
von Freaky-Angel
Kapitel 15 – Das Schicksal der drei Schwestern
Der Raum war dunkel und wurde nur von einer einzigen Kerze erhellt. Sie saß auf dem Bett, weit hinten und mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt. Sie atmete ein und aus. Ein und aus. Ihr fiel das Atmen schon seit einer geraumen Zeit etwas schwerer, doch sie hatte Niemandem bisher erzählt, dass sie damit rechnete nicht mehr lange zu leben. Sie hatte selbst gekämpft. Bis zum letzten Atemzug.
Es war Jahre her, da hatte sie ihre kleine Tochter durch die Wohnung und in die Küche getragen. Doch die Kleine hatte sich nur ungern von ihr tragen lassen. Sie war doch so stolz gewesen endlich selbst laufen zu können. Einzig von ihrem Vater hatte sie sich tragen lassen. Gemeinsam mit Ted hatten sie die Lebensfreude von Nymphadora immer bewundert. Ihre Tochter hasste sie für diesen Namen, doch dies war Andromeda völlig gleich. Nymphadora war einzig. Das war das Einzige was zählte. Gegen alle Zwänge der damaligen Zeit hatte sie sich für Ted entschieden. Keine sehr leichte Entscheidung wenn man den Namen Black trug. Doch Andromeda war es gleich was ihr Name sagte. Und so war sie auch sehr froh darüber den Namen Tonks zu bekommen. Dass ihre Tochter auch später nur auf den Namen Tonks hören wollte, war ihrer Dickköpfigkeit zu verdanken. Doch auch dies hatte sie von ihrer Mutter. Ted war stolz auf seine beiden Mädchen. Einzig Nymphadoras Liebe zu einem Werwolf schien den Vater zu beunruhigen. Es war nicht einmal der Altersunterschied. Allein die Angst man könnte seiner Tochter auf Grund ihrer Partnerwahl verachten bereitete dem Vater Sorge. Doch Andromeda ließ ihrer Tochter freie Hand. Auch sie hatte sich gegen den Willen ihrer Eltern gestellt. Niemals wollte sie dem Glück ihres einzigen Kindes im Weg stehen.
Als im April 1998 Ted Lupin dann das Licht der Welt erblickte hatte Andromeda ihren Ted bereits verloren. Sie flehte ihre Tochter an auf sich aufzupassen, doch als auch diese in den Krieg zog blieb Andromeda gebrochen mit dem kleinen Säugling zurück. Viele spendeten ihr Trost. Das größte Glück erfuhr Andromeda als sie ihrer Schwester Narcissa wieder begegnete. Ein Treffen ohne Hass und Abscheu. Und Andromeda war schon ein bisschen Stolz ihrer jüngeren Schwester ein Enkelkind präsentieren zu können.
Es war nicht leicht. Sie hatte in so kurzer Zeit alles verloren was sie liebte. Und das einzige was ihr geblieben war, war dieses Kind. Andromeda war verzweifelt. Sie hätte am liebsten ihr eigenes Leben beendet um nur wieder bei ihrem Mann und ihrer Tochter sein zu können. Doch Andromeda hatte ihrer Tochter versprochen das Kind mit ihrem Leben zu schützen. Nach Ende des Krieges war das nicht mehr notwendig geblieben, doch sie hatte das Kind nicht alleine zurück lassen können. Seine Paten Hermine Granger und Harry Potter besuchten den Kleinen bald täglich und Harry und Ginny waren sogar gewillt den Kleinen bei sich auf zunehmen und als eigenes Kind groß zu ziehen, doch noch immer war Andromeda nicht gewillt den Kleinen aus ihrer Obhut zu geben. Er war doch das Einzige was ihr geblieben war.
Andromeda spürte es in ihrem Inneren, das die Zeit bald kommen würde, als Mitte Januar Hogsmeade angegriffen wurde. Man versteckte sie mit Teddy in Hogwarts, in dem Glauben sie in Sicherheit zu wissen. Andromeda war gerührt von der Sorge seitens Hermine und ihrem Neffen Draco. Und da wusste sie, dass es keinen besseren Platz für den kleinen Teddy gab, als bei Hermine. Die Liebe die sie dem Kind schenkte, war Aufrichtiger und Größer als alles andere was Andromeda in den letzten Jahren gesehen hatte. Wenn sie gehen musste, dann würde er es gut haben.
