
von waterloo
Das erste, was Harry bemerkte, als er erwachte, war ein dröhnender Kopfschmerz. „Scheiße, mein Kopf“, war somit das erste, was er an jenem Morgen fluchender Weise von sich gab.
Das zweite, was Harry bemerkte, war, dass ein ausgewachsener und folglich schwerer Körper auf ihm lag. Bequemlichkeit war etwas anderes, doch ein Wegschieben des Körpers hätte ein Bewegen seinerseits benötigt. Und da Harry das Gefühl hatte, sein Schädel würde platzen, sobald er sich auch nur einen Millimeter rührte, ließ er es lieber bleiben und sank zurück in einen schmerzbetäubenden Schlaf.
Als Harry wieder einen Zustand erreichte, den man mit viel gutem Willen vielleicht als wach hätte bezeichnen können, dröhnte sein Kopf noch immer.
Der blonde Haarschopf auf seiner Brust bewegte sich leicht. Aus zusammengekniffenen grauen Augen wurde Harry gemustert.
„Malfoy“, stellte er fest.
„Potter.“
Die grauen Augen schlossen sich wieder. Keine üble Idee, wie Harry fand. Schlaf konnte Wunder bewirken. Sein Kopf schmerzte so arg, dass er ihn nicht mit der Überlegung belasten wollte, wie bei Merlins Unterhosen er in eine derart merkwürdige Situation hatte kommen können. Vielleicht würde ein bisschen Schlaf die Lage ja klären.
Doch diese Hoffnung wurde zerstört, als Harry abermals erwachte und diesmal direkt in Malfoys graue Augen blickte.
„Du bist ja immer noch da“, seufzte Harry auf.
„Das gleiche könnte ich dir vorwerfen“, entgegnete Malfoy missbilligend.
Harry nickte stumm und schloss für einen kurzen Moment ergeben seine Augen. Vielleicht dauerte sein Überlegen zu lange, um die Antwort als schlagfertig gelten zu lassen, doch er war mit sich selbst sehr zufrieden, als er erklärte: „Ich konnte ja gar nicht verschwinden, schließlich liegst du auf mir drauf!“ Er nickte bekräftigend, um diese Aussage zu unterstreichen und setzte noch ein „Ha!“ hinzu.
„Hast du dir dieses versiffte Sofa mal genauer angeschaut?“, murrte Malfoy.
„Nun, ähm, nein.“
„Nun, ich auch nicht“, räumte Malfoy ein. „Aber ich bin mir sehr sicher, dass es wirklich sehr versifft und ekelhaft ist. Bestimmt wohnen kleine Viecher darin.“
„Was für Viecher?“, fragte Harry erstaunt. „Schlickschlupfe?“
„Potter, was bei Salazar sind Schlickschlupfe?“
„Keine Ahnung“, seufzte er.
Harry musterte das Sofa, auf dem er lag. Malfoy hatte Recht, es war wirklich ziemlich versifft.
„Du hast Recht, Malfoy“, sagte er. „Es ist wirklich ziemlich versifft.“
Malfoy nickte selbstzufrieden. „Und nun darfst du überlegen, warum ich lieber auf dir als auf diesem Sofa liege.“
„Ach so“, sagte Harry.
Müde ließ er seinen Kopf zurück auf das Sofa sinken. Jetzt, da Malfoy ihn darauf hingewiesen hatte, bemerkte er einen penetrant miefigen Geruch. Er versuchte, seine Aufmerksamkeit von dem Sofa abzuwenden und sah sich im Raum um. Da kam ihm ein Gedanke.
„Malfoy, wo sind wir?“
Als Antwort musste Harry sich mit einem unwirschen Grunzen zufrieden geben.
„Hm ...“, begann Harry zu überlegen. „In meinem Schlafsaal sind wir nicht. Den würde ich wieder erkennen.“
Ein an seiner Brust gedämpftes Schnauben ertönte. Harry ließ sich davon aber nicht beirren.
