
von Freaky-Angel
Soundtrack zu Kapitel 14: Yiruma mit Moonlight
Kapitel 14 – In unendlicher Stille
„Was können wir tun?“, fragte Sirius panisch. Noch immer stand er tatenlos in der Küchentür und starrte auf Hermines leblosen Körper zu seinen Füßen. James hatte eine Schüssel mit lauwarmem Wasser gefüllt und einen sauberen Schwamm organisiert. Er saß neben Severus auf dem Boden und säuberte unter Severus‘ Anweisung die Wunde.
„DIPTAM!“, schrie Severus plötzlich auf. „Ihr müsst doch Diptam im Haus haben!“ Es war als drehten sich in Sirius‘ Kopf hunderte von Rädchen. Und Severus konnte sie rattern hören. „BLACK!“, bellte Severus los. „Wir brauchen es sofort!“
„Natürlich“, erklärte dieser benommen. Sein Blick hing noch immer an der bewusstlosen Hermine. Was war passiert. Und wo kam das Kind her?
„Sirius!“, rief jetzt auch James. „Reiß dich zusammen und such Diptam!“ Erst jetzt schienen die Schalter wieder auf Klar-Denken um zu springen und Sirius eilte aus der Küche hinaus. Niemand kam auf die einfach Idee mit dem Accio-Zauber danach zu rufen.
„Drück die Wunde fester zu, Potter“, befahl Severus und James folgte dem. Sie hatten ein sauberes Küchentuch aus dem Schrank auf die Wunde gedrückt und versuchten so die Wunde zu stoppen. Severus unterdessen tastete ihren Hals ab um ihrem Puls zu erfühlen. Er seufzte bedrückt: „Nur ganz schwach“, murmelte er nervös. Es juckte ihm unter den Fingern, dass er nichts tun konnte. Er war kein Medimagier und wenn es nicht aufhörte zu bluten konnte er sich die Wunde auch nicht genauer ansehen. Und es blutete noch immer. Sie verlor so viel Blut.
„HIER!“, Sirius platze in die Küche und reichte Severus das Diptam. Severus schraubte die Tinktur auf. Severus atmete mehrmals tief durch, dann schob er James und das Küchentuch zur Seite. Er packte in die Tinktur und verteilte eine große Masse davon auf die offene Wunde an Hermines Schulter. Es war als verstopfte das Zeug sofort die Blutbahnen, denn es schien nicht weiter zu bluten. James begann wieder damit alles drum herum zu säubern. Severus tastete die Wunde ab und stellte zu seiner Zufriedenheit fest: „Es scheint nichts gebrochen zu sein. Aber ich bin auch kein Experte. Was sagt denn euer Auroren-Notfall-Plan? Habt ihr irgendeinen brauchbaren Trank hier im Haus, Black?“
„Woher soll ich das wissen? Das Haus hier scheint schon seit Zeiten nicht mehr so zu sein wie als ich es das letzte Mal verlassen habe. Im Vorratsschrank wo ich das Diptam gefunden habe, war jedenfalls nichts. Sonst hätte ich das ja wohl sofort mitgebracht, du Besserwisser!“, entgegnete Sirius gereizt. „Sonst noch irgendwelche schlauen Ratschläge, Snape?“
„Vielleicht solltet ihr mal die Klappe halten und nachdenken? Nur die Blutung zu stoppen wird nicht dazu beitragen, dass Hermine das hier überlebt“, maulte James seinen besten Freund und Severus an. „Ich bin dafür dass ihr euch auf die Suche nach irgendeiner Zutat für einen blutbildenden Trank macht, damit wir uns einen Ersatz kochen können. Ohne neues Blut liegt sie hier nämlich bald auf dem Trockenen.“ Severus stand als erstes auf und riss in der Küche alle Schränke nacheinander auf. Da er die oberen Regale nicht erreichen konnte kletterte er auf einen Stuhl und reichte dann Sirius alles hinunter was er für brauchbar hielt. James tupfte mit einem neuen Schwamm Hermines Stirn ab. Sie war schweißgebadet und ihre Hände wurden langsam kalt. Das war kein sehr gutes Zeichen wie James fand. Aber davon sagte er wohl am besten erst einmal nichts. Sirius würde durchdrehen anstelle sich zu konzentrieren und auch Snape schien ein wenig von der Rolle zu sein. Ihm schien was an Hermine zu liegen. Noch konnte James nicht einordnen, was er davon halten sollte, aber wenn sie jetzt diesen Trank kochten würden die beiden kurz Ruhe geben und sie konzentrieren. Denn auch James gingen jetzt so langsam die Ideen aus.
