateure, aber ich werde ihnen schon noch alles Grundlegende beibringen."
„Oh ja, ich bin sicher, sie würden äußerst dankbar sein für deine vielen Ratschläge.", versicherte Joey Foster ihm mit versteckt gekreuzten Fingern und pustete sich eine schwarze Ponysträhne aus den Augen. „Aber ich muss dir leider trotzdem widersprechen – das beste Team derzeit ist ohne Zweifel Puddlemere United. Dagegen können weder die Catapults, noch die Tornados anstinken."
Er warf Lindsay einen herausfordernden Blick zu.
„Ach ja? Ohne Scott Perry in den Torringen kann Puddlemere doch gleich einpacken. Seit Mackenzie Debster bei den Tornados spielt und nicht mehr bei den Magpies hauen die doch allen die Hucke voll. Hast du ‚Snitch & Seaker' denn nicht gelesen, du Pfeife?"
„Ähm… Nein.", gab Joey kleinlaut zu.
„Tz", machte Lindsay und zwinkerte Katie zu: „Männer! Haben von Quaffeln und Klatschern keine Ahnung aber denken, sie müssen sich wichtig machen."
Das wollte Joey dann doch nicht auf sich sitzen lassen: „Aber letztes Jahr haben die Puddles den Pott geholt, während die Magpies sowie die Tornados seit Jahren keine Meisterschaft mehr gewonnen haben, falls du dich erinnerst. Vor 91 war Puddlemere sechs Jahre auf dem Treppchen und das eine Jahr hab sich eben ausnahmsweise die Catapults den Titel geschnappt."
Triumphierend verschränkte Joey die Arme vor der Brust. „Stimmts, Kit?"
„Zieh mich da nicht mit rein, Joe."
„Tschuldige."
Während Lindsay mit Cormac und Joey weiter diskutierte, ob nun die Tornados, die Puddles oder die Catapults das bessere Team wären, trat Professor McGonagall aus ihrem Büro:
„Bell, Caitlin."
Katie erhob sich und folgte der strengen Hauslehrerin von Gryffindor hinein in den schmalen Raum, der voll gestopft war mit silbernen Nadelspitzen, chinesischen Teekannen, Trinkkelchen und allerlei anderem GerĂĽmpel.
Obwohl das Zimmer so klein und das viele Zeugs, welches herumlag, so sperrig war, schien eine Ordnung zu herrschen, die Katie nicht einmal in ihrem Kleiderschrank kannte.
Während sie sich vor Professor McGonagalls Schreibtisch setzte, stellte sie sich vor, wie die strenge Hauslehrerin mit hochrotem Kopf vor dem Regal mit Nadelkissen stand und auf diese einschrie, sich doch gefälligst selbst aufzuräumen, da es sonst Strafarbeiten hageln würde.
„Was gibt es zu kichern, Ms Bell?", fragte die Professorin ernst und sah Katie fest an, die schlagartig aufhörte zu lachen. „Nichts, Professor."
„Dann seien Sie so nett und lassen uns anfangen, wir sind auf eine halbe Stunde eingeschränkt. Wie Sie wissen, sind Sie hier um ihr erstes von zwei Berufsberatungsgesprächen zu führen, das zweite
Gespräch wird in ihrem sechsten Jahr hier in Hogwarts erfolgen. Wir werden in mehreren Schritten vorgehen, um ihnen die Wahl ihrer späteren Tätigkeit zu erleichtern. Kommen wir zu Schritt Nummer Eins."
Professor McGonagall setzte ihre bunt gemusterte Brille auf die Nase und nahm einen Bogen Pergament zur Hand: „Ich werde Ihnen Ihren aktuellen Leistungen mitteilen, damit sie informiert sind, welche Noten Sie in Ihren ZAGs benötigen."
Katie nickte schwach. Sie war sich sicher, in Astronomie und Zaubertränke katastrophal zu stehen. Obwohl sie doch gar nicht so schlecht war! Gut, regelmäßig ließ sie den Kerker explodieren und ab und zu (fast jede Stunde) schlief sie beim Sterngucken ein, aber sonst…
„Möchten Sie, dass ich Ihnen das vorlese oder wollen Sie selbst einen Blick darauf werfen?"
Professor McGonagall hielt ihr das Blatt entgegen. Sie griff danach und ĂĽberflog ihre Noten.
„Wie Sie sehen können, sind Ihre Noten bisher relativ gut. Sie haben jeweils ein Erwartungen übertroffen in Verwandlung, Zauberkunst, Wahrsagen und Verteidigung gegen die dunklen Künste sowie ein Annehmbar in Geschichte der Zauberei und Arithmantik. Besonders erfreulich ist ihr Ohnegleichen in Kräuterkunde. Professor Sprout ist wirklich begeistert von Ihnen, Ms Bell.