Sie war erst 47 Jahre alt. Und fühlte sich dennoch wie eine uralte Frau. Vielleicht lag es daran, dass sie auf ein für sie selbst als gut empfundenes Leben geführt hatte. Es lagen viele dunkle Schatten auf allen Episoden, doch sie war glücklich gewesen. Bis zu jenem Moment in dem man ihr ihre Tochter genommen hatte. Und dass von Andromedas eigener Schwester. Nein. Sie wollte nicht mehr.
Es klopfte an der Tür. Andromeda öffnete die Augen und schloss diese wieder müde, als sie die Gestalt ihres Cousin‘ ins Zimmer huschen sah. Ja, ja. Da spielte ihr Kopf wirklich Scherze mit ihr. Sie hatte es geahnt. Es würde nicht mehr sehr lange dauern.
„Hallo Sirius“, sagte sie müde und schenkte ihm ein lächeln. Er setzte sich auf einen Stuhl ihr gegenüber und musterte sie eindringlich. Sie lachte. Er war noch so jung. Noch viel jünger als bei seinem Tod. Ob sie die Chance der Jugend im Tod ebenfalls erhalten würd?
„Wie geht es dir?“, fragte sie langsam. „Es ist lange Zeit her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.“
„Du siehst alt aus“, bemerkte Sirius zunächst. Er wusste nicht wie er hiermit umzugehen hatte. Er hatte sie wirklich Ewigkeiten nicht mehr gesehen und sie war auch nicht die Person, die er gekannt hatte. Diese Andromeda war so viel älter. Es war alles anders. Sie war eine junge Mutter gewesen, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Nun schaute sie erschöpft aus.„Herzlichen Dank, Mr. Black. Ich dachte, deine Mutter hat dir beigebracht wie man sich einer Dame gegenüber verhält?“, scherzte sie.
„Das wäre auch das einzig Gute, was ich je von ihr lernen durfte“, schnaubte Sirius. Andromeda lachte wieder. Ja, das war ganz genau der Sirius den sie kannte und immer geliebt hatte. Der einzige Verwandte in den Reihen der Blacks den sie wirklich gemocht hatte.
„Es ist schön dich hier zu haben“, bemerkte sie und schloss wieder die Augen. „Nach all dem was passiert ist habe ich jetzt dennoch ein wenig Angst hiervor.“
„Wovor?“, fragte er vorsichtig.
Sie lachte wieder: „Keine Spielchen, Black. Ich bin jetzt alt genug.“ Sie zwinkerte. Sirius verstand nicht was sie meinte, doch sie war wirklich müde. Ungern wollte er jetzt mit ihr diskutieren. Ihr Gesundheitszustand schien auch nicht der beste zu sein. Er wollte sie nicht aufregen.
„Worüber magst du Reden, Sirius? Erzählst du mir wie lange es dauert?“
„Ich weiß nicht genau was du meinst, Andromeda. Aber ich rede mit dir über alles was du möchtest“, versuchte er ihr auszuweichen. Er schien so langsam zu ahnen, dass sie ihn nicht für echt hielt. Kein Wunder. Er war ja auch eigentlich tot. Nun denn. Draco sagte, es wäre das Beste wenn keiner wisse was los ist. Also würde er Andromedas Spielchen mitspielen.
„Dann erzähle mir, Sirius. Du bist nicht böse auf ihn, nicht wahr?“
„Auf wen sollte ich böse sein?“, fragte er verwundert.
„Auf deinen Freund Remus natürlich. Ihr habt ihn schon damals nach eurem Schulabschluss aufgezogen. Es war doch abzusehen, dass sie es irgendwann tun würden. Und der Kleine ist ein Engel. Niemand kann es ihnen verübeln, dass sie etwas so wunderbares in die Welt gesetzt haben.“ Andromeda lächelte und ergriff Sirius‘ Hand. „Teddy ist sein Ebenbild.“
Einen Moment saß Sirius da und starrte seine Cousine perplex an. Er erinnerte sich nicht sonderlich gut an das wovon wie sprach. Doch als sie Teddy erwähnte, läuteten in seinem Kopf die Glocken. Der kleine Junge eben? Das war Remus‘ Sohn?