„Du musst durchhalten“, flüsterte er leise, in der Hoffnung dass es niemand hörte. „Sie werden diesen Trank brauen und dann wird es dir besser gehen, Hermine“, redete James auf den leblosen Körper am Boden ein. Severus hatte einen riesigen Kessel in der Hand und machte sich auf den Weg in Richtung Kamin. Es gestaltete sich als etwas schwer. Schließlich lag dort Hermine. Und sie wagten es nicht sie zu bewegen.
Dann fiel plötzlich Blaise aus dem Kamin. Die drei erstarrten und blickten den Dunkelhäutigen jungen Mann entgeistert an. Severus wicht mit dem Kessel zurück. Sirius hatte den Zauberstab gezogen und hielt in Blaise unter die Nase: „Wer bist du?“, knurrte er laut.
„Die Frage…“, krächzte Blaise los. „…ist ja wohl eher, was ihr mit Hermine gemacht habt!“ Blaise hustete. Er war durch den Kamin gestiegen und auch wenn er diese merkwürdigen Gestalten sah, hatte sein Blick nur ein einziges Zentrum: Hermine. So krabbelte er neben den kalt werdenden Körper. Blaise nahm Hermines Hand und erschrak.
„Sie ist nicht tot!“, sagte Blaise leise zu sich selbst. „Wieso kann sie denn nicht ein einziges Mal hören wenn man ihr etwas sagt?“, stieß Blaise wütend aus. Er realisierte nicht wirklich welch seltsame Gestalten hier in der Küche saßen. Er war viel zu sehr damit beschäftigt die halb tote Hermine anzustarren. James und Sirius wechselten kurz einen Blick. James zuckte nur unschlüssig mit den Schultern. Als im nächsten Moment auch Katie Bell in die Küche trat, dicht gefolgt von Draco und einer ebenso schwachen Andromeda. Draco stützte seine Tante. Und Katie, die beinahe über Blaise und Hermine gestolpert war, zog aus dem Nebenzimmer einen Stuhl herbei. Erst als Andromeda saß starrte auch Draco auf die leblos daliegende Hermine.
„Sieh zu dass du Belby herholst!“, erklärte Blaise. „Übernimm du das. Ich lasse Shacklebolt eine Nachricht zukommen und kümmere mich um den Rest!“, antwortete Draco. Katie war vor Übermüdung an der Küchentheke herunter gerutscht und saß nun völlig erledigt auf dem Boden.
„Ich sehe Geister, Draco“, flüsterte Andromeda kraftlos. Sie hatte alle Mühe die Augen offen zu halten und blinzelte entgeistert Sirius entgegen. „Ich glaube mein Verstand hat mich auch gerade verlassen“, erklärte Katie. James sah sie sich genauer an. Vermutlich war es die verblüffende Ähnlichkeit zu Harry die Katie gerade verdauen musste.
„Wir erklären euch das schon noch“, sagte Draco schnell. „Aber jetzt gibt es anderes zu tun. Setz dich in Bewegung, Blaise.“ Blaise stand nur langsam wieder vom Küchenboden auf und blickte dann in die Runde. „Ich denke, Katies Verstand ist nicht der einzige, der gerade Schlapp macht, Dray“, überlegte Blaise. „Auch ich sehe…Geister? Ist das Professor - “
„Kein Professor!“, schnitt Draco ihm das Wort ab. „Hole Belby her und zwar schnell. Oder möchtest du dass Hermine gleich mit den Geistern weiter tanzt?“, bluffte er Blaise an.
„Ganz ruhig, Draco“, sagte Andromeda mit sanfter Stimme. „Wir sind alle sehr müde. Wie wäre es wenn wir uns ein Weilchen hinlegen könnten? Teddy ist doch hier in Sicherheit nicht wahr?“
„Ist Teddy…?“, begann Sirius. „Das Kind!“, besttätigte James. „Remus ist mit Teddy nach oben gegangen. Er war so aufgeregt wegen dem vielen Blut. Aber Remus schafft das schon. Ich glaube er wäre ein sehr guter Vater wenn er nicht immer meinen würde…“
„Remus ist hier?“, japste Andromeda verwirrt. Der alten Dame fiel das Atmen schwer. „Er ist hier bei Teddy?“
„Halt ab sofort dein Vorlautes Mundwerk“, knurrte Draco. Er griff hastig nach einem Glas Wasser und füllte es seiner Tante. „Es ist alles in Ordnung, Andromeda.“ Draco reichte ihr das Glas und hielt ihr seine Hand hin.