Was ich Ihnen leider ebenfalls mitteilen muss, ist, dass Sie sich in Zaubertränke und Astronomie auf alle Fälle noch verbessern müssen. Die Professoren Sinistra und Snape haben daher in Abstimmung mit mir Nachhilfe angeordnet."
„Nachhilfe?", hakte die dennoch erleichterte Katie nach – sie hatte mit etwas viel Schlimmerem gerechnet als nur jeweils einem Mies in Astronomie und Zaubertränke.
„Sie haben richtig verstanden. Melden Sie sich nach der nächsten Zaubertränkestunde bei Professor Snape, er wird Ihnen Ihren Nachhilfelehrer mitteilen und Professor Sinistra lässt Ihnen ausrichten, dass die Stunden für Astronomie von Mr Diggory abgehalten werden. Er wird Sie noch einmal persönlich darauf ansprechen, nehme ich an."
Katie nickte. Nachhilfe bei Cedric… Klang gar nicht so übel. Nein, überhaupt nicht übel. Der einzige Haken war Zaubertränke, aber solange es nicht Flint oder Pucey waren, die ihr Nachhilfe im Giftmischen gaben, würde sie wohl oder übel damit leben können. Professor McGonagall rückte ihre Brille zurecht und legte das Pergament wieder zur Seite, um Katie direkt anzusehen:
„Kommen wir nun zum zweiten Teil dieses Gespräches. Was stellen Sie selbst sich für ihr späteres Berufsleben vor, Ms Bell? Irgendwelche groben Vorstellungen und Pläne?"
„Nun ja… Meine Mom möchte, dass ich in einer Menagerie arbeite."
„Ah… Heilmittel herstellen und an die Hospitale verkaufen, ich verstehe. Nun, dafür bräuchten sie einen ZAG in Zauberkunst, Kräuterkunde und Zaubertränke, Ms Bell. Außerdem wäre ein Zauberergrad in Arithmantik erforderlich, Sie müssten sich also auf alle Fälle noch in zwei Fächern verbessern. Ihre Mutter wünscht es, sagen Sie? Und was würden Sie selbst gerne machen?"
Katie sah auf ihre Schuhe.
‚Wag auch du es, den ersten Schritt in deine Zukunft zu machen, Katie'.
„Da gäbe es wirklich etwas, Professor… Aber ich weiß nicht, ob ich dafür geeignet bin."
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„Cedric Diggory? Der Cedric Diggory?"
„Cedric Diggory aus Hufflepuff?"
„Nein, natürlich nicht. Cedric Diggory aus Doofmannshausen, selbstverständlich." Katie schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Natürlich Cedric Diggory aus Hufflepuff, du Schmalhirn!"
Leanne zog die Unterlippe vor. „Ich wollte nur noch mal auf Nummer sicher gehen."
„Das glaub ich einfach nicht.", stammelte Lindsay und reckte den Hals, um zum Tisch der Dachse hinüber sehen zu können, wo eben dieser Cedric Diggory gerade gestikulierend etwas zu erzählen schien. „Du und dein unverschämtes Glück, Katie!"
Katie grinste fett und tat sich Gemüse und Hackbraten auf, während Joey mit einer steilen Falte auf der Stirn die Gabel auf seinen Teller schmiss.
„Ich weiß nicht, was daran bitte Glück sein soll, in Astronomie und Zaubertränke Nachhilfe zu brauchen. Vor allem bei Diggory, also das ist ja wirklich zu abartig…"
Mit finsterem Blick stierte er ebenfalls zum Hufflepufftisch hinüber. „Schleimiger, schnulziger-''
„-ekelhafter Alleskönner.", beendete Damian Geller, der neben Joey saß, den Satz.
Pete Dwight, der eben an den Gryffindortisch kam und sich rechts von Havanna Jackson, beide ebenfalls aus dem vierten Jahrgang, auf die Bank fallen lieĂź, runzelte fragend die Stirn.
„Redet ihr von Diggory?"
„Oh ja.", antwortete Leanne und ihr Gesicht nahm einen verträumten Ausdruck an, während sie sich Nudeln auf den Teller häufte. „Er ist dermaßen heiß."
Joey und Pete taten, als mĂĽssten sie sich in ihre Teller ĂĽbergeben.
