
von Aleta
Besorgt sah Blaise den Heiler an. Was war mit Draco?!
Der Heiler blickte ernst zurück und sagte: „Mr... wie heißen Sie eigentlich?“
„Zabini, Blaise Zabini“, brachte Blaise mühsam heraus. Er hatte Angst, große Angst um Draco.
„Mr. Zabini, Sie haben Ihren Freund noch rechtzeitig zu uns gebracht, um ihn vor dem sofortigen Tod zu retten. Wir konnten den Fluch bremsen, sind uns jedoch nicht sicher, wie es sich weiterhin entwickeln wird. Einen derartigen Fall gab es in der Geschichte des St. Mungos noch nie. Hat Ihr Freund heute oder die letzten Tage etwas erlebt, das ihn sehr aufgewühlt hat?“
Blaise nickte. In knappen Worten beschrieb er die Vorfälle in der Winkelgasse. Doch er musste sich zwingen, sich auf die Worte zu konzentrieren, denn seine Gedanken drehten sich im Kreis. Draco war nicht gestorben – noch nicht?
Der Heiler nickte. „In Ordnung. Also, er ist jetzt erst einmal über den Berg, Sie können ihn wieder nach Hause bringen, wenn...“
Blaise sackte vor Erleichterung auf seinem Stuhl zusammen. Draco würde überleben!
Der Heiler lächelte. Diese jungen Leute...
„Hören Sie bitte weiter zu. Wohnen Sie in der Nähe des Patienten?“
Mühsam riss sich Blaise zusammen. „Er wohnt momentan bei mir“, antwortete er.
Der Heiler nickte erfreut. „Das ist gut. Passen Sie auf! Der Patient – wie heißt er eigentlich?“
„Draco Malfoy.“
„Gut. Also, Mr. Malfoy wird noch ungefähr eine Stunde hier bleiben müssen. Danach kann er mit Ihnen mitgehen, vorausgesetzt, sie kommen in ungefähr einer halben Stunde hierher. Es wird eine Assistenzhexe auf Sie warten, die Ihnen erklären wird, wie Sie sich in nächster Zeit um Mr. Malfoy zu kümmern haben. Einverstanden?“
Etwas verwirrt nickte Blaise. „Ähm... Ist er denn noch nicht vollständig geheilt? Und was genau muss ich machen? Ich habe ja schließlich keine Ausbildung als Heiler.“
„Keine Sorge, Sie werden nichts kompliziertes machen müssen. Genaueres wird Ihnen aber nachher die Assistenzhexe erzählen. Zu Mr. Malfoys Heilung – der Fluch, den er eingesetzt hat, ist uns zwar an sich nicht unbekannt, allerdings kennt hier niemand den genauen Gegenfluch, bzw. es weiß niemand, ob es ihn überhaupt gibt. Wir haben unser Bestes gegeben und da Sie Mr. Malfoy bereits sehr früh hierher gebracht haben, sehen wir gute Chancen auf eine vollständige Heilung. Sicher können wir uns allerdings erst in so ungefähr einem Monat sein. Bis dahin...
So, jetzt muss ich aber zurück an die Arbeit. Ich wünsche Ihnen noch alles Gute. Und vergessen Sie nicht, in einer halben Stunde hier zu sein.“
Blaise nickte. Er bemerkte gar nicht, wie der Heiler den Flur verließ. Seine Gedanken rasten. Oh Draco, was hast du nur gemacht? Woher... ach, ich weiß ja, woher du diesen Fluch kennst. Blaise wurde wütend, als er daran dachte, was Draco in den letzten Jahren hatte durchmachen müssen. Für ihn bestand gar kein Zweifel daran, dass Draco diesen Fluch hätte verwenden sollen, wenn er „erwischt“ worden wäre, damit er nichts ausplaudern könnte.
Er war so in seine Gedanken und seine Wut versunken, dass er gar nicht bemerkte, wie eine ältere Frau den Flur entlang hastete. Erst als sie vor ihm stehen blieb, schaute er auf.
„Wie geht es Mr. Malfoy?“, fragte eine besorgt aussehende Professor McGonagall. Um genau zu sein, hatte Blaise sie noch nie so besorgt erlebt. Was war da bloß los? Draco war ein Slytherin gewesen, den die damalige Hauslehrerin von Gryffindor nie gemocht hatte. Danach wurde er zum Todesser (wenn auch unfreiwillig) und plötzlich setzte McGonagall sich mit einer Macht für ihn ein, die Blaise nur noch verwirrte. Und jetzt war sie besorgt? Lag das wirklich nur daran, dass ihr Draco irgendwo leid tat oder steckte da noch etwas anderes dahinter?
