
von Freaky-Angel
Soundtrack zum Kapitel: Linkin Park – In the End
Kapitel 13 – Mit dem Herzen einer Mutter
In den kommenden Wochen arbeitete Hermine jeden Tag vom frühen Morgen bis teilweise spät in die Nacht mit Zabini, Malfoy, Bell, Flint und Fortuna an den merkwürdigen Angriffen in Großbritannien. Zu den Brückeneinstürzen und dem Angriff auf Hogsmeade, hatten sich einige Überfälle in der Nokturngasse dazugesellt. Darunter ein voll belebter Pub und ein Uhrenmacher. Das seltsame waren die Verschleierungszauber, die es ihnen erschwerten die Täter ausfindig zu machen. Dennoch blieb am Tatort immer irgendetwas zurück, was die Presse und Auroren dazu brachte die Angriffe mit McGonagall in Verbindung zu bringen. Hermine fiel es auf Dauer sehr schwer zu glauben, wie die Menschen ihr so misstrauen konnten und wurde förmlich von der schlechten Stimmung erdrückt, wenn sie dann doch mal ins Ministerium gerufen wurde. Die Tatsache dass sie eine Reihe von sehr jungen Zauberern in den 20ern waren machte es ihnen eigentlich nicht sehr einfach an dem Fall zu arbeiten. Viele ältere respektierten sie nicht und sie hatten auch noch nicht sehr viel Erfahrung. Shacklebolt war der Meinung, dass der Krieg ihnen die Erfahrung mitgegeben hatte. Doch Hermine selbst fühlte sich manchmal nicht bereit für diese seltsame Aufgabe, die man ihr auferlegt hatte. Shacklebolt schenkte ihr jedoch das vollste Vertrauen. Wenn sie einmal in der Woche in ihrer Abteilung vorbeischaute, so legte sie sich unentwegt mit ihrem Vertreter Odgen an. Er hatte sich in ihrem Büro breit gemacht. Daraufhin hatte sie ihn vor der gesamten Abteilung zur Schnecke gemacht und achtkantig rausgeschmissen. Die Stimmung hatte das nicht gerade gehoben. Und auch das Misstrauen ihr Gegenüber, weil sie Loyal und Offen für Draco Malfoy eintrat, sobald sie mitbekam, dass man schlecht über ihn redete, stachelte die Gerüchte um eine Affäre geradezu weiter an. Sie nervte es gewaltig, aber sie ließ sich auf keine dieser elendigen Diskussionen ein.
Am frühen Freitagmorgen stand sie dann mit Marcus Flint und Blaise im Atrium. Sie und Flint hatten vor noch heute Abend der Nokturngasse einen Besuch abzustatten und Blaise sollte einige Unterlagen zum Grimmauld Place bringen, wo Draco und Katie schon auf ihn warteten. Ron kam auf sie zu. Hermine deutete Blaise an, dass er möglichst schnell verschwinden sollte. Sie würden sich später in der Nokturngasse wiedertreffen. Marcus zupfte seinen Umhang zu Recht. Sie wollten zunächst nach Muggellondon apparieren, sich dann umziehen und ihrer weiteren Abendplanung nachgehen, doch Ron machte dem einen Strich durch die Rechnung.
„Hermine!“, rief er ihr zu und da sich einige zu ihr umdrehten, hatte sie nicht die Möglichkeit ihn zu ignorieren. „Hermine, wir müssen uns dringend unterhalten.“ Sie sagte nichts und blickte ihn nur an. Er wollte sich unterhalten? War das sein ernst? Er wollte ohnehin nichts anderes als ihr Vorwürfe machen. Das war doch das einzige was er im Augenblick wirklich konnte.
„Machs kurz, Weasley. Wir haben es eilig!“, knurrte Marcus genervt. Er hatte keine Lust auf Rons Geschwätz. Bereits ein paar Mal hatte er mitbekommen, wie penetrant nervig der Rotschopf sein konnte und er hatte wahrlich Besseres zu tun. Auch ihm passte es nicht so Recht, dass sie den gesamten Abend mit dieser Aufgabe verbringen mussten.
Ron starrte Flint merkwürdig an: „Was habt ihr denn vor?“ Hermine wollte ihn abwimmeln, doch Flint war schneller. Er kannte ihre Herausredens-Künste. Wenn er sie reden ließ, standen sie in 10 Minuten noch hier: „Ich habe eine Tisch reserviert, Weasley. Und ich komme ungern unpünktlich.“ Hermine musterte den älteren schräg von der Seite. Einen Tisch?
„Wie einen Tisch?“, fragte Ron, der wohl ebenso wie Hermine ein wenig verwirrt schien.„Einen Tisch. Was macht man an einem Tisch? Essen! Also ja, ein Tisch an dem man Essen kann. Pünktlich für Halb Sieben. Und da sich Hermine mit Sicherheit noch frisch machen möchte, haben wir es eilig.“
„Ihr geht Essen?“, fragte Ron nun an Hermine gewandt.
„Äh…scheint so?“, sagte Hermine und klang nicht gerade überzeugend. „Ich meine, ja tun wir. Wir haben noch ein paar Dinge zu besprechen. Es kann länger werden.“„Seit wann gehst du mit Flint aus?“ - „Hör zu Weasley“, knurrte Marcus genervt. „Quatsch uns ein anderes Mal zu. Ich möchte los!“
„Hermine!“, bat Ron. Sie seufzte und gab nach. Sie blickte Flint bittend an und er verdrehte die Augen. „Wie du meinst. Ich erwarte dich in ein paar Minuten.“ Sie nickte. Er apparierte. Na das hatte Flint wirklich toll hinbekommen. War ihm denn keine bessere Ausrede eingefallen?
„Du…du…gehst mit Flint essen?“, wiederholte Ron seine eigene Frage ungläubig.
„Jaha“, sagte Hermine gedehnt. Sie war keine gute Lügnerin. Und wenn er sie weiter mit Fragen durchlöcherte, würde sie keinen Ausweg mehr wissen. Wie kam Flint dazu Ron so etwas unter die Nase zu binden. Noch in ihrer Gegenwart?