„Er ist ein Streber und Schleimer und das war's auch schon. Angeblich soll er sogar schwul sein, hab ich gehört.", raunte Joey mit einem kurzen Seitenblick auf Katie und hinderte Lindsay gerade noch rechtzeitig daran, sich seinen Speck zu klauen. „Hey!"
„Einen Versuch war's wert." Sie zuckte nur mit den Schultern und warf ihr langes, typisch asiatisch schwarzes Haar zurück. Katie grinste bei dem Ausdruck, den Damians Gesicht dabei angenommen hatte.
„Wer ist schwul?", fragten Fred und George unisono in diesem Moment und stiegen über die Bank, um sich ebenfalls am Gryffindortisch niederzulassen, ihnen folgten Angelina und Alicia, sowie Lee und Oliver.
„Niemand.", antworteten Katie und Leanne. „Cedric.", riefen Joey, Damian und Pete.
„Ah.", machte Fred und warf Angelina einen kurzen, etwas eifersüchtigen Blick zu. „Entschuldigt die Frage, das hätte ich mir eigentlich denken können.
Alicia, die gerade dabei war sich und Oliver Kaffee einzuschenken, stutzte: „Diggory ist schwul? Seit wann das denn? Ich dachte, er- Oh, entschuldige Oliver."
Die Tasse war übergelaufen, was Oliver nur mit einem ‚typisch Mädchen'-Augenrollen bedachte und den überschüssigen Kaffee mit einem Schlenker seines Zauberstabs verschwinden ließ.
„Er ist selbstverständlich nicht schwul.", sagte Katie ärgerlich und piekte wild auf ihre Karotten ein. Das Thema wurde ihr langsam aber sicher überdrüssig. „Und wenn jetzt noch einmal jemand ‚Cedric Diggory' sagt, dann wird keiner von euch seinen nächsten Bissen erleben, das schwör ich euch!" Drohend hielt sie die Gabel in die Runde, woraufhin schlagartig Stille entstand.
Oliver war der erste, der sich traute wieder das Wort zu ergreifen.
„Gut.", sagte er seelenruhig und legte sein Brötchen zur Seite. „Dann kann ich ja jetzt endlich zu dem Thema kommen, das ich mit euch besprechen möchte. Morgen früh ist Quidditchtraining, ich erwarte, dass ihr alle – Lee, dich ausgenommen – um 5 Uhr draußen auf dem Feld steht. Ich möchte vor der Winterpause noch ein paar neue Spielzüge mit euch durchgehen."
Angelina, die sich bisher noch zurückgehalten hatte, schluckte hart: „Was?"
„Quidditchtraining, um 5 Uhr.", wiederholte Oliver im Glauben, Angelina hätte ihn akustisch nicht verstanden. Fred und George starrten Wood fassungslos und mit offenen Mündern an, Alicia ließ die nächste Tasse überlaufen und Katie wurde von Joey und Damian daran gehindert, ihrem Kapitän an die Gurgel zu gehen.
„Ich glaub du hast sie nicht mehr alle! 5 Uhr - Lass mich los, Joe – das heißt wir trainieren komplett im Dunkeln und hauen uns gegenseitig den Ball in die Fresse beziehungsweise die Schläger um die Ohren! Professor Sinistra bringt mich um wenn ich noch einmal in Astronomie einschlafe, von Snape will ich gar nicht reden!"
„Ach, Unsinn!", widersprach Oliver stur und trank in einem Zug seinen Kaffee leer, bevor er seine Tasche von der Bank schnappte und davon hastete, nicht ohne noch einmal alle an das Training zu erinnern und sich eine Scheibe Toast zu nehmen. Das Team starrte ihm mit immer noch offenen Mündern hinterher.
„Also ich glaub's einfach nicht!", explodierte Angelina und haute mit der Faust so fest auf den Tisch, dass Alicias dritte Tasse von ganz alleine überschwappte.
„Dieser Mistkerl, dieser – dieser rücksichtslose, übereifrige, sture, fanatische, tyrannische, absolut durchgeknallte Vollidiot! Ist das denn zu fassen? Ja, glaubt Wood denn, wir haben sonst nichts zu tun? Ich muss morgen Unmengen lernen und das wird kaum funktionieren, indem ich meine Hausaufgaben anschnarche!"
„Zu viele Adjektive.", sagte Fred zu George, nachdem er sich von dem Schock erholt hatte und sah weiter interessiert zu seiner Freundin auf, die inzwischen rot angelaufen war und den Löffel in ihrer Hand gefährlich fest umklammert hielt. „Manchmal, also manchmal könnt ich ihn echt –''
„Erwürgen?"
„Verhauen?"