Als die Schulleiterin ungeduldig eine Augenbraue hochzog, schüttelte Blaise diesen Gedanken ab. Er würde später darüber nachdenken, nahm er sich vor.
„Er ist nicht mehr in Lebensgefahr. Ganz genau wissen die Heiler es erst so ungefähr in einem Monat, aber in einer Stunde darf ich ihn mit nach Hause nehmen. Vorher erklärt mir aber noch eine... Assistenzhexe, was ich dann beachten muss.“
Erleichtert atmete die alte Dame ein. „Das ist gut. Wissen Sie, was der Grund für diese Tat war? Und wie hat er es eigentlich angestellt?“
In knappen Worten berichtete Blaise der Professorin, die sich inzwischen hingesetzt hatte, von dem Ausflug in die Winkelgasse, den Begegnungen mit den Kobolden und dem Buchverkäufer und von dem unbekannten Fluch, den Draco angewandt hatte.
Als er geendet hatte, schwieg Professor McGonagall eine ganze Zeit. Schließlich sagte sie: „ Ich hätte nicht gedacht, dass ihm so etwas so zusetzen würde. Ich dachte, er sei auf dem besten Weg, wieder ein ‚normaler‘ Mensch zu werden?“
„Das dachten wir alle – ich glaube sogar, er auch. Aber das war eben nur oberflächlich. Es ist ja auch noch kaum Zeit vergangen, seit...“ Er konnte oder wollte den Satz nicht vollenden.
Doch McGonagall verstand ihn. „Glauben Sie, er wird den Besuch von Hogwarts aushalten? Da wird es vermutlich auch nicht besser werden. Genug Leute wissen, dass er Todesser war. Er wird es nicht sehr leicht haben.“
Blaise schwieg. Daran hatte er noch nicht gedacht. „Das stimmt, Professor. Allerdings glaube ich, dass es auch keine Lösung wäre, ihm einfach zu erlauben, sich zu verkriechen. Irgendwann muss er raus. Und warum dann nicht nach Hogwarts? Da ist er immer noch sicher als an so manchen anderen Orten.“
Nachdenklich nickte die Schulleiterin. Nach ein paar Minuten, in denen jeder von ihnen seinen eigenen Gedanken nachgehängt war, stand sie auf.
„Ich muss zurück nach Hogwarts. Informieren Sie mich über den Zustand von Mr. Malfoy.“
Blaise nickte.
Da er keine Ahnung hatte, wie lange sein Gespräch mit der Professorin gedauert hatte, beschloss er, einfach hier sitzen zu bleiben und auf diese Assistenzhexe zu warten. Lange konnte es ja nicht mehr dauern.
Wieder dachte er darüber nach, warum McGonagall sich so für Draco einsetzte. Was steckte da nur dahinter? Doch er kam einfach nicht drauf.
Von der Professorin wanderten seine Gedanken weiter zu Professor Snape. Er wusste, dass dieser Dracos Pate gewesen war. Draco musste auch mitgekriegt haben, dass er gestorben war. Und dennoch hatte er ihn mit keinem Wort erwähnt, obwohl Blaise wusste, dass er seinen Paten geliebt hatte – auf Malfoysche Art natürlich.
Was musste Draco in der letzten Zeit durchgemacht haben. Wie immer, wenn Blaise über dieses Thema nachdachte, wurde er wütend. Wütend auf Dracos Vater, der seinen Sohn immer und immer wieder gequält hatte und am Schluss zu einem Dasein als Todesser gezwungen hatte.
Auf Dracos Mutter, die ihren Sohn nie verteidigte, die immer zu ihrem Mann stand und jetzt plötzlich von einer Familien-Idylle träumte.
Auf die Welt im Allgemeinen, dass sie so etwas zulassen konnte, aber auch auf Dumbledore, Snape und so viele andere, die Draco beobachtet hatten und gewusst hatten, was da vor sich ging. Und trotzdem hatten sie nicht eingegriffen.
Wieder einmal war Blaise so versunken, dass er die sich nähernde Person erst bemerkte, als sie ihn ansprach.
„Mr. Zabini?“
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