24 days to conquer a heart - 02. Dezember 1993
von Lorelai-Stevens
02. Dezember 1993
'Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf.
Wie wenig die Gefühle und Ansichten eines solchen Mannes bei seinem ersten Erscheinen in einer Gegend auch bekannt sein mögen, diese Wahrheit sitzt so fest in den Köpfen der Familien in der Nachbarschaft, daß er sogleich als das rechtmäßige Eigentum der einen oder anderen ihrer Töchter betrachtet wird.'
(Stolz und Vorurteil - Jane Austen)
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A.N.
Einige Infos für das Kapitel. Alicia hat am Tag darauf Geburtstag. Es fängt nach dem angekündigten Training an. Das Zettelgespräch wird wohl für Verwirrung sorgen, also gibt es hier eine Einweisung ;D
Lindsay. Katie. Joyce. Leanne.
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Ich glaube, ich fĂĽhle meine Beine nicht mehr", jammerte Angelina und lieĂź sich auf die Bank in der Umkleidekabine fallen, besagte Beine weit ausgestreckt.
„Wenn's nur das wäre.", antwortete Fred von der anderen Seite. „Ich fühle Körperteile, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie habe."
Katie grinste frech durch die Spalte zwischen den Kabinen zu Fred hinüber, während sie sich von Umhang und Schonern befreite. „Ich denke, Gott hat seinen Grund, warum er dich so leiden lässt."
„Liege ich richtig in der Annahme, dass du mit Gott mich meinst?", hörte sie Oliver dumpf fragen, der sich eben den Pullover über den Kopf zog.
„Eingebildet sind wir aber gar nicht, was, Wood?" Katie schnaubte und ging hinüber zu ihrem Spind um Handtuch, Shampoo und Duschgel herauszuholen.
„Noch nie gewesen, Kitty. Noch nie gewesen."
„Weil wir grade bei ‚eingebildet' sind…", mischte sich Georges Stimme ein. „Kates, was ist jetzt mit dir und diesem Schönling Diggory?"
Katie rollte genervt mit den Augen und wollte gerade den Mund aufmachen, um zu antworten, als Alicia ihr zuvor kam: „Genau, Kates. Dir und diesem großen, gut aussehenden Jungen…"
„So stark und schweigsam", ergänzte Angelina, stieß ihrer besten Freundin in die Seite und kicherte, während sie sich ein Badetuch um den Körper schlang und in ihre Schlappen schlüpfte.
„Eher schwul und einsam.", hörte Katie Fred raunen, woraufhin als Husten getarntes Lachen von Oliver ertönte. Verärgert schlug die blonde Gryffindor mit einem lauten Knall ihren Spind zu.
„Kenn ihr denn kein anderes Thema mehr? Cedric hier, Cedric da und oh! Cedric! Ehrlich, ihr führt euch auf wie verliebte Fangirlies."
„Ha!", entfuhr es Fred und erließ dem Geräusch zu urteilen George einklatschen, bevor er Angelina und Alicia die Zunge entgegen streckte: „Da habt ihr's!"
„Oh, du musst das falsch verstanden haben. Ich meinte nicht Leesh und Lina.", erklärte Katie seelenruhig und verschwand mit teuflischem Grinsen auf den Lippen hinter ihren beiden Freundinnen in den Duschen der Mädchen.
In der Jungenumkleide war es totenstill geworden.
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Die Große Halle war noch beinahe völlig leer, als Katie, Angelina und Alicia dort ankamen. Bis auf ihre Teamkameraden und ein paar einzelne Frühaufsteher aus Ravenclaw war noch niemand aus Hogwarts zum Frühstück auf den Beinen, sodass die drei Jägerinnen sich getrost am Gryffindortisch breit machen konnten. Oliver, der sich wie immer tief in seine Pergamente mit Spielzügen und Techniken vergraben hatte, nahm nicht am Gespräch teil, ebenso wenig wie Fred und George, bei denen jedoch eher der verletzte Männerstolz eine Rolle spielte. Sie beschäftigten sich lieber damit, Tischkarten mit den absurdesten Namen („Dummschwätzer" für Percy oder „Der Junge der schwebt" für Harry) zu basteln und auf den Tellern zu verteilen, als mitzureden, weshalb sich bald ein typisches Frauengespräch entwickelte.
„Meine Rede, Leesh, meine Rede! Anturnen und abblitzen lassen ist die beste Strategie, die du als Frau anwenden kannst um ein Männerherz für dich zu gewinnen.", stimmte Katie den Mund voll Brötchen mit Kirschmarmelade zu, während sie sich Kaffee einschenkte.
„Gibt es da nicht diesen Muggel-Spruch? Wie ging der noch gleich… Irgendwas von wegen ‚Mach dich gar, wenn du selten sein willst' oder so was in der Art."
„Willste gelten, mach dich selten!", korrigierte Angelina ihre Freundin und goss Milch in ihre Cornflakeschüssel. „Und zwischen gar- und rar machen ist ein riesengroßer Unterschied. Mal ehrlich, passt du in Muggelkunde denn wirklich nie auf?"
„Kaum.", gab Katie mit einem gleichgültigen Schulterzucken zu. „Leesh, reichst du mir mal bitte die Butter?" Sie nahm den Teller entgegen und stellte ihn vor sich neben der Kirschmarmelade ab, um ein neues Brötchen zu schmieren.
Fred und George hatten in der Zwischenzeit alle Kärtchen aufgestellt und stießen wieder zur Gruppe, um ihrerseits zu frühstücken. Während sie sich setzten, öffneten sich die Flügeltüren der Großen Halle und eine ganze Traube schnatternder Schüler strömte herein.
„Das war's dann wohl mit der Ruhe.", seufzte Angelina mit einem Seitenblick auf die Weasley-Zwillinge und schob sich den Löffel voll Cornflakes in den Mund, während Alicia ein Buch aus ihrer Tasche zog. George lehnte sich interessiert zu ihr und lugte hinein.
„Was ist das, Leeshy?"
„Das, George, ist ein Buch. Man kann darin blättern, es durchlesen und sogar daraus lernen." Alicia schnaubte. „Ehrlich, ich hätte erwartet dass du wenigstens weißt, wie ein Buch aussieht."
Der Weasley rollte mit den Augen und nahm es ihr aus der Hand, um die Seiten zu ĂĽberfliegen.
„Ich weiß selbstverständlich dass das ein Buch ist. Ich wollte lediglich wissen, was für eines. Zauberkunst?", fragte er mit gerunzelter Stirn, gab es ihr zurück und schob sich seinen halben Toast in den Mund.
„Ja.", erwiderte Alicia schlicht und steckte die Nase wieder in das Buch.
„Wiescho?", fragte George mit vollem Mund und trank noch einen Schluck von seinem Kakao.
„Weil wir morgen einen wichtigen Test schreiben, du Pflaume, für den du eigentlich hättest lernen sollen, wie ich es dir gesagt habe."
Der Weasley verschluckte sich und begann lautstark zu husten. Fred, der ihm gegenüber saß und das Gespräch mit angehört hatte, tat es ihm unfreiwillig gleich.
„Was?", stießen sie unisono aus und starrten Alicia fassungslos an.
„Es ist jedes Mal dasselbe.", meinte diese Augen rollend zu Angelina, die zustimmend nickte und ihre leere Müslischüssel von sich schob, bevor sie ihr eigenes Zauberkunstbuch aus der Tasche nahm und es aufschlug.
