
von Mica
Nach ein paar Stunden waren sie wieder alle im Grimmauldplatz versammelt. Die drückende Aura dieses Hauses kam ihnen wie ein elektrischer Schlag entgegen, doch die gute Laune ließen sie sich nicht verderben. Sie setzten sich in die Küche und tranken kaltes Butterbier, dass sie sich mitgenommen hatten, Voldemort und die Todesser hatten sie völlig vergessen. Nach einiger Zeit kamen Tonks, Lupin, Professor McGonagoll und Kingsley dazu. Ginny amüsierte sich mal wieder über Tonks, wenn sie sich Gesichter wünschen durfte, und auch Harry musste lachen, als auf einmal Snape mit enger, zerrissener Jeans und einem rosa T-Shirt im Raum stand.
Plötzlich hörte Harry ein leises Kratzen. Es kam aus der Eingangshalle. Die Weasleys, Harry, Hermine, Kingsley, Tonks und Lupin sahen auf, stellten ihre Gespräche ein und lauschten dem Geräusch. Alle zückten ihre Zauberstäbe und gingen etwas geduckt auf die Eingangstür zu. Langsam und sehr vorsichtig drehte Tonks den Türknauf und öffnete die Tür einen kleinen Spalt breit.
Plötzlich huschte ein schwarzes Etwas durch den Spalt in der Tür. Harry machte einen Satz zurück und die Ordenmitglieder folgen dem schwarzen Etwas, welches hastig durch die Eingangshalle huschte, mit ihren Zauberstäben.
Es war so schnell, dass Harry nur verschwommen etwas Schwarzes wahrnehmen konnte. Er kniff die Augen zusammen. Langsam erkannte er etwas. Er nahm vier Beine wahr, dann einen Schwanz, langsam ein Gesicht, dass sich zu einer Schnauze bog. Das Fell war pechschwarz, zerzaust, verfilzt und überall mit Flöhen, Milben und Zecken übersät. Der Hund war so abgemagert, das man seine Rippen unter dem Fell zählen konnte. Harry glaubte nicht was er sah. Ja, es war ein großer, schwarzer Hund mit gelblichen Augen, doch es konnte nicht...
Das Tier blieb keuchend stehen. Es hatte anscheinend große Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Harry tat einen vorsichtigen Schritt auf das Tier zu und machte kreisrunde Augen. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er sah Lupin an. Dieser starrte mit ebenso großen Augen auf den großen Hund herab. Kaum merklich nickte er. Langsam ging er mit Harry an seiner Seite auf das Tier zu. Kurz bevor sie bei ihm ankamen, bückten sie sich und Harry streckte seine zitternde Hand aus. Der Hund legte seine feuchte Schnauze unter Harrys Hand. Er wusste nicht, was er von alle dem hielt, Lupin scheinbar auch nicht.
Plötzlich drehten sich die Pupillen des Hundes nach innen, sodass nur noch der Augapfel zu sehen war. Seine Beine gaben nach und er fiel krachend zu Boden. "NEIN!",brüllte Harry. Er hatte alles vergessen, was um ihn herum geschah. Er sah nur den totschwachen Hund vor ihnen. "Schnell!",schrie Lupin auf einmal, wobei Harrys Gedanken sich wieder ordneten,"Er braucht einen Stärkungstrank! So etwas hat eigentlich jeder zu Hause." Alle Anwesenden schwärmten aus. Einige schienen nicht ganz zu verstehen, was hier ablief, und schauten nur mit völlig perplexer Miene zu. Harry hastete zu allen Schränken, die er sehen konnte, riss sie auf und durchsuchte sie. Dabei fand er einige Dinge, die er eigentlich ausgiebig untersucht hätte, doch jetzt zählte nur das Tier. Das ganze Haus wurde durchsucht. Arthur Weasley machte sich schon bereit, mit Flohpulver wieder in die Winkelgasse zurückzureisen, um den Trank zu kaufen, als Harry ein Gedankenblitz erreichte. Er stolperte zur Garderobe und durchsuchte hektisch Lupins Taschen. In einer Seitentasche fühlte er etwas Glattes, er griff danach und zog es heraus. Es war eine verkorkte Phiole mit einer leicht grünlichen Flüssigkeit. Harry dachte nicht lange nach, er wusste genau, wie ein Stärkungstrank aussah.
Er schlitterte zurück zu dem schwarzen Fellknäuel, dass nach Luft ringend flach auf dem Boden lag. Seine Glieder zitterten und seine Augen waren halb geschlossen. Hermine kniete neben dem Tier und versuchte, es zur Besinnung zu bringen. Die anderen suchten immer noch nach einem Trank. Harry entkorkte die Phiole, klappte mit einer Hand das riesige Maul des Hundes auf und kippte ihm mit der anderen Hand die Flüssigkeit in den Hals. Der Hund schien sich immer mehr zu quälen, er zitterte und atmete schnappartig. Harry bekam es mit der Angst zu tun, was, wen das gar kein Stärkungstrank gewesen war?