„Jetzt sag schon. Du kannst ihm unmöglich böse sein.“
„Es ist gefährlich. Er hätte so werden können wie er. Remus wollte nie, dass jemand verletzt wird. Er ist immer so verantwortungsvoll“, redete Sirius sich heraus. Ihm fehlten die Worte. Remus hatte seine Cousine zweiten Grades geehelicht?
„Sie sind glücklich?“, fragte Sirius.
Andromeda lächelte: „Das waren sie wirklich. Es waren nicht die besten Zeiten, aber Nymphadora hätte niemals glücklicher sein können. Als sie das kleine Ding in ihren Armen hielt und sich seine Haare rot färbten, da hat sie angefangen zu weinen. Remus hat nur vor ihr gekniet und ihre Hände geküsst.“ Ein Schniefen war zu hören. Andromeda wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und atmete tief ein. „Das darf der Kleine niemals vergessen, Sirius. Er darf niemals vergessen wie glücklich seine Eltern waren als er gesund auf die Welt kam.“ Sie schluckte und wischte sich einen Schwall weiterer Tränen aus dem Gesicht.
„Das wird er bestimmt wissen!“, erklärte Sirius bestimmt. „Das wird ihn mit Sicherheit niemand vergessen lassen.“ Er setzte sich neben seine Cousine auf das Bett und strich ihr mit der Hand durch die Haare. Andromeda schniefte erneut und lehnte sich an Sirius. Sie bettete ihr Gesicht gegen seine Schulter und lächelte. Als kleine Kinder hatten sie sich so zusammen gekuschelt. Auf Familienfeiern hatte sich Sirius immer etwas verloren gefühlt und war dann zu seiner älteren Cousine gekommen. Sie hatte ihn im Arm gehalten und sogar eine Gute Nacht Geschichte erzählt wenn es schon sehr spät gewesen war.
Sie lachte leise: „Weißt du noch wie wir Regulus haben glauben lassen wir wollten heiraten?“, fragte sie und kicherte. Sirius grinste plötzlich über beide Ohren. Oh ja! Das war ein Spaß gewesen. Andromeda war nur sechs Jahre älter. Ein solcher Altersunterschied war im Haus der Blacks noch überhaupt nichts. Und sie wären nicht die ersten Cousin und Cousine gewesen die geheiratet hätten. Die meisten waren untereinander verheiratet worden. Regulus Black allerdings hatten sie einreden wollen, sie würden es aus freien Stücken tun. Natürlich Widersprach die Vorstellung einer Heirat zwischen ihnen ganz und gar nicht ihren Vorstellungen. Doch an diesem einen Weihnachtsfest. Sirius war nach seinem ersten halben Jahr in Hogwarts nach Hause gekehrt und Andromeda sollte bald ihren Abschluss machen, da hatten sich die zwei einen Plan ausgeklüngelt.
„Oh ja!“, lachte Sirius. „Der Knirps hat uns sogar an Narcissa verpetzt, wenn ich mich richtig erinnere.“Andromeda nickte: „Ja, aber Cissy war schlau genug um zu erkennen, dass es nur ein Scherz sein sollte. Außerdem war sie damals schon völlig verknallt in ihren Lucius.“
„Bis über beide Ohren“, verdrehte Sirius die Augen. Sirius vermochte Narcissa in dieser Hinsicht gerne mit James und Lily vergleichen. Nur dass Narcissa in gewisser Weise die Rolle von James eingenommen hatte. Sie war besessen von der Vorstellung einmal in weiß zu heiraten und dann den Namen Malfoy tragen zu dürfen.
Narcissa hatte als junges Mädchen wirklich äußerst hübsch ausgesehen. Sirius gab gerne zu, dass sie die hübscheste seiner Cousinen war. Klug und gebildet war sie. Auch wenn es Keiner Wissen durfte, so hatten sie sich anfänglich, als sie noch gemeinsam Hogwarts besucht hatten abends zusammen Zauberschach gespielt. Natürlich durfte das niemand wissen. Sirius wollte nicht, dass jeder mitbekam, dass er für einzelne Mitglieder in seiner Familie doch ein wenig etwas übrig hatte. Und für Narcissa wäre es auch eine Schande gewesen sich mit dem schwarzen Schaf der Familie abzugeben.
