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Fanfiction

Mit dem Auge sehen - Kapitel 3

von Assur-bani-apli

Beklommen klopfte sie an Snapes TĂŒr, ihres rasenden Herzschlags kaum Herr werden könnend. Was, wenn er es war, der eben hinter ihr gestanden hatte? Was, wenn er sie auf diese verfĂŒhrerische Art ...?

Ein heißer Schauer lief ihr den RĂŒcken hinunter. Gleichzeitig fröstelte sie es. Sie hatte ihn schon immer heimlich bewundert; und wenn er es nun tatsĂ€chlich gewesen war, der sie so leidenschaftlich berĂŒhrt hatte, dann ...

Wer sollte es denn sonst gewesen sein? Wer wusste, dass sie bei Snape nachsitzen musste? Wer außer ihm selbst? Aber warum? Warum ausgerechnet er, was fĂŒr eine Veranlassung sollte er haben, sie zu wĂ€hlen? War - ...?

Noch ehe sie diesen Gedanken zu Ende bringen konnte, wurde die TĂŒr aufgerissen und vor ihr stand ein finster drein blickender Snape, die Arme vor der Brust verschrĂ€nkt, den Unterkiefer nach vorn geschoben – mĂ€nnlich dominant. Und doch nahm Hermione seine tiefen und hastigen AtemzĂŒgen und sein leicht gerötetes Gesicht wahr – es schien so, als sei er selbst gerade zur TĂŒr hereingekommen. Beinahe hektisch stieß er die TĂŒr weiter auf, fuhr sich mit der Hand ĂŒber die Lippen, als er Hermione einen tiefen Blick aus seinen unergrĂŒndlichen Augen sandte. Obwohl sie ihren Kopf leicht verunsichert senkte, sog sie diese Geste wie die Luft in sich auf. Es schien ihr gerade so, als wolle er diesen so leidenschaftlichen Kuss noch einmal schmecken. Wieder spielten die Schmetterlinge in ihrem Bauch Haschen, als sie in seine GemĂ€cher stolperte, wirbelte jedoch augenblicklich herum, als die TĂŒr mit einem lauten Knall zugestoßen wurde.

Mit ein, zwei Schritten war er bei ihr, verzog seinen schmal lippigen Mund zu einem teuflischen Grinsen.

„Miss Granger, wir waren vor fĂŒnf Minuten verabredet“, zischte er schlangengleich und schien sie mit seinem Blick bannen zu wollen.

„Ja, Sir“, nickte sie, die Röte im Gesicht spĂŒrend.

„Und, was haben Lady zu Ihrer Entschuldigung vorzubringen?“

Seine Stimme, gleichwohl tonlos, zerschnitt die Stille wie eine Peitschenhieb.

„Ich ... ich habe heute Geburtstag, Sir ... deswegen ...“, stotterte sie verlegen, zwang sich jedoch, nicht zurĂŒckzuweichen.

Groß und mĂ€chtig stand er vor ihr, hatte die Arme erneut vor der Brust verschrĂ€nkt, sein Atem hatte sich etwas beruhigt, doch sein Blick schien noch immer in ihre Augen dringen zu wollen. So tief – so ... Doch wenn Hermione ehrlich zu sich selbst war, hatte dieser Blick nichts mit der eben empfundenen Leidenschaft gemein.

„Ich weiß, dass sie heute Geburtstag haben. Das ist indes kein Grund zu spĂ€t kommen, finden Sie nicht?“, donnerte er tief grollend, wandte sich ab und begann an seinen GerĂ€ten zu hantieren, ehe er ihr, ohne sich umzuwenden, bedeutete, heranzukommen.

Mit klopfendem Herzen versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen, was ihr nur schlecht gelang. Sie sah diesen dunklen Mann lĂ€ssig an seinen GerĂ€tschaften hantieren – seine Hektik hatte sich vollstĂ€ndig gelegt. Es schien gerade so, als finde er langsam wieder in seinen gewohnten Rhythmus. Zögernd trat sie an seine Seite, darauf gefasst, erneut von ihm angeblafft zu werden. Stattdessen bemerkte er wie nebenbei: „Sie wissen, warum Sie hier sind?“

„Ja, weil ... weil ...“

Sie stockte, sah erschrocken auf. Was sollte sie jetzt nur sagen? Sie konnte ihm ja unmöglich die Wahrheit um die Ohren hauen.

