
von Freaky-Angel
Soundtrack: http://www.youtube.com/watch?v=m7KqpkAjf-4&
Kapitel 8 - Gefühlsausbrüche
„Ich muss den Zungen-Fessel-Fluch lösen“, sagte Hermine erschöpft. Sie hatte sich zunächsteinmal in einen der Sessel gesetzt, den Kopf in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen. Sie war unendlich müde.
„Ist das dein einziges Problem?“, fragte Draco und schnaubte.
„Nein ist es durchaus nicht“, murmelte Hermine. „Ich muss gleich nach Hogwarts, um Sieben werde ich Katie, Blaise und Flint von Kings Cross abholen, meine Freunde halten haben mir klar gemacht, dass sie meine loyalität nicht verstehen. Und mein Freund“, Hermine spuckte die letzten beiden Worte förmlich aus. „Mein Freund wirft mir vor mit dir eine Affäre zu haben!“
„WAS?“, Draco starrte sie entsetzt an, als Draco und Sirius fast gleichzeitig anfingen laut los zu lachen. Hermine blickte die beiden wütend an.
„Das ist NICHT lustig“, knurrte sie.
„Oh doch, das ist es durchaus“, grinste Draco und schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe zwar mitbekommen, was im Propheten geschrieben wurde, aber die Tatsache, dass Weasley daran glaubt, macht es wirklich noch amüsanter.“
„Halt die Schnauze, Malfoy!“, fuhr sie ihn. „Du bist doch an diesem ganzen Disaster Schuld.“
„Huh?“ Draco blickte sie an. „Was sagtest du?“
„Du hast schon verstanden!“, knurrte Hermine. „Wenn du anwesend gewesen wärst, als ich in die Besprechung geplatzt bin, dann hätte ich dich vermutlich eigenhändig umgebracht!“ Draco runzelte die Stirn.
„Es... es ist als wäre alles umsonst gewesen. Alles wofür ich gekämpft haben. Alles was ich aufgegeben habe...ich...“ Sie stockte.
„Ich habe dem Minister bereits gesagt, dass es kein Problem sein dürfte, wenn wir uns hier treffen, um zu arbeiten“, wechselte sie schlagartig das Thema. „Das heißt, dass wir vorsichtig sein müssen!“, sagte sie langsam und blickte Sirius, James, Remus und Severus nacheinander durchdringlich an. „Ich tue das ungern, aber zu eurer eigenen Sicherheit wäre es besser wenn ihr tagsüber nur in den oberen Räumen des Hauses unterwegs seid.“ Sei blickte zu Sirius: „Ich will euch nicht einsperren, aber... es ist das Sicherste.“
„Kommst du vorerst alleine klar?“, fragte Draco. Hermine sah ihn verständnislos an, dann nickte sie.
„Ich muss ohnehin erstmal schauen was los ist. Ich habe seit ein paar Tagen keine Tagespropheten mehr gelesen!“, erklärte sie.
„Ich habe dir den Propheten von gestern Abend und den von heute Morgen in dein Zimmer gelegt!“, sagte Draco. Sie nickte ihm dankend zu. Draco verließ das Wohnzimmer.
„Haben wir dir sehr viele Probleme bereitet, Hermine?“, fragte Remus vorsichtig. Hermine lehnte sich tief in ihren Sessel zurück.
„Oh nein, es ist nicht wegen euch. Mein Leben fällt nur gerade völiig auseinander“, sagte sie trocken. Sie blickte in Sirius Richtung. „Es ist als hätte all das was ich getan habe keinen Sinn mehr. Als wäre alles umsonst gewesen!“ Remus beobachtete die ehemalige Gryffindor genau.
„Ich muss meine Sachen sortieren“, sagte Hermine schnell und verließ den Raum Fluchtartig. Sie stieg die Treppen hinab und sortierte die Sachen in ihren Karton.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“ James lehnte im Türrahmen und beobachtete jede ihrer Bewegungen.
„Ich kann dir schlecht sagen: Ließ den Tagespropheten und sag mir was wichtiges drin steht. Wenn ihr nichts wissen sollt, also Nein!“, antwortete Hermine und atmete tief die Luft ein.