In jungen Jahren hatte sie nicht viel für Jungs übrig gehabt. Erst als sie in der dritten Klasse die Erlaubnis erhielt das Dorf Hogsmeade zu besuchen spielte auch das eine Rolle in ihrem Leben. Den drei Schwestern hatte man von Anfang an klar gemacht, wie wichtig dieses Privileg war. Sich in der Öffentlichkeit mit einem jungen Mann zu zeigen wurde in der Gesellschaft mit wachsamem Auge beobachtet. Während nun Andromeda keinen großen Wert darauf legte, was andere von ihr hielten, so zeigte Narcissa sich immer nur von ihrer besten Seite. In ihrem gesamten dritten und vierten Schuljahr hatte sie keine einzige Verabredung. Unnahbar wie sie tat, wurde sie trotzdem ständig gefragt ob sie eine Begleitung wollte. Letztlich wollte Narcissa schon nur nicht irgendwen. Es war ihre Mutter Druella, die Narcissa schließlich zu Beginn des fünften Schuljahres nahelegte endlich eine Verabredung für die Wochenenden zu finden. Sie war schließlich schon Fünfzehn. Wenn sie mit überhaupt niemandem ausging, so machte das wohl ebenfalls einen schlechten Eindruck. Nachher glaubte man noch mit Narcissa würde irgendetwas nicht stimmen. Das war die schlimmste Befürchtung, die die Mutter haben konnte. Nur unfreiwillig beugte sich Narcissa dieser Bitte. Andromeda beobachtete gespannt, wem Narcissa die erste Ehre erweisen würde. Nur mit Missmut stellte sie fest, dass Narcissa für ihr Debüt Rabastan Lestrange wählte. Die beiden hatten sich wohl auf der Hochzeit der älteren Geschwister kennen gelernt. Andromeda hatte damals zwar nicht den Eindruck gehabt, dass sie sich sehr nahe gestanden hatten, doch scheinbar hatte die Begegnung ausgereicht um ihn für die folgenden Verabredungen auszuwählen. Andromeda konnte nicht ahnen, dass ihre jüngere Schwester ein Abkommen mit dem jungen Lestrange getroffen hatte. Denn Narcissa besaß niemals ernsthaftes Interesse am Lestrange. Nein die jüngste der drei Schwestern hatte schon immer ein Auge auf den Aschblonden jungen geworfen, der nur ein Jahr älter war als sie selbst. Doch Lucius schien die unnahbare Art abzuschrecken. Und die Tatsache, dass sie sich nun für Lestrange entschieden hatte, weckte auch kein größeres Interesse bei dem jungen Malfoy.
Schließlich wagte es Narcissa im Frühjahr ihrer ZAG-Prüfungen den jungen Malfoy darum zu bitten, sie zum nächsten Familienfest zu begleiten. Dass sie damit einen Grundstein für ihre Ehe gelegt hatte, konnte Narcissa damals unmöglich gewusst haben. Andromeda liebte ihre jüngere Schwester sehr und fühlte sich geschmeichelt darüber von Narcissa zu hören, dass sie am liebsten Andromeda zu ihrer Brautjungfer machen wollte. Narcissa wurde jedoch enttäuscht, als Andromeda den Muggel Ted Tonks heiratete und damit aus der Familie hinausgetreten war. Lange hielt Narcissa ihrer älteren Schwester dies vor. Doch als sie dann selbst mit Lucius Malfoy vorm Altar stand, dachte sie an Andromeda und wusste dass ihre ältere Schwester nur das getan hatte, was jeder getan hätte, wenn er so verliebt gewesen wäre wie Narcissa. Sie war glücklich an seiner Seite. Ihre Eltern waren stolz und entzückt von ihrer Wahl. Hatte man doch Jahrelang auf eine Verbindung mit den Malfoys gehofft.
Die Hochzeit fand 1974 statt. Narcissa trug ein schneeweißes, atemberaubendes Kleid und glitt wie ein Engel ihrem Lucius zum Altar entgegen. Dass sie in den kommenden Jahren ein schweres Schicksal zu tragen hatte, davon hatte zum Zeitpunkt der Hochzeit niemand etwas ahnen können.
