
von Aleta
Vorsichtig stand Blaise auf, nahm seinen Zauberstab und ging leise in Richtung Haustür. Ein kurzer Blick auf die Schlafzimmertür versicherte ihm, dass Draco zumindest noch nicht rausgekommen war.
Er stand vor der Tür und überlegte. Aufzumachen wagte er nicht, dafür waren zu viele Leute unterwegs, die Draco und ihn tot sehen wollten.
Plötzlich brach etwas Silbernes durch die Tür. Eine silberne Katze, die ihn anschaute. Blaise starrte zurück und versuchte verzweifelt, einen klaren Gedanken zu fassen. Mit einer Katze, die einfach so durch seine Tür kam, hatte er nicht gerechnet.
Plötzlich fing die Katze auch noch an zu sprechen – Blaise überlegte einen Moment allen Ernstes, ob er jetzt völlig den Verstand verlor, bis er die Stimme erkannte, mit der die Katze sprach. McGonagall!
„Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin kein Todesser, würde aber trotzdem gerne reinkommen. Das Passwort ist frein!“
Erleichtert nickte Blaise und schickte sich an, die Tür zu öffnen. Die Katze löste sich währenddessen auf.
Draußen vor der Tür stand tatsächlich Professor McGonagall, die sich schnell umsah und hastig hereinkam.
Blaise nahm ihr ihren Umhang ab und zeigte ihr den Weg ins Wohnzimmer.
Die Schulleiterin nahm Platz und sah sich suchend um.
„Draco ist bereits im Bett. Kann ich Ihnen etwas anbieten? Tee, Kekse?“ erkundigte sich Blaise.
„Eine Tasse Tee wäre nett. Ich danke Ihnen.
Hatten Sie bisher irgendwelche Probleme?“
Blaise schüttelte den Kopf.
„Nein, alles in Ordnung. Draco geht es momentan eben nicht sehr gut, aber ich glaube, ich kann ihm helfen.“
Er erzählte der Professorin von seiner Idee mit dem Radio und von Dracos Reaktion.
Die nickte zustimmend.
„Das haben Sie gut gemacht. Ich wusste, dass Mr. Malfoy bei Ihnen gut aufgehoben ist.
Jetzt passen Sie auf. Wir müssen die Zeit nutzen, solange Mr. Malfoy schläft, er braucht noch nicht alles jetzt gleich zu erfahren.
Zunächst, ich weiß nicht, ob Sie es noch mitgekriegt haben, muss ich Ihnen erzählen, wie das Gespräch mit Mr. und Mrs. Malfoy verlaufen ist.
Sie waren beide nicht sehr erfreut, dass ihr Sohn nicht zu Ihnen kam, aber soweit es in meiner Macht steht, werde ich das auch nicht wieder zulassen.
Das habe ich den beiden auch gesagt, woraufhin Mr. Malfoy aus seiner Apathie aufgewacht ist und mich anfuhr, was mich das denn anginge. So ging das eine Weile hin und her, unter anderem habe ich ihm auch vorgeworfen, dass er Todesser sei und seinen Sohn ebenfalls dazu gezwungen habe.
Daraufhin wurde er erst richtig wütend, so habe ich ihn noch nie erlebt. Es war mein Glück, dass gerade ein paar Auroren aus der Halle kamen und ihn daraufhin sofort festnahmen. Momentan dürfte er sich also auf dem Weg nach Azkaban befinden und auf seine Anklage warten.
Seine Frau durfte nach Hause, da man ihr momentan noch nichts vorwerfen konnte.
Die letzten Worte der beiden waren, dass sie sich an ihrem Sohn rächen wollten, er hätte sie verraten.
Allerdings sah Mrs Malfoy nicht sehr glücklich damit aus, im Gegenteil. Es wirkte, als hätte sie Angst vor ihrem Mann und könne sich nicht wehren.
Jedenfalls müssen wir Draco beschützen. Auch auf ihn wartet eine Anklage, aber er wird bis dahin auf jeden Fall nicht nach Azkaban kommen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir erreichen können, dass er freigesprochen wird.
Bis dahin muss er aber irgendwo sein, wo ihn niemand findet und wo er sich wohl fühlt. Und da kommen Sie ins Spiel Mr. Zabini.
Wären Sie bereit, Mr. Malfoy bei sich aufzunehmen und zu versuchen, ihm zu helfen? Ich habe den Eindruck, dass Sie die einzige Person sind, bei der er dies zulassen würde.
Bevor Sie jetzt zusagen“, sie hatte Blaise‘ Gesichtsausdruck bemerkt, „muss ich Ihnen erklären, was das für Sie bedeuten würde.
Sie müssten sich bereit erklären, dass wir immense Schutzzauber über dieses Haus legen, was für Sie Einschränkungen bedeuten würden.
Trotzdem kann es jedoch sein, dass Sie beide gefunden werden. Von Todessern. Dass die nicht für ein nettes Kaffeekränzchen kommen, brauche ich Ihnen wohl kaum zu erklären.
Es wäre also eine unbequeme und gefährliche Aufgabe, die Sie übernehmen würden. Überlegen Sie gut, bevor Sie antworten. Mr. Malfoy kann es jetzt nicht gebrauchen, dass sich jemand dazu bereit erklärt, und ihn dann zwei Wochen später im Stich lässt, weil er mit den Einschränkungen und der Gefahr nicht klar kommt.“
Prüfend betrachtete die alte Lehrerin den Jungen ihr gegenüber.
Der sah sie fast schon wütend an und erklärte: „Das müssen Sie mir nicht sagen. Ich bin Dracos einziger Freund, ich kenne ihn seit Jahren, ich glaube sogar, dass ich ihm helfen kann. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der einzige bin, der das kann.
Ich werde ihn nicht im Stich lassen. Mit den Schutzzaubern und auch mit der Gefahr kann ich leben – als Sohn von Todessern, der Hogwarts verteidigte, werde ich ohnehin nicht allzu sicher sein.“
Professor McGonagall nickte. Um ehrlich zu sein, hatte sie nichts anderes erwartet.
„In Ordnung. Ich werde dann in den nächsten Tagen auf Sie zu kommen, wegen den Schutzzaubern. Bis dahin wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie das Haus nur selten verlassen würden und wenn, dann bitte per Kamin. Geht das in Ordnung? Und seien Sie vorsichtig da draußen. Momentan ist noch alles aufgewühlt. Die Leute müssen den Tod von V-Voldemort erst einmal verkraften. Und auch die Tode ihrer Freunde und Familienmitglieder sind nicht so einfach wegzustecken.
Nebenbei muss das Ministerium neu aufgebaut werden, Hogwarts wieder instand gesetzt werden.... Es gibt genug zu tun, aber für Sie beide ist jetzt erst einmal eine Pause angesagt. Versuchen Sie, Mr. Malfoy wieder ein wenig aufzupäppeln. Wenn sie etwas brauchen, schicken Sie mir eine Eule, ich werde mich darum kümmern.
Und wie gesagt, in den nächsten Tagen komme ich nochmal vorbei, allerdings diesmal per Kamin.“
Damit stand sie auf, ebenso wie Blaise, dessen Kopf immer noch ein wenig schwirrte.
Er reichte der alten Dame ihren Umhang und beobachtete sie, wie sie nach dem Verlassen des Hauses apparierte. Dann schloss er vorsichtig die Tür und setzte sich wieder auf sein Sofa.
Kopfschüttelnd überdachte er noch einmal das Gespräch.
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