
von Selena
Es war mal wieder ein Treffen des Ordens. Alle waren da und hörten sich mit ernsten Mienen die neusten Ereignisse an. Alle bis auf – Tonks. Severus Snape seufzte auf und sah auf seine Uhr. Konnte diese Frau nicht einmal pünktlich sein? Wahrscheinlich hatte sie das Treffen vergessen, was nicht selten vorkam.
Ein lautes Klopfen unterbrach seine Gedanken. Kingsley, der gerade seinen Bericht vorgetragen hatte, sah äußerst entrüstet aus und die Köpfe aller Ordensmitglieder fuhren herum. Ein knallrosa Haarschopf erschien und alle seufzten erleichtert auf. „Tonks, setz dich.“ Sagte Kingsley ernst, was diese mit einem verlegenen Grinsen beantwortete. „Habs vergessen. Sorry.“ Severus unterdrückte ein Grinsen, da Tonks sich einen Moment später neben ihn setzte. „Hallo Severus.“ Begrüßte sie ihn freundlich und wandte sich dann Kingsley zu, ebenso wie Severus.
Nach ein paar Sekunden ungewöhnlicher Stille für Tonks tippte sie ihrem Nachbar auf die Schulter. „Über was redet er gerade?“ Severus schenkte ihr ein seltenes Lächeln seinerseits und begann sie dann im Flüsterton über das bisher geschehen zu informieren. Tonks rutschte automatisch näher heran, aber es störte Severus nicht. Den beiden war nicht aufgefallen, wie still es im Raum geworden war und erst als Kingsley leise hüstelte, drehten sich der rosa und der schwarze Haarschopf zu ihm um. „Severus, Tonks. Wenn ihr etwas zu klären habt, solltet ihr das vielleicht draußen tun.“ Verlegen sah Tonks auf den Boden, während Severus Kingsley fest in die Augen sah. „Das werden wir machen.“ Meinte er dann zur Überraschung aller, griff nach Tonks Hand und zog sie unter den völlig verblüfften Gesichter aus dem Raum. Die Tür schlug hinter ihnen zu und Tonks sah den Schwarzhaarigen fragend an.
„Wir haben was zu klären?“ Amüsiert schüttelte Severus den Kopf. „Da drinnen war es einfach stinklangweilig.“ Nun erwiderte Tonks sein Lächeln und lehnte sich an die kalte und modrige Wand des Black Hauses. „Und was sollen wir jetzt deiner Meinung nach die restliche Zeit tun?“ Über Severus Gesicht huschte ein geheimnisvolles Lächeln. „Wir diskutieren unseren Streit aus.“ Sagte er ruhig und völlig ernst. Tonks brauchte nicht lange um zu begreifen, was er meinte. Sie musste lachen, was aber sofort von Severus Hand auf ihrem Mund erstickt wurde. „Wir müssen doch überzeugend sein.“ Meinte er mit einem kleinen Zwinkern und sagte dann mit lauterer Stimme:
„Ich weiß nicht was du meinst, Tonks.“ Tonks, die den Mund wieder frei hatte, schlug sofort zurück. „Das kannst du doch nicht ernst meinen. Wir haben miteinander geschlafen und jetzt willst du nichts mehr von mir wissen?!!“ Überrascht zog Severus die Augenbrauen hoch, aber ihm gefiel die Idee. „Du glaubst doch etwa nicht, dass du die einzige bist!“ Inzwischen war es in dem Raum hinter ihnen still geworden. „Du bist so ein Arschloch!“ Tonks schlug in ihre Hand, damit es sich nach einer Ohrfeige anhörte. Die Tür zum Versammlungsraum flog auf. Der ganze Orden hatte sich vor der Tür versammelt und starrte sie neugierig. Einzig Kingsley war sauer. „Tonks! Snape! Könnt ihr eure Privatangelegenheiten nicht woanders klären?“
„Nicht nötig!“ Erwiderten beide gleichzeitig, warfen sich einen überzeugenden hasserfüllten Blick zu und verschwanden dann durch zwei verschiedene Ausgänge. Kopfschüttelnd sah ihnen Kingsley hinterher und klatschte in die Hände. „Also los, lasst uns weitermachen.“ Und alle Beteiligten verzogen sich murrend wieder auf ihre Plätze.
Tonks fand Severus in der Küche und setzte sich immer noch lachend neben ihn. „Wie kommen wir aus der Sache nur wieder raus?“ Sie nahm sich einen Keks und sah ihrem gegenüber in die Augen. „Das hat Spaß gemacht.“ Stellte sie fest und lächelte Severus an, bevor sie sich mit ihrem Keks beschäftigte. Aber Severus konnte den Blick nicht abwenden. Es hatte Spaß gemacht – sogar ihm. „Wir könnten sie ja ein paar Tage in dem Glauben lassen.“
Überrascht flog Tonks Kopf herum. So eine Reaktion hatte sie nicht erwartet. „Du überraschst mich immer wieder.“ „Kann ich nur zurückgeben.“ Stille entstand, bis Tonks begriff, warum er sie so wartend ansah.
„Von mir aus.“ Erwiderte sie zögerlich, grinste dann aber und streckte Severus die Hand entgegen. Er schlug ein und lehnte sich dann genüsslich zurück. „Ich bin dann mal weg, mich abreagieren. Du kannst ja ein bisschen heulen.“ Beleidigt streckte Tonks ihm die Zunge raus, was ihn aber nur noch mehr grinsen ließ. Severus stand auf, beugte sich allerdings noch einmal vor und sah Tonks fest in die Augen.
„Bis heute Abend, Geliebte.“ Sie bewarf ihn mit einem ihrer Kekse, was ihn dann schnell die Flucht ergreifen ließ.
Das Abendessen verlief ganz nach dem Geschmack der beiden. Ständig schwankten die Blicke aller zwischen Tonks und Severus hin und her, keiner traute sich jedoch die beiden darauf anzusprechen. Tonks hatte sich mit Zwiebelschneiden Tränen in die Augen getrieben, bei Severus reichte schon sein gewöhnlicher mürrischer Gesichtsausdruck. Sie vermieden jeglichen Augenkontakt, aber nur damit sie nicht plötzlich loslachen mussten. Selbst Kingsley beobachtete die beiden besorgt und hielt am Ende des Essens sogar eine kleine Rede.
„Es ist eine Zeit, in der wir alle zusammenhalten müssen. Unser Feind möchte uns auseinander bringen, aber das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen unsere Kräfte sammeln und ihm geschlossen entgegentreten. Wir brauchen jeden einzelnen von euch, also bitte kämpft. Kämpft für euer Glück.“
Kingsleys Worte hatten sie alle nachdenklich gestimmt. Tonks wollte nicht schlafen gehen, schnappte sich eine Decke und machte es sich im Garten des Hauses gemütlich. Es war das einzig nicht schimmelnde in diesem Haus und hatte einen wunderschönen Ausblick auf freie Felder. Sie setzte sich auf eine Affenschaukel, breitete die Decke aus und beobachtete den Mond, hörte die Stille und dachte über Kingsleys Worte nach. Sie schreckte erst hoch, als sich jemand neben sie setzte.
„Auch noch wach?“ Tonks lächelte dem Nachtschwärmer entgegen. „Ich liebe die Nacht.“ Sagte sie als Erklärung und sah dann wieder an den wolkenlosen Himmel. „Ich auch.“ Antwortete Severus leise. Eine Weile herrschte Stille, die aber nicht unangenehm war. Tonks Kopf sank auf Severus Schulter und sie gähnte herzhaft.
Amüsiert sah Severus auf die junge Frau hinab, die sich nun an ihn kuschelte. Ihre Augen schlossen sich und Sekunden später war sie eingeschlafen.
Ihr friedliches Gesicht hielt ihn davon ab, sie zu wecken, aber nicht davon sie näher zu betrachten. Sanft berührte er ihre Wange. Eine Haarsträhne hing ihr ins Gesicht, Severus steckte sie hinter ihr Ohr. Dann wandte er sich seufzend ab, zog aber seine Schulter nicht weg. Ihre Finger krallten sich in seinen Umhang, sanft löste er den Griff, was nur dazu führte, dass sie nun seine Hände umklammerte. Nach einigen halbherzigen Versuchen ließ er sie gewähren und lehnte seinen Kopf gegen die Eisenstange der Schaukel. Auch seine Augen flogen zu.
Die beiden wurden nicht von den Sonnenstrahlen geweckt, sondern von Sarah, die Freude kreischend die anderen zusammenrief. „Sie haben sich versöhnt! Los, kommt schon!“ Tonks öffnete die Augen, schloss sie aber gleich wieder. Sie schmiegte sich an den wärmenden Körper neben ihr und zog fröstelnd die Decke ein wenig höher. Plötzlich waren ihre Augen auf und sie sah erschreckt auf den schlafenden Severus, an dessen Schulter sie geschlafen hatte. Sie lächelte und streckte eine Hand aus, um ihn zu wecken, bevor Sarah noch das ganze Haus zusammenschreien würde.
„Severus.“ Sagte sie leise, was ihn tatsächlich weckte. Im Gegensatz zu ihr wusste er sofort, was los war und rappelte sich hoch. Inzwischen hatte sich bei Sarah fast der ganze Orden versammelt. „Denken die etwa, dass wir sie nicht sehen?“ knurrte Severus wütend, während Tonks nur ein Lächeln unterdrückte. Sie wollte ihre linke Hand heben, aber eine andere hielt sie bereits umklammert. Tonks sah ebenso überrascht wie Severus auf ihre ineinander verschlungenen Hände.
„Scheint wohl so, als hätte unser kleiner Streich ein wenig zu gut gewirkt.“ Tonks deutete zu dem Orden hinüber, aber Severus sah sie nur unverwandt an. Unsicher sah Tonks in seine schwarzen Augen. „Habe ich etwas im Gesicht?“ Severus schüttelte den Kopf und sagte leise, wie zu sich selbst
„Was solls.“ Mit diesen Worten zog er Tonks zu sich heran und presste seine Lippen sanft auf ihre. Die Jubelschreie hinter ihnen bekamen sie gar nicht mit. Tonks legte ihre Hände in Severus Nacken und zog ihn näher zu sich heran. Sie spürte die Wärme seiner Hand auf ihrer Taille, die andere in ihren Haaren. Sie lächelte in den Kuss hinein und ließ sich gegen die kalten Eisenstangen pressen. Sie hätten wohl ewig so weitergemacht, wenn da nicht eine Stimme gewesen wäre, die wohl immer nur empört klingen würde. „Tonks“ Severus“ Könnt ihr das nicht irgendwo anders machen?“ Kingsley.
Tonks beendete den Kuss, lehnte ihre Stirn gegen Severus. Jeder spürte das Lächeln des anderen. Sie löste die Hand in seinem Nacken, ergriff stattdessen seine Hand. „Sieht so aus, als hätten wir uns versöhnt.“ Severus lachte leise auf. Er strich mit seinem Daumen sanft über Tonks Handrücken. „Scheint so.“
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