
von Selena
@Charly: Super, dass du hierhergefunden hast:) Ich hoffe dir gefällt auch dieses Kapitel
Einen großen Dank auch an meine Freundinnen Nora, Shirin und Lisa, die sich jedes Kapitel durchlesen und mir mit Rat zur Seite stehen.
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Cho saß in ihrem Zimmer und blas Trübsal. Es war wunderschönes Wetter, die Sonne schien, was für Cho aber kein Grund zu Freude war. Die Sonne erinnerte sie jedes Mal schmerzlich an Cedric, schließlich hatte sie ihn immer so genannt. Umso gerne blieb sie in der Nacht auf, um dem einsamen Mond zuzusehen und an ihn zu denken. Die Beerdigung war ein paar Tage vergangen, aber der Schmerz ging nicht weg. Es fühlte sich an, als ob er endgültig weg wäre. Seine Hemden, in die sie sich anfangs gekuschelt hatte, rochen langsam nicht mehr nach ihm, es wurde zunehmend schwierig,sich sein Lachen in Erinnerung zu rufen. Und zum allem Überfluss fingen auch noch die Sommerferien an. Morgen schon sollte sie im Hogwarts Express sitzen und nach Hause fahren, an einen Ort,wo sie ganz alleine sein würde, weil ihre Eltern auch über die Ferien arbeiten mussten. Nicht nur ihr gefiel diese Vorstellung nicht, aber was sollte sie schon dagegen tun? Sie konnte sich ja schlecht hier verstecken und darauf hoffen, dass sie niemand fand.
„Cho, hast du schon gepackt?“
Sie drehte sich zu ihrer Freundin um, die sie wartend anlächelte.
„Ja.“
Antwortete sie knapp und drehte sich wieder zum Fenster. Sie wollte einfach nur noch in Ruhe gelassen werden, sie wollte diese mitleidigen Blicke nicht. Juliana seufzte auf, ließ sie aber Gott sei Dank alleine.
Am nächsten Morgen war es dann so weit. Cho sah sich noch ein letztes Mal um und schloss dann seufzend die Tür zum Hufflepuff Raum hinter sich. Sie hatte hier mehr Zeit als in ihrem Gemeinschaftsraum verbracht, aber es war unwahrscheinlich, dass sie nächstes Jahr noch mal herkommen würde. Es erinnerte sie sehr an Cedric, alles erinnerte sie an ihn. Ob es morgens beim Frühstück sein leerer Platz war oder Bäume, wo sie ihre beiden Namen eingeritzt hatten, einfach alles. Ihre Eltern hatten ihr angeboten, sie nach Beauxbatons zu schicken, aber Cho wollte nicht noch einmal von vorne anfangen. Sie wollte ihre Freunde nicht verlieren, aber vor allem wollte sie an Cedric erinnert werden. Dass Leute über ihn sprachen oder sein leerer Platz erinnerten daran, dass er überhaupt existiert hatte.
Die Fahrt verlief schweigend. Cho vertiefte sich in ein Buch, während ihre Freundinnen Zauberschach spielten und lachten. Auf ihre Frage, ob sie mitspielen wollte, schüttelte Cho nur leicht lächelnd den Kopf. Sie beobachtete, wie Hogwarts immer kleiner und kleiner wurde und es schien, als würde ihr noch ein Stück ihres Herzens genommen. „Wir sind da!“ Strahlend sprangen die Kinder aus dem Zug und rannten ihren Eltern entgegen. Cho quetschte sich durch die Menge hindurch und reckte suchend den Hals.
„Cho!“ rief da eine Stimme und Cho wirbelte mit Tränen in den Augen herum. Sie flog der Frau mit den ebenso schwarzen Haaren in die Arme und verbarg ihr Gesicht in dem Mantel. Eine Hand strich ihr sanft über den Kopf. „Ach, meine arme Kleine.“ Sagte sie und Cho wurde bewusst, wie sehr sie ihre Mutter vermisst hatte. Sie wurde aus den wärmenden Armen in die ihres Vaters gerissen. Er hob sie hoch, als wäre sie noch fünf und drückte sie lachend an sich. Cho lehnte sich einfach nur an ihn und versuchte erst gar nicht die Tränen zu unterdrücken. Sie war so glücklich,endlich ihre Eltern wieder zu haben und wollte gar nicht mehr loslassen. Julius wechselte einen verständnisvollen Blick mit seiner Frau und legte seine Hand sanft auf Chos Kopf, um ihn zu tätscheln. Katarina nahm das Gepäck ihrer Tochter, weil diese keine Anstalten machte sich von ihrem Vater zu lösen. „Komm,mein Schatz. Gehen wir.“ Julius legte seine Hand beschützend auf die Schulter seiner Tochter und schob sie langsam vorwärts. Ihm gefiel es nicht, wie seine kleine Tochter aussah. Ihre Augenringe konnte man nicht mal mehr mit Schminke überdecken, ihre Augen wirkten leblos und es schien ihm, als hätte sie noch mehr an Gewicht verloren. Er verkniff sich aber jegliches Kommentar, während sie sich den Weg zum Auto bahnten. Sie redeten die ganze Fahrt nicht und auch nicht, als sie zuhause waren. Cho verzog sich gleich in ihr Zimmer, wo sie sich aufs Bett legte und sich erst wieder rührte, als ihre Eltern im Zimmer standen. „Schätzchen.“ Sagte Katarina und setzte sich an den Bettrand, während Julius sich mit dem Schreibtischstuhl begnügen musste. Cho drückte zwar die Hand ihrer Mutter, aber sie sah sie nicht an. „Dein Dad und ich müssen jetzt los. Es gibt ziemlich Aufregung im Ministerium wegen den Aussagen des Potter-Jungen.“ Cho nickte nur und lächelte sogar kurz, damit sich ihre Eltern keine Sorgen machten. Katarina strich mit der Hand über ihre Wange. „Essen steht im Kühlschrank und wir haben ein paar neue Filme ausgeliehen.“ Sie stand auf und verließ das Zimmer, gefolgt von Julius, der seiner Tochter schnell noch einen Kuss auf das schwarze Haar gab. „Bis gleich.“ Flüsterte er und dann war sie alleine.