„Ich brauche Schlaf“, verkündete Katie. „Wir haben hier bestimmt ein Bett frei?“, fragte sie und Draco nickte. „Zwei Treppen hoch und du kannst dir ein Bett aussuchen!“, verkündete Draco. James öffnete den Mund um zu protestieren, doch als er Katie dann noch aufhelfen musste, da diese vor Übermüdung keinen geraden Schritt vor den anderen setzten konnte, überlegte er es sich anders und entschied, dass Katie wirklich ein Bett zum Schlafen brauchte. Blaise war Unterdessen durch den Kamin zum tropfenden Kessel verschwunden. Er würde den Weg zu Belbys Apotheke auch so finden. Ginny war vermutlich noch bei ihm. Denn von ihr hatten sie auch schon eine ganze Weile nichts mehr gehört. Draco konnte sich jetzt aber keine Gedanken um Weasley machen. Hermine lag noch immer halb tot auf dem Küchenboden.
„Los wir tragen sie hoch“, sagte Draco und zusammen mit Sirius nahmen sie Hermine hoch. „Ich mach das schon, Malfoy“, erklärte Sirius. Er nahm sie auf den Arm und ließ sich von James die Tür aufhalten, während er sie hoch trug. Draco nahm währenddessen über den Kamin Kontakt zu einem Freund seines Vaters auf. Andromeda rappelte sich unterdessen von ihrem Stuhl auf und trat an Draco vorbei ebenfalls auf den Flur. Zurück blieben nur noch Draco und Severus.
„Was genau hast du vor?“, fragte Draco Severus. Dieser hielt noch immer den Kessel im Arm und starrte in die nun beinahe leere Küche. „Wir wollten etwas Blutbildendes zusammenbrauen, aber ich weiß nicht ob das noch so viel bringen kann. Sie hat ziemlich viel Blut verloren.“
„Rede keinen Unfug“, sagte Draco barsch. „Natürlich schafft sie das.“
„Wir sollten schon noch realistisch bleiben“, entgegnete Severus ein wenig genervt. „Ich hab alles gemacht was wir in diesem Saftladen hier für sie tun konnten. Aber du hast die Wunde nicht gesehen. Das war mehr als ein kleiner Schnitt. Es ist zwar nichts gebrochen, aber ich würde mir jetzt nicht so viele Hoffnungen machen, dass sie hier morgen wieder herum spaziert“, stieß Severus aus.
Draco ballte seine Hand zur Faust. Am liebsten hätte er jetzt auf Severus eingeschlagen oder ihn auf den Mond gehext. Die Vorstellung dass sie auf Grund ihres Dickkopfes jetzt ihr Leben lassen musste ging Draco gegen den Strich. Sie durfte doch nicht sterben.
Es klingelte an der Haustür. Draco horchte auf. Und stöhnte genervt auf. Er konnte weder Potter noch Weasley hier gebrauchen. Genervt trat er in den Hausflur. Hinter der Tür konnte er aufgeregte Stimmen hören. Er drückte die Türklinke hinunter und zog sie einen kleinen Spalt auf, da drückte Ginny Weasley ihm die Tür bereits entgegen und stürmte ins Haus.
„Wo ist sie?“, rief sie. „Oben“, ächzte Draco, dem sie die Türklinke in den Magen gerammt hatte.
„Wie geht es ihr?“, vernahm Draco Flints Stimme. Er blickte Marcus erstaunt an. Sein Gesicht war von Narben überseht, ein wenig blutverkrustet, aber es schien ihm besser zu gehen. Frances hatte ganze Arbeit geleistet.
„Anscheinend sehr viel schlechter als dir, Flint“, antwortete Draco erstaunt.„Mich haut so schnell nichts um, Malfoy“, knurrte Flint. Von oben hörte er Ginny: „Ja das haben wir ja gesehen“, rufen.
„Wie schlimm ist es?“, fragte Frances, der nun auch das Haus betrat und sich neugierig umblickte.
