
von Freaky-Angel
Kapitel 9 - Eine Begegnung
Professor Fortuna war wirklich eine außergewöhnliche junge Hexe. Sie war nur wenige Monate jünger als Hermine und Draco. Sie hatte eine amerikanische Schule für Hexen und Zauberer besucht und hatte nach ihrem Schulabschluss nach der sechsten Klasse ihre weiterführende Ausbildung in Zaubertränke begonnen. Blaise hatte sie Hermine kurz vor Beginn ihrers neuen Jobs in Hogwarts vorgestellt. Woher Blaise sie genaus kannte, wusste Hermine nicht mehr, aber ihr war die Dame schon von Beginn an immer sehr sympatisch vorgekommen.
Anfangs hatten viele daran gezweifelt, dass eine Hexe ihres Alters diesen Job übernehmen könnte, doch soviel wie Hermine von Blaise und Draco wusste, meisterte sie ihre Aufgabe ausgezeichnet.
„Professor McGonagall hat sich große Sorgen um Sie zwei gemacht“, erklärte Professor Fortuna, als sie den Wasserspeier erreicht hatten. „Sie sollten sich schämen, sich erst so spät gemeldet zu haben, Malfoy“, bluffte sie Draco ein wenig gereizt an. Sie waren außerhalb der Hörweite von Schülern und nach un nach schien die so gelassene Maske zu bröckeln.
„Nun, wie Sie vielleicht wissen, hatte ich andere Dinge zu tun, Morgan!“, entgegnete Draco mit ruhiger Stimme. Morgan Fortuna schnaubte.
„Interessante Ausrede!“, bemerkte die Professorin und murmelte ein paar Worte, worauf hin der Wasserspeier ihnen den Weg frei gab. Die Professorin trat zur Seite und wandte sich zum gehen.
„Begleiten Sie uns nicht, Morgan?“, fragte Hermine überrascht und blieb an der unterste Stufe stehen. Draco war voraus gegangen.
„Ich habe mich um zwei weitere Gäste zu kümmern, Hermine. Ein anderes Mal.“ Die Professroin schenkte ihr ein sanftes Lächeln und verschwand auf dem Gang. Müden Schrittes folgte Hermine Draco die Stufen hinauf. Die Tür stand bereits offen und so betrat sie den Raum ohne weiteres Anklopfen.
„Guten Morgen, Hermine!“, begrüßte die Schulleiterin sie freudig und lächelte ihr entgegen, doch Hermine sah der alten Hexe sofort an, dass auch sie erschöpft von all den Dingen war, die im Augenblick vor sich gingen. Professor McGonagall hatte sich seit Hermine sie kennen gelernt hatte, nicht sehr viel verändert. Sie war in manchen Dingen sehr viel verständnisvoller geworden und sah die ein oder anderen Dinge vielleicht nicht mehr so eng, wie sie sie als Hauslehererin zu ihrer Schulzeit gesehen hatte. Außerdem begann ihr einst so graues Haar langsam an weiß zu werden. Sie wurde sichtlich älter.
„Ich freue mich dich zu sehen. Wie geht es dir?“ Seuftzend kam Hermine näher und reichte der Professorin ihre Hand, die diese in beide Hände nahm und schüttelte. Besorgt musterte die Schulleiterin ihre ehemalige Schülerin.
„Ich bin reichlich müde, das ist alles. Es war eine lange Nacht“, erklärte Hermine und versuchte die Schulleiterin zu beruhigen. Draco hatte sich bereits auf einen der Stühle vorm Schreibtisch gesetzt und als die Professorin ihre Hand los ließ, folgte sie seinem Beispiel. „Die letzten Stunden waren ein bisschen viel. Aber sobald ich wieder ein wenig mehr Schlaf bekomme, werde ich wieder vollkommen fit sein“, ergänzte sie langsam.
„Das beruhigt mich“, sagte die Professorin. „Allerdings bereiten mir die Umstände, die nun ihren Lauf nehmen Sorgen, sehr große Sorgen.“ Sie seuftzte und ging um ihren Schreibtisch herum.