„Erst Malfoy, dann Flint… du weißt schon noch das eigentlich wir zwei… Ich meine was ist los mit dir?“
„Ja genau, Ron. Malfoy, Flint, Zabini, Odgen. Ich hintergehe dich mit jedem, dem du über den Weg läufst. Sag mal für wen hältst du mich?“, bluffte sie ihn an.
Ron lief feuerrot an und senkte den Kopf: „Ich…ich versuche nur dich zu verstehen. Du bist so komisch. Wir…wir machen uns Sorgen um euch. Geht es Ginny gut? Wir haben gehört Malfoy wohnt auch im alten Haus der Blacks. Ich kann nicht verstehen wie ihr…“
„Nun, vor ein paar Wochen, Ron, da wären wir beide und Harry und Ginny wohl irgendwann mal abends gemeinsam mit Draco zum Abendessen gegangen. Da ihr zwei euch entschieden habt dies nicht mehr zu tun, haben Ginny und ich zu dazu bereit erklärt Draco Gesellschaft zu leisten. Wenn euch das nicht passt, dann solltet ihr über euer Verhalten nachdenken. Ich bin nicht gewillt das hier Fortzusetzen, wenn…“ – „Wenn was? Wenn wir nicht mit Malfoy Mitleid haben? Ich finde es nicht verwunderlich, dass Astoria in hinausgejagt hat und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie du dazu kommst ihn in diesem Haus aufzunehmen. Du wohnst dort auch nur vorrübergehend. Aber ihr scheint euch ja daraus eine Dauerlösung zu machen.“
„Das Haus steht ohnehin leer. Oder hattest du vor in nächster Zeit dort einzuziehen?“
„Ich wäre zu dir dort eingezogen, wenn Malfoy nicht dort wohnen würde“, meckerte er sie an. Sie hielt einen Moment inne und blickte an ihm vorbei.
„Ich denke nicht, dass ich im Augenblick mit dir zusammen wohnen möchte, Ronald“, erklärte sie klar und deutlich. „Überhaupt habe ich nachgedacht und… ich weiß nicht ob…“„Hermine was redest du denn da?“, unterbrach er sie. „Wir zwei…ich meine…wir wollten doch zusammenziehen.“
„Du wolltest das. Ich sagte, ich werde darüber nachdenken“, erinnerte sie ihn.
„Ja und Malfoy hat dir wohl sehr gut bei der Entscheidung geholfen“, schrie er sie nun an.
„Verdammt noch mal, RONALD WEASLEY! Wie selten dämlich kann man denn nur sein? Ich habe keine Affäre mit Draco Malfoy!“ Und mit dieser Gebrüllten Antwort, quer durch das Atrium ließ sie ihn einfach stehen und apparierte. Sie stolperte in Flint hinein, als sie in einer Seitengasse in Muggellondon wieder auftauchte.
„Hoppla“, meinte er und fing sie auf. „Hitzige Sache mit, Weasley?“, erkundigte er sich.
„Frag bloß nicht“, knurrte sie und hielt ihm warnend den Zauberstab unter das Kinn. Er hob die Arme um ihr zu sagen, er sei unschuldig. Sie senkte den Stab wieder. Er grinste dennoch. Er hatte das Schauspiel in den letzten Tagen des Öfteren schon mit angesehen. So langsam tat ihm Hermine Leid.
„So ein verdammter Volltrottel“, stieß sie aus. „Es ist unglaublich! Als hätte man ihm das Gehirn entfernt.“ Sie kochte vor Wurt. Was dachte Ron denn von ihr? Die Tatsache dass er wirklich glaubte sie würde ihn mit Draco oder Blaise betrügen versetzte ihr einen Stich. Aber jetzt war es egal. Vielleicht war es besser so. Für sich hatte sie nun einen Strich gezogen.
„Hatte er denn eines?“, fragte Marcus. Sie blickte ihn wütend an. „Schon okay, Granger. Sollte doch nur ein Scherz sein. Weißt du doch?“ Er zwinkerte ihr zu. Nach all den Wochen konnte sie ihn immer noch nicht so ganz einschätzen. Er war großgewachsen und sah ihn Hermines Augen sogar gut aus, aber seine Art bereitete ihr Probleme. Seine Scherze fand sie meistens nicht ganz so lustig und er war schnell genervt und wurde pampig. Vor allem wenn es nicht nach seiner Nase lief, konnte der ältere ungemütlich werden und das beunruhigte sie. Denn sie waren selten der gleichen Meinung. Doch Shacklebolt hielt ihn für Vertrauenswürdig, also tat sie dies aus. Sie stellte dies nicht in Zweifel.
Flint war bereits umgezogen er trug einen Umhang der den Regen abschirmte. Für den Moment war es zwar trocken, aber man wusste das in London ja nie so ganz genau. Er zog dann seinen Schal enger um den Hals und verdeckte damit seinen Mund. Hermine zog ihre Kapuze über den Kopf und versteckte ihr langes braunes Haar darunter. Tief zog sie die Kapuze ins Gesicht und färbte mit einem kurzen Zauber ihre darunter liegende Kleidung komplett in schwarz und grau und ihrem Haar verpasste sie einen Hauch von Blond. Sie wollte nicht zu auffällig sein.
„Ich stehe auf Blondinen“, grinste Flint. Sie verpasste ihm einen Klapps gegen den Hinterkopf und harkte sich dann aber bei ihm unter. Gemeinsam betraten sie dann den Tropfenden Kessel und suchten sich ihren Weg die Winkelgasse hinunter. Nicht mehr sehr viele Zauberer trieben hier ihr Unwesen. Es war erst Anfang Februar und noch immer abends sehr früh dunkel. Hermine trat voraus als sie in die Nokturngasse abbogen. Sie wuselten sich durch den ersten kleinen Teil der Seitengasse und steuerten geradewegs auf einen Pub zu, als Flint sie mit dem Rücken gegen die Wand drückte und immer Näher trat.
„Was zum - “ Marcus hielt ihr die Hand vor den Mund und blickte ihr eindringlich in die Augen. Sie blickte ihn fragend an. Er schielte zur Seite. Sie folgte seinem Blick. Noch immer verstand sie nicht. Es gefiel ihr nicht, dass er ihr so nahe kam.