„Hast du dann wenigstens ein paar Minuten Zeit, sodass wir uns unterhalten können?“, fragte er. Sie blickte ihn direkt an, dann seuftzte sie.
„Nun gut. Aber nur kurz. Auch wenn ich jetzt tagsüber hier sein werde: Ich muss noch arbeiten!“
James nickte: „Lass mich das für dich tragen“, verlangte er und nahm ihr den Karton ab. Er trug ihn für sie in den zweiten Stock hinauf. Auf ihrem Bett stellte er ihn ab. Er schloss die Tür hinter ihnen und setzte sich daneben.
Hermine säuberten den alten Schreibtisch mit Hilfe eines Zaubers von Staub und Spinnenweben, dann nahm sie die Sachen, die sie am Morgen bevor sie ins Ministerium gegangen war, auf dem Bett abgestellt hatte und setzte ihn auf dem Schreibtisch ab.
„Er liebt dich, Hermine“, meinte James und Hermine hielt in der ihrer Bewegung inne. Sie schloss die Augen. Darüber wollte er reden. „Er hat dir noch nachgerufen, als du heute Morgen gegangen bist“, sagte er.
Hermine nickte langsam: „Ich weiß. Ich habe ihn gehört.“
„Ich weiß, du willst nicht mit uns über all diese Dinge sprechen die in dieser Zeit geschehen, aber...“
„Es ist nicht so, dass ich es nicht will, aber ich kann und draf es nicht, James“, entrüstete sich Hermine. Sie wandte sich ihm zu. „Wenn ich könnte... wenn... es alles anders wäre, dann würde ich mit euch reden.“
„Dann rede über die Dinge, über die du reden kannst. Es tut uns weh zu sehen, wie du ständig mit deinem eigenen Verstand ringst!“ James sah sie flehend an.
Doch Hermine schüttelte mit dem Kopf: „Tue mir den Gefallen und geh jetzt, James!“ Sie wandte sich von James ab. Sie vernahm sein seuftzen. Doch sie drehte sich nicht wieder um. Ihre Kleidung legte sie im Schrank ab.
Das erste was ihr ins Auge stach, als sie den Karton mit den Sachen aus dem Ministerium öffnete, war eine rote Mappe mit der Aufschrigt Sirius Black. Sie blinzelte mehrmals. Sie glaubte sich zu irren, doch es war die Akte des Falls Sirius Black. Wie kam die hier rein? Mit zitterigen Händen hielt sie die Mappe fest. Mit zitterigen Finger klappte sie den Umschlag auf und starrte die Bilder an, die ihr entgegen blickten und ihr zuwanken. Ihr schnürte es die Kehle zu. Auf dem einen Bild war er gerade achtzehn. Es war das Bild seiner Bewerbung zum Auror. Unfassbar wie lange es her war. Bedächtig fuhr Hermine die Umrisse der Gestallt nach und spürte innerlich eine Sehnsucht, die sie unzählige Monate verdrängt hatte.
Hastig klappte sie die Mappe wieder zu und wünschte sich, sie hätte diese Mappe niemals geöffnet. In ihrem Kopf drehten sich alle Gedanken. Sie war mit Ron zusammen. Sie liebte Ron, dessen war sie sich noch vor 24 Stunden sicher gewesen. Aber was war jetzt? Gefühle konnte man nicht abschalten. Nicht von jetzt auf gleich. Das musste sie sich nun selber unweigerlich eingestehen, denn die Gefühle für Sirius hatte sie genauso wenig einfach abschalten können, wie die für Ron, die sie jetzt, nach all dem was gerade eben passiert war, noch für ihn besaß. Es war verrückt. Nach all dem, was Ron ihr vorgeworfen hatte. Er hatte an ihrem Vertrauen geweifelt. Wie konnte er das? Wie konnte er an ihrem Vertrauen zweifeln? Nach allem was geschehen war? Nach allem, was sie durch gemacht hatten. Wenigstens als ihr bester Freund, hätte er doch sehen müssen, dass sie die Wahrheit sagte.
Aber selbst Harry hatte ihr nicht mehr vertraut. Hermine kam sich so gedemütigt vor. Was würde Ginny sagen? Was Luna? Was dachte wohl Molly Weasley von ihr? Was Arthur? Was dachte George? Sie waren ihre Familie? Sie hatte doch niemanden mehr! Ihre Eltern hatte sie nicht finden können! Sie war alleine. Und nun ließ die Familie, die ihr geblieben war, sie allein?