Hermines Augen starrten hektisch zwischen Harry und dem Hund hin und her und sagte:"Was hast du ihm gegeben?"
Er schwieg. Der Hund jaulte laut auf. Harry schauderte.
Plötzlich entspannten sich die Glieder des Tieres und seine Augen befanden sich wieder in Normallage. Plötzlich fing er an zu schnarchen. Harry kniete immer noch neben ihm und atmete sehr schnell.
Die anderen kamen nun auch einer nach dem anderen angetrabt und sahen erleichtert, das der Hund fliedlich schlief. Lupin grinste Harry an und klopfte ihm auf die Schulter. "Wo hast du den Trank her? Wir haben doch alles hier durchsucht?",fragte er.
"Aus deiner Tasche",murmelte Harry, immer noch den Hund anstarrend, der jetzt seelenruhig auf dem Boden schlief.
"Ah",machte Lupin nur. Er schien nicht begeistert zu sein, dass Harry in seinen Taschen gewühlt hatte, aber das war jetzt egal.
Unerwartet zückte Lupin seinen Zauberstab. Ron, Kingley und die anderen hielten sich im Hintergrund, da keiner verstand, was hier geschah, doch Harry wusste genau, was Lupin dachte.
Er hatte ihn länger gekannt als jeder andere hier und musste es wissen. Harry ballte seine Hände zu Fäusten. Lupin atmete tief ein, schwenkte seinen Zauberstab in Richtung Hund und murmelte eine Beschwörung. Langsam wuchs das dichte und verfilzte Fell des Hundes in seine Haut zusammen, die sich bleich färbte. Seine Körperstatur änderte sich. Alle starrten jetzt wie gebannt auf das Etwas hinunter, das nun vor ihnen lag. Es war ein Mensch. Seine weiße Haut spannte sich über seine Knochen, so abgemagert war er, sodass er wie eine Leiche aussah. Das schwarze Haar hing ihm glanzlos und verfilzt über das Gesicht, unter den Strähnen schaute ein langer Bart hervor. Die Flöhe sprangen auf seinem Kopf verwirrt auf und ab. Er hatte einen langen, schmutzigen und zerfetzten Kittel an und nichts an den rußigen Füßen. Harry wusste nicht, was er tun sollte. Er wusste auch nicht, was um ihn herum geschah. Er sah einfach nur den Mann an, der dort auf dem Boden lag. Er lächelte und spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen.
"Sirius",flüsterte Harry. Irgendeine Hand, Harry vermutete, die Mrs Weasleys, breitete eine Decke über den scheinbar leblosen Körper aus. Alle starrten sich gegenseitig an. In Harrys fünften Schuljahr wurde sein Pate Sirius Black, ein unschuldiger verurteilter Massenmörder, von einem Todesfluch getroffen, den seine Cousiene Bellatrix Lestrange ausgeübt hatte. Harry hatte gesehen, wie Sirius hinter einem weißen Vorgang hinaufgestiegen war. Wieso lebte er? Ron und Hermine eilten auf Harry zu und sahen ihn grinsend an. Er erwiderte es nicht, obwohl er scheinbar so glücklich war, wie noch nie in seinem Leben. In ihm stauten sich einfach zu viele unbeantwortete Fragen. Mr Weasley und Professor McGonagall hieften ihn mit starrer Miene die Treppe hoch und trugen ihn in ein Gästezimmer, wo sie ihn vorsichtig auf ein zerfallenes Bett legten. Alle im Gimmauldplatz anwesenden Hexen und Zauberer folgen ihnen. Harry trat an Sirius Bett. Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben seinen Kopf. Keiner sagte ein Wort. Professor McGonagall sah Harry mit seinem seltsamen Gesichtsausdruck an und Mrs Weasley war schon dabei, einen Eisbeutel heraufzubeschwören und ihn auf Sirius Stirn zu legen. Harry griff nach seiner Hand. Sie fühlte sich an wie ein Skelett, was Harry einen kleinen Stich im Magen verspüren ließ. Er drückte sie nicht, denn er hatte Angst ihm etwas zu brechen. Alles war still. Keiner rührte sich, nur Harry strich mit seiner Hand über die Sirius. Auf einmal bewegten sich schwach seine weißen Augenlieder.
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So. Also, wenn ihr jetzt sagt:"Ey man die iss ja voll doof, einfach so einen toten Mann wiederauferstehen zu lassen, ey, .. ,ey das iss ja voll dumm" Dann stimme ich euch zu. Wenn ihr sagt:"Oh man, das war ja eine gute Idee!" Dann stimme ich euch nicht zu, aber ich freu mich :-D
Ich hätte das auch nicht gemacht, wenn Sirius nicht noch wichtig werden würde. Viel Spaß! (Spaß zu haben kann niemals schaden ^^)
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