„Schlimm!“, sagte Draco ernst und schaute Frances direkt in die Augen. „Schlimm!“ Frances trug einen Koffer bei sich und eilte hinter Ginny die Treppen hinauf.
„Wie geht’s Katie?“, erkundigte sich Marcus. Er begann hinter seinem Ohr zu kratzen. Sein gesamtes Gesicht war völlig entstellt. Und Draco wollte nicht wissen, wie viele Schmerzen er gerade zu ertragen hatte.„Sie schläft“, antwortete Draco. „Du kannst dir auch ein Bett suchen. Du siehst auch noch nicht top fit aus. Wo ist Blaise?“
Marcus machte eine Kopfbewegung nach draußen. Draco folgte dieser und entdeckte seinen besten Freund draußen in der Kälte, wie er auf den Stufen des alten Black Hauses saß. Draco seufzte und trat hinaus in die Kälte, er zog die Tür bis auf einen letzten Spalt hinter sich zu und tappte die Stufen zu Blaise hinab.
„Es ist kalt“, erklärte Draco. „Du solltest rein kommen.“
Blaise schüttelte mit dem Kopf: „Es sehen ihr doch schon genug Leute beim Sterben zu.“ Draco seufzte und setzte sich zu Blaise auf die eisigen Stufen. Die kalte Nachtluft wehte ihnen um die Ohren. Noch immer war es stockfinster und die Straße wurde einzig und allein von der Straßenlaterne in acht Meter Entfernung erhellt. Von außen sah das Haus der Blacks dunkel und unbewohnt aus. Genauso wie es für Muggel auch den Anschein erwecken sollte. Ebenso Magier sollten nicht auf die Idee kommen, was sich hinter diesen alten Mauern abspielte.
„Sie wird schon nicht sterben“, sagte Draco. „Du glaubst nicht wirklich dass dieser Sturkopf uns alleine zurücklässt. Sie ist doch immer der Meinung, dass ohne sie gar nichts läuft hier.“ Draco zwinkerte Blaise zu und doch war er selbst nicht so ganz davon überzeugt was er sagte.
„Sie ist auch nur ein Mensch“, flüsterte Blaise. „Sie weiß immer, immer alles besser. Aber ausgerechnet heute, wo sie es besser hätte wissen müssen, da… wie konnte sie das tun? Wie konnte sie so völlig ohne Verstand nach Hogwarts kommen. Sie wusste was passieren wird. Sie ist alles andere als dumm. Sie wusste, dass sie mit der Verletzung dort nichts zu suchen hatte.“ Blaise wandte zornig den Blick ab.
„Es ist wegen Teddy“, versuchte Draco sie in Schutz zu nehmen. Auch wenn er es selbst unverantwortlich fand, konnte er sie verstehen. „Er ist das einzige was ihr geblieben ist.“
„Wir hätten ihn schon da heraus geholt!“, entgegnete Blaise.
„Wir waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Wir waren mit McGonagall auf der Suche nach dieser Bombe. Und du hast gehört was meine Tante gesagt hat. Nur eine Sekunde später und sie hätte es nicht mehr mit Teddy aus dem Kamin geschafft. Nur eine einzige Sekunde. Wann deiner Meinung nach hätten wir die Zeit gehabt ihn da raus zu holen?“
„Du hattest ihr versprochen nach dem Kleinen zu sehen. Darum hättest du dich kümmern müssen. Aber sie kannte dich mal wieder besser. Warum hast du dich nicht darum gekümmert, so wie du es ihr gesagt hattest?“, fragte Blaise nun aufgebracht.
Draco senkte den Blick: „Ich wusste sie wäre uns trotzdem gefolgt. Außerdem haben wir etliche Schüler befreit. Zählt das nicht? Das sind alles Kinder. Sie alle haben eine Familie die sie zurückhaben wollen.“
„Er ist nicht ihr Sohn“, meinte Blaise.
„Sie ist seine Patin. Und sie nimmt den Job eben sehr viel ernster als Potter. Wenn hat sie denn sonst noch? Ihre Eltern hat sie vor Jahren fortgeschickt damit sie sie retten konnte. Sie ist alleine, Blaise. Wir können ihr noch so gute Freunde sein. Wir sind nicht ihre Familie.“
Blaise seufzte und fuhr sie mit der Hand durch das kurze dunkle Haar. Auch er war müde und brauchte eigentlich Ruhe. Dabei gab es noch so viel zu erledigen und im Augenblick konnte er sich ohnehin nicht konzentrieren.