„Flint“, rief nun jemand herüber. Hermine zuckte ein wenig erschrocken zusammen. Man hatte sie erkannt. Nun, vielleicht war es doch gut, dass er so dicht bei ihr stand. Hermine kannte Marcus nicht sehr gut. Und so wusste sie auch nicht, ob sie gerne Bekanntschaft mit einem seiner Freunde machen wollte.
„Keinen Mucks. Ich regele das!“, flüsterte er. Sie nickte und er nahm die Hand von ihrem Mund.
„Guten Abend, Warrington!“, begrüßte Flint den bulligen Mann, der auf sie zukam. Hermine erkannte ihn sofort. Vor einigen Jahren hatte er zu Umbridges Inquisitionskommando gehört und hatte Ron überwältigt, als Harry im fünften Schuljahr über den Kamin in Umbridges Büro mit Sirius hatte in Kontakt treten wollen. Das Flint so ruhig bleiben konnte kam ihnen zu Gute. Was sie davon halten sollte, wusste Hermine jedoch auch nicht. Dieses Wechselwirken passte ihr nicht.
„Was treibt dich denn hier her? Ich hab dich länger schon nicht mehr gesehen. Und wer ist deine Blonde Begleitung?“ Warington mussterte Hermine. Sie zog den Kragen enger. Sie hatte das komische Gefühl, als würde sie diesen stechenden Blick nicht abwimmeln können.„Ich arbeite, Warrington. Das solltest du vielleicht auch mal versuchen. Wir wollten im Pub nur kurz einen Whiskey trinken und uns dann aus dem Staub machen“, Marcus zog sie nun etwas enger an sich. Auch er schien hier schlechte Luft zu wittern.
„Sie schaut nen bisschen fett aus um sie mit zunehmen, meinst du nicht? Ich erinnere mich an die Mädchen die du sonst…“ – „Halt die Klappe, Warrington.“ Auch Marcus wurde das nun zu viel. Er schob Hermine neben sich her und wandte sich von Warrington ab. „Ja ne, Sorry. Ich meine ja nur. Du könntest dir was Besseres suchen und ich nehme sie mit.“ Hermine klappte der Mund auf. War das sein ernst? Sie sagte nichts, wollte jedoch Marcus festhalten als dieser auf Warrington los ging.
Marcus zog den Zauberstab und hielt ihn Warrington unter die Nase: „Du lässt deine glibschigen Fingerchen von ihr und kannst dir in einer dreckigen Ecke was zu spielen suchen. Ich habe wichtigeres zu tun, als mich mit dir rum zu ärgern. Hast du das verstanden?“, knurrte er. Warrington hatte nicht die Zeit nach seinem eigenen Zauberstab zu greifen und wich weiter zurück. Er schnaubte und begann zu fluchen, als sie sich von ihm abwandten.
„Du bereust das, Flint!“, rief er ihnen nach. Marcus schüttelte mit dem Kopf, griff Hermines Arm und schob sie in den Pub hinein. Sie stolperte bei seinem Tempo über ihre eigenen Füße.
„Fett?“, fragte sie und knöpfte dann im inneren den Pubs den Mantel ein wenig auf. Hier war es wollig warm, aber ein muffeliger Gestank kam ihnen entgegen. Zudem roch es stark nach Alkohol. Ein Geruch der ihr nicht gerade so lieb war. Naja, sie hatten keine Wahl. Ein Informant hatte gesagt heute Abend würde erneut etwas passieren. Etwas Riesiges. Wenn sie genaueres wissen wollten, sollten sie pünktlich hier sein. „Du solltest nicht auf das hören, was er sagt“, entgegnete Marcus knapp. Er schien ein wenig betroffen, dass sie das hatte mit anhören müssen. Sie suchten sich zwei Plätze die unmittelbar in der Nähe des Tresens lagen. Die derzeit einzig freien Plätze. Marcus bot ihr den Stuhl an. Hermine zog den Mantel aus und setzte sich. „Er hat wirklich gesagt ich sei fett?“, wiederholte sie noch immer ungläubig und begann dann damit sich zu betrachten. Sie mochte vieles sein, aber mit Sicherheit doch nicht fett. Oder?
„Warrington ist nur zu dumm um sich selbst jemanden zu suchen. Mal ehrlich, stell dich neben ihn und sag mir noch mal du wärst fett“, er lächelte charmant und bestellte dann etwas zu trinken. „Ich hab hier vor meiner Ausbildung öfter rumgelungert und bin abends öfter in Begleitung verschwunden“, gestand er. „Bin ich nicht stolz drauf, aber was solls.“ Marcus zuckte mit den Schultern. Hermine war erstaunt über seine Ehrlichkeit. Doch sie war froh, dass er so ehrlich war. Das gab ihr Sicherheit und bedeutete ihr, dass es richtig gewesen war mit ihm zusammen hier aufgetaucht zu sein. Er oder sie hätten auch mit Draco herkommen können. Doch sie und Draco sollten derzeit wohl besser nicht zusammen in der Öffentlichkeit gesehen werden. Und Draco und Marcus verstanden sich auch nicht so sonderlich gut, dass Hermine es erlaubte sie alleine los zu schicken. Sie hatte das ungute Gefühl gehabt, dass dies keine sehr gute Idee gewesen wäre.
Er legte seinen Schal beiseite und blickte sie an: „Das Blond steht dir gut.“
„Danke. Aber ich mag es eigentlich nicht sehr gern so. Katie meint ich würde aussehen wie Dracos Schwester“, erklärte sie und strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht.
Marcus lachte: „Dann versuch Weasley doch zu erklären, dass sich unvorhersehbare Verwandtschaftsgrade aufgetan haben. Dann nervt er nicht so viel rum.“
„Er ist nicht so nervig“, verteidigte Hermine ihn. Doch sie lachte selbst kurz. „Er ist nur verletzt und…“„Dumm?“, fragte Marcus. „Hör Mal, McGonagall würde niemals irgendetwas tun was der Schule schaden könnte!“, sagte Marcus mit gesenkter Stimme. „Sie war bei uns Slytherins ja nie sehr beliebt, aber ich hab wohl nie nen loyaleren Menschen kennengelernt als sie. Abgesehen von dir vielleicht. Vor ein paar Monaten hab ich mich schon mal mit der Sache beschäftigt, da saßen um mich herum im Büro zehn Leute und alle meinten genau das gleiche. McGonagall wäre die anständigste Professorin und Bla Bla Bla. Kurz nach der Anhörung mit Malfoy, kurz nach Neujahr hat sich das Blatt von jetzt auf gleich gewendet. Ich kann mir nicht erklären woher die miese Stimmung kommt, aber hier geht mit Sicherheit irgendwas nicht mit rechten Dingen zu.“ Er hielt an, als der Wirt mit zwei Krügen Butterbier an den Tisch kam und bezahlte direkt.