George rückte noch ein Stück näher zu Alicia auf und versuchte, ein unschuldiges Gesicht aufzusetzen: „Hättest du heute Nachmittag Zeit für mich, Leeshy?"
Sie verdrehte die Augen, seufzte und kramte ihren Stundenplan hervor, um darauf nach zu sehen.
„Mal sehen… Vormittags komplett Unterricht… Kräuterkunde, Verwandlung… Ja, zwei Freistunden heute Nachmittag. Wieso?"
Der Weasley schlug die Augen gespielt verlegen nieder und malte mit dem Finger Kreise auf die Tischplatte. „Na ja… du könntest mir in Zauberkunst helfen, damit ich morgen den Test nicht in den Sand setze. Überleg mal, Leeshy, wenn du es nicht tust, wirst du dich ewig schuldig fühlen…"
Mit groĂźen, treuherzigen Augen sah er zu Alicia auf, die sich auf die Lippe biss und die Brauen zusammenzog, bevor sie den Stundenplan auf den Tisch klatschte.
„Gut, na schön! Ausnahmsweise, hast du gehört?"
Sie hielt ihm drohend den Zeigefinger vor die Nase, dann packte sie ihre Tasche und stand auf. Dass George den anderen verschwörerisch zugezwinkert hatte, war Alicia entgangen.
„Wir treffen uns dann nach Zaubertränke im Gemeinschaftsraum, sei pünktlich und vergiss Buch und Pergament nicht! Federkiel und Tinte solltest du auch dabei haben. Ich muss jetzt noch zu Professor McGonagall – Vertrauensschülersache."
Während Alicia die Große Halle verließ, kamen Leanne, Lindsay und Damian an den mittlerweile gut gefüllten Gryffindortisch, gefolgt von Percy Weasley („Dummschwätzer? Das ist Autoritiätsbeleidigung!") und Roger Davies.
„Wie oft musst du es eigentlich noch hören, bis es ankommt?"
Lindsay ließ sich mit etwas Abstand auf die Bank fallen, warf ihre Umhängetasche auf den steinernen Boden und kickte sie unter den Tisch, bevor sie mit entnervter Miene die Ellbogen auf der Tischplatte abstützte und das Gesicht in die Hände legte.
Damian, der sich den Platz ihr gegenüber gesichert hatte, nahm sich Schinken und Spiegelei, lächelte Katie spitzbübisch zu und wandte sich wieder an Lindsay, die er wohl auf dem Weg hierher ihrer Geduld beraubt hatte.
„Heißt das nun ‚Ja', ‚Ja oder ‚Ja?" Er grinste und seine grüngrauen Augen richteten sich wieder auf das Mädchen vor ihm, das mit der Miene eines Metzgers ein Brötchen aufschnitt.
Leanne schluckte unbehaglich und drückte ihre eigenen Brötchen schützend an sich.
„Lindsay, sachte – das arme Brötchen hat dir doch nichts getan. Mach ihm doch wenigstens den Prozess." Katie kicherte amüsiert und rutschte vorsorglich ein Stück von besagter Person fort.
„Ich bin echt schlecht drauf, also reiz mich nicht!" Lindsay fuchtelte mit dem Brotmesser durch die Gegend und alle im Umkreis lehnten sich einen halben Meter zurück.
„Verzeihung wenn ich damit Euer Wohlwollen aufs Spiel setze, Euer Allerliebst, aber darf ich Sie fragen, weshalb?"
„Nein!"
„Okay." Katie wandte sich schmunzelnd an Damian: „Warum ist sie so schlecht gelaunt? Und schon mich nicht, ich bin ein großes Mädchen und kann die Wahrheit vertragen."
Damian wollte gerade den Mund aufmachen, als Lindsay die eben angehobene Milchkanne wieder auf den Tisch zurĂĽckknallte und ein wĂĽtendes Knurren von sich gab:
„Wag – es nicht."
Der Viertklässler grinste nur übermütig und nahm hungrig einen Bissen von seinem Schinken, kaute genüsslich und trank einen Schluck Tee, bevor er seelenruhig antwortete:
„Ich hab sie – wie so oft - gefragt ob sie mit mir nach Hogsmeade geht."
Sofort wandten sich Leanne und Katie Lindsay zu und umklammerten ihre Arme: „Sag ja!"
„Erstens: AU! Und Zweitens: Dann ist Polen offen wenn Tschechien schreit.", antwortete diese trocken und warf Damian einen giftigen Blick zu. Ihr zermürbtes und physisch ans Ende getriebenes Brötchen hatte sie noch nicht angerührt. Damian zuckte nach außen hin gleichgültig mit den Schultern, blies sich die braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht und nahm einen weiteren Bissen Spiegelei. Katie lutschte etwas Kirschmarmelade vom Daumen und runzelte angewidert die Stirn, während sie Fred beim Essen zusah.
„Wo sind eigentlich Pete und Havanna?"
„Knutschen.", antwortete Leanne gelangweilt und ließ ihren Löffel mit Kreisbewegungen ihres Fingers den Tee umrühren, die Nase in eine Zeitschrift gesenkt. Havanna ‚Hive' Jackson und Pete Dwight waren wohl das Paar in Hogwarts, das im Jahrbuch als „bleibt wohl am ehesten für immer zusammen" betitelt werden würde. Die Beziehung dauerte seit der zweiten Klasse und schien in den Augen ihrer Klassenkameraden auch für die Ewigkeit.
Katie grinste und schenkte sich wie jeden Morgen ihre Dosis Kaffee ein, füllte ebenfalls wie jeden Morgen ungefragt auch Olivers Tasse und erntete dafür einen spöttischen Blick:
„Was hättest du jetzt gemacht, wenn ich keinen Kaffee gewollt hätte, Bell?"
„Dir gesagt, dass du mich mal kannst und den Kaffee selbst getrunken, Wood."
„Wieso glaub ich dir das aufs Wort?"
„Weil du mich a) zu gut kennst und b) nichts dagegen tun hättest können."
„Gutes Argument." Der Schotte grinste und nahm den Kaffee entgegen.
„Für Autogramme steh ich leider nicht zur Verfügung." Sie stellte ihre eilig leer getrunkene Tasse wieder ab und rückte ihr Teller von sich weg, bevor sie nach ihrer Schultasche angelte. In diesem Moment senkte sich die Bank ein kleines Stück – jemand hatte sich neben sie gesetzt und dem Ziehen im Nacken zu Folge sah derjenige sie gerade eindringlich an. Als sie wieder unter dem Tisch hervorkam sah sie direkt ins Gesicht von Roger Davies, dem Sechstklässler aus Ravenclaw, Vertrauensschüler und Kapitän Schrägstrich Jäger-As aus eben diesem Haus und dazu äußerst gut aussehend. Er streckte ihr mit einem lässigen Gesichtsausdruck die Tasche entgegen und seine Mundwinkel zuckten.
„Suchst du was, Katie?"
„Witzig, Roger, wirklich. Gib schon her." Die Gryffindor nahm sie ihm ab und hängte sie sich über die Schulter, der Ravenclaw indes setzte sich rittlings auf die Bank und sah sie aufmerksam an.
Katie bemerkte es und hob fragend die Brauen: „Was? Was ist? Hab ich Marmelade im Gesicht?"
„Ja."
„Oh."
Roger lachte heiser auf und wischte ihr mit dem Zeigefinger das rote Mus vom Mundwinkel: „Genau – hier."
Katie räusperte sich verlegen und wandte den Kopf zur Seite, woraufhin der Ravenclaw die Hand zurückzog und ein ernstes Gesicht aufsetzte. „Ich wollte mich wegen der Einladungen für Alicias Überraschungsparty erkundigen. Morgen, richtig?"
