
von Selena
Genervt entfernte sich Draco von seinem Vater und den Todessern. Wann kapierten diese unterbelichteten Idioten endlich, dass auch er manchmal seine Ruhe brauchte? Ständig lagen sie ihm in den Ohren.
Du weißt schon, dass die Aufgabe bald erledigt werden muss?
Du darfst den dunklen Lord nicht enttäuschen!
Frustriert ließ sich der Slytherin in das hohe Gras fallen, unbeachtet, dass die Erde seinen Umhang verdreckte. Er wollte die Aufgabe nicht erledigen und wenn alles nach Plan gehen würde, müsste er es auch gar nicht tun.
Erneut begannen seine Hände zu zittern und er kämpfte gegen die Tränen an. Ihm blieb keine andere Möglichkeit als der Tod. Und lieber brachte er sich selbst um, als qualvoll durch Voldemorts Hand zu sterben.
Draco schloss kurz die Augen, als Stimmen an sein Ohr drangen.
„David, bleib hier. Wir können doch einen neuen Ball kaufen.“ „Du weißt genau, dass Dad immer stinksauer wird, wenn wir was verlieren. Also komm.“
Draco öffnete die Augen, gerade noch um zu sehen wie ein kleiner Junge über den Zaun von Malfoy Manor kletterte. Seine Schwester folgte ihm nach kurzem Zögern, hätte aber fast den Halt verloren, hätte Draco sie nicht festgehalten.
Erschreckt und verängstigt sahen die beiden Kleinen zu ihm herauf. Sie konnten nicht älter als 4 Jahre sein, waren aber schon jetzt äußerst hübsch. Besonders das Mädchen mit den rot-blonden Haaren faszinierte Draco und machte es ihm so unmöglich mit den beiden zu schimpfen.
„Wollen wir euren Ball gemeinsam suchen gehen?“ Die Kinder sahen sich kurz an, bevor David nickte. Draco lächelte die beiden an. Schweigsam stapften sie hinter ihm her, sich immer fragende Blicke zuwerfend. Sie schienen immer noch eine Strafe zu erwarten.
„Ist er das?“ Draco bückte sich und hob einen schon recht mitgenommen aussehenden Ball hoch. Glücklich quiekte die Kleine auf und riss dem verblüfften Jungen den Ball aus der Hand. Gemeinsam mit ihrem Bruder rannte sie davon, drehte sich aber in gewisser Entfernung noch einmal um.
„Danke, Sir.“ Rief sie und verbeugte sich. Dann war sie schnell wie der Blitz auch schon verschwunden. Kopfschüttelnd sah Draco den Geschwistern hinterher.
Am nächsten Morgen war wunderschönes Wetter, also beschloss Draco etwas gegen seine blasse Haut zu unternehmen. Zu diesem Zweck machte er einen seiner seltenen Ausflüge in den Park. Viele Familien begegneten ihm, so dass er erst mal gar nicht aufblickte, als ihm ein Ball vor die Füße rollte.
Als dann aber eine laute Stimme rief: „David, du Idiot!“ Fuhr sein Kopf hoch und er sah in zwei eisblaue Augen. „Entschuldigung, Sir.“ Auf Dracos Gesicht erschien ein Lächeln, das Mädchen strich sich schüchtern eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Euch trifft man wohl immer wieder.“ Erwiderte er und drückte der Kleinen den Ball in die Hand. Diese lief hochrot an und öffnete schon den Mund, um etwas zu sagen, als ihr Bruder kam.
„Melina, von wem hast du dich jetzt schon wieder anquatschen lassen?“ Rief der kleine Junge, bereit sich vor seine große Schwester zu stellen. Draco schmunzelte über den kleinen Beschützer. „Hallo David.“ Davids ganze Haltung entspannte sich, als er ihn wiedererkannte.
„Hallo Sir. Wollen sie mitspielen?“ Erschrocken sah Melina ihren Bruder an, aber Draco nickte erfreut. David rieb sich erfreut die Hände, als er einen Schlag auf den Kopf bekam.
„Bist du eigentlich total GEHIRNAMPUTIERT? DU KANNST DOCH NICHT EINFACH DIESEN VORNEHMEN HERREN ZU EINEM BALLSPIEL EINLADEN. DU……DU…..IDIOT!!!!!!“
Ein Gluckser entwich Draco und ließ die erzürnte Melina erstarren. David stimmte in das Lachen mit ein und auch seine Schwester ließ ein glockenhelles Lachen ertönen. Die beiden Kinder erwärmten Dracos Herz, ihr Lachen war so schön.
„Also spielen wir jetzt?“ Die beiden Kinder nickten und Draco zog schnell seine Jacke aus. Bevor er sie aber achtlos auf den Boden werfen konnte, griff eine kleine Hand danach, trug die Jacke zu einer Bank und legte sie ehrfürchtig ab, als könnte sie es schmutzig machen.
Dann kam sie mit einem verlegenen Lächeln zurückgehuscht und musste gleich einen Ball von David fangen. Mit ihren kleinen Ärmchen konnte sie nur schwer werfen, so dass der Ball auf halber Strecke zu Draco liegen blieb.
Dieser erklärte der Kleinen mit viel Geduld, wie sie mit weniger Kraft, weiter werfen könnte. David wurde es allerdings schnell langweilig, so dass er sich kurze Zeit später mit voller Wucht auf Draco warf.
Draco sah, wie seine Schwester wieder kurz davor war ihn anzubrüllen, also zog er auch die Kleine in die Rauferei. Es gab ein lustiges Bild ab, wie die drei Blondschöpfe durch das Gras tollten, ohne Rücksicht auf Flecken.
Es wurde gelacht, getreten und sogar getanzt. Das sah dann ungefähr so aus: David schlang sich um seinen Hals, Melina griff Draco an den Händen und dieser hatte dann die glorreiche Aufgabe sich mit den beiden Kindern im Kreis zu drehen.
Man musste nicht erwähnen, dass Draco schon nach kurzer Zeit total erschöpft war und sich mit geschlossenen Augen in das Gras fallen ließ. Eine Hand fuhr durch seine blonden Strähnen, der Junge schlang die Arme um den neugewonnenen Freund.
„Du bist cool.“ Sagte der kleine Rabauke und auch seine Schwester lächelte Draco an. Dieser grinste nur und tätschelte den beiden den Kopf. „Na da bin ich ja erleichtert.“ Er grinste die beiden Geschwister an.
Plötzlich fuhr er hoch. „Scheiße, ich muss schon längst wieder zuhause sein.“ Er sprang auf, schnappte sich seine Jacke und wollte gehen, als er sich wieder an die Kleinen erinnerte. Sie hatten sich nicht von der Stelle gerührt und sahen ihn mit ihren großen Augen an.
Draco seufzte auf und rief den beiden zu. „Morgen wieder?“
Und endlich strahlten die kleinen Kindergesichter wieder. Draco winkte den beiden zu und machte sich auf den Rückweg, als eine kleine Hand ihn zurückhielt. Bevor er sich versah, wurde er von den zwei Wirbelwinden umarmt. Überwältigt ging Draco in die Knie und drückte sie fest an sich.
Melina schluchzte leise auf und auch David wollte Draco gar nicht loslassen. „Ich muss jetzt aber wirklich gehen.“ Flüsterte Draco amüsiert und ließ sie schweren Herzens los.
Er drehte sich noch oft um, einfach nur um die beiden Kinder zu sehen, die ihm winkend hinterher sahen. Sie würden noch viele Mittage zusammen erleben. Glückliche und lustige Mittage.
Und plötzlich schien die Last von Dracos Schultern verschwunden zu sein.
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