Cho zog ihre Beine an und umklammerte sie, als sie anfing zu frösteln, obwohl draußen die Sonne schien. Sie sah sich in ihrem Zimmer um und richtete sich augenblicklich auf. Wo war ihre Fotocollage von ihr und Cedric? Sie stand auf und sah mit tränenden Augen zu dem Platz, wo es eigentlich sein müsste. Sie haschte nach draußen und begann das ganze Haus auf den Kopf zu stellen. In dieser Fotocollage waren ihre ganzen Erinnerungen mit Cedric enthalten. Sie war noch nicht bereit,ihn loszulassen und dachte nicht wie ihre Eltern, dass es das Beste wäre, das Thema totzuschweigen und alle Erinnerungen verschwinden zu lassen. Als sie immer noch nicht fündig wurde, begann sie wütend zu werden. Sie warf frustriert einen Teller zu Boden. Überrascht merkte sie, wie gut das tat und sie schmiss den nächsten gleich hinterher. Als die Teller leer waren, kamen die Tassen, dann das restliche Geschirr dran. Sie sah das Blut die Arme hinunterlaufen, aber es kümmerte sie nicht. Sie wollte nur noch, dass der Schmerz in ihrem Inneren aufhörte. Die Wut wurde immer größer und sie nahm Omas Porzellanvase, um sie gegen das Fenster zu werfen, was in tausend Teile zerbrach. Die Splitter trafen sie an der nackten Haut, nichts wurde verschont. Die Arme, der Hals, das Gesicht, überall tropfte Blut heraus. Erschöpft ließ Cho sich auf den Boden fallen und blieb so liegen. Sie hörte, wie ihre Eltern, alarmiert durch die Nachbarn,vorfuhren. Sie sah, wie ihre Mutter sie in die Arme riss und ihr immer wieder übers Haar strich, während ihr Vater im St. Mungos anrief. Sie spürte das nasse Gesicht ihrer Mutter und den besorgten Blick ihres Vaters auf sich. Sie wusste noch, wie sie ihre Hände schmerzhaft in die Schulter ihrer Mutter krallte, bevor sie in ihren Armen zusammenbrach.
„Mama.“ Sagte Cho leise und die Gerufene war sofort an ihrer Seite. Man sah deutlich, was Katarina Chang in den letzten Stunden ausgestanden hatte. Ihre Wimperntusche war von dem ständigen Weinen schon ganz verwischt, die Augen gerötet und das Haar unordentlich. „Tut mir leid“, sagte ihre Tochter, als sie ihre Mutter so sah. „Das muss es nicht.“ Sie strich dem Mädchen über das Haar und sah sie lächelnd an. „Wie soll es nur weitergehen, mein Schatz? Dad und ich können nicht die ganze Zeit bei dir bleiben.“ Mrs. Chang setzte sich an das Bett ihrer Tochter und nahm ihre Hand. „Du brauchst Hilfe. Hilfe, die wir dir nicht geben können.“ Cho drehte den Kopf weg, wütend über ihre nassen Augen.
„Ich bin kein Psycho-Fall.“
„Nein, du hast einfach einen geliebten Menschen verloren. Der Schmerz wird nicht einfach so verschwinden. Du musst lernen, damit zu leben, sonst gehst du daran kaputt.“
„Mum, er ist tot. Ich möchte nicht leben. Ich wüsste nicht,warum!“
„Aber wir sind doch da. Und deine Freunde. Willst du die einfach alleine lassen?“
„Ich will einfach nur Cedric.“
Schluchzend verbarg Cho ihr Gesicht an ihrer Mutter. Diese ließ zu, dass Cho ihre teure Bluse vollheulte und hielt sie einfach nur im Arm.
„Bitte lass dir doch helfen, mein Kind.“
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