Narcissa erlitt vor der Geburt ihres ersten und einzigen Kindes Draco Malfoy im Jahr 1980 zwei Fehlgeburten. Als junge Frau traf sie dieses Schicksal hart und einige Heiler hatten ihr auch davon abgeraten erneut ein Kind in die Welt setzten zu wollen, da man nicht glaubte dass Narcissa überhaupt in der Lage sein würde jemals Kinder zu bekommen. Narcissa jedoch war stark. Wirkte sie doch auf alle wie ein zartes, zerbrechliches Kind, so war ihr innerer Kampfwille stärker als alles andere. Gegen allen Irrglauben gebar sie im Juli des Jahres 1980 einen kleinen Jungen. Einen Erben. Man war sehr stolz auch sie. Auch wenn Narcissa sehr gerne noch weitere Kinder gehabt hätte, gab sie sich mit dem einen kleinen Jungen zufrieden. Sie liebte dieses Kind. Und sie konnte sich gegen Lucius durchsetzen, als dieser ihren kleinen Jungen nach Durmstrang schicken wollte. Narcissa ließ es nicht zu, dass man ihr ihren Jungen wegnahm. Sie war nicht dumm. Natürlich gefiel es ihr nicht, dass Lucius sich bei der Rückkehr Voldemords erneut den Todessern anschloss, doch sie behielt die Ruhe. Keines Falls wollte sie es riskieren, dass ihr Verhalten ihrem Mann oder ihrem Sohn schadete. Für sie gab es im gesamten Krieg nur ein Ziel: Ihre Familie zu schützen. Mochte dieser einfache Gedanke einer gewesen sein, der sie mit vielen anderen Müttern verband. Vielleicht verband sie genau dieser Gedanke mit Lily Potter, als sie im Verbotenen Wald den Todessern und Voldemort erklärte Harry Potter sei tot. Sie setzte alle Hoffnungen in diesen Jungen, er allein war in der Lage ihr ihre Familie zurück zu geben.
„Ist Narcissa glücklich?“, fragte Sirius. Er erinnerte sich noch gut daran, dass er am Glück seiner Cousine gezweifelt hatte, als sie dann wirklich auf die Hochzeit zugeschritten sind. Er erinnerte sich an ein Gespräch mit Hermine als Jane im Krankenflügel. Damals als Hermine ihm erzählte dass Draco Malfoy sie wegen James in die Vergangenheit geschickt hatte. Sirius wäre an ihrem Krankenbett beinahe ausgeflippt. Er hatte viele schreckliche Dinge gesagt und sie unter Druck gesetzt.
„Sehr glücklich, Sirius“, flüsterte Andromeda. „Das ist sie noch immer.“ Sirius nickte und senkte den Blick. Er hatte falsch gelegen, damit dass es sich bloß um eine Zwangsehe gehandelt haben müsse. Er wusste, Narcissa hätte ihren Lucius bereits mit 17 geheiratet, wenn sie nicht dazu ermahnt worden war ein wenig zu warten. Solch überstürztes Handeln in kindlicher Verliebtheit schickte sich für eine Black nicht. „Und ihr Sohn ist wirklich sehr anständig. Ich hatte leider erst in den letzten zwei Jahren das Glück ihn näher kennen zu lernen, aber er ist ein sehr anständiger junger Mann. Er wird wohl bald heiraten.“
Sirius begann zu lachen: „Ich hab ihn anders kennen gelernt. Ruppiges Kind. Ich könnte mir eigentlich besseres vorstellen, als ihn jeden Tag zu sehen. Wen heiratet er denn?“, fragte Sirius verwundert. Etwa Hermine? Seine Hermine? Das würde er unter gar keinen Umständen zulassen. Er hatte schon so etwas geahnt. Aber er verstand nicht so ganz. Hermine war doch noch immer mit diesem Ron zusammen? Seit sie sich diesen einen Abend im Januar im Schnee geküsst hatten und Hermine ihm erneut gesagt hatte, dass sie ihn liebt, war wieder Funkstille gewesen. Es war als hielten sie es nur für einen Moment miteinander aus um dann wieder Tage, Wochen keine großen Worte zu wechseln, um sich dann wieder näher sein zu wollen und das Spielchen ging von vorne los. Hermine wusste wirklich nicht was sie wollte. Aber Malfoy? Konnte das möglich sein?
„Oh, das ist ein Geheimnis. Er hat es mir anvertraut. Selbst seine Eltern wissen noch nichts davon. Ich denke außer mit und ihm weiß es noch niemand. Und er traute sich bisher auch noch nicht sie zu fragen. Draco sagte es wäre im Augenblick ein zu großer Trubel. Er wolle warten bis sich alles wieder beruhigt hat. Er möchte ihr keine Schwierigkeiten bereiten.“ Andromeda gähnte und kuschelte sich an Sirius. „Sie ist eine hübsche junge Frau.“
„In der Tat“, knurrte Sirius beleidigt.