„Ich wünschte wir könnten mehr tun“, sagte er matt.
„Wir könnten jetzt erst mal rein gehen und uns den Hinter wärmen, bevor er uns abfällt“, schlug Draco vor. Blaise nickte langsam. Sie standen auf und stiegen die Stufen zur Haustür wieder hinauf. Keiner der beiden hatte den dunkelhaarigen Mann mit der Blitznarbe auf der Stirn entdeckt, der nur wenige Meter von ihnen entfernt hinter der Gartenmauer des Hauses gegenüber gesessen hatte. Er rutschte an der Steinmauer mit dem Rücken herunter und atmete lauf hörbar die Luft aus. Harry schloss die Augen und lehnte den Hinterkopf an die Mauer zurück. Er weinte.
„Draco!“, rief Severus aus der Küche, als dieser die Haustür ins Schloss fallen hörte. Draco und Blaise traten in die Küche ein. Severus stand noch immer alleine dort, hatte mittlerweile einen Teekessel aufgesetzt.
„Was gibt’s?“, erkundigte sich Draco müde. Er rieb sich die Augen.
„Da war eben jemand im Kamin. Er ließ dir Ausrichten, dass McGonagall in Sicherheit sei!“ Draco nickte. Das hatte er so erwartet. „Danke!“, murmelte er müde.
„Wo wir nun hier sind. Magst du mir die Geschichte erzählen, wie Snape, Potter und Black den Weg in dieses Haus gefunden haben?“, fragte Blaise. Draco stöhnte genervt auf. „Muss das sofort sein, Blaise?“
„Am besten gestern. Wir sehen hier doch keine Geister, oder doch?“, hakte er nach.„Genauso aus Fleisch und Blut wie du und ich. Und nein, ich bin nicht Schuld daran und ich könnte mir mit Sicherheit auch Besseres vorstellen“, beschwerte Draco sich.
„Wenn ich mich richtig erinnere, dann hast du dich selbst hier einquartiert. Du hast also keinen Grund so zu tun, als würden wir dir zur Last fallen. Es wunderte mich, dass Hermine sich noch nicht beschwert hat, aber… wo sollen wir denn hin? Solange wir keine Möglichkeit haben zurückzukehren.“ Severus zuckte mit den Schultern.
„Wir haben im Augenblick nun mal größere Sorgen“, erklärte Draco. „Glaub mir, wenn ich einen Weg kennen würde wäre Black schon vor Wochen wieder hier verschwunden. Liebeskranker Idiot.“
„Liebeskrank?“, lachte Blaise. „Wie meinst du das?“
„Na wir sie ja nur aus diesem einen Grund hier“, meckerte Severus. „Weil Black seine Hormone nicht unter Kontrolle halten konnte.“ Blaise blickte sie abwechselnd fragend an. Wovon redeten sie?
„Ich erkläre es dir noch“, versprach Draco matt. „Aber erst brauche ich eine Mütze Schlaf. Außerdem sollten wir uns überlegen, was wir mit Katie und Marcus machen. Es sollten eigentlich so wenige wie möglich wissen.“
„Das sollte sich als schwer gestalten, wenn Black und Potter noch immer oben an Hermines Krankenbett hocken“, stellte Severus fest.
„Hoffentlich hat Frances sie ins Bett geschickt“, erklärte Draco. Der Teekessel pfiff. Severus stand auf und füllte das Wasser in eine Kanne und ließ den Tee ziehen.
„Lasst uns nachsehen wie es ihr geht“, meinte Draco dann und stand als erstes vom Küchentisch auf. Blaise musterte noch einmal Severus eindringlich und schüttelte dann den Kopf als wäre das hier vollkommen absurd. Dann stiegen sie gemeinsam die Stufen in den ersten Stock hinauf. Kurz darauf erreichten sie den Salon. Es herrschte völlige Stille im Haus. Und genau das bereitete Draco in diesem Moment großes Unbehagen. Seit Tagen, Wochen war es in diesem Haus nicht mehr Still gewesen. Warum sollte es jetzt anders sein?
Vorsichtig klopfte Draco an die Salontür. Sie hörten Schritte. Frances öffnete ihnen.