Angelina sah von ihrem Zauberkunstbuch auf und nickte – auch Oliver hatte inzwischen die Nase aus seinen Aufzeichnungen gehoben und beobachtete die Szene mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck.
„Ja – morgen nach dem Abendessen. Wer auf die Party kommt, sollte wenn möglich vorher nicht mehr so viel spachteln." Sie warf Fred einen kurzen Seitenblick zu. „Wir sprechen das mit den Hauselfen ab, damit sie sich nicht völlig umsonst die Finger wund kochen."
„Ich werd's Zuhause ausrichten." Roger grinste und nickte zum Ravenclawtisch hinüber, dann lehnte er sich mit dem Ellbogen an den Tisch und fuhr sich durch das dunkelbraune Haar. „Wann soll ich die Einladungen für die anderen aus meinem Haus überbringen? Mein Vorschlag wäre gewesen, dass einer von euch sie mir heute vor dem Mittagessen übergibt, dann kann ich sie den Nachmittag über im Gemeinschaftsraum verteilen. Katie?"
Er bedachte sie mit einem freundlichen Lächeln, was sie irritiert blinzeln ließ – nein, sie würde nicht noch einmal darauf einsteigen. Aber das bedeutete nicht, dass sie ihn nicht irritieren durfte. Katie verbiss sich ein hinterhältiges Grinsen, näherte sich seinem Gesicht beinahe bis auf eine Handbreit, blinzelte und legte den Kopf schief. Sie spürte, wie sein Atem sich um einen Tick beschleunigte und erwiderte seinen intensiven Blick in ihre blaugrünen Augen.
„Katie..?", flüsterte er fragend und schluckte – die anderen Gryffindors wechselten vom ersten Moment der Ungläubigkeit in den zweiten Moment der grinsenden Erkenntnis, als sich Katie urplötzlich erhob, ihre blonden Locken zurückwarf und Anstalten machte, weg zu gehen.
„Vielleicht."
Roger machte ein Gesicht, als hätte man ihm ein Schlagholz über den Kopf gezogen und Katie kicherte in sich hinein.
„Vielleicht? Was – hä? Was soll das heißen?"
„Soll heißen, ich überlegs mir. Vielleicht werde ich da sein – vielleicht aber auch nicht."
Katie grinste hinterhältig und lehnte sich zu ihm vor, um ihm etwas ins Ohr zu hauchen: „Man muss den Überraschungseffekt wahren, wenn du verstehst was ich meine."
Damit zog sie von dannen, nicht ohne Lindsay am Kragen gepackt und mitgeschleift zu haben. Roger, der nicht wusste, wie ihm geschah, guckte im ersten Moment dumm aus der Wäsche, bevor er aufstand und sich immer noch verdutzt den Kopf schüttelnd auf den Weg zum Ravenclawtisch machte.
„Was war das denn?", fragte Fred verblüfft und selbst Oliver blickte Angelina abwartend an, um die Antwort zu hören. Diese grinste wissend und schenkte sich Orangensaft ein:
„Anturnen und abblitzen lassen, Ladys and Gentlemen, in seiner bemerkenswertesten Ausführung."
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„Mein Magen knurrt! Ich hab Hunger. Und was machen wir jetzt überhaupt hier?"
Katie wandte den Kopf in Lindsays Richtung, die auf der Fensterbank in der Bibliothek saĂź, ein Bein baumeln lies und sie fragend ansah.
„Warten."
Die blonde Gryffindor ging vor einem der vielen Regale in die Hocke und zog die Brauen zusammen, während sie versuchte, die abblätternden Lettern auf den Buchrücken zu entziffern. Warum zum Teufel war ihr nichts Besseres eingefallen, als die Bücherei? Es gab so viele Verstecke und ausgerechnet nur das Allerdümmste und Schlechteste war ihr in den Sinn gekommen.
Als wĂĽrde ein Ravenclaw vor dem Unterricht nicht in die Bibliothek gehen! Jetzt konnte sie nur auf ihr GlĂĽck vertrauen.
Lindsay runzelte die Stirn, schwang auch das andere Bein herum und sprang mit einem federnden Satz von der Fensterbank.
„Und worauf warten wir, wenn ich mir die Frage erlauben darf?"
„Auf den Unterrichtsanfang.", antwortete Katie kurz angebunden, lugte zwischen zwei dicken Wälzern hindurch und erhob sich aus der Hocke, um sich zu strecken. Sie konnte nur hoffen, dass die ‚Anturnen-und-Abblitzen-lassen-Masche' in Roger keine neuen Hoffnungen weckte – das zwischen ihnen war vorbei und das war auch besser so … oder?
Lindsay schüttelte verständnislos den Kopf: „Da ich weiß, dass du mir nicht verraten wirst, wieso wir uns hier in der Bücherei – dem nebenbei langweiligsten und offensichtlichsten Ort für Versteckspielchen in ganz Hogwarts – aufhalten müssen, lass ich es bleiben. Und ich werde auch nicht zurück in die Große Halle gehen um diesen Blödsinn aufzudecken, Kit, aber wenn du mich noch einmal um mein wohlverdientes Frühstück bringst, sehe ich mich gezwungen dir dafür saftig in den Hintern zu treten!" Sie warf ihr Haar zurück und lächelte grimmig, bevor sie erschrocken einen Schritt zur Seite trat um einem Wurfgeschoss auszuweichen.
„Sag mal willst du mich erschlagen? Was soll denn das?"
Katie kaute schuldbewusst auf ihrer Unterlippe; sie hatte vergessen, dass die Jägerreflexe bei Lindsay im Gegensatz zu Angelina und Alicia wohl nicht vorhanden waren; und hob das in Folie gewickelte Schinkenbrot zum Boden auf. „Du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass ich dich verhungern lasse, oder? So viel Vertrauen solltest du schon in mich haben. Außerdem war das Getöse, das du so scheinheilig ‚Magenknurren' nennst, dermaßen laut, das hätte einen Toten auferweckt."
Lindsays Antwort war Folienrascheln und leises Schmatzen. Katie wandte sich um und vertrieb sich die Zeit damit, durch die schmalen Gänge zwischen den langen Regalreihen zu streifen, hier und da einmal ein Buch herauszunehmen und durchzublättern und wieder zurückzustellen. Keines der dick eingebundenen Wälzer interessierte sie sonderlich, bis sie auf ein Regal stieß, das aus der Reihe fiel – Muggelromane. Sie trat näher heran und überflog mit den Augen die verschiedenen Titel von Krieg und Frieden von Tolstoi bis Der kleine Hobbit von Tolkien, als sie zu ihrem Lieblingsbuch gelangte:
„Lindsay, hast du gewusst, dass hier in der Bibliothek Jane Austen-Romane stehen?", fragte sie mit gerunzelter Stirn und zerrte an dem mittlerweile schon sehr zerlesenen Buch um es heraus zu nehmen.
„Was?", fragte Lindsays Stimme dumpf. „Wo bist du?"