„Ich bin hier, weil Sie es nicht vertragen können, dass Ihnen Dr. MĂŒller-Wohlfahrt vielleicht ein Konkurrent werden könnte.“

Und das wĂ€re noch nett ausgedrĂŒckt – Eifersucht wĂŒrde es wohl besser treffen.

„Ja“, ließ sich Snape mit plötzlich seidenweicher Stimme vernehmen. Eine Augenbraue hochziehend, griff er nach einem kleinen scharfen Messer, streifte dabei wie unbeabsichtigt ihre Hand, wĂ€hrend ein winziges LĂ€cheln seine Lippen umspielte.

„Ich warte“, hauchte er und beugte sich zu ihr hinĂŒber, angelte nach einem weiteren GerĂ€t und blickte ihr dabei tief in die Augen. Sie spĂŒrte seinen Atem auf den Wangen, zuckte leicht zusammen. Ihre NasenflĂŒgel aber blĂ€hten sich unwillkĂŒrlich und sie sog die Luft in ihre Lungen.

„Was gucken Sie mich so an, als wĂ€re ich ein Geist?“, stieß er beinahe amĂŒsiert hervor, reichte ihr einen Drachenzahn und bemerkte lakonisch: „Zerreiben, dort ...“, und er deutete auf eines der Regale, die sich ĂŒber seinem Experimentiertisch befanden. „Dort finden Sie alles, was Sie benötigen werden.“

Nickend folgte sie seiner Geste - die Regale waren sehr hoch angebracht.

„Was ... welchen Sinne soll das haben? Brauen Sie einen Trank?“, fragte sie stockend und blickte ihrem Lehrer in die Augen – es schien ihr so, als tĂ€ten sich AbgrĂŒnde vor ihr auf. EiseskĂ€lte schlug ihr entgegen – und doch ... spĂŒrte sie in seinem tiefen Blick unbezĂ€hmbare Leidenschaft – WĂ€rme. Sie selbst fĂŒhlte, dass sie sich in seinem Augen verlieren wĂŒrde ... Tief Luft holend senkte sie den Blick.

„Nein – diesmal nicht, diesmal streue ich Ihnen diese Köstlichkeit auf’s Butterbrot“, schnaubte er beinahe amĂŒsiert.

Gleichwohl als Spott verstanden, zuckte Hermione unwillkĂŒrlich zusammen und hob ihren Blick, öffnete ihren Mund leicht.

„Miss Granger – ist Ihnen nicht gut?“, hörte sie ihn fragen – in einem beinahe sanften Tonfall, wie sie fand.

Nur mit dem Kopf schĂŒttelnd, mahnte sie sich zur Selbstbeherrschung. Was sollte er nur von ihr denken? Hielt er sie nicht fĂŒr durchgedreht? Ja, wenn er es nicht gewesen war, der hinter ihr gestanden hatte ... dann ja! Doch er war es gewesen, der in ihr diese leidenschaftlichen GefĂŒhle entfacht hatte. Er musste es gewesen sein – alles passte zusammen. Er kannte ihren Geburtstag – ihr fiel kein weiterer Lehrer ein, der sich um solch persönliche Angelegenheiten der SchĂŒler kĂŒmmerte – bis auf Dumbledore oder ... Hagrid ... aber der war ja ihr Freund.
Er war es gewesen – weil er ihre Torte gesehen hatte, als ...

Und er hatte ihr ein so wundervolles Geschenk bereitet - er hatte sie ... hatte sie ...

„Aua“, rief sie zusammenzuckend und klatschte hart in dieser Welt auf. Verwirrt blickte sie ihre blutende Hand an.

„TrĂ€umerin“, hörte sie seine sanfte Stimme hinter sich und wandte sich um. Snapes Augen blitzen belustigt auf, als er ihre Hand ergriff.

Die Luft anhaltend, schloss sie kurz die Augen – hatte sie diese Hand nicht vorhin auf ihrem Bauch gespĂŒrt, war sie nicht an ihren HĂŒften hinab geglitten?

„Miss Granger, es gibt andere Orte zum TrĂ€umen“, bemerkte rĂ€tselhaft lĂ€chelnd und begann ihre Schnittwunde zu reinigen.

„In einem Labor sollten Sie es lassen, auch wenn es ihrem Geschlecht wie ein Fluch anhĂ€ngt“, wies er sie spöttisch zurecht.