„Küssen?", fragte Leanne und fing sich von allen Seiten ungläubige Blicke ein.
„Umbringen.", vollendete Katie Angelinas Satz mit Grabesstimme und versenkte ihre Gabel tief in einer Kartoffel. „Manchmal könnte ich ihn echt umbringen, diesen elenden Sklaventreiber. Ich werde zwar morgen zum Training kommen, aber eins sag ich euch – ein Weihnachtsgeschenk kann er sich schon mal abschminken."
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„Kann es sein, dass meine Haare einen Lilastich haben?"
Schockiert stand Lindsay mit schief gelegtem Kopf vor dem Waschbecken im Badezimmer und betrachtete ihre Haare im Spiegel. Katie schlang sich ein Badetuch um den Körper, ehe sie aus der Dusche trat und kniff die Augen zu, während sie versuchte, Lindsay ins Licht zu drehen: „Nein."
„Wirklich nicht? Aber die sehen doch lila aus, oder nicht? Leanne! Joy!"
Draußen im Schlafsaal gab es ein unangenehm lautes Krachen, kurz gefolgt von zwei identischen Schmerzensschreien. „Was?", erklang Joyce' Stimme dumpf.
Katie folgte ihrer Freundin in den Raum und warf sich auf ihr Bett, von wo aus sie gute Sicht auf die in einem Knäuel am Boden liegenden Mädchen hatte. Offensichtlich hatten sie versucht, mit einer Räuberleiter zur Oberseite des Schranks hinauf zu kommen und waren kläglich gescheitert.
„Bei Merlin, auf den Gedanken, den Koffer einfach runterschweben zu lassen seid ihr wohl nicht gekommen, was?", spottete Lindsay und hielt Leanne die Hand hin, um ihr auf zu helfen.
„Wer den Schaden hat.", brummte Joyce und rieb sich mit zusammengebissenen Zähnen den Allerwertesten. „Also, was wolltest du?"
„Haben meine Haare einen Lilastich?"
„Nein."
„Ganz sicher? Also ich finde, sie haben einen Lilastich. Du bist hier die Expertin, du hattest schon lila Haare, also sei bitte ganz ehrlich: Haben meine Haare einen Lilastich?"
„Na-hein.", antwortete Joyce ohne hinzusehen und schwang ihren Zauberstab: „Wingardium Leviosa!"
Mit einem Ruck erhob sich der Koffer auf dem Schrank in die Luft und schwebte Staub verteilend durch den ganzen Schlafsaal zu dem Bett am Fenster.
„Na toll gemacht, Joy. Das darfst du aber dann auch weg putzen, ich mach das nicht.", meinte Katie und deutete auf die Schmutzlinie, die quer durchs Zimmer führte.
„Was? Wieso ich, ich war erst letzte Woche an der Reihe. Soll doch Leanne es machen."
„Ich? Vergiss es."
„Untreue Tomaten.", knirschte Katie mit den Zähnen und wandte sich wieder Lindsay zu. „Das mit deinen Haaren lässt sich übrigens ganz leicht feststellen. Warst du heute länger als eine Stunde mit einem der Weasley-Zwillinge in einem Raum?"
Lindsay schĂĽttelte den Kopf.
„Hat sich dir ein Weasley-Zwilling näher als 1 Meter genähert?"
„Nein."
Katie knipste ihre Nachttischlampe an und angelte nach ihrer Bürste und ihrem Zauberstab, um sich die eigenen Haare zu trocknen: „Dann, liebste Lindsay, sind deine Haare so schwarz wie eh und je."
Immer noch skeptisch tappte diese zurück ins Badezimmer, während Leanne in der Zwischenzeit zu Katie aufs Bett krabbelte und Joyce in ihr Nachthemd schlüpfte.
„Du", fing sie an und schnappte sich Katies Kissen. „Die McGonagall sagt, ich sollte darüber nachdenken, Anwältin zu werden. Ich weiß nicht so recht. Das ist einerseits ein ellenlanges Studium und danach würde ich im Ministerium landen, was ich, wie du weißt, eigentlich nie vorhatte. Aber andererseits reizt es mich doch schon sehr. Mein Dad ist auch Anwalt und ich fand schon immer interessant, was er da macht. Was hältst du davon? Könntest du dir mich als Anwältin vorstellen?"
Katie, deren Haare inzwischen trocken waren, schlĂĽpfte in ihr eigenes Nachthemd und setzte sich mit nachdenklicher Miene aufs Bett zurĂĽck.
„Leanne als Rächerin der Gerechtigkeit! Ja, ich denke schon… Aber ob du den ganzen schnuckeligen Junganwälten widerstehen wirst können, na, also ich weiß nicht… Au!"