„Sie sollten wissen, Professor. Das wir nicht an ihrem Wort zweifeln, wie andere es vielleicht tun“, erklärte Draco ernst und blickte die Professorin direkt an.
„Ich bin erfreut darüber auch ihr Vertrauen zu haben, Draco.“ Professor McGonagall schenkte dem ehemaligen Slytherin ein Lächeln. „Seit meinem letzten Gespräch mit dem Minister haben sich viele Dinge geändert. Das Vertrauen vieler in mich ist gesunken und unsere Befürchtungen, dass sich viele Dinge, viele schreckliche Dinge wiederholen, wird immer größer. Es ist wirklich sehr schön um ihr Vertrauen zu wissen.“ Die alte Hexe sah sie an und Hermine sah ihr an, dass sie die vielen Anschuldigungen mit Würde über sich ergehen ließ, es ihr aber im Herzen ungemein wehtun musste, dass man ihr das alles wirklich zutraute.
„Potter und Weasley haben sich auf die Gegenseite geschlagen“, verkündete Draco prompt. McGonagall seuftzte schwer, sagte jedoch nichts. „Wie ich Ihnen bereits heute Morgen in der Frühe gesagt habe. Aber jetzt dürften wir wohl sicher sein, nicht mir ihrer Hilfe rechnen zu können. Sie haben Hermine vorgeworfen nicht mehr klar bei verstand zu sein.“
„Und da kommen Sie und wagen mir zu sagen, dass es Ihnen abgesehen von Müdigkeit gut geht?“, brauste McGonagall auf. Hermine zuckte kurz zusammen, dann zwang sie sich zu einem wagen Lächeln.
„Ich bemühe mich darum, nicht viel darüber nachzudenken. Wir haben momentan alle sehr viele Probleme, dessen außmaß andere sich nicht vorstellen können.“ Draco schnaubte. Sie blickte ihn aufmunternd an.
Hermine hatte keine Zeit dafür gehabt über alles nachzudenken, aber wurde so langsam bewusst, dass sie sich der Situation anpassen musste. Sie konnte an der ganzen Sache momentan nicht sehr viel ändern und die Stressfreiste Lösung wäre nunmal sich ersteinmal damit abzufinden. Das war das Einfachste. Ob es sich dabei um die beste Lösung handelte, war eine völlig andere Sache.
„Sie können auf meine Unterstützung zählen, wenn Ihnen irgendetwas fehlt, Hermine“, erklärte McGonagall und Hermine nickte langsam. Das wusste Hermine doch.
„Heute Abend treffen wir uns im Grimmauld Place. Katie Bell, Blaise Zabini und Markus Flint werde da sein. Ich würde mich über ihre Anwesneheit freuen, Professor“, sagte Hermine.
„Ich bin bereits heute Morgen vom Minister persönlich über diese zukünftigen Zusammenkünfte und die Neuformartierung des Ordens informiert worden. Mister Malfoy hat bereits die Aufgabe mich über alle wichtigen Dinge zu informieren und ich werde mir die größte Mühe geben Anwesend zu sein, so wie ich Zeit dazu finde. Allerdings halte ich es für Unklug nach den nächtlichen Ereignissen Hogwarts heute Abend zu verlassen. Ich hoffe dabei auf ihr Verständnis zu stoßen?“
„Aber natürlich, Professor.“
„Wissen Sie denn schon irgendwas genaueres?“ McGonagall sah Draco hoffnungsvoll an, doch der ehemalige Slytherin schüttelte träge mit dem Kopf.
„Nein bis jetzt nicht genaues. Wir werden uns heute Abend mit allen wichtigen Dingen auseinandersetzen. Auf andere Quellen als auf uns selbst können wir nicht mehr hören. Bell hat ihre Ohren beim Tagespropheten offen und wir werden über alle wichtige Theorie und Anschuldigungen umgehend benachrichtigt.“
„Ich dachte, Katie würde in der Aurorenzentralle hinter einem Schriebtisch arbeiten?“ Hermine schien verwirrt.
