
von Mica
In den nächsten Tagen herrschte eine sehr bedrückte Stimmung. Doch ganz langsam gewöhnten sich Harry, Ron und Hermine an den Gedanken, dass Hagrid nun tot war. Zwar hoffte Harry insgeheim, dass der Mann mit den käferschwarzen Augen, die fast von den buschigen Haaren und Bart verdeckt worden war, irgendwann wieder vor ihm stehen würde, doch er wusste, dass sich dieser Wunsch nie erfüllen würde.
"Lass uns ein wenig für die Prüfung lernen",sagte Hermine.
Ron schien verwirrt. "Welche Prüfung?"
"Na die, die wir schreiben müssen, weil die Schüler das letzte Schuljahr so gut wie gar nichts gelernt haben." Hermine verdrehte die Augen.
"Oh... gut",stimmte Ron zu.
Hermine griff sich ihre Perlenhandtasche, wühlte ein wenig darin herum und zog einen Stapel Bücher und einen kleinen Zettel heraus. Die besah sich das Papier, schlug dann ein Buch auf und sagte:"Wie wäre es mit Verwandlung? Hier steht... 'einen Stein in einen Frosch verwandeln. Schwingen sie den Zauberstab so, wie auf der Abbildung gezeigt. Sagen sie dazu das Wort: Acredula.'"
Harry sah sich die Abbildung an. Der Zauberer darauf schwang den Zauberstab erst nach links, dann ein wenig nach rechts, dann tippte er den Stein an.
"Steine gibt es hier genug",sagte Harry und sammelte drei relativ große Steine vom Boden auf.
"Hier", er warf Hermine und Ron jeweils einen zu.
Harry schwang den Zauberstab und sagte:"Acredula!" Dem Stein wuchsen graue Beine. Er blickte sich um. Rons Stein hatte eine bräunlich-grüne Farbe angenommen. Hermine wirkte ein wenig enttäuscht. Ihr Frosch sah zwar aus wie ein Frosch, doch er konnte sich nicht von der Stelle rühren. Er war hart wie Stein.
Sie versuchten es weiter. Irgendwann flüchtete Hermines Stein in großes Sprüngen aus der Höhle, auch Harry und Ron schafften es kurz darauf.
Ron gähnte. "Lass uns schlafen gehen." Er beschwor drei Decken aus dem Nichts herauf, wickelte sich in eine ein und legte sich auf den harten Steinboden. Harry und Hermine taten es ihm nach.
Es dauerte nicht lange, da war Harry eingeschlafen.
"Schaff diese Leiche hier weg!"
"Ja, Meister."
Wurmschwanz Leiche lag immer noch an dem Ort, an dem der Mann gestorben war.
"Was soll ich mit ihr machen?"
"Überleg dir etwas! Verbrenne sie oder tu sonst etwas, sorge nur dafür, dass sie niemand vom Ministerium findet!"
"Incendio!"
Der tote Körper ging in Flammen auf.
"Du musst mir einen Dienst erbringen."
Der Mann wartete.
"Finde Severus Snape. Wahrscheinlich treibt er sich mit diesen Phönixleuten herum. Ein Haufen voller Abschaum... Finde ihn und töte ihn."
"Aber Meister-"
"Willst du dem dunklen Lord etwa widersprechen?!"
"Nein, Meister."
"Dann tu, was ich sage. Töte den Verräter."
Schweißgebadet wachte Harry auf. Zu seiner Überraschung fand er Hermine und Ron neben seinem Schlafplatz vor.
"Gehts dir gut, Harry?",fragte Hermine und wirkte sehr besorgt.
"Ja, ja... alles okay",sagte Harry und erschrak über seine eigene, krächzende Stimme.
"Mach uns nichts vor, Harry",sagte Ron. "Du hast aus voller Kehle geschrien!"
"Hast du etwa wieder diese Träume?",fragte Hermine.
"Mhm... ja",gab Harry zu. Hermine schluckte. "Was hast du geträumt?"
Harry fasste sich an den Kopf, um sich an den Traum zu erinnern.
"Zuerst... wollte Riddle, dass ein Mann Wurmschwanz Leiche verbrennt... Dann meinte er, dieser Mann soll... Snape finden und töten",sagte er. Hermine schlug ihre Hand gegen den Mund. Ron wirkte besorgt.
"Wie sah Riddle aus?",fragte Hermine.