Über sich selbst erbost, bemerkte sie kĂŒhl: „Könnten Sie mir wohl das Reibebrett hinunterreichen?“

Er sprach einen Heilzauber ĂŒber ihrer Wunde, wandte er sich um und reichte ihr nach wenigen Augenblicken das GewĂŒnschte.

„Miss Granger, wenn Sie nun die GĂŒte hĂ€tten, endlich mit Ihrer Arbeit zu beginnen, wĂ€re ich Ihnen zu großem Dank verpflichtet, denn der Trank muss bis heute Abend fertig sein“, trieb er sie an und begann selbst ein undefinierbares Knöllchen zu zerkleinern.

„Warum?“, platze es aus ihr heraus, ohne dass sie von ihrer Arbeit aufgesehen hĂ€tte.

„Weil dieser ...“, sich rĂ€uspernd brach er ab. „Weil dieser Magier heute Abend ...“, erneut unterbrach er sich.

UnwillkĂŒrlich sah sie auf, diese SchwĂ€che hatte sie bei ihrem Lehrer noch nie gespĂŒrt. Es empfing sie ein feurig pulsierender Blick aus seinen Augen.

„Weil dieser MĂŒller-Wollermann ...“, stieß er verĂ€chtlich hervor.

„MĂŒller-Wohlfahrt. Renate MĂŒller-Wollermann ist ein deutsche Ägyptologin“, verbesserte sie ihren Lehrer und schalt sich sogleich ihrer Unvorsichtigkeit wegen.

„MĂŒller-Wohlfahrt, danke Miss Granger. Ein Name, den man sich merken sollte, da haben Sie ganz Recht“, stieß er tonlos hervor. Sein Mund krĂ€uselte sich zu einem teuflischen LĂ€cheln, als er erneut den Namen des Mannes aus Deutschland flĂŒsterte.

„Hans-Wilhelm MĂŒller-Wohlfahrt ... Der Name besitzt seinen eigenen Rhythmus, geht ein, wie eine Melodie ... Finden Sie nicht auch, Miss Granger?“
Trotz der sie im Nacken ziependen Angst, da sie ihren Lehrer noch nie so unbeherrscht erlebt hatte, fragte sie, sich zur Sachlichkeit zwingend: „WofĂŒr ist der Trank, Professor?“

„Es ist ein Trank, der jedem gereicht wird, der erst im Erwachsenenalter als Magier erkannt wird ... Miss Granger – so etwas Besonderes ist das nicht. Es gibt Menschen, die erst kurz vor ihrem Tod als Magier erkannt werden ... Heute Abend soll der hochgeschĂ€tzte Ostfriese einen kurzen Bericht ĂŒber seine bisherige Arbeit abgeben ... und dann“, knurrte Snape unwillig, setzte jedoch wieder dieses teuflische Grinsen auf.

„ ... und dann wird er uns an seinen KĂŒnsten teilhaben lassen ...“, krĂ€chzte Snape, die Luft hörbar einsaugend.

„ ... und dann wird er diesen Trank genießen dĂŒrfen ...“

Seine Augen blitzen diabolisch als er Hermione ein donnerndes: „Also tun sie endlich Ihre Arbeit – oder wir sitzen noch heute Abend hier ... dann kĂ€me dieser Magier um sein Aufnahmeritual, was ich persönlich sehr schade fĂ€nde.“, entgegen warf.

Mit diesen Worten wandte sich Snape ab und hinterließ in Hermione ein GefĂŒhl der Unruhe. Snape mochte diesen Menschen nicht. Ihr war klar, dass er trotz seiner eigenen Fachkompetenz einen Rivalen in diesem Mann sah. Aber wĂŒrde er es tatsĂ€chlich fertig bringen, diesen Trank zu vergiften?

Snape - ein Giftmischer?

Nein, nicht dieser Snape, der sie heute, vor nicht einmal einer halben Stunde so zĂ€rtlich neckend gekĂŒsst hatte. Wenn er wĂŒsste, dass er ihr damit das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht hatte, was sie je erhalten hatte. Sich die Lippen wie eine Katze leckend, machte sie sich ans Werk. Doch immer wieder schloss sie ihre Augen – schmeckte den Kuss von ... Severus. Der Fremde hatte einen Namen. Die Luft tief in ihre Lungen einsaugend, roch sie die sĂŒĂŸlichen KrĂ€uter, die im Kessel neben ihr leise brodelnd gar kochten ...


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