„Du kennst sie?“, fragte Andromeda verwundert.
„Ich vermute schon“, murmelte er betroffen.
„Sie ist wunderbar nicht? Er hat eine sehr anständige Wahl getroffen. Aus reinstem Herzen. Ich hätte nach all dem nicht gedacht, dass er eine so freie Seele hat. Er handelt wie seine Mutter.“ Andromeda lächelte Seelig. „Ich wünsche den beiden nur alles Glück dieser Welt.“
Sirius schwieg. Er konnte nichts sagen. Was sollte er sagen? Zu verstört war er über diese Information.
„Oh, es tut mir furchtbar Leid, Sirius“, beklagte sich Andromeda dann. Sirius blickte sich zu ihr um. Wusste Andromeda, dass er Hermine liebte? „Nach allem was passiert ist. Ich hätte niemals gedacht dass es so endet. Das hätte ich von Bella niemals gedacht.“Bella. Oh ja, Sirius hatte seine älteste Cousine nie ausstehen können. Aber was hatte Bellatrix jetzt hiermit zu tun?
„Ich konnte sie danach sehr lange nicht ansehen. Natürlich konnte ich ihr nicht sagen wieso, aber… ich kann nicht verstehen wie sie so werden konnte, Sirius. Wie konnte nur das aus ihr werden?“, fragte sie ein wenig bedrückt. Andromeda seufzte und legte den Kopf aus Sirius‘ Schulter ab. „Wir haben immer zu ihr aufgesehen, Narcissa und ich. Als wir kleine Mädchen waren und sie endlich nach Hogwarts kam. Wir haben sie vergöttert, erinnerst du dich?“
„Falls du dich erinnerst, Bella und ich waren nie die dicksten Freund“, Sirius verdrehte die Augen. Wahrhaftig nicht. Sirius war auch gerade mal drei Jahre alt gewesen als Bellatrix nach Hogwarts gekommen war. Wie sollte er sich daran erinnern. Sirius erinnerte sich bloß an elendige Familienfeiern, als er in späteren Jahren selbst nach Hogwarts und Gryffindor gekommen war. Bellatrix hatte damals längst die Schule abgeschlossen und war mit Rodolphus Lestrange verheiratet gewesen. Sie hatte ihm jedes Mal aufs Neue unter die Nase gerieben wie unglaublich sie es fand dass Sirius nicht in Slyhterin gelandet war. Und gerade Gryffindor war ihr ein Dorn im Auge. Mit den Jahren hatten Sirius und Bellatrix sich jedes Mal nur in die Haare bekommen, bis der Kontakt dann irgendwann gänzlich abgebrochen war. Sirius hatte dem keine Träne nachgeheult. Mit Sicherheit nicht. Er war froh Bella nicht mehr sehen zu müssen, geschweige denn sich ihr dummes Gequatsche anhören zu müssen.
„Oh ich weiß, du warst du klein dafür. Aber sie war nicht immer so. Erst im Laufe der Jahre in Hogwarts und mit der Heirat mit Lestrange hat sie sich so verändert. Ich hätte nie gedacht…ich meine…sie hat mein Kind…“ Andromeda liefen die Tränen die Wange hinab. Sie schluchzte auf und begann zu weinen. Schlagartig drückte Sirius sie fester an sich. Er hatte nicht ganz verstanden, was seine Cousine ihm hatte sagen wollen. Doch er nahm an das Bellatrix etwas sehr schlimmes getan hatte. Und es verletzte Andromeda zutiefst.
„Sie hat mich so angeschrien, als ich Mutter erzählte dass ich mit Ted ausgehe. Sie haben es alle nicht gebilligt. Aber als ich dann auszog um ihn zu heiraten. Du hättest Bellatrix‘ Gesicht sehen müssen. Sie hat sich für mich geschämt. Und Narcissa…die Kleine…sie…sie war so enttäuscht von mir.“ Andromeda schluchzte weiter und Sirius merkte wie so langsam sein Hemd nass wurde. Er atmete tief ein und aus und strich ihr durch das lange schwarze Haar. Er erinnerte sich nur zu gut. Kurz danach hatte Andromeda ihr einen Brief geschrieben und von seiner Mutter hatte er ebenfalls eine Nachricht bekommen. Sie hatte ihm verboten weiteren Kontakt zu Andromeda aufzunehmen. Er hatte sich natürlich nicht daran gehalten.
