
von Aleta
Der nächste Morgen fand Blaise auf dem Sofa liegend. Er war vor lauter Nachdenken dort eingeschlafen.
Plötzlich bewegte er sich und wachte langsam auf. Irgendetwas hatte ihn geweckt, aber er wusste nicht mehr, was.
Langsam stand er auf und streckte sich; über Nacht war er völlig steif geworden.
Plötzlich fiel ihm alles wieder ein. Draco war wieder aufgetaucht und lag in seinem Schlafzimmer. Vorsichtig schlich er hinüber und blinzelte hinein.
Draco lag noch im Bett, anscheinend tief am Schlafen. Die Bettdecke war völlig verwühlt und das Kopfkissen lag am anderen Ende des Zimmers und sah aus, als ob es jemand als Sandsack benutzt hätte. Blaise seufzte. Anscheinend hatte Draco nicht den ruhigen Schlaf gehabt, den er so nötig hätte.
Vorsichtig schloss er die Tür wieder und ging erst einmal ins Bad.
Nach dem Duschen begann er das Frühstück vorzubereiten. Es gab alles, was Draco einmal so gerne morgens gegessen hatte: frische, noch ofenwarme Brötchen, herzhaften Schinken und seinen Lieblingskäse; Draco aß morgens nicht gerne süß. Dann gab es noch verschiedenste Obstsorten wie Trauben oder Bananen, und Kürbissaft.
Blaise dankte in Gedanken dem Himmel, dass er vor der Schlacht noch einmal eingekauft hatte und Draco somit ein perfektes Frühstück vorsetzen konnte.
Draco hingegen schlief jetzt endlich einmal ruhig, nachdem er die ganze Nacht entweder gar nicht schlafen konnte, oder solche Alpträume hatte, dass er gleich wieder aufwachte.
Doch plötzlich zog der Duft von frischen Brötchen durchs Zimmer. Draco schüttelte unwillig den Kopf – er musste noch immer träumen, denn wer sollte hier schon frische Brötchen zubereiten? Der Dunkle Lord frühstückte nie, und die anderen Todesser folgten seinem Vorbild.
Er setzte sich auf und schüttelte noch einmal unwillig den Kopf, um die letzten Traumreste zu vertreiben. Doch der Geruch blieb. Verwirrt sah er sich um – wo war er hier?
Langsam kam jedoch seine Erinnerung zurück. Erleichtert und auch ein wenig glücklich legte sich Draco noch einmal hin und überdachte die neue Situation.
Er war frei, er war endlich frei. Der Dunkle Lord war tot, er selber war 17 und durfte deswegen selber entscheiden, wo und wie er lebte.
Dadurch kam er jedoch auf ein anderes Problem. Er hatte kein Geld. Und er bezweifelte stark, dass er zu seinen Eltern gehen und sie darum bitten konnte.
Sein knurrender Magen lenkte ihn jedoch ab und er beschloss, die Lösung dieses Problems auf später zu verschieben und erst einmal dem köstlichen Duft nachzugehen.
Also stand er langsam auf, verließ das Zimmer und versuchte sich zu erinnern, hinter welcher der anderen Türen die Küche lag.
Auf gut Glück probierte er die nächstbeste aus und hatte sogar die richtige gefunden.
Langsam ging er hinein und musste ein bisschen grinsen, als er Blaise beim Frühstück machen sah, denn das war ein Anblick, den es in Hogwarts nie gegeben hätte, alleine schon, damit er nicht das Gesicht vor den anderen verlor. Wozu gab es denn schließlich die Hauselfen?
Plötzlich drehte sein Freund sich um. Ein ehrliches Lächeln breitete sich auf beiden Gesichtern aus. Draco trat einen Schritt vor und umarmte Blaise. Am Tag vorher hatte er noch nicht ganz realisieren können, dass sein Freund wirklich lebte, es war zu viel auf ihn eingestürmt. Doch hier, in der ruhigen Küche, begriff er es so richtig. Und er stellte fest, dass dies der erste Tag in seinem Leben war, an dem er einfach nur glücklich war. Seine Probleme waren erst einmal nebensächlich, es zählte nur noch, dass sie beide lebten und dass der Dunkle Lord tatsächlich tot war.
Langsam löste sich Draco wieder aus der Umarmung und zeigte leicht grinsend auf die Küche.
„Ein Zabini, der Frühstück macht? Wie kommt das denn? Hat dir deine Mutter keine Hauselfen aufgezwungen?“
Blaise lachte. „Sie hat es versucht, aber ich hab jedem Elfen, den sie hierher geschickt hat, die Freiheit gegeben. Nach dem fünften hat sie dann aufgehört, es wurde ihr anscheinend zu teuer.
Es ist einfach meine Wohnung, und ich bin nun einmal Blaise und nicht bloß irgendein verwöhnter Nachfahre der Zabinis.
Aber jetzt setz dich erst einmal und iss, du siehst furchtbar aus. Danach kannst du dann duschen, vielleicht hilft das ja auch noch ein bisschen“, zwinkerte Blaise seinem Freund zu.
Der schnaubte bloß. Er sah also furchtbar aus?
„Blaise, du bist doch nur neidisch, dass ich selbst, wenn ich gerade erst aus dem Bett geklettert bin, noch besser aussehe, als du nach 2 Stunden im Bad“, gab er zurück.
Sein Freund lachte und beförderte Draco auf den nächstbesten Küchenstuhl. Er selbst stellte noch schnell das restliche Essen auf den Tisch und setzte sich dann daneben.
Draco hatte bereits begonnen sich sein Brötchen zu schmieren. Er hatte wirklich Hunger.
Blaise betrachtete den Freund nachdenklich und beschloss, ihn erst einmal in Ruhe frühstücken zu lassen. Er sah wirklich schrecklich aus, das letzte Jahr musste furchtbar gewesen sein für ihn.
Der blonde Slytherin bemerkte seinen Blick und hob fragend die Augenbrauen.
„Gibt es einen besonderen Grund dafür, dass du mich anstarrst, als wäre ich plötzlich ein Hippogreif?“ fragte er herausfordernd.
Blaise grinste erleichtert. Es schien Draco bereits ein wenig besser zu gehen, wenn er schon wieder zu solchen Sprüchen fähig war.
„Nein, ich habe nur überlegt, warum deine Haare heute so rot sind, weißt du? Du siehst aus, als wärst du zum Weasley geworden.“
Draco betrachtete seinen lachenden Freund und überlegte, ob es sich lohnte, dem anderen eine Schüssel an den Kopf zu werfen. Doch dann entschied er, dass es schade um das schöne Essen darin wäre und wandte sich wieder seinem Brötchen zu.
Das restliche Frühstück verlief in einträchtigem Schweigen. Danach verschwand Draco erst einmal unter der Dusche und Blaise räumte mit einem Schnippen seines Zauberstabes den Tisch ab.
Plötzlich klopfte eine Eule an das Küchenfenster. Blaise öffnete verblüfft und die Eule segelte hinein. Würdevoll ließ sie sich mitten auf dem Küchentisch nieder und blickte sich um. Sie schien jemanden zu suchen. Blaise näherte sich ihr, um ihr den Brief abzunehmen, doch sie hackte nach ihm. Verwundert wich er zurück, konnte jedoch noch den Namen auf dem Briefumschlag erkennen. Er war an Draco. Und es beschlich ihn auch schon eine nicht sehr angenehme Ahnung, von wem er sein könnte.
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