„Sind die Verrückten weg?“, erkundigte er sich. Draco schaute ihn fragend an. „Na diese zwei komischen Typen die an Hermine geklammert haben wie Maden am Speck. Ich hab fünf Minuten gebraucht die hier raus zu jagen. Ständig wollten sie wissen was ich mache und warum. Als würde ich meine eigenen Arbeit nicht verstehen. Ich bin Apotheker, Draco. Kein Heiler. Meine Fähigkeiten sind auch nur begrenzt.“
„Wie geht es ihr?“, fragte Blaise. Er setzte sich neben Ginny auf das Sofa. Sie war eingeschlafen und Blaise deckte sie nun zu.
„Den Umständen entsprechend. Ich kann nichts versprechen. Sie hat viel Blut verloren. Aber das Diptam hat scheinbar seine Arbeit getan, ansonsten wäre sie jetzt nicht mehr bei uns“, erklärte der Apotheker. Draco nickte nur benommen. Haarscharf war das gewesen. So ein dummes Ding.
„Was ist mit Flint? Der sah ja eben ziemlich fit aus?“
„Der hatte eine Menge Glück. Sein Körper hat abgeschaltet bevor schlimmeres passieren konnte. Er war nicht sehr lange ohne Bewusstsein und wird wohl auch sehr schnell wieder auf die Beine kommen können. Nur von den Narben im Gesicht wird er jetzt wohl ewig was haben. Es war ja kein Fluch der ihn an verletzt hat und ich bin eben nur Apotheker…“ Frances ließ den Satz unbeendet. Draco nickte verstehend: „Du hast dein Bestes getan, mehr konnten wir von dir nicht verlangen.“
Frances nahm noch einmal einen Lappen aus seinem Koffer und tränkte ihn mit einer Kräutermischung. Dann legte er den Lappen über Hermines Gesicht. „Sie sollte jetzt ruhig schlafen können. Ich kann euch aber nicht sagen, wann sie aufwacht…ob sie aufwacht. Das viele Blut…Wir müssen ein wenig warten. Dort drüben auf dem Tisch habe ich euch Blutauffrischer und ein Medikament hingestellt. Wenn sie wach wird gebt sie ihr so schnell wie möglich zu trinken und gebt mir Bescheid. Ansonsten kann ich im Augenblick nichts mehr für euch tun.“ Frances machte ein etwas trauriges Gesicht. „Geht es wenigstens dem Kind gut?“, erkundigte er sich. Draco nickte. Frances erwiderte es: „Sehr gut. Passt gut auf sie auf. Ich werde jetzt Mal nach meinen eigenen Kindern sehen.“ Draco nickte und beobachtete wie Frances Belby mit einer Hand voll Flohpulver durch den Kamin verschwand.
„Er hat Kinder dort in dieser schäbigen Apotheke?“, fragte Blaise. Draco schüttelte mit dem Kopf: „Nein sie wohnen in Dartmoor. Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen. Er zieht sie mit seiner Schwester alleine groß. Die Mutter hat nach der Geburt des Sohnes Selbstmord begangen.“ Blaise stieß laut hörbar die Luft aus.
„Depressionen?“
„Nicht direkt“, versuchte Draco auszuweichen. „Frances meinte seine Frau habe geglaubt dass das Kind nicht von ihm sei.“ Blaise zog die Stirn in Falten. „Ja, ganz komische Geschichte. Aber er redet auch ungern darüber.“
„Ist ja auch vollkommen verständlich“, gähnte Ginny. Sie hing völlig erschöpft auf dem Sofa und setzte sich dann halbwegs aufrecht hin. Sie hörte schon seit einer Minute mit halbem Ohr hin, war aber zunächst noch zu erschöpft gewesen, um sich zu regen. „Wie geht es Hermine?“
„Sie ist noch nicht wieder wach geworden“, erklärte Blaise. „Ich glaube das wird sie auch heute nicht mehr. Wir sollten zusehen, dass wir selbst eine Mütze voll Schlaf bekommen. Morgen früh…Oh man, ich möchte gar nicht daran denken.“ Blaise rieb sich die Augen und legte den Kopf auf Ginnys Schulter ab.
Draco ließ sich nun in einem Ohrensessel fallen und beobachtete Hermine, die auf dem anderen Sofa lag. Wach auf. Wach auf.„Heute früh!“, korrigierte Draco seinen Freund und gähnte ebenfalls. In ein paar Stunden ist die Nacht vorbei und Shacklebolt erwartet mit Sicherheit einen Bericht.“
„Shacklebolt kann mir getrost den Buckel herunter…“ Blaise fing sich einen Seitenhieb von Ginny ein.