Katie Bell war ebenfalls in Gryffindor gewesen und hatte als Jägerin Quidditch gespielt. Hermine hatte nie viele Worte mit ihr gewechselt, dennoch hatte sie sich immer recht gut mit ihr verstanden, wenn sie dann doch zu einer Unterhaltung gekommen waren. Nach ihrem Abschluss hatte Katie im Ministerium angefangen. Das Quidditchspielen hatte sie auf Grund einer Verletzung aufgeben müssen, womit sie wohl immer noch nicht so ganz klar kommt, denn Quidditch war für Katie durchaus ein großer Teil ihres Lebens gewesen.
Der Job in der Aurorenzentralle war nicht gerade ihr Traumjob gewesen. Zu Außeneinsätzen kam sie nur selten mit und stattdessen hockt sie den gesamten Tag hinter ihrem Schreibtisch und kümmerte sich um Verwaltungsaufgaben. Eigentlich das komplette Gegenteil von dem, was Katie sich einmal für ihr Leben gewünscht hatte.
„Und dort wird sie auch weiterhin arbeiten. Shacklebolt meinte, es wäre wichtig für uns zu wissen, was in der Aurorenabteilung gerade vor sich ging und da ich Beurlaubt wurde...“ Draco ließ den Satz offen stehen. Es war ihm anzusehen, dass er zwar nicht an der Entscheidung des Ministers zweifelte, ihn die Begründung und die gesamte Situation, in der er sich befand, nicht sonderlich gut gefiel.
„Nun, ich hoffe, dass dieser Alptraum schneller ein Ende finden wird, als beim letzen Mal“, sagte McGonagall ernst und blickte sie hoffnungsvoll an. Hermine fühlte sich unwohl und zu gleich seht stolz, da ihre ehemalige Hausleherin anscheinend sehr viel von ihr hielt und an ihren gemeinsamen Erfolg glaubte. Andererseits hatte sie Angst davor zu versagen. Was blieb ihr dann noch? Was wenn ihr keiner mehr glaubte?
„Das hoffe ich auch, Professor“, stimmte Hermine ihr zu und stand dann auf. „Wenn dann nichts mehr zu besprechen wäre, würde ich gerne gehen. Ich muss noch Sachen aus meiner alten Wohnung holen und am Grimmauld Place herrscht das totale Chaos. Ich habe die Schlimme Befürchtung, dass dort die Tapete von den Wänden runter kommt, wenn ich nicht bald wieder dort bin!“ Hermine warf Draco einen strengen Seitenblick zu, als sich um dessen Mundwinkel ein fieses Grinsen kräuselte.
„Ich werde ebenfalls aufbrechen. Meine Mutter ist bestimmt schon ganz krank vor Sorge, weil ich mich noch nicht gemeldet habe“, sagte Draco und stand ebenfalls auf. Hermine schüttelte innerlich den Kopf. Wie konnte er so rücksichtslos sein und sich nicht bei seinen Eltern melden? Stattdessen war er im Grimmauld Place aufgetaucht.
„Wollen Sie nicht noch nach Teddy sehen, Hermine?“ Erstaunt blickte Hermine die Schulleiterin an. Teddy?
„Hat Ihnen Draco denn nicht gesagt, dass Andromeda und Teddy bei Professor Fortuna untergekommen sind? Nun ja, die Kerker sind vielleicht nicht der idealste Platz für ein kleines Kind, aber immerhin sind sie dort sicher genug untergebracht.“
„Wieso hast du mir das nicht gesagt?“, furh Hermine Draco sauer an. So langsam aber sicher, wurde sich immer wütender auf den jungen Malfoy. Draco lächelte zaghaft. Er machte es sich tatsächlich einen Spaß darauf Hermine zu Ärgern.
„Wenn ich es dir gesagt hätte, wärst du direkt zu ihm, anstatt hier her, um mit Professor McGonagall zu reden.“
„Natürlich wäre ich das!“, erklärte Hermine gereizt. Dracos Grinsen wurde breiter. Hermine seuftzte. Er hatte wiedermal Recht. Teddy war ihr wichtig. Aber es war wichtiger gewesen, erst zu McGonagall zu gehen. Es war unglaublich wie gut Draco sie mittlerweile kannte.
„Wenn Sie mich Entschuldigen würden?“ Hermine blickte McGonagall entschuldigend an und die alte Hexe machte nur eine Auffordernde Handbewegung. Wenige Sekunden später hatte Hermine das Büro der alten Schulleiterin verlassen.
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„Du kennst mich einfach zu gut!“, grummelte Hermine, als sie die Treppen hinunter in die Kerker stiegen. „Um nicht zu sagen viel zu gut!“
Draco hatte einen Arm um ihre Schulter gelegt und gestikulierte mit seiner freien Hand herum: „Tja... das habe ich so an mir: Andere sehr genau zu kennen. Wie heißt es so schön? Kenne deinen Feind!“
„Ich fühle mich geehrt!“, murte Hermine und ging gar nicht sonderlich auf seine Bemerkung ein. Er hatte es ohnehin nur darauf angelegt sie weiter in den Wahnsinn zu treiben, glaubte Draco wohl das ganze würde sie von all ihren anderen Problemen ablenken.
„Was hat Teddy gesagt, als du die beiden heute Morgen abgeholt hast?“, wollte Hermine wissen. Teddy war ein sehr kluges Kind. Das war er schon immer gewesen. Sein ganzes Wesen ähnelte sehr seinem Vater, auch wenn er durchaus etwas Tolpatschiges an sich hatte, was man eindeutig Tonks' Genen zuschieben konnte.
„Er war genauso wie Tante Dromeda erfreut mich zu sehen“, meinte Draco aufmunternd.
„Geht es Andromeda gut?“
„Sie hat sich große Sorgen gemacht. Ich musste sie erst davon abhalten zu meiner Mutter zu gehen. Sie wollte sich nicht davon abbringen lassen, aber als ihr klar wurde wie ernst die Sache ist und dass es eine Anweisung des Minister ist, hat sie sich dann doch breitschlagen lassen. Sie ist wirklich starköpfig.“
„Da wäre deine Tante ja nicht die einzige in eurer Familie“, bemerkte Hermine murrend.
Hastigen Schrittes liefen sie weiter den dunklen Gang entlang, als sie plötzlich Schritten hörten, die ihnen entgegen kamen. Ohne Vorwahnung zog Draco sie beiseite und drückte sie in eine Niesche. Er hielt ihr den Mund zu, als sie etwas fragen wollte und so blieb sie ruhig, bis die Schritte auf dem Gang verklangen.
„Was sollte das?“, zischte Hermine ihn verwirrt an.
„Heute findet kein Unterricht statt. Eigentlich ist der Unterricht gestern wieder losgegangen, aber angesichts der Geschehnisse in Hogsmeade heute Nacht fällt der Unterricht aus“, sagte Draco und ging nun voraus.
„Ich rede nicht von den Schülern auf dem Gang, Draco. Ich rede von der Aktion gerade!“, knurrte sie.
Draco wandte sich zu ihr um: „Es ist nicht gut, wenn man uns hier unten sieht. Es ließ sich nicht vermeiden, dass uns die Schüler gesehen haben, wie wir auf dem Weg zu Professor McGonagall waren, aber hier in den Kerkern dürfen wir nicht gesehen werden. Schließlich sind unsere Schützlinge hier!“
Hermine sagte zunächst nichts dazu. Er war so unmöglich. So undurchschaubar.
„Draco manchmal bist du echt ein Arschloch“, erklärte Hermine laut und Dracos Lachen hallten auf dem Gang wieder: „Das weiß ich!“
Vor einer Tür blieben sie stehen. Draco blieb jedenfalls stehen und Hermine tat es ihm nach. Es war eine alte, verrostete Tür, ganz unscheinbar in der Kerkerwand. Sie wäre Hermine wohl nicht aufgefallen, aber Draco schien genau zu wissen, wo sie waren. Er klopfte dagegen. Vier Mal. Dann öffnete sie sich lautlos einen Spalt.