Hermine sah sich im Raum um und versuchte die Situation auf sich wirken zu lassen. Irgendjemand hier wusste das was sie wissen wollten. „Ich weiß genau was du meinst“, bemerkte sie etwas teilnahmslos. Es war wie eine Seuche von Misstrauen die sich in unendlich schneller Geschwindigkeit breit machte. Wie ein Virus und sie wussten nicht wie sie es aufhalten sollten.
Es war kurz vor Elf als Katie Bell und Blaise Zabini den Pub betraten. Beide hatten sich ebenfalls ein etwas anderes Äußeres zugelegt und ließen sich zwei Tische von ihnen entfernt nieder. Hermine warf Katie nur einen skeptischen Blick zu. Sie trug einen äußerst kurzen Rock. Eigentlich war Hermine der Meinung dass sie unter ihrem Umhang viel zu wenig trug. Als sie sich dann auch noch auf Blaise‘ Schoß setzte verdrehte Hermine die Augen und wandte den Blick wieder Marcus zu, der sich das Lachen nur schwer verkneifen konnte.
„So wie Bell jetzt ausschaut sahen meine früheren Begleitungen auch aus“, grinste er. Hermine war kurz davor sich die Ohren zuzuhalten. Nein, davon wollte sie eigentlich nichts Genaueres wissen.
„Deswegen ziehe ich mich aber mit Sicherheit nicht um“, sagte sie dann aber belustigt. „Außerdem gehe ich nicht davon aus, dass Katie dich nachher nach Hause begleiten wird.“
„Vielleicht nicht heute. Aber wir haben ja noch genug Zeit um an dieser Sache zu arbeiten. Ich verspreche mir von heute Abend nicht den völligen Durchbruch.“
„Katie ist verlobt“, sagte Hermine und ignorierte seinen Pessimismus was die Arbeit anging. Ihr wäre es sehr viel lieber, wenn sie die Arbeit in nächster Zeit abschließen könnten, doch Marcus hatte Recht. Danach sah es wirklich nicht aus.
„Ja, ja ich weiß. Aber Jordan wohnt immer noch bei den Weasleys. Wenn Ronald ihn anstachelt wird’s nicht lange dauern und Jordan wird Katie genauso nerven, wie Ronald dich.“
„Du kehrst die Leute sehr schnell alle über einen Kamm, Flint“, bemerkte sie knapp. Katie mochte Lee. Ansonsten hatten sie wohl auch nicht vor in kürze zu heiraten. Marcus hatte Recht. Katie war derzeit nicht sehr glücklich über diese Wohnsituation, aber es gab ja wohl schlimmeres. Sie selbst hatte die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr dort verbracht. Und es waren sehr schöne, gemütliche Tage gewesen.
„Willst du behaupten Jordan wäre anders? Ich denke Bell hat auf jeden Fall etwas Besseres verdient“, erklärte der ältere und trank einen Schluck aus seinem Bierkrug.
„Und Katie hält dich für etwas Besseres?“, fragte Hermine skeptisch. Sie wollte ihn nicht direkt provozieren, aber da sie ihn immer noch nicht einschätzen konnte, glaube sie, dass er sich überschätzte. Lee Jordan war ein herzensguter Mensch, das musste er erst mal werden. Seine manchmal recht komische Art trug nicht dazu bei.
Marcus grinste: „Wenn du die Wahl hättest zwischen…“ – „Äh, komm Flint verschone mich mit deinen Selbstschmeicheleien“, unterbrach sie ihn rasch. Marcus war eingebildet genug. Sie musste ihm nicht auf die Nase binden, dass sie ihn für besser aussehend als Lee Jordan hielt. Sie konnte nicht glauben, dass sie mit Flint hier saß und sich nun schon seit Stunden über solchen Kram unterhielt. So langsam wurde sie müde. Sie trank nie so viel wie heute Abend. Zwei Krüge Butterbier, ein Feuerwhiskey, zwei Gläser Goldlackwasser und zum Schluss ein Met. Kein Wunder dass sie so langsam müde wurde.
„Dahinten ist schon wieder Warrington“, zischte Marcus. Sie schielte nur leicht in Richtung der Tür. Marcus musste umgehend einen Blick mit Blaise gewechselt haben, denn auch Katie blickte sich nun leicht zur Tür um.
„Du bist alles andere als unauffällig“, kritisierte sie ihn. Er tat dies mit einer Handbewegung ab. „Vergiss nicht, warum wir eigentlich hier sind, Marcus“, ermahnte sie.
„Pssst! Widby“, hörte Hermine dann eine Stimme flüstern. „Es hat geklappt!“ Hermine wandte den Blick in Richtung der Theke. Ein etwas älterer Mann, er hätte ihr Vater sein können, hatte sich dort hingesetzt und sich weit vor zum Wirt gebeugt.
„Ich hab gehört es dauert nicht mehr lange!“ Hermine hielt die Luft an und trat Marcus auf den Fuß.
„Autsch. Was zum..?“ – „Psst!“, machte sie und nickte mit dem Kopf leicht zum Wirt. Der Mann mit dem stoppeligen Bart im Gesicht fuhr sich nun durchs Haar: „Sie haben gesagt der alte Hausmeister ist umgebracht worden, als er sie entdeckt hat.“
„Ist es jemandem aufgefallen?“, fragte Widby.
„Bisher nicht. Aber wer vermisst den schon? Ich konnte den früher schon nie leiden. Der mit seiner alten Katze. Es schaut so aus als würde alles glatt laufen. Sie haben eins von diesen Muggelteilen besorgt. Wenn die Uhr Mitternacht schläft, werden alle Türen verschlossen sein und sie geht hoch. McGonagall wird kurz vorher eine Nachricht bekommen. Und wenn sie dort ankommt, wird es zu spät sein.“
„Und dann schaut es wieder so aus als wäre sie daran Schuld. Es ist ein genialer Plan. Von wem hast du denn die Neuigkeiten schon wieder?“, fragte Widby dann. Der mit dem stoppeligen Bart wandte sich um und deutete auf einen Mann weiter hinten im Pub. Bei Hermine läuteten die Alarmglocken.