„Diese Eifersüchtige Gans“, fluchte Andromeda los. „Sie war nur neidisch. Ich habs in ihren Augen gesehen. Bella, sie…nur weil sie diesen Lestrange nicht geliebt hat und sich von unseren Eltern den Mann hat vorsetzten lassen. Sie hatte doch immer dieses Vorlaute Mundwerk. Sie hätte auch was sagen können!“, rief Andromeda los. Sirius drückte sie beschwichtigend an sich. Sie musste sich beruhigen. Sonst eckte sie das gesamte Haus auf. Er wollte sich nicht mit Snape darüber unterhalten, was hier vor sich ging. Sirius genoss diese Minuten mit seiner Cousine. Er wollte jetzt nicht gestört werden.
„Hund die bellen, beißen nicht“, erklärte Sirius frei heraus und wischte seiner Cousine die Tränen aus dem Gesicht.
Andromeda grinste etwas und atmete tief durch: „Vermutlich hast du da Recht.“ Sie lachte leise. „Wäre sie nur so clever gewesen wie Narcissa. Sie hätte sich vorher auch schon selber wen suchen sollen. Aber dafür war sie unsere liebe Bella ja zu fein. So etwas wie Liebe gibt es ja nicht.“
„Natürlich gibt es die“, empörte sich Sirius. Und erneute lachte Andromeda.
„So, so. Hast du dann doch dein Glück gefunden, Sirius?“, fragte sie langsam und gedehnt. Sie hatte sich auf das Bett zurück gelehnt und die Augen geschlossen. Sirius war vom Bett aufgestanden und an das Fenster getreten. Er schaute hinaus.
„Gefunden schon, aber noch nicht eingefangen“, flüsterte er. Er hörte Andromeda kichern.„Worauf wartest du dann?“
„Ich denke nicht dass es klappt. Es ist kompliziert.“
„Nun ja, du kannst niemanden mehr enttäuschen. Deine Eltern und dein Bruder sind tot. Niemand kann dir vorschreiben…“ Andromeda brach ab und begann zu lachen. Sie versuchte einem Toten zu erklären dass…ach sie war wirklich etwas verrückt. Natürlich war es kompliziert. Wenn er tot war und sie nicht. „Hast du es ihr gesagt?“, erkundigte sie sich. Vielleicht war es das was ihm solche Sorgen bereitete. War ihr Cousin gestorben, bevor er die Chance gehabt hatte sich dieser Tatsache zu stellen?
„Ja. Sie weiß es. Sie wusste es die ganze Zeit. Und doch…Sie hat sich schon einmal gegen mich Entschieden. Ihre Freunde brauchten sie.“
„Es ist sehr tapfer sich für seine Freunde zu entscheiden. Da hast du dir die Richtige ausgesucht, Sirius.“ Sie war so müde. Andromeda rutschte weiter in die Ecke und lehnte sich zurück. Sie wollte nur noch Schlafen.
„Das habe ich immer gewusst“, flüsterte Sirius lächelnd. Natürlich hatte er immer gewusst, dass sie die Richtige war. Immer. Auch als er mit Liz zusammen gewesen war. Und genau das sollte Liz gewusst haben? Er hatte es so lange verdrängt. Er hatte auf Liz aufpassen wollen. Und als dann auch Liz gestorben war. Sirius hatte es ohne seine Hermine nicht mehr ausgehalten.
„Ich wünschte es gäbe da einen Weg, Dromeda. Aber ich glaube sie wird sich auch dieses Mal gegen mich entscheiden. Und wahrscheinlich braucht sie mich auch nicht mehr. Sie sind alle hier und machen sich Sorgen um sie. Sie ist niemals allein.“ Er seufzte und wandte sich zu seiner Cousine um. Er lächelte. Schlief sie etwa?
„Bist du eingeschlafen, Dromeda?“, fragte er leise. Sie gab keinen Mucks von sich. Er grinste noch breiter. Dieses Spiel kannte er doch schon. Vorsichtig trat er zu ihr herüber und pikste sie leicht in die Seite. Wieder kein Mucks. Nicht mal ein Brummen, so wie er es von früher kannte.