„Im Gryffindorgemeinschaftsraum sind wir auch nicht ... Dein Zimmer scheint es auch nicht zu sein. Und der Slytheringemeinschaftsraum ist es auch nicht, dafür ist hier viel zu wenig grün ...“
Harry ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. „Hm ... Ein Sofa und ein Kamin ... sonst nichts. Ich glaube nicht, dass ich hier schon mal war.“
„Potter, halt endlich deine verdammte Fresse!“, wurde er rabiat unterbrochen. „Schon mal auf den Gedanken gekommen, dass das hier der Raum der Wünsche sein könnte?“
„Nein“, gab Harry zu. „Aber es scheint einleuchtend.“
Malfoy grunzte seine Zustimmung. Dann hob er seinen Kopf, um Harry in die Augen sehen zu können.
„Sag mal, Potter, wie sind wir hier her gekommen?“
„Das weißt du nicht?“, quietschte Harry beunruhigt. „Aber ich dachte, dass du - “
Malfoy schüttelte seinen Kopf.
„Vielleicht haben wir uns hierher verlaufen?“, fragte Harry vorsichtig.
„Beide?“ Malfoy blickte skeptisch. „Das wäre aber ein merkwürdiger Zufall ...“
„Tja, Zufälle gibt es ...“
Beide schwiegen.
Harrys Blick fiel auf eine umgestoßene Flasche, die vor dem Sofa auf dem Fußboden lag. Das Etikett räumte jeden Zweifel aus, dass es sich um Feuerwhiskey handelte.
„Haben wir - gesoffen?“, fragte Harry leicht ungläubig. Er hatte noch nie gesoffen.
Malfoy nickte.
„Nun, das würde vermutlich meine Kopfschmerzen erklären.“
„Vermutlich“, bestätigte Malfoy trocken.
„Woher hatten wir eigentlich den Feuerwhiskey?“, fragte Harry misstrauisch und beäugte die nahezu leere Flasche.
„Den hattest du dabei“, entgegnete Malfoy.
„Ach so, ich vergaß.“ Harry hatte noch nie eine Flasche Feuerwhiskey sein Eigen genannt.
Malfoys Kopf sank zurück auf seine Brust.
Beruhigt atmete Harry aus. So langsam klärte sich doch alles wieder auf. Alles war gut.
Fast alles.
„Ähm, Malfoy?“
„Ja, Potter?“
„Warum sind wir nackt?“
„Vielleicht war uns warm“, antwortete Malfoy mit geschlossenen Augen.
Dankbar nickte Harry. „Stimmt, das hatte ich vergessen.“
„Jetzt weißt du es ja wieder“, entgegnete Malfoy.
Stille erfüllte den Raum.
„Malfoy ...?“
Ein langgezogenes Seufzen ertönte.
„Warum klebt mein Bauch?“, fragte Harry unsicher.
„Schlickschlupf-Sabber?“, vermutete Malfoy.
„Das ist ja ekelhaft“, murmelte Harry angewidert.
Für einen kurzen Moment war es wieder still.
„Kann ich dich noch was fragen?“
Malfoy gab ein schmerzerfülltes Aufjaulen von sich, bevor er dumpf verkündete: „Mach ruhig. Ich werde dich ja wohl kaum davon abhalten können.“
Harry holte tief Luft.
„Du hasst mich doch, oder?“, fragte er dann und konnte eine leichte Besorgnis nicht verbergen.
„Natürlich, Potter“, schnarrte Malfoy.
Harry atmete erleichtert auf. „Sehr gut.“
Abschätzig sah er Malfoy an.
„Ich hasse dich übrigens auch, nur dass du's weißt, Malfoy!“
„Hervorragend“, konstatierte Malfoy. „Und würdest du nun endlich deinen Sabbel halten? Ich habe irre Kopfschmerzen und würde gerne noch eine Runde pennen.“
„Oh ... Okay.“
Harry überlegte kurz, aber dann befand er, dass Malfoys Vorschlag gar nicht so übel klang. Auch er hatte rasende Kopfschmerzen und eine Mütze voll Schlaf schien da genau das Richtige. Und außerdem hatte sich jetzt ja alles geklärt.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.