„Marcus!“, sagte sie langsam. Doch der reagierte nicht, sondern starrte weiter Richtung Warrington. „Marcus hast du gehört was sie gesagt haben?“ Marcus nickte und starrte weiter in den Raum. Katie schien von ihnen Notiz zu nehmen.
„Wir müssen sofort los!“, sagte Hermine und packte Marcus‘ Gesicht mit beiden Händen damit er sie ansah. „Marcus!“, sagte sie nun ein wenig lauter. Er blickte sie an und nickte dann immer noch wie versteinert.
„Ja, ja!“, knurrte er. „Wir müssen was tun. Ich bin aus dem noch nicht ganz schlau geworden, aber wir haben nicht sehr viel Zeit. Bis Mitternacht ist es nur noch eine knappe Stunde“, flüsterte er. Hermine wollte gerade ihre Vermutung aussprechen, da stand Marcus auf. Warrigton war aufgestanden und verließ den Pub.
„Ich hole ihn mir“, knurrte Marcus und ließ sie sitzen. Panisch ergriff Hermine ihre Sachen und jagte hinter Marcus her. Mit den Mänteln im Arm fegte sie auf die Straße. Sie begann sofort zu frieren und konnte aber in der Dunkelheit niemanden erkennen.
„Marcus?“, rief sie und versuchte in ihren Mantel zu schlüpfen. Sie schrie auf, als plötzlich jemand zu ihren Füßen na ihrem Schal zupfte. Als sie Marcus erkannte verfiel sie in Panik. Er lag hier direkt vor dem Pub und es schien als wäre sein Gesicht mit Tausenden von Kratzern übersäht. Er blutete und japste nur noch. Sie kniete sich zu ihm hinunter. Sofort waren ihre Knie nass. „Was ist passiert?“, fragte sie panisch. Er schüttelte mit dem Kopf. Das einzige was er noch sagen konnte, ehe er das Bewusstsein verlor war: „Lauf!“ Wie konnte das nur passieren? Sie war nur Sekunden! hinter ihm gewesen. Sie verstand erst zu spät. Jemand packte sie und zog sie hoch. Sie konnte die vermummte Person nicht erkennen. Sie spürte nur einen tiefen Schmerz, als sich eine Spitze in ihre Schulter bohrte. Sie sackte sofort neben ihm zu Boden. In ihrem Kopf drehten sich sofort Bilder. Sie tastete ihren Mantel ab und ergriff ihren Zauberstab. Ein Otter schoss los und verschwand in der Dunkelheit.
Hermine glaubte nicht, dass er irgendwen rechtzeitig erreichen würde, doch zum Glück platzen auch im gleichen Moment Blaise und Katie aus dem Pub.
„Beim Barte des…“ Katie ließ sich neben Hermine und Marcus zu Boden fallen. „Was ist hier passiert?“, fragte Blaise und sah sich um. Es war niemand zu sehen. Mit einem „Lumos“, erhellte Blaise die Straße. Erst jetzt konnten sie erkennen, wie viel Blut Marcus verloren hatte. Hermine wurde schwindelig.
„Wir müssen ihn sofort hier wegschaffen. Und du brauchst auch einen Arzt, Hermine“, erklärte Katie. Hermine antwortete nicht. Sie war noch immer erstarrt und wusste nicht was als nächstes kam. Blaise hatte eine Trage herauf beschworen und gemeinsam mit Katie versuchte er Marcus darauf zu heben. Dann machte es zwei Mal Plop, Plop und Draco und Ginny standen ebenfalls in der Gasse.
„Hermine!“, entfuhr es Ginny erschrocken. Sie halfen ihr auf. Sie war schwach auf den Beinen und wankte leicht.„Wir können nicht so einfach ins Mungo apparieren. Was willst du denen denn erzählen. Wenn der Tagesprophet davon Wind bekommt bekommen wir große Schwierigkeiten“, erklärte Katie. Blaise wollte protestieren.
„Ich kenne da jemanden!“, mischte sich Draco ein. Er stürzte Hermine ab, die nur leblos zwischen Ginny und ihm zu hängen schien. „Es ist nicht weit“, versicherte er. Blaise dämpfte das Licht. Sie folgte Draco die Straße hinunter. Katie ließ die Trage schweben und trotz der Dunkelheit und der eigentlichen Stille redeten sie gegenseitig aufeinander ein. Hermine hätte sie gerne angeschrien, dass sie den Mund halten sollten. In ihrem Kopf wiederholte sich in einer Dauerspule immer wieder das Gespräch zwischen Widby und dem Unbekannten. Und mit jedem Mal da sie es sich erneut durch den Kopf gehen ließ, wurde ihre Angst größer.
„Wir sind da“, sagte Draco und klopfte lautstark gegen eine Tür über die ein Apotheken Schild hing. Drinnen rührte sich nichts. Draco klopfte erneut.
„Scheint als wäre niemand da, Draco“, bemerkte Blaise, der ohnehin lieber ins St. Mungo hatte gehen wollen. Draco reagierte nicht und hämmerte weiter gegen die Tür: „Ich weiß, dass du da bist Frances. Also mach die verdammte Tür auf!“ Im inneren ging plötzlich Licht an. Und die Tür öffnete sich Sekunden später einen Spalt.
„Was willst du, Malfoy?“, fragte eine raue Stimme. Draco schob die Tür weiter auf und gab einen Blick auf Hermine frei.„Wir brauchen hier ganz dringend dein Fachwissen.“ Der Mann etwa Mitte 30 trat zurück und öffnete die Tür auf, ließ sie dann alle ganz langsam eintreten. Der Mann entzündete Kerzen und verschloss dann schnell die Tür hinter ihnen, dann zog er die Vorhänge zu.