„Hier drüben, bei dem kleinen Kaktus am Fenster.", antwortete Katie ungeduldig und schlug Stolz und Vorurteil auf. Viele der vergilbten Seiten waren eingerissen oder hatten Eselsohren, ab und zu war etwas durchgestrichen oder dazugeschrieben worden und zu Katies Entrüstung fehlten so gar einige Seiten. Sie wollte das Buch schon wieder zuklappen, als ihr etwas ins Auge stach:
„Heilige Spaghetti.", stieß sie hervor und Lindsay, die gerade um das Bücherregal herum kam, zog fragend eine Augenbraue in die Höhe: „Was ist los? Stehen die Buchstaben auf dem Kopf oder musst du's gar aus dem Arabischen übersetzen?" Sie kicherte über ihren eigenen Scherz und sah Katie über die Schulter, die eine loste Seite aus dem Buch gezogen hatte und ihrer Freundin das Buch selbst in die Hand drückte. Dann begann sie, vorzulesen:
'Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.'
Fassungslos drehte Katie sich zu Lindsay um:
„Das ist mein Lieblingsbuch! Woher konnte er wissen, dass ich es heute in die Hand nehme? Woher-"
„Warte mal", unterbrach Lindsay sie und pflückte ihr das Blatt aus der Hand: „Was steht denn da noch?
‚Man soll den Tag auch nicht vor dem Abend verurteilen. Jeder Tag - und ist er noch so fürchterlich - hat irgendwann die Chance, sich als ein wunderschöner Tag herauszustellen. Du darfst nur nicht zu stolz sein, ihm diese Chance zu geben. Hals und Beinbruch an diesem etwas anderen 2. Dezember, Katie, dein XXX.'"
Lindsay hob den Kopf und sah Katie an: „Was zur Hölle ist das?"
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Katie hatte sich kaum auf ihren Platz im Zaubertränke-Klassenzimmer gesetzt, als schon das erste Papierknäuel auf ihrem Platz landete. Sie schnappte es vom Tisch und sah sich ertappt um, aber Professor Snape war dem Himmel sei Dank noch nicht in Sicht. Erleichtert aufseufzend schaute sie sich um, um Lindsay zu entdecken. Ihre Freundin saß ganz am anderen Ende des Kerkers und forderte sie mit stummen, aber viel sagenden Blicken auf, gefälligst zu lesen und zu antworten. Leanne vor ihr deutete ihr dasselbe an – sie wollte endlich wissen, warum die Beiden erst so spät hier eingefallen waren. Katie rollte resigniert mit den Augen und holte Feder, Tinte und die herausgerissene Seite aus Stolz und Vorurteil aus ihrer Tasche hervor, um alles auf dem Tisch auszubreiten. Rechts von ihr saß Olive Brook aus Hufflepuff; mit der sie den Zaubertränkeunterricht auszuhalten hatte; und links von ihr war nur der leere Gang, also niemand, der ihr über die Schulter sehen konnte um auszukundschaften, was sie schrieb. Die Gryffindor tauchte den Federkiel ins Tintenfass ein und öffnete das zerknäulte Blatt Pergament:
Katie, schrieb Lindsay in ihrer verschnörkelten, kleinen Handschrift,
von wem ist diese Nachricht? Wie kommt sie in das Buch? Und vor allem warum bei Merlins drei Hinterteilen hast du mir nichts davon erzählt, dass du geheimnisvolle Nachrichten bekommst? Aber nein, ich muss es von einem Buch erfahren. Schäm dich Caitlin.
Unter anderen Umständen wäre ich dir wahrscheinlich jetzt beleidigt – aber ich lasse Gnade walten (und bin verdammt neugierig), also klemm dich dahinter und erklär mir, was hier abläuft.
P.S. Gib Leanne das Pergament wenn du fertig bist, sonst fängt sie noch an zu heulen.
Ich erlebe grade ein unglaubliches Deja vu – das ist beinahe Filmreif. Aber ich will dich nicht im Dunkeln lassen, Lindsay, außerdem bessert sich dann vielleicht deine grotten- ähm, zauberhafte Laune. Von wem diese Nachrichten (bisher zwei an der Zahl) sind, kann ich dir leider nicht sagen. Darüber rätseln Leanne und ich selbst schon. Wie sie in das Buch kommt? Vielleicht ist sie rein geflogen :P Nein. Keine Ahnung, das wüsste ich selbst gern. Und ich hab dir davon noch nichts erzählt, weil du mich nicht danach gefragt hast.
P.S. Merlin hat drei Hinterteile?
Ich fange nicht gleich an zu heulen!
Du hast schon wieder eine dieser Nachrichten bekommen, Kates? Unglaublich. Woher er (ich nehme einfach an, dass es von einem Kerl ist – wer sonst hat so hirnrissige Ideen?) wusste, dass du genau heute in dieses Buch sehen wirst, ist ja schon beinahe gruselig! Tut mir Leid, dass ich dir das auf diese Art und Weise mitteilen muss, Katie, aber dein Verehrer scheint mir ein Stalker zu sei-
Hier endete Leannes Absatz mit einem schiefen Strich – denn Professor Snape hatte die Türe zum Kerkereingang geräuschvoll aufgestoßen und ihr war dermaßen der Schreck in die Glieder gefahren, dass sie zusammengezuckt war und so den Strich fabriziert hatte. Die Gryffindor versteckte das Pergamentblatt halb unter ihrem Buch und kritzelte schnell noch etwas darunter, ehe sie sich durch einen vorsichtigen Blick vergewisserte, dass der Hauslehrer der Slytherins nicht in ihre Richtung sah und den Pergamentball in Lindsays Richtung warf. Das Knäuel landete stattdessen jedoch auf Joyce' Platz, die sogleich neugierig aufsah und es auseinanderfaltete. Ein Stirnrunzeln, ein Kichern, ein entrüsteter Laut und wieder ein Kichern. Josselyn nahm ihre Feder und schrieb ebenfalls etwas darunter, dann gab sie es an die ungeduldig auf den Tisch trommelnde Lindsay weiter.
Katie tat indes so, als würde sie dem Unterricht folgen. Professor Snape krakelte irgendwelche Zutaten auf die Tafel und erklärte den Brauvorgang irgendeines Trankes – sie hatte schon beim ersten Wort aufgehört, es verstehen zu wollen. Sie wollte gerade müde die Augen schließen und die Stirn auf ihr Buch senken, als die Pergamentkugel wieder auf ihrem Tisch landete.
P.S. Merlin! Die Fledermaus hat mich vielleicht erschrocken. Rauscht hier mit einem riesen Taram rein, als wolle er den Kerker zum Einsturz bringen. Und dem Fett nach zu urteilen haben seine Haare wohl auch in der letzten Zeit kein Shampoo gesehen.
Du brauchst gar nicht so zu tun, Leanne – du würdest auch so nicht schöner schreiben. Katie! Was lese ich da? Du hast einen Stalker? Cool!
Nicht cool! Wenn ich an Katies Stelle wäre, hätte ich einen riesen Schiss überhaupt noch aus dem Schlafsaal zu kommen. Und Joyce hat Recht, Leanne – deine Sauklaue kann wirklich keiner entziffern. Sind das Hyroglyphen? Was willst du jetzt gegen diesen Stalker unternehmen, Kates? Also, erst einmal müssen wir herausfinden, wer in Frage kommt, so was zu tun. Und danach wird uns nichts anderes über bleiben, als ihn unschädlich zu machen!
P.S. Kommt ihr euch auch gerade vor wie bei ‚3 Engel für Charlie' (Katie)?
[b]Also ich glaube – nein, ich weiß(!), dass ihr allesamt einen an der Waffel habt. Dieser Typ ist weder ein Stalker, noch muss er unschädlich gemacht werden. Wobei ich gerne wissen würde, wie du das anzustellen versuchtest, Lindsay.