Ein Stoß in die Rippen brachte die blonde Gryffindorjägerin zum Schweigen.
„Du kleines Biest! Sag mal, was hat die McGonagall eigentlich zu dir gesagt? Hast du ihr erzählt, dass du gar nicht in einer Menagerie arbeiten willst?"
Katie schüttelte den Kopf, doch als Leanne gerade den Mund aufmachen wollte, um loszuschimpfen, hob die blonde Gryffindor eine Hand: „Musste ich gar nicht, sie hat's erraten."
Leanne's Augen weiteten sich und sie umklammerte das Kissen in ihren Armen etwas fester, während sie an das Fußende des Bettes kroch und den Vorhang schloss.
„Die McGonagall kann schon gruselig sein, oder? Und damit meine ich nicht ihre komische Brille oder den Strichmund. Was- Gute Nacht, Joyce – hast du ihr dann erzählt?"
„Na ja." Katie legte nachdenklich den Kopf schief und zupfte am Saum ihres Nachthemds herum.
„Ich hab ihr gesagt, dass ich Profispielerin werden möchte, aber nicht sicher bin ob ich das Talent dafür - Au! Wofür war das denn?
"Sie rieb sich mit empörter Miene den Arm, Leanne zuckte nur mit den Schultern. „Das war dafür, dass du deine Quidditchqualitäten in Frage stellst. Wood würde dich sicher nicht in seinem Team haben wollen, wenn du absolute Niete wärst."
„Wie dem auch sei", meinte Katie unwirsch, „Die McGonagall findet, ich sollte auf jeden Fall versuchen, in ein Team zu kommen, auch wenn es vorerst nur lokale Teams sind. Und außerdem hat sie mir geraten zweigleisig zufahren. Das heißt, während ich mich bei den Profiteams bewerbe, sehe ich mich nach einem Beruf um, der mir auch gut gefallen würde, aber der nicht meine erste Wahl ist. AU! Würdest du bitte damit aufhören?"
Doch Leanne achtete gar nicht auf Katies Einwand – sie quiekte und ließ sich nicht davon abhalten, weiter auf Katies inzwischen schmerzenden Arm einzutrommeln.
„Haha, ich hab's dir doch gleich gesagt! Dein geheimnisvoller Verehrer hatte Recht! Siehst du, es hat sich doch gelohnt auf ihn zu hören, wie ich's dir gesagt habe."
„Ja.", antwortete Katie nickend und kuschelte sich in ihre Kissen. „Du hattest Recht, aber glaub bloß nicht, dass du mir das die nächsten drei Jahre vorhalten kannst! Und jetzt –'' sie schubste Leanne mit einer Handbewegung vom Bett – „Sieh zu, dass du deinen Hintern endlich in dein eigenes Bett schwingst, ich will schlafen. Morgen früh ist um fünf Training, da werde ich meine ganze Energie brauchen um immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was Wood will."
"Aber-"
"Raus jetzt!"
Leanne zog eine Schnute und kletterte hinüber in das Himmelbett neben der Tür, woraufhin Katie genüsslich die Beine ausstreckte. Der Tag war anstrengend gewesen. Lange nicht so anstrengend, wie ein Tag Horrortraining bei Wood, aber anstrengend genug, um als ermüdend durchzugehen. Erst der Trubel um die Trennung von Oliver und seiner Freundin, dann der geheimnisvolle Brief, das Gespräch mit der McGonagall und letztlich noch die leidige Diskussion um Diggory beim Abendessen. Vom Unterricht mal ganz zu schweigen.
Katie seufzte und warf sich auf die andere Seite, die Beine eng angezogen. Auch wenn sie es nur ungern tat, so musste sie doch gestehen, dass sie sich ein wenig ĂĽber den Brief gefreut hatte. Sie war sich zwar immer noch nicht sicher, ob er nicht doch von einem Slytherin kam, aber nichts desto trotz war sie geschmeichelt. So geschmeichelt, dass sie ihren Stolz soweit zur Seite schieben konnte um zu hoffen, dass der zweite Dezember eine weitere Ăśberraschung dieser Art fĂĽr sie bereithielt.
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A.N. Tja! Da hat wohl jemand Katies Nerv getroffen ;D
Ich hoffe auf viele, oder wenigstens ein paar Reviews, um zu wissen, ob es sich ĂĽberhaupt lohnt, weiter zu schreiben. Motiviert mich, bitte! ;)
Danke und liebe GrĂĽĂźe:
Lorelai.
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