„Ihr Kinder könnt auch keine Minute auf euch selbst aufpassen. Shacklebolt hat mir gesagt, dass ihr eines Tages hier aufkreuzen würdet. Wie konnte das passieren?“ Im Licht gab man endlich den Blick auf ihn frei. Dunkelblondes, leichtgelocktes Haar fiel dem Apotheker ins Gesicht, während er sich einen Kittel anzog und seine Ärmel hochkrempelte. „Wie lange ist er ohne Bewusstsein?“, fragte er.
„Seit wir bei ihnen ankamen. Wir haben den Pub nur eine Minute nach ihnen verlassen. Das ist keine zehn Minuten her“, erzählte Katie aufgeregt. „Er wird das doch überleben?“
„Immer mit der Ruhe, Katie“, sagte Blaise und strich der ehemaligen Gryffindor über den Rücken. Draco und Ginny platzierten Hermine währenddessen auf einem Stuhl. Noch immer hing sie bloß so da, doch so langsam war sie auch schon wieder in der Lage selbst ihr Gleichgewicht zu halten.
„Mir geht es gut“, beschwerte sie sich.
„Einen Patronus loszuschicken und nicht mal in der Lage zu sein eine Nachricht mitzugeben, bedeutet bei dir ja wohl, dass es dir alles andere als gut geht. Wenn ich nicht gewusst hätte wo ihr seid, würdet ihr wahrscheinlich jetzt immer noch da liegen“, meckerte Draco sie scharf an.
„Wie spät ist es?“, fragte Hermine. Blaise seufzte: „Hast du keine anderen Sorgen?“ Sie schüttelte mit dem Kopf: „Ihr versteht nicht. Wir haben keine Zeit mehr.“ Sie versuchte aufzustehen. „Wir müssen und beeilen und so schnell wie möglich los“, sagte sie kraftlos. „Die Bombe. Sie geht um Mitternacht hoch.“
„Bombe?“, wiederholte der Mann und wandte sich zu ihr um. „Was für eine Bombe?“
„Der Typ an der Bar hatte es von Warrington. Deswegen ist Marcus so aufgebracht aufgestanden. Er wollte mit Warrington reden. Aber es scheint, als hätte Warrington schon erwartet, dass Marcus ihm folgt.“ Hermine schloss die Augen für einen Moment. Sie war so müde, aber sie mussten jetzt wirklich los.
„Der Mann hat dem Wirt erzählt, dass es um Mitternacht losgeht und es so ausschauen wird als wenn es McGonagalls Schuld war“, fuhr sie fort. „Katie du musst sofort die Aurorenzentrale benachrichtigen. Irgendwer hat da doch den Nachtdienst. Wir können jeden gebrauchen. Und am besten gibst du auch Harry und Ron Bescheid“, fügte sie an Ginny gewandt hinzu.
„Ich verstehe nicht“, sagte Draco. „Was haben sie denn vor?“
Hermine klammerte sich mit der freien Hand an die Stuhllehne, mit der anderen hielt sie noch immer ihre Schulter umklammert. Ihr war etwas schwindelig, aber sie würde schon in der Lage sein mitzukommen. Das würde sie sich von niemandem ausreden lassen.
„Sie haben von einem Hausmeister gesprochen und einer Katze. Ich glaube sie haben Filch getötet um in die Mauern von Hogwarts zu gelangen“, flüsterte sie ehrfürchtig. Sekunden lang herrschte Stille. Keiner von ihnen wusste was sie sagen sollten.
„Wie viel Uhr haben wir?“, wiederholte Hermine ungeduldig. Während die anderen noch immer tatenlos dastanden, machte sich bei ihr immer größere Unruhe breit. Sie mussten jetzt etwas tun. Sie hatten jetzt einfach keine Zeit mehr. „Zwanzig Minuten vor zwölf“, erklärte Katie mit einem Blick auf die Uhr.
„Dann müssen wir uns beeilen. Wenn da in zwanzig Minuten wirklich eine Bombe hochgeht…“ Blaise wagte es nicht einmal seinen eigenen Satz zu beenden.
„Ich mach das hier schon“, versicherte Frances. Er war bereits damit beschäftigt Marcus aufzupäppeln. „Er wird eine Weile schlafen und es werden ein paar Narben bleiben, aber ich weiß schon was ich tue!“ Draco nickte. Er tauschte einen Blick mit Ginny aus. Doch Hermine bemerkte die stumme Kommunikation und rappelte sich von ihrem Stuhl auf.„Ihr lasst mich mit Sicherheit nicht hier. Ich komme mit!“, sagte sie entschlossen.
Draco schüttelte mit dem Kopf: „Kommt garantiert nicht in Frage. Du siehst jetzt schon aus wie Hackfleisch. Dabei können wir dich nicht gebrauchen!“
„TEDDY ist dort!“, rief Hermine aus. „Da drinnen ist ein Kind. Mein Kind. Ich werde mit euch kommen!“
„Du wirst ihm aber so auch nicht helfen können. Er braucht dich lebend und nicht in etlichen Einzelteilen. Er hat schone einmal seine Eltern verloren“, erwiderte Draco. „Außerdem ist er auch mein Cousin. Ich mache mir genauso Sorgen wie du.“ Er verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. Das war mal wieder eines dieser Dinge die Hermine gerne mal vergaß und sie wusste wie sehr es Draco traf. Er kümmerte sich seit der Versöhnung Andromedas und Narcissas sehr gut um seine Tante und dessen Enkel. Draco war ein Teil dieser Familie.
„Wenn wir noch länger diskutieren…“ Katie wollte sich nur ungern einmischen.
„Geht schon!“, drängte Ginny. Draco blickte Hermine kurz mit mitleidigem Blick an und dann verließen Blaise, Katie und Draco die Apotheke. Hermine versuchte aufzustehen, doch Ginny hielt sie zurück. „Er hat Recht, Mine! Sie haben nur noch ein paar Minuten. Wenn sie überhaupt irgendwen retten wollen, werden sie sich beeilen müssen. Du möchtest doch nicht, dass ihm etwas zustößt?“ Hermine schüttelte unter Tränen den Kopf. Aber sie musste doch zu ihm.
„Kann ich ein Glas Wasser haben?“, fragte sie krächzend. Frances wandte sich an die beiden Frauen und nickte. „Wenn sie die Treppe hoch gehen laufen sie direkt auf die Küche zu“, erklärte er Ginny. Sie nickte und verschwand im Hinterzimmer.