„Dromeda?“, fragte er erneut. „Alles okay?“ Sirius ergriff ihre Hand und hob sie an, doch Andromeda leistete keinen Widerstand. Ein wenig mulmig wurde ihm schon. So schnell schlief doch keiner so tief und fest oder?
Sirius rüttelte sie leicht und legte dann seine Hand auf ihre Brust. Er spürte keinen Herzschlag mehr. „ANDROMEDA“, rief er etwas lauter. Er suchte ihren Puls. Er fühlte nichts. Panik stieg in ihm hoch. Tränen stiegen ihm in die Augen. Das konnte nicht… Das durfte nicht.
„ANDROMEDA!“, rief er erneut aus und packte sie ein weiteres Mal um sie feste zu schütteln.
Die Tür ging auf. Sirius wandte den Blick um. Da stand Snape in der Tür. „Was brüllst du hier so rum, Black?“
Und Sirius hörte Schritte. Sekunden später stand dort auch James.
„Was ist los? Geht’s dir nicht gut, Tatze?“
„Sie…sie…sie war gerade noch da. Wir haben uns unterhalten. SIE WAR DOCH GERADE NOCH BEI MIR“, schrie Sirius panisch. Snape trat weiter ein und kam ebenfalls an das Bett. Er schob Sirius zur Seite und James kam zu seinem besten Freund herüber.
Sekundenlang herrschte schweigen.
„Sie ist tot“, hauchte Snape. „NEIN!“, entgegnete Sirius. „Auf gar keinen Fall. Wir haben uns hier unterhalten. Wir haben geredet. So gut und so lange wie seit Jahren nicht mehr. Sie…sie war da. Hier bei mir. Sie ist nicht…“„Beruhig dich, Black“, knurrte Snape ihn an und packte ihn bei den Schultern um nun Sirius zu rütteln. James stand wie versteinert daneben. Auch er hatte Andromeda viel zu gut gekannt um zu begreifen, dass sie fort war.
Sirius liefen die Tränen die Wange hinunter und er stürmte an Snape und James vorbei aus dem Zimmer. Er musste jetzt nach Hermine sehen. Wenn sie auch… Er schnappte nach Luft und versuchte zu atmen.
Er riss die Tür zum Salon auf und blickte in vier fragende Gesichter. Er entdeckte das Kind bei dem schwarzen Mann auf dem Arm. Es schlief seelenruhig. Da saß Remus an der Sofakante bei Hermine. Doch alle starrten ihn an.
„Sie ist tot“, flüsterte er atemlos. Er sah Remus der sofort Hermines Hand ergriff um es nachzuprüfen, schüttelte dann aber den Kopf: „Nein sie lebt noch.“ „Was redest du da, Black? Sie liegt noch hier. Noch ist sie hier bei uns!“, meinte Draco. Nein sie verstanden nicht. Es ging nicht um Hermine. Dieses Mal nicht. Er schüttelte mit dem Kopf und begann zu schniefen. Er konnte seinen eigenen Schmerz nicht in Worte fassen.
„Ich rede nicht von Hermine“, erklärte er traurig. Er hielt inne und klammerte sich an den Türrahmen. Andernfalls glaube er nicht stehen zu können.„Ich rede von Andromeda.“
~°~
A/N: Die Angabe über Narcissas Hochzeitszeitpunkt widerspricht sich hier ein bisschen mit meiner Angabe aus Teil 1. In Kapitel 30, besagter Szene in der sich Sirius und Hermine über Draco unterhalten, sagt Sirius dass Narcissa noch heiraten wird. Das wäre dann 1977 gewesen. In Anbetracht dieses Kapitels und der Tatsache dass Narcissa 1955 geboren wurde (Angabe aus dem Stammbaum des Blacks) habe ich mir überlegt, dass es realistischer ist wenn Narcissa schon etwas früher geheiratet hat. Ich hoffe es nimmt mir niemand diese Ungereimtheit übel.
Zudem erscheint Andromedas Altersangabe mit 47 Jahren vielleicht als sehr jung, aber auch diese Angabe habe ich dem Stammbaum der Familie Black entnommen.
Ihr dürft dabei eben nicht vergessen. Dass die Darsteller dieser Generation in den Filmen eigentlich etwas zu Alt gewählt wurden und dass sie alle sehr jung, mit vielleicht gerade Mal 20 Jahren Kinder bekommen haben. Das war zu dieser Zeit nicht unüblich.
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