
von Aleta
Blaise apparierte vor seine Wohnung und eilte die Treppen hinauf. Er hatte ein ganz und gar ungutes Gefühl, was Draco anging. Hoffentlich machte der jetzt gerade keine Dummheiten.
Schwungvoll öffnete er die Tür und eilte in die Wohnung. Suchend sah er sich um. Im Wohnzimmer entdeckte er Draco, der leichenblass und mit geschlossenen Augen auf dem Sofa lag.
Erschrocken eilte Blaise zu ihm, wobei er seine Einkäufe achtlos auf den Boden fallen ließ. Draco sah friedlich aus, ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen. Aber Blaise hatte genug Tote gesehen in letzter Zeit, um zu erkennen, was Draco getan hatte. ‚Ich hätte ihn nicht alleine vorangehen lassen dürfen! Ich hätte für ihn da sein müssen. Blaise, du verdammter Idiot! Was hast du da nur wieder angerichtet! ‘
Doch für Selbstvorwürfe hatte er keine Zeit. Er wandte schnell einen Zauberspruch an, der dafür gedacht war, Erkrankungen, Vergiftungen oder ähnliches aufzuspüren. Plötzlich erstarrte er. Er kannte den Zauber, den Draco angewandt hatte; einer der vielen Ehemänner seiner Mutter hatte ihn ihm beigebracht. Aber den Gegenfluch hatte dieser Mann vergessen. Seine letzte Hoffnung war nun das Mungos.
Sanft hob er Draco hoch und trug ihn die Treppen hinunter. Vor dem Haus drehte er sich schwungvoll um sich selber und landete vor dem magischen Krankenhaus.
Er eilte hinein und drängelte sich rücksichtslos durch die Schlange vor dem Empfang. Es war ihm alles egal, aber Draco musste gerettet werden.
Er lehnte sich über den Tresen und flüsterte der Empfangshexe zwei Wörter zu. Diese erbleichte und wies ihn an, schnell in den Stock zu gehen und dort nach einem Heiler zu suchen.
Blaise wandte sich ab und eilte dorthin. Zu seiner Erleichterung fand er sofort einen Heiler, der mit seiner Erklärung auch noch etwas anfangen konnte. Auch er kannte also diesen Fluch.
Der Heiler zauberte eine Trage herbei, auf die Draco gelegt wurde. Dann verschwand er in einem angrenzenden Raum und wies Blaise an, ihn jetzt mit Draco allein zu lassen.
Plötzlich unendlich erschöpft, setzte Blaise sich auf einen der Stühle, die im Flur standen und schloss die Augen.
Die Vorwürfe, die er vorhin beiseite gedrängt hatte, kamen nun mit aller Macht zurück. Warum nur war er nicht mitgegangen, warum war er nicht für Draco da gewesen? Er hatte doch gesehen, dass es ihm nicht gut ging.
Doch er musste sich eingestehen, dass er nicht mit so etwas gerechnet hatte. Er hatte geglaubt, dass es Draco in den letzten Tagen wieder besser gegangen war, aber jetzt musste er erkennen, dass es eben noch nicht damit getan war, ein normaleres Leben zu führen. Draco musste die Hölle durchgemacht haben, dass er auf ein paar schiefe Blicke und einen dummen Kommentar so reagierte.
Blaise verbarg sein Gesicht in den Händen. Warum nur, warum war er nicht für Draco da gewesen, als der ihn gebraucht hätte?
Und wo war eigentlich dieser Heiler? So lange konnte der Gegenzauber doch nicht brauchen. Blaise hatte Angst. Angst, dass Draco jetzt doch sterben würde.
Schon einmal hatte er ihn für tot gehalten. Als er nach Dumbledores Tod verschwunden war, und jeder Slytherin wusste, dass er Todesser war, war Blaise sicher gewesen, dass Draco die Bestrafung für sein Versagen nicht überlebt hatte.
Umso überraschter war er am Tag der Großen Schlacht gewesen, als Draco auf einmal vor ihm stand.
Doch er wusste, würde er Draco jetzt zum zweiten Mal verlieren, würde er das nicht verkraften.
Draco war sein bester Freund. Nicht mehr, da war sich Blaise sicher. Aber ihn und Draco verband eine Freundschaft, die weitaus tiefer war als gewöhnlich.
Blaise wusste, dass er der einzige war, vor dem Draco einfach nur er selbst sein konnte. Und gleichzeitig war Draco für ihn ein Halt. Bei ihm konnte Blaise seinen Kummer loswerden, wenn mal wieder einer seiner Stiefväter gestorben war und seine Mutter einen Neuen angeschleppt hatte, der noch unsympathischer war wie der letzte.
Sie vertrauten sich gegenseitig. Egal was auch passierte, sie wussten, der andere würde, wenn es ihm irgendwie möglich war, da sein.
Und jetzt war Blaise nicht da gewesen. Draco hatte ihn gebraucht und er war nicht da.
Mitten in seine Selbstvorwürfe platzte ein anderer Gedanke. Sollte er Narcissa Bescheid sagen? Nein, entschied er. Das konnte er immer noch tun, wenn... Doch diesen Gedanken wollte er nicht zu Ende denken.
Stattdessen fiel ihm ein, dass Professor McGonagall Bescheid wissen sollte. Sie hatte genug für Draco getan, sie hatte es verdient, das zu erfahren.
Doch wie konnte er ihr hier Bescheid sagen? Er wollte sich nicht zu weit von der Tür entfernen, hinter der Draco gerade war.
Zu seinem Glück eilte gerade eine junge Heilerin an ihm vorbei. Er sprang auf und stellte sich ihr in den Weg.
„Entschuldigen Sie, aber können Sie mir sagen, wie ich von hier aus Nachrichten verschicken kann? Am besten, ohne dass ich von hier wegmuss?“
Erstaunt betrachtete die Heilerin den jungen Mann vor ihr, der besorgt und unglücklich aussah.
„Wir haben hier eine kleine Eulerei. Ich bin ohnehin gerade auf dem Weg dorthin, soll ich Ihre Nachricht mitnehmen?“
Blaise nickte erleichtert. Hatte er an diesem verkorksten Tag also doch noch etwas Glück. Schnell kritzelte er eine Nachricht auf einen Fetzen Pergament und gab ihn der jungen Heilerin.
„Danke schön. An McGonagall in Hogwarts, bitte. Vielen Dank!!“
Die junge Frau eilte weiter und er setzte sich wieder hin, den Kopf in den Händen.
Plötzlich bemerkte er, wie vor ihm eine Tür geöffnet wurde. Er hob den Kopf und sah den Heiler, der Draco behandelte. Doch dessen Gesicht war ungewöhnlich ernst, und Blaise‘ Frage nach Draco blieb ihm im Hals stecken.
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