"Ich weiß es nicht... ich habe ihn nicht gesehen."
"Wir müssen Snape warnen!",sagte Ron.
"Nein!",sagte Hermine sofort. Harry schaute sie fragend an. "Das wäre zu gefährlich für uns",erklärte sie. "Außerdem ahnt Snape sicher, dass Todesser hinter ihm her sind. Er wird sich vorbereitet haben, er ist nicht dumm."
Da musste Harry ihr Recht geben. Er stand auf, zog sich das schweißnasse T-Shirt aus und holte einen Kelch aus Hermines Handtasche. "Aguamenti",sagte er, den Zauberstab darauf gerichtet. Der Kelch füllte sich mit Wasser, gleich kippte Harry ihn über seinem Kopf aus.
"Schon besser",keuchte er.
Ron und Hermine folgten ihm skeptisch mit den Augen.
"Lasst uns nach Hogmeade gehen",sagte Harry.
Hermine hätte ihm sonst sicherlich widersprochen, doch jetzt sagte sie nur:"Okay."
Harry schnappte sich den Tarnumhang aus seinem Rucksack und warf sie über sie drei. In dem Getümmel würden drei herrenlose Paar Füße nicht auffallen.
Ohne ein Wort zu sprechen gingen sie die Abhänge hinunter, bis sie vor den Toren Hogsmeade standen. Es war voller als Harry vermutet hatte.
"Es muss ein Hogsmeadewochenende sein",flüsterte Hermine. "Schaut nur, die da sehen aus wie Drittklässler."
"Bist du sicher, dass wir uns mit dem Tarnumhang da durchschlängeln können?",fragte Ron skeptisch an Harry gewandt.
"Das geht schon. Jetzt kommt."
Tatsächlich fanden die Drei immer noch genug Platz, Entgegenkommenden auszuweichen. In 'Weasleys Zauberhafte Zauberscherze' war es allerdings wirklich zu voll.
Unterwegs trafen sie ein paar bekannte Gesichter, zum Beispiel Dennis Creevie. Sie klauten sich drei Butterbiere in den drei Besen und Bertie Botts Bohnen aus dem Honigtopf.
"Jetzt lass uns langsam wieder gehen, es wird zu gefährlich",flüsterte Hermine nach einer Stunde.
Harry wollte gerade zustimmen, da sah er fast die gesamte Lehrerschaft von Hogwarts den Eberkopf betreten.
"Kommt",sagte Harry und zog Ron und Hermine mit sich. Er öffnete su unauffällig wie möglich die Tür und sie betraten den kleinen Pub. Seit ihrem letzten Besuch hatte sich nicht viel verändert. Der Eberkopf an der Wand hatte ein wenig mehr Spinnenweben bekommen.
Die Professoren McGonagoll, Flickwick, Sprout, , Slughorn, Dippet, Binns und sogar Trelawney setzten sich an einen großen Gruppentisch. Sie waren die einzigen Gäste, und schienen überhaupt die einzigen Menschen in dem Pub zu sein, bis auf Harry, Ron und Hermine.
"Ich finde es beeindruckend, wie du das gemeistert hast, Minerva",sagte Professor Sprout.
"Ich hätte nicht gedacht, dass sogar die Slytherins ruhig sein würden",antwortete diese.
"Die Schweigeminute für Hagrid war eine überaus gute Idee",quikte Professor Flitwick. "Ich denke, alle haben in der Schlacht um Hogwarts gelernt, dass es sich um jeden zu trauern lohnt."
"Der arme Hagrid",sagte Binns, und es war das erste Mal, dass Harry eine Emotion in seiner Stimme hörte. "Ein tapferer Krieger, und am Ende doch gefallen."
Ein Seufzen machte die Runde.
"Aber es gibt einen weiteren Punkt, den ich heute mit euch besprechen möchte",wechselte Professor McGonagoll das Thema.
"Gestern gab es einen Großangriff auf den Orden des Phönix. Ich weiß nicht, ob jemand zu Schaden gekommen ist. Alle haben wie wild gekämpft und sind irgendwann geflüchtet, ich weiß nicht, wo sie sind, und ich habe noch von niemandem etwas gehört. Ich bespreche dies mit euch, weil jeder von euch in einem anderen Bereich ausgebildet ist. Wir müssen zusammenhalten und sie finden. Aber ich kenne auch den Grund des Angriffs. Der Grund ist Severus Snape.
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