„Shacklebolt macht auch nur seine Arbeit“, stellte Ginny fest. Sie kuschelte sich müde an Blaise und schloss für einen Moment wieder die Augen. „Wir sollten nicht so respektlos sein“, flüstert Ginny. Draco konnte ihr nur still schweigend zustimmen.
„Erzählt mir was passiert ist“, bat Ginny dann.
Blaise seufzte: „Ich denke eigentlich nicht, dass du es wissen willst“, überlegte er. Und schloss die Augen. Als könnte er sich für einen Moment von all diesem hier entfernen.
„Die Zerstörungen vom Krieg vor fast zwei Jahren waren nichts dagegen“, hauchte Draco leise in die Stille. Er warf einen Blick in das Kaminfeuer und wünschte sich es wäre nur so schlimm wie damals.
„Es war nicht nur eine Bombe“, sagte Blaise langsam. „Du hörtest nur Knall, Knall, Knall und es hörte einfach nicht auf.“
Ginny schluckte und richtete sich auf. Sie blickte die beiden abwechselnd an und konnte den Schmerz in ihren Gesichtern ablesen. Blaise standen Tränen in den Augen. Sie nahm ihn in den Arm und wippte sanft hin und her. Blaise sagte einfach nichts mehr. Man hörte kurz ein leises Schniefen, doch er kniff immer wieder die Augen zusammen um zu verhindern, dass man Tränen sah. Der erste Schock schien von ihm abzufallen, stattdessen machte sich leere und Hoffnungslosigkeit in ihm breit.
„Das war unser Zuhause“, flüsterte er benommen. „Wir hatten doch all die Zeit sonst kein Zuhause.“ Ginny drückte ihn fester an sich. Sie wollte nun wirklich nicht wissen, wie es dort aussah. In ihrem Kopf spielten sich Bilder ab, wie sie selbst vor nicht ganz acht Jahren das erste Mal ihren Schlafsaal im Haus Gryffindor betreten hatte. Für den Sprechenden Hut hatte es außer Frage gestanden, dass Ginny in das Haus von Gryffindor gehörte. Nicht auf Grund ihrer Familientradition, sondern auch weil der Hut den Mut in ihr gesehen hatte. Den Mut sich gegen alles zu stellen, dass ihr Steine in den Weg legen sollte. Ginny hatte die Fahrt über den See in den Booten unterm Sternklaren Himmel immer in Erinnerung behalten. Und in ihr stieg das stolze Gefühl wieder auf, welches sie erfüllt hatte, als der Hut erklärte sie wäre eine Gryffindor. Mochten sich ihre älteren Brüder über die gestrickten Pullis ihrer Mutter nur beschweren, war Ginny erpicht darauf gewesen an ihrem ersten Weihnachten auch einen solchen zu bekommen. Mit dem ersten Schuljahr verband sie ansonsten nicht die besten Erinnerungen, doch die Jahre die folgten waren die besten ihres Lebens gewesen. Nichts hatte sie mehr erfüllen können als Quidditch. Das alles sollte es nicht mehr geben?
Nun Draco nahm ihr jede letzte Hoffnung. Er war aufgestanden und lehnte sich mit den Händen gegen den Kaminsims. Draco starrte in die Flammen. Sein blasses Gesicht wurde von der Wärme des Feuers leicht rot. Langsam schüttelte er mit dem Kopf: „Dort steht kein Hogwarts mehr, Ginny“, erklärte er mit gedämpfter Stimme. „Es war mit einem mal so unendlich still. Alle Magie war fort. Selbst keiner der Geister war mehr zu sehen. Es war als hätte man eine Kerze ausgeblasen und alles verschwand. Andromeda muss es geschafft haben irgendwie zu apparieren. Wir haben sie in Hogsmeade gefunden, als wir durch den Eberkopf zurückkommen wollten. Wenn sie nur eine Sekunde später verschwunden wäre, hätte sie keine Chance mehr gehabt zu verschwinden. Sie hat gesagt sie hätte gesehen, wie es alles auf sie einfiel.“
„Ich dachte in Hogwarts kann man nicht apparieren“, murmelte Ginny.
„Vermutlich haben die Schutzzauber und alles andere magische ihren Geist aufgegeben, als die Mauern in sich zusammen fielen. Andromeda muss den einzigen Moment erwischt haben, der sie dort raus gebracht hat“, fuhr Draco fort.