Contra Stalker: A) Sind die Nachrichten dafür noch zu selten. B) Seine Briefchen sind bisher immer nett gewesen! C) Komme ich mir nicht vor wie bei 3 Engel für Charlie sondern eher wie bei ‚Die Nervensägen' und D) Was die Hyroglyphen angeht, kann ich mich nur anschließen… Außerdem wäre es wirklich nett von euch, wenn ihr euch nicht immer in alles einmischen würdet! Und damit diese Sache jetzt endgültig geklärt ist – wegen dieser anonymen Briefe wird nichts unternommen, niemandem wird aufgelauert, keiner wird verhört. Punkt und Basta. (Great Obermufti Kates)[/b]
Katie knĂĽllte das Pergament wieder zusammen und reichte es in einem unbeobachteten Augenblick Leanne nach vorne, bevor sie ihren Kessel aufstellte und sich anschickte, den vorgegebenen Trank zu brauen, wozu sie zuerst einmal das Rezept zu Rate zog.
‚Raupen zerhackstücken, Molchsaft hinzufügen und mit Bubortublereiter verdicken'.
Katie schĂĽttelte sich vor Ekel und gab alles in den Zinnkessel. Absolut abartig!
„Was soll das darstellen, wenn ich fragen darf?", fragte Professor Snape nach einem Blick in Katies Kessel und starrte sie höhnisch an, während er mit der Kelle etwas Trank in den Kessel zurücktropfen ließ.
„Bisher noch gar nichts.", gab Katie zur Antwort und funkelte den Zaubertränkelehrer aufmüpfig an: „Aber es wird wahrscheinlich einmal groß und stark werden."
Ok, jetzt war sie wohl zu weit gegangen. Snapes schmale, graue Lippen kräuselten sich Unheil verkündend und er entfernte sich mit wehendem Umhang (er ähnelte mehr denn je einer Fledermaus) zum nächsten Tisch, nicht ohne ihr den Abzug von 1o Punkten zu verkünden.
In dem Moment landete eine Papierkugel auf ihrem Tisch.
Ich schreibe nur, um euch mitzuteilen, dass ich nicht mehr mit euch schreiben werde, solange ihr weiter meine Handschrift kritisiert. Leanne over and out!
Allmächtiger, heute übertreibt ihr es aber wieder richtig, was? Leanne, du Pussy, stell dich nicht so an. Und dich, Lindsay, werde ich wohl leider auch enttäuschen müssen. Ich komme mir weder vor wie bei Charlies Engeln, noch wie bei die Nervensägen. Mich erinnert die ganze Szene mehr an Graf Dracula, wenn ich mir Snape so ansehe.
P.S, Apropos Basta! Ich hab gewaltigen Hunger – was gibt es heute zum Mittagessen?
Standing Ovations, Katie! Was für ein Auftritt, ich bin stolz auf dich. Und gib deinem Tränklein (oder was auch immer das werden soll – ich rieche den faule-Eier-Gestank bis hier! – immer schön Fruchtzwerge zu essen, damit er auch gut wächst. Herrlich! Selten so gelacht. Das war mir die zehn Punkte wert. Zurück zum Thema! Schade! ich hätte mich gefreut, mein Spickoskop zum Einsatz zu bringen… Aber wenn du unbedingt Spielverderberin sein willst… Bitte :P Was soll dieses schmalzige Gedöns eigentlich bedeuten, das dir dein Stal- Verzeihung! Ich meine natürlich, dein geheimnisvoller Arschkriecher - geschrieben hat?
P.S. Das P.S. geht mir auf die Nerven! Und zu Mittag gibt's heute Thunfisch. Hm, lecker. WĂĽrg.
P.P.S. Mein Trank ist pink. Soll das so sein oder muss ich mir Sorgen machen?
Kichernd nahm Katie ihre Feder zur Hand, um eine Antwort unter den bisherigen Text zu setzen, dann knüllte sie das Pergament wieder zusammen – es sah bisweilen schon ziemlich ramponiert aus – und warf Snape einen kontrollierenden Blick zu, ehe sie den Zettelball über den Boden zu Joyce rollen ließ, dann widmete sie sich wieder weniger begeistert ihrer Arbeit am ‚Trank der lebenden Gegenstände'.
Während Lindsays Trank pink war, hatte ihrer eher die Farbe von Erbrochenem. Sie zog bei dem Geruch, der tatsächlich etwas von faulen Eiern hatte, die hübsche Nase kraus und wedelte die Duftwolke in Leannes Richtung, die ihr einen empörten Blick zuwarf.
Im Rezept stand geschrieben, dass der Trank ein giftiges grĂĽn annehmen sollte.
Katie runzelte die Stirn. Oh. Dann konnte das hier vor ihr nicht richtig sein. Snape rauschte an ihrem Kessel vorbei, nicht ohne sich demonstrativ die Nase zuzuhalten, und verschwand in der Vorratskammer, um neue Zutaten zu holen. In eben diesem Moment ertönte von Lindsay ein Husten und sowohl Katie als auch Joy und Leanne sahen gerade rechtzeitig auf, um die Pergamentkugel fliegen zu sehen. Und zu ihrer aller Entsetzen landete sie nicht wie vorgesehen auf der Tischplatte, sondern platschte geräuschvoll ihn Katies Kessel.
Entsetzt starrten sie alle auf das ockerfarbene Gebräu und brachten keinen Ton heraus – bis Katie geistesgegenwärtig nach ihrer Kelle griff und versuchte, den Trank zu retten in dem sie das Knäuel herausholte, doch es hatte sich in der Hitze wohl bereits aufgelöst oder zu Brei verwandelt.
Jedenfalls rumorte es unheilvoll im Inneren des Kessels und Katie wurde mulmig, vorsichtig machte sie ein paar Schritte rückwärts, wartend auf den großen Knall. Leanne kniff die Augen zu und Joyce hielt sich ihr Buch vors Gesicht – doch die Explosion blieb aus. Vorsichtig öffnete Leanne ein Auge und linste in den Kessel hinein.
„Ich glaub mich tritt ein Hippogreif!", stieß sie verblüfft aus und winkte Katie zu sich.
„Sieh dir das an!"
Katie machte ein fragendes Gesicht: "Was ist passiert? Lebt es?"
In Erwartung grauenvollster Dinge schaute sie wachsam ebenfalls in ihren Zinnkessel - um dann mit offenem Mund davor zustehen.
"Bei Merlins Ringelsocken.", stieß sie fassungslos hervor und schöpfte etwas von ihrem Trank heraus, um es zurück plätschern zu lassen.
"Das ist grĂĽn."
"GiftgrĂĽn."
Bei dem Schlag, den Snape verursachte, als er ins Klassenzimmer zurückkam, zuckten beide zusammen und Leannes Stuhl kippte um. Professor Snape hob eine Augenbraue und lächelte spöttisch. "Wie wollen sie es schaffen, einen vernünftigen Trank aus ihrem Gesöff zu machen, Ms Porter, wenn sie nicht einmal genug Standhaftigkeit haben, um auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben?"
Vom Boden kam ein dumpfes 'Hmpf' und Leanne rappelte sich mit finsterem Gesicht auf, während Lindsay Snape böse Blicke zuwarf.
"Ihre Zeit ist um - ich hoffe, Sie sind alle mit der Zubereitung ihres Zaubertranks fertig. Füllen Sie sofern Ihre Arbeiten sich in flüssigem Zustand befinden 125 Milliliter in ein dichtes Glasfläschen ab und beschriften Sie es mit Ihrem Namen; dann liefern Sie es hier vorne bei mir am Pult ab. Wir werden Ihre Gebräue an diversen, kleinen Gegenständen testen und auch wenn ich der festen Überzeugung bin, dass keiner von Ihnen" (dabei sah er Katie hochmütig grinsend an) "auch nur ansatzweise den Sinn und die Logik der Zaubertränke so weit umrissen hat, dass er etwas brauchbares zusammengestellt hat, werde Ich mir Ihre 'Vertrauen erweckenden' Gebräue ansehen."
Er lugte stirnrunzelnd in Lindsays Kessel, dann schĂĽttelte er seufzend den Kopf und eilte mit groĂźen Schritten auf sein Pult zu.
"Ms Halls... Uhm.. 'Trank' wird der Erste sein."
Lindsay pustete sich frustriert den Pony aus der Stirn, dann füllte sie wie angeordnet etwas in ein Fläschen ab und brachte es nach vorne. Nachdem auch der Rest der Klasse so weit war, versammelten sie sich um Professor Snapes Pult und beobachteten neugierig das Verfahren. Leanne, Katie und Joy hatten tuschelnd die Köpfe zusammengesteckt, während Professor Snape mit der Miene eines Leidenden Lindsays Fläschchen entkorkte. Dann nahm er einen Fingerhut und träufelte ein paar Tropfen der pinkfarbenen Flüssigkeit darauf und wartete.
Und wartete.
Und wartete.
„Eine langweilige Vorstellung, Ms Porter.", gab Snape mit öliger Stimme zum Besten und gab ihr ihre Trankprobe zurück. „Das nächste Mal nehmen Sie doch besser die Wurzeln der Venusfliegenfalle und nicht die Stängel von Gänseblümchen. Vielleicht erreichen Sie dann wenigstens ein schweinchenrosa."
Lindsay lief vor Wut rot an und ballte die Hände zu Fäusten – Joy und Leanne hielten sie vorsichtshalber an den Handgelenken fest.
„Wollen wir doch mal sehen, was aus Ms Bells Kreatur geworden ist." Snape durchbohrte sie mit provokativen Blicken, Katie verschränkte die Arme und setzte ein selbstgefälliges Gesicht auf.
„Tun Sie sich keinen Zwang an."
„Was zum-'' Mit spitzen Fingern hob Snape das Glasfläschchen mit dem giftgrünen Inhalt hoch und blickte es mit verzerrter Miene an, dann besann er sich anders und seine Züge glätteten sich wieder.
Beherrscht nahm er einen alten, zerschlissenen Zylinder zur Hand und lieĂź auch darauf ein paar Tropfen des Trankes fallen.
„Wollen Sie nicht alle schon einmal in Deckung gehen? Nur zur Vorsicht…" Snape grinste höhnisch, verstummte aber, als der Zylinder sich zu regen begann. Zuerst schob er sich nur immer ein paar Zentimeter hin und her, doch plötzlich hopste er in die Höhe, was die Hälfte der Klasse erschrocken aufschreien ließ.
Snape presste widerwillig die Lippen zusammen und Katie hob abwartend eine Augenbraue.
„Es scheint, als hätte Ms Bell zum Ersten Mal in ihrer schulischen Laufbahn etwas richtig gemacht. Oder-"
„Da!", rief Hailey Bennett aus Hufflepuff aus und deutete auf den Zylinder. „Da, seht doch!"
Die Krempe des Hutes hatte eine Art Mund gebildet – wie auch der sprechende Hut es zum Schuljahresbeginn immer zu tun pflegte – und fing nun mit hoher Piepsstimme an zu sprechen:
„Merlin hat drei Hinterteile!", quiekte er und hüpfte hyperaktiv auf und ab.
„Merlin hat drei Hinterteile! Schäm dich Caitlin!" Katie spürte Snapes Blick auf sich und die Röte in ihre Wangen steigen – verdammt, verdammt, verdammt!
Der Zylinder hĂĽpfte weiter ohne Unterlass auf und ab, dann nahm er Kurs auf Snape:
„Fledermaus! Dracula! Einen an der Waffel!"
„Finite Incantatem!", rief Joyce und der Zylinder fiel an der Stelle, an der er sich befand, in sich zusammen und blieb reglos liegen. Katie schluckte und hob den Kopf, um in Snapes Gesicht zu sehen. Die schwarzen Augen des Zaubertränkelehrers blitzten bösartig auf und sein Gesicht verzog sich zu einer schadenfrohen Maske: „50 Punkte Abzug für Gryffindor.", flüsterte er grimmig und ein Raunen ging durch die Reihe der Hufflepuffs, „und ich denke eine Woche Nachsitzen ist angemessen, Ms Bell."
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„Graf Dracula ist ein Scheißdreck gegen diese hässliche Fledermaus."
Angelina klappte ungläubig die Kinnlade nach unten und sie blieb für einen Moment in der Masse stehen. Sie, Alicia und Katie hatten sich – nachdem Katie Roger Davies Zähne knirschend die Einladungen überbracht hatte - wie jeden Donnerstag getroffen, um gemeinsam zum Mittagessen zu gehen und Katie berichtete ihren beiden Freundinnen und Teamkollegen gerade ihren Vormittag in den schillerndsten Farben.
„Das hast du allen Ernstes zu Snape gesagt?", fragte Alicia schockiert und hätte vor Entsetzen beinahe ihre Bücher fallen lassen. Katie trat die große Flügeltür zur Großen Halle auf und schritt eilig auf den Gryffindortisch zu.
„Nein, leider nicht." Sie knurrte. „Aber gedacht hab ich's."
Bis auf George und Fred hatte sich noch niemand am Mittelteil des Gryffindortisches nieder gelassen, also setzten sie sich den beiden Jungen gegenĂĽber und taten sich zu Essen auf.
„Nachsitzen bei Batman, Quidditchtraining bei Feldwebel Wood, Nachhilfe – und das zusammen mit den Strafarbeiten, die ich mir mit Sicherheit bei der Gonnie einhandeln werde! Ich bin wie ein positiver Pol – ich ziehe alles Negative wie magisch an!"
Katie seufzte resigniert und starrte finster auf den Thunfisch in ihrem Teller. Na bitte. Der Beweis. Sie mochte keinen Thunfisch. Sie mochte ĂĽberhaupt gar keine Fische. Und vor allem nicht tot in ihrem Teller. Warum musste es ausgerechnet heute Thunfisch geben? Der Fisch war an allem schuld!
Alicia, die ebenfalls nichts angerĂĽhrt hatte, schob ihren Teller von sich und zog die Nase kraus.
„Wie könnt ihr das essen? Der Regenbogenfisch. Free Willy. Flipper. Nemo! Würdet ihr die auch essen? Das ist so barbarisch."
Anklagend und mit imaginären Tränen in den Augen sah sie die Weasleyzwillinge an, woraufhin Fred nur gleichgültig mit den Schultern zuckte. George tat es Katie und Alicia daraufhin gleich und schob sein Teller von sich.
„Eigentlich-" ‚-ist Free Willy gar kein Fisch', wollte Fred sagen, aber ein Tritt von George unter dem Tisch ans Schienbein („Au!-genblick, mir ist was runter gefallen…") ließ ihn schlagartig verstummen.
„Ted Mullins von den Hufflepuffs hat heute Geburtstag – seine Eltern haben ihm massig zu Essen geschickt." Sein Zwilling deutete hinüber an den Tisch neben dem der Slytherins. „Soll ich dir was holen, Licia? Ein Stück Kuchen? Kürbispastete?"
„Nein, danke George. Auf Kotzpastillen oder Nasblutnougat in meinem Essen kann ich verzichten. Ich hol mir selber etwas. Soll ich dir was mitbringen, Katie?"
