
von Aleta
„Hey, es tut mir leid. Ich weiß nicht, was an meiner Frage so schlimm war, aber ich wollte dich nicht verletzen. Wenn du nicht antworten willst, dann ist das kein Problem. Aber bitte, lass den Tag nicht so enden, ich fand es so schön.“
Astoria klang leise und traurig, aber auch auf eine verunsicherte Art sehr selbstsicher.
Draco blieb immer noch stehen und nahm ihre Worte in sich auf. Es schien, als hätte er sich getäuscht, sie hatte nicht noch einmal nachgefragt, im Gegenteil.
Doch was sollte er ihr jetzt sagen? Denn er fand diesen Tag doch genauso schön wie sie, aber ihre Frage hatte etwas in ihm ausgelöst...
„Ist in Ordnung. Frag einfach nicht mehr, ok?“ Selbst Draco merkte, wie harsch das klang. Das hatte sie nicht verdient.
„Hey“, meinte er nun etwas sanfter. „Wir können ja wieder einmal etwas zusammen machen.“ Doch im selben Moment erschrak er über seinen eigenen Mut und drehte sich, in Erwartung einer Abfuhr zur Tür.
„Ja, gerne. Aber wir haben ja auch gemeinsam Unterricht dieses Jahr. Da sehen wir uns ja auch.“
Dieses Mädchen!, stöhnte Draco in Gedanken. Ihr ‚Ja, gerne‘ hatte wirklich geklungen, als würde sie sich freuen. Und plötzlich redete sie vom Unterricht. Was sollte er denn jetzt davon halten?
„Ich wollte gerade zurück in den Gemeinschaftsraum gehen, kommst du mit? Oder wolltest du einen Brief verschicken?“ redete Astoria schon mitten in seine Gedanken hinein.
„Ja... Ich meine, nein. Das heißt... Ach verflixt!“, stammelte Draco vor sich hin. Musste er sich denn unbedingt vor dem einzigen Menschen, der außer Blaise nett zu ihm war, zum Affen machen?
„Nein, ich muss keinen Brief mehr verschicken und Ja, ich gehe mit in den Gemeinschaftsraum.“ Na also, ging doch. Aber erst, als er fertig war mit Reden, fiel ihm auf, dass er ja gerade erst aus dem Gemeinschaftsraum kam und dort wieder gegangen war, weil er keinen Platz gefunden hatte.
„Aber da ist es ziemlich voll“, warnte er Astoria.
„Mhm...“, machte die Slytherin nachdenklich. „Darauf hab ich jetzt eigentlich nicht so viel Lust. Kennst du einen schönen Ort, wo es ein bisschen ruhiger ist?“
Nachdenklich schaute Draco das Mädchen an. Einen schönen Ort, wo es ein bisschen ruhiger ist, wiederholte er in Gedanken. „Ja, da kenn ich einen. Komm mit.“ Auch wenn er sich nicht so ganz sicher war, ob dieser Raum noch funktionierte. Aber er hoffte es, hoffte es inständig. Dem restlichen Hogwarts merkte man die große Schlacht doch auch nicht mehr an.
Er führte Astoria einmal quer durch Hogwarts, bis hoch in den 7. Stock. Sein Ziel war die Wand gegenüber von dem Wandbehang mit Barnabas dem Bekloppten.
Lächelnd zeigte er auf die Wand. „Hier.“ Über ihren verdutzten Gesichtsausdruck musste er lachen und während sie noch „Auf dem Flur?!“ fragte, ging er schon dreimal auf und ab und wünschte sich einen Ort, an dem sie gemütlich reden konnten, der aber bitte nicht so romantisch aussah.
Er war sich Astorias verwirrtem Gesichtsausdruck durchaus bewusst und wusste, dass er sich grenzenlos blamieren würde, wenn der Raum nicht funktionieren würde.
Doch zu seiner grenzenlosen Erleichterung erschien die so vertraute Tür in der Wand. Immer noch lächelnd öffnete er sie und ließ der nun vollkommen verwirrten Astoria den Vortritt.
Kurz hinter ihr betrat er den Raum und blieb stehen, von seinen Erinnerungen mit einer Wucht erschlagen, die er nicht erwartet hatte.
Und während Astoria verblüfft einen Raum vor sich sah, der einen großen Kamin enthielt, vor dem ein weich aussehendes, gelbes Plüschsofa stand und an dessen Wänden ein paar etwas älter wirkende, aber eine gemütliche Stimmung verbreitende Gemälde hingen, sah Draco ihn so, wie er beim letzten Mal gewesen war, als das Feuer ihn zerstört hatte und Crabbe darin umgekommen war.
Doch gleichzeitig war dies der Tag gewesen, an dem Potter ihn und auch die gesamte Zaubererwelt gerettet hatte. Und an diesem Gedanken klammerte sich Draco fest, brauchte ihn, damit er nicht wieder in dieselbe Verzweiflung zurückfiel wie in der Zeit direkt nach der Schlacht. Es hatte sich alles gedreht an diesem Tag, aber zum Besseren, eindeutig. Und außerdem – er war gerade mit einem hübschen Mädchen, das ihn anscheinend doch irgendwie mochte im Raum der Wünsche! Das war ihm noch vor zwei Monaten als perfekter Traum erschienen, auch wenn die Realität jetzt doch noch ein wenig anders aussah, immerhin hatte er nicht vor, mit ihr zu...
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