„Da waren keine gewöhnlichen Bomben, Ginny“, sagte Blaise. „Sie waren verzaubert. Als sie hochgingen, ging von ihnen eine Druckwelle aus.“ Blaise hielt einen Moment inne und sah Ginny an. „Sie hat alles mit sich gerissen. Alles was in diesem Augenblick noch in den Mauern war wurde zerstört. Hogwarts gibt es nicht mehr.“
„Hört auf!“, stieß Ginny aus und hielt sich ganz fest die Augen zu. „Sagt nichts mehr davon. Ich will das nicht hören!“ Sie schluckte erneut den Schmerz herunter und schnappte laut hörbar nach Luft. Tief ein. Tief aus. Sie stand kurz davor das Atmen zu vergessen. Das konnte doch nicht wahr sein.
Es klopfte. Drei Köpfe wandten sich in Richtung der Tür. Dann schob Remus die Tür zum Wohnzimmer auf und trat ein. Auf seinem Arm hielt er noch immer Teddy. Der sich fest an ihn gekuschelt und seine kleinen Fingerchen in Remus‘ Hemd geklammert hatte.
„Ich wollte ihn hinlegen, aber er fing von neuem an zu weinen, wenn er merkte, dass er alleine dort lag“, versuchte sich Remus heraus zu reden. Ginny blickte das Bild an und sah dann weg. So friedlich lag der kleine Teddy dort in Remus‘ Arm und schlummerte vor sich hin. Das Kind konnte alles um sich herum ausblenden und ruhig schlafen, wenn man ihn nur festhielt.
„Armes Ding“, murmelte Blaise und stand dann auf. „Ich nehme ihn schon. Dann kannst du schlafen.“ Blaise musterte Remus einen Augenblick und schüttelte dann den Kopf. Die Situation erschien ihm noch immer so völlig absurd.
„Potter und Black sind am Schlafen?“, erkundigte sich Draco. Remus nickte: „Davon gehe ich aus. Ich hab sie noch nicht wieder gesehen.“ Er schloss die Tür hinter sich und setzte sich an die Sofakante zu Hermine. Remus nahm ihre Hand und er gefiel ihm ganz und gar nicht, dass sie noch immer kalt war. Remus seufzte. Und beobachtete den Jungen, der sich nun in Blaise‘ Arm kuschelte. Die Haare färbten sich nun wieder braun.
„Er ist ein Metamorphmagus“, stellte Remus fest. Draco nickte langsam. „Das ist eine unglaublich faszinierende Gabe. Ich habe sie bisher nur ein einziges Mal gesehen. Ich glaube Andromedas Tochter hat sie auch.“„Ja, du hast Recht“, sagte Ginny. Keiner von ihnen sagte aber weiter etwas dazu. Was sollten sie auch sagen. Sie konnten Remus schlecht erklären, dass das hier sein Sohn war, oder?
„Was macht er denn hier?“, fragte Remus. „Wo sind seine Eltern. Hermine lag dort und er saß in ihrem Blut. Könnt ihr mir nicht sagen, was hier eigentlich passiert ist?“„Es gab einen Angriff, Remus. Hermine hat den Kleinen aus dem Versteck geholt und konnte noch in letzter Sekunde mit ihm durch den Kamin fliehen, sonst wäre er jetzt Tod. Er hat niemanden mehr.“ Ginny strich dem kleinen Teddy durchs Haar. Draco kam vom Kamin wieder zu ihnen herüber und fiel zurück in den Sessel: „Wir kümmern uns ja um ihn. Du brauchst dir keine Sorgen machen.“
Erneut öffnete sich die Tür. Sirius stand völlig aufgelöst im Türrahmen. Seine Augen waren rot angelaufen, als wäre er noch immer am Weinen. Er schnappte nach Luft und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht: „Sie ist tot“, flüsterte er atemlos.Remus ergriff sofort wieder Hermines Hand um es nachzuprüfen, schüttelte dann aber den Kopf: „Nein sie lebt noch.“„Was redest du da, Black? Sie liegt noch hier. Noch ist sie hier bei uns!“, meinte Draco. Nun schüttelte Sirius den Kopf und schniefte erneut: „Ich rede nicht von Hermine“, erklärte er traurig. „Ich rede von Andromeda.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel