
von Selena
Das glĂŒckliche LĂ€cheln, welches damals auf ihrem Gesicht erschienen war, starb mit Cedrics Tod. Nichts erinnerte mehr an das positive lachende MĂ€dchen. Sie sank den Stamm hinunter und vergrub ihr trĂ€nenverschmiertes Gesicht in ihren Armen. âWarum hast du mich alleine gelassen? Der Mond kann nicht ohne die Sonne leben, weiĂt du das nicht?â sagte sie kaum hörbar und sah wieder zum Mond hinauf. Sie fĂŒhlte sich im Stich gelassen, auch wenn sie wusste, dass Cedric nicht hatte sterben wollen. âIch bin gleich wieder da.â Er kĂŒsste ihr sorgenvolles Gesicht, drehte sich um, zwinkerte ihr noch einmal zu und verschwand. Immer wieder hallte dieser zuversichtliche Satz in ihrem Kopf wieder, sie sah sein LĂ€cheln, sein beruhigender Blick. Sie hatte eine Vorahnung gehabt, aber er hatte nicht auf sie hören wollen. Sie hatte dagestanden, ihm zugesehen, wie er verschwanden war. Wieder erschien ihr ein Flashback.
Es war Herbst, die BĂ€ume verloren langsam ihre BlĂ€tter und es wurde kĂ€lter. Der Winter nahte. Trotzdem hatte sie an diesem Tag ein gelbes Sommerkleid angezogen, mit dem sie jetzt zusammen mit Cedric ĂŒber die Felder rannte. Sie rannte und rannte, immer wieder mit einem Blick ĂŒber ihre Schulter um zu sehen, wie nah er gekommen war. Sie strahlte ĂŒber das ganze Gesicht, wie sie es immer tat, wenn er bei ihr war. Sie war einfach losgerannt und hatte gerufen âfang mich, wenn du kannst.â Und Cedric sprang ihr sofort hinterher. Sowohl Chos persönliche Sonne, als auch die andere Sonne strahlten in ihrer ganzen Pracht auf sie herab. Auch weit entfernt konnte man die beiden Menschen sehen. Der Junge hatte nach mehreren vergeblichen Versuchen es endlich geschafft, das MĂ€dchen z schnappen und schloss sie fest in seine Arme. Man konnte den glĂŒcklichen Ausdruck auf dem Gesicht des MĂ€dchens nur erahnen, ebenso wie das GelĂ€chter der beiden. Die Blicke die die beiden sich zuwarfen, blieben niemandem in ihrer NĂ€he verborgen. Man spĂŒrte die Liebe zwischen den beiden Jugendlichen, die sich inzwischen zĂ€rtlich gekĂŒsst hatten. Eine Vogelschar erhob sich vom Boden und flog einen Bogen um die beiden, als wollten sie ihr GlĂŒck begrĂŒĂen. Das MĂ€dchen legte den Kopf in den Nacken und sah zu den Vögeln hinauf. Der Junge achtete nicht auf das Schauspiel, sondern sah lĂ€chelnd auf seine Freundin hinab. Er begann sie im Kreis zu drehen und das MĂ€dchen breitete die Arme aus. Man hörte ihr Lachen, ihre verliebten Blicke, man konnte ihr GlĂŒck deutlich spĂŒren.
Oh, sie waren so glĂŒcklich und unbeschwert gewesen in den wenigen Minuten ihrer freien Zeit miteinander. Und das zu erkennen und zu merken, dass sie diesen Jungen wirklich geliebt hatte verstĂ€rkten den Schmerz in ihrem Herzen. Cedric Diggory war ihre erste groĂe Liebe gewesen. Ihre Sonne, ihr Ruhepol. Wem konnte sie jetzt ihre Sorgen erzĂ€hlen? Wer war jetzt fĂŒr sie da, wenn es ihr schlecht ging? Cho war viel zu sehr in Trauer um Cedric, als sich diese Fragen zu stellen. âCedric.â Sagte sie noch einmal, diesmal voller Sehnsucht. Sie wollte bei ihm sein, in seinen Armen liegen. Stattdessen saĂ sie auf dem kalten Waldboden. Die MĂŒdigkeit und Erschöpfung drohten Oberhand zu gewinnen und sie sackte in sich zusammen, als sich ein schwarzer Teppich vor ihre Augen legte.
Cho bemerkte, wie jemand sie leicht rĂŒttelte, aber sie wollte nicht aus dieser angenehmen SchwĂ€rze aufwachen und sich erneut dem Schmerz stellen. Sie öffnete nicht die Augen und lieĂ auch mit keiner Faser ihres Körpers erkennen, dass sie sich bewegen und alles hören konnte. âMiss Chang. Wachen sie auf.â Sagte eine kalte Stimme und einen Moment spĂ€ter lieĂ sie eine Ohrfeige aus ihrer Ohnmacht erwachen. Sie öffnete erschrocken die Augen und bemerkte, dass sie immer noch auf dem kalten Waldboden lag. Eine Gestalt beugte sich ĂŒber sie und beachtete sie mit einem kalten Blick. âProfessor Snape.â Sagte Cho erschrocken und der Grund, warum sie hier lag, fiel ihr wieder ein. Sie senkte den Kopf, um die TrĂ€nen zu verbergen, die wieder hochkamen. âWas haben sie sich nur dabei gedacht? Die ganze Schule ist in heller Aufregung wegen ihnen und sucht sie schon seit Stunden.â Cho hörte ihm nicht zu, sondern schlang ihre Arme fröstelnd um ihre Beine. Snape sah wohl ein, dass in ihrem jetzigen Zustand eine Standpauke keinen Sinn hatte und seufzte genervt auf. Er zog seinen Umhang aus und legte ihn um die Schultern des MĂ€dchens. âLassen sie uns gehen, bevor sie noch erfrieren.â Er sagte es so, als ob ihm das gerade recht wĂ€re, aber Cho war zu betĂ€ubt, um ĂŒberhaupt zuzuhören. Sie stand auf, schwankte und wĂ€re wohl auch gefallen, wenn Snape sie nicht festgehalten hĂ€tte. Zum ersten Mal sah er sie wirklich an und runzelte die Stirn. âWie lange liegen sie hier schon, Miss Chang?â Cho gelang es noch mit den Schultern zu zucken, bevor sie in Snapes Armen zusammen brach.
Dieser fing sie auf und sah einen Moment in das aschfahle Gesicht des MĂ€dchens. Sie war wohl Stunden ohnmĂ€chtig gewesen und hatte eine UnterkĂŒhlung erlitten. Seufzend legte er eine Hand unter ihre Beine und schon lag Cho in seinen Armen. Ihr Gesicht lehnte an seiner Schulter, was Snape zwar störte, aber er stieĂ ihn nicht weg. SchlieĂlich brauchte sie so schnell wie möglich Hilfe. Er breitete noch seinen Umhang ĂŒber ihrem zierlichen Körper aus und begann dann den weiten Weg zum Schloss mit dem bewusstlosen MĂ€dchen in seinen Armen anzutreten.
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