„Hören Sie Frances, ich kann nicht hier bleiben“, versuchte Hermine zu erklären. „Ich muss dieses Kind finden. Haben Sie einen Aufpäppeltrank oder etwas ähnliches hier? Ich werde schon nicht verbluten. So schlimm ist das nicht.“ Sie war aufgestanden und zur Trage herüber getreten auf der Marcus lag. „Er wird das doch überleben?“
„Er sieht übler aus als es ist. Ich habe schon schlimmeres wieder zusammen geflickt“, erklärte er. Dann zog er eine Schublade auf und reichte ihr drei kleine Phiolen. „Schmerztrank, etwas gegen die Blutung und ein Stärkungstrank. Eigentlich nicht direkt aufeinander zu trinken. Es wird wirken, aber wenn sie Wirkung nachlässt sollten sie außer Gefahr sein, Miss Granger.“
„Sie kennen meinen Namen?“, fragte sie und ergriff die erste Phiole und trank.
„Den kennt jeder, Miss Granger“, er lächelte.
„Ich danke Ihnen, Sir.“„Frances Belby“, stellte er sich vor und reichte ihr die letzte Phiole. „Und jetzt sollten Sie sich beeilen. Es sind nur noch 16 Minuten bis Mitternacht!“ Er deute auf eine Wanduhr in der hinteren Ecke des Raumes. Sie nickte hastig und band sich mit seiner Hilfe hastig den Schal zu einer Schlaufe, die ihren linken Arm stützen sollte. Als sie Schritte auf der Treppe hörte hastete Hermine auf der Apotheke. Draußen apparierte sie umgehend.
Sie landete am Bahnhof von Hogsmeade und konnte in der Ferne unter sternklarem Himmel stand ein hell erleuchtetes Schloss. Und sie hörte hunderte von wilden Stimmen. Hermine trank die letzte Phiole leer und hastete den Weg in Richtung Hogwarts hinauf. Etliche Schüler strömten ihnen entgegen. Lehrer sagten ihnen sie sollten sich in Hogsmeade treffen. Hermine schlängelte sich hindurch. Lautes Gekreische unterbrach den Tumult und die hölzernen Türen zur Eingangshalle von Hogwarts knallten lautstark ins Schloss.
Es ging los.
„Bleibt zusammen!“, hörte sie Hagrid rufen. Doch für eine Begrüßung blieb keine Zeit. Immer wieder verzog sie das Gesicht vor Schmerz als Schüler sie anrempelten. Sie hatte ja nicht auf Draco hören wollen. Das Tor war geschlossen. Drinnen hämmerten Hände dagegen. Doch kein Alohomora half. Die Türen blieben verschlossen. Hermine trat etliche Schritte zurück und brüllte ein lautes: „Bombarda Maxima“ Der Boden begann zu beben. Sie fiel zurück. Sie hielt sich einen Moment vor Schmerz die Schulter. Es tat verdammt weh. Schwer atmend rappelte sie sich auf und blickt auf das Tor. Im unteren Bereich war ein geringfügiger Spalt entstanden. Gerade so groß, dass man sich durchquetschen konnte. Hermine lief hinüber. An der Tür begegnete Professor Fortuna.
„MORGAN!“, rief sie. „Morgan, was ist geschehen?“
„Die Schulleiterin hat uns mitten in der Nacht aus dem Bett gerufen. Sie hat eine Nachricht erhalten, dass eine Bombe hochgehen wird. Ich hab sie gefragt wie das mit den ganzen Schutzzaubern funktionieren sollte aber… Hermine ich glaube wir haben nicht mehr viel Zeit hier.“
„Wo ist Teddy?“
„Andromeda wollte ihn wecken und fortschaffen. Aber ich glaube sie sind noch dort unten“, erklärte Morgan. Hermine wollte kein weiteres Wort hören und quetschte sich durch die Tür hinein.
„Hermine, das ist Wahnsinn. Wir haben keine zehn Minuten mehr. Hier fliegt gleich alles in die Luft.“ Das war ihr egal. Sie hatte Remus ihr Wort gegeben. Und sie würde alles tun um dieses Kind zu finden.
Sie schlug den Weg zu den Kerkern ein und rannte die Treppen hinunter. Immer wieder kam sie ins Stolpern. Noch immer liefen hier unten Schüler herum die das ganze wohl für einen Scherz hielten, doch Hermine brüllte sie auf ihrem Weg weiter nach unten an, dass sie so schnell wie möglich verschwinden sollten.
Dann hörte sie den ersten Glockenschlag. Hermine rannte so schnell ihre Füße sie tragen konnten zu Fortunas Büro. Die Tür stand offen. Doch sie konnte niemanden entdecken.
„DROMEDA?“, schrie sie. „ANDROMEDA!“ Sie drang weiter in die Räumer der Professorin für Zaubertränke ein.
„Was schreist du so, Hermine?“, fragte Severus Snape sie aus seinem Gemälde heraus.
„Severus“, keuchte sie außer Atem. „Severus, wo sie Dora und Teddy?“
„Verschwunden, vor ein paar Sekunden waren sie noch hier. Hast du die Tür eingeschlagen?“, fragte er perplex. „Und was tust du hier? Du bist doch verletzt? Du solltest zusehen, dass sich jemand deine Verletzung anschaut. Das sieht nicht gut aus, Hermine.“
Sie reagierte nicht. Im Hintergrund hörte sie weiter Severus‘ Portraits nach ihr rufen.
„DROMEDA!“, rief sie weiter und lief wieder auf den Gang hinaus. „TEDDY!“ Ihr fehlte der Atem und die Kraft. Wo waren die beiden nur?
„Hermine?”, fragte eine Stimme. Sie drehte sich um und entdeckte Andromeda Tonks.
„Ihr seid da!“, keuchte sie flehend und lief auf die ältere Dame und Teddy zu. Der kleine lag in Andromedas Arm und schien mehr oder weniger zu schlafen. „Wir müssen gehen! Sofort! Hier wird bald alles in die Luft gehen!“, erklärte Hermine und schob die alte Hexe in Richtung von Morgan Fortunas Büro. „Wir nehmen Flohpulver. Das ist unsere letzte Chance!“ Sie hörten das Beben. Mit dem 12ten Glockenschlag hatte das Schloss zu beben begonnen. Sie platzten ins Büro. Noch immer war Severus Snape dabei tausende Fragen zu stellen. Hermine konnte ihm nicht antworten. Auch wenn sie es gerne getan hätte. Denn vermutlich war das hier die aller letzte Gelegenheit. Sie ergriff das Pulver.
„Geht schon!“, rief Andromeda und drückte Hermine den kleinen Teddy in die Arme. „Ich werde sofort nachkommen!“
Hermine hatte keine Zeit nachzudenken und trat mit dem Flohpulver in den Kamin: „Grimmauld Place Nummer Zwölf“, rief sie. Sofort taten sich die Flammen auf. Doch aus dem letzten Augenwinkel konnte Hermine erkennen, dass von Morgans Büro nicht mehr viel übrig bleiben würde. Die Reise durch den Kamin war schwerer als sonst. Das lag wohl zum einen an ihrer Schulter und zum anderen an dem Kind auf ihrem Arm. Ihr wurde schlecht und es drehte sich. Irgendwas stimmte hier noch immer nicht. Und noch bevor sie die Küche des Grimmauld Place erreichten verlor Hermine im Netzwerk das Bewusstsein. Fest um das Kind geklammert fiel sie mit Teddy im Arm auf den Küchenboden auf. Das Kind klammerte sich nur voller Panik an den leblosen Körper von Hermine, dessen Schulter wieder zu bluten begonnen hatte.
„Mine!“, flüsterte Teddy leise. „Mine, aufwachen.“ Der kleine versuchte sie aus der Umarmung zu lösen und rüttelte an Hermine herum. „Mine, aufstehen“, brachte er hervor und fing an zu weinen, als er das Blut sah.
Sirius, James, Remus und Severus hatten im oberen Salon des alten Black Hauses gesessen und darüber diskutiert was zu tun war. Seit der Otter hier aufgetaucht und Draco daraufhin sofort mit Ginny verschwunden war saßen sie nun da. Dabei sollten Hermine und der Rest dieser Chaostruppe längst wieder hier sein. Das einzige was sie wirklich verstanden hatten war, dass er große Schwierigkeiten gab. Das hatte für Unruhe gesorgt. Sie schraken zusammen, als sie von unten aus der Küche ein lautes Poltern hörten.
„Wir sollten nachsehen“, sagte James sofort. Er war der erste der aufgestanden war.
Remus stellte sich ihm in den Weg: „Draco hat gesagt wir sollen hier bleiben, für den Fall dass jemand hier auftaucht der uns nicht sehen soll.“
„Solche Leute poltern aber auch normalerweise nicht einfach nachts durch den Kamin“, knurrte Sirius. Dessen Laune gerade nicht sehr viel schlechter sein konnte.
„Weißt du das mit Sicherheit?“, erkundigte sich Snape. Nun war auch er aufgestanden. „Ich werde runter gehen. Mich vermutet in dieser alten Kiste wohl am wenigsten jemand. Mich erkennt vermutlich auch niemand“, erklärte er entschlossen. In den letzten paar Wochen hatte Severus es sich angewöhnt nicht mehr auf das zu hören was Sirius sagte. Sirius glaubte zwar hier der Herr im Haus zu sein, doch Hermine und Draco hatten ihm sehr schnell klar gemacht, dass er sich zurück zu halten hatte.
„Keine faulen Tricks, Snape“, knurrte Sirius. Severus trat kommentarlos an Remus vorbei auf den Gang und stieg dann sehr leise die Treppenstufen hinunter. Er hörte eine leise Stimme. Doch er kannte sie nicht. Und sonst war auch niemand zu hören. Mit jeder Stufe die er dem Erdgeschoss näher kam, wurde er sicherer. Die Stimme gehörte einem Kind. Was hatte ein Kind hier zu suchen? Mit gezogenem Zauberstab schlich er den Flur im Erdgeschoss in Richtung der Küche entlang. Noch immer hörte er nur die Stimme des Kindes. War das eine Falle? Vorsichtig schob er die Tür auf.
Die Szene die sich Severus dort bot ging ihm durch Mark und Bein. Sie lag dort in einer Blutlache und rührte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Daneben saß dieses kleines Kind. Ein kleiner braunhaariger Junge. Er hatte die Hände blutverschmierte und flüsterte immer wieder: „Mine, du musst aufstehen!“ Doch Hermine konnte weder Antworten noch sonst etwas tun. Severus war wie erstarrt. „BLACK!“, donnerte seine Stimme das Treppenhaus hinauf. „BEEIL DICH, BLACK!“ Der kleine Junge zuckte zusammen und klammerte sich ängstlich an Hermine. Severus war in die Küche gestürmt und kniete sich neben Hermines leblosen Körper. Dann stürmten auch schon Sirius, James und Remus durch die Küchentür hinein. Wie versteinert blieben auch sie in der Tür stehen. Severus tastete die Schulter ab, war in Gedanken schon dabei sie zu verbinden und überlegte was für ein Trank die Blutung stoppen konnte und wo sie ihn herbekommen konnten. Doch außer ihm rührte sich niemand.
„Setzt eure Hintern in Bewegung und tut IRGENDETWAS!“, bellte Severus los. Remus war der erste der wieder schaltete und er nahm den kleinen Jungen auf den Arm. Der kleine war völlig zerstört und strampelte doch Remus begann eine Melodie zu summen und versuchte den kleinen auf dem Arm hin und her zu schaukeln. Als würde der kleine Junge das Lied kennen, sich daran erinnern schmiegte er sich an Remus‘ Schulter und schloss die Augen. Er kannte das Lied. Aber er wusste nicht woher dieser Mann es kannte. Für Teddy zählte nur eins. Wenn er dieses Lied hörte, dann war er in Sicherheit. Das hatte Mine immer gesagt. Wenn das Lied da war, war alles gut. Die Haare des kleinen Ted färbten sich nun beinahe feuerrot. So wie sie es immer getan hatten, schon als kleines Baby. Und so trug Remus den kleinen Jungen mit den blutverschmierten Händen die Treppe hinauf. Immer und immer wieder summte er diese Melodie und schaukelte das Kind auf seinem Arm. Nicht wissend, dass er seinen eigenen Sohn in den Armen hielt.
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