„Du schon wieder!“ Morgans Stimme erklang leise, doch Hermine konnte sie dennoch hören. Sie klang genervt. Natürlich, sie war in Dinge verwickelt worden, in die sie vielleicht gar nicht hätte verwickelt werden wollen. „Du solltest verschwinden, Draco. Geh nach Hause und kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!“
„Wir wollen zu Teddy und Andromeda“, flüsterte Draco leise, als befürchtete er, dass ihn jemand hören konnte, der ihn nicht hören sollte. „Wenn du ein Problem damit hast, dass sie bei dir Unterkommen, dann hättest du das vielleicht ein bisschen früher sagen sollen.“ Dracos Stimme klang gereizt und kühl. Hermine beobachtete die Szene skeptisch. Irgendwas hatte sie nicht mitbekommen.
„Lass uns Bitte rein, Morgan. Ich muss unbedingt zu Teddy!“, mischte sich Hermine ein und Draco trat zur Seite. Morgans Augen blitzen hell auf und sie schob die Tür weiter auf. Hastig trat Hermine an Draco vorbei und betrat die Räumlichkeiten von Morgan Fortuna. Das Büro der jungen Professorin erinnerte Hermine sofort an das von Professor Snape, als er Lehrer in Hogwarts gewesen war. Und Hermine wusste jetzt schon, dass Morgans Private Unterkunft genauso aussehen würde, wie sie sich die von Professor Snape immer vorgestellt hatte.
„Du verschwindest jetzt besser“, zischte Morgan mit fahriger Stimme, als Draco ihr folgen wollte. „Du hast deine Aufgabe erledigt und hier nichts mehr zu suchen.“ Hermine drehte sich mit einer schnellen Bewegung um und blickte erstaunt zu Morgan, die Draco den Weg versperrte. Ihr Blick glitt zu Draco, der Morgan mit verzerrtem Gesichtsausdruck anblickte.
„Halte dich an die Vereinbarung mit dem Minister“, knurrte Draco sie leise an.
„Das sollte dein geringstes Problem sein!“, zischte Morgan gefährlich. „Verschwinde jetzt!“
Draco trat von der Tür zurück und warf über Morgans Schulter hinweg einen Blick in Hermines Richtung. Er zuckte mit den Schultern und warf ihr einen Entschuldigenden Blick zu.
„Wir sehen uns heute Abend!“, sagte er und Draco versuchte seine Stimme unter Kontrolle zu bringen. Es hatte sanft klingen sollen, doch stattdessen fuhr er sie beinahe an. Er war aufgebracht. Doch noch bevor Hermine noch etwas sagen konnte, war Draco verschwunden. Sie hörte sie schnellen, hastigen, überschlagenden Schritte auf dem Gang wiederhallen.
„Was war das?“, fragte Hermine sofort an Morgan gewandte. Diese hatte die Tür praktisch ins Schloss geschlagen und fegte durch das Büro zu einer weiteren Tür, wie Hermine es nur von Professor Snape gewöhnt war.
„Nichts, an das du dich stören solltest!“, knurrte Morgan und schrie der Tür das Passwort „Snape“ beinahe entgegen. Ohne auf Hermine zu achten betrat den nächsten Raum und ließ sie zurück.
Hermine atmete hörbar die Luft aus und beschloss ihr zu folgen. Allerdings ließ sie sich ein wenig Zeit. Dieser dunkle Raum bereitete ihr irgendwie unbehagen. Der Raum erinnerte sie zurück an ihre Schulzeit und an Severus als ihr Professor. Jetzt saß er im Grimmauld Place. Vermutlich blätterte er in einem der Bücher in der Bibliothek und wartete darauf, dass ihm irgendwer erzählte, was hier los war. Wenn er sich nicht längst wieder mit Sirius in den Haaren hatte.
Mit bedächtigen Schritten durchquerte sie das Büro. Snape. So lautete das Passwort. Sie hatte es gespürt, als sie die Räume betreten hatte. Sie hatte gespürt, dass Severus Snape in gewisser Weise immer noch in diesen Räumen anwesend war. Sein Geist, oder zumindest die Erinnerung an ihn. Morgan Fortuna schien wohl rein gar nichts verändert zu haben.