„Schokolade.", war deren kurz angebundene Antwort und Alicia machte sich auf den Weg zum Tisch der Hufflepuffs. Katie lehnte sich mit geschlossenen Augen an Angelina und seufzte theatralisch:
„Eine Woche Nachsitzen… Das wird mich umbringen! Und wisst ihr was? Sobald es mich um die Ecke gebracht hat, wird Oliver dasselbe gleich noch mal tun."
„Womit die Diskussionen um das ewige Leben und Auferstehung wohl ein Ende haben dürften.", meinte Angelina trocken und ihre Mundwinkel zuckten gefährlich, was ihr einen bösen Blick von Seitens Katie bescherte. („Mit Wood als Trainer haben wir unsere Hölle sowieso schon auf dieser Welt.", meinte Harry zwei Meter weiter am anderen Ende des Tisches.)
„Wenn ich schon gezwungen bin, eine meiner Jägerinnen um die Ecke zu bringen, dann verrat mir doch wenigstens warum.", sagte Oliver in amüsiertem Tonfall und ließ sich neben Katie auf die Bank fallen, seine Tasche hatte er unachtsam hinter sich auf den Boden geworfen.
„Weil… Weil…" Katie kramte fieberhaft in ihrem Hirn nach einer Ausrede, während Wood einen Zuckerwürfel in seine Kaffeetasse fallen ließ und sie fragend anblickte.
„… ich diese Woche nicht zum Training kommen kann. Weil… Weil ich todkrank bin. Chrm-chrm. Muss mir was eingefangen haben, ja genau. Hust.", erklärte die Jägerin mit Fistelstimme, atmete schwer und rückte nahe zu ihm auf. Er stellte nur gelassen seine Tasse ab und schob sie von sich:
„Netter Versuch, Darth Vader. Was hast du noch so auf Lager?"
„Der Hund hat meine Schoner gefressen?"
„Erbärmlich."
„Gedächtnisschwund?"
„Erbärmlicher."
„Verdammt." Katie haute mit der Faust auf den Tisch und starrte dem Fisch auf ihrem Teller finster in die Augen, bevor sie die Ihrigen weit aufriss und sich erneut zu Wood lehnte um ihm etwas ins Ohr zu flüstern.
„Verdammt." Jetzt war es Oliver, der seine geballte Hand auf die Tischplatte sausen ließ.
„Du hast gewonnen. Auch wenn dir das nicht viel gebracht hat." Er grinste. „Es ist noch überhaupt kein Training angesetzt."
Katie, die gerade dazu ansetzte, sich die Gabel voll Kartoffelsalat in den Mund zu schieben, lieĂź das Besteck zurĂĽck auf den Teller knallen.
„Was?"
„Kein Training.", wiederholte Fred ungläubig und gaffte Oliver fassungslos an.
„Nicht wahr.", meinte George verblüfft und fühlte die Stirn des Schotten. „Wirst du krank, Olly-Wolly?"
„Eher vernünftig.", meinte Angelina und verzog zweifelnd das Gesicht, während sie sich und der eben an den Tisch zurückgekehrten Alicia Orangensaft einschenkte.
„Gewalttätig.", löste Oliver das Rätsel auf, „wenn du noch einmal Olly-Wolly zu mir sagst, George Weasley!" Der Quidditchkapitän lockerte seine Krawatte und fuhr sich durch das etwas zerzauste braune Haare.
„Reichst du mir bitte die Soße, Olly-Wolly?", fragte Katie und lächelte den Siebtklässler zuckersüß an, bevor sie ihm ihren Teller unter die Nase hielt. „Und wenn du schon dabei bist Olly-Wolly, schneide mir doch den Thunfisch, ja? Du bist ein Schatz."
Oliver stieg in Sekundenschnelle die Röte ins Gesicht, doch noch während er dazu ansetzte, loszubrüllen, hatte die kichernde Katie ihre Tasche gepackt und schleunigst das Weite gesucht. Frau wusste eben, wann es Zeit war, loszulassen.
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"... vier Kisten Butterbier, zwei Flaschen Feuerwhiskey, eine Buddel hausgemachten Bubble-and-Plop-Prosecco aus dem Honigtopf und jeweils zwei Kisten Cola, KĂĽrbissaft und Wasser."
Angelina hakte sorgfältig den Gliederungspunkt 'Getränke' auf der Liste in ihrem Schoß ab. Das Mädchen saß neben einer schwebenden Leiter, auf der hoch oben Katie versuchte nicht allzusehr zu wackeln, während sie die Dekoration an der Decke befestigte. Dabei schwenkte die Leiter gefährlich hin und her.
"Wasser? Ist das dein Ernst? Woho!"
Katie griff schnell nach der obersten Sprosse, um sich festzuhalten und nicht herunter zu purzeln, bevor sie den anderen Arm ausstreckte und den Zauberstab schwang, um dem Sweet Sixteen-Banner eine rötliche Farbe zu verleihen. Angelina runzelte die Stirn, kritzelte etwas auf das zerknitterte Blatt Pergament und legte dann den Kopf in den Nacken, um zu ihrer Freundin hoch sehen zu können:
"Klar. Du kennst Leesh doch, spätestens nach dem zweiten Glas Feuerwhiskey ist ihr speiübel. Ab dem Moment wird sie nur noch Wasser trinken. Und den Rest, tja - den wirst du verschwenden, um ihn über Woods Kopf auszuleeren, sobald die Worte 'Training' und 'Schlafen gehen' fallen."
"Stimmt. Alles andere wäre definitiv zu schade. Gut mitgedacht, Angie."
"Dafür bin ich da. Und dafür, Alicias Geburtstagsparty zu einem Megaevent zu machen, also sieh zu, dass du diese Girlanden aufhängst, es warten noch jede Menge Luftballons darauf, von uns aufgeblasen zu werden und davon krieg ich immer höllische Kopfschmerzen. Das ist, wie drei Stunden Theorie bei Wood. Apropos Wood..."
Angelina runzelte die Stirn und sah besorgt auf ihre Armbanduhr: "Die Jungs sind schon ziemlich lange weg - die sollten doch nur mit den Elfen das Essen, die Torte und die Snacks abklären. Sie werden doch hoffentlich unsere Elfen in der Küche nicht verärgern? Ich schwöre bei Merlins Hosenträgern, wenn die Alicias Geburtstag verderben, zieh ich ihnen die Ohren lang und stopf ihnen die Eingeweide-"
"Stopp! Halt! Ich will das nicht hören, das ist widerlich!", jammerte Katie und hielt sich die Ohren zu, was leider zur Folge hatte, dass sie sich nicht mehr an der Leiter festhalten konnte und rücklings etwa drei Meter abwärts stürzte.
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Katie lehnte sich seufzend an die kalte, mauerne Bande des Südturms. Es dämmerte langsam, über ihr zogen graue Regenwolken über den verschleierten Himmel und unten auf dem Hof scheuchten die Professoren Snape und McGonagall die noch herumstreunenden Schüler wie eine Schafherde zum Schloss zurück. Belustigt beobachtete die Gryffindor Fred und George, die zusammen mit Lee Jordan in einem günstigen Moment hinter den Lehrern vorbei schlichen.
Dem Anschein nach war das teuflische Trio auf Entdeckungstour, sie hatten eine Karte bei sich. Verständlich - den ganzen Nachmittag waren sie gute Freunde gewesen, hatten sich anständig aufgeführt und so gut wie (fast) keinen Ärger gemacht. George hatte so getan, als bräuchte er Hilfe in Zauberkunst und so Alicia abgelenkt, während Fred, Lee und Oliver das Catering für die Party organisiert und Angelina und Katie zuerst den Raum der Wünsche dekoriert und dann dem Krankenflügel einen unangenehmen Besuch abgestattet hatten. Zum Glück hatte dieser Besuch nicht lange angedauert. Der Sturz von der Leiter hatte nur eine Gehirnerschütterung und eine angeknackste Rippe verursacht, die Madame Pomfrey in Null Komma Nichts repariert hatte. Dafür hatte sich an diesem katastrophalen Tag noch genug anderer Mist ereignet. Auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum blieb sie in einer Jokestufe hängen, dann änderte die fette Dame genau vor ihr das Passwort und in der großen Halle stellte ihr jemand ein Bein. Ein Horrortag.
Katie wandte den Kopf zur Seite – und zuckte zusammen. Miles Bletchley stand neben ihr an die Säule gelehnt und seine Mundwinkel zuckten verdächtig, als er den Mund aufmachte:
„Ich stehe hier seit 5 Minuten keinen halben Meter von dir entfernt und starre dich an, ohne zur Hölle geflucht zu werden. Was ist los, Bell?"
Er hob gespielt entsetzt die Augenbrauen: „Du bist doch wohl nicht zahm geworden, oder? Wär schade ums Temperament."
„Das halte ich für ein schlechtes Gerücht, Bletchley."
„Merlin sei Dank, den Männern dieser Welt wäre der Verlust des täglichen Tritts in die Eier sicher sehr schmerzlich."
Katie schnaubte und wollte schon den Mund aufmachen, um darauf etwas zu erwidern, als Bletchley gut gelaunt fort fuhr:
„Du kannst mich übrigens auch Miles nennen. Ich wird dir dafür nichts anhexen."
„Ach nein? Und wofür dann?", fragte Katie spöttisch und verschränkte die Arme zur typischen Anti-Schlangen-Abwehrhaltung.
Der Slytherin ĂĽberging die Frage und wandte sich der Reling des Turms zu, den Blick auf den See gerichtet, dessen sanfte Wellen an die Felsen am Ufer schlugen.
„Wunderschöner Tag heute, was?"
„Zum Niederknien.", antwortete Katie immer noch argwöhnisch und beäugte den von dunkelbraunen, kurzen Haar gezierten Hinterkopf des Slytherins. Es war seltsam. Normalerweise lief ein solches Treffen zwischen Slytherin und Gryffindor anders ab.
"Wieso-?"
"Halt die Klappe und sieh dir das an." Miles winkte sie ohne sich umzudrehen neben sich, mit der selben Bewegung deutete er in den Himmel.
Katie machte den Mund auf. Ihr erster Impuls wies sie an, ihm zu sagen, dass sie gewiss nicht 'die Klappe halten wĂĽrde' wie er es so charmant ausgedrĂĽckt hatte und dass sie sich sicherlich nicht von einem Slytherin sagen lieĂź, was sie zu tun oder zu lassen hatte, doch der Anblick der sich ihr bot, nahm ihr den Atem.
"Das ist-"
"Unglaublich?"
"Das Wort, nachdem ich gesucht habe, war 'fantastisch', aber ich denke 'unglaublich' trifft es auch ganz gut."
Miles grinste sie aus den Augenwinkeln an, der wohlgewahrte Abstand zwischen den beiden Häuserfeinden blieb jedoch.
"Ich komme beinahe wöchentlich hierher, meistens dann, wenn ich einen absoluten Scheißtag hinter mir habe. Du siehst aus, als hättest du so einen Tag gehabt, deshalb lasse ich mir den Slytherin heute mal nicht so raushängen, aber wenn ich das hier ab jetzt mit dir teilen muss, werd ich echt wütend!"
"Keine Sorge, Bletchley. Ich werde dir deine romantischen rosa Sonnenuntergang-Abende bestimmt nicht mit meiner Anwesenheit verderben, verlass dich drauf." Katie konnte sich nicht dazu zwingen, die Augen von dem purpurnen Spektakel abzuwenden.
"Fantastisch." Der Slytherin sah wieder nach vorne - seine Mundwinkel zuckten - und fuhr sich durch die Haare, als Katie sich schlieĂźlich doch umdrehte und auf die TĂĽr zu den Treppen zuging, Miles sah ihr amĂĽsiert hinterher.
"Danke... Irgendwie.", murmelte sie kaum hörbar, bevor die schwere Holztür mit einem Krachen hinter ihr ins Schloss fiel und die zierliche Gestalt der Jägerin verschwunden war.
"Gern geschehen."
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'Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben'.
"Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.", las Katie leise und strich sich nachdenklich das Haar aus der Stirn, bevor sie den Zettel zurück auf ihren Nachttisch legte und sich in die Kissen sinken ließ. Die Bettdecke bis zum Kinn hochgezogen und eingerollt wie ein Kätzchen lag Katie in ihrem Himmelbett und versuchte einzuschlafen, doch irgendwie wollte es ihr nicht gelingen. Schließlich gab sie die Hoffnung auf und nahm ein Buch zur Hand.
War es Bletchley, der ihr die geheimnisvollen Briefchen zusandte? Oder war es Roger? Oder doch jemand ganz anderes, jemand mit dem sie nicht rechnete? Jemand, den sie ĂĽbersah?
Egal wer es war, er kannte sie, er kannte ihren Tagesablauf und er hatte gewusst, was heute geschehen wĂĽrde. Auf der einen Seite machte es Katie paranoid zu wissen, dass jemand soviel ĂĽber sie wusste - andererseits machte es Katie stolz, dass jemand so viel fĂĽr sie tat und so viel Aufwand betrieb. Wer zum Teufel war es, der sich so viel MĂĽhe gab?
Auf der anderen Seite des Raumes schnarchte Joy laut auf.
Katie kicherte mädchenhaft und nahm ihren Zauberstand in die eine Hand ("Lumos!"), mit der anderen blätterte sie in dem zerfledderten Buch die erste Seite auf, dann begann sie zu lesen.
'Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf.
Wie wenig die Gefühle und Ansichten eines solchen Mannes bei seinem ersten Erscheinen in einer Gegend auch bekannt sein mögen, diese Wahrheit sitzt so fest in den Köpfen der Familien in der Nachbarschaft, daß er sogleich als das rechtmäßige Eigentum der einen oder anderen ihrer Töchter betrachtet wird.'
-----------------------------------------------------------------A.N. Meinungen? Kritik? Mängel?
Bitte teilt mir eure Ansichten, Vermutungen etc. pp. über das Kapitel mit. Die letzten beiden Szenen musste ich komplett neu schreiben, nachdem das Internet abgespackt ist, d.h. sie haben mir vorher wesentlich besser gefallen. Dabei sind nämlich ein paar Jokes verloren gegangen. Wenn sie jemand findet, gebt sie bitte bei mir ab, oke? ;)
Ich hoffe ich konnte euch mit dem Kapitel erfreuen - und ihr ĂĽberlegt fleiĂźig, wer der Briefchenschreiber ist oder wie die Story weiter geht. Will ich alles wissen, also wenn ihr Zeit/Lust/Energie habt, hinterlasst mir doch das ein oder andere Review!
Danke und liebe GrĂĽĂźe:
Lorelai.
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Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Schauspielern ist schwerer, als die Leute denken, aber es ist fantastisch. Ich liebe jede Sekunde davon.
Daniel Radcliffe