Hermine schloss die Augen und glaubte zum ersten Mal in ihrem Leben Sirius' Gefühle, die er nach Janes Tod in der Vergangenheit, gehabt haben musste, nach empfinden zu können. Sie stand auf und trat langsam aus dem Zimmer. Sie steuerte die Treppe nach oben an und stieg die Stufen empor. Vor Sirius' Zimmertür blieb sie stehen und klopfte an. Sie erhielt keine Antwort und blickte durch einen schmalen Spalt in das Zimmer. Sirius lag auf seinem Bett und hielt etwas in seinen Händen. Er versteckte es vor ihr, als er sie sah und sah sie fragend an.
„Hast du kurz Zeit?“, fragte sie vorsichtig. Sie fühlte sich unwohl. Sie wollte mit ihm reden, doch aus irgendeinem Grund konnte sie nicht. Er würde sie nicht verstehen. Warum sollte er? Warum sollte er ihr entschuldigen, dass sie sich so unfair verhalten hatte? Warum? Wieso hatte sie ihn so angefahren? Das war nicht das, was Sirius verdiente. Er verdiente mehr. Er verdiente so viel mehr, als sie ihm je geben konnte. Sie konnte ihm die Freiheit nicht schenken. Er hoffte auf etwas, das nicht sein konnte. Ob Sirius wusste, dass sie genauso hoffte?
Vor ein paar Jahren hatte sie gehofft. Jeden Tag und jede Nacht. Hermine hatte in dem Gespräch, das sie mit Draco geführt hatte, ihn angefleht zurück zu dürfen. In den Briefen an Remus hatte sie das niemals gewagt. Wie hätte sie auch, wo sie doch genau wusstem wie sehr auch Remus unter der Sache gelitten hatte.
„Es wird dir leichter fallen, wenn du es einfach vergisst. Hass mich dafür, doch du bist es nicht wert, dass du dein Leben für einen Toten wegwirfst“, hatte Draco zu ihr gesagt, bevor er sie im Krankenflügel alleine gelassen hatte.
„Du bist in Gedanken“, bemerkte Sirius sanft und setzte sich an seine Bettkante. Hermine stand immer noch im Türrahmen. Sie blickte ihn an. Es war ihr, als wäre das hier der erste Augenblick seit seines Auftauchens, dass sie die Chance hatte in wirklich anzuschauen. Er war älter geworden. Seine Haare trug er ein wenig länger. Sie vermutete, dass er sich nicht darum kümmerte. Ein wenig sah er verwahrlost aus, doch Hermine wusste, dass er es nicht war. Er war immer noch Sirius. So wie sie ihn kennen gelernt hatte. So wie sie ihn richtig kennengelernt hatte.
Mit langsamen Schritten kam sie auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Zu seiner Überraschung lehnte sie ihren Kopf trostlos gegen seine Schulter. Er war bei ihr. Es ging ihr auf irgendeine merkwürdige weise sofort ein wenig besser. Sie war nicht allein. Sie sagte nichts. Sie genoss es bei ihm sein zu können und er legte beschützend den Arm um sie. Er würde auf sie aufpassen. Jeden Tag, jede Stunde, die sie ihm schenkte.
„Du hast gesagt, es wäre alles umsonst gewesen?“, stellte Sirius fragend fest. Er fielt sie weiterhin fest und zog sie näher an sich. Mit seiner freien Hand drehte er ihren Kopf zu sich. Sie musste ihn ansehen. Er blickte sie direkt an und sie hatte keine Chance seinen warmen Augen auszuweichen. Sein Blick bedeutete ihr keine Erwartungen. Er wollte einfach für sie da sein.
„Nichts kann umsonst gewesen sein. Nichts ist jemals umsonst, Hermine!“, sagte er eindringlich und strich mit seiner Hand langsam über ihre Wange. Seine weiche Haut war ihr so vertraut. So bekannt und doch irgendwie fremd, weil sie sie solange nicht gespürt hatte.
Hermine erzitterte. Ihre Stimme zitterte während sie sprach: „Nach all dem was heute Morgen passiert ist, ist es umsonst gewesen!“, flüsterte sie bedächtig und senkte die Augenlider. Er war alles. Er konnte sie nicht verstehen.
Sirius strich ihre Wangenknochen entlang bis in ihren Nacken und wieder zurück. Es war beruhigend seine tanzenden Fingerspitzen zu spüren. Hermine seuftzte und kniff die Augen zusammen, als wollte sie aus diesem Traum nie wieder aufwachen. Als würde sie aufwachen, wenn sie die Augen wieder öffnete.
„Es war ein langer Kampf mit dem Abschied fertig zu werden“, sagte Hermine langsam und mit brüchiger Stimme. „Ich habe jeden Tag gehofft, jede Minute, dass es einen Weg zurück zu dir gibt, aber den gab es nicht.“ Sie atmete die Luft hörbar schwer aus und blickte ihn wieder direkt an. „Es gab kein zurück. Nicht für mich. Nicht in diesem Krieg. Ich habe alles für diesen Krieg gegeben. Alles um das Leben meiner Freunde zu schützen und ihnen bei zu stehen. Ich habe mich damals von meinen Eltern getrennt, Sirius. Sie sind Muggel. Sie hätten keine Chance gehabt und ich habe ihr Gedächtnis manipuliert.“
Sirius strich ihr beruhigend weiter über die Wangen. Er wagte es nicht, sie zu unterbrechen.
„Sie sind nach Australien ausgewandert in dem Glauben keine Kinder zu haben. Nach dem Krieg habe ich sie nie wieder gesehen.“ Einzelne Tränen suchten sich ihren Weg über ihre Wangen.
„Ich habe euch zurück gelassen!“, sagte sie unter Tränen. „Ich war so glücklich bei euch und habe euch zurück gelassen, weil meine Freunde mich brauchten und jetzt ist ihnen mein Wort ein Dreck Wert. Ich kann nicht verstehen, warum sie so an mir zweifeln können, wo wir zusammen in diesem Krieg gekämpft haben... als... als ist das alles nichts mehr...“, doch Hermine konnte nicht aussprechen, denn Sirius hatte sie an sich gezogen und sie schluchzte gegen seine Schulter. Er war da! Er passte auf sie auf.
Sirius drückte sie an sich und wiegte sie langsam hin und her. Dabei hatte er seinen Kopf auf ihrer Schulter abgelegt und sie spürte seinen Atem an ihrem Ohr. Sein warmer Atem. Hermine schloss die Augen und wünschte sich die Welt würde jetzt in diesem Moment stehen bleiben. Für immer. Zumindest sollte die Zeit ihnen die Chance geben einen Weg zu finden. Irgendeinen, möge er noch so schwer sein.
„Ich liebe dich immer noch, Sirius“, hauchte Hermine benommen. Sie drückte sich von ihm weg. Nun war es sie, die ihre Hände an sein Gesicht hob und über seine Wangen strich. Sie strich sein dunkles Haar aus dem Gesicht und zog mit den Fingerspitzen seine Gesichtszüge nach.
„Gefühle kann man nicht abschalten, wie man eine Kerze ausblasen kann“, flüsterte sie. Sie fing seinen Blick ein. „Ich habe es die letzten Jahre geschafft all das was zwischen uns war zu verdrängen.“ Sirius öffnete den Mund. Er wollte endlich wieder etwas sagen, doch Hermine legte den Finger an seine Lippen und schüttelte mit dem Kopf. Ein sanftes Lächeln zierte ihre Mundwinkel.
„Nicht jetzt!“, wisperte sie. „Ich weiß noch nicht genau, wo meine Gefühle mich hinbringen. Im Augenblick läuft alles durcheinander, aber... ich wollte dass du das weißt, Sirius. Du hast es nicht verdient, im ungewissen gelassen zu werden.“ Sie beugte sich zu ihm vor und gab ihmeinen sanften Kuss auf die Wange.
Es war als würden an ihrer Lippe etwas explodieren. Es war wie ein Stromschlag. Danach stand sie auf. Ohne sich umzudrehen verließ sie das Zimmer. Er ertrug es nicht noch länger in seiner Nähe zu sein. Es erschlug sie. Sie brauchte Abstand, jetzt sofort. Sie würde noch in der nächsten Viertelstunde nach Hogwarts aufbrechen. Ein Gespräch mit McGonagall würde sie ablenken, da war sie sicher. Mit schnellen Schritten lief sie die Treppe wieder hinab und suchte dann in ihrem Zimmer ihre Sachen zusammen.
„WARTE!“, hörte Hermine den lauten Ruf durch das Haus. Gerade als sie alles beisammen hatte, riss Sirius die Zimmertür auf und starrte sie entsetzt an: „Du kannst jetzt nicht gehen!“, erklärte er fest. „Nicht nach gerade. Du kannst das unmöglich ernst meinen und dann verschwinden.“
Hermine erstarrte. Mit einer langsamen Bewegung drehte sie sich zu ihm um: „Willst du sagen, du hältst mich auch für eine Lügnerin?“, fragte sie entsetzt.
Sirius stand sofort bei ihr und nahm ihr Gesicht in beide Hände: „Ich könnte es niemals auch nur wagen, soetwas zu denken, Hermine!“
Hermine. Es war unglaublich ihn ihren Namen so sprechen zu hören. Sie atmete tief durch und blickte ihn dann entschlossen an.
„Ich bin bald zurück. Ich muss nach Hogwarts.“ Hermine strich nochmals über seine Wange, dann griff sie nach ihrem Umhang und verließ den Grimmauld Place. Direkt vor der Haustür apparierte sie zum Bahnhof Kings Cross.
~°~
„Hey!“ Hermine zuckte erschrocken in sich zusammen und wirbelte herum. Auf dem vereisten Banhsteig kam sie ins schleudern und rutschte völlig überrumpelt in Dracos Arme. Draco fing sie lachend auf und Hermine klammerte sich in seinen Umhang, bis sie halt unter ihren Füßen hatte.
„Immer langsam!“, erklärte Draco lachend.
„Du, du...“ Hermine erhob drohend den Finger, doch kam dann wieder ins rutschen und krallte sich sofort wieder lachend an Draco. „Arg, lach nicht! Du weißt genau wie Schreckhaft ich bin“, knurrte sie ihn aufgebracht an. Draco konnte, wenn er wollte, und er wollte oft, ein Arschloch sein. Einfach Slytherin. Manchmal war es Dracos sehr direkt Art, die Hermine mochte. Er redete nicht groß um den Brei herum und brachte es auf den Punkt.
„Gerade deswegen ja!“, erklärte er lachend und nahm ihre Hand um sie vom Bahnsteig zu bringen, denn auch er war nicht sehr begabt, was das Laufen auf Eis anging. „Sonst wird uns doch irgendwann langweilig. Das wollen wir doch nicht, oder?“, grinsend verfolgte er ihr Minenspiel.
„Du bist unmöglich, Malfoy“, knurrte Hermine.
Dracos Lachen wurde lauter: „Du wirst mich gleich noch viel schlimmer finden!“ Hermine blickte ihn verständnislos an. Doch Dracos Grinsen wurde breiter und nahm ein Ausmaß an, dass Hermine nicht erdacht hätte.
„Ich werde beschattet“, flüsterte er ihr zu. „Kingsley hat mich darüber informiert und hat die Auroren eigens damit beauftragt. Das kommt bei der Presse immer besser an, wenn man unter verdacht stehende Personen beschatten lässt. Im übrigen müssten sich hier auch irgendwo ganz sicher Leute vom Tagespropheten aufhalten. Hogsmaede ist ja auch nicht weit weg und...“
„Du... du... dafür fällt mir schin kein Begriff mehr ein. MALFOY“, entfuhr es Hermine aufgebracht und als sie den Kiesweg zum Schloss erreichten, löste sich Hermine von seinem Arm. Eigentlich riss sie sich los. Sie wandte ihm den Rücken zu und ging geraden Schrittes in Richtung des Schlosses.
„Hermine!“, rief Draco ihr laut nach. „Ach komm schon, Hermine. Sei kein Spielverderber“, beschwerte er sich. Er brauchte nur wenige Schritte, da hatte er sie eingeholt. „Das kann doch echt witzig werden. Ich stelle mir gerade Weasley vor, wie er vor Wut noch röter wird, als seine Haare. Und dabei stimmt es noch nicht mal. Es ist doch vollkommen naiv zu glauben, dass wir zwei wirklich etwas miteinander hätten.“
„Ach ja?“, bluffte Hermine ihn an und blieb wütend stehen. Sie wandte sich ihm zu und blickte ihn gefährlich an. Jeden Augenblick könnte eine schneidenen Bemerkung folgen, wie man sie sonst nur von Draco erwarten würde.
„Dann ist Ron vielleicht ein bisschen naiv!“, fuhr sie ihn laut an. „Aber Ron ist mein Freund. Wir sind zusammen, Malfoy. Und ich liebe ihn. Und dieser ganze Scheiß, der im Augenblick passiert, macht alles kaputt. Einfach alles. Und eventuell kannst du verstehen, dass ich gerade absolut nicht zu solchen Scherzen aufgelegt bin!“
„Jemand den man liebt, hat es nicht verdient, dass man ihm so wehtut“, erklärte Draco langsam und ehrfürchtig. „Du hast das nicht verdient!“, fügte er mit gesenkert Stimme hinzu. „Wie kannst du sagen, dass du das Wiesel, nach all dem was vor nicht mal einer ganzen Stunden passiert ist, noch liebst? Hast du keinen Respekt vor dir selbst? Bist du dir denn selber gar nichts Wert?“
Hermine schluckte. Wie sollte sie das erklären? Ron war für sie dagwesen, als dieser ganze Apltraum mit den Zeitreisen ein Ende gefunden hatte. Der Alptraum war natürlich nicht die Zeit mit Sirius gewesen, sondern die Zeit danach. Die Zeit der Trennung und Ron hatte sie beschützt und war ohne irgendwelche Fragen immer für sie dagewesen. Er hatte sie nach dem Krieg in den Armen gehalten und ihr nachts beruhigend über die Haare gestrichen, wenn sie einen Alptraum gehabt hatte. Ron war es gewesen.
„Das kannst du nicht verstehen, Dray“, meinte sie leise und blickte ihn flehend an nicht weiter danach zu fragen. Doch Draco schien von dieser Antwort alles andere als begeistert.
„Oh, natürlich! Schließlich bin ich Malfoy. Zu solchen Gedankengängen fehlt es mir an Einfühlungsvermögen und Kompetenz. Ich frage mich, warum du nicht bei deinem Musterfreund bist, sonder hier, hä? Womit habe ich es denn eigentlich verdient, dass du dich dazu herab bemühst dich meiner Probleme anzunehmen? Wäre es nicht viel einfacher mir den Rücken zuzudrehen und sich wieder Potter und Weasley anzuschließen? So wie ihr es einfach immer getan habt? Ich bin nur ein Malfoy! Warum gibst du dich mit mir ab?“, fuhr er sie in rage an. Seine Augen waren fast nur noch Schlitze und funkelten sie wütend an. Seine sonst so bleiche Haut, war gerötet vor Zorn. Auf andere musste Draco erschreckend wirken.
Doch Hermine kannte ihn nur zu gut. Seine Wut war verständlich und die Enttäuschung in seinen Augen ablesen zu können, schmerzte sie so unendlich, dass es ihr die Sprache nahm. Er fühlte genau die gleiche Enttäuschung von Harry und Ron, wie sie selbst. Sie waren Freunde. Sie hatten den Krieg hinter sich gelassen. Harry hatte ihr noch gestern Abend gesagt, dass er Draco vertraute. Es war seit Jahren zum ersten Mal wieder so wie während ihrer Schulzeit. Harry und Ron waren wieder die guten und tollen Gryffindors, während Draco das Paradebeispiel für den bösen, schlechten Slytherin darstellte. Das war nicht fair.
„Dray, ich... ich verstehe nur zu...“
„NEIN!“, unterbrach er sie barsch. „DU verstehst gar nichts. Du weißt nicht was es heißt, wenn einem auf Grund des Namens immer alles als erstes angehängt wird!“, schrie er sie nun an und Hermine erzitterte nun doch bei seinen Worten. „Du hast keine Ahnung davon, was es heißt, wenn bei allem war passiert immer als erstes auf dich mit dem Finger gezeigt wird! IMMER!“
„VIELLEICHT!“, entfuhr es Hermine laut. „Vielleicht weiß ich genau das wirklich nicht. Aber du bist nicht der einzige, dem die Freunde den Rücken zugewandt haben. Vielleicht hast du mehr Ahnung davon, was es heißt wenn man als erstes Verdächtigt wird. Aber du hast nicht die geringste Ahnung davon, was es heißt wenn einem immer alle auf die Finger schauen und erwarten, dass alles was ich tue PERFEKT ist. Wenn selbst die eigenen Freunde von einem genau das erwarten.“ Einen Moment hielt Hermine in ihrem Redeschwall inne. Sie starrte Draco wütend an und rang nach Luft, um fortfahren zu können.
„Und soll ich dir was sagen? Ich war so bescheuert und habe genau DAS versucht. Ich habe versucht ihnen die perfekte Freundin zu sein. Und was bleibt mir jetzt davon? NICHTS! REIN GAR...!“
„MEINE HERRSCHAFTEN!“, ging eine laute Stimme dazwischen und sie wandten die Blicke voneinander ab zu der Gestallt, die auf die zu kam. Umhüllt in einen tiefschwarzen Umhang kam sie stolzen Schrittes auf sie zu. Die Kaputze lag nur bedächtig auf dem blonden, offenem Haar und ließ sie nach allem anderen Ausschauen, als nach der Zaubertranklehrerin von Hogwarts.
„Professor Fortuna“, brachte Hermine unter Mühen heraus.
„Guten Morgen Miss Granger!“, meinte sie mit ruhigem, aber immer noch etwas scharfem Unterton. „Mister Malfoy!“ Sie schenkte Draco nur einen kurzen Blick. „Es würde mich und die gesamte andere Lehrerschaft wirklich freuen, wenns sie dieses Geschreie unterlassen und an einen Ort verlegen könnten. Nach den Geschehnissen heute Nacht können wir keine weitere Unruhe unter den Schülern gebrauchen.“ Sie blickte die beiden auffordernd an.
„Natürlich. Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, Professor“, erklärte Hermine hastig. Sie warf Draco einen strengen Blick zu und dieser nickte nur langsam. Aus irgendeinem Grund schien er sich über Hermines Verhalten zu amüsieren. Er war nicht groß beeindruckt vom Auftritt der Professorin und es war ihm längst egal, was er mit seinem Verhalten anrichtete.
„Wunderbar“, erklärte die Professorin und klatschte, als wäre sie begeistert, in die Hände. „Nun, wo wir das geklärt hätten. Sie beide werden bereits erwartet!“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und schritt ihnen voraus zum Schloss. Hermine schien sich nicht weiter an Draco stören zu wollen und folgte ihr.
„Hermine!“ Draco hielt sie am Handgelenk fest und zwang sie stehen zu bleiben. Hermine wollte sie losreißen. Sie wollte jetzt keinen Ton mehr über diese Unterhaltung verlieren, doch Draco zog sie in eine Umarmung und so musste sie sich geschlagen geben.
„Ich verstehe besser als du dir vorstellen kannst“, flüsterte er und hielt sie einen Moment in der Umarmung fest. Hermine seuftzte und legte den Kopf auf seiner Schulter ab. Wenigstens hatte sie sich nicht in Draco getäuscht, als sie ihn gegen Harry und Ron verteidigt hatte.
Als sie sich voneinander lösten, konnten sie Fortuna am Fuße des Schlosses sehen, die auf sie wartete. Draco schüttelte lachend den Kopf. Hermine blickte ihn irritiert an, doch Draco grinste nur noch breiter: „Ich fühle mich wieder, wie in der Schule... als wären wir beim knutschen erwischt worden.“ Er fing sich einen Klaps gegen den Hinterkopf ein: „Spinner!“, war das einzige was Hermine dazu einfiel.
„Nur eine Kleinigkeit, die noch zu klären war“, erklärte Draco, als sie Fortuna erreicht hatten. „Wir wollen die Unruhe doch nicht mit in Schloss bringen, Professor“, fügte er hinzu und zwinkerte ihr zu.
Die junge Professorin verdrehte die Augen und blickte Draco missmutig an: „Es reicht ja auch schon vollkommen aus, wenn sie das Schloss betreten, Malfoy.“
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