Hermine nannte der Tür das Passwort. Lautlos öffnete sie sich einen Spalt und sie schob sie auf. Eine sanfte Melodie empfing sie. Sie hatte eine besänftigende Wirkung. Neugierig betrat Hermine das Nebenzimmer. Es schien sich um den Wohnraum zu handeln. In der einen Ecke konnte Hermine Sessel entdecken, die um einen Kamin herum standen. An den Wänden: Bücher über Bücher. Das Licht war gedämpft. Hermine trat mit langsamen Schritten ein und sobald sie über der Schwelle war, fiel die Tür hinter ihr auch gleich wieder ins Schloss.
„Ah, willkommen Miss Granger.“ Erschrocken fuhr Hermine herum. Ein lauter, spitzer Schrei entfuhr ihr, als sie die Stimme identifizierte. Augenblicklich hielt sie sich die Hand vor den Mund. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. Wo kam die Stimme her? Er war Tod. Severus Snape war Tod. Sie musste nun wirklich verrückt geworden sein. Gestern. Es... es war schier unmöglich und sie war jetzt wirklich verrückt geworden.
Hermine zuckte zusammen und erzitterte am ganzen Leib, als zum zweiten Mal die ölige Stimme von Severus Snape im Raum erklang: „Was für eine Begrüßung. Ich fühle mich geehrt, Hermine!“ Sie kniff die Augen zusammen. Sie konnte nicht Antworten. Morgan würde völlig außer sich, wenn sie rein kommen würde und Hermine führte Selbstgespräche. Dann würde sie in der Geschlossenen Abteilung im St. Mungo landen.
„Keine Angst, Hermine“, sagte Snapes Stimme und klang dabei völlig sanft. „Professor Fortuna hat Sie bereits angekündigt. Mrs. Tonks und dein Patensohn halten sich momentan in ihren Räumlichkeiten auf. Niemand kann uns hören.“
Hermine wagte es zu blinzeln. Das hier war einfach unmöglich. Es kam ihr noch unglaublicher vor, als ihre vier Besucher, die gestern plötzlich vor ihr gestanden haben. Minuten lang herrschte vollkommene Stille. Dann öffnete sie ihre Augen wieder ganz. Sie hatte einen Augenblick gebraucht um sich wieder zu beruhigen. So langsam setzte ihr Verstand wieder ein. Sie suchte hastig die Wände ab, dann entdeckte sie drei Meter vor ihr, an der gegenüberliegenden Wand das Portrait von Severus Snape.
„Professor“, entfuhr es ihr ehrfürchtig. „Ich... ich hatte keine Ahnung.“
„Es freut mich Sie wiederzusehen, Hermine. Auch unter diesen... anderen Umständen!“ Severus blickte sie aus warmen Gesichtszügen an, wie Hermine ihn von seinem jüngeren Selbst her kannte. Er schenkte ihr ein warmes und ehrliches Lächeln.
„Es freut mich ebenfalls“, sagte Hermine langsam und trat einen Schritt näher. Sie begann zu Lachen: „Sie glauben nicht, wie sehr ich mich freue, Sir.“
„Nun, ich denke schon!“ Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen. Hermine blickte das Portrait verwundert an. „Selbst wenn ich Tod bin. So erinnere ich mich an alles, was ich erlebt habe“, berichtete er und Hermine seuftzte laut und vernehmlich.
„Es nimmt dich sehr mit, wie ich sehe. Alpträume machen einem zu schaffen. Ich kann dir einen Trank empfehlen, der dich Traumlos schlafen lässt. Wenn du Mr. Malfoy danach fragst, wird er ihn dir sicher geben können. Ich habe ihn bereits heute früh angewiesen einen solchen Trank für dich zu organisieren.“
„Sie haben...“
„Mr. Blacks Unfähigkeit sollte nicht der Grund sein, warum Sie nachts nicht schlafen können, Hermine.“ Snape blickte sie selbstgefällig an.
„Ich habe Sie nicht darum gebeten sich um mich zu sorgen“, zischte Hermine ihn nun an.
Severus machte eine abfällige Handbewegung: „Darum mussten Sie mich nicht bitten. Ich sehe es als meine Pflicht, da anscheinend alle anderen nicht in der Lage sind auf Sie aufzupassen.“
Hermine atmete die Luft hörbar aus und lief sich in einem Sessel nieder. Es war zum verzweifeln: „Sie wissen also alles? Auch was passieren wird? Wie es ausgeht? Sagen Sie es mir. Bitte! Sie müssen es mir sagen.“ Flehend blickte Hermine ihren ehemaligen Professor an.
Snape lachte leise. Er amüsierte sich über ihre Verzweiflung? Ja, ganz eindeutig: typisch Snape.
„Es tur mir außerordentlich Leid, Hermine. Aber es steht nicht in meiner Macht Ihnen irgendetwas sagen zu können. Auch für mein jüngeres Ich ist diese alles noch Unbekannt. Es scheint, als wäre es wie damals, Hermine. Wir müssen abwarten, was passiert.“
„Sie haben mich erwartet, Sir? Sie sagten, sie hätten Morgan darum gebeten...“
„Morgan Fortuna ist eine sehr außergewöhnliche Hexe. Als sie vor einem halben Jahr ihre Arbeit hier im Schloss aufnahm, hatte sie sehr viel Respekt vor meinen Räumlichkeiten und änderte nichts an der Einrichtung. Anscheinend gefiel ihr die Dunkelheit und die Abgelegenheit. Sie ist genauso gerne alleine, wie ich es war. Als sich die Vergangenheit änderte und Ich mit Black, Potter und Lupin in London landete, wusste ich, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Sie nach Hogwarts kommen würden.“
„Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass im Schloss Portraits der ehemaligen Schulleiter hängen. Im Büro von Professor McGonagall sind Sie mir nicht aufgefallen. Im Augenblick ist alles so durcheinander.“ Hermine versuchte sich zu erklären.
„Aber Minerva hatte mir mitgeteilt, dass Sie kommen würden. Ich bat sie darum dafür zu sorgen, dass Sie hier her kommen.“
„Sie wollten mit mir sprechen?“ Erstaunt blickte Hermine das Portarit an.
„Wie bereits gesagt, ich bin der Ansicht, dass anscheinend niemand sonst in der Lage ist auf Sie aufzupassen.“ Severus sprach mit einer Selbstgefälligkeit, wie Hermine sie seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hatte. Stur wie sie war, verkündete sie ihm auch gleich ihre Meinung.
„Ich bin nicht mehr Ihre Schülerin, Sir. Ich bin durchaus in der Lage auf mich selber aufzupassen.“
„Sind Sie alt genug dazu zu verkraften, dass Ihre besten Freunde Ihnen den Rücken zukehren?“, fragte Severus barsch. Hermine starrte ihn entsetzt an. „Genau das haben Sie doch getan. Potter und Weasley. So wie sie im Buche stehen. Ich erinnere mich, dass Sie sagten, dass Weasley allen ernstes glaubt, sie würden Interesse an Mr. Malfoy hegen.“
„Das geht Sie alles nichts an!“, fuhr Hermine ihn an. „Ich bin alt genug. Ich werde damit fertig werden müssen!“
„Ich wohne ebenfalls in diesem Haus, also geht mich dieses Kindertheater für das Black verantwortlich ist, ebenso etwas an, wie alle anderen Beteiligten!“, erklärte Severus mit sanfter Stimme.
„Im übrigen bin ich äußerst froh, dass Sie Mr. Malfoy ihr vertrauen schenkten. Wenn ich ihn sehe, dann sehe ich mich selbst, verstehen Sie, Hermine? Es ist, als hätte sich mein Schicksal wiederholt. Mit sechszehn einer solchen Verantwortung ausgesetzt zu werden, ohne alleine entscheiden zu können... Er hat diese Chance verdient.“
„Sie ebenfalls, Professor“, sagte Hermine leise. „Vielleicht sehen Sie das anders. Aber ich bin völlig überzeugt davon, dass auch Sie ihre Chance verdient hatten.“
„Reue kann nicht jeder verspüren, Hermine. Und als ich mich damals dazu entschied gegen den Orden zu agieren. So tat ich es mit vollster Überzeugung.“
„Es zählt am Ende das, was einem das Herz sagt, Sir. Und Sie haben sich noch rechtzeitig wieder daran erinnert.“ Hermine musterte die strengen Gesichtszüge. Sie gehörte zu den wenigen, die wussten, dass dieser Krieg und all das Leid dazu geführt hatten, dass er so verbittert war. Sie gehörte zu den Menschen, die wusste, dass Severus Snape.
„Allerdings wäre da dennoch eine Sache, über die sie den Orden durchaus hätten früher aufklären können“, meinte Hermine und nun war es an ihr ihn streng an zu sehen.
Verwundert schaute Severus Snape seine ehemalige Schülerin an, dann zierte ein fieses Lächeln seine Mundwinkel: „Reden Sie von Mrs. Black, Hermine?“
„In der Tat, ich rede von Mrs. Black“, erklärte Hermine streng. „Sie wussten es damals schon... der Fluch mit dem Sie das Bild von der Wand lösten... es war ein Uralter Zauber... warum haben Sie ihn nicht verwendet, als der Orden den Grimmauld Place als Hauptquartier nutzte?“ Severus lachte leise. Es war ein warmes Lachen. Er amüsierte sich darüber. Hermine konnte nicht verstehen warum.
„Ich würde es als persönliche Rache bezeichnen... etwas, dass Sie natürlich nicht nachvollziehen können, Hermine“, Severus lächelte sanftmütig und begann nochmals zu lachen, als Hermine die Augen verdrehte und den Kopf schüttelte.
Ein Klopfen war zu vernehmen. Hermine wandte den Kopf um und Morgan steckte den Kopf in den Raum.
„Tut mir Leid für die Störung, aber Teddy lässt sich nicht mehr länger...“ doch sie konnte nichteinmal Enden, da rannte Teddy bereits an der Professorin vorbei und auf Hermine zu.
„Mine! Mine! Mine! Mine! Mine...!“, er überschlug sich beim Laufen fast mit seinen kleinen Beinchen und Hermine fing ihn auf, bevor Teddy direkt vor ihren Füßen auf die Nase fiel. Fest schloss sie die Arme um den Kleinen und drückte ihn an sich. Teddy kuschelte sich an sie und Hermine schloss die Augen. Es war ein Moment der Erleichterung Remus' Sohn im Arm zu halten und zu wissen, dass er in Sicherheit war.
„Er ist hier in völliger Sicherheit, Hermine. Ich verspreche es dir“, vernahm Hermine Morgans Stimme. Nur widerwillig, weil Teddy sich plötzlich losstrampelte, entließ Hermine das Kind wieder aus ihren Armen. Sie stellte sich wieder auf und blickte in die Runde. Teddy nahm sie schließlich auf den Arm, da er an ihrem Umhang herrumzupfte und nun spielte er mit ihren Haaren.
„Umwerfend der Kleine“, erklärte Severus und warf Hermine einen aufmunternden Blick zu. Hermine biss sich auf die Lippe und ersparte sich einen Kommentar. Andromedar Tonks hatte währenddessen ebenfalls den Raum betreten und nickte Hermine einfach nur zur Begrüßung zu.
„Ich weiß, dass er hier in Sicherheit ist“, bestättigte Hermine mit sanfter Stimme und strich Teddy durch das braune Haar. Teddy kicherte und blickte Hermine starr ins Gesicht. Seine Gesichtszüge glichen denen seines Vaters und Hermine musste hart schlucken.
„Ich bin nur her gekommen, um ihn zu sehen“, sagte sie dann und setzte Teddy auf dem Boden ab. Sie schaute in die Richtung ihre ehemaligen Professors: „Ich besuche Sie bestimmt wieder, Sir“, sagte sie und verließ dann fluchtartig die Räumlichkeiten.
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